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Dez 9 18

Die Warze

Geh, blondes Weib, mit deinem knappen Kleide
nicht weiter, daß von hohen Minaretten
kein Sichelmond durch deine Flechten schneide,
sich nicht wie Wüstennattern Blicke kletten

um deine warme Brust, ihr Tanz wird stocken,
wenn giftige Schäume in den Ausschnitt spritzen.
Du halte inne, Jakob mit den Schläfenlocken,
ein Messer lugt nach Davids Sternenspitzen.

Du, arischer Knabe mit gewiegten Hüften,
du streifst willkommen nicht durch Feindes Zonen,
wo Anmut siecht in scharf durchschnalzten Lüften

und deutschen Blutes Racheengel wohnen.
Verfaulet oder holt die Feuerzange
und brennt die Warze von der Mutter Wange.

 

Dez 8 18

Das Erlöschen einer Ikone

Auf Balustraden strotzt der Taubenkot,
die edle Wucht der hellen Dorersäulen
ist entstellt von Graffiti, urinverätzt,
dem Adler auf dem Portikus kleben Kondome
in den tauben Klauen, auf dem Platz,
weit wie der Atem feierlicher Hymnen,
dudelt ein Saxophon im Negerslang
von rohen Lüsten unbeschnittener Herzen.
Am Monument des Dichters, dessen Glut
im goldnen Wein der Elegie die Lippen
der Liebenden zu eignem Wort erweckt,
lungern Fixer, Nutten, Strolche, deren Messer
orientalisch funkeln, und im Schmarotzerfett
des Nomadenpatriarchen der schwarze König,
dem wilden Samens Enkel den Diamant
am Ring des hingereckten Fingers küssen.
In den Pinkellachen vor dem Supermarkt,
der auf die Hostie triefenden Nase
des stinkenden Bettlers, im offenen Hosenstall
des messianisch verklärten Vagabunden
ist mir, o Franz, die Ikone des Armen erloschen.

 

Dez 7 18

An die Wäsche gegangen

Eine Fledermaus in lausig-kalter Höhle,
starren Sinnes über verkotetem Urgestein
unmetrisch im Winde baumelnd,
manchmal zuckt einfallslos
der lange Griffel der Hand,
manchmal schielt ein schlaftrunkenes Auge,
hängt zwischen Tag und Nacht
das Gespenst des Gedichts
und träumt von warmen Herzen,
die sich ihm schenken,
und die dürren Flügel aneinanderschabend,
von ihrem berauschenden Blut.

So leicht erregt fliegen an der Leine
die weißen Ärmel des geblähten Hemds
und schicken amputierte Liebesgrüße
zu nachbarlichen Balkonen,
so voll kaum noch, nicht mehr
einzuhaltender Lust tröpfeln
die stumpfen Hosenbeine
eines zum Trocknen aufgehängten Traums.

Kopfüber schaukelt das Mädchen im Hof,
der Rock wie eine kaum lesbare,
überflüssige Fußnote ganz tief
unten an den Seitenrand geweht,
das Hohn glänzende Versprechen
eines melodisch gespannten Gesäßes
zum blauen Himmel gewölbt
und den puttenkleinen roten Dämonskopf
rückwärts zwischen die Knie gepreßt,
verdreht es hysterisch die Augen
oder streckt dem gaffenden Dichterlein
über eine unschlüssig hinauf-, hinab-, hinausgezögerte Zeile hinweg
die flatternde Zunge heraus.

 

Dez 7 18

Der verwunschene Garten

Sunt lacrimae rerum

Dort sitzt an der steinernen Pforte der Engel,
das Haupt in die Hand gestützt, ergrauten Angesichts,
als hätte Schwermut ihm die Stirne mit Asche bestrichen,
und seine Flügel hängen schlaff über den kotigen Stein,
als wäre die Blüte der Federn von Sonnen unlösbarer Rätsel versengt.
Die Schwelle liegt blank, wie zwischen Tag und Nacht
das Ufer tropischer Meere geisterhaft zitternd heraufglänzt.
Jenseits bannen kleine Flammen auf irdenen Altären
aus Moos und Efeu und Gras, und ein Schluchzen,
als wären unter das Blattwerk auf den Wegen liebende
Seelen verscharrt, die rettungslos und blind
ohne Blut einander durch das Dickicht und den Dunst
der Verwunschenheit rufen. Als suchten schlaflos Irrende
nach dem feuchtem Blicke sanfter Augen, daß Schlummers
Tau mütterlich er ihnen spende. Dort tunkt die Weide
ihre ohnmächtigen Arme in die schwarzen Wasser,
die in langen Seufzern vorüberrinnen, und kein Stern
glimmt im Witwenschleier ihrer Nacht. Dort ragt
die Ulme und ihre Blätter röten sich wie Narben,
die ein Stich der Erinnerung jählings aufreißt.
Zwischen der Weide und der Ulme hockt der Gram
auf einem Hügel aus Dung und verworfenen Dingen,
und schnitzt aus rohen Scheiten wieder und wieder
einen zierlichen Vogel und wirft den toten, denn nicht singt er, weg.
Höhlt er das Rohr aus den Binsen, wie sie am Wasser
ewiger Dämmerung hier beben, und bohrt sich Löcher,
fehlt zum Lied ihm der reine, unbefangene Atem.
Und kommt seine Schwester, die geschändete Anmut,
hinkend vorbei, die Wange wie zum Hohne zerkratzt,
die wilden Strähnen des Haars voll Kleie und Spreu,
sammelt sie mit geduldiger Hand die Holzfiguren,
hebt die Flöten in einen Korb und bringt sie dem Engel
am Tor, daß er Kindern sie möge schenken, die da kämen
mit Augen, hellen, die Vögel zum Zwitschern zu bringen,
mit Lippen, frischen, das tote Holz zu erwecken.
Doch keines kommt heran, keines fühlt den verborgenen Zauber,
keines hat Blicke zur Liebe, zur Verwandlung den Hauch.
Doch in der Mitte des verwunschenen Gartens
ist ein Felsengrab, da haust ein hagerer Mann,
Gärtner einst, den das Wuchern von Melde und Wegerich überwand,
der Brodem des Schweigens aus alten Zisternen krank gemacht,
der irre wurde vom Gift des Mohns, vom Harzgeruch,
er lebt dahin im Geklüft und nährt sich von Nesseln und Würmern
und der Andacht von Kerzen in flackernden Nischen.
Tag und Nacht betet er vor dem Bildnis einer verklärten Schönen
in rotem und blauem Gewand, ein Kindlein im Arm,
rings blühen ihr Lilien, Veilchen, Anemonen, Rosen, es singen,
wie das Kind in die Hände klatscht, die bunten Vögel
in den Zweigen schattiger Bäume mit leuchtenden Früchten,
Äpfeln und Orangen, Zitronen und Trauben, triefend von Gold.
An eine Ulme gelehnt spielt, der Knabe lächelt, auf der Flöte ein Hirt.

 

Dez 6 18

Die Lehre vom Stein

Nackt sein lehre uns, o Stein,
unter warmen Farben des Lichts,
unter Zauberschatten der Nacht
bloß zu liegen im Schweigen.

Weinen Wasser über dich hin,
lächelt zart dein dunkelnder Glanz,
tropft vom schlafenden Grase der Tau,
rinnen dir freudiger Tränen.

Überwuchert Moos deine Stirn,
wächst dir von struppigen Flechten ein Bart,
Schafe rupfen daran, ein Reh,
bist du wie Dulder, die opfern.

Kommt der vielgewanderte Mann,
sieht dich für ein reines Zeichen am Weg,
schmiegst dich dicht an sein müdes Haupt,
nährst ihm die Träume der Heimkunft.

Küßt dir Schwester Mond den Schnee
kalter Blüten, womit weiße Nacht
dich wie einen Toten bekränzt,
wärmst du die Würmer im Dunkel.

Wühlt dich Menschenhand aus dem Grund,
klärt dein Gesicht mit Meißel und Sand,
unter Blumen und Kerzen gestellt
trägst du huldvoll die Namen.

 

Dez 5 18

Weiße Reime, blaue

Ihr weißen Blüten,
Schaum im stillen Blau,
ihr weißen Reime
auf das stille Licht.

Ihr Sommer-Flocken,
Flaum im weichen Gras,
ihr Sommer-Reime
auf den weichen Schnee.

Ihr blauen Augen,
Traum in tiefer Nacht,
ihr blauen Reime
auf das tiefe Meer.

 

Dez 4 18

Das Herz des Einsamen

Ist ein Singen noch von Kinder am Strom,
wenn Kühlung rieselt über Wange und Gras
von Wellen her, von Hügeln,
und auf herbstlicher Trauben Gold?

Das durch Disteln kroch und Wegerich,
wo am Wegrand Kreuzes Schatten
das Schweigen unter die Sonne barg,
das Herz des Einsamen hört es.

Ist ein Flackern noch von Lichtern am Hang,
wenn Dunkel rieselt über Efeu und Grab
von Wolken her, von Wäldern,
und auf Weinstocks verkrümmten Fuß?

Das durch Klüfte stieg zum Eichenhain,
wo der Glocke Beben aus dem Tale
das Schweigen voller machte als den Mond,
das Herz des Einsamen sieht es.

 

Dez 3 18

Die Unsichtbarkeit des Nahen

Philosophische Sentenzen und Aphorismen

Für das Augenscheinliche sind wir blind.

Die Moderne im Rücken, die Vormoderne vor uns hinter der großen Schutthalde.

Sich selbst, nur weil man jetzt gerade einmal ein wenig über den Tellerrand geschaut hat, als modern zu etikettieren, ist ähnlich bizarr und ein klein wenig lächerlich, wie es selbstherrlich-arrogant von den großen Gelehrten der Renaissance gewesen war, das vorausliegende Säkulum ins Dunkel des Mittelalters zu verabschieden, und wie es dümmlich-arrogant von den biederen und geradlinigen Bourgeois des endlich illuminierten Zeitalters war, die barocken Labyrinthe und die Rokokoschnörkel der verhaßten und beneideten Adelsepoche als museumsreif zu diskreditieren.

Der Vergangenheit die Sinnrichtung auf den eigenen historischen Standort anzusinnen und anzudichten ist ähnlich aufgeblasen-dilettantisch wie zu glauben, der Sternenhimmel drehe sich um den Betrachter oder der liebe Gott habe die Hühner erschaffen, auf daß sie Hinz und Kunz zum Frühstück die Eier legen.

Nach den Modetorheiten des Marxismus, der Psychoanalyse, des Existentialismus, des Strukturalismus und des Poststrukturalismus kramen wir die altmodische, geflickte Joppe der Selbstbetrachtung aus dem Schrank oder gehen, eine graue Maus mit der Hochachtung vor der dort hinten lauernden schwarzen Katze unter der Heerschar der nichtsahnenden grauen Mäuse, inkognito.

Er kannte etliche Fremdsprachen, war geschult in Linguistik und Grammatik, ein Virtuose in der Semiologie akustischer und visueller Zeichen, doch was Sprache ist, war ihm völlig unbekannt.

Mit dem Gehörlosen, auch wenn er die genauesten physiologischen Studien über das Ohr und den auditorischen Cortex betrieben hat, kannst du dich nicht über Schuberts Streichtrio unterhalten.

Wir lernen nicht die Bedeutung von „sehen“, wenn wir, des Deutschen mächtig, die Bedeutung von „videre“, „voir“, „vedere“ oder „to see“ lernen.

Der Italiener kann die Bedeutung von „sehen“ lernen, weil er die Bedeutung von „vedere“ schon kennt, ebenso der Engländer die Bedeutung von „voir“, weil er weiß, was „to see“ bedeutet.

Wie lernen wir die Bedeutung von „sehen“? Jedenfalls nicht so, wie wir, von unserer deutschen Muttersprache ausgehend, die Bedeutung von „videre“, „voir“, „vedere“ oder „to see“ lernen.

Wie das Sehen ist auch zu sagen, daß man dies oder jenes sehe, ein NATÜRLICHER Vorgang, und der Ausdruck „NATÜRLICHE Sprache“ ist nicht nur aller Ehren wert, sondern enthält den tiefsten Gedanken.

Wir können weder etwas sehen noch sagen, daß wir etwas sehen, ohne die Tatsache zu würdigen, daß WIR etwas sehen, oder zu sagen, daß ICH oder DU etwas siehst.

Die NATÜRLICHE Sprache ist die unverlierbare Grundlage der NATIONALEN Kultur.

Die Angehörigen einer nationalen Kultur sind virtualiter all jene, die von derselben sprachlichen Mutter gesäugt worden sind; actualiter all jene, die das vierte Gebot nicht auf den Kehrichthaufen der als vormodern zu entsorgenden Traditionen geworfen haben.

Die nationale Kultur ist bedroht, wenn die sie begründende natürliche Sprache keine Sublimierung, Züchtung und Pflege im Garten der Künste erfährt.

Der Krieg geht ums Vaterland, der Kulturkampf um die Integrität der nationalen Kultur.

Der auf der nationalen Kultur und Sprache konstruktiv oder parasitär aufbauende Nationalstaat hat keine eindeutige Stellung zur heimischen Kultur, die sich bisweilen sogar unter unterschiedliche Souveränitäten teilen kann wie die preußische und österreichische. Der Staat kann sich mit einer positiven Auslese künstlerischer Begabungen dekorieren wie das perikleische Athen, das augusteische Rom oder der preußische Adels- und Hofstaat mit seinen Humboldts, Schinkels und Schlüters. Er kann dank fehlender oder negativer Auslese das geistige Vakuum mit dem hohlen Gips der Repräsentation zuzustopfen versuchen wie der geistlose Führer- und Tyrannenstaat oder wie die Massendemokratie mit der grellen Tünche und dem Schellengeklingel witzloser Zeitgeist-Schalke.

Die natürliche Sprache und die Sprache einer gebildeten Nation wie der französischen sind keine wertneutralen Instrumente beliebig dienstbaren Ausdrucks, sondern Organismen ähnelnde Strukturen und kollektive Musterbildungen, die sich ausgehend von elementaren Metaphern und Redewendungen aus allen Lebensbereiche vom Alltag bis zu den Sphären von Recht, Religion und Kunst mit einem Wust an Mythologien und Symbolismen angereichert haben. Einen Baudelaire nichtfranzösischer Zunge kann es darum nicht geben, weil sich im Idiom dieses Dichters Jahrhunderte metaphorischer, symbolischer und rhetorischer Schichten überlagern, durchqueren, verschlingen, die man in einem anderen geschweige denn nichtromanischen Idiom in dieser sublimen Form zumeist vergeblich sucht und die bei der Übersetzung gern der Auflösung, Verwischung und Verdunstung anheimfallen.

Am Allgemeinbegriff von Gesellschaft oder gar Weltgesellschaft orientierte Soziologen verkennen von Haus aus oder als Folge einer déformation professionelle die Kohabitation von natürlicher Sprache und nationaler Kultur.

Regionale nationale Kulturen wie die irische, provenzalische, alemannische oder österreichisch-bajuwarische blieben lange unabhängig von einer staatlich-nationalen Einordnung fruchtbar und lebendig.

Wie öde und trostlos, wenn alle dieselbe Joppe tragen und alle dasselbe Kauderwelsch radebrechen, wenn endlich die Monokultur der Phrase, der Zeitung und der Curricula der Einheitsschule die Idiolekte und Dialekte des Volkes, des Dichters und der Seele der Sense der Modernisierung oder dem Unkrautvernichtungsmittel namens Fortschritt zum Opfer gebracht haben wird.

Das Wort „sehen“ ist ein abstraktes Lemma, und unter dieser lexikalischen Rubrik finden wir eine lange Sequenz artverwandter Begriffe wie: blicken, beobachten, betrachten, in Augenschein nehmen, mustern, lugen, erspähen, aus dem Augenwinkel belauern, sichten, die Umrisse mit Blicken abtasten, glotzen, gaffen, anhimmeln, die Augen verdrehen, mit den Augen verschlingen, die Augen vor etwas verschließen, für etwas blind sein, blinzeln, den Blick verlegen oder hochmütig abwenden, aus der Sicht verlieren und viele andere mehr.

Wir konstruieren solche artgemäßen Varianten des Lemmas „sehen“ durch Hinzufügen adverbialer Bestimmungen, wenn wir etwa sagen: „mustern“ heißt, etwas unter einem gewissen Blickwinkel und einem gewissen Interesse genau besehen; „nach etwas spähen“ heißt, einen Gegenstand oder eine Person wie ein Detektiv, ein Geheimpolizist oder ein Voyeur in großer Anspannung beobachten; „betrachten“ kann heißen, etwas genießerisch-langsam mit Blicken abweiden.

Wenn Kinder Detektiv spielen, lernen sie die Bedeutungsnuance „spähen“ und „ausspähen“ am Begriff „sehen“. Auch wenn sie das Wort „spähen“ nicht verwenden, gebrauchen sie das Grundwort „sehen“ im Sinne dieser Bedeutungsvariante.

Das Erlernen der natürlichen Sprache hat eine strukturelle Verwandtschaft mit dem Erleben und immer lebhafteren, tieferen, reicheren Erleben der natürlichen Gefühle wie Furcht, Freude, Ekel, Liebe und Scham.

Kann man Liebe oder Scham lernen? Nicht so wie rechnen oder eine Fremdsprache. Denn ihnen eignet unaustilgbar das Moment des Widerfahrnisses und der Ergriffenheit.

Sein Leben ohne Hingabe, ohne Bündnis, ohne Liebe zu verbringen und zu vertändeln, erscheint uns unnatürlich, auf allen Bühnen nacktärschig oder mit erigiertem Eigendünkel herumzulaufen und aufzustampfen oder den Intimbereich der Mitlebenden höhnisch und zynisch abzutragen, dünkt uns geradezu widernatürlich.

Man kann die natürlichen Gefühle wie Liebe oder Scham vortäuschen, entstellen, mißbrauchen, wie man die Sprache zur Täuschung, Irreführung, Lüge mißbrauchen oder entstellen kann.

Wie die Krankheit sich nur von der Gesundheit her verstehen läßt, kann auch die Perversion von Liebe oder Scham ihre Herkunft nicht gänzlich verdunkeln.

Der Masochist quält sich mit dem erwählten Gegenstand seiner Hingabe, doch fehlt er, leidet er nicht minder. Der neurotisch Schamhafte, der dermaleinst vor der nackten Venus errötete, wußte mehr von der Macht des Eros als der Enthemmte, der achtlos den marmornen Hintern betätschelt.

Liebe mag stumm sein, aber sie ist niemals ausdruckslos. Sie verrät sich im verirrten Blick, in der schüchternen oder zitternden Geste, in der Freigebigkeit oder Torheit des Schenkens.

Sprache ist uns Heimat als immer auch bedrohte Landnahme im Unbekannten, die gegen die Fluten unwahrhaftigen Geschwätzes und die Epidemien intellektueller Idiome uns Deiche und Dämme zu bauen nötigt.

Sprache und Vernunft, Selbstheit und Besonnenheit sind konzentrische Kreise um die uns unbekannte Mitte, das sich uns bei jeder Näherung entziehende Geheimnis unserer Existenz.

Die Vernunft geht der Sprache auf, wenn wir genötigt sind, das heute Gesagte auf seine Konsistenz, seine inferentielle Stimmigkeit oder Unstimmigkeit, mit dem gestern Gesagten abzuwägen. Die Besonnenheit geht uns auf, wenn wir genötigt sind, unser gestriges Urteil im Lichte des neuen Tages zu korrigieren oder zu vertiefen, als schief und dumm zu verwerfen oder mit angemessenerem Decorum zu verschönen.

Was uns die Sprache verschlägt, die Ohnmacht der Liebe, die Vergänglichkeit des Schönen, müssen wir schweigend in unsere Einsamkeit, als unsere Einsamkeit verinnerlichen.

Gesegnet, wer im Gebet nicht gänzlich verstummend das Verlorene als Opfergabe auf den mit Blumen und Lichtern geschmückten Altar legen kann.

Erst ging er zu Fuß von seinem Dorf in die Stadt und sah den Fluß, und ob er Niedrigwasser führte oder von der Schneeschmelze angeschwollen war, ob Blätter darauf schwammen, Äste, Eisschollen, er sah die Gärten, und ob die Apfelbäume blühten, die Kirschen und Mirabellen glänzten, die Zweige kahl hingen, er sah das Leben der Tiere, der Vögel, der Insekten, der Eichhörnchen, er hörte das Rauschen des Wassers, das Ächzen der brüchigen Wipfel, das Geschrei der Vögel, den Lärm der Kinder, das Quietschen der Straßenbahn, roch die betäubenden Düfte des Sommers, den Dunst des verrottenden Lebens im Brackwasser der Lachen.

Dann fuhr er mit dem Fahrrad von seinem Dorf in die Stadt und sah den Fluß, die Gärten, die Tiere, doch um die Falter und Hummeln und Igel zu sehen, war er zu schnell, das Flüstern der Blätter und das Zwitschern der Vögel verwischte im Keuchen des eigenen Atems, der Geruch des Sommers schmeckte nach dem eigenen Schweiß, der Lärm der Kinder ging allmählich im Hupen der Autos und im Heulen der Motoren unter.

Schließlich fuhr er mit der U-Bahn und sah und hörte von alledem nichts mehr.

Die mit dem akademischen Steißbein denken, sich die Welt als System von Zettelkästen ertüfteln oder hinter der Planierraupe den künstlichen Rasen ausrollen, die Soziologen und Ökonomen und die wohlmeinenden und gutgläubigen Humanisten nennen dies Fortschritt und Modernisierung.

Wir sagen schlicht und ein wenig trotzig, Worthülsen wie „Fortschritt“ und „Modernisierung“ seien Scheuklappen vor dem Augenscheinlichen.

Daß wir Dinge sehen und nicht in einem chaotischen Wahrnehmungs- oder Bewußtseinsstrom untergehen ist genauso wenig erklärbar wie die Tatsache, daß wir „ich“ und „du“ und „wir“ sagen, uns grüßen oder uns daran erinnern, vorgestern unseren Freund Peter im Park getroffen zu haben.

Wenn wir diese wesentlichen Vorgänge mithilfe objektiver Sachverhalte wie der neurophysiologischen Basis des Sehens, Sprechens und Erinnerns erklären wollen, müssen wir schon wissen, was „sehen“, „sprechen“ und „erinnern“ bedeutet.

Wir wissen, was dies heißt: „Die Zeit vergeht“ oder „Es wird Abend“ oder „Ich bin spät dran“, aber wir können die Bedeutung der Zeit nicht anhand einer Uhr erlernen. Wir haben gesehen, wie der Schatten des Baumes wanderte, sich verjüngte, unter dem Zenit des Mittags schwand und wieder anwuchs bis zum Abend hin. Wir haben den Ablauf der Tage und Nächte erlebt, den Wechsel der Jahreszeiten. Doch nur wenn wir am Abend auf UNSEREN Tag, im Winter auf UNSERE Sommertage zurückblicken, verstehen wir, was dies heißt, daß der Tag vergangen, der Sommer lange vorüber ist.

„Ich spreche“ – dieser kurze Sprechakt enthält die ganze Philosophie und Weisheitslehre in nuce, denn er impliziert die Begriffe der Evidenz der natürlichen Sprache, der fragenden und Antworten vorschlagenden Vernunft und der die Maßstäbe des Gesagten abwägenden und prüfenden Suche nach Wahrheit, der Wahrhaftigkeit und Besonnenheit des Sagens, des fragilen, von Unvernunft und Unbesonnenheit, von Eigendünkel und Maßlosigkeit und am Ende vom Verstummen bedrohten Selbstseins.

 

Dez 3 18

An Liedes Lippe trink dich weich

Ein helles Wort sei Wolke dir,
und der reine Himmel schwimmt
durchs Porzellan der Stirn.

Auf Liedes Trommel klopfe sacht,
und der Sonne goldner Schwarm
schwirrt aus dem dunklen Korb.

Ein Schmerzkristall sei Klöppel dir,
und der alten Glocke Ruf
färbt Abendschatten blau.

An Liedes Lippe trink dich weich,
und des Veilchens stummer Kuß
tropft in den Schoß der Nacht.

 

Dez 2 18

Es knistern Kerzen des Traums

Tropfen warmer Milch
über die bronzene Hüfte des Pan,
roter Disteln Striemen
auf die moosige Wade des Pan
soll der Krug des Liedes schütten,
soll der Sturm der Rhythmen klatschen.

Flammen sät das Lied ins Gras,
es zuckt der rosige Fuß,
Funken bläst das Lied ins Haar,
es knistert bacchisch Tanz.

Glühende Flocken
auf Lenden schmelzenden Schnees,
Küsse blauen Taus
über Dianas Veilchenschlaf
soll der Sturm der Rhythmen jagen,
soll die Nacht des Liedes gießen.

Flüstern schäumt das Lied ins Gras,
es bebt die Lilienhand,
Funken haucht das Lied ins Herz,
es knistern Kerzen des Traums.

 

Dez 2 18

Charles Baudelaire, Les yeux des pauvres

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Ah ! vous voulez savoir pourquoi je vous hais aujourd’hui. Il vous sera sans doute moins facile de le comprendre qu’à moi de vous l’expliquer ; car vous êtes, je crois, le plus bel exemple d’imperméabilité féminine qui se puisse rencontrer.

Nous avions passé ensemble une longue journée qui m’avait paru courte. Nous nous étions bien promis que toutes nos pensées nous seraient communes à l’un et à l’autre, et que nos deux âmes désormais n’en feraient plus qu’une ; — un rêve qui n’a rien d’original, après tout, si ce n’est que, rêvé par tous les hommes, il n’a été réalisé par aucun.

Le soir, un peu fatiguée, vous voulûtes vous asseoir devant un café neuf qui formait le coin d’un boulevard neuf, encore tout plein de gravois et montrant déjà glorieusement ses splendeurs inachevées. Le café étincelait. Le gaz lui-même y déployait toute l’ardeur d’un début, et éclairait de toutes ses forces les murs aveuglants de blancheur, les nappes éblouissantes des miroirs, les ors des baguettes et des corniches, les pages aux joues rebondies traînés par les chiens en laisse, les dames riant au faucon perché sur leur poing, les nymphes et les déesses portant sur leur tête des fruits, des pâtés et du gibier, les Hébés et les Ganymèdes présentant à bras tendu la petite amphore à bavaroises ou l’obélisque bicolore des glaces panachées ; toute l’histoire et toute la mythologie mises au service de la goinfrerie.

Droit devant nous, sur la chaussée, était planté un brave homme d’une quarantaine d’années, au visage fatigué, à la barbe grisonnante, tenant d’une main un petit garçon et portant sur l’autre bras un petit être trop faible pour marcher. Il remplissait l’office de bonne et faisait prendre à ses enfants l’air du soir. Tous en guenilles. Ces trois visages étaient extraordinairement sérieux, et ces six yeux contemplaient fixement le café nouveau avec une admiration égale, mais nuancée diversement par l’âge.

Les yeux du père disaient : « Que c’est beau ! que c’est beau ! on dirait que tout l’or du pauvre monde est venu se porter sur ces murs. » — Les yeux du petit garçon : « Que c’est beau ! que c’est beau ! mais c’est une maison où peuvent seuls entrer les gens qui ne sont pas comme nous. » — Quant aux yeux du plus petit, ils étaient trop fascinés pour exprimer autre chose qu’une joie stupide et profonde.

Les chansonniers disent que le plaisir rend l’âme bonne et amollit le cœur. La chanson avait raison ce soir-là, relativement à moi. Non-seulement j’étais attendri par cette famille d’yeux, mais je me sentais un peu honteux de nos verres et de nos carafes, plus grands que notre soif. Je tournais mes regards vers les vôtres, cher amour, pour y lire ma pensée ; je plongeais dans vos yeux si beaux et si bizarrement doux, dans vos yeux verts, habités par le Caprice et inspirés par la Lune, quand vous me dites : « Ces gens-là me sont insupportables avec leurs yeux ouverts comme des portes cochères ! Ne pourriez-vous pas prier le maître du café de les éloigner d’ici ? »

Tant il est difficile de s’entendre, mon cher ange, et tant la pensée est incommunicable, même entre gens qui s’aiment !

 

Die Augen der Armen

Ach, Sie wollen wissen, weshalb ich Sie heute hassen. Es wird Ihnen gewiß weniger leicht fallen, es zu begreifen, als mir, es zu erklären; denn Sie sind, glaube ich, das schönste Beispiel weiblicher Unzugänglichkeit, dem man begegnen kann.

Wir hatten einen langen Tag, der mir kurz schien, gemeinsam verbracht. Wir hatten uns versprochen, uns all unsere Gedanken, einen nach dem anderen, mitzuteilen und unser beider Seelen von nun an als eine Seele zu betrachten – kein wirklich origineller Traum, wie es scheint, nur daß er, von allen geträumt, von keinem verwirklicht worden ist.

Am Abend wollten sie, ein wenig erschöpft, vor einem neuen Gasthaus Platz nehmen, das den Winkel eines neuen Boulevards bildete, wo zwar noch einiger Bauschutt lag, doch das schon ruhmredig seinen verborgenen Glanz zur Schau stellte. Das Lokal glitzerte. Die Gasbeleuchtung verbreitete die ganze Glut eines Neubeginns und erhellte mit aller Macht die blendende Weiße der Mauern, die beeindruckenden Reihen der Spiegel, das Gold der Zierleisten und Fenstersimse, die pausbäckigen Pagen mit den Hunden an der Leine, die Damen, die über den Falken lachten, der sich über ihre Faust beugte, die Nymphen und Göttinnen mit Früchten auf den Köpfen, die Pasteten und das Wildbret, die Heben und Ganymede, die kleine Krüge voll bayerischen Rahms auf dem Arm trugen, und den zweifarbigen Obelisken aus gemischtem Speiseeis; die ganze Geschichte und Mythologie im Dienste der Gefräßigkeit.

Direkt vor uns hatte sich auf der Straße ein wackerer Mann von etwa vierzig Jahren aufgepflanzt, mit müdem Gesicht und ergrauendem Bart, in der einen Hand hielt er einen kleinen Jungen, auf dem anderen trug er ein kleines Wesen, das zu schwach zum Laufen war. Er war in die Rolle des Kindermädchens geschlüpft und hatte mit seinen Kindern die Abendluft geschnuppert. Alle waren in Lumpen. Ganz ernst schauten die drei Gesichter und ihre Augen starrten unentwegt in das neue Lokal mit einem gleich starken, nur von ihrem unterschiedlichen Alter gefärbten Ausdruck des Staunens.

Die Augen des Vaters sagten: „Wie schön das ist! Wie schön! Als hätte man alles Gold der armen Welt an diesen Wänden angebracht.“ – Die Augen des kleinen Jungen sprachen: „Wie schön das ist! Wie schön! Doch in dieses Haus dürfen nur Leute kommen, die nicht sind wie wir.“ – Die Augen des Kleinen waren zu bezaubert, um etwas anderes auszudrücken als tumbe und tiefe Freude.

Die Liedersänger künden davon, daß Vergnügen die Seele gut und das Herz weich mache. Das Lied hatte an diesem Abend, was mich betraf, ganz recht. Ich war von dieser Familie von Augen nicht nur gerührt, ich empfand auch ein wenig Scham wegen unserer Gläser und unserer Karaffen, die größer waren als unser Durst. Ich wandte meine Blicke den ihren, meine Liebe, zu, um darin meinen Gedanken zu lesen; ich tauchte in ihre so schönen und so verwirrend süßen Augen, in ihre grünen Augen voller Mutwillen, die von Luna behauchten, als sie zu mir sagten: „Diese Leute dort sind mir unerträglich mit ihren Augen, aufgerissen wie eine Toreinfahrt! Könnten Sie den Chef des Hauses nicht darum bitten, sie von hier zu entfernen?“

So schwer ist es, mein teurer Engel, sich zu verstehen, und so wenig kann ein Gedanke geteilt werden, selbst unter Menschen, die sich lieben!

 

Dez 1 18

Kleines warmes Leben

Wenn die Eulen lautlos niederschweben
und eines kleinen warmen Lebens Hilferuf
der Waldnacht rauher Teppich schluckt,
kleben goldene Tränen
an den harten Lidern der Tanne.

Ich aber schlafe,
doch unruhig ist mein Schlaf
vom dunklen Summen
des Bienenschwarms
in meiner Brust,
der den großen toten Leib
der Königin umschwirrt.

Wenn die Schwalben den Schaum der Sonne teilen
und eines kleinen warmen Lebens buntes Ei
auf den sanften Teppich des Morgens rollt,
zittern graue Perlen
im Dunstgespinst der Gräser.

Du aber träumst,
und heiter ist dein Traum
vom hellen Flackern
eines Schmetterlings,
der aus der roten Anemone
deiner Locke trinkt.

 

Dez 1 18

Charles Baudelaire, La belle Dorothée

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Le soleil accable la ville de sa lumière droite et terrible ; le sable est éblouissant et la mer miroite. Le monde stupéfié s’affaisse lâchement et fait la sieste, une sieste qui est une espèce de mort savoureuse où le dormeur, à demi éveillé, goûte les voluptés de son anéantissement.

Cependant Dorothée, forte et fière comme le soleil, s’avance dans la rue déserte, seule vivante à cette heure sous l’immense azur, et faisant sur la lumière une tache éclatante et noire.

Elle s’avance, balançant mollement son torse si mince sur ses hanches si larges. Sa robe de soie collante, d’un ton clair et rose, tranche vivement sur les ténèbres de sa peau et moule exactement sa taille longue, son dos creux et sa gorge pointue.

Son ombrelle rouge, tamisant la lumière, projette sur son visage sombre le fard sanglant de ses reflets.

Le poids de son énorme chevelure presque bleue tire en arrière sa tête délicate et lui donne un air triomphant et paresseux. De lourdes pendeloques gazouillent secrètement à ses mignonnes oreilles.

De temps en temps la brise de mer soulève par le coin sa jupe flottante et montre sa jambe luisante et superbe ; et son pied, pareil aux pieds des déesses de marbre que l’Europe enferme dans ses musées, imprime fidèlement sa forme sur le sable fin. Car Dorothée est si prodigieusement coquette, que le plaisir d’être admirée l’emporte chez elle sur l’orgueil de l’affranchie, et, bien qu’elle soit libre, elle marche sans souliers.

Elle s’avance ainsi, harmonieusement, heureuse de vivre et souriant d’un blanc sourire, comme si elle apercevait au loin dans l’espace un miroir reflétant sa démarche et sa beauté.

À l’heure où les chiens eux-mêmes gémissent de douleur sous le soleil qui les mord, quel puissant motif fait donc aller ainsi la paresseuse Dorothée, belle et froide comme le bronze ?

Pourquoi a-t-elle quitté sa petite case si coquettement arrangée, dont les fleurs et les nattes font à si peu de frais un parfait boudoir ; où elle prend tant de plaisir à se peigner, à fumer, à se faire éventer ou à se regarder dans le miroir de ses grands éventails de plumes, pendant que la mer, qui bat la plage à cent pas de là, fait à ses rêveries indécises un puissant et monotone accompagnement, et que la marmite de fer, où cuit un ragoût de crabes au riz et au safran, lui envoie, du fond de la cour, ses parfums excitants ?

Peut-être a-t-elle un rendez-vous avec quelque jeune officier qui, sur des plages lointaines, a entendu parler par ses camarades de la célèbre Dorothée. Infailliblement elle le priera, la simple créature, de lui décrire le bal de l’Opéra, et lui demandera si on peut y aller pieds nus, comme aux danses du dimanche, où les vieilles Cafrines elles-mêmes deviennent ivres et furieuses de joie ; et puis encore si les belles dames de Paris sont toutes plus belles qu’elle.

Dorothée est admirée et choyée de tous, et elle serait parfaitement heureuse si elle n’était obligée d’entasser piastre sur piastre pour racheter sa petite sœur qui a bien onze ans, et qui est déjà mûre, et si belle ! Elle réussira sans doute, la bonne Dorothée ; le maître de l’enfant est si avare, trop avare pour comprendre une autre beauté que celle des écus !

 

Die schöne Dorothea

Die Sonne lastet auf der Stadt mit ihrem senkrechten Schreckensstrahl. Der Sand blendet und das Meer glitzert. Die betäubte Welt sackt haltlos in die Knie und hält Siesta, eine Siesta, die eine Art süßer Tod ist, da der Schläfer, halb wach, die Wonnen der Vernichtung kostet.

Doch Dorothea, stark und stolz wie die Sonne, zieht die verwaiste Straße entlang, allein lebendig zu dieser Stunde unter dem ungeheuren Blau des Himmels, und bildet gegen das Licht einen in die Augen springenden dunklen Fleck.

Vorwärtsschreitend wiegt sie weich den schmalen Rumpf auf ihren breiten Hüften. Ihr straffes Seidenkleid von hellem Rosa sticht lebhaft ab vom Dunkel ihrer Haut und schmiegt sich eng an ihren hohen Leib, die Mulde des Rückens und den gereckten Hals.

Ihr roter Sonnenschirm, die Strahlen dämpfend, tupft die blutfarbene Schminke seines Widerscheins auf ihr dunkles Gesicht.

Die Last ihres üppigen, fast blauen Haars zieht ihr zierliches Haupt nach hinten und verleiht ihr einen triumphierenden und trägen Ausdruck. Schwere Gehänge klimpern heimlich an ihren reizenden Ohren.

Von Zeit zu Zeit lüpft die Meeresbrise seitlich ihren flatternden Rock und entblößt das Schimmern eines prachtvollen Beins. Ihr Fuß, ein Fuß wie jener Marmorgöttinnen einer, die Europa in seine Museen sperrt, drückt seinen Umriß treulich in den feinen Sand. Denn Dorothea ist so über die Maßen kokett, daß die Lust, bewundert zu werden, den Stolz der freigelassenen Sklavin mit sich reißt, und ist sie auch frei, geht sie doch barfuß.

So gleitet strömend sie dahin, glücklich zu leben und ein helles Lachen lachend, als schaute sie in der Ferne in einen Spiegel, der ihren Gang und ihrer Schönheit Bildnis wiedergibt.

Was treibt zur Stunde, da selbst die Hunde unterm Biß der Sonne stöhnen, die träge Dorothea wohl hinaus, wie Bronze schön und kühl?

Weshalb verließ sie ihre kleine Hütte, so hübsch ausgestattet, mit Blumen und Matten zu geringen Kosten ein perfektes Boudoir; wo es ihr behagt, sich zu kämmen, zu rauchen, sich Luft zufächeln zu lassen oder sich im Spiegel ihrer großen Federfächer zu betrachten, während das Meer, hundert Schritte nur entfernt auf das Ufer klatschend, ihre vagen Träumereien mit einem monotonen Lied begleitet und vom Hinterhof der eiserne Kessel, in dem ein Krabbenragout auf Reis und Safran schmort, ihr verführerische Düfte zuträgt?

Vielleicht hat sie ein Stelldichein mit einem jungen Offizier, der an fernen Ufern seine Kameraden von der berühmten Dorothea hat raunen hören. Den wird sie ganz gewiß, das einfältige Geschöpf, darum bitten, ihr den Opernball zu schildern, und ihn fragen, ob man dorthin barfuß gehen kann, wie zu den Tänzen am Sonntag, bei denen die alten Kaffernfrauen sich betrinken und vor Freude toben; und schließlich, ob die schönen Damen von Paris wohl alle schöner sind als sie selbst.

Dorothea wird von allen bewundert und gehätschelt, und sie wäre völlig glücklich, wäre sie nicht genötigt, Piaster für Piaster für den Freikauf ihrer kleinen Schwester zurückzulegen, die erst elf ist und schon reif und so schön! Sie wird es zweifellos schaffen, die schöne Dorothea; der Besitzer der Kleinen ist sehr geizig, zu geizig, um eine andere Schönheit zu begreifen als die von Gold- und Silbermünzen.

 

Nov 30 18

Charles Baudelaire, Les projets

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Il se disait, en se promenant dans un grand parc solitaire : « Comme elle serait belle dans un costume de cour, compliqué et fastueux, descendant, à travers l’atmosphère d’un beau soir, les degrés de marbre d’un palais, en face des grandes pelouses et des bassins ! Car elle a naturellement l’air d’une princesse. »

En passant plus tard dans une rue, il s’arrêta devant une boutique de gravures, et, trouvant dans un carton une estampe représentant un paysage tropical, il se dit : « Non ! ce n’est pas dans un palais que je voudrais posséder sa chère vie. Nous n’y serions pas chez nous. D’ailleurs ces murs criblés d’or ne laisseraient pas une place pour accrocher son image ; dans ces solennelles galeries, il n’y a pas un coin pour l’intimité. Décidément, c’est qu’il faudrait demeurer pour cultiver le rêve de ma vie. »

Et, tout en analysant des yeux les détails de la gravure, il continuait mentalement : « Au bord de la mer, une belle case en bois, enveloppée de tous ces arbres bizarres et luisants dont j’ai oublié les noms….., dans l’atmosphère, une odeur enivrante, indéfinissable….., dans la case un puissant parfum de rose et de musc…., plus loin, derrière notre petit domaine, des bouts de mâts balancés par la houle….., autour de nous, au delà de la chambre éclairée d’une lumière rose tamisée par les stores, décorée de nattes fraîches et de fleurs capiteuses, avec de rares siéges d’un rococo Portugais, d’un bois lourd et ténébreux (où elle reposerait si calme, si bien éventée, fumant le tabac légèrement opiacé !), au delà de la varangue, le tapage des oiseaux ivres de lumières, et le jacassement des petites négresses….., et, la nuit, pour servir d’accompagnement à mes songes, le chant plaintif des arbres à musique, des mélancoliques filaos ! Oui, en vérité, c’est bien le décor que je cherchais. Qu’ai-je à faire de palais ? ”

Et plus loin, comme il suivait une grande avenue, il aperçut une auberge proprette, où d’une fenêtre égayée par des rideaux d’indienne bariolée se penchaient deux têtes rieuses. Et tout de suite : « Il faut, — se dit-il, — que ma pensée soit une grande vagabonde pour aller chercher si loin ce qui est si près de moi. Le plaisir et le bonheur sont dans la première auberge venue, dans l’auberge du hasard, si féconde en voluptés. Un grand feu, des faïences voyantes, un souper passable, un vin rude, et un lit très-large avec des draps un peu âpres, mais frais ; quoi de mieux ? »

Et en rentrant seul chez lui, à cette heure où les conseils de la Sagesse ne sont plus étouffés par les bourdonnements de la vie extérieure, il se dit : « J’ai eu aujourd’hui, en rêve, trois domiciles où j’ai trouvé un égal plaisir. Pourquoi contraindre mon corps à changer de place, puisque mon âme voyage si lestement ? Et à quoi bon exécuter des projets, puisque le projet est en lui-même une jouissance suffisante ? »

 

Die Pläne

Er sagte sich, während er in einem weitläufigen, einsamen Park spazierenging: „Wie schön sie in einem höfischen Festgewand, gefältelt und prunkend, aussähe, wenn sie durch die Luft des Sommerabends die Marmorstufen des Palastes zu den weiten Rasenflächen und den Wasserbecken herabschritte! Sie hat ja von Natur die Aura einer Prinzessin!“

Als er später eine Straße entlangging und vor einem Schaufenster mit Stichen verweilend eine kolorierte Zeichnung einer tropischen Landschaft entdeckte, sagte er sich: „Nein, ich mag ihr liebes Dasein nicht in einem Palast genießen. Dort wären wir nicht unter uns. Auch ließen jene golddurchwirkten Wände keinen Platz, ihr Portrait anzubringen; in diesen feierlichen Hallen gäbe es keinen Winkel für Vertraulichkeiten. Es ist klar, dort sollten wir uns aufhalten, damit der Traum meines Lebens Blüten treibe.“

Und während er die Augen prüfend über die Feinheiten des Stiches wandern ließ, setzte er seinen inneren Monolog fort: „Am Ufer des Meers, eine schöne Holzhütte, umstanden von seltsamen, leuchtenden Bäumen, deren Namen ich vergessen habe … die Luft voll von berauschendem, unnennbarem Wohlgeruch … im Innern der Hütte ein schwerer Duft von Rosen und Moschus … in der Ferne, hinter unserem kleinen Haus, Segelboote, die auf den Wogen schaukeln … um uns herum, jenseits des Zimmers, erhellt von einem rosigen Licht, das die Vorhänge dämpfen, geschmückt mit kühlen Matten und betörenden Blüten, mit seltenen Sesseln aus dem portugiesischen Rokoko, von schwerem und düsterem Holz (wo sie sich ausruhen würde, so still, vom Fächeln gekühlt, Tabak rauchend, leicht mit Opium versetzt!), jenseits der Veranda das Gekreisch der Vögel, die trunken sind vom Licht, und das Geplapper kleiner Negerinnen … und in der Nacht, meinen Träumen das Geleit zu geben, der Klagegesang tönender Bäume, schwermütiger Filao-Bäume! Ja, dort ist die Kulisse, nach der ich gesucht habe. Was soll mir da ein Palast?“

Wie er auf der großen Avenue weiterschritt, gewahrte er eine hübsche Herberge, und aus einem Fenster, das durch bunte Kattunvorhänge eine heitere Stimmung verbreitete, lehnten sich zwei lachende Köpfe. Und sogleich sagte er sich: „Mein Denken muß wohl ein ziemlicher Vagabund sein, daß es in der Ferne sucht, was vor meinen Augen liegt. Lust und Glück, sie wohnen in der nächstbesten Herberge, in der Herberge des Zufalls, die von Vergnügungen überquillt. Ein großes Kaminfeuer, grelle Fayencen, ein leidliches Abendessen, ein herber Wein und ein breites Bett mit etwas rauhen, aber frischen Laken – was braucht es mehr?“

Und als er allein nach Hause zurückkehrte, zu eben der Stunde, da die Ratschläge der Weisheit nicht mehr vom Dröhnen des äußeren Lebens übertäubt werden, sagte er sich: „Ich träumte mich heute an drei Orte, wo ich jedesmal dasselbe Vergnügen empfand. Wozu meinen Leib von Ort zu Ort schleppen, wenn meine Seele so leichtfüßig Reisen unternimmt? Weshalb Pläne überhaupt ausführen, wenn Pläne schmieden an sich schon einen befriedigenden Genuß gewährt?“

 

Nov 30 18

Tragt, Weiden, mich über den Strom

Anemone, willst du nicht weinen?
Rose, sagt nie ein Wind dir „Schlaf“?
Veilchen … läßt traumlos dein Duft?

Doch meine Birken, sie wandern.
Doch meine Weiden, sie fliegen.
Und mein Holunder, er schwebt.

Anemone, dein Aug, daß ich weine.
Rose, dein Blatt, daß ich schlafe.
Veilchen … nur einen Hauch.

Nehmt, Birken, ans Ufer mich mit.
Tragt, Weiden, mich über den Strom.
Holunder, laß mich nicht fallen.

 

Nov 29 18

Charles Baudelaire, La solitude

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Un gazetier philanthrope me dit que la solitude est mauvaise pour l’homme ; et à l’appui de sa thèse, il cite, comme tous les incrédules, des paroles des Pères de l’Église.

Je sais que le Démon fréquente volontiers les lieux arides, et que l’Esprit de meurtre et de lubricité s’enflamme merveilleusement dans les solitudes. Mais il serait possible que cette solitude ne fût dangereuse que pour l’âme oisive et divagante qui la peuple de ses passions et de ses chimères.

Il est certain qu’un bavard, dont le suprême plaisir consiste à parler du haut d’une chaire ou d’une tribune, risquerait fort de devenir fou furieux dans l’île de Robinson. Je n’exige pas de mon gazetier les courageuses vertus de Crusoé, mais je demande qu’il ne décrète pas d’accusation les amoureux de la solitude et du mystère.

Il y a dans nos races jacassières des individus qui accepteraient avec moins de répugnance le supplice suprême, s’il leur était permis de faire du haut de l’échafaud une copieuse harangue, sans craindre que les tambours de Santerre ne leur coupassent intempestivement la parole.

Je ne les plains pas, parce que je devine que leurs effusions oratoires leur procurent des voluptés égales à celles que d’autres tirent du silence et du recueillement ; mais je les méprise.

Je désire surtout que mon maudit gazetier me laisse m’amuser à ma guise. « Vous n’éprouvez donc jamais, — me dit-il, avec un ton de nez très-apostolique, — le besoin de partager vos jouissances ? » Voyez-vous le subtil envieux ! Il sait que je dédaigne les siennes, et il vient s’insinuer dans les miennes, le hideux trouble-fête !

« Ce grand malheur de ne pouvoir être seul !….. » dit quelque part La Bruyère, comme pour faire honte à tous ceux qui courent s’oublier dans la foule, craignant sans doute de ne pouvoir se supporter eux-mêmes.

« Presque tous nos malheurs nous viennent de n’avoir pas su rester dans notre chambre, » dit un autre sage, Pascal, je crois, rappelant ainsi dans la cellule du recueillement tous ces affolés qui cherchent le bonheur dans le mouvement et dans une prostitution que je pourrais appeler fraternitaire, si je voulais parler la belle langue de mon siècle.

 

Die Einsamkeit

Ein philanthropischer Zeitungsmensch sagte mir, die Einsamkeit sei dem Menschen verderblich; und er untermauerte seine Aussage, indem er, wie alle Ungläubigen, Worte der Kirchenväter zitierte.

Mir ist durchaus bewußt, daß der Teufel bevorzugt Wüsteneien heimsucht und der Geist der Mordlust und Lüsternheit sich in menschenleerer Ödnis wie durch ein Wunder von selbst entflammt. Doch stellt Einsamkeit wahrscheinlich nur für jene Seele eine Gefahr dar, die sie, dem Nichtstun und Umherirren frönend, mit ihren Leidenschaften und Wahngespinsten bevölkert.

Sicherlich liefe ein Schwätzer, der kein größeres Vergnügen kennt, als von einem Katheder oder einer Tribüne zu reden, Gefahr, auf der Insel des Robinson als tobsüchtiger Irrer zu enden. Ich fordere von meinem Journalisten nicht die mutige Haltung eines Crusoe ein, doch verlange ich, gegen die Liebhaber der Einsamkeit und des Mysteriums keine öffentliche Anklage zu erheben.

So mancher Sproß an unserem geschwätzigen Stamm bestiege mit weniger Widerwillen die Bretter des Schafotts, stünden sie ihm als Bühne für eine letzte feierliche Ansprache zur Verfügung, ohne fürchten zu müssen, daß die Trommeln unter dem Kommando von Santerre ihm vor der Zeit das Wort abschnitten.

Ich bedauere solche Leute nicht, denn ich ahne wohl, daß ihre oratorischen Ergüsse ihnen einen Genuß bereiten, der jenem in nichts nachsteht, den andere aus dem Schweigen und der inneren Einkehr gewinnen; aber ich verachte sie.

Ich wünsche vor allem, daß mein vermaledeiter Zeitungsschreiber es mir vergönnt, mich nach meiner Fasson zu amüsieren. „Sie verspüren demnach nie“, fragte er mich mit einem weihevollen Unterton, „das Verlangen, andere an ihren Genüssen teilhaben zu lassen?“ Hören Sie den verkappten Neid heraus? Er weiß, daß ich seine Brut verabscheue, und will sich in meinen Kreis einschmeicheln, der widerwärtige Störenfried!

„Dies große Unglück, nicht allein sein zu können ….“, sagt irgendwo La Bruyère, um damit seine Verachtung für jene zu bekunden, die sich sputen, um sich in der Menge zu vergessen, gewiß in der Furcht, sich selbst nicht ertragen zu können.

„Fast unser ganzes Unglück rührt daher, nicht in unserem Zimmer bleiben zu können“, sagt ein anderer weiser Mann, Pascal, glaube ich, um auf solche Weise all jene panisch Umherirrenden in die Zelle der inneren Einkehr zurückzurufen, die das Glück im Aufruhr und einer Prostitution suchen, die ich Verbrüderung nennen könnte, wollte ich mich der vornehmen Ausdrucksweise meines Zeitalters bedienen.

 

Anmerkung zum Verständnis:
Der Bierbrauer Antoine Joseph Santerre leitete das Kommando bei der Hinrichtung des letzten französischen Königs Ludwig XVI. am 21. Januar 1793.

 

Nov 29 18

Charles Baudelaire, Le crépuscule du soir

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Le jour tombe. Un grand apaisement se fait dans les pauvres esprits fatigués du labeur de la journée ; et leurs pensées prennent maintenant les couleurs tendres et indécises du crépuscule.

Cependant du haut de la montagne arrive à mon balcon, à travers les nues transparentes du soir, un grand hurlement, composé d’une foule de cris discordants, que l’espace transforme en une lugubre harmonie, comme celle de la marée qui monte ou d’une tempête qui s’éveille.

Quels sont les infortunés que le soir ne calme pas, et qui prennent, comme les hiboux, la venue de la nuit pour un signal de sabbat ? Cette sinistre ululation nous arrive du noir hospice perché sur la montagne ; et, le soir, en fumant et en contemplant le repos de l’immense vallée, hérissée de maisons dont chaque fenêtre dit : « C’est ici la paix maintenant ; c’est ici la joie de la famille ! » je puis, quand le vent souffle de là-haut, bercer ma pensée étonnée à cette imitation des harmonies de l’enfer.

Le crépuscule excite les fous. — Je me souviens que j’ai eu deux amis que le crépuscule rendait tout malades. L’un méconnaissait alors tous les rapports d’amitié et de politesse, et maltraitait, comme un sauvage, le premier venu. Je l’ai vu jeter à la tête d’un maître d’hôtel un excellent poulet, dans lequel il croyait voir je ne sais quel insultant hiéroglyphe. Le soir, précurseur des voluptés profondes, lui gâtait les choses les plus succulentes.

L’autre, un ambitieux blessé, devenait, à mesure que le jour baissait, plus aigre, plus sombre, plus taquin. Indulgent et sociable encore pendant la journée, il était impitoyable le soir ; et ce n’était pas seulement sur autrui, mais aussi sur lui-même, que s’exerçait rageusement sa manie crépusculeuse.

Le premier est mort fou, incapable de reconnaître sa femme et son enfant ; le second porte en lui l’inquiétude d’un malaise perpétuel, et fût-il gratifié de tous les honneurs que peuvent conférer les républiques et les princes, je crois que le crépuscule allumerait encore en lui la brûlante envie de distinctions imaginaires. La nuit, qui mettait ses ténèbres dans leur esprit, fait la lumière dans le mien ; et, bien qu’il ne soit pas rare de voir la même cause engendrer deux effets contraires, j’en suis toujours comme intrigué et alarmé.

Ô nuit ! ô rafraîchissantes ténèbres ! vous êtes pour moi le signal d’une fête intérieure, vous êtes la délivrance d’une angoisse ! Dans la solitude des plaines, dans les labyrinthes pierreux d’une capitale, scintillement des étoiles, explosion des lanternes, vous êtes le feu d’artifice de la déesse Liberté !

Crépuscule, comme vous êtes doux et tendre ! Les lueurs roses qui traînent encore à l’horizon comme l’agonie du jour sous l’oppression victorieuse de sa nuit, les feux des candélabres qui font des taches d’un rouge opaque sur les dernières gloires du couchant, les lourdes draperies qu’une main invisible attire des profondeurs de l’Orient, imitent tous les sentiments compliqués qui luttent dans le cœur de l’homme aux heures solennelles de la vie.

On dirait encore une de ces robes étranges de danseuses, où une gaze transparente et sombre laisse entrevoir les splendeurs amorties d’une jupe éclatante, comme sous le noir présent transperce le délicieux passé ; et les étoiles vacillantes d’or et d’argent, dont elle est semée, représentent ces feux de la fantaisie qui ne s’allument bien que sous le deuil profond de la Nuit.

 

Die Abenddämmerung

Der Tag sinkt hin. Eine tiefe Sänftigung geht durch die armen Geister, erschöpft vom Werk des Tages; und was sie empfinden, nimmt nun die zarten und verschwommenen Farben der Abenddämmerung an.

Indes, vom Gipfel des Gebirges dringt durch die lichten Wolken des Abends ein großes Geheul, ein Mißgesang unzähliger Rufe, die den Raum in eine schaurige Harmonie verwandeln, wie jene der steigenden Flut oder des erwachenden Sturms.

Wer sind die Unglücklichen, denen der Abend keine Ruhe schenkt und die den Eulen gleich die Heraufkunft der Nacht zum Hexensabbat ruft? Diese düsteren Eulenschreie kommen zu uns von dem dunklen Sterbehaus, das am Berghang nistet; und des Abends kann ich, rauchend und die Stille des weiten Tales betrachtend, das von Häusern starrt und jedes seiner Fenster spricht: „Hier ist Frieden eingekehrt, hier wohnt die Freude der Familie!“, wenn der Wind von den Höhen weht, meine Gedanken wiegen, die sich über diesen Widerhall der Harmonien aus der Unterwelt wundern.

Die Dämmerung erregt die Wahnsinnigen. – Ich erinnere mich zweier Freunde, die von der Abenddämmerung ganz krank wurden. Der eine mißachtete alle Regeln der Freundschaft und Höflichkeit und malträtierte wie ein Wilder den erstbesten Gast. Ich sah einmal, wie er dem Wirt des Hotels ein vorzügliches Brathühnchen, in dem er irgendeine ihn höhnende Hieroglyphe sah, an den Kopf warf. Der Abend, Vorbote tiefer Lüste, verdarb ihm die schmackhaftesten Dinge.

Der andere, bei seinem Flug zum Ruhm abgestürzt, wurde, je mehr der Tag sich neigte, umso säuerlicher, finsterer, nörgelnder. Nachgiebig und umgänglich während des Tages war er abends unerbittlich; und nicht nur gegen andere, auch gegen sich selbst richtete er wutentbrannt seine Dämmerungsmanie.

Der erste ist im Wahnsinn gestorben, unfähig seine Frau und sein Kind wiederzuerkennen; der zweite trug den Stachel eines andauernden Unbehagens in sich, und wäre er mit allen Ehren ausgezeichnet worden, die von den Staaten und Fürsten vergeben werden, noch immer würde, meine ich, die Abenddämmerung in ihm die heiße Begierde nach phantastischen Auszeichnungen entzünden. Die Nacht, die ihre Finsternis in ihren Geist senkte, steckt dem meinen ein Licht an; und wenn es auch nicht selten zu beobachten ist, wie dieselbe Ursache gegensätzliche Wirkungen hervorbringt, bin ich von diesem Phänomen doch stets beunruhigt und geängstigt.

O Nacht, o Kühle spendende Dunkelheit! Mir seid ihr das Zeichen zu einer innerlichen Feier, ihr seid die Erlösung von einer Angst! In der Einsamkeit der Ebenen, in den steinernen Labyrinthen der Großstadt, dem Gefunkel der Sterne, dem Aufblitzen der Straßenlaternen seid ihr das Feuerwerk der Göttin Ungebundenheit!

Dämmerung, wie bist du sanft und zart! Das Rosenlicht, das noch den Horizont umspielt, wie die Agonie des Tags unter dem sieghaften Griff der Nacht, die Flammen der Kandelaber, die Flecken von düsterem Rot auf den ersterbenden Glorienschein der sinkenden Sonne werfen, die schweren Vorhänge, die eine unsichtbare Hand aus den Tiefen des Orients hervorzieht, sie ahmen die verschlungenen Empfindungen nach, die im Herzens des Menschen in den Weihestunden des Lebens miteinander ringen.

Man könnte auch von einem jener sonderbaren Kostüme der Tänzerinnen reden, bei denen die durchschimmernde und dunkle Gaze die gedämpften Schimmer eines prachtvollen Rockes ahnen läßt, wie unter der Gegenwart der Nacht die köstliche Vergangenheit hervorblickt; und die zwischen Gold und Silber flackernden Sterne, die darauf gestreut sind, versinnbildlichen die Flammen der Phantasie, die einzig sich unter der tiefen Trauer der Nacht entzünden.

 

Nov 28 18

Charles Baudelaire, Les tentations ou Éros, Plutus et la Gloire

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Deux superbes Satans et une Diablesse, non moins extraordinaire, ont la nuit dernière monté l’escalier mystérieux par où l’Enfer donne assaut à la faiblesse de l’homme qui dort, et communique en secret avec lui. Et ils sont venus se poser glorieusement devant moi, debout comme sur une estrade. Une splendeur sulfureuse émanait de ces trois personnages, qui se détachaient ainsi du fond opaque de la nuit. Ils avaient l’air si fier et si plein de domination, que je les pris d’abord tous les trois pour de vrais Dieux.

Le visage du premier Satan était d’un sexe ambigu, et il y avait aussi, dans les lignes de son corps, la mollesse des anciens Bacchus. Ses beaux yeux languissants, d’une couleur ténébreuse et indécise, ressemblaient à des violettes chargées encore des lourds pleurs de l’orage, et ses lèvres entr’ouvertes à des cassolettes chaudes, d’où s’exhalait la bonne odeur d’une parfumerie ; et à chaque fois qu’il soupirait, des insectes musqués s’illuminaient, en voletant, aux ardeurs de son souffle.

Autour de sa tunique de pourpre était roulé, en manière de ceinture, un serpent chatoyant qui, la tête relevée, tournait langoureusement vers lui ses yeux de braise. À cette ceinture vivante étaient suspendus, alternant avec des fioles pleines de liqueurs sinistres, de brillants couteaux et des instruments de chirurgie. Dans sa main droite il tenait une autre fiole dont le contenu était d’un rouge lumineux, et qui portait pour étiquette ces mots bizarres : « Buvez, ceci est mon sang, un parfait cordial ; » dans la gauche, un violon qui lui servait sans doute à chanter ses plaisirs et ses douleurs, et à répandre la contagion de sa folie dans les nuits de sabbat.

À ses chevilles délicates traînaient quelques anneaux d’une chaîne d’or rompue, et quand la gêne qui en résultait le forçait à baisser les yeux vers la terre, il contemplait vaniteusement les ongles de ses pieds, brillants et polis comme des pierres bien travaillées.

Il me regarda avec ses yeux inconsolablement navrés, d’où s’écoulait une insidieuse ivresse, et il me dit d’une voix chantante : « Si tu veux, si tu veux, je te ferai le seigneur des âmes, et tu seras le maître de la matière vivante, plus encore que le sculpteur peut l’être de l’argile ; et tu connaîtras le plaisir, sans cesse renaissant, de sortir de toi-même pour t’oublier dans autrui, et d’attirer les autres âmes jusqu’à les confondre avec la tienne. »

Et je lui répondis : « Grand merci ! je n’ai que faire de cette pacotille d’êtres qui, sans doute, ne valent pas mieux que mon pauvre moi. Bien que j’aie quelque honte à me souvenir, je ne veux rien oublier ; et quand même je ne te connaîtrais pas, vieux monstre, ta mystérieuse coutellerie, tes fioles équivoques, les chaînes dont tes pieds sont empêtrés, sont des symboles qui expliquent assez clairement les inconvénients de ton amitié. Garde tes présents. »

Le second Satan n’avait ni cet air à la fois tragique et souriant, ni ces belles manières insinuantes, ni cette beauté délicate et parfumée. C’était un homme vaste, à gros visage sans yeux, dont la lourde bedaine surplombait les cuisses, et dont toute la peau était dorée et illustrée, comme d’un tatouage, d’une foule de petites figures mouvantes représentant les formes nombreuses de la misère universelle. Il y avait de petits hommes efflanqués qui se suspendaient volontairement à un clou ; il y avait de petits gnomes difformes, maigres, dont les yeux suppliants réclamaient l’aumône mieux encore que leurs mains tremblantes ; et puis de vieilles mères portant des avortons accrochés à leurs mamelles exténuées. Il y en avait encore bien d’autres.

Le gros Satan tapait avec son poing sur son immense ventre, d’où sortait alors un long et retentissant cliquetis de métal, qui se terminait en un vague gémissement fait de nombreuses voix humaines. Et il riait, en montrant impudemment ses dents gâtées, d’un énorme rire imbécile, comme certains hommes de tous les pays quand ils ont trop bien dîné.

Et celui-là me dit : « Je puis te donner ce qui obtient tout, ce qui vaut tout, ce qui remplace tout ! » Et il tapa sur son ventre monstrueux, dont l’écho sonore fit le commentaire de sa grossière parole.

Je me détournai avec dégoût, et je répondis : « Je n’ai besoin, pour ma jouissance, de la misère de personne ; et je ne veux pas d’une richesse attristée, comme un papier de tenture, de tous les malheurs représentés sur ta peau. »

Quant à la Diablesse, je mentirais si je n’avouais pas qu’à première vue je lui trouvai un bizarre charme. Pour définir ce charme, je ne saurais le comparer à rien de mieux qu’à celui des très-belles femmes sur le retour, qui cependant ne vieillissent plus, et dont la beauté garde la magie pénétrante des ruines. Elle avait l’air à la fois impérieux et dégingandé, et ses yeux, quoique battus, contenaient une force fascinatrice. Ce qui me frappa le plus, ce fut le mystère de sa voix, dans laquelle je retrouvais le souvenir des contralti les plus délicieux et aussi un peu de l’enrouement des gosiers incessamment lavés par l’eau-de-vie.

« Veux-tu connaître ma puissance ? » dit la fausse déesse avec sa voix charmante et paradoxale. « Écoute. »

Et elle emboucha alors une gigantesque trompette, enrubannée, comme un mirliton, des titres de tous les journaux de l’univers, et à travers cette trompette elle cria mon nom, qui roula ainsi à travers l’espace avec le bruit de cent mille tonnerres, et me revint répercuté par l’écho de la plus lointaine planète.

« Diable ! » fis-je, à moitié subjugué, « voilà qui est précieux ! » Mais en examinant plus attentivement la séduisante virago, il me sembla vaguement que je la reconnaissais pour l’avoir vue trinquant avec quelques drôles de ma connaissance ; et le son rauque du cuivre apporta à mes oreilles je ne sais quel souvenir d’une trompette prostituée.

Aussi je répondis, avec tout mon dédain : « Va-t’en ! Je ne suis pas fait pour épouser la maîtresse de certains que je ne veux pas nommer. »

Certes, d’une si courageuse abnégation j’avais le droit d’être fier. Mais malheureusement je me réveillai, et toute ma force m’abandonna. « En vérité, me dis-je, il fallait que je fusse bien lourdement assoupi pour montrer de tels scrupules. Ah ! s’ils pouvaient revenir pendant que je suis éveillé, je ne ferais pas tant le délicat ! »

Et je les invoquai à haute voix, les suppliant de me pardonner, leur offrant de me déshonorer aussi souvent qu’il le faudrait pour mériter leurs faveurs ; mais je les avais sans doute fortement offensés, car ils ne sont jamais revenus.

 

Die Versuchungen oder Eros, Plutus und Gloria

Zwei Oberteufel und eine Teufelin, auch ziemlich bedeutend, sind letzte Nacht die geheime Treppe hochgestiegen, auf der die Hölle Sturm auf des Menschen Schwachheit nimmt, so er schläft und unbewußt mit ihr verkehrt. Sie haben sich in aller Pracht vor ihm aufgereckt, wie Standbilder auf einem Podest. Ein schwefliges Gleißen entströmte diesen drei Gestalten, und sie brachen hervor aus dem dunklen Grund der Nacht. Sie strahlten einen solchen Hochmut und so hohe Herrschgewalt aus, daß ich die drei zunächst für echte Götter ansah.

Das Gesicht des ersten Teufels hatte Züge beiderlei Geschlechts und die Linien seines Leibs verschwammen weich wie bei Antiken die des Bacchus. Seine schönen Sehnsuchtsaugen waren dämmrig und verwischt, wie Veilchen sind, wenn ihre Lider noch erschlaffen unter schweren Tränen des Gewitters, und seine Lippen waren halb geöffnet wie heiße Rauchgefäße, denen der Wohlgeruch von Spezereien entweicht; und immer wenn er seufzte, glommen nach Moschus duftende Glühwürmchen auf, sobald sie in den Gluthauch seines Atems schwirrten.

Um seine Tunika mit dem Purpurstreif wand sich wie ein Gürtel eine schimmernde Schlange, die, den Kopf zurückgeworfen, ihm schmachtend ihre glühenden Augen zukehrte. An diesem lebenden Gürtel hingen, im Wechsel mit Phiolen, verfüllt mit dunklen Likören, funkelnde Messer und chirurgische Instrumente. In seiner Rechten hielt er wiederum eine Phiole, ihr Inhalt war von heller Röte und auf ihrem Etikett waren seltsame Worte zu lesen: „Trinket, das ist mein Blut, ein Likör vom feinsten“; in der Linken eine Geige, gewiß, um seine Freuden und Leiden in Melodien zu verwandeln und in den Sabbatnächten alle mit seinem Wahnsinn anzustecken.

An seinen zierlichen Knöcheln baumelten einige Ringe, deren goldener Bogen gerissen war, und als er durch dies Hemmnis sich gezwungen fühlte, die Augen auf die Erde zu senken, betrachtete er selbstgefällig seine schimmernden Fußnägel, die glatt waren wie fein polierte Steine.

Er schaute mich mit seinen untröstlich-traurigen Augen an, die von einem tückischen Taumel quollen, und sagte mir mit singender Stimme: „Wenn du willst, du nur willst, mache ich dich zum Herrn der Seelen und du wirst aller lebenden Herrscher Herr sein, mehr als es der Bildhauer über den Ton zu sein vermag. Du wirst die Lust, endlos sich erneuend, erleben, dir selbst zu entrinnen, um im anderen dich zu vergessen, und fremde Seele an dich zu ziehen, bis sie sich mit der deinen vermischen.“

Ich antworte ihm: „Besten Dank, mit solchen Talmi-Kreaturen habe ich nichts zu schaffen, die bestimmt nicht wehr wert sind als mein armes Selbst. Auch wenn ich öfters rot werden muß, wenn ich mich erinnere, will ich doch nichts vergessen. Und würde ich dich nicht kennen, altes Scheusal, sind deine geheimnisvollen Messer, deine zweideutigen Phiolen, deine Kettchen, die sich an deinen Füßen verheddern, Symbole genug, die das Bedenkliche deiner Freundschaft in ein helles Licht rücken. Behalte deine Geschenke!“

Der zweite Teufel hatte nicht dieses tragische und gleichwohl lächelnde Gesicht, nicht dies einschmeichelnde Gebaren noch diese zarte und duftige Schönheit. Es war ein mächtiger Kerl mit Augenschlitzen in einem verfetteten Gesicht, sein dicker Wanst hing ihm über die Schenkel und seine Haut war ganz mit Gold überzogen und als wäre er tätowiert, mit einer Vielzahl kleiner anrührender Szenen des weltweiten Elends bemalt. Da gab es dünne Männlein, die entschlossen waren, sich an einem Nagel zu erhängen; da gab es häßliche, spindeldürre Zwerge, die mehr noch mit den flehenden Augen nach Almosen bettelten als mit ihren zitternden Händen. Und schließlich ältliche Mütter, deren verkümmerte Kinder sich an ihren ausgemergelten Brüsten festklammerten. Und noch etliche andere.

Der dicke Teufel schlug sich mit seiner Faust auf den kolossalen Bauch und auf der Stelle ertönte ein lange widerhallendes Gerassel von Metall, das in ein undeutliches Stöhnen zahlloser menschlicher Stimmen ausklang. Er lachte, schamlos seine faulen Zähne entblößend, das gellende Lachen eines Schwachsinnigen, wie es gewisse Leute in aller Herren Länder nach einer üppigen Mahlzeit zu tun pflegen.

Er sprach zu mir: „Ich kann dir geben, was alles einheimst, was alles aufwiegt, was alles ersetzt!“ Und er schlug auf seinen monströsen Wanst, und sein Widerhall war der Kommentar zu seinen pöbelhaften Worten.

Ich wandte mich widerwillig ab und antwortete: „Mich verlangt nach keines Menschen Elend, um mein Wohlbefinden zu erhöhen; ich verschmähe einen Reichtum, der von all dem Elend verdüstert ist, wie es deine Haut, einem Wandteppich gleich, versinnbildlicht.“

Von der Teufelin indes, ich löge, wenn ich es nicht frei bekennte, fühlte ich einen seltsamen Zauber mich anwandeln. Ich könnte diesen Zauber nicht besser umschreiben, als wenn ich ihn mit dem Zauber der überaus schönen Frauen auf dem Heimweg vergleiche, die doch nicht gealtert sind, während um ihre Schönheit noch die Magie der Ruinen weht. Sie sah zugleich herrisch und schmächtig aus, und ihre Augen waren, wenn auch niedergeschlagen, doch von bannender Macht. Am meisten beeindruckte mich das Geheimnis ihrer Stimme, aus der mir die Erinnerung an lange verklungene wohltönende Altstimmen widerhallte und sogar ein wenig die Heiserkeit von Kehlen, die unentwegt mit Wermut genetzt worden sind.

„Willst du meine Macht kennenlernen?“, frug die falsche Göttin mit ihrer zauberhaften und doppeldeutigen Stimme. „Höre!“

Und sie blies auf einer riesigen bebänderten Trompete wie auf einer Tröte die Schlagzeilen der Zeitungen aus Ost und West und zwischen den Fanfaren rief sie meinen Namen, der durch die Räume hallte mit dem Lärm von hunderttausend Donnerschlägen und an mein Ohr vom Echo des fernsten Planeten zurückgeworfen wurde.

„Teufel“, entfuhr es mir, halb in ihren Bann geschlagen, „das ist köstlich!“ Doch wie ich das verführerische Mannweib aufmerksamer musterte, glaubte ich sie von ungefähr als diejenige wiederzuerkennen, die ich einst sah, wie sie mit einigen Spaßvögeln aus meinem Bekanntenkreis angestoßen hat; und der heisere Ton ihrer Tröte brachte mir die vage Erinnerung an eine Trompete zum Klingen, die auf den Strich gegangen ist.

So erwiderte ich mit all der mir zu Gebote stehenden Verachtung: „Weiche von mir! Ich bin nicht aus solch einem Holz geschnitzt, daß ich die Bettgenossin von Leuten ehelichen würde, deren Namen ich nicht nennen möchte!“

Auf eine so kühne Entsagung konnte ich wohl mit Recht stolz sein. Doch unglückerweise bin ich in diesem Moment aufgewacht und all meine Kräfte verließen mich. „Ich muß wohl“, sagte ich mir, „im Tiefschlaf gelegen haben, daß ich solche Bedenken zeigen konnte. Ach, könnten sie zurückkehren, wenn ich wach bin, dann würde ich mich wohl nicht dermaßen zieren!“

Und ich beschwor sie mit lauter Stimme, flehte sie an, mir zu vergeben, bot ihnen an, mich zu entehren, sooft es nötig wäre, um ihre Gunst zu verdienen; doch ich habe sie wohl allzu sehr vor den Kopf gestoßen, denn sie kehrten nie wieder zurück.

 

Nov 27 18

Charles Baudelaire, Les dons des fées

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

C’était grande assemblée des Fées, pour procéder à la répartition des dons parmi tous les nouveau-nés, arrivés à la vie depuis vingt-quatre heures.

Toutes ces antiques et capricieuses Sœurs du Destin, toutes ces Mères bizarres de la joie et de la douleur, étaient fort diverses : les unes avaient l’air sombre et rechigné, les autres, un air folâtre et malin ; les unes, jeunes, qui avaient toujours été jeunes ; les autres, vieilles, qui avaient toujours été vieilles.

Tous les pères qui ont foi dans les Fées étaient venus, chacun apportant son nouveau-né dans ses bras.

Les Dons, les Facultés, les bons Hasards, les Circonstances invincibles, étaient accumulés à côté du tribunal, comme les prix sur l’estrade, dans une distribution de prix. Ce qu’il y avait ici de particulier, c’est que les Dons n’étaient pas la récompense d’un effort, mais tout au contraire une grâce accordée à celui qui n’avait pas encore vécu, une grâce pouvant déterminer sa destinée et devenir aussi bien la source de son malheur que de son bonheur.

Les pauvres Fées étaient très-affairées ; car la foule des solliciteurs était grande, et le monde intermédiaire, placé entre l’homme et Dieu, est soumis comme nous à la terrible loi du Temps et de son infinie postérité, les Jours, les Heures, les Minutes, les Secondes.

En vérité, elles étaient aussi ahuries que des ministres un jour d’audience, ou des employés du Mont-de-Piété quand une fête nationale autorise les dégagements gratuits. Je crois même qu’elles regardaient de temps à autre l’aiguille de l’horloge avec autant d’impatience que des juges humains qui, siégeant depuis le matin, ne peuvent s’empêcher de rêver au dîner, à la famille et à leurs chères pantoufles. Si, dans la justice surnaturelle, il y a un peu de précipitation et de hasard, ne nous étonnons pas qu’il en soit de même quelquefois dans la justice humaine. Nous serions nous-mêmes, en ce cas, des juges injustes.

Aussi furent commises ce jour-là quelques bourdes qu’on pourrait considérer comme bizarres, si la prudence, plutôt que le caprice, était le caractère distinctif, éternel des Fées.

Ainsi la puissance d’attirer magnétiquement la fortune fut adjugée à l’héritier unique d’une famille très-riche, qui, n’étant doué d’aucun sens de charité, non plus que d’aucune convoitise pour les biens les plus visibles de la vie, devait se trouver plus tard prodigieusement embarrassé de ses millions.

Ainsi furent donnés l’amour du Beau et la Puissance poétique au fils d’un sombre gueux, carrier de son état, qui ne pouvait, en aucune façon, aider les facultés, ni soulager les besoins de sa déplorable progéniture.

J’ai oublié de vous dire que la distribution, en ces cas solennels, est sans appel, et qu’aucun don ne peut être refusé.

Toutes les Fées se levaient, croyant leur corvée accomplie ; car il ne restait plus aucun cadeau, aucune largesse à jeter à tout ce fretin humain, quand un brave homme, un pauvre petit commerçant, je crois, se leva, et empoignant par sa robe de vapeurs multicolores la Fée qui était le plus à sa portée, s’écria :

« Eh ! madame ! vous nous oubliez ! Il y a encore mon petit ! Je ne veux pas être venu pour rien. »

La Fée pouvait être embarrassée ; car il ne restait plus rien. Cependant elle se souvint à temps d’une loi bien connue, quoique rarement appliquée, dans le monde surnaturel, habité par ces déités impalpables, amies de l’homme, et souvent contraintes de s’adapter à ses passions, telles que les Fées, les Gnomes, les Salamandres, les Sylphides, les Sylphes, les Nixes, les Ondins et les Ondines, — je veux parler de la loi qui concède aux Fées, dans un cas semblable à celui-ci, c’est-à-dire le cas d’épuisement des lots, la faculté d’en donner encore un, supplémentaire et exceptionnel, pourvu toutefois qu’elle ait l’imagination suffisante pour le créer immédiatement.

Donc la bonne Fée répondit, avec un aplomb digne de son rang : « Je donne à ton fils… je lui donne… le Don de plaire ! »

« Mais plaire comment ? plaire… ? plaire pourquoi ? » demanda opiniâtrément le petit boutiquier, qui était sans doute un de ces raisonneurs si communs, incapable de s’élever jusqu’à la logique de l’Absurde.

« Parce que ! parce que ! » répliqua la Fée courroucée, en lui tournant le dos ; et rejoignant le cortége de ses compagnes, elle leur disait : « Comment trouvez-vous ce petit Français vaniteux, qui veut tout comprendre, et qui ayant obtenu pour son fils le meilleur des lots, ose encore interroger et discuter l’indiscutable ? »

 

Die Gaben der Feen

Die große Versammlung der Feen tagte, um darüber zu befinden, wie man die Geschenke an die Neugeborenen verteile, die in den letzten vierundzwanzig Stunden das Licht der Welt erblickt hatten.

Von all diesen ehrwürdigen und launischen Schwestern des Schicksals, all diesen seltsamen Müttern der Freude und des Leids glich keine der anderen: Die einen schauten finster und mürrisch drein, die anderen übermütig und verschmitzt; die einen jugendlich, sie waren von jeher jung, die anderen alt, sie waren von jeher alt.

Alle Väter, die an die Feen glaubten, waren gekommen, ein jeder trug sein Neugeborenes auf den Armen.

Die Geschenke, die Talente, die glücklichen Fügungen, die fatalen Umstände waren um das Gericht geschart, wie die Preise auf dem Podest bei einer Preisverleihung. Das Besondere bestand darin, daß die Geschenke keine Belohnung für Anstrengungen darstellten, sondern im Gegenteil eine Gnadengabe für jene, die noch nicht gelebt hatten, eine Gnade, die ihr Schicksal vorzeichnen und ebenso die Quelle ihres Unglücks wie ihres Glücks werden konnte.

Die armen Feen waren sehr geschäftig; denn die Menge der Bittsteller war groß, und die Welt der Mittler, zwischen Mensch und Gott gelegen, ist wie die unsere dem schrecklichen Gesetz der Zeit unterworfen und ihrer unermeßlichen Nachkommenschaft, den Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden.

Sie waren wirklich so verwirrt wie die Minister am Tag der Audienz des Königs oder die Angestellten der Armenbank Mont-de-Piété, als man für den Nationalfeiertag die zinslose Freigabe von Kleinkrediten bewilligte. Ich glaube, sie schauten sogar von Minute zu Minute mit solcher Ungeduld auf den Zeiger der Uhr wie die menschlichen Richter, die während ihrer morgendlichen Sitzung eins ums andere Mal ans Mittagessen denken müssen, an ihre Familie und ihre geliebten Pantoffeln. Wenn es denn bei der übernatürlichen Rechtsprechung ein wenig überstürzt und willkürlich zugeht, sollten wir uns nicht wundern, wenn dies bei der menschlichen Rechtsprechung bisweilen nicht viel anders ist. Wir werden in solchen Fällen selbst auch keine gerechten Richter sein.

An diesem Tage hat man sich auch einige Schnitzer erlaubt, über die man sich wohl wundern könnte, wäre eher als die Laune die Bedachtsamkeit das ewige Charaktermerkmal der Feen.

So wurde das Talent, gleich einem Magneten Vermögen an sich zu ziehen, dem Erben einer steinreichen Familie zuerkannt, der ohne geringsten Hang zur Mildtätigkeit und weniger noch zum Genuß der sinnenfälligsten Güter des Lebens sich später ungemein von der Bürde seiner Millionen erdrückt fühlen mußte.

So wurden die Liebe zum Schönen und das Talent für die Dichtung dem Sohn eines finsteren Spitzbuben, Steinhauer von Beruf, verliehen, der seine Fähigkeiten auf keine Weise fördern und die Nöte seines beklagenswerten Sprößlings nicht lindern konnte.

Ich vergaß zu erwähnen, daß die Verteilung der Gaben bei solch feierlichen Anlässen keinen Einspruch duldet und ihre Annahme nicht verweigert werden kann.

Alle Feen erhoben sich, im Glauben, ihre lästige Pflicht absolviert zu haben; denn es blieb kein Geschenk mehr übrig, keine Gunst der kleinen Menschenbrut mehr zu vergeben. Da stand ein biederer Mann, ein kleiner Händler, glaube ich, auf, zupfte die erstbeste Fee an ihrem schillernden Kleid aus Dunst und rief:

„Halt, Gnädige, Sie haben uns vergessen! Hier ist noch mein Kleiner, ich will nicht umsonst hergekommen sein!“

Das hätte die Fee in arge Verlegenheit bringen können, denn es war nichts mehr übrig. Doch ihr kam rechtzeitig ein bekanntes Gesetz in den Sinn, das allerdings selten Anwendung findet in der übernatürlichen Welt, die von ungreifbaren Gottheiten bewohnt ist, Freunden des Menschen, die sich oft auf ihre Leidenschaften einstellen müssen, als da sind die Feen, Gnomen, Salamander, Sylphiden, Sylphen, Nixen, Wassermänner und Undinen – ich spreche von dem Gesetz, das den Feen in ähnlichen Fällen wie diesem, da alle Gaben verteilt sind, die Möglichkeit zugesteht, doch noch eine auszuhändigen, zusätzlich und ausnahmsweise, unter der Bedingung freilich, daß eine Fee genügend Phantasie hat, sie auf der Stelle aus dem Ärmel zu schütteln.

Da antwortete die gute Fee mit einer ihres Ranges würdigen Selbstsicherheit: „Ich schenke deinem Sohn … ich schenke ihm die Gabe zu gefallen.“

„Wie, zu gefallen? Gefallen? … Warum gefallen?“, fragte der kleine Krämer halsstarrig, er war augenscheinlich einer dieser ordinären aufgeklärten Köpfe, die unfähig sind, sich zum Begriff des Unbegreiflichen zu erheben.

„Warum! Warum!“, gab die Fee, in Harnisch geraten, zurück, und drehte ihm den Rücken zu; und sich wieder den Reihen ihrer Gefährten anschließend, sprach sie zu ihnen: „Wie findet ihr diesen eitlen Franzosen, der alles verstehen möchte, und hat er schon die beste Gabe für seinen Sohn bekommen, sich erdreistet, immer weiter zu fragen und das schweigend Hinzunehmende geschwätzig zu bestreiten?“

 

Nov 27 18

Charles Baudelaire, Le joujou du pauvre

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Je veux donner l’idée d’un divertissement innocent. Il y a si peu d’amusements qui ne soient pas coupables !

Quand vous sortirez le matin avec l’intention décidée de flâner sur les grandes routes, remplissez vos poches de petites inventions à un sol, — telles que le polichinelle plat mû par un seul fil, les forgerons qui battent l’enclume, le cavalier et son cheval dont la queue est un sifflet, — et le long des cabarets, au pied des arbres, faites-en hommage aux enfants inconnus et pauvres que vous rencontrerez. Vous verrez leurs yeux s’agrandir démesurément. D’abord ils n’oseront pas prendre ; ils douteront de leur bonheur. Puis leurs mains agripperont vivement le cadeau, et ils s’enfuiront comme font les chats qui vont manger loin de vous le morceau que vous leur avez donné, ayant appris à se défier de l’homme.

Sur une route, derrière la grille d’un vaste jardin, au bout duquel apparaissait la blancheur d’un joli château frappé par le soleil, se tenait un enfant beau et frais, habillé de ces vêtements de campagne si pleins de coquetterie.

Le luxe, l’insouciance et le spectacle habituel de la richesse, rendent ces enfants-là si jolis, qu’on les croirait faits d’une autre pâte que les enfants de la médiocrité ou de la pauvreté.

À côté de lui, gisait sur l’herbe un joujou splendide, aussi frais que son maître, verni, doré, vêtu d’une robe pourpre, et couvert de plumets et de verroteries. Mais l’enfant ne s’occupait pas de son joujou préféré, et voici ce qu’il regardait :

De l’autre côté de la grille, sur la route, entre les chardons et les orties, il y avait un autre enfant, sale, chétif, fuligineux, un de ces marmots-parias dont un œil impartial découvrirait la beauté, si, comme l’œil du connaisseur devine une peinture idéale sous un vernis de carrossier, il le nettoyait de la répugnante patine de la misère.

À travers ces barreaux symboliques séparant deux mondes, la grande route et le château, l’enfant pauvre montrait à l’enfant riche son propre joujou, que celui-ci examinait avidement comme un objet rare et inconnu. Or, ce joujou, que le petit souillon agaçait, agitait et secouait dans une boîte grillée, c’était un rat vivant ! Les parents, par économie sans doute, avaient tiré le joujou de la vie elle-même.

Et les deux enfants se riaient l’un à l’autre fraternellement, avec des dents d’une égale blancheur.

 

Das Spielzeug des Armen

Ich möchte von einem unschuldigen Zeitvertreib eine Vorstellung geben. Es sind der Vergnügungen, die nicht sündhaft sind, so wenige!

Wenn Sie des Morgens das Haus verlassen, um über die großen Straßen zu schlendern, stopfen Sie die Tasche voll mit kleinen Erfindungen für einen Groschen, wie die dünne Kasperlepuppe, die an einem Faden baumelt, die Spielzeugschmiede, die den Amboß schlagen, den Reiter und sein Pferd, dessen Schweif eine Pfeife ist – und entlang der Schenken, zu Füßen der Bäume, machen Sie damit den unbekannten armen Kindern, auf die Sie treffen, huldvoll ein Geschenk. Sie werden sehen, wie sich ihre Augen über die Maßen weiten. Zunächst wagen sie nicht, etwas anzurühren; sie trauen ihrem Glücke nicht. Dann reißen ihre Hände hurtig das Geschenk an sich, und sie flüchten, wie es Katzen tun, die den Brocken, den Sie ihnen hingeworfen haben, außer Sichtweise vertilgen wollen, haben sie doch dem Menschen zu mißtrauen gelernt.

An der Straße, hinter dem Gitter eines großen Gartens, an dessen Ende der weiße Marmor eines hübschen Schlosses unter dem Schlaglicht der Sonne hervorschimmerte, stand ein hübscher Junge, in einem jener ländlichen Janker, die so fesch wirken.

Der Luxus, die Unbekümmertheit und das gepflegte Gebaren der besseren Kreise geben diesen Kindern einen solchen Charme, daß man glauben könnte, sie seien aus einem anderen Holz geschnitzt als die Kinder der gewöhnlichen Leute und armen Schlucker.

Neben ihm lag auf dem Rasen ein glänzendes Spielzeug, unverbraucht wie sein Besitzer, lackiert, vergoldet, mit einem purpurnen Gewand bekleidet, mit Federn bedeckt und Glasperlen. Doch der Junge ließ sein Lieblingsspielzeug links liegen, denn er hatte etwas anderes im Auge:

Jenseits des Gitters stand auf der Straße zwischen Disteln und Brennesseln ein anderer Junge, schmutzig, mager, rußverschmiert, einer dieser Paria-Knirpse, an denen nur ein unbefangenes Auge die Schönheit entdeckt, wenn es sie, so wie das Auge des Kenners unter dem Talmi-Firnis ein bedeutendes Gemälde errät, von der abstoßenden Patina des Elends gesäubert hat.

Durch diese symbolischen Gitterstäbe, die zwei Welten trennten, die Straße und das Schloß, zeigte das arme Kind dem reichen sein eigenes Spielzeug, das dieses mit gierigen Blicken musterte wie ein seltenes und fremdes Etwas. Nun, dieses Spielzeug, das der kleine Schmutzfink in einer angekokelten Schachtel reizte, rüttelte und schüttelte, war eine lebende Ratte! Wohl aus keinen anderen als Sparsamkeitsgründen hatten die Eltern das Spielzeug aus dem Leben selbst genommen.

Die beiden Jungs lachten sich, der eine wie der andere, brüderlich zu, und ihre Zähne zeigten den gleichen weißen Schmelz.

 

Nov 26 18

Charles Baudelaire, L’Invitation au voyage

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Il est un pays superbe, un pays de Cocagne, dit-on, que je rêve de visiter avec une vieille amie. Pays singulier, noyé dans les brumes de notre Nord, et qu’on pourrait appeler l’Orient de l’Occident, la Chine de l’Europe, tant la chaude et capricieuse fantaisie s’y est donné carrière, tant elle l’a patiemment et opiniâtrement illustré de ses savantes et délicates végétations.

Un vrai pays de Cocagne, où tout est beau, riche, tranquille, honnête ; où le luxe a plaisir à se mirer dans l’ordre ; où la vie est grasse et douce à respirer ; d’où le désordre, la turbulence et l’imprévu sont exclus ; où le bonheur est marié au silence ; où la cuisine elle-même est poétique, grasse et excitante à la fois ; où tout vous ressemble, mon cher ange.

Tu connais cette maladie fiévreuse qui s’empare de nous dans les froides misères, cette nostalgie du pays qu’on ignore, cette angoisse de la curiosité ? Il est une contrée qui te ressemble, où tout est beau, riche, tranquille et honnête, où la fantaisie a bâti et décoré une Chine occidentale, où la vie est douce à respirer, où le bonheur est marié au silence. C’est là qu’il faut aller vivre, c’est là qu’il faut aller mourir !

Oui, c’est là qu’il faut aller respirer, rêver et allonger les heures par l’infini des sensations. Un musicien a écrit l’Invitation à la valse ; quel est celui qui composera l’Invitation au voyage, qu’on puisse offrir à la femme aimée, à la sœur d’élection ?

Oui, c’est dans cette atmosphère qu’il ferait bon vivre, — là-bas, où les heures plus lentes contiennent plus de pensées, où les horloges sonnent le bonheur avec une plus profonde et plus significative solennité.

Sur des panneaux luisants, ou sur des cuirs dorés et d’une richesse sombre, vivent discrètement des peintures béates, calmes et profondes, comme les âmes des artistes qui les créèrent. Les soleils couchants, qui colorent si richement la salle à manger ou le salon, sont tamisés par de belles étoffes ou par ces hautes fenêtres ouvragées que le plomb divise en nombreux compartiments. Les meubles sont vastes, curieux, bizarres, armés de serrures et de secrets comme des âmes raffinées. Les miroirs, les métaux, les étoffes, l’orfévrerie et la faïence y jouent pour les yeux une symphonie muette et mystérieuse ; et de toutes choses, de tous les coins, des fissures des tiroirs et des plis des étoffes s’échappe un parfum singulier, un revenez-y de Sumatra, qui est comme l’âme de l’appartement.

Un vrai pays de Cocagne, te dis-je, où tout est riche, propre et luisant, comme une belle conscience, comme une magnifique batterie de cuisine, comme une splendide orfévrerie, comme une bijouterie bariolée ! Les trésors du monde y affluent, comme dans la maison d’un homme laborieux et qui a bien mérité du monde entier. Pays singulier, supérieur aux autres, comme l’Art l’est à la Nature, où celle-ci est réformée par le rêve, où elle est corrigée, embellie, refondue.

Qu’ils cherchent, qu’ils cherchent encore, qu’ils reculent sans cesse les limites de leur bonheur, ces alchimistes de l’horticulture ! Qu’ils proposent des prix de soixante et de cent mille florins pour qui résoudra leurs ambitieux problèmes ! Moi, j’ai trouvé ma tulipe noire et mon dahlia bleu !

Fleur incomparable, tulipe retrouvée, allégorique dahlia, c’est là, n’est-ce pas, dans ce beau pays si calme et si rêveur, qu’il faudrait aller vivre et fleurir ? Ne serais-tu pas encadrée dans ton analogie, et ne pourrais-tu pas te mirer, pour parler comme les mystiques, dans ta propre correspondance ?

Des rêves ! toujours des rêves ! et plus l’âme est ambitieuse et délicate, plus les rêves l’éloignent du possible. Chaque homme porte en lui sa dose d’opium naturel, incessamment sécrétée et renouvelée, et, de la naissance à la mort, combien comptons-nous d’heures remplies par la jouissance positive, par l’action réussie et décidée ? Vivrons-nous jamais, passerons-nous jamais dans ce tableau qu’a peint mon esprit, ce tableau qui te ressemble ?

Ces trésors, ces meubles, ce luxe, cet ordre, ces parfums, ces fleurs miraculeuses, c’est toi. C’est encore toi, ces grands fleuves et ces canaux tranquilles. Ces énormes navires qu’ils charrient, tout chargés de richesses, et d’où montent les chants monotones de la manœuvre, ce sont mes pensées qui dorment ou qui roulent sur ton sein. Tu les conduis doucement vers la mer qui est l’Infini, tout en réfléchissant les profondeurs du ciel dans la limpidité de ta belle âme ; — et quand, fatigués par la houle et gorgés des produits de l’Orient, ils rentrent au port natal, ce sont encore mes pensées enrichies qui reviennent de l’infini vers toi.

 

Die Einladung zur Reise

Es gibt ein Wunderland, da fließen, sagt man, Milch und Honig, das will ich gern besuchen mit einer Freundin aus vergangenen Tagen. Einzigartiges Land, gehüllt in unsre nordischen Nebel, könnte man es den Orient des Okzidents nennen, Europas China, so weit erging sich hier die heiße und launenhafte Phantasie, so weit hat sie es geduldig und beharrlich ausgemalt mit ihren kunstvollen und zierlichen Blumen.

Ein wahres Paradies, wo alles Schönheit ist, Reichtum, Ruhe, Würde; wo die Fülle sich gern im Spiegel der Ordnung betrachtet; wo Leben satten, weichen Atem hat; wo ferne wohnen Chaos, Wirrwarr, Unbedachtes; wo das Glück die Braut des Schweigens ist; wo selbst die Küche dichtet, üppig und anregend zugleich; wo dir, mein teurer Engel, alles gleicht.

Du kennst das Fieber, das uns im kalten Elend überfällt, jenes Heimweh nach dem unbekannten Land, jenen Alb, der dorthin äugt? Es ist das Land, das dir so ähnelt, wo alles Schönheit ist, Reichtum, Ruhe, Würde, wo die Phantasie ein abendländisches China erbaut und ausgeschmückt hat, wo das Leben süßen Atem hat, wo das Glück die Braut des Schweigens ist. Dorthin muß man gehen, um zu leben, dorthin, um zu sterben!

Ja, dorthin muß man gehen, um zu atmen, zu träumen und die Stunden auszudehnen in die grenzenlose Weite des Empfindens. Ein Komponist schrieb die Einladung zum Walzer; wer komponiert die Einladung zur Reise, die man seiner Geliebten schenken könnte, der Schwester des Herzens?

Ja, in dieser Luft wär es gut zu leben; dort, wo die säumenderen Stunden gedankenvoller sind, dort, wo des Glückes Stunden voller schlagen, feierlicher.

Auf schimmernden Paneelen oder vergoldetem Leder von düsterer Fülle sind heimlich Bilder lebendig, selig, still und tief, gleich den Seelen der Künstler, die sie schufen. Die untergehenden Sonnen, die so verschwenderisch den Speisesaal oder den Salon in Farben tauchen, werden von feinen Stoffen gedämpft oder von jenen hohen, kunstvollen Fenstern, die ein reiches Gitterwerk aus Blei durchbricht. Die Möbel sind ausladend, seltsam, wunderlich, mit Schlössern versehen und geheimen Fächern, wie es die Seelen sind. Die Spiegel, die Metalle, die Tücher, Goldschmiedearbeiten und Fayencen spielen eine stumme und geheimnisvolle Symphonie für die Augen; und aus allem, den Winkeln und Spalten, den Fächern und Falten der Kissen steigt ein sonderbarer Duft, ein Komm bald wieder aus Sumatra, gleichsam die Seele des Hauses.

Ein wahres Paradies, sage ich dir, wo alles reich ist, sauber und glänzend, wie ein gutes Gewissen, wie eine prächtige Speisekammer, wie funkelnde Goldschmiedekunst, wie bunte Juwelen! Hier münden die Schätze der Welt, wie im Hause eines arbeitsamen Mannes, der sich in aller Welt Verdienste erwarb. Einzigartiges Land, allen anderen überlegen, wie die Kunst der Natur, wo diese verwandelt ward vom Traum, ins Rechte gerückt, verschönt, umgeschmolzen.

Wie sie suchen und immer weiter suchen, wie sie die Grenzen ihres Glückes unaufhörlich zurückstecken, diese Gärtner-Alchemisten! Wie sie Preise von hundertsechzigtausend Gulden ausschreiben, wenn nur einer ihre hochfliegenden Versuche wahrmacht! Ich habe sie, habe sie gefunden, meine schwarze Tulpe, meine blaue Dahlie!

Blume ohnegleichen, wiedergefundene Tulpe, allegorische Dahlie, man muß, nicht wahr, in dies schöne Land gehen, so voller Ruhe, voller Traum, um zu leben, um zu blühen. Würdest du nicht in dein eigenes Bildnis gerahmt, könntest du nicht, um mit den Mystikern zu sprechen, in dein Spiegelbild tauchen?

Träume, immer nur Träume! Und je höher die Seele fliegt, je zartsinniger sie ist, umso ungreifbarer ihr Traum. Ein jeder hat seine Dosis Opium im Blut, immer wieder abgesondert, immer wieder aufgefrischt. Und von der Wiege bis zum Grab, wie viele Stunden wahrer Wonne, leicht erlangt, beherzt gepflückt, zählen wir? Werden wir jemals leben, jemals in dies Bildnis Einzug halten, das mein Geist gemalt, dieses Bild, das dir so ähnelt?

Diese Schätze, diese Möbel, dieser Luxus, diese Ordnung, diese Düfte, diese Wunderblumen, das bist du. Und auch dies, die großen Ströme, die stillen Grachten. Diese ungeheuren Kähne voller Fracht an Kostbarkeiten, von denen während der Manöver eintönige Lieder schallen, meine Gedanken sind es ja, die schlummern oder sich auf deinem Schoße wiegen. Du trägst sie sanft zum Meere hin, zur Unendlichkeit, und die Tiefen des Himmels spiegeln sich im reinen Kristall deiner Seele. – Und wenn sie, ermüdet vom Schaukeln und gesättigt an den Früchten des Orients, in den Heimathafen einlaufen, so sind es noch immer meine Gedanken, die, mit reicher Ernte, aus dem Unendlichen zu dir nach Hause kommen.

 

Nov 26 18

Charles Baudelaire, Un hémisphère dans une chevelure

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Laisse-moi respirer longtemps, longtemps, l’odeur de tes cheveux, y plonger tout mon visage, comme un homme altéré dans l’eau d’une source, et les agiter avec ma main comme un mouchoir odorant, pour secouer des souvenirs dans l’air.

Si tu pouvais savoir tout ce que je vois ! tout ce que je sens ! tout ce que j’entends dans tes cheveux ! Mon âme voyage sur le parfum comme l’âme des autres hommes sur la musique.

Tes cheveux contiennent tout un rêve, plein de voilures et de mâtures ; ils contiennent de grandes mers dont les moussons me portent vers de charmants climats, où l’espace est plus bleu et plus profond, où l’atmosphère est parfumée par les fruits, par les feuilles et par la peau humaine.

Dans l’océan de ta chevelure, j’entrevois un port fourmillant de chants mélancoliques, d’hommes vigoureux de toutes nations et de navires de toutes formes découpant leurs architectures fines et compliquées sur un ciel immense où se prélasse l’éternelle chaleur.

Dans les caresses de ta chevelure, je retrouve les langueurs des longues heures passées sur un divan, dans la chambre d’un beau navire, bercées par le roulis imperceptible du port, entre les pots de fleurs et les gargoulettes rafraîchissantes.

Dans l’ardent foyer de ta chevelure, je respire l’odeur du tabac mêlé à l’opium et au sucre ; dans la nuit de ta chevelure, je vois resplendir l’infini de l’azur tropical ; sur les rivages duvetés de ta chevelure je m’enivre des odeurs combinées du goudron, du musc et de l’huile de coco.

Laisse-moi mordre longtemps tes tresses lourdes et noires. Quand je mordille tes cheveux élastiques et rebelles, il me semble que je mange des souvenirs.

 

Eine Hemisphäre in einem Haar

Laß mich lange, lange deiner Haare Wohlgerüche atmen, in ihnen ganz mein Antlitz niedertauchen, wie ein Mensch, den das Wasser einer Quelle verwandelt hat, laß sie mit meiner Hand mich schütteln wie ein parfümiertes Taschentuch, auf daß die Lüfte von Erinnerungen wölken.

Wüßtest du all das, was ich sehe, all das, was ich fühle! All das, was ich in deinem Haar erlausche! Meine Seele wandert über seinen Duft wie die Seele anderer Menschen über Musik.

Deine Haare bergen einen Traum, voll von Segeln und Masten; dort sind große Meere verborgen, und ihr Monsunwind trägt mich zu lieblichen Gefilden, wo der Himmel blauer ist und tiefer, wo die Luft den Wohlgeruch der Früchte atmet, der Blätter und der menschlichen Haut.

Im Ozean deines Haars erahne ich einen Hafen, wimmelnd von schwermütigen Gesängen, von kernigen Menschen aller Nationen und von Schiffen in allen Gestalten, die ihre zierlichen und verschlungenen Bauten vor einem ungeheuren Himmel abzeichnen, wo die immerwährende Wärme schwelgt.

Unter den Liebkosungen deines Haars finde ich das Schmachten langer Stunden, hingezögert auf einem Divan, wieder in einer Kabine eines schönen Schiffes, das sich auf dem unmerklichen Schlingern des Hafens wiegt, zwischen Vasen mit Blumen und dem erfrischenden Hauch aus tönernen Krügen.

Im glühenden Herd deines Haars atme ich den Duft von Tabak, mit Opium vermengt und Zucker; in der Nacht deines Haars sehe ich die grenzenlose Weite des tropischen Himmels funkeln; auf den Ufern, umschilft von deinem Haar, machen Gerüche mich trunken, ein Gemisch aus Teer, Moschus und Kokosöl.

Laß mich lange in die schweren und dunklen Flechten beißen. Wenn ich deine biegsamen und widerspenstigen Haare kaue, dünkt es mich, als esse ich Erinnerungen.

 

Nov 26 18

Charles Baudelaire, L’horloge

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Les Chinois voient l’heure dans l’œil des chats.

Un jour un missionnaire, se promenant dans la banlieue de Nankin, s’aperçut qu’il avait oublié sa montre, et demanda à un petit garçon quelle heure il était.

Le gamin du céleste Empire hésita d’abord ; puis, se ravisant, il répondit : « Je vais vous le dire ». Peu d’instants après, il reparut, tenant dans ses bras un fort gros chat, et le regardant, comme on dit, dans le blanc des yeux, il affirma sans hésiter : « Il n’est pas encore tout à fait midi. » Ce qui était vrai.

Pour moi, si je me penche vers la belle Féline, la si bien nommée, qui est à la fois l’honneur de son sexe, l’orgueil de mon cœur et le parfum de mon esprit, que ce soit la nuit, que ce soit le jour, dans la pleine lumière ou dans l’ombre opaque, au fond de ses yeux adorables je vois toujours l’heure distinctement, toujours la même, une heure vaste, solennelle, grande comme l’espace, sans divisions de minutes ni de secondes, — une heure immobile qui n’est pas marquée sur les horloges, et cependant légère comme un soupir, rapide comme un coup d’œil.

Et si quelque importun venait me déranger pendant que mon regard repose sur ce délicieux cadran, si quelque Génie malhonnête et intolérant, quelque Démon du contre-temps venait me dire : « Que regardes-tu là avec tant de soin ? Que cherches-tu dans les yeux de cet être ? Y vois-tu l’heure, mortel prodigue et fainéant ? » je répondrais sans hésiter : « Oui, je vois l’heure ; il est l’Éternité ! »

N’est-ce pas, madame, que voici un madrigal vraiment méritoire, et aussi emphatique que vous-même ? En vérité, j’ai eu tant de plaisir à broder cette prétentieuse galanterie, que je ne vous demanderai rien en échange.

 

Die Uhr

Die Chinesen lesen die Uhrzeit von den Augen der Katzen ab.

Eines Tages spazierte ein Missionar durch die Vorstadt von Nanking und bemerkte, daß er seine Uhr vergessen hatte. Er fragte einen kleinen Jungen, wie spät es sei.

Der Bub aus dem Reich des Himmels zögerte erst; dann besann er sich und antwortete: „Das will ich Ihnen sagen.“ Nach wenigen Augenblicken kam er mit einer dicken Katze auf dem Arm zurück, und indem er ihr, wie man sagt, tief in die Augen schaute, sagte er, ohne zu zögern: „Es ist kurz vor Zwölf.“ Und das stimmte.

Was mich angeht, so beuge ich mich über die schöne Feline, diesen hübschen Namen gab ich ihr, sie ist zugleich die Zierde ihres Geschlechts, der Stolz meines Herzens und der Duft meines Geistes, in der Tiefe ihrer anbetungswürdigen Augen sehe ich stets, ob in der Nacht, ob am Tage, im Glanz des Lichts oder in der Düsternis des Schattens, genau die Stunde, immer die meine, eine Stunde, gedehnt, feierlich, groß wie der Raum, ohne Einteilung nach Minuten und Sekunden – eine statische Stunde, die man auf den Wanduhren nicht ablesen kann, und dennoch flüchtig wie ein Seufzer, rasch wie ein Augenaufschlag.

Und wenn ein Störenfried mir in die Quere kommt, während ich meinen Blick auf diesem köstlichen Ziffernblatt ruhen lasse, wenn irgendein ehrloser und unduldsamer Geist, ein Dämon der Unzeit naht und zu mir sagt: „Was betrachtest du da so genau? Was suchst du in den Augen dieses Wesens? Siehst du, dem Tod verfallener Nichtsnutz, dort die Stunde?“ Dann antworte ich, ohne zu zögern: „Ja, ich sehe die Stunde, es ist die Ewigkeit!“

Ist dies, meine Gnädige, nicht ein wahrhaft löbliches Madrigal, und so einfühlsam wie sie selbst? Ich hatte soviel Vergnügen daran, um diese Aufmerksamkeit einen solchen Saum zu sticken, daß ich darauf keine Antwort erwarte.

 

Nov 25 18

Charles Baudelaire, Le gâteau

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Je voyageais. Le paysage au milieu duquel j’étais placé était d’une grandeur et d’une noblesse irrésistibles. Il en passa sans doute en ce moment quelque chose dans mon âme. Mes pensées voltigeaient avec une légèreté égale à celle de l’atmosphère ; les passions vulgaires, telles que la haine et l’amour profane, m’apparaissaient maintenant aussi éloignées que les nuées qui défilaient au fond des abîmes sous mes pieds ; mon âme me semblait aussi vaste et aussi pure que la coupole du ciel dont j’étais enveloppé ; le souvenir des choses terrestres n’arrivait à mon cœur qu’affaibli et diminué, comme le son de la clochette des bestiaux imperceptibles qui paissaient loin, bien loin, sur le versant d’une autre montagne. Sur le petit lac immobile, noir de son immense profondeur, passait quelquefois l’ombre d’un nuage, comme le reflet du manteau d’un géant aérien volant à travers le ciel. Et je me souviens que cette sensation solennelle et rare, causée par un grand mouvement parfaitement silencieux, me remplissait d’une joie mêlée de peur. Bref, je me sentais, grâce à l’enthousiasmante beauté dont j’étais environné, en parfaite paix avec moi-même et avec l’univers ; je crois même que, dans ma parfaite béatitude et dans mon total oubli de tout le mal terrestre, j’en étais venu à ne plus trouver si ridicules les journaux qui prétendent que l’homme est né bon ; — quand la matière incurable renouvelant ses exigences, je songeai à réparer la fatigue et à soulager l’appétit causés par une si longue ascension. Je tirai de ma poche un gros morceau de pain, une tasse de cuir et un flacon d’un certain élixir que les pharmaciens vendaient dans ce temps-là aux touristes pour le mêler dans l’occasion avec de l’eau de neige.

Je découpais tranquillement mon pain, quand un bruit très-léger me fit lever les yeux. Devant moi se tenait un petit être déguenillé, noir, ébouriffé, dont les yeux creux, farouches et comme suppliants, dévoraient le morceau de pain. Et je l’entendis soupirer, d’une voix basse et rauque, le mot : gâteau ! Je ne pus m’empêcher de rire en entendant l’appellation dont il voulait bien honorer mon pain presque blanc, et j’en coupai pour lui une belle tranche que je lui offris. Lentement il se rapprocha, ne quittant pas des yeux l’objet de sa convoitise ; puis, happant le morceau avec sa main, se recula vivement, comme s’il eût craint que mon offre ne fût pas sincère ou que je m’en repentisse déjà.

Mais au même instant il fut culbuté par un autre petit sauvage, sorti je ne sais d’où, et si parfaitement semblable au premier qu’on aurait pu le prendre pour son frère jumeau. Ensemble ils roulèrent sur le sol, se disputant la précieuse proie, aucun n’en voulant sans doute sacrifier la moitié pour son frère. Le premier, exaspéré, empoigna le second par les cheveux ; celui-ci lui saisit l’oreille avec les dents, et en cracha un petit morceau sanglant avec un superbe juron patois. Le légitime propriétaire du gâteau essaya d’enfoncer ses petites griffes dans les yeux de l’usurpateur ; à son tour celui-ci appliqua toutes ses forces à étrangler son adversaire d’une main, pendant que de l’autre il tâchait de glisser dans sa poche le prix du combat. Mais, ravivé par le désespoir, le vaincu se redressa et fit rouler le vainqueur par terre d’un coup de tête dans l’estomac. À quoi bon décrire une lutte hideuse qui dura en vérité plus longtemps que leurs forces enfantines ne semblaient le promettre ? Le gâteau voyageait de main en main et changeait de poche à chaque instant ; mais, hélas ! il changeait aussi de volume ; et lorsque enfin, exténués, haletants, sanglants, ils s’arrêtèrent par impossibilité de continuer, il n’y avait plus, à vrai dire, aucun sujet de bataille ; le morceau de pain avait disparu, et il était éparpillé en miettes semblables aux grains de sable auxquels il était mêlé.

Ce spectacle m’avait embrumé le paysage, et la joie calme où s’ébaudissait mon âme avant d’avoir vu ces petits hommes avait totalement disparu ; j’en restai triste assez longtemps, me répétant sans cesse : « Il y a donc un pays superbe où le pain s’appelle du gâteau, friandise si rare qu’elle suffit pour engendrer une guerre parfaitement fratricide ! »

 

Der Kuchen

Ich war auf Reisen. Die Landschaft, in der ich mich aufhielt, war von einer Größe und einem Adel, denen man sich nicht entziehen konnte. Etwas davon schwebte in diesem Augenblick fraglos durch meine Seele. Meine Gedanken flügelten mit einer Leichtigkeit, leicht wie die Atmosphäre. Die gemeinen Leidenschaften wie der Haß und die sinnliche Liebe erschienen mir jetzt so fern wie die Wolken, die im Abgrund zu meinen Füßen vorbeiglitten; meine Seele wurde mir so weit und so rein wie die Kuppel des Himmels, die mich überwölbte; die Erinnerung an die irdischen Dinge hallte nur schwach und unwirklich in meinem Herzen nach, gleich dem kaum hörbaren Gebimmel der Herden, die fern, sehr fern über den Hang eines anderen Berges vorüberzogen. Über den kleinen, ruhigen See, dunkel von seiner ungeheuren Tiefe, huschte bisweilen der Schatten einer Wolke, als würde sich das Gewand eines Luftgeistes darin spiegeln, der zum Himmel emporstieg. Und ich wurde gewahr, wie sich diese feierliche und seltene Empfindung, hervorgerufen durch eine große Bewegung der vollkommenen Stille, mich mit einer Freude erfüllte, der Angst beigemischt war. Mit einem Wort, ich fühlte mich dank der begeisternden Schönheit der Umgebung in vollkommener Übereinstimmung mit mir selbst und dem Weltall; ich glaube gar, ich war in meiner vollendeten Seligkeit, da jeder Gedanke an das Erdenleid vergessen war, dahin gelangt, die Zeitungen, die des Menschen angeborene Güte hochhielten, gar nicht mehr so lächerlich zu finden – da erhob die unheilbare Materie wieder ihre Forderungen, und ich sann darauf, nach einem solch langen Aufstieg etwas gegen meine Erschöpfung zu tun und meinen Hunger zu stillen. Ich holte aus meinem Rucksack ein großes Brot, ein Trinkgefäß aus Leder und ein Fläschchen mit einem Elixier, das zu jener Zeit die Apotheker den Touristen verkauften und das man bei Bedarf mit der Feuchte von Schnee verdünnen sollte.

Ich schnitt mir in aller Ruhe etwas von dem Brot ab, da ließ mich ein leises Geräusch den Blick heben. Vor mir stand ein kleines zerlumptes, dunkles, zerzausten Wesen, dessen hohle, wilde und gleichsam flehende Augen das Brotstück verschlangen. Ich hörte, wie es mit einer tiefen und heiseren Stimme seufzte: Kuchen! Ich konnte ein Lachen nicht zurückhalten, als ich hörte, welchen vornehmen Namen es meinem schlicht weißen Brot gab, und ich schnitt ihm eine gute Scheibe ab und reichte sie ihm. Langsam kam es näher, ohne die Augen vom Gegenstand seiner Begierde abzuwenden; dann schnappte es sich das Stück und wich hurtig zurück, als fürchtete es, meine Gabe sei nicht ernst gemeint oder ich könnte es mir noch anders überlegen. Doch im gleichen Moment wurde es von einem anderen kleinen Wilden zu Boden gestürzt, der plötzlich, ich weiß nicht, woher, da war, und er glich dem ersten aufs Haar, als wäre er sein Zwillingsbruder. Sie wälzten sich auf der Erde und stritten sich um die köstliche Beute, keiner wollte seinem Bruder die Hälfte opfern. Der erste packte den anderen erbost am Schopf; dieser biß ihn ins Ohr und spuckte, in breiter Mundart fluchend, einen kleinen blutigen Brocken aus. Der rechtmäßige Eigentümer des Kuchens versuchte seine kleinen Krallen dem Räuber in die Augen zu stechen; der wiederum wandte all seine Kräfte auf, um seinen Gegner mit der Hand die Luft abzuschnüren und ihm dabei die Siegestrophäe zu stibitzen und in seiner Tasche verschwinden zu lassen. Doch aufgestachelt von der Verzweiflung, richtete sich der Besiegte wieder auf und verpaßte dem Sieger einen Stoß mit dem Kopf in die Magengrube, sodaß er über die Erde kullerte. Wozu die Beschreibung eines abscheulichen Kampfes in die Länge ziehen, der länger dauerte, als solch kindliche Kräfte vermuten ließen? Der Kuchen wanderte augenblicks von Hand zu Hand und von Tasche zu Tasche; doch, o weh, er büßte auch an Umfang ein; und schließlich, als sie abgehetzt, keuchend, blutend innehielten, weil sie nicht mehr weiterkonnten, blieb, die Wahrheit zu sagen, von dem Streitobjekt nichts mehr übrig; das Kuchenstück hatte sich aufgelöst und lag in Bröseln zerstreut umher, gleich den Sandkörner, mit denen es vermengt war.

Dieses Schauspiel hat mir die Landschaft verdüstert, und die Freude, in der meine Seele geschwelgt hatte, bevor mir diese Gnomen vor Augen kamen, war ganz und gar dahin; ich saß noch lange trübsinnig da und sagte mir immer wieder: „Es gibt mithin ein herrliches Land, in dem man das Brot Kuchen nennt, ein so seltener Leckerbissen, daß er genügt, einen mörderischen Bruderkrieg zu entfachen!“

 

Nov 25 18

Charles Baudelaire, Le vieux saltimbanque

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Partout s’étalait, se répandait, s’ébaudissait le peuple en vacances. C’était une de ces solennités sur lesquelles, pendant un long temps, comptent les saltimbanques, les faiseurs de tours, les montreurs d’animaux et les boutiquiers ambulants, pour compenser les mauvais temps de l’année.

En ces jours-là il me semble que le peuple oublie tout, la douleur et le travail ; il devient pareil aux enfants. Pour les petits c’est un jour de congé, c’est l’horreur de l’école renvoyée à vingt-quatre heures. Pour les grands c’est un armistice conclu avec les puissances malfaisantes de la vie, un répit dans la contention et la lutte universelles.

L’homme du monde lui-même et l’homme occupé de travaux spirituels échappent difficilement à l’influence de ce jubilé populaire. Ils absorbent, sans le vouloir, leur part de cette atmosphère d’insouciance. Pour moi, je ne manque jamais, en vrai Parisien, de passer la revue de toutes les baraques qui se pavanent à ces époques solennelles.

Elles se faisaient, en vérité, une concurrence formidable : elles piaillaient, beuglaient, hurlaient. C’était un mélange de cris, de détonations de cuivre et d’explosions de fusées. Les queues-rouges et les Jocrisses convulsaient les traits de leurs visages basanés, racornis par le vent, la pluie et le soleil ; ils lançaient, avec l’aplomb des comédiens sûrs de leurs effets, des bons mots et des plaisanteries d’un comique solide et lourd comme celui de Molière. Les Hercules, fiers de l’énormité de leurs membres, sans front et sans crâne, comme les orang-outangs, se prélassaient majestueusement sous les maillots lavés la veille pour la circonstance. Les danseuses, belles comme des fées ou des princesses, sautaient et cabriolaient sous le feu des lanternes qui remplissaient leurs jupes d’étincelles.

Tout n’était que lumière, poussière, cris, joie, tumulte ; les uns dépensaient, les autres gagnaient, les uns et les autres également joyeux. Les enfants se suspendaient aux jupons de leurs mères pour obtenir quelque bâton de sucre, ou montaient sur les épaules de leurs pères pour mieux voir un escamoteur éblouissant comme un dieu. Et partout circulait, dominant tous les parfums, une odeur de friture qui était comme l’encens de cette fête.

Au bout, à l’extrême bout de la rangée de baraques, comme si, honteux, il s’était exilé lui-même de toutes ces splendeurs, je vis un pauvre saltimbanque, voûté, caduc, décrépit, une ruine d’homme, adossé contre un des poteaux de sa cahute ; une cahute plus misérable que celle du sauvage le plus abruti, et dont deux bouts de chandelles, coulants et fumants, éclairaient trop bien encore la détresse.

Partout la joie, le gain, la débauche ; partout la certitude du pain pour les lendemains ; partout l’explosion frénétique de la vitalité. Ici la misère absolue, la misère affublée, pour comble d’horreur, de haillons comiques, où la nécessité, bien plus que l’art, avait introduit le contraste. Il ne riait pas, le misérable ! Il ne pleurait pas, il ne dansait pas, il ne gesticulait pas, il ne criait pas ; il ne chantait aucune chanson, ni gaie ni lamentable, il n’implorait pas. Il était muet et immobile. Il avait renoncé, il avait abdiqué. Sa destinée était faite.

Mais quel regard profond, inoubliable, il promenait sur la foule et les lumières, dont le flot mouvant s’arrêtait à quelques pas de sa répulsive misère ! Je sentis ma gorge serrée par la main terrible de l’hystérie, et il me sembla que mes regards étaient offusqués par ces larmes rebelles qui ne veulent pas tomber.

Que faire ? À quoi bon demander à l’infortuné quelle curiosité, quelle merveille il avait à montrer dans ces ténèbres puantes, derrière son rideau déchiqueté ? En vérité, je n’osais ; et, dût la raison de ma timidité vous faire rire, j’avouerai que je craignais de l’humilier. Enfin, je venais de me résoudre à déposer en passant quelque argent sur une de ses planches, espérant qu’il devinerait mon intention, quand un grand reflux de peuple, causé par je ne sais quel trouble, m’entraîna loin de lui.

Et, m’en retournant, obsédé par cette vision, je cherchai à analyser ma soudaine douleur, et je me dis : Je viens de voir l’image du vieil homme de lettres qui a survécu à la génération dont il fut le brillant amuseur ; du vieux poëte sans amis, sans famille, sans enfants, dégradé par sa misère et par l’ingratitude publique, et dans la baraque de qui le monde oublieux ne veut plus entrer !

 

Der alte Gaukler

Nach allen Seiten strömte das Volk ausgelassen in die Ferien. Es war einer der Feiertage, worauf die Gaukler lange warten, das fahrende Volk, die Tierbändiger und die herumziehenden Krämer, um die schlechte Jahreszeit wettzumachen.

An solchen Tagen scheinen mir die Leute alles zu vergessen, das Leid und die Arbeit; sie werden wie die Kinder. Für die Kleinen ist es ein Ferientag, der den Schrecken der Schule für vierundzwanzig Stunden vertagt. Für die Großen ist es ein Waffenstillstand mit den bösen Mächten des Lebens, eine Atempause in all der Anstrengung und all dem Kampf.

Der Mann von Welt und der Geistliche, selbst sie können sich dem Einfluß dieses Volksfestes nur schwer entziehen. Sie saugen wider Willen ihre Portion dieser Atmosphäre von Unbekümmertheit in sich auf. Ich für meinen Teil verpasse es als echter Pariser niemals, all die Schaubuden in Augenschein zu nehmen, die in solchen Festzeiten in Reih und Glied prunken.

Sie versuchten sich wie toll eine die andere auszustechen, mit Kreischen, Dröhnen und Johlen. Das war ein Wirrwarr von Schreien, Detonationen blecherner Trompeten und Explosionen von Raketen. Die Clowns und Hanswurste schnitten Fratzen mit ihren sonnenverbrannten Gesichtern, rissig von Wind und Wetter; sie schleuderten mit der Keckheit des Komödianten, der weiß, daß er trifft, ihre Bonmots und Scherze eines derben und plumpen Komikers, wie auf der Bühne des Molière. Die Herkulesse, stolz auf ihre gewaltigen Gliedmaßen, mit flacher Stirn und plattem Schädel, gleich den Orang-Utans, strotzten hoheitsvoll in ihren Trikots, die sie am Vortag für ihren Auftritt frisch gewaschen hatten. Die Tänzerinnen, schön wie Feen oder Prinzessinnen, hüpften und vollführten Luftsprünge im Feuer der Laternen, die ihre Röcke mit Geglitzer übersäten.

Alles war nur Licht, Staub, Schreie, Freude, Trubel; die einen verpraßten ihr Geld, die andern machten ihren Reibach, fröhlich die einen wie die anderen. Die Kinder hängten sich an die Röcke der Mütter, um eine Zuckerstange zu ergattern, oder schwangen sich auf die Schultern der Väter, um den Zauberkünstler besser zu sehen, der blendete wie ein Gott. Und über allem wogte, die Düfte der Parfums sämtlich überlagernd, ein Geruch von Bratenfett, der Weihrauch dieses Festes.

Am Rand, am äußersten Rand der Budenreihe, als habe er sich aus Scham selbst aus all diesem Glanz verbannt, sah ich einen armen Gaukler, gebeugt, hinfällig, altersschwach, eine Ruine von Mensch, an einen Pfosten seiner Hütte gelehnt; eine Hütte, elender als die eines völlig stumpfsinnigen Wilden, in der zwei Kerzenstummel, tropfend und rußend, noch genügend Licht auf das Elend warfen.

Ringsum Freude, Reibach, Ausschweifung; ringsum das Brot für morgen im Kasten; ringsum die tobende Explosion der Lebenskraft. Hier das nackte Elend, das Elend, das, um das Grauen voll zu machen, mit lächerlichen Lumpen ausstaffiert war, bei denen mehr die Not als die Kunst für Kontraste gesorgt hatte. Er lachte nicht, der Elende! Er weinte nicht, er tanzte nicht, er fuchtelte nicht mit den Händen, er schrie nicht; er sang kein Lied, kein fröhliches, kein trauriges, er flehte nicht. Er war stumm und starr. Er hatte entsagt, hatte aufgegeben. Sein Schicksal hatte sich erfüllt.

Doch was für einen tiefen, unvergeßlichen Blick er auf die Menge und die Lichter warf, deren Wellen einige Schritte vor seinem abstoßenden Elend verebbten! Ich fühlte, wie die schreckliche Hand der Hysterie sich würgend um meinen Hals legte, und meine Blicke nahmen Ärgernis an diesen widerspenstigen Tränen, die nicht fließen wollten.

Was tun? Wozu den Unglücklichen noch fragen, welche Raritäten, welche Wunderwerke er in diesen stinkenden Finsternissen zeigen könnte, hinter seinem zerrissenen Vorhang? Wahrhaftig, das traute ich mich nicht; und sollte auch der Grund meiner Schüchternheit Sie zum Lachen bringen, bekenne ich doch, daß ich fürchtete, ihn zu beschämen. Schließlich rang ich mich dazu durch, ihm ein paar Geldmünzen auf die Dielen zu legen, in der Hoffnung, er werde meine Absicht erraten, da spülte mich ein starker Rückstrom von Leuten, aufgrund eines mir unbekannten Tumults, weit von ihm weg.

Während ich, von diesem Anblick besessen, nochmals umkehrte, versuchte ich meinen jähen Schmerz zu ergründen, und ich sagte mir: Ich erblickte soeben das Bildnis des alten Schriftstellers, der die Generation überlebt hat, deren glänzender Unterhalter er gewesen ist; des alten Dichters, ohne Freunde, ohne Familie, ohne Kinder, herabgewürdigt durch sein Elend und die Undankbarkeit des Publikums, in der Hütte, in welche die vergeßliche Welt keinen Schritt mehr setzen mag!

 

Nov 24 18

Charles Baudelaire, Les veuves

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Vauvenargues dit que dans les jardins publics il est des allées hantées principalement par l’ambition déçue, par les inventeurs malheureux, par les gloires avortées, par les cœurs brisés, par toutes ces âmes tumultueuses et fermées, en qui grondent encore les derniers soupirs d’un orage, et qui reculent loin du regard insolent des joyeux et des oisifs. Ces retraites ombreuses sont les rendez-vous des éclopés de la vie.

C’est surtout vers ces lieux que le poëte et le philosophe aiment diriger leurs avides conjectures. Il y a là une pâture certaine. Car s’il est une place qu’ils dédaignent de visiter, comme je l’insinuais tout à l’heure, c’est surtout la joie des riches. Cette turbulence dans le vide n’a rien qui les attire. Au contraire, ils se sentent irrésistiblement entraînés vers tout ce qui est faible, ruiné, contristé, orphelin.

Un œil expérimenté ne s’y trompe jamais. Dans ces traits rigides ou abattus, dans ces yeux caves et ternes, ou brillants des derniers éclairs de la lutte, dans ces rides profondes et nombreuses, dans ces démarches si lentes ou si saccadées, il déchiffre tout de suite les innombrables légendes de l’amour trompé, du dévouement méconnu, des efforts non récompensés, de la faim et du froid humblement, silencieusement supportés.

Avez-vous quelquefois aperçu des veuves sur ces bancs solitaires, des veuves pauvres ? Qu’elles soient en deuil ou non, il est facile de les reconnaître. D’ailleurs il y a toujours dans le deuil du pauvre quelque chose qui manque, une absence d’harmonie qui le rend plus navrant. Il est contraint de lésiner sur sa douleur. Le riche porte la sienne au grand complet.

Quelle est la veuve la plus triste et la plus attristante, celle qui traîne à sa main un bambin avec qui elle ne peut pas partager sa rêverie, ou celle qui est tout à fait seule ? Je ne sais… Il m’est arrivé une fois de suivre pendant de longues heures une vieille affligée de cette espèce ; celle-là roide, droite, sous un petit châle usé, portait dans tout son être une fierté de stoïcienne.

Elle était évidemment condamnée, par une absolue solitude, à des habitudes de vieux célibataire, et le caractère masculin de ses mœurs ajoutait un piquant mystérieux à leur austérité. Je ne sais dans quel misérable café et de quelle façon elle déjeuna. Je la suivis au cabinet de lecture ; et je l’épiai longtemps pendant qu’elle cherchait dans les gazettes, avec des yeux actifs, jadis brûlés par les larmes, des nouvelles d’un intérêt puissant et personnel.

Enfin, dans l’après-midi, sous un ciel d’automne charmant, un de ces ciels d’où descendent en foule les regrets et les souvenirs, elle s’assit à l’écart dans un jardin, pour entendre, loin de la foule, un de ces concerts dont la musique des régiments gratifie le peuple parisien.

C’était sans doute là la petite débauche de cette vieille innocente (ou de cette vieille purifiée), la consolation bien gagnée d’une de ces lourdes journées sans ami, sans causerie, sans joie, sans confident, que Dieu laissait tomber sur elle, depuis bien des ans peut-être ! trois cent soixante-cinq fois par an.

Une autre encore :

Je ne puis jamais m’empêcher de jeter un regard, sinon universellement sympathique, au moins curieux, sur la foule de parias qui se pressent autour de l’enceinte d’un concert public. L’orchestre jette à travers la nuit des chants de fête, de triomphe ou de volupté. Les robes traînent en miroitant ; les regards se croisent ; les oisifs, fatigués de n’avoir rien fait, se dandinent, feignant de déguster indolemment la musique. Ici rien que de riche, d’heureux ; rien qui ne respire et n’inspire l’insouciance et le plaisir de se laisser vivre ; rien, excepté l’aspect de cette tourbe qui s’appuie là-bas sur la barrière extérieure, attrapant gratis, au gré du vent, un lambeau de musique, et regardant l’étincelante fournaise intérieure.

C’est toujours chose intéressante que ce reflet de la joie du riche au fond de l’œil du pauvre. Mais ce jour-là, à travers ce peuple vêtu de blouses et d’indienne, j’aperçus un être dont la noblesse faisait un éclatant contraste avec toute la trivialité environnante.

C’était une femme grande, majestueuse, et si noble dans tout son air, que je n’ai pas souvenir d’avoir vu sa pareille dans les collections des aristocratiques beautés du passé. Un parfum de hautaine vertu émanait de toute sa personne. Son visage, triste et amaigri, était en parfaite accordance avec le grand deuil dont elle était revêtue. Elle aussi, comme la plèbe à laquelle elle s’était mêlée et qu’elle ne voyait pas, elle regardait le monde lumineux avec un œil profond, et elle écoutait en hochant doucement la tête.

Singulière vision ! « À coup sûr, me dis-je, cette pauvreté-là, si pauvreté il y a, ne doit pas admettre l’économie sordide ; un si noble visage m’en répond. Pourquoi donc reste-t-elle volontairement dans un milieu où elle fait une tache si éclatante ? »

Mais en passant curieusement auprès d’elle, je crus en deviner la raison. La grande veuve tenait par la main un enfant comme elle vêtu de noir ; si modique que fût le prix d’entrée, ce prix suffisait peut-être pour payer un des besoins du petit être, mieux encore, une superfluité, un jouet.

Et elle sera rentrée à pied, méditant et rêvant, seule, toujours seule ; car l’enfant est turbulent, égoïste, sans douceur et sans patience ; et il ne peut même pas, comme le pur animal, comme le chien et le chat, servir de confident aux douleurs solitaires.

 

Die Witwen

Vauvenargues sagt, es gebe in den öffentlichen Gärten Alleen, die hauptsächlich von den Gespenstern des enttäuschten Ehrgeizes heimgesucht werden, von glücklosen Erfindern, von gescheiterten Berühmtheiten, gebrochenen Herzen, von all den aufgewühlten und verschlossenen Seelen, die noch von den ersterbenden Seufzern eines Gewitters brausen und vor den dreisten Blicken der heiteren Müßiggänger zurückweichen. Diese schattigen Rückzugsorte sind die Tummelplätze der Versehrten des Lebens.

Es sind vorzüglich diese Stätten, auf welche Dichter und Philosophen ihre begierigen Vermutungen hinlenken. Dort finden sie üppige Weidegründe. Denn wenn es Orte gibt, die sie zu besuchen verschmähen, sind es, wie ich soeben unterstellt habe, vor allem die Vergnügungsstätten der Wohlhabenden. Dieses Gewoge im Leeren hat nichts Anziehendes für sie. Sie fühlen sich im Gegenteil zu allem hingezogen, was schwach, verfallen, betrübt und verwaist ist.

Ein erfahrenes Auge täuscht sich hierin nie. In diesen starren und niedergeschlagenen Zügen, diesen hohlen und glanzlosen Augen oder Augen, die von den letzten Blitzen des Lebenskampfes funkeln, in diesen Geflechten tiefer Falten, diesem schleppenden und holpernden Gang entziffert es sogleich die zahllosen Legenden von betrogener Liebe, von verkannter Hingabe, von Mühen, denen kein Dank ward, von Hunger und Frost, erduldet in Demut, im Schweigen.

Haben Sie bisweilen verwitwete Frauen auf den einsamen Bänken bemerkt, arme Witwen? Ob sie nun Trauer tragen oder nicht, sie sind leicht zu erkennen. Es liegt ja stets etwas in der Trauer des Armen, was eine Lücke hat, ein Mangel an Harmonie, was sie noch herzzerreißender macht. Mit seinem Schmerz noch muß er knausern. Der Reiche trägt den seinen in einem Prachtgewand.

Welche Witwe ist die traurigste und flößt am meisten Trauer ein, jene, die einen kleinen Jungen an der Hand führt, mit dem sie ihre Träume nicht teilen kann, oder jene, die ganz und gar einsam ist? Ich weiß es nicht … Einmal geschah es mir, daß ich einer solcherart bekümmerten Alten während langer Stunden gefolgt bin. Diese zeigte, steif, aufrecht, unter einem abgenutzten Umhang, in ihrem ganzen Wesen einen stoischen Stolz.

Sie war offensichtlich durch eine vollständige Einsamkeit zur Lebensweise eines alten Junggesellen verurteilt, und die männlichen Züge ihres Betragens umgaben ihre Strenge mit einem Hauch geheimnisvoller Pikanterie. Ich weiß nicht, was sie in welchem elenden Café gefrühstückt hat. Ich folgte ihr in den öffentlichen Lesesaal; ich beobachtete sie lange heimlich, wie sie, mit regen Augen, die einst unter Tränen gebrannt, die Zeitungen mit einem lebhaften Interesse nach Neuigkeiten durchblätterte.

Am Nachmittag schließlich, der zauberhafte Herbsthimmel war einer jener, die Gefühle von Wehmut und Erinnerungen in Fülle herabsinken lassen, da setzte sie sich in den Winkel eines Parks, um, fern der Menge, einem der musikalischen Potpourris zu lauschen, mit denen die Militärkapellen das Volk von Paris bedenken.

Dies war ohne Zweifel die kleine Ausschweifung der alten sündelosen (oder geläuterten) Frau, die Tröstung, die sie sich aufgrund eines dieser schweren Tage ohne Freund, ohne Plauderei, ohne Freude, ohne Vertrauten wohl verdient hatte und die Gott sich auf sie senken ließ, seit vielen Jahren womöglich, dreihundertfünfundsechzigmal im Jahr.

Da war noch eine:

Ich kann nicht davon lassen, einen wenn nicht ganz und gar teilnehmenden, so zumindest neugierigen Blick auf die Menge der Parias zu werfen, die sich an der Umzäunung eines Freiluft-Konzertes drängen. Das Orchester wirft festliche, triumphale oder schwelgerische Klänge an den Abendhimmel. Die Schleppen der Abendkleider glitzern; die Blicke treffen sich; die Snobs, erschöpft vom Nichtstun, stolzieren auf und ab, und geben vor, der Musik keinen Genuß abgewinnen zu können. Hier ist alles Reichtum, alles Glück. Alles haucht und atmet Unbeschwertheit und die Lust zu leben; alles, ausgenommen der Anblick der Menge, die sich dort gegen die Absperrung lehnt und dank des Windes Fetzen der Musik erhascht und Blicke auf den Funkenflug aus dem inneren Glutofen.

Es ist immer bemerkenswert, was sich von der Lust des Reichen im Auge des Armen widerspiegelt. Doch an diesem Tag sah ich unter diesem Volk in seinen groben Arbeitskitteln ein Wesen, dessen Vornehmheit von all der Trivialität seiner Umgebung stark abstach.

Es war eine große Frau, hoheitsvoll und nobel in ihrer ganzen Ausstrahlung, wie ich ihresgleichen mich nicht erinnere, unter den Ansammlungen aristokratischer Schönheiten der Vergangenheit gesehen zu haben. Ein Duft unnahbarer Tugend entströmte der ganzen Person. Ihr Gesicht, traurig und eingefallen, war in vollkommenem Einklang mit der Trauer, in die sie gehüllt war. Auch sie blickte wie das Volk, unter das sie sich gemischt hatte, ohne es zu beachten, mit einem tiefen Blick auf die strahlende Welt und lauschte, das Haupt sachte wiegend.

Sonderbare Erscheinung! „Gewiß“, sagte ich mir, „sollte diese Armut, so sie Armut denn ist, dem schmutzigen Reichtum keinen Zugang gewähren. Dafür bürgt mir solch ein edles Antlitz. Weshalb verharrt sie wohl freiwillig in einer Umgebung, in der sie einen so auffälligen Makel bildet?“

Indes, als ich neugierig nah an ihr vorüberging, glaubte ich den Grund zu erraten. Die großgewachsene Witwe hielt einen Knaben an der Hand, schwarz gekleidet wie sie selbst. So gering der Eintrittspreis auch gewesen sein mag, das Geld mochte wohl reichen, dem Kleinen etwas Lebensnotwendiges zu kaufen oder besser noch etwas Überflüssiges, ein Spielzeug.

Sie wird zu Fuß nach Hause gegangen sein, sinnend und träumend, einsam, stets einsam; denn das Kind ist wild, selbstsüchtig, ohne Zartsinn und ohne Geduld; es vermag nicht einmal, wie das unschuldige Tier, der Hund oder die Katze, der Bundesgenosse einsamer Leiden zu sein.

 

Nov 23 18

Charles Baudelaire, Les foules

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Il n’est pas donné à chacun de prendre un bain de multitude : jouir de la foule est un art ; et celui-là seul peut faire, aux dépens du genre humain, une ribote de vitalité, à qui une fée a insufflé dans son berceau le goût du travestissement et du masque, la haine du domicile et la passion du voyage.

Multitude, solitude : termes égaux et convertibles pour le poëte actif et fécond. Qui ne sait pas peupler sa solitude, ne sait pas non plus être seul dans une foule affairée.

Le poëte jouit de cet incomparable privilége, qu’il peut à sa guise être lui-même et autrui. Comme ces âmes errantes qui cherchent un corps, il entre, quand il veut, dans le personnage de chacun. Pour lui seul, tout est vacant ; et si de certaines places paraissent lui être fermées, c’est qu’à ses yeux elles ne valent pas la peine d’être visitées.

Le promeneur solitaire et pensif tire une singulière ivresse de cette universelle communion. Celui-là qui épouse facilement la foule connaît des jouissances fiévreuses, dont seront éternellement privés l’égoïste, fermé comme un coffre, et le paresseux, interné comme un mollusque. Il adopte comme siennes toutes les professions, toutes les joies et toutes les misères que la circonstance lui présente.

Ce que les hommes nomment amour est bien petit, bien restreint et bien faible, comparé à cette ineffable orgie, à cette sainte prostitution de l’âme qui se donne tout entière, poésie et charité, à l’imprévu qui se montre, à l’inconnu qui passe.

Il est bon d’apprendre quelquefois aux heureux de ce monde, ne fût-ce que pour humilier un instant leur sot orgueil, qu’il est des bonheurs supérieurs au leur, plus vastes et plus raffinés. Les fondateurs de colonies, les pasteurs de peuples, les prêtres missionnaires exilés au bout du monde, connaissent sans doute quelque chose de ces mystérieuses ivresses ; et, au sein de la vaste famille que leur génie s’est faite, ils doivent rire quelquefois de ceux qui les plaignent pour leur fortune si agitée et pour leur vie si chaste.

 

Die Vielen

Es ist nicht einem jeden gegeben, ein Bad in der Menge zu nehmen: In der Menge aufzugehen ist eine Kunst. Und nur jener taucht aus ihr, auf Kosten der menschlichen Gattung, wie aus einem Jungbrunnen auf, dem eine Fee den Geschmack an der Verkleidung und der Maske in die Wiege gehaucht hat, den Haß auf den Aufenthalt und die Leidenschaft zur Reise.

Vielheit, Einsamkeit: gleichwertige und ineinander übergehende Begriffe für den tätigen und fruchtbaren Dichter. Wer sich nicht darauf versteht, seine Einsamkeit zu bevölkern, kann auch nicht für sich sein in der wimmelnden Menge.

Der Dichter genießt dieses unvergleichliche Vorrecht, nach Gutdünken er selbst und ein anderer sein zu können. Gleich den herumirrenden Seelen, die auf der Suche nach einem Körper sind, schlüpft er, wann immer er will, in jedermanns Rolle. Ihm allein stehen alle Tore offen, und wenn diese und jene Orte ihm verschlossen dünken, dann, weil sie in seinen Augen eines Besuches nicht wert sind.

Der einsame und nachdenkliche Spaziergänger verschafft sich einen einzigartigen Rausch aus dieser allseitigen Teilhabe. Wer sich leicht mit der Menge vermählt, erlebt fieberhafte Wonnen, deren der Egoist auf immer beraubt ist, verschlossen wie eine Truhe, ebenso der Faulpelz, verkapselt wie eine Muschel. Er sieht alle Berufe als die seinen an, alle Arten der Freude und des Elends, die ihm die Situation darbietet.

Was die Menschen Liebe nennen, ist recht klein, beschränkt und schwach im Vergleich zu diesem unnennbaren Taumel, dieser heiligen Prostitution der Seele, die sich, Dichtung und Barmherzigkeit, ganz dem hingibt, der aus dem Dunkel hervortritt, dem Unbekannten, der vorübergeht.

Es tut den Glücklichen dieser Welt manchmal gut einzusehen, sei es auch nur, um für einen Augenblick ihren törichten Hochmut zu demütigen, daß es erhabenere Formen des Glücks gibt als das ihre, tiefere und edlere. Die Gründer der Kolonien, die Hirten der Völker, die Priester der Mission, verbannt ans Ende der Welt, sie kennen ohne Zweifel etwas von diesen geheimnisvollen Trunkenheiten; und im Schoße der großen Familie, die ihr Genius sich schuf, müssen sie bisweilen über jene lachen, die sie ihres so unruhigen Schicksals und ihres so keuschen Lebens wegen bedauern.

 

Nov 22 18

Charles Baudelaire, La femme sauvage et la petite maîtresse

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

« Vraiment, ma chère, vous me fatiguez sans mesure et sans pitié ; on dirait, à vous entendre soupirer, que vous souffrez plus que les glaneuses sexagénaires et que les vieilles mendiantes qui ramassent des croûtes de pain à la porte des cabarets.

« Si au moins vos soupirs exprimaient le remords, ils vous feraient quelque honneur ; mais ils ne traduisent que la satiété du bien-être et l’accablement du repos. Et puis, vous ne cessez de vous répandre en paroles inutiles : « Aimez-moi bien ! j’en ai tant besoin ! Consolez-moi par-ci, caressez-moi par-là ! » Tenez, je veux essayer de vous guérir ; nous en trouverons peut-être le moyen, pour deux sols, au milieu d’une fête, et sans aller bien loin.

« Considérons bien, je vous prie, cette solide cage de fer derrière laquelle s’agite, hurlant comme un damné, secouant les barreaux comme un orang-outang exaspéré par l’exil, imitant, dans la perfection, tantôt les bonds circulaires du tigre, tantôt les dandinements stupides de l’ours blanc, ce monstre poilu dont la forme imite assez vaguement la vôtre.

« Ce monstre est un de ces animaux qu’on appelle généralement « mon ange ! » c’est-à-dire une femme. L’autre monstre, celui qui crie à tue-tête, un bâton à la main, est un mari. Il a enchaîné sa femme légitime comme une bête, et il la montre dans les faubourgs, les jours de foire, avec permission des magistrats, cela va sans dire.

« Faites bien attention ! Voyez avec quelle voracité (non simulée peut-être !) elle déchire des lapins vivants et des volailles piaillantes que lui jette son cornac. « Allons, dit-il, il ne faut pas manger tout son bien en un jour, » et, sur cette sage parole, il lui arrache cruellement la proie, dont les boyaux dévidés restent un instant accrochés aux dents de la bête féroce, de la femme, veux-je dire.

« Allons ! un bon coup de bâton pour la calmer ! car elle darde des yeux terribles de convoitise sur la nourriture enlevée. Grand Dieu ! le bâton n’est pas un bâton de comédie, avez-vous entendu résonner la chair, malgré le poil postiche ? Aussi les yeux lui sortent maintenant de la tête, elle hurle plus naturellement. Dans sa rage, elle étincelle tout entière, comme le fer qu’on bat.

« Telles sont les mœurs conjugales de ces deux descendants d’Ève et d’Adam, ces œuvres de vos mains, ô mon Dieu ! Cette femme est incontestablement malheureuse, quoique après tout, peut-être, les jouissances titillantes de la gloire ne lui soient pas inconnues. Il y a des malheurs plus irrémédiables, et sans compensation. Mais dans le monde où elle a été jetée, elle n’a jamais pu croire que la femme méritât une autre destinée.

« Maintenant, à nous deux, chère précieuse ! À voir les enfers dont le monde est peuplé, que voulez-vous que je pense de votre joli enfer, vous qui ne reposez que sur des étoffes aussi douces que votre peau, qui ne mangez que de la viande cuite, et pour qui un domestique habile prend soin de découper les morceaux ?

« Et que peuvent signifier pour moi tous ces petits soupirs qui gonflent votre poitrine parfumée, robuste coquette ? Et toutes ces affectations apprises dans les livres, et cette infatigable mélancolie, faite pour inspirer au spectateur un tout autre sentiment que la pitié ? En vérité, il me prend quelquefois envie de vous apprendre ce que c’est que le vrai malheur.

« À vous voir ainsi, ma belle délicate, les pieds dans la fange et les yeux tournés vaporeusement vers le ciel, comme pour lui demander un roi, on dirait vraisemblablement une jeune grenouille qui invoquerait l’idéal. Si vous méprisez le soliveau (ce que je suis maintenant, comme vous savez bien), gare la grue qui vous croquera, vous gobera et vous tuera à son plaisir !

« Tant poëte que je sois, je ne suis pas aussi dupe que vous voudriez le croire, et si vous me fatiguez trop souvent de vos precieuses pleurnicheries, je vous traiterai en femme sauvage, ou je vous jetterai par la fenêtre, comme une bouteille vide. »

 

Das Tierweib und die kleine Geliebte

„Wirklich, meine Liebe, Sie ermüden mich über die Maßen und ohne Erbarmen. Man könnte meinen, wenn man Sie seufzen hört, sie litten mehr als die sechzigjährigen Ährenleserinnen und die alten Bettlerinnen, die Brotkrumen vor der Tür der Schenken aufklauben.

Wenn Ihre Seufzer doch Ausdruck von Zerknirschung wären, machten Sie Ihnen noch einige Ehre. Sie zeugen aber einzig von der Übersättigung des Wohllebens und der Melancholie des Müßiggangs. Ferner lassen Sie nicht ab, in eitlen Phrasen zu schwelgen: ›Haben Sie mich nur recht lieb, ich habe es so nötig! Trösten Sie mich hiermit, schmeicheln Sie mir damit!‹ Gemach, ich will versuchen, Ihnen Linderung zu verschaffen. Wir finden vielleicht ein Heilmittel für zwei Groschen auf einem Rummelplatz, und müssen dazu gar nicht weit gehen.

Schauen Sie sich bitte diesen massiven Käfig aus Eisen an, in dem heulend wie ein Verdammter, an den Gitterstäben rüttelnd wie ein durch die Verbannung erbitterter Orang-Utan, bald den im engsten Kreise sich drehenden Tiger, bald das stumpfsinnige Watscheln des Eisbären vollendet nachäffend, jenes behaarte Scheusal tobt, dessen Gestalt der Ihren nicht ganz unähnlich ist.

Dieses Scheusal ist eines jener Tiere, die man gewöhnlich „Mein Engel!“ ruft, also eine Frau. Das andere Scheusal, jenes, das, einen Stock in der Hand, aus vollem Halse brüllt, ist ein Ehemann. Er hat seine ehelich angetraute Frau wie ein Tier in Ketten gelegt und stellt sie an den Markttagen in den Vorstädten zur Schau, mit Genehmigung der Stadtverwaltung selbstverständlich.

Geben Sie gut acht! Schauen Sie, mit welcher Freßwut (sie ist womöglich nicht geschauspielert!) sie lebendige Kaninchen zerreißt und gackernde Hühner, die ihr Dompteur ihr zuwirft. „Schluß jetzt“, ruft er, „man soll sein Hab und Gut nicht an einem Tag verzehren“, und mit diesem klugen Ratschlag entreißt er ihr brutal die Beute, von der Fetzen der auseinandergewickelten Därme noch einen Moment zwischen den Zähnen des wilden Viehs kleben bleiben, der Frau, wollte ich sagen.

Zack, ein beherzter Stockhieb, dann gibt sie Ruhe! Denn ihre schrecklichen Augen lechzen noch voll Gier nach dem entzogenen Fraß. Großer Gott! Der Stock ist kein Stock der Komödie, haben Sie gehört, wie das Fleisch klatschte, trotz des aufgeklebten Fells? Nun quellen auch die Augen aus dem Schädel hervor und ihr Geheul klingt viel natürlicher. Vor Wut beginnt sie über und über zu funkeln, wie ein Eisen, auf das man hämmert.

Solche ehelichen Sitten finden sich bei diesen beiden Nachkommen von Adam und Eva, dem Werk deiner Hände, mein Gott! Diese Frau ist zweifellos unglücklich, wenn ihr bei alldem der Kitzel des Ruhms vielleicht nicht fremd sein dürfte. Es gibt an Unglück mehr, gegen das kein Kraut gewachsen ist und das kein Trost lindert. Aber in der Welt, in die sie geworfen wurde, konnte sie nicht glauben, der Frau sei jemals ein anderes Schicksal bestimmt.

Nun zu uns zweien, meine Teure! Was soll ich Ihrer Ansicht nach angesichts der Höllen, von denen diese Welt nur so wimmelt, von Ihrer hübschen Hölle denken, wo Sie sich auf Kissen räkeln, weich wie Ihre Haut, nur gekochtes Fleisch verzehren und Ihnen ein gewandter Domestike die Stücke mundgerecht zuschneidet?

Wonach mögen all die kleinen Seufzer in meinen Ohren tönen, die Ihre parfümierte Brust schwellen lassen, stramme Kokotte? All dies affektierte Gehabe, abgekupfert aus schlechten Romanen, und diese schlaflose Schwermut, die dem Betrachter eine ganz andere Empfindung erweckt als Mitgefühl? Wirklich, ich hätte nicht übel Lust, Ihnen klarzumachen, was dies in Wahrheit bedeutet, das Unglück.

Auf daß Sie, meine schöne Empfindsame, Füße im Schlamm sehen und Augen, glasig gen Himmel verdreht, als bäten sie ihn um einen König: Da dürfte es sich wohl um eine junge Froschdame handeln, die um ihren idealen Herren fleht. Wenn Sie den Balken verschmähen (ein solcher bin eben ich, Sie verstehen), so läßt sich der Kranich nieder, der Sie knackt, Sie hinunterschlingt, Sie tötet, wie es ihm beliebt!

So sehr ich Dichter bin, bin ich doch kein Opfer von Täuschung, wie Sie glauben mögen, und wenn Sie mich allzu oft mit Ihren preziösen Tränenströmen ermüden, werde ich Sie wie das Tierweib behandeln oder Sie zum Fenster hinauswerfen wie eine leere Flasche.

 

Zum Verständnis der Pointe siehe die Fabel von La Fontaine, „Die Frösche, die einen König verlangen“:

http://www.zeno.org/Literatur/M/La+Fontaine,+Jean+de/Versfabeln/Fabeln/Die+Fr%C3%B6sche,+die+einen+K%C3%B6nig+verlangen

 

Nov 22 18

Charles Baudelaire, À une heure du matin

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Enfin ! seul ! On n’entend plus que le roulement de quelques fiacres attardés et éreintés. Pendant quelques heures, nous posséderons le silence, sinon le repos. Enfin ! la tyrannie de la face humaine a disparu, et je ne souffrirai plus que par moi-même.

Enfin ! il m’est donc permis de me délasser dans un bain de ténèbres ! D’abord, un double tour à la serrure. Il me semble que ce tour de clef augmentera ma solitude et fortifiera les barricades qui me séparent actuellement du monde.

Horrible vie ! Horrible ville ! Récapitulons la journée : avoir vu plusieurs hommes de lettres, dont l’un m’a demandé si l’on pouvait aller en Russie par voie de terre (il prenait sans doute la Russie pour une île) ; avoir disputé généreusement contre le directeur d’une revue, qui à chaque objection répondait : « — C’est ici le parti des honnêtes gens, » ce qui implique que tous les autres journaux sont rédigés par des coquins ; avoir salué une vingtaine de personnes, dont quinze me sont inconnues ; avoir distribué des poignées de main dans la même proportion, et cela sans avoir pris la précaution d’acheter des gants ; être monté pour tuer le temps, pendant une averse, chez une sauteuse qui m’a prié de lui dessiner un costume de Vénustre ; avoir fait ma cour à un directeur de théâtre, qui m’a dit en me congédiant : « — Vous feriez peut-être bien de vous adresser à Z… ; c’est le plus lourd, le plus sot et le plus célèbre de tous mes auteurs, avec lui vous pourriez peut-être aboutir à quelque chose. Voyez-le, et puis nous verrons ; » m’être vanté (pourquoi ?) de plusieurs vilaines actions que je n’ai jamais commises, et avoir lâchement nié quelques autres méfaits que j’ai accomplis avec joie, délit de fanfaronnade, crime de respect humain ; avoir refusé à un ami un service facile, et donné une recommandation écrite à un parfait drôle ; ouf ! est-ce bien fini ?

Mécontent de tous et mécontent de moi, je voudrais bien me racheter et m’enorgueillir un peu dans le silence et la solitude de la nuit. Âmes de ceux que j’ai aimés, âmes de ceux que j’ai chantés, fortifiez-moi, soutenez-moi, éloignez de moi le mensonge et les vapeurs corruptrices du monde, et vous, Seigneur mon Dieu ! accordez-moi la grâce de produire quelques beaux vers qui me prouvent à moi-même que je ne suis pas le dernier des hommes, que je ne suis pas inférieur à ceux que je méprise !

 

Ein Uhr in der Früh

Endlich allein! Man hört nur noch das Gleiten einiger später und müder Wagen. Für einige Stunden gehört uns die Stille, zumindest die Ruhe. Endlich! Die Tyrannei des menschlichen Gesichts ist erloschen und ich leide nur noch an mir selbst.

Endlich ist es mir doch vergönnt, in eine Woge der Dunkelheiten unterzutauchen. Zuvor, den Schlüssel zweifach umgedreht. Mir scheint, dies Drehen des Schlüssels vergrößert meine Einsamkeit und befestigt die Barrikaden, die mich nun von der Welt abdichten.

Grauenhaftes Leben! Grauenhafte Stadt! Vergegenwärtigen wir uns den Tag: mehrere Gelehrte gesehen, von denen einer mich frug, ob man nach Rußland reisen könne (er hielt Rußland ohne Zweifel für eine Insel); reichlich gegen den Herausgeber einer Revue ausgeteilt, der auf jeden Einwand erwiderte: „Wir hier sind das Sprachrohr der anständigen Leute“, womit er meinte, daß alle anderen Zeitschriften von Schlawinern geleitet werden; rund zwanzig Leute gegrüßt, von denen mir fünfzehn unbekannt waren; im selben Verhältnis Leuten die Hand geschüttelt, und das ohne vorsichtshalber mich mit Handschuhen eingedeckt zu haben; um Zeit zu schinden während eines Regenschauers zu einer Seiltänzerin in die Mansarde gestiegen, die mich darum bat, ihr den Entwurf eines Kostüms der Aphroliese zu zeichnen; einem Theaterdirektor den Hof gemacht, der mich hinauskomplimentierte und dabei sagte: „Sie könnten sich vielleicht an Herrn Z. wenden; das ist der plumpste, dümmste und berühmteste all meiner Autoren, mit ihm kommen sie vielleicht auf einen grünen Zweig. Besuchen sie ihn, dann werden wir sehen“; mit einigen Gaunerstücken geprahlt (warum nur?), die ich nie verbrochen habe, und feige andere Untaten bestritten, die ich mit wahrer Freude begangen habe, frevelhafte Wichtigtuerei, verbrecherische Ehrenhaftigkeit; einem Freund eine geringfügige Hilfe verweigert und ein Empfehlungsschreiben für einen vollkommenen Witzbold verfaßt; uff, bin ich endlich durch?

Unzufrieden mit allen und unzufrieden mit mir selbst, möchte ich gern ein wenig Buße tun und ein wenig Stolz zurückgewinnen in der Stille und Einsamkeit der Nacht. Seelen jener, die ich geliebt habe, Seelen jener, die ich besungen habe, gebt mir Kraft, entfernt mich von der Lüge und den verderblichen Ausdünstungen der Welt, und Du, Herr mein Gott, gewähre mir die Gnade, ein paar schöne Verse zustandezubringen, die mir das Zeugnis ausstellen, nicht der letzte der Menschen zu sein, nicht niedriger zu sein als jene, die ich verachte!

 

Nov 21 18

Charles Baudelaire, Le mauvais vitrier

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Il y a des natures purement contemplatives et tout à fait impropres à l’action, qui cependant, sous une impulsion mystérieuse et inconnue, agissent quelquefois avec une rapidité dont elles se seraient crues elles-mêmes incapables.

Tel qui, craignant de trouver chez son concierge une nouvelle chagrinante, rôde lâchement une heure devant sa porte sans oser rentrer, tel qui garde quinze jours une lettre sans la décacheter, ou ne se résigne qu’au bout de six mois à opérer une démarche nécessaire depuis un an, se sentent quelquefois brusquement précipités vers l’action par une force irrésistible, comme la flèche d’un arc. Le moraliste et le médecin, qui prétendent tout savoir, ne peuvent pas expliquer d’où vient si subitement une si folle énergie à ces âmes paresseuses et voluptueuses, et comment, incapables d’accomplir les choses les plus simples et les plus nécessaires, elles trouvent à une certaine minute un courage de luxe pour exécuter les actes les plus absurdes et souvent même les plus dangereux.

Un de mes amis, le plus inoffensif rêveur qui ait existé, a mis une fois le feu à une forêt pour voir, disait-il, si le feu prenait avec autant de facilité qu’on l’affirme généralement. Dix fois de suite, l’expérience manqua ; mais, à la onzième, elle réussit beaucoup trop bien.

Un autre allumera un cigare à côté d’un tonneau de poudre, pour voir, pour savoir, pour tenter la destinée, pour se contraindre lui-même à faire preuve d’énergie, pour faire le joueur, pour connaître les plaisirs de l’anxiété, pour rien, par caprice, par désœuvrement.

C’est une espèce d’énergie qui jaillit de l’ennui et de la rêverie ; et ceux en qui elle se manifeste si inopinément sont, en général, comme je l’ai dit, les plus indolents et les plus rêveurs des êtres.

Un autre, timide à ce point qu’il baisse les yeux même devant les regards des hommes, à ce point qu’il lui faut rassembler toute sa pauvre volonté pour entrer dans un café ou passer devant le bureau d’un théâtre, où les contrôleurs lui paraissent investis de la majesté de Minos, d’Éaque et de Rhadamanthe, sautera brusquement au cou d’un vieillard qui passe à côté de lui et l’embrassera avec enthousiasme devant la foule étonnée.

— Pourquoi ? Parce que… parce que cette physionomie lui était irrésistiblement sympathique ? Peut-être ; mais il est plus légitime de supposer que lui-même il ne sait pas pourquoi.

J’ai été plus d’une fois victime de ces crises et de ces élans, qui nous autorisent à croire que des Démons malicieux se glissent en nous et nous font accomplir, à notre insu, leurs plus absurdes volontés.

Un matin je m’étais levé maussade, triste, fatigué d’oisiveté, et poussé, me semblait-il, à faire quelque chose de grand, une action d’éclat ; et j’ouvris la fenêtre, hélas !

(Observez, je vous prie, que l’esprit de mystification qui, chez quelques personnes, n’est pas le résultat d’un travail ou d’une combinaison, mais d’une inspiration fortuite, participe beaucoup, ne fût-ce que par l’ardeur du désir, de cette humeur, hystérique selon les médecins, satanique selon ceux qui pensent un peu mieux que les médecins, qui nous pousse sans résistance vers une foule d’actions dangereuses ou inconvenantes.)

La première personne que j’aperçus dans la rue, ce fut un vitrier dont le cri perçant, discordant, monta jusqu’à moi à travers la lourde et sale atmosphère parisienne. Il me serait d’ailleurs impossible de dire pourquoi je fus pris à l’égard de ce pauvre homme d’une haine aussi soudaine que despotique.

« — Hé ! hé ! » et je lui criai de monter. Cependant je réfléchissais, non sans quelque gaieté, que, la chambre étant au sixième étage et l’escalier fort étroit, l’homme devait éprouver quelque peine à opérer son ascension et accrocher en maint endroit les angles de sa fragile marchandise.

Enfin il parut : j’examinai curieusement toutes ses vitres, et je lui dis : « — Comment ? vous n’avez pas de verres de couleur ? des verres roses, rouges, bleus, des vitres magiques, des vitres de paradis ? Impudent que vous êtes ! vous osez vous promener dans des quartiers pauvres, et vous n’avez pas même de vitres qui fassent voir la vie en beau ! » Et je le poussai vivement vers l’escalier, où il trébucha en grognant.

Je m’approchai du balcon et je me saisis d’un petit pot de fleurs, et quand l’homme reparut au débouché de la porte, je laissai tomber perpendiculairement mon engin de guerre sur le rebord postérieur de ses crochets ; et le choc le renversant, il acheva de briser sous son dos toute sa pauvre fortune ambulatoire qui rendit le bruit éclatant d’un palais de cristal crevé par la foudre.

Et, ivre de ma folie, je lui criai furieusement : « La vie en beau ! la vie en beau ! »

Ces plaisanteries nerveuses ne sont pas sans péril, et on peut souvent les payer cher. Mais qu’importe l’éternité de la damnation à qui a trouvé dans une seconde l’infini de la jouissance?

 

Der stümperhafte Glaser

Es gibt rein kontemplative Charaktere, die zur Tat gänzlich ungeeignet sind und die doch unter einem geheimnisvollen und unbekannten Antrieb bisweilen mit einer Schnelligkeit zur Tat schreiten, die sie sich selbst nicht zugetraut hätten.

Solch ein Mensch, der in der Befürchtung, eine betrübliche Nachricht bei seinem Pförtner vorzufinden, eine geschlagene Stunde feige vor der Haustüre herumtrödelt, so einer, der einen Brief fünfzehn Tage ungeöffnet in der Schublade liegen läßt oder der sich erst nach sechs Monaten zu einem wichtigen Behördengang durchringt, der schon seit einem Jahr ansteht, sie stürzen sich bisweilen wie der Pfeil eines Bogens, von einer unwiderstehlichen Macht gestoßen, kopfüber ins kalte Wasser einer Tat. Der Moralist und der Mediziner, die alles zu wissen vorgeben, können nicht erklären, woraus der Trägheit und dem Wohlleben verfallene Seelen mit einemal eine solche irrwitzige Energie schöpfen und wieso sie, unfähig, die alltäglichsten und notwendigsten Dinge hinzubekommen, in einem bestimmten Augenblick einen Überschuß an Mut aufbringen, um ganz unglaubliche und oft sogar äußerst gefährliche Taten auszuführen.

Einer meiner Freunde, ein ganz und gar harmloser Träumer, hat einmal in einem Waldstück gezündelt, um, wie er sagte, zu sehen, ob das Feuer so leicht um sich greife, wie man allgemein behauptet. Zehnmal hintereinander scheiterte der Versuch, doch beim elften Mal war er nur allzu erfolgreich.

Ein anderer entzündete neben einem Pulverfaß eine Zigarre, um zu sehen, zu wissen, um das Schicksal zu versuchen, um sich auf Teufel komm raus seine Tatkraft unter Beweis zu stellen, um den Hasardeur zu mimen, um die Wonnen der Angst zu kosten, für nichts, aus einer Laune heraus, aus Schlendrian.

Dies ist eine Form der Willensstärke, die der Langeweile und der Traumseligkeit entspringt; und jene, an denen sie sich so unerwartet zeigt, sind, wie ich schon sagte, die trägsten und träumerischsten Naturen.

Ein anderer, schüchtern in einem Maße, daß er den Blick sogar vor den Passanten senkt, in dem Maße, daß er seinen ganzen armseligen Mut zusammenraffen muß, um in ein Café einzutreten oder am Dienstzimmer eines Theaters vorüberzugehen, dessen Kontrolleure ihm die majestätische Aura eines Minos, Ajakos und Rhadamanthys auszustrahlen scheinen, fällt plötzlich einem Greis, der an ihm vorbeistrich, um den Hals und umarmt ihn überschwänglich vor der verblüften Menge.

Weshalb? Weil … weil ihm sein Gesicht unwiderstehlich sympathisch war? Vielleicht. Aber plausibler ist die Annahme, daß er es selbst nicht weiß.

Ich war mehr als einmal Opfer jener Anfälle und Anflüge, die uns das Zeugnis in die Hand drücken, wonach bösartige Dämonen sich in uns einschleichen und uns gegen unseren Willen ihre widersinnigsten Absichten vollführen lassen.

Eines Morgens erhob ich mich mißmutig, trist, ausgelaugt vom Müßiggang, mit dem Antrieb, wie mir schien, etwas Außerordentliches auf die Beine zu stellen, etwas Spektakuläres; und ich machte, leider, das Fenster auf!

(Achten Sie bitte einmal darauf, daß der Geist der Mystifikation, der bei einigen nicht das Ergebnis gedanklicher Anstrengung oder Kombinationskunst, sondern einer zufälligen Eingebung darstellt, in hohem Maße, wenn nicht an der Glut der Begierde, an jener Stimmung teilhat, die von den Medizinern Hysterie, satanische Besessenheit aber von jenen genannt wird, die etwas tiefer dringen als die Ärzte, dieser Geist uns widerstandslos zu einer Unmenge von gefährlichen und unschicklichen Taten antreibt.)

Der erste Mensch, den ich auf der Straße bemerkte, war ein Glaser, dessen durchdringender, schriller Ruf durch die drückende und schmutzige Luft von Paris an mein Ohr drang. Ich könnte beim besten Willen nicht sagen, weshalb mich angesichts dieses armseligen Kerls ein solch unerwarteter und despotischer Haß ergriff.

„Heda, he!“, rief ich ihn herbei. Wobei ich nicht ohne ein gewisses Vergnügen daran dachte, wie der Mann, lag mein Zimmer doch im sechsten Stock und die Treppe war schmal, nur mit Mühe den Aufstieg bewältigen könnte und an etlichen Winkeln die Ecken seiner zerbrechlichen Ware verkanten müßte.

Endlich tauchte er auf. Ich begutachtete mit Interesse seine Gläser und sagte zu ihm: „Was, sie haben keine farbigen Gläser, rosa, rote, blaue Gläser, Zaubergläser, Paradiesesgläser? Sie unverschämter Mensch, Sie wagen es, durch die Armenviertel zu gehen, und haben nicht einmal Gläser, durch die man das Leben in Schönheit schauen kann?“ Und ich stieß ihn kräftig in Richtung Treppe, wo er murrend stolperte.

Ich ging zum Balkon und ergriff einen Blumentopf, und als der Mann am Toreingang erschien, ließ ich meine Rakete senkrecht auf den hinteren Rand seiner Halterung fallen. Vor Schreck stürzte er zu Boden und zerbrach auf seinem Rücken das dünne Vermögen seiner Wanderschaft, das mit einem Geklirr auseinanderstob, als habe der Blitz einen Palast aus Kristall zum Bersten gebracht.

Diese hysterischen Späße sind nicht ohne Gefahr, und oft kann man sie teuer bezahlen. Doch was schert den die Ewigkeit der Verdammnis, der für eine Sekunde die Unendlichkeit der Wonne gekostet hat?

 

Nov 21 18

Wie leer und dunkel und stumm

Wie leer die von Blech, Passanten, Plakaten verstopften Straßen.
Wie dunkel das Licht der Fenster, der Laternen.
Wie stumm der Lärm der Maschinen.
Wie stumm das Rauschen der Meere.

Wie leer und dunkel und stumm,
o Brunnen alter Lieder.

Wie leer die von Bildern, Schatten, Rufen verstopften Schädel.
Wie dunkel das Licht der Blumen, der Augen.
Wie stumm der Lärm der Vögel.
Wie stumm das Rauschen der Meere.

Wie leer und dunkel und stumm,
o Brunnen alter Lieder.

 

Nov 20 18

Charles Baudelaire, Le chien et le flacon

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

« — Mon beau chien, mon bon chien, mon cher toutou, approchez et venez respirer un excellent parfum acheté chez le meilleur parfumeur de la ville. »

Et le chien, en frétillant de la queue, ce qui est, je crois, chez ces pauvres êtres, le signe correspondant du rire et du sourire, s’approche et pose curieusement son nez humide sur le flacon débouché ; puis, reculant soudainement avec effroi, il aboie contre moi en manière de reproche.

« — Ah ! misérable chien, si je vous avais offert un paquet d’excréments, vous l’auriez flairé avec délices et peut-être dévoré. Ainsi, vous-même, indigne compagnon de ma triste vie, vous ressemblez au public, à qui il ne faut jamais présenter des parfums délicats qui l’exaspèrent, mais des ordures soigneusement choisies. »

 

Der Hund und das Duftfläschchen

„Feiner Hund, guter Hund, mein Hundelein, komm mal her und riech an diesem edlen Duft, bei der besten Parfümerie der Stadt hab ich ihn gekauft.“

Und der Hund wedelt mit dem Schwanz, was glaube ich bei diesen armen Kreaturen unserem Lachen und Lächeln entspricht, nähert sich und hält seine feuchte Schnauze über das geöffnete Fläschchen; doch er schrickt jäh zurück und bellt mich an, als mache er mir Vorwürfe.

„Ach, elender Hund, hätte ich dir eine Schachtel mit Exkrementen offeriert, hättest du mit Wonne daran herumgeschnuppert und sie vielleicht gefressen. So gleichst, unwürdiger Begleiter meines tristen Lebens, du also der Leserschaft, der man nie mit erlesenen Düften kommen darf, da rümpfen sie gleich die Nase, sondern mit Kehricht, zeilenweise hingestreut.“

 

Nov 20 18

Charles Baudelaire, Le fou et la Vénus

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Quelle admirable journée ! Le vaste parc se pâme sous l’œil brûlant du soleil, comme la jeunesse sous la domination de l’Amour.

L’extase universelle des choses ne s’exprime par aucun bruit ; les eaux elles-mêmes sont comme endormies. Bien différente des fêtes humaines, c’est ici une orgie silencieuse.

On dirait qu’une lumière toujours croissante fait de plus en plus étinceler les objets ; que les fleurs excitées brûlent du désir de rivaliser avec l’azur du ciel par l’énergie de leurs couleurs, et que la chaleur, rendant visibles les parfums, les fait monter vers l’astre comme des fumées.

Cependant, dans cette jouissance universelle, j’ai aperçu un être affligé.

Aux pieds d’une colossale Vénus, un de ces fous artificiels, un de ces bouffons volontaires chargés de faire rire les rois quand le Remords ou l’Ennui les obsède, affublé d’un costume éclatant et ridicule, coiffé de cornes et de sonnettes, tout ramassé contre le piédestal, lève des yeux pleins de larmes vers l’immortelle Déesse.

Et ses yeux disent : — « Je suis le dernier et le plus solitaire des humains, privé d’amour et d’amitié, et bien inférieur en cela au plus imparfait des animaux. Cependant je suis fait, moi aussi, pour comprendre et sentir l’immortelle Beauté ! Ah ! Déesse ! ayez pitié de ma tristesse et de mon délire ! »

Mais l’implacable Vénus regarde au loin je ne sais quoi avec ses yeux de marbre.

 

Der Narr und die Venus

Was für ein prächtiger Tag! Der weite Park schmilzt hin unter dem flammenden Auge der Sonne, wie die Jugend unter Amors Herrschgewalt.

Die alles ergreifende Verzückung hat geräuschlos sich enthüllt; die Wasser, selbst sie, sind eingeschlummert. Anders als die Feste der Menschen ist dies ein Bacchanal ohne Lärm.

Es war, als ob ein unablässig wachsendes Licht die Dinge mehr und mehr zum Funkeln brachte; als ob die erregten Blüten von Verlangen brannten, das Blau des Himmels mit der Kraft ihrer Farben zu übertreffen, und als ob die Hitze, indem sie die Düfte sichtbar machte, sie wie Rauch zur Sonne steigen ließ.

Und doch habe ich in all dem Freudentaumel eine traurige Gestalt erblickt.

Zu Füßen einer kolossalen Venus preßte sich einer dieser falschen Narren an den Denkmalsockel, einer dieser Possenreißer, die sich, ausstaffiert mit einem lächerlichen Glimmerkostüm, von Hörnchen und Glöckchen übersät, freiwillig dazu hergaben, von Zerknirschung und innerer Leere heimgesuchte Könige zum Lachen zu bringen, und hob tränenfeuchte Augen zu der unsterblichen Göttin empor.

Seine Augen sprachen: „Ich bin der letzte und einsamste unter den Menschen, der Liebe beraubt und der Freundschaft, und darum niedriger als die unvollkommenste der Kreaturen. Dennoch bin ich, auch ich, dazu erschaffen, die unsterbliche Schönheit zu erfassen und zu empfinden. Ach, Göttin, erbarme dich meiner Traurigkeit und Narrheit!“

Doch die gnadenlose Venus blickte ich weiß nicht worauf in die Ferne mit ihren Marmoraugen.

 

Nov 20 18

Charles Baudelaire, Chacun sa chimère

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Sous un grand ciel gris, dans une grande plaine poudreuse, sans chemins, sans gazon, sans un chardon, sans une ortie, je rencontrai plusieurs hommes qui marchaient courbés.

Chacun d’eux portait sur son dos une énorme Chimère, aussi lourde qu’un sac de farine ou de charbon, ou le fourniment d’un fantassin romain.

Mais la monstrueuse bête n’était pas un poids inerte ; au contraire, elle enveloppait et opprimait l’homme de ses muscles élastiques et puissants ; elle s’agrafait avec ses deux vastes griffes à la poitrine de sa monture ; et sa tête fabuleuse surmontait le front de l’homme, comme un de ces casques horribles par lesquels les anciens guerriers espéraient ajouter à la terreur de l’ennemi.

Je questionnai l’un de ces hommes, et je lui demandai où ils allaient ainsi. Il me répondit qu’il n’en savait rien, ni lui, ni les autres ; mais qu’évidemment ils allaient quelque part, puisqu’ils étaient poussés par un invincible besoin de marcher.

Chose curieuse à noter : aucun de ces voyageurs n’avait l’air irrité contre la bête féroce suspendue à son cou et collée à son dos ; on eût dit qu’il la considérait comme faisant partie de lui-même. Tous ces visages fatigués et sérieux ne témoignaient d’aucun désespoir ; sous la coupole spleenétique du ciel, les pieds plongés dans la poussière d’un sol aussi désolé que ce ciel, ils cheminaient avec la physionomie résignée de ceux qui sont condamnés à espérer toujours.

Et le cortége passa à côté de moi et s’enfonça dans l’atmosphère de l’horizon, à l’endroit où la surface arrondie de la planète se dérobe à la curiosité du regard humain.

Et pendant quelques instants je m’obstinai à vouloir comprendre ce mystère ; mais bientôt l’irrésistible Indifférence s’abattit sur moi, et j’en fus plus lourdement accablé qu’ils ne l’étaient eux-mêmes par leurs écrasantes Chimères.

 

Jedem seine Chimäre

Unter einem großen grauen Himmel, in einer großen staubigen Ebene, ohne Pfade, ohne Rasen, ohne eine Distel, ohne eine Nessel, begegneten mir mehrere Menschen, die gebückt einherschritten.

Jeder trug auf seinem Rücken eine ungeheure Chimäre, schwer wie ein Sack mit Mehl oder Kohlen oder das Gepäck eines römischen Infanteristen.

Doch das monströse Tier war keine träge Last; im Gegenteil, es umwickelte und presste den Menschen mit seinen biegsamen und kraftvollen Muskeln; es klammerte sich mit seinen zwei riesigen Krallen um die Brust seines Trägers; und sein Fabeltier-Kopf schob sich vor die Stirn des Menschen wie einer der furchterregenden Helme, womit die alten Krieger dem Schrecken des Feindes noch eins draufzusetzen hofften.

Ich nahm mir eine der Herrschaften zur Brust und frug ihn, wohin sie denn auf diese Weise marschierten. Er antwortete mir, er habe keine Ahnung, weder er noch die anderen; klar sei nur, daß sie irgendwohin unterwegs seien, weil ein unbezwinglicher Drang sie vorwärtstreibe.

Es war schon verblüffend zu gewahren, daß keiner der Reisenden auch nur den Schatten einer Verstörung auf dem Gesicht trug, und hing ihnen doch das wilde Biest im Nacken, klebte ihnen am Rücken; als erachteten sie es als natürlichen Teil ihrer selbst. All diese müden und ernsten Gesichter zeigten keine Spur von Verzweiflung; unter der Schwermut-Kuppel des Himmels gingen sie, die Füße in den Staub einer Erde getaucht, die ebenso trostlos war wie der Himmel, ihres Weges, und ihre Mienen spiegelten die Ergebenheit derer, die verdammt sind, ohne Unterlaß zu hoffen.

Das Gefolge glitt an mir vorbei und tauchte in den Dunst des Horizonts, dorthin, wo sich die gewölbte Oberfläche des Planeten der Neugierde des menschlichen Blickes entzieht.

Und während einiger Augenblicke suchte ich verbissen hinter dieses Geheimnis zu kommen; doch alsbald stürzte sich die unwiderstehliche Gleichgültigkeit auf mich herab, und ich war mit ihr schwerer beladen als jene mit ihren niederdrückenden Chimären.

 

Nov 20 18

Charles Baudelaire, La chambre double

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Une chambre qui ressemble à une rêverie, une chambre véritablement spirituelle, où l’atmosphère stagnante est légèrement teintée de rose et de bleu.

L’âme y prend un bain de paresse, aromatisé par le regret et le désir. — C’est quelque chose de crépusculaire, de bleuâtre et de rosâtre ; un rêve de volupté pendant une éclipse.

Les meubles ont des formes allongées, prostrées, alanguies. Les meubles ont l’air de rêver ; on les dirait doués d’une vie somnambulique, comme le végétal et le minéral. Les étoffes parlent une langue muette, comme les fleurs, comme les ciels, comme les soleils couchants.

Sur les murs nulle abomination artistique. Relativement au rêve pur, à l’impression non analysée, l’art défini, l’art positif est un blasphème. Ici, tout a la suffisante clarté et la délicieuse obscurité de l’harmonie.

Une senteur infinitésimale du choix le plus exquis, à laquelle se mêle une très-légère humidité, nage dans cette atmosphère, où l’esprit sommeillant est bercé par des sensations de serre-chaude.

La mousseline pleut abondamment devant les fenêtres et devant le lit ; elle s’épanche en cascades neigeuses. Sur ce lit est couchée l’Idole, la souveraine des rêves. Mais comment est-elle ici ? Qui l’a amenée ? quel pouvoir magique l’a installée sur ce trône de rêverie et de volupté ? Qu’importe ? la voilà ! je la reconnais.

Voilà bien ces yeux dont la flamme traverse le crépuscule ; ces subtiles et terribles mirettes, que je reconnais à leur effrayante malice ! Elles attirent, elles subjuguent, elles dévorent le regard de l’imprudent qui les contemple. Je les ai souvent étudiées, ces étoiles noires qui commandent la curiosité et l’admiration.

À quel démon bienveillant dois-je d’être ainsi entouré de mystère, de silence, de paix et de parfums ? Ô béatitude ! ce que nous nommons généralement la vie, même dans son expansion la plus heureuse, n’a rien de commun avec cette vie suprême dont j’ai maintenant connaissance et que je savoure minute par minute, seconde par seconde !

Non ! il n’est plus de minutes, il n’est plus de secondes ! Le temps a disparu ; c’est l’Éternité qui règne, une éternité de délices !

Mais un coup terrible, lourd, a retenti à la porte, et, comme dans les rêves infernaux, il m’a semblé que je recevais un coup de pioche dans l’estomac.

Et puis un Spectre est entré. C’est un huissier qui vient me torturer au nom de la loi ; une infâme concubine qui vient crier misère et ajouter les trivialités de sa vie aux douleurs de la mienne ; ou bien le saute-ruisseau d’un directeur de journal qui réclame la suite du manuscrit.

La chambre paradisiaque, l’idole, la souveraine des rêves, la Sylphide, comme disait le grand René, toute cette magie a disparu au coup brutal frappé par le Spectre.

Horreur ! je me souviens ! je me souviens ! Oui ! ce taudis, ce séjour de l’éternel ennui, est bien le mien. Voici les meubles sots, poudreux, écornés ; la cheminée sans flamme et sans braise, souillée de crachats ; les tristes fenêtres où la pluie a tracé des sillons dans la poussière ; les manuscrits, raturés ou incomplets ; l’almanach où le crayon a marqué les dates sinistres !

Et ce parfum d’un autre monde, dont je m’enivrais avec une sensibilité perfectionnée, hélas ! il est remplacé par une fétide odeur de tabac mêlée à je ne sais quelle nauséabonde moisissure. On respire ici maintenant le ranci de la désolation.

Dans ce monde étroit, mais si plein de dégoût, un seul objet connu me sourit : la fiole de laudanum ; une vieille et terrible amie ; comme toutes les amies, hélas ! féconde en caresses et en traîtrises.

Oh ! oui ! Le Temps a reparu ; Le Temps règne en souverain maintenant ; et avec le hideux vieillard est revenu tout son démoniaque cortége de Souvenirs, de Regrets, de Spasmes, de Peurs, d’Angoisses, de Cauchemars, de Colères et de Névroses.

Je vous assure que les secondes maintenant sont fortement et solennellement accentuées, et chacune, en jaillissant de la pendule, dit : — « Je suis la Vie, l’insupportable, l’implacable Vie ! »

Il n’y a qu’une Seconde dans la vie humaine qui ait mission d’annoncer une bonne nouvelle, la bonne nouvelle qui cause à chacun une inexplicable peur.

Oui ! le Temps règne ; il a repris sa brutale dictature. Et il me pousse, comme si j’étais un bœuf, avec son double aiguillon. — « Et hue donc ! bourrique ! Sue donc, esclave ! Vis donc, damné ! »

 

Zweimal ein Zimmer

Ein Zimmer, das einem Traume gleicht, ein wahrhaft geistiges Zimmer, in dem die Lufthülle dicht und leicht rosig und blau getönt ist.

Die Seele taucht dort in ein träges Wasser, getränkt mit dem Balsam von Wehmut und Sehnsucht. – Es ist da etwas Abendrötliches, grau Blauendes, etwas Rosendämmriges; die Sonne verfinstert sich und die Wollust träumt.

Die Möbel sehen aus, als hätten sie sich gedehnt und ermattet hingestreckt. Die Möbel schauen drein, als träumten sie; man könnte ihnen ein schlafwandlerisches Dasein zusprechen, gleich den Pflanzen und Mineralien. Die Tücher reden eine stumme Sprache wie die Blumen, die Firmamente, die Abendsonnen.

Keine Kunstgräuel an den Wänden. Gegenüber dem reinen Traum, dem unzergliederten Eindruck ist die umgrenzte Kunst, die Wirklichkeitskunst, Gotteslästerung. Hier hat alles die sich selbst genügende Klarheit und köstliche Dunkelheit der Harmonie.

Ein Wohlgeruch, von der erlesensten Wahl an der Grenze des Empfindbaren, dem ein gewichtlosen Etwas von Feuchte beigemischt ist, durchflutet diese Luft, worin der träumende Geist von den Wallungen der Treibhaus-Wärme gewiegt wird.

Der Musselin regnet seine Schauer vor dem Fenster, vor dem Bett; er ergießt sich in schneeigen Kaskaden. Auf diesem Bett lagert das Idol, die Herrin der Träume. Doch wieso ist sie hier? Wer hat sie hergeleitet? Welche magische Macht hat sie auf diesen Thron des Traumes und der Wollust gesetzt? Wen kümmert es? Da ist sie, und ich erkenne sie wieder.

Da sind diese Augen, deren Feuer durch die Abenddämmerung fließt; jene feinen und schrecklichen kleinen Spiegel, die ich an ihrer furchteinfunkelnden Bosheit erkenne! Sie betören, sie unterjochen, sie verschlingen den Blick des Toren, der sich in sie versenkt. Ich habe sie oft studiert, diese schwarzen Sterne, die Neugier und Bewunderung heischen.

Welchem gütigen Dämon verdanke ich es, auf solche Weise von Geheimnis, von Stille, von Frieden und Wohlgerüchen umgeben zu sein? O Seligkeit! Was wir gewöhnlich Leben nennen, hat selbst in seiner glücklichsten Weiterung nichts gemein mit dieser höchsten Form des Daseins, von der ich nunmehr weiß und die ich Minute für Minute koste, Sekunde für Sekunde!

Nein! Es gibt keine Minuten mehr, keine Sekunden! Die Zeit ist ausgelöscht; Ewigkeit ist, die herrscht, eine Ewigkeit der Wonnen!

Doch ein fürchterlicher, dumpfer Schlag hallte von der Tür, und wie in Höllenträumen kam es mir so vor, als erhielte ich den Hieb einer Hacke in den Magen.

Dann ist ein Gespenst eingetreten. Es ist ein Scherge, drauf und dran, mich im Namen des Gesetzes zu foltern; eine niederträchtige Konkubine, Zeter und Mordio zu schreien und die Trivialitäten ihres Lebens den Schmerzen des meinen unterzujubeln; oder gar der Laufbursche eines Zeitungsdirektors, der einen Artikel einfordert.

Das paradiesische Zimmer, das Idol, die Herrin der Träume, die Sylphide, wie sie der große Renè genannt, all diese Magie hat sich mit dem brutalen Schlag des Gespenstes in Luft aufgelöst.

Welches Grauen! Ich erinnere mich! Ich erinnere mich! Ja, diese Bruchbude, diese Wohnung des immerwährenden Lebensekels, es ist die meine. Da stehen die Möbelstücke, dumm, staubig, verkratzt; der Kamin ohne Flamme und Glut, besudelt von Spucke; die trüben Fenster mit den Schlieren, die der Regen in den Staub gefurcht; die Manuskripte, durchgestrichen oder unvollendet; der Kalender, wo der Bleistift Unheilstage angekreuzt hat!

Und jenen Duft aus einer anderen Welt, von dem ich bis in die innerste Faser berückt ward, hat, ach, ein Gestank verdrängt, ein Gemisch aus Tabaksqualm und irgendeinem eklen Modermuff. Hier riecht es ranzig nach Verzweiflung.

In dieser engen Welt, doch so voller Ekel, lächelt mir nur ein vertrautes Ding: das Fläschchen mit dem Opium; eine alte und schreckliche Geliebte; wie alle Geliebten, leider, verschwenderisch an Zärtlichkeit und Tücke.

O ja, die Zeit hat mich wieder; die Zeit herrscht nun als Souverän; und mit der abscheulichen Greisin ist ihr ganzes dämonisches Gefolge aufmarschiert, Erinnerungen, Sehnsüchte, Krämpfe, Ängste, Beklemmungen, Albträume, cholerische und hysterische Anfälle.

Glaubt mir, die Sekunden tragen nun einen harten und feierlichen Akzent, und eine jede springt vom Pendel der Uhr und sagt: „Ich bin das Leben, das unerträgliche, das erbarmungslose Leben!“

Es gibt nur eine Sekunde im menschlichen Leben, die gesandt ist, die frohe Botschaft zu künden, die frohe Botschaft, die einem jeden eine unerklärliche Angst einjagt.

Ja, die Zeit herrscht; sie hat ihre brutale Diktatur wieder an sich gerissen. Und sie stößt mich, als wäre ich ein Rind, mit ihrem Doppel-Stachel. – „Hüh, Esel! Los, Sklave, schwitze! Lebe hin, Verdammter!“

 

Nov 19 18

Charles Baudelaire, Un Plaisant

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

C’était l’explosion du nouvel an : chaos de boue et de neige, traversé de mille carrosses, étincelant de joujoux et de bonbons, grouillant de cupidités et de désespoirs, délire officiel d’une grande ville fait pour troubler le cerveau du solitaire le plus fort.

Au milieu de ce tohu-bohu et de ce vacarme, un âne trottait vivement, harcelé par un malotru armé d’un fouet.

Comme l’âne allait tourner l’angle d’un trottoir, un beau monsieur ganté, verni, cruellement cravaté et emprisonné dans des habits tout neufs, s’inclina cérémonieusement devant l’humble bête, et lui dit, en ôtant son chapeau : « Je vous la souhaite bonne et heureuse ! » puis se retourna vers je ne sais quels camarades avec un air de fatuité, comme pour les prier d’ajouter leur approbation à son contentement.

L’âne ne vit pas ce beau plaisant, et continua de courir avec zèle où l’appelait son devoir.

Pour moi, je fus pris subitement d’une incommensurable rage contre ce magnifique imbécile, qui me parut concentrer en lui tout l’esprit de la France.

 

Ein Spaßvogel

So sah sie aus, die Explosion des neuen Jahrs: Chaos von Schlamm und Schnee, durchkreuzt von tausend Wagen, funkelnd von Tand und Bonbons, wimmelnd von Begehrlichkeit und Verzweiflung, verordnetes Delirium einer großen Stadt, um auch das stärkste Hirn des Einzelgängers in Verwirrung zu stürzen.

Mitten in diesem Tohuwabohu und Heidenlärm trottete munter ein Esel daher, und ein Rüpel setzte ihm mit der Peitsche zu.

Wie der Esel eben um die Ecke bog, machte ein Schönling mit Handschuhen und in Lackstiefeln, halb erwürgt von der Krawatte und eingezwängt in seinen neuen Frack, eine steif-gezierte Verbeugung vor dem demütigen Tier, und seinen Hut ziehend redete er es an: „Ich wünsche Ihnen ein gutes und glückliches neues Jahr!“ Dann drehte er sich mit einer blasierten Miene zu irgendwelchen Kumpanen um, als heische er ihr Placet, um seiner Selbstgefälligkeit die Krone aufzusetzen.

Der Esel merkte nicht auf diesen piekfeinen Spaßvogel und zog weiter seines Wegs, wohin die Pflicht ihn rief.

Was mich anging, mich packte eine grenzenlose Wut gegen diesen großspurigen Schwachkopf, der mir den ganzen Geist Frankreichs zu verkörpern schien.

 

Nov 19 18

Charles Baudelaire, Le confiteor de l’artiste

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Que les fins de journées d’automne sont pénétrantes ! Ah ! pénétrantes jusqu’à la douleur ! car il est de certaines sensations délicieuses dont le vague n’exclut pas l’intensité ; et il n’est pas de pointe plus acérée que celle de l’Infini.

Grand délice que celui de noyer son regard dans l’immensité du ciel et de la mer ! Solitude, silence, incomparable chasteté de l’azur ! une petite voile frissonnante à l’horizon, et qui par sa petitesse et son isolement imite mon irrémédiable existence, mélodie monotone de la houle, toutes ces choses pensent par moi, ou je pense par elles (car dans la grandeur de la rêverie, le moi se perd vite !) ; elles pensent, dis-je, mais musicalement et pittoresquement, sans arguties, sans syllogismes, sans déductions.

Toutefois, ces pensées, qu’elles sortent de moi ou s’élancent des choses, deviennent bientôt trop intenses. L’énergie dans la volupté crée un malaise et une souffrance positive. Mes nerfs trop tendus ne donnent plus que des vibrations criardes et douloureuses.

Et maintenant la profondeur du ciel me consterne ; sa limpidité m’exaspère. L’insensibilité de la mer, l’immuabilité du spectacle, me révoltent… Ah ! faut-il éternellement souffrir, ou fuir éternellement le beau ? Nature, enchanteresse sans pitié, rivale toujours victorieuse, laisse-moi ! Cesse de tenter mes désirs et mon orgueil ! L’étude du beau est un duel où l’artiste crie de frayeur avant d’être vaincu.

 

Das Glaubensbekenntnis des Künstlers

Wie tief gehen die Abende im Herbst! Ach, tief bis zum Schmerz! Birgt er ja gewisse köstliche Empfindungen, und sind sie auch verschwommen, so nicht weniger spürbar, wenn auch gewiß nicht schärfer als die Empfindung des Unendlichen.

Tiefe Wonne, wie jene, den Blick in die ungeheure Weite des Himmels und des Meers zu senken! Einsamkeit, Schweigen, unvergleichliche Keuschheit der Himmelsbläue! Ein kleines Segel, das unterm Horizont erzittert, in seiner Winzigkeit und Verlorenheit Bildnis meines unrettbaren Daseins, eintöniges Lied der Brandung, all diese Dinge denken durch mich oder ich denke durch sie (in der Weite des Traumbewußtseins verliert das Ich sich schnell!); sie, sage ich, denken, doch in der Weise der Musik, der Malerei, ohne Haarspaltereien, ohne Syllogismen, ohne Deduktionen.

Ob sie nun mir entstammen oder aus den Dingen kommen, diese Gedanken werden doch bald allzu heftig. Die Kraft der Lust erschafft sich weiche Not und süßes Leid. Meine allzu gespannten Nerven reichen nur ein Beben weiter, das schrillt und schmerzt.

Nun macht der Abgrund des Himmels mich bestürzt; seine Klarheit erbittert mich. Die Fühllosigkeit des Meeres, die Monotonie des Schauspiels, sie empören mich … Ach, gilt ewig es zu leiden, ewig das Schöne zu fliehen? Natur, Sirene ohne Mitleid, immer siegreiche Widersacherin, laß ab von mir! Laß ab davon, meine Begierde zu kitzeln und meinen Stolz! Das Spiel mit dem Schönen ist ein Zweikampf, bei dem der Künstler aufschreit vor Schrecken, bevor er niederstürzt.

 

Nov 19 18

Charles Baudelaire, Le Désespoir de la vieille

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

La petite vieille ratatinée se sentit toute réjouie en voyant ce joli enfant à qui chacun faisait fête, à qui tout le monde voulait plaire ; ce joli être, si fragile, comme elle, la petite vieille, et, comme elle aussi, sans dents et sans cheveux.

Et elle s’approcha de lui, voulant lui faire des risettes et des mines agréables.

Mais l’enfant épouvanté se débattait sous les caresses de la bonne femme décrépite, et remplissait la maison de ses glapissements.

Alors la bonne vieille se retira dans sa solitude éternelle, et elle pleurait dans un coin, se disant: — « Ah ! pour nous, malheureuses vieilles femelles, l’âge est passé de plaire, même aux innocents ; et nous faisons horreur aux petits enfants que nous voulons aimer !».

 

Die Verzweiflung der alten Frau

Das runzlige alte Weib war ganz von Heiterkeit erfüllt beim Anblick des hübschen Kinds, an dem ein jeder Gefallen fand, dem ein jeder gefallen wollte; dies hübsche Ding, so zerbrechlich, wie sie selbst, die kleine Alte, und zahnlos genau wie sie und ohne Haare.

Und sie beugte sich über es, ihm ihr Lächeln zu zeigen, ihr Lachgesicht.

Doch das Kind erschrak und fing zu strampeln an unter den Liebkosungen des verschrumpelten Weibs, und im ganzen Haus erscholl sein Gezeter.

Da verkroch sich die Alte in ihre grenzenlose Einsamkeit, und sie weinte in ihrem Winkel und sprach vor sich hin: „Weh uns unglücklichen, alten Frauen, wir gefallen keinem mehr, nicht einmal den unschuldigen Kindern, ein Grauen packt die Kleinen, denen wir unsere Liebe schenken wollen!“

 

Nov 19 18

Charles Baudelaire, L’Étranger

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

— Qui aimes-tu le mieux, homme énigmatique, dis ? ton père, ta mère, ta sœur ou ton frère ?

— Je n’ai ni père, ni mère, ni sœur, ni frère.

— Tes amis ?

— Vous vous servez là d’une parole dont le sens m’est resté jusqu’à ce jour inconnu.

— Ta patrie ?

— J’ignore sous quelle latitude elle est située.

— La beauté ?

— Je l’aimerais volontiers, déesse et immortelle.

— L’or ?

— Je le hais comme vous haïssez Dieu.

— Eh ! qu’aimes-tu donc, extraordinaire étranger ?

— J’aime les nuages… les nuages qui passent… là-bas… les merveilleux nuages !

 

Der Fremde

„Wen liebst du am meisten, rätselhafter Mann, sag? Deinen Vater, deine Mutter, deine Schwester oder deinen Bruder?“

„Hab Vater nicht noch Mutter, weder Schwester noch Bruder.“

„Deine Freunde?“

„Du sagst da ein Wort, dessen Sinn mir zeitlebens nicht aufging.“

„Dein Heimatland?“

„Auf welchem Breitengrade das liegt, weiß ich nicht.“

„Die Schönheit?“

„Ich liebte sie wohl sehr, wär Göttin sie und ohne Tod.“

„Das Gold?“

„Ich hasse es, wie du Gott hassest.“

„Was liebst du denn nun, seltsamer Fremdling?“

„Die Wolken liebe ich … die Wolken, die dahinziehen … dahin … die wunderbaren Wolken!“

 

Nov 18 18

Schlummert ein, ihr matten Augen

In der dämmerigen, kühlen Katakombe, in der vor dem Altar aus wuchtigen, grob gehauenen Steinen nur die große, einsame Kerze Licht spendet, verhalten wir den Schritt und dämpfen die Stimme, und ihr Hauch wird flüchtiger Dunst.

*

Welche Stille, dunkelblaues Tuch, vom Wind der Dämmerung leicht gebläht, breitet sich über die Gedichte des alten Meisters.

*

Nachts, das Schimmern ferner Fenster in schneebedeckten Hütten, in denen Menschen singen, flüstern, sich küssen, schlafen, zu denen du, unterwegs auf verschneiten Pfaden, nicht mehr findest.

*

Schmerz der Erleuchtung, Stern über blauer Winternacht.

*

Rings das ungeheure Kreisen des Lichts um die schwarze Rose, in dir aus dem schwarzen Brunnen das unverständliche Rauschen.

*

Kelch des Engels, schwebend gehalten unter die Wunde, Kelch, gefüllt vom einzig lebendigen Wort.

*

Kind, das die gelben Blätter der Linde, des Ahorns, der Buche vom Boden aufrafft und zum Drei-Blatt der Liebe fächert.

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Schnörkel des Verses, Gitter vor dem Blau des stummen Himmels.

*

Lied, Taschentuch, das aus dem Fenster winkt.

*

Das leise Knistern der dürren Gräser im Schnee, kaum noch Durst, kaum noch Klage.

*

Das Hoffen der Frommen, und die Arme, es zu halten, knicken ein wie blutleere Zweige.

*

Die Schatten wandern über den Sand, der Wind spielt mit dem Sand, bis er müde wird, müde der Wind, müde der Sand, die Schatten wandern.

*

Wenn das Dunkel mit Blütenblättern später Rosen niederschwebt, wenn das Dunkel sanfter glimmt mit Tropfen, die von Veilchenwangen rinnen, schlummert ein, ihr matten Augen.

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Der Schein der Kerze knistert von Schatten.

*

Lippen zur Unschuld salben mit eines Verses zartem Finger.

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Das Eichhorn huscht und sammelt seine Nüsse und weiß von keinem letzten Schnee.

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Wenn wir kaum noch flüstern im Kerzenschimmer des hohen Doms, wenn wir verstummen, mag das Schweigen uns ins heilige Dunkel heben.

*

Erst ist es das Wogen des Atems, des Bluts, dann ist es der Rhythmus des Lieds, endlich das Wogen der Stille.

*

Die Taube hat sich auf dem Zweig vor deinem Fenster niedergelassen. Frag nicht, wieso diese Taube, warum zu dieser Stunde auf diesem Zweig. Frag nicht, wieso du dort sitzt, warum zu dieser Stunde in diesem Zimmer.

*

Gezählte Stunden. Ist noch eine, die vom Grund des blechernen Haufens golden heraufglänzt?

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Wie zwischen schillernden Seifenblasen, die aneinander schweben, ist zwischen den Worten, den Seufzern, den Küssen ein unendlich leerer Raum.

*

Hündchen, legt sich auf die Füße des schlaflosen Dichters.

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Strahl, der über das Polster des Schnees streift und es rötet, als würde es leise, leise tönen.

*

Die Kleine, läuft mit ihrem blauen Plastikeimerchen und der kleinen Schaufel zu den Spielkameraden, und ist kein Zweifel, daß der Sand warm und die Kinder freundlich sind.

*

Der stinkende, von Schwären verunstaltete Bettler, und singt wie die Sirene schön, wenn der stille Mond herableuchtet, sie haben ihn in einen alten Turm gesperrt, der oben gleich einem Brunnen offen ist, und so hockt er in der Tiefe und blickt in das blaue Loch und singt, und sie sitzen in der warmen Luft der Sommernacht rings um den Turm und lauschen, wenn der Mond in sein Inneres leuchtet.

*

Das tränenhelle Auge, das dich gläubig anschaut, die kleine Hand, die sich um deine schlingt, der trockne Mund, der um den Becher eines wahren Wortes bettelt – könnte das der Seele taugen?

*

Dort, wo an Dämmers Ufern Schilfe zittern, Lampions weißer Blüten auf den Wassern schweben, wo ein Herz, die blaue Knospe, in das Herz der roten blickt, dort …

 

 

Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=QioNzrN9wdI

 

Nov 17 18

Rituelle Handlungen – Begrüßung

Zwei Menschen gehen aufeinander zu und reichen sich die Hand, während sie ihre Hände schütteln, schauen sie sich lächelnd in die Augen.

Wenn wir diese (und ähnliche) Situationen genau beschreiben, können wir die Bedeutung des Begriffs einer rituellen Handlung verstehen.

Wir bemerken, daß dieselben Leute dieselbe Handlung des Händeschüttelns bei der Begrüßung und der Verabschiedung vollziehen. Wir sagen, einmal eröffnet die symbolische Handlung eine Situation (der Begegnung, des Gesprächs), einmal schließt sie die Situation ab.

Wir bemerken, daß die rituelle Eröffnung einer sozialen Situation einer sprachlichen Metapher ähnelt, insofern sie durch gleichsinnige oder gleichbedeutende Handlungen oder symbolische Sprechakte ersetzt werden kann. Ein Mann kann zur Begrüßung vor einem anderen den Hut ziehen (wenn Männer noch Hüte trügen) oder ein Mann kann einer Dame (wenn Frauen noch Damen wären und für ritterliche Gesten empfänglich) die Hand küssen.

Der Mann, der in der prallen Sonne seinen Hut lüftet, um sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn zu wischen, hat nichts Metaphorisches oder Rituelles im Sinn: Seine Handlung ist funktional bestimmt.

Die zeremonielle und rituelle Eröffnung einer Situation ist das Wahrnehmen, Ausloten und Überschreiten der sozialen Grenze, die durch den sozialen Status und die soziale Rolle der Beteiligten definiert wird.

Der Gastgeber ist gleichsam der Zeremonienmeister und stellt die eintreffenden Gäste einander vor, wobei dem Ehrengast oder den sozial höherstehenden Personen der Vortritt gebührt und eingeräumt wird: Sie werden als erste begrüßt und als letzte verabschiedet.

Das Wahrnehmen, Ausloten und Überschreiten sozialer Grenzen ist stets mit mehr oder weniger unterschwelligen Gefahren, Bedrohungen und Ängsten verknüpft, dies zeigt sich an den Sanktionen und Tabus, mit denen die rituellen Handlungen ihrer Überschreitung belegt zu werden pflegen.

Demjenigen, der sich uns gegenüber verleumderisch, betrügerisch oder sonstwie feindlich betragen hat, pflegen wir den Handschlag zu verweigern.

Mit der Verweigerung des Handschlags drücken wir ein Gefühl und eine Haltung der Angst und Bedrohung, des Mißtrauens oder Abscheus aus, zugleich können wir damit den Ausschluß des Betroffenen aus der von uns gebilligten oder erwünschten sozialen Nähe nicht nur bekunden, sondern bewirken.

Die Hand zu reichen, den Hut zu lüften, die Wangen oder die Hand zu küssen sind Weisen des Redens, ohne daß wir dafür den Mund auftun müßten.

Mit der Abgrenzung und Exklusivität des Kreises von Personen, die wir bestimmter ritueller und zeremonieller Formen der Bewillkommnung und Begrüßung für wert erachten, umgrenzen wir einen Mikrokosmos sozialer Gemeinschaft.

Es ist augenscheinlich, daß die rituellen Formen der Vergemeinschaftung auf biologischer Verwandtschaft fußen und sich aus dem intimen Kreis der Blutsverwandten nach und nach auf fernere Bereiche ausdehnen.

Aufgrund der Öffnung der Situation mittels ritueller Formen der Begrüßung lassen wir andere in unsere Nähe, und aus dieser Gunst nähren sich der soziale Rohstoff und das symbolische Kapital der Anerkennung.

Die heikelste, von uns unter allen Umständen mit Argusaugen beobachtete Grenze ist die osmotisch fluktuierende Oberfläche unseres eigenen Leibs. So scheuen wir alle Formen unvorhersehbarer Berührungen und Annäherungen und gestatten nur solchen Personen die Annäherung an unser zerbrechliches Gehäuse, denen wir vertrauen oder zumindest mit Fug und Recht unterstellen, keine feindseligen Absichten hegen, unser Wohlbefinden zu verstören und unsere Haut zu ritzen. Auf der anderen Seite drängt uns das natürliche Bedürfnis nach sanfter Umhüllung, Geborgenheit und intimer Entlastung und Entspannung von der Daseinsangst in die Nähe vertrauenswürdiger Freunde und geliebter Menschen.

Rituelle Handlungen wie die Begrüßung stehen im Kreuzungs- und Verdichtungspunkt dieser widerstrebenden, doch unaustilgbaren Tendenzen des menschlichen Lebens, sie müssen diese ausloten, austarieren und zumindest vorläufig zu einem fragilen Ausgleich bringen.

Wie instabil solch ein Gleichgewicht ist, zeigt der Gebrauch des Wortes als Waffe der Distanznahme. So wehrt sich der physisch oder soziale Schwächere, mag er von dem Überlegenen noch so unbefangen begrüßt worden sein, indem ihm gewisse ironische oder despektierliche und herabsetzende Bemerkungen während ihres Gesprächs entschlüpfen oder gekonnt lanciert werden, um sich auf diese Weise symbolisch seiner Haut zu wehren oder den nicht ganz geheuren Gast auf Abstand zu halten.

Wir kennen die zeremoniell ausgefeilten Begrüßungsrituale der Vögel wie der Störche, Kraniche und Reiher, die der Identifikation und Bewillkommnung des Geschlechtspartners und der Befestigung der Paarbindung dienen. Sie haben allerdings nicht jenen sprachförmigen Charakter der Begrüßungsrituale des Menschen, weil sie starr auf den jeweiligen Partner programmiert und nicht flexibel und intentional wie bei Menschen üblich auf die Genossen der jeweiligen Sippe oder des Schwarms übertragbar sind.

Die Ritualformen menschlichen Handelns variieren wie Idiolekte und Dialekte von Schicht zu Schicht im Sinne der sozialen Stratifikation und von Epoche zu Epoche im Sinne des sprachlichen Wandels. Die Begrüßungsrituale, die wir auf Stelen und Bildnissen des Altertums am Thronsessel des ägyptischen Pharaos oder des persischen Großkönigs und in den Basiliken und Audienzsälen der römisch-deutschen Kaiser wie auf den prachtvoll illuminierten Handschriften des frühen Mittelalters wahrnehmen, sind Ausdruck imperialer Herrschaft und der Devotion der unterworfenen Stämme, Völker und Nationen, die mit Geschenken und Tributzahlungen ihre Aufwartung machen.

Wie symbolisch einzigartig gewichtet ist die Begrüßung Mariens durch den Engel der Verkündigung, wie wir sie reich ausgeleuchtet und farbig ausgedeutet auf den Ikonen des Osten und den Gemälden der Renaissancemeister finden: Wie seltsam die bräutliche Bereitschaft einer Berührung durch das göttliche Wort, das zugleich sich als Taube und Strahl der Empfängnis und als Schwert der mütterlichen Passion darstellt, ohne daß die Magd des Herrn davor zurückschaudert.

Nicht jeder kann und will alle grüßen und nicht jeder kann und will von allen gegrüßt werden, die uniforme Gleichheit und vulgäre Universalität heben den exklusiven sozialen Sinn dieser wie jeder anderen rituellen Handlung auf. Würde ich von allen gegrüßt, welch ein aufdringliches Gewese, müßte ich alle grüßen, welch ein alle Distinktion und allen Charme der Zuvorkommenheit vernebelndes Getue!

Wir können und wollen nicht Hinz und Kunz grüßen und scheuen uns zurecht, dem Schmutzfink, dem Verleumder und dem Übelwollenden die Hand zu reichen.

Wenn wir von dem, an dessen Achtung und Aufmerksamkeit uns viel gelegen ist, von Gruß und Handschlag ausgeschlossen werden, spüren wir schmerzlich, wie uns eine Wurzel symbolischer Teilnahme aus der Mitte unserer Existenz gerissen wird.

Der Entzug und die Verweigerung des Grußes können ans Maß der Verachtung reichen, die wir auch am Niederschlagen des Blicks des einstigen Freundes, Gönners oder Geliebten erfahren.

Die Handreichung kann symbolisch und real am Leben erhalten, und der Blick kann symbolisch und real mit Hoffnung und Zuversicht nähren.

Welche Verwirrung, wenn wir tagträumend oder allzu kurzsichtig einen Unbekannten, in dem wir fälschlich einen Bekannten sehen, grüßen! Wie verstörend, wie beängstigend, wenn uns ein Fremder und gänzlich Unbekannter zudringlich lächelnd die Hand entgegenstreckt!

In der Art der Begrüßung kann sich ähnlich wie in der übertrieben höflichen, einschmeichelnden oder schamlos intimen Briefanrede ein mißlicher, schiefer und falscher Ton einschleichen, der uns verstört und voller Unbehagen zurückläßt.

Die Kunst des Betrügers, Schwindlers und Taschendiebs zeigt sich in der entwaffnenden Form seiner Begrüßung.

Er drückt uns warmherzig die Hand, mit der anderen zieht er unbemerkt die Geldbörse aus der Jacke.

Der den tiefsten Bückling macht – gleich schnellt er wie eine Kobra empor.

Hunde beschnuppern sich, wir müssen an Worten riechen, Schatten hinter Gesten wittern, uns in der Hermeneutik des Mienenspiels üben und bewähren.

Religiöse Verehrung drückt sich im Ritual der Begrüßung der Gottheit vor ihrem Bildnis aus, in dem die Gläubigen ihre Epiphanie gewahren, als habe sie sich soeben zu einer Audienz für die Auserwählten herabgelassen. So mußten die Untertanen der späten römischen Kaiser, die sich haben als Götter verehren lassen, ihr Standbild auf dem Forum grüßen.

Die Opfergabe des Kults ist eine Form des Grußes an den Gott.

Kain fühlte die Verachtung dessen, dem die Entgegennahme seines Grußes und seiner Gabe verweigert wurde, im niedergehenden Rauch der Opferflamme.

Das Spiel der Liebe bleibt unverständlich ohne die Rhetorik der Gruß- und Abschiedsformeln, der Willkommens- und Heimwink-Gesten. Welch hübsche Gaben, welch anmutige Geschenke, die zu den bewährten Requisiten des alten Schauspiels gehören!

Der Rang seiner sozialen Stellung ermächtigt den Würdenträger, die ihn grüßenden oder an einer Audienz teilnehmenden Gäste sitzend zu begrüßen, während die Niederrangigen bei der rituellen Handlung zur Bezeugung ihrer Ehrerbietung zu stehen pflegen.

Dagegen hat Christus den Jüngern die Füße gewaschen, was nach orientalischem Brauch die eingeladenen Gäste gewöhnlich vor der Begrüßungszeremonie taten. Doch hat er sie als Höherrangiger, zwar nach anfänglichem Zögern und Sträuben der Musterschüler, nicht beschämt, sondern paradoxerweise erhöht.

Die Verflechtung von Rangmarkierungen und hierarchischen Distinktionen in die scheinbar einfache rituelle Begrüßungshandlung kann nur auf Kosten des Verblassens ihrer sozialen Wirksamkeit ausgefranst und geglättet werden.

Der Lehrling, der vor dem Meister, der Schüler, der vor dem Lehrer zur Begrüßung nicht aufsteht und seinen Gruß erbötig erwidert, wird von ihm keine Lehre annehmen.

Der dem Zen-Schüler willkommenste Gruß ist der Stock, mit dem der Meister ihn zum Erwachen auf die Schulter schlägt.

Die Begrüßung des Auditoriums durch den Redner eröffnet die soziale Situation, indem sie die Aufmerksamkeit auf denjenigen zieht, dem sie gebührt, falls seine Ausführungen halten, was er ankündigt.

Die pubertäre Neurose äußert sich gern in der Verweigerung des Grüßens; die paranoide Psychose darin, es unmöglich zu machen, gegrüßt zu werden, wenn der Schizophrene glaubt, durch eine entstellende Maske seines Gesichts und Mienenspiels für die Umwelt unerkennbar geworden zu sein.

Das gemeinschaftliche Leben ist nicht nur durch Sprechakte wie das Befehlen, Anweisen, Empfehlen, Fragen oder Versprechen konstituiert, sondern auch durch leiblich ausgeprägte rituelle Handlungen, die das sprachliche Verhalten begleiten oder metaphorisch ersetzen, wie das Aufstehen, Sichverbeugen, Zurückstehen, Händeschütteln, Auf-die-Wange-Küssen oder das Hutlüpfen.

Welche Verwirrung der Geschlechtermoral, wenn einem Mann, der einer Frau zur Begrüßung die Hand küßt oder gar den Vortritt läßt und die Tür öffnet, mit Argwohn begegnet wird, ja ihm niederträchtige Bestrebungen unterstellt werden!

Den Hut vor Nachbars Hund zu lüften scheint uns kein gelungenes Höflichkeitsritual zu sein, weil das Tier in unserer kulturellen Gemeinschaft nicht als Gegenstand von Höflichkeitsbezeigungen und verehrenden Gesten gilt. Wir können uns aber vielleicht kulturelle Umgebungen vorstellen, in denen das anders wäre.

Rituelle Handlungen wie die zeremonielle Begrüßung sind performative Sprechakte, auch wenn sie stumm verlaufen, sie können, wie John L. Austin gezeigt hat, nicht wahr oder falsch, sondern nur angemessen oder unangemessen sein, gelingen oder mißlingen.

Rituelle Handlungen können nicht wie deskriptive Sprechakte als Beschreibungen von mentalen Zuständen aufgefaßt oder verneint werden.

Begrüßungen können mißlingen, wenn der Gegrüßte den Gruß nicht annimmt, sie können von allen möglichen mentalen Zuständen und Gefühlen wie Freude oder Unbehagen, Wohlwollen oder Widerwillen begleitet werden, ohne daß sie mißlängen. Grüßen wir einen Menschen, den wir mit unserem Freund verwechseln, wird der Gruß nicht ungültig und unwahr, sondern verfehlt seinen Sinn oder wird vereitelt.

Die rituelle Handlung der Begrüßung mag ihre Kostüme von Epoche zu Epoche wechseln, doch der sie aufsetzt, der Geist der Gemeinschaft, hält unbeirrbar an ihr fest, solange es Menschen gibt, die sich begegnen und ihre Zugehörigkeit einander symbolisch zum Ausdruck bringen.

 

 

Nov 16 18

Der Schalk

Dem triefäugigen Prälaten, der predigend die schlaff gefalteten Hände auf dem dicken Schmerbauch kreuzt, von tiefen Seufzern werden sie gewiegt, schaut er flugs links und rechts, manchmal gleichzeitig, mit grinsendem Mondgesicht über die Schulter.

*

Den im Park Schulter an Schulter gehenden Beiden läuft er, mit einem Tutu-Kleidchen der Sylphide über nacktem Hintern, er reicht ihnen gerade bis zum Knie, geschwind, wenn er sich eben über sie beugt und sie mit halb geschlossenen Augen ihm die leuchtende Frucht ihres Munds entgegenstreckt, wie ein Eichhörnchen zwischen die Beine, sodaß er stolpert und sie unwillkürlich in die bebende Lippe beißt.

*

Der große Gelehrte wirft sich, die Brauen hochgezogen, die Augen ins erregte Dunkel der Zuhörermasse funkelnd, wie auf einem Wasserski tänzelnd auf die schäumende Kaskade seiner Redekadenz, und hält unter einem Würgen inne, der kleine Schalk hat gerade unter dem Katheder ein großes Geschäft verrichtet, das gen Himmel stinkt, und bricht „Pfui, Teufel“ rufend plötzlich ab.

*

Der Schalk schmuggelt Briefe in die Tasche des Postboten, die er nichtsahnend und geflissentlich in die Kästen wirft. So erhält der Jäger einen Brief von einem Rehkitz, das seine Trauer über den waidwunden Zustand seiner lieben Mutter, des Jägers böse Flinte war dran schuld, hufebrechend bejammert, ein vergilbtes Lindenblatt liegt als Zeugnis bei, so bekommt der vereinsamte Poeten-Grauschopf ein rosa Briefchen von einer fernen Verehrerin aus Isfahan, das nur aus an- und bezüglichen Zitaten seiner Gedichte besteht, eine augenscheinlich gefärbte, aber süßlichen Duft verströmende Locke liegt als Epilog bei.

*

Der Reime-Schalk läuft als winzige Poesie-Ameise (formicida poetica) in die Verse-Furchen des verdutzten Dichters und schleppt wie die Ameise ihre kleinen Blätter und Nadeln und Beeren kleine Buchstaben und Silben und Wörter heran, da und dort läßt er sie fallen, da und dort hebt er sie wieder auf und zieht zum Verdruß des Schreibers unerbittlich seiner Wege. Gravitätisch setzt der Dichter das Groß-Wort „Würde“ ans Zeilenende, der Schalk wuchtet darunter ein „Hürde“, der Dichter kann zusehen, wie er sie nimmt; fidel gönnt sich der Poet einen „Kuß“, schon stemmt der Schalk den harzigen Balken „Schluß“ darunter, und der Dichter kann zusehen, wie er das seiner Angedichteten unterjubelt. Der hymnisch gestimmte Poeta doctus läßt „Blitze“ auf die dumpfe Menschheit niedergehen, der Reime-Schalk zerknistert den anbrausenden Donner in trockene „Witze“.

*

Der Nachtmahr-Schalk, kaum weht im lauen Wind der Sommernacht vor offnem Fenster die Gardine, fliegt, doch lautlos wie die Fledermaus, mit seinen schwarzen Flügeln aus Samt und von Purpursaft durchflossener Haut, fliegt und kreist um das von warmen Beinen aufgewühlte Bett, landet kunstgerecht auf dem hochgereckten Knie der entblößt schimmernden Schönen. Er leckt sich die Lippen rot mit einer vipernharten Doppelzunge, rutscht langsam wie ein Seufzer auf dem Fleisch der Schenkel herab und zieht die trockene Alraune seines dunklen Leibes höher, höher, bis er auf dem wogenden Kamm der Brüste hockt. Was hebt er dort zu schnalzen an, zu keckern und zu mauzen? Wer mag es wissen, nicht einmal die Schöne, die sich unter dem Albgelalle solcher Schalke öfters windet, kann es uns erzählen, denn der kesse Strahl der Sonne hat sie schon wachgekitzelt und benommen schaut sie in den veilchenblauen Tag.

*

Wer ist denn der mit dem Schlapphut, woran Fasanenfedern wippen, dem weißem Künstlerschal, den er sich gern salopp um die Schulter schlägt, dem blauseidenen, engen Beinkleid und den blitzenden Lackschuhen, die so nachdrücklich und geradezu obszön auf den Theaterbrettern knarzen? Ah, es ist der Gottes-Schalk, der wahre Sohn des ewigen Vaters, der ihm als ein Schatten und Doppelgänger während des großen Schauspiels folgt auf Schritt und Tritt. Und sagt jener feierlich „Es werde Licht“, kontert „Mir nicht, mir nicht!“, kündet jener „Mehret euch zu meiner Wonne!“, mit spitzem Munde lispelt „Verwest, ihr Würmchen, unter meiner Sonne!“, und wieder auf das hohe Wort „Ich sende Propheten und den Sohn, daß er es schlichte“ das gemeine hinwirft „Ich sorge dafür, daß man sie alle richte“, und breitet jener die Arme väterlich „Ich lade die Reinen in mein Paradies ohne Tod und Leid“, hebt dieser den Frack hinterrücks und furzt über die Rampe hin: „Mit diesem Duftausweis kommen sie wohl nicht so weit“. So spielen sie, Gott und sein Schalk, die göttliche Komödie von der Zeit, da sich der Vorhang hob, bis zur späten Mitternachtsstunde, wenn er sich senkt, vor einem sich mehr und mehr lichtenden Publikum, der Rest kam nicht mehr hoch, weil er längst vor Langeweile eingeschlafen ist.

 

Nov 15 18

Glocken in der Nacht

Philosophische Sentenzen und Aphorismen zur Sprache und zur Sprache der Dichtung

Wir können uns in der Sprache nicht völlig unverdeckt und entblößt entgegentreten.

Können wir es denn überhaupt? Nicht einmal die nackt im Bett Lippe an Lippe, Herz an Herz einander gehörenden Liebenden sind ganz entblößt – und wenn sie sich ihre Liebe gestehen, ist dies ein Echo aus weiter Ferne und tiefer Vergangenheit.

Durchscheinend klare Worte wie „Ich bin spät dran“ oder „Dort kommt unser Freund Peter“ sind transparent auf ihren Sinn nur dank der Umstände ihrer Äußerung.

Was sollen wir sagen, wenn einer auf der faulen Haut liegt und sagt, er sei spät dran?

Manche Kleidungsstücke kaschieren einen körperlichen Makel wie Flecken oder unreine Haut oder Beulen. Ähnlich gewissen Floskeln, die unter dem Schleier höflicher Gesten Langeweile, Überdruß und Widerwillen verbergen.

Füllsel wie „Ich würde meinen“, „quasi“ oder „gleichsam“ suchen vergebens ein Loch im Gedanken zu stopfen.

Der Mensch der Phrase tut es nicht ohne große Worte und gespreizte Begriffe wie „Fortschritt“, „Menschlichkeit“, „das ganz Andere“ oder „das Fremde“.

Die gedanklichen Lücken, die hier klaffen, sind dunkler als das gähnende Maul eines Nilpferds – und stinken nicht weniger übel.

Wortduft, versprüht, um den Gestank der Verwesung zu betrügen.

Der geistreiche Blender, der zur Verblüffung des Publikums schillernde Luftschlangen aus dem Nebel des Diffusen über die Köpfe wirft.

Worte, die den warmen Stallgeruch des Bekenntnisses verströmen.

Was da stinkt, rinnt aus der Angst, falsch verstanden oder besser: richtig verstanden zu werden.

Gleich schreien sie zwei, drei wohlbekannte Namen daher, um sich auszuweisen und nicht verhaftet zu werden.

Der Wahrheitszeuge, der den Scharfrichter mit einem Witz bei seinem witzlosen Geschäft erheitert.

Wer ständig vom Guten im Menschen faselt, hat etwas auf dem Kerbholz.

Vor der Illusion des Sinnenfälligen im zeitlichen Wandel der Kostüme und Masken ist selbst der nüchternste Historiker nicht gefeit.

Was die Menge oftmals laut schreit, muß, folgert Till Eulenspiegel, wahr sein.

Die größten Geister schrieben die größten Werke unter der Zensur.

Wenn der Sieger dem besiegten Volk seine Regierungsform und Sittlichkeit aufzwingt, erklingen in Bälde die Elogen und Hymnen der feigsten und devotesten Dichterlinge.

Warum sollte die Republik höherwertig und edler sein als die Monarchie oder die Adelsherrschaft, wenn die eine von einem minderen Kometen wie Heine ephemerisch angesprüht, die andere von einem Zentralgestirn wie Goethe überstrahlt wurde?

Die Schüler der Kritischen Theorie, also die nicht gerade hellsten und begnadetsten Köpfe, haben sie mundgerecht verwässert und fabrikmäßig in Flaschen abgefüllt, die heute in den Feuilletonredaktionen als kostenloses Erfrischungsgetränk herumstehen.

Nein, sie lernen nicht mehr Latein, aber Respekt, doch nicht vor der Größe eines Horaz und Vergil, sondern vor der eigenen Gemeinheit.

Bei den vielen erhält der Mund seine Botschaften unmittelbar vom Unterleib. Es ist bei diesem dunklen, doch reibungslosen Austausch verwunderlich, weshalb das zur Stummheit verurteilte Herz so lange weiterschlägt.

Psychoanalyse – der ins Dunkel eines freudlosen Arsches gesteckte Gelehrtenkopf.

So viele Typen von Gemeinschaft in ihrem Tun und Lassen, ihrem Werken und Müßiggang, so viele Arten von Moral. Wie trist und öde und auf Dauer unfruchtbar ist auch auf diesem Felde die Monokultur, vor allem die staatlich verordnete.

Die verhängnisvollsten nächtlichen Chimären des Immanuel Kant: die im Schnürkorsett des kategorischen Imperativs schwer atmende Kokotte und der aufgrund der Amputation beider Beine auf der Stammtischeckbank angewurzelte und sich um sein Gedächtnis saufende Anstand des Biedermannes.

Philosophen, die nur eine fixe Idee im Kopf haben und sich damit Beulen an der Mauer des Realen holen, verdienen Mitleid oder Gelächter.

Warum sollte die Menschheit sich entwickeln, womöglich zu höherer Moral oder mit samtpfotig hochgemendelter Hand an Paradiesespforten klopfen? Ist sie ein Rosenstock, der eifrig und sorgsam begossen und gestutzt werden muß? Ist sie ein Hündchen, das nach guter Dressur artig Männchen macht?

Von diesem falschen Sprachbild der Pflanze und des organischen Wachstums datiert eine abstruse Geschichtsphilosophie und Legendenindustrie von Rousseau bis Kant, von Herder bis Hegel (und leider weit darüber hinaus), ja am Ende der verfehlte Begriff der Menschheit selbst.

Und jene Gärtner und Dresseure, wo kommen sie her? Es müssen Ausnahmemenschen sein, Propheten und Messiasse, ob mit Weihrauchschwengel oder Maschinengewehr, einerlei, Hauptsache sie vernebeln den nüchternen Alltagsverstand oder ziehen Stacheldraht um die unbelehrbar Renitenten, die nicht an das Erlösungswerk glauben und von den Erregungswellen der Massenpsychose ans öde Ufer ihres geschichtsphilosophischen Ennui ausgespien wurden.

Sollen die Zwerge und Kinder der sentimentalen Lüge das ewig brausende Meer der Wahrheit mit Nußschalen und Eimerchen ausschöpfen!

Freilich, die Geschichte, wenn sie nicht die Maus der Historiographie ist, die sich durch den Staub der Akten und Archive wühlt, ist Legende, und eine Gemeinschaft, ein Volk, eine Nation ist frei, wenn sie denn frei und ihre Sprachbildner souverän sind, sich seine eigene zu bilden und immer neu zu erzählen.

Die bedeutendste und geistreichste Metapher, die Dichtergeist sich fand, ist das schlichte Bild von Tag und Nacht mit ihren Übergängen von Morgen und Abend, mit der schattenlos-panischen Stille unter dem Zenit der Sonne und dem langsamen Gleiten des Nachmittags in Wassern und Wolken, unerschöpflich ist die Sinnfülle von Morgen und Abend mit den erwachenden Geräuschen der Frühe und den dämmernden Schatten, die wie eine Laube sich um die blaue Stunde wölben. Unerschöpflich ist die Sinntiefe der Nacht und der in ihr mit dem Tode ringenden Hoffnung, der es manchmal vergönnt ist, am Rande des dunklen Horizonts die leise bebende Lippe eines neuen Sagens zu erblicken.

Die abendländische Poesie ist darum so reich, weil sie von Theokrit bis Goethe und Mörike, von Pindar bis Hölderlin und Trakl, und von Sappho bis Novalis und Hofmannsthal das schlichte Bild vom Leben und Sterben des Tags in ihre individuelle Landschaft und ihre Jahreszeiten einzuweben vermochte, vom Tropfen des Schweigens an mediterranen Rosen über die Lerche und die Nachtigall im Tagelied bis zu den Rosen des Schnees auf fernen Gipfeln der Alpen.

Narren, die ihre Kleider wegwerfen und sich nackt dünken.

Der Duft der sapphischen Verse spricht noch aus unseren Rosen.

Was der Styx dem erschrockenen Ohr des Äneas flüsterte, singt noch in unserem Blut.

Sehende Finger der Metapher, die an der Schläfe der schlummernden Geliebten das leise Klopfen des Pulses ertasten.

Den Staub, den sie für Pollen halten, streuen sie dir mutwillig und schamlos ins Gesicht.

Expressionismus – der sterbenden Geliebten Mohn in den Mund stopfen.

In der tiefsten Nacht fern ein Glockenläuten, und nicht wissen, ist es für einen Toten, gilt es neu erwachtem Leben.

 

Nov 15 18

Jean-Yves Masson, Cette patrie que nous cherchions

Aus: Offrandes, Voix d’encre

Cette patrie que nous cherchions, la voici sombre
tout à coup, dans la violence inhabituelle du soir
qui lève de grandes mains violettes sur la nuit,
dans cet enchantement de serres où tu t’endors,
multiple dieu mêlé aux racines, aux ronces,
où couve un feu pour de futures renaissances ;

et là-haut des vaisseaux aux voiles de vapeurs
brillantes en traçant sillonneront le ciel
jusqu’à la nuit, dans la musique imaginaire
des étoiles naissantes, l’accord des sphères,
ô monde encore à naître et jamais né.

Et moi dans cette nuit qui tremble, amour, et monte
autour de moi, j’élève vers mon front les mains,
je sens battre le sang à mes tempes, j’écoute
la rumeur de la vie dans mon corps double et noir,

et des arborescences d’outre-monde
peuplent le rêve où je m’enfuis vers les forêts,
sur le chemin silencieux de mon éveil.
Les dieux ne content plus de légendes à mon sommeil.

Certes, je me souviens de vous, dieux oublieux !
Je me souviens de la fontaine et du sommeil qui s’élevait
de l’eau d’oubli à quoi je ne voulais pas boire,
où mon image me tentait.

Dieux incertains, vos mains se sont pourtant tendues vers moi,
et vos visages se penchaient dans l’air du soir, une lune
passait dans le ciel, des arbres noirs
montaient les voix silencieuses de la sève :

terre que vous m’aviez donnée ! voici perdue
cette origine, et cette voix puissante de chimère
qui montait et parlait à l’oreille et brûlait
les mots de la présence un à un dans l’orage
avec terreur, voici la lampe éteinte, et ces mensonges
à jamais dissipés que nous appelions gloire
ou louange, ou puissance, et je me tiens
sous un cèdre dans l’ombre et les larmes, et j’attends.

 

Das wir suchten, dies Vaterland, wird plötzlich
dunkel unter der ungewohnten Gewalt des Abends,
der große violette Hände zur Nacht hin reckt,
in der Verwunschenheit des Gewächshauses, wo du einschläfst,
vielgestaltiger Gott, im Gewirr von Wurzeln, unter Brombeersträuchern,
wo ein Feuer schwelt nach kommenden Wiedergeburten;

und dort droben Schiffe mit Segeln schimmernd von
Dampf, die ihre Furchen durch den Himmel ziehen,
bis in der Nacht aus der Musik der Imagination
Sterne entstehen und die Harmonie der Sphären,
o Welt, die ungeborene, einmal geboren werde.

Und ich in dieser Nacht, die zittert, Liebe, und wächst
um mich, ich taste nach der Stirn mit Händen,
ich fühle, wie das Blut mir in den Schläfen pocht, ich höre
das Leben flüstern in meinem Körper, dem dunklen Doppelgänger,

und Schattenzweige aus der Jenseits-Welt
bevölkern den Traum, in dem ich in die Wälder fliehe,
auf dem stillen Pfade meines Erwachens.
Die Götter erzählen keine Legenden mehr für meinen Schlaf.

Gewiss, ich erinnere mich an euch, vergessene Götter!
Ich erinnere mich der Quelle und des Schlummers, der aus dem Wasser
des Vergessens steigt, aus dem ich nicht trinken wollte,
auf dem mein Gesicht mich in Versuchung brachte.

Ungewisse Götter, und doch schweben eure Hände über mir,
und eure Gesichter neigen sich in den Wind des Abends, ein Mond
zieht durch den Himmel, die dunklen Bäume
erheben die stummen Stimmen ihrer Säfte:

Erde, die ihr mir geschenkt, verloren ist er nun,
der Ursprung, und die Stimme, mächtig von Chimären,
sie steigt im Ohr und redet und entzündet
die Worte der Gegenwart eins ums andere voll Schrecken
ins Gewitter, erloschen ist sie nun, die Lampe, und diese Lügen
wurden nie zerstreut, die Ruhm wir nannten
und Lobpreis und Macht, ich stehe
im Schatten unter einer Zeder und in Tränen und ich warte.

 

Nov 14 18

Liedes bunter Ball

Ausgespien von dunklen
Wogen dunklen Traums,
kleine weiße Muschel.

Zwängend aus der Asphalt-
ritze Lächeln scheu,
kleine Butterblume.

Leicht am Faden schwebend
ihres dunklen Selbst,
kleine schwarze Spinne.

Schrill im Käfig pickend
fremdes Spiegelbild,
kleiner Wellensittich.

Auf und ab sich werfend
Liedes bunten Ball,
kleines Menschenkind.

 

Nov 14 18

Lallen lichter Tropfen

Versprühen
im Schweife des Kometen,
im Lallen lichter Tropfen.

Die fahle Hand des Winds,
die aus den müden Köpfen des Mohns
die schwarze Botschaft schüttelt –

das bacchische Trommeln des Regens
auf dumpfen Schädeln
von Kürbis und Melonen –

die aus der Ballung der Dunkelheit
entfliegende Saat kalter Funken,
die aufblüht als süßes Weh –

Versprühen
im Schweife des Kometen,
im Lallen lichter Tropfen.

 

Nov 14 18

Jean-Yves Masson, Ah, maintenant, emmène-moi

Aus: Offrandes, Voix d’encre

Ah, maintenant, emmène-moi. Tout est sommeil.
Emmène-moi parmi les fleurs phosphorescentes
d’un jardin de désir et d’ombre, frère d’air,

emmène-moi vers de lointaines villes déclinantes
où nous arriverons très tard, de vieilles femmes
dans la chaleur des pas de portes regarderont
passer nos ombres, les murs répéteront nos pas −

oui, ce sera très tard, mais temps encore ; nous serons
comme des enfants pris en faute, qui ont joué dans l’herbe
trop longtemps, ou se sont égarés dans la forêt,
et nous aurons les mains pleines de cendre
sans nous être penchés vers aucun feu, et près de l’âtre
− qui attendra, dans l’ombre, notre venue ? −
nous prononcerons une parole mortelle,
ne sachant ni faire silence ; ni rêver notre rédemption,

et ce sera comme après un très long voyage,
car peu importe la croyance au dernier jour,
quand les paupières étonnées ne se lèvent
ni ne se ferment plus sur le désir du monde ancien −

et quelqu’un nous dira peut-être : Venez, asseyez-vous,
ce n’est pas ici la patrie, il faut attendre,
l’hôte même n’est pas encore arrivé.

On nous dira ce que nous ne comprenons pas encore,
tandis que nous verrons venir nos amis un à un
prendre place à la table pour le banquet :
la lumière est un cercle ; elle est le temps ;
le feu ne détruit pas le monde, il l’accomplit ;
et d’autres choses de ce genre, mais je crois
que nous ne verrons pas le visage de l’hôte,
et nous verrons que le destin des dieux est de mourir,
que leur sommeil est une offrande, et nous serons
plus libre d’être et de retourner vers le monde,
sachant que le mystère est ce qu’on peut toucher des mains.

 

Ach, führe mich nun fort. Alles ist Schlaf.
Führe mich unter das Irrlicht der Blumen
in einen Garten von Sehnsucht und Schatten, Bruder der Luft,

führe mich zu fernen Städten, die untergehen,
wo wir spät hingelangen, alte Frauen
auf der Glut der Türschwellen den Vorübergang
unserer Schatten betrachten, unsre Schritte von den Mauern widerhallen –

ja, es wird sehr spät, doch noch ist Zeit; wir werden
ertappt wie Kinder, die zu lang im Gras
gespielt oder sich im Wald verirrt haben,
und werden die Hände voll Asche haben,
und beugten uns doch über kein Feuer, und nahe beim Herd –
wer wird, im Schatten, auf unsere Ankunft warten?
Wir werden ein Wort, ein sterbliches, sagen,
können nicht schweigen, nicht unsre Erlösung träumen,

und es wird sein wie nach einer sehr langen Reise,
da der Glaube an den letzten Tag wenig zählt,
wenn die Augenlider sich im Staunen nicht öffnen,
nicht sich wieder schließen vor Sehnsucht nach der alten Welt –

und einer sagt uns vielleicht: Kommt, setzt euch hin,
dies hier ist nicht das Vaterland, ihr müßt warten,
der Gastgeber ist noch nicht angekommen
.

Man sagt uns Dinge, die wir noch nicht verstehen,
während wir sehen, wie unsere Freunde einer nach
dem anderen am Tisch des Festmahls Platz nehmen:
Das Licht ist ein Kreis; es ist die Zeit;
das Feuer vernichtet die Welt nicht, es vollendet sie;
und andere Dinge dieser Art, doch glaube ich,
wir werden das Gesicht des Hausherrn nicht erblicken
und sehen, daß der Götter Bestimmung ist zu sterben,
ihr Schlaf sich hingibt als Opfer und wir freier
sein werden zu sein und zur Welt zurückzukehren,
im Wissen: Das Geheimnis ist mit Händen zu greifen.

 

Nov 13 18

Mein Herz, das Blatt

Du sei der Teich,
dunkel und still,
mein Herz das Blatt,
ädrig und falb,
und trudelt so sacht
aufs Wasser hinab.

Wer hat vom Zweig
es herabgeschüttelt,
und sank betört
aufs Wasser hinab?

Es war der Wind,
der launische Wind.

Du sei das Moos,
seufzend und weich,
mein Herz der Tau,
zitternd und hell,
und rinnt so stumm
in sinngrüne Nacht.

Wer hat vom Zweig
ihn herabgeschüttelt,
und fiel verzückt
zur Erde hinab?

Es war der Wind,
der launische Wind.

 

Nov 13 18

Heb mich ins Blau deiner Blicke

Da war ein Schatten, der rauschte,
und es war dein Haar.
Da war ein Feuer, das sang,
und es war dein Mund.

Wickel mich in dein Rauschen,
verzehr mich mit deinem Gesang.

Da war ein Dunkel voll Flocken,
und es war dein Schweigen.
Da war ein Dunkel voll Tropfen,
und es war dein Flüstern.

Deck mich zu mit deinem Schnee,
hell mich auf mit deinem Tau.

Da war ein Morgen, der blitzte,
und es war dein Auge.
Da war ein Abend, der weinte,
und es war dein Schoß.

Heb mich ins Blau deiner Blicke,
tauch mich ins Meer deiner Seufzer.

 

Nov 13 18

Jean-Yves Masson, Cette folle rumeur

Aus: Neuvains du sommeil et de la sagesse

Cette folle rumeur qui me vient de l’enfance
et dort au fond de moi toute d’ombre et de nuit,
c’est la douce chanson de mon pays d’absence.

Et toi grand sommeil noir qui guettes sous les branches
et rampant sur le lierre t’endors près du vieux puits,
sang invisible dans les veines de la terre

tu bats encore dans ces mots que je rassemble
et tisse l’un à l’autre avant que tu ne viennes,
avant que l’aube nue me dépouille de moi.

 

Dies irre Flüstern, mir aus der Kindheit quellend,
und schläft in meinem Grund, aus Schatten ganz und Nacht,
ist süßen Liedes Widerhall aus meinem fernen Land.

Du tiefer dunkler Schlaf, der aus den Zweigen späht
und über den Efeu kriecht, du schlummerst nah beim alten Brunnen ein,
Blut, unsichtbar in der Erde Venen,

du klopfst in diesen Worten noch, die ich aufraffe
und verwebe eins ins andre, bevor du auftauchst,
bevor das nackte Morgenrot mich meiner selbst entblättert.

 



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