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Sep 25 17

Der Aufflug der Klage

Alkäische Strophe
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Mir ist, als rauschten Wipfel gewiegten Psalms
des Lebens Sinn durchatmeter uns voraus,
und die aus ihnen glänzend rinnen,
seien hochsinnigen Leides Tränen.

Wie groß die Nacht, und flehend aus dunklem Schoß
des Urlichts ferne Augen, die lidlos nie-
mals schlafen, unser immer harren,
ob wir gedenken an sie, die Ahnen.

Doch Nahes ist uns lieber, wenn Duft verströmt
der Nachtviole rötlich geschäumter Kelch,
die Beere tropft dem Munde Stille.
Spiegel der Sehnsucht erwachten Wassers.

Das Liebste sagt uns aber bemooster Quell,
wo Andacht grünt bei Kreuzes geschwärztem Holz,
es sei die Klage geflattert hoch mit
Schwänen, venedisches Gold zu schauen.

 

Sep 24 17

Das Herz in den Aschen

Alkäische Strophe
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Durchs Tal des Tages ging ich, durch Waldes Nacht,
die Feuer, die Lüfte wirbelten Leben auf,
es glomm ein Herz geheim in Aschen.
Mißwuchs der Menschen, Verwirrung, maßlos,

entsetzte mich. Und doch war die Träne mir
gegönnt, wenn mich kindlicher Güte Schein,
dein Augenwasser mich umglänzte,
auftauchend war ich mir unverloren.

Nur Nächte waren tödlicher schweigend mir
als blauer Flieder singenden Morgenlichts
und goldnen Lieds gewiegte Nester,
Sonnengeflecht vor der Zeit entflochten.

Doch ist der Geist in keine Gestalt gebannt,
die enge Hülse streift längst entrückt er ab.
So hebt mich über meine Gräber,
feurige Engel, o hebt mich wieder.

 

Sep 23 17

Das Verstummen der Hymnen

Alkäische Strophe
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Wie Geisterflocken fallen die Hymnen auf
die weite Ödnis schmutzigen Schnees herab.
Kein Herz ward ihnen Kelch. Wie Totholz
ragt in die taubstumme Nacht der Kirchturm.

Den Nebel fahlen Lallens zerstäubt der Herr,
der Stern der hohen Gleichgültigkeit, schon bald,
er gründet Reiche fern der Menschen,
Gärten des schweigend erblühten Lebens.

Mag sein, die Engel singen sie noch ins Nie-
mandsblau, doch ihre Fittiche beben nicht,
erglänzen nicht mehr über unsren
grämlichen Winken auf kahlen Schwellen.

Im Spinnenweb des Abendlichts glitzern kalt
die Tränen, ungeküßt schied Ophelia,
und unbestäubt versinkt des Mundes
Blume in Wassern der Urnacht wieder.

 

Sep 23 17

Flaum der Sommernacht

Alkäische Strophe
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Wenn vager Küsse Tropfen ins Dunkel haucht
die Dämmerung, der Vogel der Nacht schon klagt,
sein Rufen aber weckt mir jählings
hellere Nächte herauf, umflockte,

als weiße Samenfäden das Gras entsandt
ans Ufer des Sees, sie flirrten im Haar dir nach,
der Locken sanften Wehmutflammen,
seufzten die Wellen im Traum nach Blüten.

Ein weißer Schwan schwebender Anmut schwamm
aus Schilfen aufgeblätterten Schlafs uns ans
erschrockne Herz der Wildnis Hoheit,
Schaum auf dem Wasser blieb unser Zeichen.

Wo ging mein Sommer hin, und der helle Flaum
der Sommernacht, verschluckte ihn trüber Tang?
Wie Tropfen wurden Dunst die Küsse,
freudlos gewahr ich des Teiches Schwäne.

 

Sep 22 17

Wo die Pfade münden

Alkäische Strophe
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Wo unsre Pfade münden, da wacht ein Stein,
und was wir sagen, fällt uns wie Spreu vom Mund,
wie Blüten, hingestreut am Wegrand,
keinen der Engel erbarmt ihr Blassen.

Woraus wir zehren, Kindheit verstummt und blickt
uns traurig an mit bettelnden Augen, doch
wir finden ihr nicht Liedes Honig,
keinen Geschmack in den leeren Töpfen

von Himbeermarmelade, von Zwetschgenmus,
und den wir liebten, Flieders entrückter Duft,
erstickten asphaltierte Höfe.
Stumm sind die Glocken des weißen Sonntags.

Verwaist im Hauch des eigenen Worts erstirbt
dem Leib voraus die keine Geschwister fand,
die Seele, vor Durst nach Augen, Tränen,
Augen, die einmal sie spiegeln, lächelnd.

 

Sep 21 17

Bretonischer Strand, einst

Alkäische Strophe
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Wie leuchtet fern Bretoniens leerer Strand,
das weiße Lid der Brandung, es schließt sich nie,
am Strandkorb zerren hündisch Winde,
dort der verlassene Tisch, die schlanken

Pokale ausgetrunkenen Perlweins, die
Zitrone, aufgeschnittene Sonne, hat
noch zwei, drei Tropfen träge Schimmer.
Dämmernde Blüten in stillen Schalen.

Weit draußen, albhaft, spukt wie auf Ebenholz
ein grünes Licht, es schwebt ein Phantom darauf,
ein weißes Schiff mit Kurs nach Dublin
oder Amerika, ungeheuer

des Meeres Tiefen, wer aber lotet mit
dem Senkblei bloßer Worte die Seele aus,
doch öffnet roter Schaum die Muscheln,
schlichtes bretonisches Lied enthüllt sie.

 

Sep 20 17

Unterm Gespenst des Monds

Alkäische Strophe
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Was uns zu eigen, sickert im Regen mit,
der Herbst hat gut gemäht, und im Winterwind
fliegt auf der Brief vergilbter Wünsche,
unsere Stimmen verschlucken Flocken.

Das Laub klirrt ohne Seele, gestürzt der Trog,
worin verwelkte Blätter dem Wasserfloh
zu Inseln dienten, ausgetrocknet
starren Hortensien, duftlos Rosen.

Die Träume gären süßliches Gift im Aas,
die Steine glänzen nackt wie geschabter Sinn,
und hinter Nebeln wartet niemand,
niemand betritt die verhärmte Schwelle.

Quillt spät am Abend unter dem Mondgespenst
kein Hauch, kein Lied den Liebenden mehr wie Wein,
hebt mitternachts ans Veilchenufer
Sterbende keiner der Engel, keiner?

 

Sep 19 17

Goldene Fäden

Alkäische Strophe
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Wie goldne Fäden zittert das frühe Licht,
ein Hauch von Grau und Rosa verrinnt, verdampft
aus Mulden unbegangner Wege,
Wege, gebahnt von der Nacht der Blitze.

Schon glotzen froschig Augen aus seichtem Naß
der ersten Schauer, wecken sich Ruf um Ruf
umfiedert Schnäbel, haarig Mäuler,
Lügen zerplatzen, das Leben laust sich.

Der Himmel gießt sein Lächeln ins Blau und schweigt,
er reizt die Quellen schäumender seinem Schlaf
zu singen, lockt auf Berge Menschen,
Steine zu schichten um hohe Bilder,

viel größer als sie selbst, und der grünen Flut
um ihre kleinen Inseln die Rosen hin-
zustreuen, dunkler Ahnung Augen.
Selige Wesen erfreut ihr Glühen.

 

Sep 18 17

Wolke und Stachel

Alkäische Strophe
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Wie Zirruswolken wandern vorm blauen Taft
des Abends, säumend, stiller als unser Herz,
und rötlich blüht ihr Saum, wie schmale
Lippen, erglühend in Abschiedsküssen,

so ziehen manchmal atmende Aschen stumm
in schwermutschwarzen Fenstern an uns vorbei,
es flattern vager Vögel Schatten,
lassen gesanglos zurück die müden.

Wie Kindern, strömt die Kühle des frühen Monds
ins Tal der bunten Spiele, entgleitet Reif
und Puppe, Murmeln schluckt die Kuhle,
regnet es aber, wie rennen sie sorglos

nach Hause, unbekümmert um all den Tand,
so tilgt uns Regen, löscht uns der Wind die Spur
der Liebe nicht, wenn einmal ritzte
weiches Gedächtnis der wilde Stachel.

 

Sep 17 17

Traumgips

Alkäische Strophe
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Du träumst von Schlüssel, Ausweis und Skizzenbuch,
schon wieder unauffindbar im Weltgewühl,
am Schalter wirst du gefragt „Ihr Zielort?“,
aber du weißt ihn nicht mehr, den Namen.

Und diese Frau, sie drückt dir noch heiß die Hand,
du siehst ein letztes Ufer versinken im Dunst,
sie lebt schon lang mit einem andern,
und ihr Gesicht, ihre Augen dunkeln.

Der Mond, er stieg die Treppe aus Schiefer hoch
und liegt nun faul im Rebengestrüpp herum,
doch ist der Weinberg aus Kindheits-
pappe, die Trauben aus fadem Traumgips.

O Sonne der Liebe, Blitze des Götterzorns,
die Traumgespinste, Bilder, Attrappen sengt
zu Asche, wirbelt Flocken, blast mich
winzigstes Flöckchen ins Blau des Himmels.

 

Sep 16 17

Wenn Taubheit taut

Alkäische Strophe
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Die Mächte, die uns dingen zur Atemfron,
das Blut der dunklen Rufe, in uns verzweigt,
Geflecht der wahngestrickten Wünsche,
können wir nicht wie Gewänder streifen

von müden Gliedern, Schneisen des Schicksals,
die uns die Blicke bannen ins ferne Blau,
Getast der Hand nach Unerfühltem,
Lippen gestülpt um erträumte Beeren.

Der ungereimten Worte gewühlter Staub,
die uns ersticken allen Gespräches Hei-
terkeit, die viel zu leichten, viel zu
schweren, gesagten und ungesagten,

sie rinnen nicht wie Seufzer getauten Schnees
von Frühlingszweigen, schmelzen im lauen Wind
uns nicht wie nächtlich klirrend Teiche.
Unsere Taubheit wird erst uns tauen

das Lied, vom Sturm geschrieben ins feuchte Gras,
wenn Nacht im Wetterleuchten den Blitzen weicht,
die Tropfen morgenheller Klänge,
freudig geschüttelt aus Ginsterbüschen.

 

 

Sep 15 17

Fühlung des Ungesagten

Alkäische Strophe
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Es ist nur leises Wehen am Saum der Nacht,
als schwebten Nester ruhlos dem Monde zu,
und immer tropft herab Gezwitscher,
Locken ergreift es wie weiches Wollgras,

das samenluftig Fäden ins Dunkel sinnt,
des Lichtes vage Fäden, wie Atemweb
ein Mund im Schlaf, der Namen murmelt,
Namen versunkener Sonneninseln.

So streifen Schatten lautlos den Meeressand
und schreiben, ohne jemals die Last des Sinns
zu häufen, Wolkenbotschaften nieder,
flüchtige Küsse entsagter Liebe.

Das ausgesprochne Leben, es welkt sogleich
zur Erde wieder, weint sich zurück ins Grau,
was Honiglicht der Stille ausströmt,
Duft der verborgenen Seele ist es.

 

Sep 14 17

Der gepeitschte Reif

Alkäische Strophe
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Ausschwingend gleich dem Reif, den gepeitscht hat einst
ein Kind, er läuft noch etliche Büsche weit
durchs Gras, beträuft von frühen Monden,
trudelnd bald zögernd bald kippt er um in

das Schilf der Schatten. Winde verschluckten schnell
den harschen Ton, wenn unter dem Rad sich bog
der spröde Halm und Kiesel knirschten.
Aber das Kind, schon verdrossen, läßt ihn

auf morgen liegen oder für immer gibt’s
ihn auf. So ward im Schicksalsgetriebe ich,
auch ich gepeitscht zu bangen Schwüngen,
wirbelnd dahin unter wessen Händen wirbelnd

dahin durch Schlünde bebender Lippen und
der Blicke Dickicht. Ging mir nicht auf ein Mund
von Quellen dunkel-wehen Wohllauts?
O ihn vergaßen des Glückes Kinder.

 

Sep 14 17

Die hinuntergeschluckte Mücke

Alkäische Strophe
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Wie unter Wasser lächelnd, wie eingetaucht
im Spiegel lautlos murmelnd ein Mund bist du,
ein Fenster, klirrend zugeschlagen,
scheintote Scheibe, behaucht von Trübsinn.

Ich fühl dich manchmal hauchdünn wie fremdes Haar
die Zunge kitzeln, oder ein Name klebt
am Gaumen stumm, die tote Mücke,
ich aber schluck sie hinunter, würgend.

Wie Kinder zucken, ihnen zerriß die Schnur,
hoch fliegt der rote Drachen den Wolken zu,
wie dann sie hüpfen, winken, singen,
kann ich nicht singen, kann dir nicht winken.

So gieß den Wein, den grausamen Blender, ich
ins blinde Glas, der Einsamen Opferlicht
erleuchtet mir des Schädels Apsis,
bis du dort flatterst, die weiße Taube.

 

Sep 13 17

Staub und Verklärung

Alkäische Strophe
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Der Staub kehrt immer wieder, in Nischen hockt
des Chaos Braut und schüttelt die Schuppen aus
dem Haar, der ganze Kosmos schuppt sich.
Rieselt nicht Staub aus den Worten ewig?

Dies Wuchern, Schlingen, Strotzen von Wegerich,
Brennesseln, Disteln, Knöterich, Hahnenfuß,
Rousseau kannʼs Gärtnern nicht versüßen,
blassen die Astern und stirbt die Rose.

So leben wir: mit Scheuern und Neuern, mit
Entwirren, Wischen, Klären verschmierten Sinns,
bis wir erschöpft um Regen flehen,
uns mit dem Kehricht hinwegzuspülen.

Doch hat er triefend alles erfrischt, dann weht
ein feiner Geist aus glänzenden Strömen auf,
auf reinen Lippen blüht von Himmels
Samen das Lied uns, des Atems Blume.

 

Sep 13 17

Heimat, wohin

Alkäische Strophe
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Wir wissen nicht von Klängen, von Düften nicht,
ob sie uns meinen, wirbelt das welke Laub
auf unsre müden Schultern nieder,
niemandes Bild ist geblieben, keines.

Und rotes Rufen kam aus geküßtem Mund,
den uns für immer neidisches Blattwerk raubt.
Und gelber Düfte Sonnen-Botschaft
schlingen trübsinnigen Flusses Dünste.

O hätten nie uns Schimmer des Abendrots
verlockt, das scharfe Sirren der Schwalben nicht,
den Fuß zu setzen auf die Schwelle,
wäre die Seele verblaßt wie Blumen.

So leckt uns Tränen törichter Sehnsucht vom
Gesicht der Wind, bis freche Gewalt uns beugt
beim Anblick wesensfremder Fratzen.
Heimat, wohin dein Gesang, dein Duft wo?

 

Sep 12 17

Der heilsame Schauer

Alkäische Strophe
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Wer gießt das Lächeln uns in die Finsternis?
Wer Öl der scheuen Freude, daß vor der Zeit
die Nacht nicht unsre Augen lösche?
Brenne ein wenig noch, reine Flamme.

Als uns die Pfade abseits der Flur geführt,
die alten Eichen schwiegen sich Dunkles zu,
kein Vogel sang vom Sieg der Sonne,
wähnten die Quellen wir ausgetrocknet.

Wie stumm Ruinenmauern! Erschrak da eins
im alten Efeu, schrien die Stare heiß?
Das Laub verwirrten Schauer warmer
Lüfte, die launischen Regenboten.

Wir duckten uns wie Rehe ins Blattgewühl
und zählten Blitz für Blitz die erfüllte Zeit,
dein Auge wurde vom Trüben heiter,
Tropfen erweckten dem Mund die Seele.

 

Sep 10 17

Das schwimmende Haus

Alkäische Strophe
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Wenn an der Schwelle lauscht das gebannte Kind
dem Rieseln, Murmeln, Gurgeln der Regennacht,
noch hüllt es Herdes Feuermantel,
schwimmt, eine Arche, das Haus ins Freie.

Kein Sternbild, Wege zu weisen, nur Rauschen, nur
der Wellenschlag an bebender Leere Rumpf.
Wars eignen Blutes dunkles Klopfen,
flatterten Vögel in schmalen Schränken?

Dort eine Insel vielleicht, schon sind Rufe im Meer,
es ist des Wals Fontäne, die gischtend stöhnt,
dort zieht ein Berg aus Eis ins Dunkel.
Stern einer Blume? Du suchst vergebens.

Es schlitzt der Nacht den Schleier das Morgenrot,
dein Träumen setzt auf äußerstem Gipfel auf,
dein Haus, mein Kind, es findet endlich
Ararats Veste für deinen Frieden.

 

Sep 9 17

Uns tragen Wellen

Alkäische Strophe
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Der Regen weiß ein Schicksal, ans Fenster klop-
fend oder klatschend auf das Schieferdach,
er kitzelt Lüste wach aus Fellen,
trommelt auf fahle Gesichter Farbe.

Erzittern Lichtes Wimpern, verdampft das Bild
der Gegenwart am grauenden Horizont,
bang öffnen Blumen nasse Augen,
Stampfen und Wiehern entrückt die Erde.

Die Trauben aber glühen im Wingert auf,
wenn schon die Echse züngelnd den Stein bewacht,
im hohen Blau ertrinkt ein Gurren,
schattenlos starren am Teich die Weiden.

Bald bettet Mond auf silberne Wellen uns,
da Mund an Mund wir gleiten im Dunkel heim,
uns heben Wellen, tragen Wellen
trunkenen Lieds an der Urwelt Ufer.

 

Sep 8 17

Wehmut des Sommers

Alkäische Strophe
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Aus Märzenbechern tropfte das Licht so bang,
die Erde wand sich unter den Laken Schnees,
die schon in Moos und Farne glitten,
lautlos zersplitterte Mondes Scheibe.

Kein Vogel sang im Nebel, den Rauhreif blies
wie Schlaf von Fenstersimsen der Wind. Du gingst
allein entlang an Gräbern, Namen,
Seelen unlesbar wie Wahngestöber.

Doch Frühling kam und brach durch das Herzgezweig
mit leisen Worten schmerzlichen Lebenssinn.
Die Rose hielt das Glück geheim in
Tränen, die langsam zur Krume rollten.

Und hob der Sommer goldene Blumen nicht
aufs Wasser grüner Seufzer, und war von Mund
zu Mund nicht Liedes Hauch die Brücke,
bebte sie auch wie Gespinst im Zwielicht?

Doch Wehmut troff im Safte der Reben dir
ins Herz, es ritzten Schwalben durchs Abendrot
die zarten Muster deiner Trauer,
Abschied war schmeckbar im Fleisch der Birnen.

 

Sep 7 17

Aus Kindheitstagen

Alkäische Strophe
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Als uns bei frühem Dämmern im Eifelland
mit sanfter Glut die Äpfel im dunklen Laub
aus Edens Zaubergärten grüßten,
waren wir glücklich und pflückten welche.

Dort blühten einst auch Nußbäume im April
und Mai, bemooste Borke war rissig-rauh,
doch zart im Winde schwärmten Samen.
Gegen die hellblaue Schiefertafel

des Winterhimmels schwiegen die Äste so
entseelt. Ihr Duft, verschlossen im Fiederblatt,
war ausgeströmt, doch unsre Hände
waren noch bräunlich gefärbt vom Schälen

der Nüsse. Säcke trugen wir heim, um sie
am Herd zu knacken. Etliche hoben wir
fürs Weihnachtsfest uns auf. Wie stolz wir
Kinder auf alle getreuen Zeichen

der Erde waren, Honig und Wachs, den Knauf,
aus Bein geschnitzt, das Harz, das aus Rinden troff,
die warme Milch, in Eimern schwappend,
blechern, verbeult, die wir winters trugen

durch hohen Schnee. Er stäubte um uns und blieb
an Haar und Wimpern kleben. Es stieg wohl schon
der volle Mond, die Dächer glänzten.
Wärme, sie strömte uns zu von Kühen.

 

Sep 6 17

Tod und Auferstehung

Alkäische Strophe

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Die zarten Schleier windet das Abendlicht
wie scheuer Herzen heimlich gewebten Traum
den Birken weich um Haupt und Lenden,
langsam erstirbt wie im Schlaf ihr Flüstern.

Uns aber hält ein letztes Verlangen wach,
wenn über dunklen Wogen der Blumennacht
der Mond ein wildes Ahnen hinrollt,
daß uns verzögern den Abschied Küsse.

So sinken ineinander ermattet wir
ins Bodenlose, schmeckend am andern nur
den Staub, der wölkt von Lippe zu Lippe,
Rosen zerblätternder leerer Worte.

O, schlösse uns wie Knospen die Liebe auf
das Angesicht und träuften aus Wolken uns
Gesang die hohen Geister nieder,
Wandel erschauernd den sanft Geweckten.

 

Sep 5 17

Schwestern des Lichts, wo seid ihr?

Alkäische Strophe
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Wo gehn die Pfade tönender heim ins Blau
und streut das Licht des Abends die Blüten mir
geröteter auf müde Schultern,
will eine Weile ich sinnend rasten,

am nackten Stein belauschen den Tau und wie
mir reden Dornen dunkelnden Strauchs vom Tag,
ob er wie Rosen still verblutet,
schließet wie Rosen ein stummes Sehnen,

und höher schauen Wolken sich dehnend lang-
sam lösen Geist und Bild in die kommt, die Nacht,
die kommt, mit schwarzen Federn hüllend
Schmerz und was zuckt wie Gestirn, die Liebe.

Ich liege schwerelos wie ein Blatt im Teich,
mich tragen Wassers Seufzer wohin, wohin,
hier ist kein Ufer, kein Ufer nirgend,
Lilien, Schwestern des Lichts, wo seid ihr?

 

Sep 4 17

Woran wir denken

Eine kurze philosophische Betrachtung über den Zusammenhang von Bewußtsein, Intentionalität und Sprache

Ich denke an dich.

Wir unterscheiden den Anlaß und das Motiv, die mich jeweils aus verschiedenen Gründen dazu bringen, an dich zu denken. Blättere ich in einer Illustrierten und stoße auf ein Foto, dessen Abbildung dir ähnlich sieht, denke ich an dich; spüre ich die Sonne meine Nasenspitze kitzeln, bekomme ich Lust, mit dir durch die Wiesen zu streifen wie damals, als wir noch jung waren.

Das Foto ist als visuelles Reizmuster für mich der Anlaß, an dich zu denken, weil du dem Abgebildeten ähnlich siehst. Irgendwie muß ich das aktuell Gesehene mit dem Bild, das mein Gedächtnis von dir gespeichert hat, wohl abgleichen, aber nicht so, daß ich das eine gedanklich über das andere lege; denn es genügt zum Beispiel ein auf dem Foto erblicktes Grübchen und schon denke ich an dich. Was ist schon ein Grübchen auf einem schlecht gerasterten Foto gegen ein beliebiges anderes auf einem anderen Gesicht als dem deinen? Der Grad an Ähnlichkeit geht hier gegen null – und doch denke ich bei diesem Anlaß an dich. Woran denke ich, wenn ich aufgrund einer vagen Ähnlichkeit des Fotos mit deinen Gesichtszügen an dich denke? Denke ich an dein Gesicht, so wie es mir als Erinnerungsbild vorschwebt? Aber dann denke ich nicht an dich, sondern an das Erinnerungsbild.

Wenn du nunmehr nach so langer Zeit, da wir uns nicht gesehen haben, dein Aussehen beträchtlich geändert hast und das Grübchen ist mittlerweile in einem Faltenwurf verborgen, würden wir dennoch sagen, ich denke an dich, auch wenn du in Wahrheit die Ähnlichkeit der Gesichtszüge, die ich auf dem Foto wahrgenommen habe, nicht mehr besitzt.

Wenn ich an dich denke, so nicht an das Bild, das mir die trügerische Erinnerung vorspiegelt, sondern an deine Person. Die Person, an die ich denke, wenn ich anläßlich des Fotos an dich denke, nennen wir den intentionalen Gegenstand meines Bewußtseins. Und die Fähigkeit des Bewußtseins, an jemanden oder etwas zu denken, nennen wir Intentionalität.

Wir bemerken, daß der intentionale Gegenstand sich nicht aufgrund einer Ähnlichkeit wie derjenigen des Bilds zum Abgebildeten, sondern nur durch die Identität des Gemeinten bestimmen läßt. Wenn ich an meinen Freund Peter denke, dann nicht an jemanden, der ihm bis aufs Haar gleicht, sondern schlicht an Peter, auch wenn die Vorstellung, das Bild oder die Erinnerung, die ich von ihm habe, keine Ähnlichkeit mit ihm aufweisen sollte.

Ich sehe ein Foto eines hübschen Fotomodells in einer Illustrierten und werde an das Gesicht der Venus erinnert, wie sie der Maler Botticelli gemalt hat und das ich vielleicht einmal in meiner Jugend in den Uffizien in Florenz gesehen habe. Wenn wir sagen, ich denke anläßlich des Fotos an das Gemälde „Die Geburt der Venus“ von Botticelli und die auf ihm dargestellte Schöne, ist alles klar. Aber sollen wir sagen, daß ich anläßlich des Fotos an Venus denke? Das erscheint uns sonderbar, weil Venus keine Person in dem Sinne ist wie das Mädchen, an das ich denken könnte, wenn ich das Foto oder die Venus auf dem Gemälde von Botticelli sehe, und dem ich vor Zeiten einmal begegnet bin. Ich kann nicht an Venus denken und mich fragen, wie es ihr in der Zwischenzeit ergangen ist, in Bezug auf jene Schöne dagegen kann ich dies fragen.

Kann ich anläßlich eines Fotos an jemanden denken, ohne zu wissen, wer es ist, so wie uns ein Wort auf den Lippen liegt, doch wir kommen nicht darauf? Aber an das Wort, das uns auf den Lippen liegt, denken wir nicht, wie wir an eine Person denken, deren Name uns im Moment nicht einfällt.

Der Anlaß, an jemanden zu denken, wirkt kausal auf unsere Sinne und unser Nervensystem, wie die Lichtstrahlen, die von dem Foto oder Gemälde ausgehen, das mich auf den Gedanken an jemanden bringt. Doch der intentionale Gegenstand, an den ich denke, zum Beispiel eine Person, wirkt nicht kausal auf meine Sinne und mein Nervensystem ein, denn dieser Gegenstand ist kein materielles Objekt, sondern ein intentionaler Gegenstand.

Muß ich, wenn ich an meinen Freund Peter denke, innerlich vor mich hinsagen: „Jetzt denke ich an Peter“ oder auch nur innerlich flüstern: „Peter!“? Das wäre sonderbar. Ich kann mir ja ein Gedicht ins Gedächtnis rufen und still vor mich hinsagen, und dabei fällt mir mein Freund Peter ein, weil es ihm damals so gut gefallen hat, ohne daß ich „innerlich“ ein Wort über ihn verloren hätte.

Die Behauptung, Intentionalität sei eine rein sprachliche Eigenschaft, scheint so abwegig wie die Behauptung, das Ich-Bewußtsein sei die Folge der Tatsache, daß wir das Pronomen „ich“ korrekt zu gebrauchen gelernt haben.

Manchmal denke ich am hellen Tag an das unheimliche Blau der Nacht, an das Pianissimo des letzten Satzes aus Mahlers 9. Sinfonie oder an den Duft der Hyazinthen in Großvaters Garten. Farben und Farbschattierungen, Klänge und Klangfolgen, Düfte und Duftmischungen sind komplexe sensorische Phänomene, die wie Wasser, Luft und Wolkenballungen keine klar umgrenzten Einzeldinge formen, sondern diffus verteilte Massen oder Substanzen darstellen. Und doch kann ich an die blühende Wiese denken, durch die wir damals streiften, genauso wie an die frische Luft, die abends vom Wald her wehte, ohne an die einzelnen Gräser und Blumen zu denken, geschweige denn an die Moleküle, in die wir die Luft chemisch analysieren können.

So kann ich, wenn ich durstig bin, an die Substanz oder das Element denken, das meinen Durst löschen wird, oder dich bitten, mir von dem Wasser aus der Flasche etwas ins Glas zu gießen. Das Baby schreit nach der Mutter, die jene Substanz repräsentiert, nach der es schreit, denn sie gibt ihm die Brust. Die Brust der Mutter ist der primäre intentionale Gegenstand des Säuglings. Gewiß bezieht er sich auf ihn, lange bevor er in der Lage ist, ihn mit einem Namen zu benennen.

Wenn ich daran denke, daß mein Freund Peter damals sein Versprechen nicht eingelöst und mir das ausgeliehene Buch nicht wie ausgemacht ausgehändigt hat, denke ich nicht nur an die Person namens Peter, sondern an den Sachverhalt, daß er das und jenes getan oder nicht getan hat. Der Sachverhalt kann zutreffen oder nicht zutreffen, wahr oder falsch sein. Wir können den Inhalt unseres Gedankens demnach in die übliche Satzform kleiden, bei der einem direkten Ausdruck des Denkens (Glaubens, Annehmens, Meinens, Sagens) ein indirekter Ausdruck folgt, der den gedachten Sachverhalt darstellt.

Ich denke, daß p.

Ist p nicht wahr, habe ich mich geirrt und vergessen, daß Peter mir tatsächlich das Buch zurückgegeben hat.

Der sprachliche Ausdruck für den intentionalen Gehalt unseres Bewußtseins wird demnach an der Stelle notwendig, wenn es sich beim Gedachten um Sachverhalte handelt, die wahr oder nicht wahr sein können, denn diesen Umstand können wir nur in den entsprechenden Sätzen geltend machen.

Wir erkennen den Unterschied daran, daß wenn wir an Peter denken, wir von Peter nicht gleichzeitig annehmen können, er existiere nicht, während wir durchaus das Gegenteil des wahren Sachverhalts durch schlichte Anwendung der Negation auf den Satz annehmen können, wenn wir etwa wahrheitswidrig leugnen, Peter das Buch ausgeliehen zu haben.

Aber auch uns selbst können wir mittels Anwendung von Sätzen über Sachverhalte zum intentionalen Gegenstand unseres Bewußtseins machen, indem wir im indirekten Nebensatz rückbezügliche oder reflexive Pronomen verwenden:

Ich glaube, daß mich Peter belogen hat.
Ich glaube, daß ich schon einmal an diesem Ort gewesen bin.
Ich glaube, daß ich dies geträumt habe.

Wir erkennen die semantische Form solcher Sätze leichter, wenn wir sie etwas umformen:

Ich glaube (ich bin von Peter belogen worden).
Ich glaube (ich war schon einmal an diesem Ort).
Ich glaube (ich habe dies geträumt).

Jetzt müssen wir nur noch die Identität des ersten und des zweiten „ich“ ausmachen. Dies erreichen wir durch eine Umformung der Sätze nach dem Schema, in dem wir das Wahrheitsprädikat „ist wahr“ in die einfache Behauptung verwandeln:

Daß ich von Peter belogen worden bin, ist wahr.
! Ich bin von Peter belogen worden.

Also:

Ich bin (wohl) von Peter belogen worden.
Ich bin (wohl) schon einmal an diesem Ort gewesen.
Ich habe dies (wohl) geträumt.

Von sich zu glauben, daß p oder man habe oder sei F (irgendeine Eigenschaft), also sich selbst einen intentionalen Gehalt zuzuschreiben, der einen wahren oder falschen Sachverhalt repräsentiert, ist demnach dasselbe, wie p oder schlicht den entsprechenden intentionalen Gehalt in einem Aussagesatz der ersten Person zu äußern.

Wenn Roboter ein intentionales Bewußtsein haben und sich wahre Sachverhalte zuschreiben könnten, dann müßten sie sich auch falsche Sachverhalte zuschreiben und also sich irren oder lügen können; könnten sie lügen, müßten sie uns mit folgendem Satz täuschen und hinters Licht führen können:

1.1 Ich bin kein Roboter.

Das hieße, daß Roboter in der Lage wären, sich selbst einen intentionalen Gedankeninhalt zuzuschreiben. Wenn sie fähig wären, ihre ihnen eigentümliche oder wesentliche Art des Daseins zu negieren, müßten sie sie auch bejahen und äußern können:

1.2 Ich bin ein Roboter.

Diese Äußerungen aber sind inkonsistent, denn ein Roboter, der fähig wäre, einzusehen, daß er ein Roboter ist (Satz 1.2), bewiese damit, daß er kein Roboter ist (Satz 1.1).

Das Ich-Bewußtsein oder schlicht das Bewußtsein (denn ein jedes Bewußtsein impliziert zumindest keimhaft ein Ich-Bewußtsein) läßt sich nicht naturalisieren, weil es sich durch keine noch so große oder unendlich große Menge von Sachverhalten oder sachlichen Beschreibungen objektivieren läßt. Solche Beschreibungen wären etwa:

Ich bin derjenige, der blaue Augen hat.
Ich bin derjenige, der blonde Haare hat.
Ich bin derjenige, der Philosophie studiert hat.
Ich bin derjenige, der vor ein paar Jahren in Italien war.

Denn solche Beschreibungen können denjenigen, der ich (namens N. N.) bin, nicht identifizieren.

Denn es gilt nicht:

Derjenige, der blaue Augen hat, ist N.N.
Derjenige, der blonde Haare hat, ist N. N.
Derjenige, der Philosophie studiert hat, ist N. N.
Derjenige, der vor ein paar Jahren in Italien war, ist N. N.

Warum sollte derjenige, der tatsächlich all jene Eigenschaften hätte, die man mir selbst zusprechen kann, mit mir identisch sein? Es könnte ein perfekter Zwilling von mir mit all meinen Eigenschaften bis hin zur gleichen Hirnstruktur herumlaufen, der mit mir nicht identisch wäre.

Das ist der Grund, weshalb sich das Ich-Bewußtsein nicht naturalisieren läßt.

Wir können es auch so ausdrücken: Kein Roboter hat die Fähigkeit, sich die von seinem Programm aufgerufenen gespeicherten Informationen als intentionale Gegenstände seiner selbst zuzuschreiben. Er kann sie nicht als seine Inhalte haben, sondern sie nur sein.

 

Sep 3 17

Aus versunkenen Zeiten

Alkäische Strophe

×—◡—× —◡◡—◡×
×—◡—× —◡◡—◡×
×—◡—×—◡—×
—◡◡—◡◡—◡—×

Als wär es eine Stimme, ein Zittern der Luft,
ersterbend, oder dunkler bedrängend Traum,
das Glockenspiel versunkner Zeiten,
steigt es empor aus des Rheines Tiefen.

Erstirbt es endlich, kehrt wieder Stille ein,
webt Einsamkeit das silberne Licht der Nacht
um Astern, Veilchen, Hyazinthen,
rinnen an Gräsern wie Schlaf die Tropfen.

Gedenken wir des Morgens der Jugendzeit,
als roter Flaum bedeckte den ersten Schnee,
dein Haar war kraus von Feuerlocken,
Küsse, selbst Tränen, sie konnten löschen

sie nicht, da stäubten Schreie von Staren Glanz
im Efeu, herrisch drehte die Blätter Strahl
um Strahl, die Sonne hob auf deine
Lippen das Lied wie aus Brunnen Murmeln.

 



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