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Jun 22 18

Leiser Sang XV

Bist Hülse du
ohne Kern
graue Aura
um den toten Stern
Grauen
war von Anbeginn
schaler Rest
von Abendlicht
in schwarzen Pfützen
Und wo spuckte
Eva hin
den bald vergilbten
Grützen
Ganz verrunzelt
ist der Seele
ungeküsstes Angesicht
Sieh
was hohem Sohne
Elend bot
die blütenlose
Dornenkrone
Von einer Wunde
Glanz
war rot
des Paradieses Rose
zarter Jungfrau Herz
Geweihte Stunde
legt die Rose
auf den Kranz
der Dornenkrone
O daß die Schale
deiner leeren Seele
sich die Nachtigall
zum Nest erwähle!
Daß in Traumes Grauen
süße Tropfen
des Gesanges
niedertauen!

 

Jun 21 18

Leiser Sang XIV

Täubchen pickt
mir Samen
aus der Hand
und es nickt
fort und fort
pickt und zwickt
O Unverstand!
Hat ja bloß gepickt
mir aus der Hand
der leeren hohlen
stulte natus
nichts als Namen
vocis flatus
und statt Samen
fing es
leises Wort
Ungeschickt
ging es
Hauch und Reim
Reim und Hauch
auf den Leim
Armer Gauch!
Sing-Gekling
sinnverwaist
hat gestohlen
Vogelgeist
mein Federling

 

Jun 21 18

Leiser Sang XIII

Wer näht
wenn uferlos
die Stunden driften
Blumen auf die Säume?
Wer streut
in Nachtwinds
kalten Schoß
grauer Herzen
Falten
Blüten
des Gesangs?
Die aus Urnen
unaufhaltsam
springen
Die aus Wunden
in das Dunkel
münden
Schwarze Samen
singen
Schwarze Tropfen
künden
Knospen
heller Tage
Heiltum
goldner Sage
Wasser
stummem Untergang
erweckt
engen sich in Schilf
und Silbergras
weben weicher Schäume
Muschelklang
Blauen Hügeln
taut der Rebe
Traubenschimmer
dämmernd nieder
Rotes Laub
umkränzt
den Kelch
der hohen Stunden
Wein
erglänzt
im Herbst
der trunknen Lieder

 

Jun 21 18

Jenseits-Wind

Steigend
aber die Treppe
des dunkelen Ohrgangs
Leid-Gewinde
zum purpurnen Beben
des Totengeläuts
oder dass Nacht
hinströmt
der Wunder-Muschel
bitteren Glanz
In Jenseits-Wasser
löst sich die Wirrnis
fraulichen Haars
zerwühlt von blindem
Gefinger
löst sich Geflock
von aberweiß geflüsterten
Sonnen-Pollen
Im Jenseits-Wind
über wogendem
Klage-Gras
über wehenden Halmen
des Psalms
löst Dichter sich
dein ins Ungesagte
seltsam gespitzter Mund
zu kindlich
hingeschmolzenem Kuß
Deine ungeweinten
Tränen
Mutter
zittern an Lobgesanges
Ölbaumblättern
mondgestillte Tropfen
Deiner Narbe
unentzifferte Schrift
blühet
Vater
Initiale im Psalter
blickumflammter Seraphim
O Heimat
deiner Hüter-Türme
Herden-Glocken
tönen heimgekehrt
im Wellenschlag
des schlafumschilften
Stroms
O Herz
hinabgeschwemmt
in Bangens
wahngeschwärzte Schäume
du singst
umfiedert
vom Gefieder
eines Schwans
du singst
umlichtet
vom Lichte
eines Schwans

 

Jun 20 18

Leiser Sang XII

Schöne
tiefes Einst
An sanfter Wellen
grünen Säumen
da nelkenblaue Blässe
über schwarzem Grund
erzitterte
im Glockenton
der hohen Messe
Des Abends weicher Mund
selig
wenn du weinst
troff
im Schattenmoos
von hellen
und von dunklen Seufzern
wir gingen
durch den Veilchenduft
Im hohen Wingert
schon
rot behaucht
vom Lied des Pan:
ein gelber Lampion
Mond
dunstig seelengroß
wie in Caspars Träumen
Dämmernd schwebte
schilfgekost der Schwan
Äpfel schienen
Birnen Trauben
glänzender vom Kuß
des kühlen Taus
Der Nonnen
Flügel-Hauben
blähte
feuchten Winds
der Fluß
Unser war das Schweigen
das mit Sonnen-
tropfen
an letzten Blüten hing
gelber Rosen
nachtergebnes Neigen

 

Jun 20 18

Leiser Sang XI

Blicke blau
Locke licht
Wind
im Herzen
weich und lau
Meeres Kind
Muschelhelle
ist das Glück
Sonne fleckte
dein Gesicht
Lied erblüht
auf Atems Schwelle
Schaumbeleckte
kahle Binse
kehrt im Traum zurück
rosenüberglüht
Aus dem grauen Watt
uferlos
wirfst du einen Stern
in deine Nacht
der in Tränen
zitternd blinkt
bis ein weißes
Blütenblatt
in den Schoß
dir sinkt

 

Jun 19 18

Finis Germaniae

Faule Ware
stinkt das Wort
am Altare
lügt es fort

Die Hellen kuschen
bücken sich devot
vor Schleiern
o ihr Blüthen
liegt am Abgrund tot
und sie huschen
wenn die Dunklen feiern
Rotes Blatt im Mai
Finis Germaniae

Abschaum
ging ins Blut
in den Garten
Taggespenst

Die Dunklen warten
auf die Abendglut
krummen Dolch
am braunen Leibe
Blonder Strolch
malt einen Mond
auf die Fensterscheibe
Ist ihm alles einerlei
Finis Germaniae

Schwarzer Mohn
ward deutscher Geist
am Mammon
Lüge feist

Dichter reine Rose
entsage holdem Duft
ritze mit dem Dorne
heimatlose
Zeichen in die Luft
Hertha schläft im Borne
Lang verhallt ihr Schrei
Finis Germaniae

 

Jun 19 18

Leiser Sang X

Springt
er aus der Erde
hört er schon
Himmel singt
aus dem Quellen
seines Bluts
edler Sohn
der Wolke und des Lichts
Sänger sanfter Wellen
Hüter treuer Herde
in die Halme
hauchend
Wurzeln feuchtend
des Gedichts
aus den Spalten
rauchend
dunklen Augen
leuchtend
spielen Kinder
an den Ufern
und den Alten
tönt er linder
hohem Leben
pflanzt er zwischen Kliffen
in den Sonnen-Falten
goldnes Fest der Reben
trägt auf Wogen-Rücken
Tanz- und Lied-Girlanden
auf den weißen Schiffen
doch am Abend
strömt er weichern Ganges
zwischen Mondes gelben Sanden
wo ihn Schilfe schmücken
und vom Meere künden
Möwenschreie
und Delphine
und im Ewigen münden
Jahre des Gesanges

 

Jun 19 18

Ölgarten

Schwarze Tropfen
auf silbernem Blatt
die lautlos rinnen
in Geröll und Staub
Schwarze Tränen
auf Ölbaums Blatt
schwankend im Dunst
der schwülen Nacht
Und auf der Stirn
vom Meißel
höchsten Namens
schön geründet
Dunkelglanz
Und in den Augen
Nacht und Nacht
Und kein Flügel
der vom Strauche
Tau versprengt
Und kein Flügel
zu kühlen
Todesschweiß
Und kein Kelch
dem Zittern
eines Munds geneigt
voll Süße
oder Bitterkeit
Mund der Leben
auf die Toten
blinden Augen
Wunderlicht
gehaucht
Segen sprach
auf Weinstocks Frucht
o trockne Traube
ausgepreßt
verdorrt
Und jene schlafen
im Schatten eines Pfahls
auf Traumes Teppich
den mit Lilien
Palmenzweigen
ihm zu Füßen
sie gebreitet
jene schlafen
im Schatten eines Pfahls
er aber läßt
das Haar sich zerren
Locken narren
vom namenlosen Wind
aus Meeres
leerem Schaum
vom gnadenlosen Wind
aus Himmels
leerer Nacht

 

Jun 18 18

Das Täubchen

Täubchen hat so weich gegurrt
auf meinem Fenstersims
Hab ich ihm das Korn gestreut
hat es aufgepickt

War es satt und flog dahin
in seine ferne Welt
wo ihm Blattes Schatten träumt
Flaum aus Wolken fällt

Heute saß es wieder dort
doch nicht mehr allein
Körner gab es nun für zwei
Täubchen und Täuberich

Und sie flogen eines Schwungs
von meinem Fenstersims
zu der Tanne Dämmerung
Zapfen fiel herab

 

Jun 18 18

Leiser Sang IX

Die dort am Strand
o Welle nimm mich mit!
gekichert haben
und gegrinst
die Dunklen und die Hellen
mit ihren Rosenknospen
ihren Schlangenlocken
verwiesen dir
des Mundes Gaben
wie Hündchen die verbellen
hast ein Würstchen auch
du in der Hand
wisch von der Stirne das Gespinst
schlag nur wo sie hocken
die Augen nieder
wie vor der kalten Scheibe
dem entstellten Bild
der Seele in dem Leibe
wo sie aus Falten
in Tränensäcken quillt
sing keine Sonnen-Lieder
vor den Schatten
leg sie wie fromme Kinder
fernen Lotusreiches
Blüten vor das Lächeln
des Entrückten
auf die Stille eines Teiches
bis unter sanften Abends Fächeln
sie entschweben
hin zur tiefsten Mitte
und im Abschied beben
die geglückten
und verlöschen

 

Jun 18 18

Leiser Sang VIII

Lieh uns Flügel
hoher Engel
um zu steigen
über Steine
über Schädel
und Gebeine
in den Glanz
beschneiter Hügel
in des Himmels
blaues Schweigen
doch wir kauern
an dem Wasser
das nur dunkel
widerspiegelt
Nachtgefunkel
und wir schauen
wie in Splittern
auf den Wellen
wie in Schauern
banger Seele
jener Höhen
Flammen zittern
und wie Wicken
die sich winden
auf den Gittern
in das Blau
schenkst aus feuchten
Blicken
du den Tau
du das Leuchten

 

Jun 18 18

Leiser Sang VII

Zwischen Nacht
und Tag
scheue Tupfen
Blütenglimmen
auf den Matten
scheue Stimmen
die aufglosen
aus den Flüssen
niedertauen
weiß und vag
an den Moosen
heimzusuchen
müde Schatten
die sich winden
aus den Armen
hoher Buchen
aus den Küssen
dunkler Linden
Flocken-Herde
Flatter-Schar
sammelt ein
das hohe Tönen
Sonnen-Gang
auf grüner Erde
wahren Schönen
Widerschein
und die Bilder
auf den Friesen
blauer Hügel
leuchten klar
wie der Falter
Augen-Flügel
auf den Auen
auf den Wiesen

 

Jun 17 18

Leiser Sang VI

Dort weht
schweigend nur
der Seele Hauch
auf grüner Flur
und was vergeht
hat rein geblüht
ein weißer Rauch
kühles Licht
auf hohen Pfaden
kühl der Quelle Sang
worin ihr Windgesicht
Sylphen baden
nur oben glüht
Abgrundbläue
der Zwillingsstern
der Rose
die Gottes Nacht entsprang
drunten blüht
die zarte scheue
Herbstzeitlose
die Tag- und Jahreszeiten
hat zum Kranz verwunden
der Seele Gleiten
vom Tau zum Traum
über Schnee und Moos
Blatt und Flechte
Psalm und Klage
Steigen Sinken
hell und dunkler Stunden
windgeneckter Flaum
Staub der lautlos
schwarzer Mohn
aus Knospen rinnt
Schatten hoher Mächte
Lichtes goldne Waage
weiße Vögel trinken
blauer Lüfte Lied
Rose sinnt
auf schwankem Thron
dem Falter nach
der entflieht

 

Jun 17 18

Leiser Sang V

Wo Wolke
Dämmer
flüchtig weht
mit goldenem Stabe
scheucht die weißen Lämmer
froher Sonnenknabe
dort verhehlt
uns Enzian
Vergißmeinnicht
und rosige Zungen
leckend nach dem Klee
nicht Gottes Plan
ein Rosenlicht
der Nacht entrungen
zu schütten auf den Schnee
dem starren Geist
in Einsamkeit vereist
die Huldin ihm zu schicken
daß eigner Tränen Glut
und hoher Liebe Blicken
ihn wieder taut
und wahrer singt das Blut
wenn er sie schaut
dort geht die Seele
nackt auf Wasser
mit der Mücke
schwebt
die funkelnde Libelle
um die grüne Stele
macht Mondes Tücke
ihre Lippen blasser
liegt sie an der Quelle
totenbleich gestreckt
hat mit goldenem Stabe
wieder sie belebt
der Sonnenknabe
der wunderliche Knabe
ins Leben sie geneckt

 

Jun 17 18

William Butler Yeats, A Thought from Propertius

She might, so noble from head
To great shapely knees
The long flowing line,
Have walked to the altar
Through the holy images
At Pallas Athene’s Side,
Or been fit spoil for a centaur
Drunk with the unmixed wine.

 

Frei nach Properz

So edel ist vom Haupt
zum Glanz der runden Knie
die Welle schön gebauscht,
sie könnte wohl an Bildern
des Heiles zum Altare schreiten,
wo Pallas Athene thront,
oder Kentauren sich als Beute breiten,
von unvermischtem Wein berauscht.

 

Jun 17 18

Leiser Sang IV

Ein Oh!
ein Wehe!
tropfte
in die Leere
Lebens
krummer Schnabel
klopfte
ein So!
ein Gehe!
durch die Schale
ein Schlaflied
sinkt ins Nest
helle Daunen
weichen Webens
Traumes Rest
Gefieder
das ein Staunen
vor der Bläue
Himmel oder Meer
sich selbst entgleitet
ins Offne flieht
voll Früchte oder leer
wie luftigen Reimes
zarte Schwinge
kehret wieder
aufs Neue
seine Flügel breitet
Heimat schimmern sieht
und innig lauscht
ob im Horst des Heimes
grün umrauscht
sein Geschwister
singe

 

Jun 16 18

Leiser Sang III

Du Kind der Luft,
wolkige Gestalt,
wie leicht
entschlüpft
der Wortgewalt
läßt süßen Duft
du mir zurück
oder bleicht
wie zarter Brief
den zu lange
Sonne las
dein Angesicht
Rosenwange
die mich einst
ins Freie rief
Rosen-Glück
betaut
als ob du weinst
Pusteblumen-Scherz
das Täubchen aß
dir so vertraut
aus deiner Hand
Hündchen
ist gehüpft
mein Herz
am Gängelband

 

Jun 16 18

William Butler Yeats, The Second Coming

Turning and turning in the widening gyre
The falcon cannot hear the falconer;
Things fall apart; the centre cannot hold;
Mere anarchy is loosed upon the world,
The blood-dimmed tide is loosed, and everywhere
The ceremony of innocence is drowned;
The best lack all conviction, while the worst
Are full of passionate intensity.

Surely some revelation is at hand;
Surely the Second Coming is at hand.
The Second Coming! Hardly are those words out
When a vast image out of Spiritus Mundi
Troubles my sight: a waste of desert sand;
A shape with lion body and the head of a man,
A gaze blank and pitiless as the sun,
Is moving its slow thighs, while all about it
Wind shadows of the indignant desert birds.

The darkness drops again but now I know
That twenty centuries of stony sleep
Were vexed to nightmare by a rocking cradle,
And what rough beast, its hour come round at last,
Slouches towards Bethlehem to be born?

 

Die Wiederkunft

Kreisend und kreisend im klaffenden Schlund
hört der Falke seinen Falkner nicht.
Alles fällt, entgleitet, keine Mitte hält.
Anarchie stürzt auf die Erde los.
Flut dunklen Blutes stürzt und schwemmt
der Unschuld Feier überall hinweg.
Die Edlen lähmt erloschner Glaubenssinn,
Glut der Inbrunst macht die Wilden heiß.

Gewiß, die Offenbarung klopft schon an.
Gewiß, die Wiederkunft steht vor der Tür.
Die Wiederkunft! Kaum ist das Wort gesagt,
verwirrt der Weltgeist mein Gesicht
mit Bildern ungeheuer: wüstes Ödland,
Unform mit Löwenleib und Menschenkopf,
glotzt sonnenstarr und gnadenlos,
regt langsam Schenkel, und sie um-
wirbelt der Wüstenvögel Schattentanz.

Und wieder sinkt die Nacht, doch weiß ich jetzt,
zwanzig Jahrhunderten steinernen Schlafs
brachte Albtraum einer Wiege Lied.
Und welches Biest, die Endzeit-Glocke schlägt,
schleicht zur Geburt nach Bethlehem?

 

Jun 16 18

Leiser Sang II

Müdes Sinnen
kreuzt die Stirne
Geisterküsse
Schattenspinnen
und schon wölken
aus den Wirbeln
grauer Flüsse
Träume
wirres Laub
aus Angst und Rauch
und auf Blättern
stummen Bebens
bist du Staub
den fremd beseelt
kühler Hauch
an blaue Säume
ferner weht
wo die Rosen
duftend sagen
von des leisen Lebens
wolkenlosen
Sonnentagen

 

Jun 15 18

Zwischen dir und mir

Was von Zweiges Dämmer
niederfiel
zwischen dir und mir,
Frucht, wie voller Mond,
gedämpfter Aufprall
machte stocken uns das Herz.

Wer warf den Stein ins Wasser?
Wie die Schatten
zwischen dir und mir
schwirrend flattern,
glatten Glases Spiegel
sprang in dunklen Schaum.

Aufgescheuchte Tauben
sammeln sich
fern von dir und mir,
Lied, das uns nicht meint,
ersticktes Gurren
wölkt, ein Blaken letzter Glut.

Kleine weiße Feder
taumelt nieder
zwischen dir und mir,
Wort, das keiner sprach,
ausgerupfter Schmerz,
treibt mit Wind und Welle fort.

 

Jun 15 18

William Butler Yeats, Song of the Old Mother

I rise in the dawn, and I kneel and blow
Till the seed of the fire flicker and glow;
And then I must scrub and bake and sweep
Till stars are beginning to blink and peep;
And the young lie long and dream in their bed
Of the matching of ribbons for bosom and head,
And their days go over in idleness,
And they sigh if the wind but lift a tress:
While I must work because I am old,
And the seed of the fire gets feeble and cold.

 

Lied des alten Mütterchens

Frühmorgens auf, knie ich und hauche,
bis aus der Asche Flackern tauche.
Dann hab ich zu schrubben, backen, fegen,
bis Sterne blinken über den Wegen.
Die Jungen träumen faul in den Betten
vom Schmuck, den sie am Busen hätten,
ihr Tag ist müßiges Schwirren und Girren,
sie seufzen, wenn Lüfte die Locken wirren.
Ich aber schufte und werde älter,
das Feuer blakt, der Ofen wird kälter.

 

Jun 15 18

Die Seele, fremd

Ich kenne nur das Licht am Ranft
des Tages und der Nacht.
Alles andre winkt im Traum
einer Seele, die wie Tau
trügerisch an Blüten-
blättern glänzt,
an eigner Knospe
langsam niederrinnt.

Ich höre nur den Wind im Gras
und dunkler Flamme Knistern.
Alles andre ist verstummt
wie Seufzer unterm Laub
des Sommerpfads,
wie Zwitschern
unterm Leichentuch
des Monds.

Ich fühle nur den fremden Hauch
und Flocken an den Wimpern.
Alles andre liegt erstarrt
wie Veilchen unterm Schnee
verwaisten Angers,
wie unter Wassers
hartes Glas
gebannter Flügel.

 

Jun 14 18

Paul Valéry, Le Sylphe

Ni vu ni connu
Je suis le parfum
Vivant et défunt
Dans le vent venu !

Ni vu ni connu
Hasard ou génie ?
À peine venu
La tâche est finie !

Ni lu ni compris ?
Aux meilleurs esprits
Que d’erreurs promises !

Ni vu ni connu,
Le temps d’un sein nu
Entre deux chemises !

 

Der Luftgeist

Keiner sieht, versteht,
ich bin der Blüte Duft
und Dunst der Gruft,
Wind kommt, Wind geht.

Keiner sieht, begreift,
Zufall oder Gunst?
Kaum gereift,
rundet sich die Kunst!

Las keiner mit Verstand?
Die Denker so gewandt,
vor keinem Wahn gefeit!

Keiner sah bewußt
den Weg der nackten Brust
vom erst- zum letzten Kleid!

 

Jun 14 18

Was die Wolke sang

Ich lag am Fuß der Nacht,
kein Vogel
und kein Ton.

Nur eine Wolke,
über mir,
die weilend schwebte.

Und sie senkte sich
und sank herab,
zu mir herab.

Und da ich schlief,
habe ich den Flaum
eines lichten Fells

durchwandert
und sog
an weißer Brust

Traumes
weiße Molke,
und sie sprang

an hohlen Mundes
Zungenglut
entzwei.

Ich wurde wach,
den Kopf gelehnt
an eine Birke.

Und war die Milch
ihrer Haut
vermischt mit Blut.

Fern die Wolke,
hoch die Wolke,
und sie sang:

„Ich nähre einzig,
die mir gleichen,
Söhne der Luft,

Töchter des Lichts,
die mit Schwingen
mich durchbeben,

die den Flaum
der Anmut zupfen
von dem Sonnen-Vlies,

die dunklen Kinder,
die auf Steine
Fratzen ritzen,

Flammen-Mäuler,
die an trockner Rinde
bluten,

diese nährt
mein fernes,
hohes Bildnis nicht!“

Da schwang die Axt ich,
bis die Birke
fiel.

 

Jun 14 18

Paul Valéry, Les Pas

Aus: Charmes

Tes pas, enfants de mon silence,
Saintement, lentement placés,
Vers le lit de ma vigilance
Procèdent muets et glacés.

Personne pure, ombre divine,
Qu’ils sont doux, tes pas retenus !
Dieux !… tous les dons que je devine
Viennent à moi sur ces pieds nus !

Si, de tes lèvres avancées,
Tu prépares pour l’apaiser,
À l’habitant de mes pensées
La nourriture d’un baiser,

Ne hâte pas cet acte tendre,
Douceur d’être et de n’être pas,
Car j’ai vécu de vous attendre,
Et mon cœur n’était que vos pas.

 

Die Schritte

Du setzt, Kind meiner stillsten Quelle,
sacht Füße flügelnder Gestalt
vors Lager meiner Sinnenhelle,
sie gleiten stumm und glänzen kalt.

Leib aus Licht, Gottes Schattenbild,
deines Zögerns Schritte, welche Süße!
Ihr Götter! … Gaben, lang erfühlt,
sie bringen mir die nackten Füße!

Hast du die Lippen schon gespitzt,
daß sich als Linderung erweise
für den, der meinen Geist besitzt,
der süßen Küsse süße Speise,

verschließe noch den Kelch der zarten,
des Daseins Süße, Süße, die entglitt.
Mein Leben war ja dein zu warten,
mein Herz schlug nur mit deinem Schritt.

 

Jun 14 18

Paul Valéry, Le Vin Perdu

Aus: Charmes

J’ai, quelque jour, dans l’Océan,
(mais je ne sais plus sous quels cieux),
Jeté, comme offrande au néant,
Tout un peu de vin précieux…

Qui voulut ta perte, ô liqueur ?
J’obéis peut-être au devin ?
Peut-être au souci de mon cœur,
Songeant au sang, versant le vin ?

Sa transparence accoutumée
Après une rose fumée
Reprit aussi pure la mer…

Perdu ce vin, ivres les ondes !…
J’ai vu bondir dans l’air amer
Les figures les plus profondes…

 

Verschütteter Wein

Ich sprengte einst dem Meere
(unter welchem Himmel, weiß ich nicht)
als Opfergabe an die Leere
Tropfen Weins, gereift im Licht.

Wer trug, o Schaum, nach deinem Sturz Verlangen?
Hieß Seherspruch mich willig sein?
Vielleicht goß meines Herzens Bangen,
durch Adern träumend, hin den Wein?

Sein Glanz war bald verbraucht,
wie eine Rose, die verraucht,
das Meer schien ohne Makel wieder …

Den Wein verschüttet, trunkne Wellen!
Da schaute ich der Bitter-Lüfte Lieder
von Abgrunds dunklen Weisen schwellen …

 

Jun 14 18

Der Teppich der Sprache

Sentenzen und Aphorismen

Eine wesentliche Asymmetrie besteht zwischen dem Bild, das wir von uns selbst, und dem, das wir von allem anderen haben.

Der Unterschied zwischen dem Gedicht und der Muschel ist ein gradueller, wenn wir die Macht und Kraft, die das eine wie das andere hervorbringt, als überpersönlichen Geist betrachten.

Wir sagen leichthin, ein Gedicht spreche uns an. Sagen wir auch, es blicke uns an.

Ein wesentliches Moment der Ikone ist der Blick, der uns anspricht, indem er uns anblickt.

Im Blick des anderen erfassen wir die Subjektivität vermittelt, die wir an uns selbst unmittelbar erfahren.

In den Kultbildern der frühen Zeit verkörperten sich echte Erfahrungen des Heils, denn ihre Augen schienen lebendig und trafen ins Herz.

Die Ikone auf dem Schweißtuch der Veronika hat, paradoxerweise, die Augen geöffnet.

Die biblischen Propheten verwarfen das Bild, sie vernahmen die Kundgabe der Gnade als Stimme. Der prophetische Glaube ist noch nicht von der Schrift gezeugt wie der nachexilische und talmudische.

Auch die pagane Offenbarung hörte göttliche Stimme und heiligen Laut: im Rauschen der Eichen von Dodona, im Geschrei der Wahrsagevögel, im silbernen Sinnspruch der Quelle.

Die Propheten sprechen dichterisch, anders nicht als Sappho, als Pindar.

Wir reden vom Traumbild, kaum einmal von Traumes Sang.

Ist Sprache ein Teppich, wird er am Webstuhl der Zeit geknüpft.

Erkennen wir zentrale Motive und Muster darauf! Wir haben sie gewebt, aber nach uns offenbarten Bildern.

Webend sind wir selbst verwoben.

Bild und Gegenbild. Tag und Nacht. Traum und Tat. Insel und Meer. Spruch und Widerspruch.

Die Blume, die sich ins Licht reckt, wurzelt in der Nacht der Erde.

Gott alles in allem. Sehen wir das Licht seiner Glorie, sind wir schon Schatten.

Leda und der Schwan. Maria und die Taube.

Schweigen. Knospe, die sich schließt.

Ja und nein, ich und du, Ankunft und Abschied, Glut und Asche, Liebe und Tod.

Die Negation ist die Kraft Gottes, in vielen Bildern und Sprachen sich zu offenbaren, den Teppich der Sprache mit immer neuen Mustern zu durchwirken.

Was wäre die Insel ohne das Meer? Der Fisch ohne Wasser? Der Flügel ohne Luft? Der Mensch ohne Sprache?

Wir sind gleichursprünglich und gleichzeitig mit unserem Nicht-Sein.

Das kleine Kind auf der vergilbten Fotografie, was hat es mit dir gemein?

Die aufgeplatzte Kirsche des jungen Munds und die vertrocknete Schale des alten.

Die faltige Hand, die zitternd den Becher faßt, weiß sie noch den Pfirsichflaum, um den sich die kindliche geschmiegt?

Die Liebe spricht: O steh! Die Welle: Ach vergeh!

Die Toten, die um Dasein betteln, sprechen uns, wenn wir vom eigenen opfern.

Rechts und links, nah und fern, eigen und fremd, Freund und Feind, gut und schlecht – Variationen des einen Spiels, das von dir und mir gespielt wird, sofern wir ich und du sind, verleibtes Selbst.

Ich reiche dir zur Begrüßung die rechte Hand, du mir deine; doch deine liegt aus meiner Warte links, wie umgekehrt.

So mit allem, was du mir sagst und bist, es erscheint mir gleichsam in der umgekehrten Richtung.

Was dir jetzt nah, ist mir fern. Für das, was ich jetzt sehe, hast du keine Augen.

Manche Muster und Motive bleichen aus, wie Gestalten der Höhlenmalerei, Bildnisse der Katakomben oder Schriftzüge auf dem Blatt, das zu lange in der Sonne lag.

Andere glühen wieder und heben sich wie neugeboren aus dem Schaum der Erinnerung, ruft alte Liebe sie herauf.

Manche Worte verwittern im Gebrauch. Doch Urworte, auch wenn sie wie „Herz“, „Liebe“, „Sehnsucht“ und „Himmel“ von Patina übergilbt und angegraut scheinen, können reanimiert werden – wenn wir das lebensrettende Blut spenden.

Die Frage ist wie der Schlüssel zur Antwort.

Eine Frage, die nicht als Schlüssel zur Antwort paßt, muß verworfen werden, wie ein Schlüssel, dem Zähne herausgebrochen sind.

Wir müssen alles verdauen, was wir zu uns nehmen. Früchte, Farben, Düfte, Bilder, Worte, Musik. Das Unverdauliche scheiden wir aus – oder erkranken und ersticken daran wie an Giften, die in uns kreisen.

Penelope löst am Abend die Muster und Motive auf, die sie am Tage gewirkt hat – um länger warten, sich weitere Atemschneisen bahnen zu können.

Beschriebenes Blatt, verwehtes Blatt. Doch dann liest du unverhofft deine Gedanken auf dem Blatt eines fremden Buchs.

Verworrene Muster, die wir auflösen müssen, um wieder den rechten Anschluß zu finden und weiterzuweben.

Die Knospe ist eine abgeschlossene Mannigfaltigkeit verschiedener Blätter, Kronblätter und Kelchblätter. Der Satz ist eine abgeschlossene Mannigfaltigkeit von distinkten phonetischen und semantischen Merkmalen.

Helena und ihre Sippe, Paris und seine Sippe bilden in den Erzählungen vom trojanischen Krieg eine abgeschlossene Mannigfaltigkeit mythischer Motive.

Überweben und Überblenden alter Muster auf dem Teppich der Sprache. Der bukolische Hirt und Christus der Hüter seiner Herde. Der Garten Eden und der Hortus conclusus. Der Baum des ewigen Lebens und das Kreuz. Und die dämonischen Mächte des Zorns und Aufruhrs, die unteren mythischen Götter im vereitelten Aufstand wider die Lichtgötter des Olymps tauchen als bizarre oder mitleiderregende Figuren in Dantes christlichem Infero auf.

Von Troja bis Golgatha. Von Golgatha bis …

Am Rand des zitternden Lichtflecks, mit dem die Dichtung wandert, bildet sich wie aus Traumresten und mythischen Schatten immer neu der Umriß eines fremden Munds, und es scheint uns, keiner der Lebenden, kein Wesen aus Fleisch und Blut spreche, sondern jener gespenstische Mund flüstere oder stammle oder singe. Immer neu und wieder alt sind die Namen, die wir dem Schemen und zweiten Gesicht verleihen, Muse, Engel, entrückte Seele oder junge Parze.

Es scheint dann, der Dichter spreche im Namen einer fremden Instanz, die ihn beansprucht oder in einen Trancezustand versetzt, um das ruhige dunkle Wasser seiner Seele wie der zitternde Schriftzug des Mondlichts zu durchqueren.

Nur in der Berührung des Winds erzittert das Blatt.

Im leeren, dunklen Spiegel funkelt ein Tropfen Licht.

Bebt und regt sich das Blatt, überronnen von jähem Glanz, gibt es seine dunklere Maserung und die Schrift seiner Herkunft preis.

Ihm wurde das Wort zugeworfen wie ein Ball. Seine instinktive Meisterschaft zeigte sich in der Leichtigkeit und Anmut, mit der er ihn auffing und zurückwarf.

Paris rollte der Purpurball vor die Füße und er reichte ihn Aphrodite. Der Ball, den der Dichter auffängt, kommt unvermutet aus dem Dunkel, und wo Aphrodite geweilt, flimmert nur ein Schatten.

Das Blut des Rubins pulst in der Dämmerung.

Mit den Schimmern auf dem Wasser erlöscht ihr Plätschern wie verhauchender Refrain des Lieds. Ist was da kaum vernehmlich rauscht, schon Gefieder des Schlafs?

Tropfen goldenen Lichts rinnen von Blatt zu Blatt, von Zweig zu Zweig, wie leiser Atem von Vers zu Vers sinkt, von Strophe zu Strophe, bis er im Nicht-mehr-Sagbaren vergeht.

Die Schönheit verachten, müssen selber häßlich sein.

Das Wort der Dichtung soll rein und frisch sein wie das Wasser des Brunnens, das den Wanderer erquickt.

Lüge frißt das Wort der Dichtung auf wie Lepra ein Gesicht.

Freilich, mit Grimassen oder selbst geritzten Wunden kann man eher Aufmerksamkeit erregen, gewinnbringender das entstellte Wort zu Markte tragen.

Den Narren hört man schon von weitem, wenn die Schellen an der Kappe klirren.

Sie verunstalten den Sinn, indem sie den Gegensinn wie einen Hundeschwanz kupieren.

Als könne es die Insel geben ohne Meer, Leben ohne Tod, Erlösung ohne Passion, den Fremden ohne das Eigene, den Gast ohne die behütete Schwelle des Hauses.

Die den Sinn der Begriffe veröden, gehen in eine neue transzendentale Heimatlosigkeit.

Der Mord verliert mehr und mehr den Charakter der Untat, wenn er ungesühnt bleibt.

Sühne aber verliert ihren Sinn ohne Vergeltung für die Tat zu sein. Sie wird dann eine vom Täter leicht hingenommene, ja belächelte Strafe, durch die das Opfer doppelt gedemütigt wird.

Recht, das den Gedanken der Sühne aus vorgeblich humaner Rücksichtnahme für den Täter aufgegeben hat, wird Unrecht.

Ohne Strafe wäre die Tat nicht mehr Tat. Ohne Sühne die Strafe eine Herabwürdigung des Opfers.

Die Strafe als Sühne und Vergeltung ist eine Transfiguration des mythischen Tathergangs, den Aischylos in der Einsicht gipfeln läßt πάθει μάθος – durch Leiden lernen.

Ohne Nacht wäre Tag nicht Tag, Nacht nicht Nacht ohne Tag. Glaubten wir das Leben zu träumen, dann nur in der seltsamen Hoffnung, daraus in ein Leben hellerer Tage zu erwachen.

Die da schänden und entweihen, müssen instinktiv um die Wahrheit des Reinen und Göttlichen wissen.

Die aber alles an das Licht des Tages zerren wollen, haben ihre Herkunft und ihren Ursprung vergessen, das Fruchtwasser in Schoßes Nacht.

Hat die Flutwelle den Damm durchbrochen, verebbt sie in der Ebene.

Nur das geweihte Wort bleibt Stern, wie die vergöttlichten Heroen, auch wenn es keinem Auge leuchtet.

 

Jun 13 18

William Butler Yeats, Leda and the Swan

A sudden blow: the great wings beating still
Above the staggering girl, her thighs caressed
By the dark webs, her nape caught in his bill,
He holds her helpless breast upon his breast.

How can those terrified vague fingers push
The feathered glory from her loosening thighs?
And how can body, laid in that white rush,
But feel the strange heart beating where it lies?

A shudder in the loins engenders there
The broken wall, the burning roof and tower
And Agamemnon dead.
Being so caught up,
So mastered by the brute blood of the air,
Did she put on his knowledge with his power
Before the indifferent beak could let her drop?

 

Leda und der Schwan

Ein jäher Stoß: Verzuckend Riesen-Schwinge
auf ihr, die taumelt, ihren Schenkeln schmiegt
sich dunkler Flaum, ihr Hals in Schnabels Zwinge,
er preßt die Brust auf ihre Brust, die fliegt.

Wie wehrten ihre Finger, blind, verschreckt,
die Federpracht von Schenkeln, die ihr beben?
Wie kann ein Leib, dem weißen Schwall gereckt,
sich einem fremdem Herzschlag mehr ergeben?

Dort zeugt ein Zittern in den Lenden Nacht,
den Fall der Mauer, Brand von Dach und Turm,
des Agamemnon Tod.
In diesen Krallen,
von rohem Blut der Lüfte übermacht,
floß ihr sein Wissen auch aus seinem Sturm,
bevor der taube Schnabel ließ sie fallen?

 

Jun 12 18

William Butler Yeats, Among School Children

I

I walk through the long schoolroom questioning;
A kind old nun in a white hood replies;
The children learn to cipher and to sing,
To study reading-books and history,
To cut and sew, be neat in everything
In the best modern way—the children’s eyes
In momentary wonder stare upon
A sixty-year-old smiling public man.

II

I dream of a Ledaean body, bent
Above a sinking fire, a tale that she
Told of a harsh reproof, or trivial event
That changed some childish day to tragedy—
Told, and it seemed that our two natures blent
Into a sphere from youthful sympathy,
Or else, to alter Plato’s parable,
Into the yolk and white of the one shell.

III

And thinking of that fit of grief or rage
I look upon one child or t’other there
And wonder if she stood so at that age—
For even daughters of the swan can share
Something of every paddler’s heritage—
And had that colour upon cheek or hair,
And thereupon my heart is driven wild:
She stands before me as a living child.

IV

Her present image floats into the mind—
Did Quattrocento finger fashion it
Hollow of cheek as though it drank the wind
And took a mess of shadows for its meat?
And I though never of Ledaean kind
Had pretty plumage once—enough of that,
Better to smile on all that smile, and show
There is a comfortable kind of old scarecrow.

V

What youthful mother, a shape upon her lap
Honey of generation had betrayed,
And that must sleep, shriek, struggle to escape
As recollection or the drug decide,
Would think her son, did she but see that shape
With sixty or more winters on its head,
A compensation for the pang of his birth,
Or the uncertainty of his setting forth?

VI

Plato thought nature but a spume that plays
Upon a ghostly paradigm of things;
Solider Aristotle played the taws
Upon the bottom of a king of kings;
World-famous golden-thighed Pythagoras
Fingered upon a fiddle-stick or strings
What a star sang and careless Muses heard:
Old clothes upon old sticks to scare a bird.

VII

Both nuns and mothers worship images,
But those the candles light are not as those
That animate a mother’s reveries,
But keep a marble or a bronze repose.
And yet they too break hearts—O Presences
That passion, piety or affection knows,
And that all heavenly glory symbolise—
O self-born mockers of man’s enterprise;

VIII

Labour is blossoming or dancing where
The body is not bruised to pleasure soul,
Nor beauty born out of its own despair,
Nor blear-eyed wisdom out of midnight oil.
O chestnut tree, great rooted blossomer,
Are you the leaf, the blossom or the bole?
O body swayed to music, O brightening glance,
How can we know the dancer from the dance?

 

Unter Schulkindern

I

Ich ging durchs Klassenzimmer, stellte Fragen.
Die alte Nonne sprach in weißer Tracht.
Die Kinder lernen zählen, singen, sagen,
wovon sie lasen, wer Geschichte macht,
zu schneiden und zu nähen, Schweres tragen
auf Pfaden leichten Ganges. Doch nun lacht
aus Kinderaugen Staunen: Sie gewahren
den berühmten Mann von sechzig Jahren.

II

Ich aber träum von Ledas weißem Schein,
zur fahlen Glut gebeugt, wie sie erzählt
vom Schulverweis und irgendeiner Pein,
die Kindertage tragisch-düster quält,
so sie, es schien ihr Sein mit meinem Sein
im Kreise zarten Eingefühls vermählt.
Wenn Platos Bild ich neu uns male:
im Eigelb und im Dotter einer Schale.

III

Vor Augen ihre Trauer, ihre Wut,
sah ich auf dieses oder jenes Kind.
Ob sie so war in ihrem jungen Blut?
Denn auch des Schwanes Töchter sind
verwandt mit Leuten ohne Federhut.
Ob ich an einer ihre Wange, Locke find?
Ein wildes Blut durchströmte meine Glieder:
Als Kind steht sie lebendig vor mir wieder.

IV

Wie nun sie ausschaut, steht mir vor den Augen.
Hat Renaissancekunst etwa so gemalt,
solch hohle Wangen, mußte Wind sie saugen,
war Schattenfrucht ihr einzig Mittagsmahl?
Kann ich auch nicht als Ledas Sippschaft taugen,
es schmückten hübsche Federn mich einmal.
Genug. Nur Lächeln zählt. Wenn alle lachen,
wird alte Vogelscheuche Freude machen.

V

Die junge Mutter, ihr Abbild auf dem Schoß,
den trog der Honig, Zeugungslust entquollen,
und das muß schlafen, schreien, flüchten bloß,
wie das Erinnern oder Lethe wollen,
sieht sie in ihrem Sohn, er wurde groß
und alt, gut sechzig Lenze sind verschollen,
für Wehenschmerz das lohnende Entgelt,
für all das Bangen, ging er in die Welt?

VI

Für Plato sind wir Schaum des Weltenbaus,
der geisterhafte Formen überbläst.
Der Stagirite warf härter Murmeln aus
auf höchsten Königs königlich Gesäß.
Phythagoras, der goldnen Hüfte Graus,
hat sich von Saiten einer Fiedel abgeäst
ein Sternenlied und holder Musen Keuchen:
uralter Lappen Wehn für Vogelscheuchen.

VII

Zu Bildern Nonnen, Mütter, beide beten,
doch anders schimmern die im Kerzenlicht
als die in Müttern Träumerei erregen,
denn Stein und Marmor ruht im Gleichgewicht.
Doch beide brechen sie das Herz. O Schemen,
was frommen Sinn und Leidenschaft umflicht.
Sie alle Zeichen himmelhellen Ruhmes –
o dunklen Schicksals Hohn des Menschentumes.

VIII

Die Mühe hat ein Blühen oder schwingt,
wo nicht der Leib zur Lust der Seele bleicht,
Verzweiflung sich zu schönem Lächeln zwingt,
wo Weisheitsblick nicht trübem Nachtgeist gleicht.
Kastanie, Blüher, der Dunkelheit entspringt,
hast du als Blatt dich, Blüte, Stamm gereicht?
O Leib, im Lied gewiegt, o Strahlenglanz,
wie unterscheiden Tänzer wir und Tanz?

 

Jun 12 18

Das rote Mal

Hier steigt noch Rauch,
doch golden nicht.

Ein Schatten knirscht,
wenn einer träumt.

Wie dumpf es hallt,
wenn einer spricht.

Das Leben hält
in seinen fahlen Tag
den nackten Stumpf
und voller Grind.

Die Lippen lallen
Wassern nach
aus Brunnen
ohne Moos des Lichts.

Zunge,
wurmzernagtes
Totholz,
das im Dunkeln
faulig glimmt.

„Was gibtʼs zu Mittag“,
fragt der Gast
mit der Narbensichel
auf der Stirn
und legt das blitzende,
das Messer auf den Tisch.
Die Frau
verrührt den Brei,
der Mann
schenkt grinsend ein,
das Kind
krault ihm den Bart,
und der Dunkle ißt.

„Was gibtʼs zu Abend?“,
fragt der Töter,
der zur Sühne
die Kindfrau wiegt
auf seinem Schoß.
Da rinnen
wie von Veilchen
Tropfen
auf den Stein
der Faust.

Doch am Abend
schleichen Engel
von Haus zu Haus,
tunken ihre Flügel
in die Eimer Blut
von reinen Lämmern
und streichen
auf die Schwellen,
an die Türen
rot ein Mal.

Auf alle Schwellen?
Alle.
An alle Türen?
Alle.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, He Wishes his Beloved were Dead

Were you but lying cold and dead,
And lights were paling out of the West,
You would come hither, and bend your head,
And I would lay my head on your breast;
And you would murmur tender words,
Forgiving me, because you were dead:
Nor would you rise and hasten away,
Though you have the will of wild birds,
But know your hair was bound and wound
About the stars and moon and sun:
O would, beloved, that you lay
Under the dock-leaves in the ground,
While lights were paling one by one.

 

Er wünscht sich die Geliebte tot

Lägst endlich du im kühlen Grab,
und bliese Westen Dämmerdust,
du kämest, neigtest dich herab,
mein Haupt bärg ich an deiner Brust.
Du flüstertest mir zu so mild,
vergäbest mir, du Hauch vom Grab,
erhöbst dich nicht, gingst nicht davon,
war auch dein Wille vogelwild.
Nun ist du weißt dein Haar ein Band,
gezwirnt um Sonne, Mond und Stern,
O lägest du, Geliebte, schon
bedeckt von Ampfers Laub im Sand
und Lichter fahlten nah und fern.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, To an Isle in the Water

Shy one, shy one,
Shy one of my heart,
She moves in the firelight
Pensively apart.

She carries in the dishes,
And lays them in a row.
To an isle in the water
With her would I go.

She carries in the candles,
And lights the curtained room,
Shy in the doorway
And shy in the gloom;

And shy as a rabbit,
Helpful and shy.
To an isle in the water
With her would I fly.

 

Zu einer Insel im Meer

Die Scheue, sie hat scheu
mein Herz gewonnen,
sie kramt im Feuerschein,
scheu und versonnen.

Sie holt die Tassen rein,
sie wischt die Teller leer.
Mit ihr ging ich wohl gern
auf eine Insel im Meer.

Sie stellt die Kerzen auf,
läßt es im Duster funkeln,
auf der Schwelle scheu,
und scheu im Dunkeln.

Ja, scheu wie eine Häsin,
scheu, mit weichem Kern.
Zu einer Insel im Meer
flög ich mit ihr wohl gern.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, The Cap and Bells

The jester walked in the garden:
The garden had fallen still;
He bade his soul rise upward
And stand on her window-sill.

It rose in a straight blue garment,
When owls began to call:
It had grown wise-tongued by thinking
Of a quiet and light footfall;

But the young queen would not listen;
She rose in her pale night-gown;
She drew in the heavy casement
And pushed the latches down.

He bade his heart go to her,
When the owls called out no more;
In a red and quivering garment
It sang to her through the door.

It had grown sweet-tongued by dreaming
Of a flutter of flower-like hair;
But she took up her fan from the table
And waved it off on the air.

‘I have cap and bells,’ he pondered,
‘I will send them to her and die’;
And when the morning whitened
He left them where she went by.

She laid them upon her bosom,
Under a cloud of her hair,
And her red lips sang them a love-song
Till stars grew out of the air.

She opened her door and her window,
And the heart and the soul came through,
To her right hand came the red one,
To her left hand came the blue.

They set up a noise like crickets,
A chattering wise and sweet,
And her hair was a folded flower
And the quiet of love in her feet.

 

Kappe mit Schellen

Der Narr lief durch den Garten,
verstummt war Baum und Rank.
Aufschwung befahl er der Seele
vor ihrer Fensterbank.

Sie stieg, ein blauer Mantel,
und Eulenruf erklang:
Wahrzüngig schuf sie Sinnen
auf ihren stillen, leichten Gang.

Taub blieb die junge Königin.
Sie ging, das bleiche Nachtkleid flirrte,
und schloss die Fensterflügel zu,
der schwere Riegel klirrte.

Er wies das Herz auf ihre Wege,
stumm war der Eulen Chor.
In roten Kleides Flattern
sang es vor ihrem Tor.

Süßzungig schuf es Träumen
von ihres Blumen-Haares Flausch.
Sie aber nahm vom Tisch den Fächer
und fächelte hinweg den Rausch.

„Ich hab Hut und Schellen“, sann er,
„die schick ich ihr vor meinem Tod.“
Und ließ sie, als der Morgen graute,
auf ihrer Schwelle, blau und rot.

Sie legte auf die Brust sie nieder,
in Locken-Wolken eingehüllt,
ihr Mund ward rot von Liebesliedern,
bis Nacht von Flimmern war erfüllt.

Sie schloss Türe auf und Fenster,
und Herz und Seele sie sich fand,
das rote lag zu ihrer rechten,
die blaue ihr zur linken Hand.

Sie zirpten laut wie Grillen,
sie zirpten weise und süß,
ihr Haar die volle Knospe,
den Füßen Liebe Stille wies.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, Veronica’s Napkin

The Heavenly Circuit; Berenice’s Hair;
Tent-pole of Eden; the tent’s drapery;
Symbolical glory of the earth and air!
The Father and His angelic hierarchy
That made the magnitude and glory there
Stood in the circuit of a needle’s eye.
Some found a different pole, and where it stood
A pattern on a napkin dipped in blood.

 

Das Tuch der Veronika

Der Himmelskreis. Der Berenike Haar.
Der Pfahl in Edens Zelt, des Zeltes Vorhang:
Der Glorie Bild ward Land und Lüften wahr!
Der Vater und der Engel gestufter Rang,
sie stellten das erhabne Werk des Ruhmes dar,
schwebend in der Mitte eines Nadelöhrs.
Und manche fanden einen anderen Pfahl,
da lag ein Tuch, gemustert von Blutes Strahl.

 

Jun 10 18

William Butler Yeats, A Coat

I made my song a coat
Covered with embroideries
Out of old mythologies
From heel to throat;
But the fools caught it,
Wore it in the world’s eyes
As though they’d wrought it.
Song, let them take it,
For there’s more enterprise
In walking naked.

 

Das Kleid

Mein Lied ward mir zum Kleid,
bestickt an schönen Säumen
mit alter Sagen Träumen,
es wallt in Festlichkeit.
Doch es stahlen Laffen,
um damit zu protzen,
als hätten sieʼs erschaffen.
Lied, gib dich nur her,
sie haben mehr zu glotzen,
geh ich nackt einher.

 

Jun 10 18

Der Mann der hohen Fahrten

Der Mann der hohen Fahrten
übers offne Meer,
die Augen ferne Schimmer,
Wimpern traumesschwer.

In Fluten und in Ebben
schwoll und sank sein Herz,
er sang die dunklen Lieder,
helle voller Scherz.

Und blitzte auf den Wellen
früher Möwenschrei,
blind stopfte er die Pfeife
und er sang dabei.

Vergoß in Wogenkelche
Abend roten Wein,
beglänzte seine Lippen
Liedes Purpurschein.

Ich kam auf seine Insel
jüngst ein letztes Mal,
ich sah ihn vor der Kate,
stumpfen Auges, fahl.

Es schrie die lichte Möwe
stürzend überm Meer,
kalt leckte Mond auf Wogen,
doch er sang nicht mehr.

 

Jun 10 18

Christina Rossetti, If Stars Dropped Out of Heaven

Sing-Song L

If stars dropped out of heaven,
And if flowers took their place,
The sky would still look very fair,
And fair earth’s face.

Winged angels might fly down to us
To pluck the stars,
Be we could only long for flowers
Beyond the cloudy bars.

 

Sing-Sang L

Fielen vom Himmel die Sterne
und tauschten mit Blumen die Stelle,
schön würde der Himmel blühen
und Erde leuchten helle.

Es schwebten Engel hernieder zu uns,
die Sterne zu pflücken.
Wir aber sehnten nach Blumen uns
hinter den Wolkenrücken.

 

Jun 10 18

Christina Rossetti, O Lady Moon

Sing-Song XLIX

O Lady Moon, your horns point toward the east:
Shine, be increased;
O Lady Moon, your horns point toward the west:
Wane, be at rest.

 

Sing-Sang XLIX

O Frau Mond, deine Hörner zeigen Richtung Osten.
Scheine und nimm zu.
O Frau Mond, deine Hörner zeigen Richtung Westen.
Weiche, geh zur Ruh.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, A Diamond Or a Coal?

Sing-Song XLVIII

A diamond or a coal?
A diamond, if you please:
Who cares about a clumsy coal
Beneath the summer trees?

A diamond or a coal?
A coal, sir, if you please:
One comes to care about the coal
What time the waters freeze.

 

Sing-Sang XLVIII

Den Diamanten oder Kohle?
Den Diamanten, darf ich bitten.
Wen schert die plumpe Kohle
im Sommer gelber Quitten?

Den Diamanten oder Kohle?
Die Kohle, darf ich Sie bitten,
man schert sich um die Kohle,
wenn Schnee knirscht unter Schlitten.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, When a Mounting Skylark Sings

Sing-Song XLVII

When a mounting skylark sings
In the sunlit summer morn,
I know that heaven is up on high,
And on earth are fields of corn.

But when a nightingale sings
In the moonlit summer even,
I know not if earth is merely earth,
Only that heaven is heaven.

 

Sing-Sang XLVII

Wenn die Lerche steigend singt
im Sommermorgenschimmer,
weiß ich Himmels Blau sehr hoch,
und Erde unter goldnem Flimmer.

Doch singt im Mondeslicht
der Sommernacht die Nachtigall,
weiß ich mich auf Erden nicht,
fühle Himmel überall.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, I Have But One Rose

Sing-Song XLVI

I have but one rose in the world,
And my one rose stands a-drooping:
Oh, when my single rose is dead
There’ll be but thorns for stooping.

 

Sing-Sang XLVI

Mir blieb nur eine Rose rot,
und die eine will verwehen.
O, ist meine eine Rose tot,
nur Dornen bleiben stehen.

 

Jun 9 18

Leiser Sang I

Leiser Sang,
du kehrest wieder,
wie die Träne
niederglänzet
an der Wimper bang.
Gelbe Strähne
Abendsonne
streifet milde
über müde Lider.
Und der Schwäne
schmerzlich Blassen
wandert
aus dem Bilde
einsam
und gelassen.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, The Wind Has Such a Rainy Sound

Sing-Song XLV

The wind has such a rainy sound
Moaning through the town,
The sea has such a windy sound, –
Will the ships go down?

The apples in the orchard
Tumble from their tree. –
Oh will the ships go down, go down,
In the windy sea?

 

Sing-Sang XLV

Wind singt kalter Tropfen Lied,
trostlos Scheiben blinken.
Meer singt kalten Windes Lied,
werden Schiffe sinken?

Wie von ihren Zweigen
Äpfel niedersausen.
Schlingt hinab die Schiffe, schlingt sie
Meeresbrausen?

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, The Lily Has an Air

Sing-Song XLIV

The lily has an air,
And the snowdrop a grace,
And the sweetpea a way,
And the heartsease a face, –
Yet there’s nothing like the rose
When she blows.

 

Sing-Sang XLIV

Lilie hat den Hauch,
Anmut Anemone,
Wege kennt die Wicke,
Blicke die Viole,
ganz entrückt die Rose,
weht sie lose.

 

Jun 9 18

Flamme singe edles Blut

Hoher Himmel glimmt auf allen,
zwischen Licht und Blättern Tau,
Wahn und leere Blüten fallen,
Harz und Honig rinnt im Bau.

Hellas wölbte den Azur,
flammend über blauen Traum
wortgepflügter Meeresflur,
stickte zarten Mythen-Saum.

Treue Spiegel sinnen Augen
sich die Sternenbilder an,
Lippen, die zu Liedern taugen,
rührt ein Hauch im Schilfe, Pan.

Schneiden tauben Nerv wir los,
Flamme singe edles Blut,
Gottes Zorn ist auch der Schoß,
wo der Wunder-Samen ruht.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, I Planted a Hand

Sing-Song XLIII

I planted a hand
And there came up a palm,
I planted a heart
And there came up balm.

Then I planted a wish,
But there sprang a thorn,
While heaven frowned with thunder
And earth sighed forlorn.

 

Sing-Sang XLIII

Ich pflanzte eine Hand:
ein Palmtrieb erschien.
Ich pflanzte ein Herz:
Melisse schoss grün.

Ich pflanzte einen Wunsch,
ein Dorn ward geboren,
donnernd grollte der Himmel,
Erde seufzte verloren.

 

Jun 8 18

Christina Rossetti, Sing Me a Song

Sing-Song XLII

Sing me a song–
What shall I sing? –
Three merry sisters
Dancing in a ring,
Light and fleet upon their feet
As birds upon the wing.

Tell me a tale–
What shall I tell?
Two mournful sisters,
And a tolling knell,
Tolling ding and tolling dong,
Ding dong bell.

 

Sing-Sang XLII

Sing mir ein Lied.
Wovon dir singen?
Drei heitre Schwestern
tanzten Ring in Ringen,
leicht und fließend auf den Füßen
gleich Vögeln mit den Schwingen.

Kennst du eine Mär?
Wohin dich locken?
Drei düstren Schwestern
dröhnten Totenglocken,
dröhnten Wu und dröhnten Wei,
Wu-Wei-Glocken.

 

Jun 8 18

Christina Rossetti, If Hope Grew On a Bush

Sing-Song XLI

If hope grew on a bush,
And joy grew on a tree,
What a nosegay for the plucking
There would be!

But oh! in windy autumn,
When frail flowers wither,
What should we do for hope and joy,
Fading together?

 

Sing-Sang XLI

Wüchs Hoffnung rot mit Beeren,
wie Reben Freudenglanz,
wie füllten wir die Körbe, bänden
froh den Kranz!

Doch wenn in Herbstes Hauch
verblassen Rosen, Nelken,
wie Hoffnung bergen, Freude uns,
da sie verwelken?

 

Jun 8 18

William Butler Yeats, The Lake Isle of Innisfree

I will arise and go now, and go to Innisfree,
And a small cabin build there, of clay and wattles made;
Nine bean rows will I have there, a hive for the honey bee,
And live alone in the bee-loud glade.

And I shall have some peace there, for peace comes dropping slow,
Dropping from the veils of the morning to where the cricket sings;
There midnight’s all a glimmer, and noon a purple glow,
And evening full of the linnet’s wings.

I will arise and go now, for always night and day
I hear lake water lapping with low sounds by the shore;
While I stand on the roadway, or on the pavements grey,
I hear it in the deep heart’s core.

 

The Lake Isle of Innisfree

Ich breche auf, ich geh nach Innisfree, der grünen.
Dort bau ich eine Hütte mir aus Lehm und Rohr.
Neun Reihen Bohnen pflanz ich, halt mir Bienen.
Ich leb für mich, rings nur der Immen Chor.

Dort will ich Frieden finden, denn Frieden kommt wie Tropfenflut,
die tropft vom Morgenschleier, worin die Grillen singen.
Um Mitternacht ist alles Schimmer, Mittag Purpurglut
und Abend füllen Finkenschwingen.

Ich breche auf, ich geh und höre Nacht und Tag
der Wellen Plätschern, wenn sie sanft das Schilf betören.
Steh ich am Straßenrand, auf grauem Teerbelag,
im Schacht des Herzens kann ichʼs hören.

 

Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=n5yKXh7lw7s

 



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