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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Am Saum des Unversäumten philosophische Gedichte lyrische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Am Saum des Unversäumten</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Nov 2025 23:05:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Am Saum des Unversäumten philosophische Gedichte lyrische Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>τῶν δ&#8217; ὅς τις λωτοῖο φάγοι μελιηδέα καρπόν οὐκέτ&#8217; ἀπαγγεῖλαι πάλιν ἤϑελεν οὐδὲ νέεσϑαι, ἀλλ&#8217; αὐτοῦ βούλοντο μετ&#8217; ἀνδράσι Λωτοφάγοισι λωτὸν ἐρεπτόμενοι μενέμεν νόστου τε λαϑέσϑαι. Aber wer da gekostet des Lotos Früchte, die süßen, will nicht Kunde bringen davon, nicht heimwärts mehr kehren, sondern dort bei den Lotosessern will er stets bleiben, um den [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/saum-des-unversaeumten/">Am Saum des Unversäumten</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>τῶν δ&#8217; ὅς τις λωτοῖο φάγοι μελιηδέα καρπόν<br />
οὐκέτ&#8217; ἀπαγγεῖλαι πάλιν ἤϑελεν οὐδὲ νέεσϑαι,<br />
ἀλλ&#8217; αὐτοῦ βούλοντο μετ&#8217; ἀνδράσι Λωτοφάγοισι<br />
λωτὸν ἐρεπτόμενοι μενέμεν νόστου τε λαϑέσϑαι.</p>
<p><em>Aber wer da gekostet des Lotos Früchte, die süßen,<br />
will nicht Kunde bringen davon, nicht heimwärts mehr kehren,<br />
sondern dort bei den Lotosessern will er stets bleiben,<br />
um den Lotos zu pflücken, der Heimkehr aber vergessen.<br />
</em><br />
Homer, Odyssee, 9. Gesang, 94–97</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Träumen irrest bang du umher<br />
an potemkinschen Fassaden<br />
unbekannter Städte,<br />
durch Nebel fremder Sprachen<br />
tastest vergebens du dich,<br />
dem Hauch deines Mundes mißtrauend.</p>
<p>Aus dem Schalter des Bahnhofs<br />
ertönt die Stimme der Sphinx:<br />
„Wohin geht denn die Reise?“</p>
<p>Doch du weißt es nicht.<br />
Kennst ihn nicht mehr,<br />
der Heimatstadt trauten Namen.</p>
<p>In Wahrheit lebst du ja<br />
schon lang nicht mehr dort.<br />
Die trübe Woge deines Epos<br />
spie an fremdem Ufer dich aus.<br />
Da harrte deiner nicht Nausikaa.</p>
<p>Und jener Name ist wie eine blasse<br />
Vignette am Rand von Traumnotizen,<br />
ein Wasserzeichen auf dem Brief,<br />
dem Niemandsbrief an keinen,<br />
das manchmal vage schimmert,<br />
hältst du ihn ins Gegenlicht<br />
des Sonnenuntergangs.</p>
<p>In Wahrheit wärst du dort auch fremd –<br />
fremder als Odysseus’ Weggefährten<br />
auf der Lotosesser-Insel,<br />
die nicht mehr wissen,<br />
was Heimat ist und Vaterland.</p>
<p>Fremd auch dort und dort und dort,<br />
was immer du am Schalter nennen magst,<br />
ob Meßkirch oder Ilmenau,<br />
Rom, Paris, Berlin.</p>
<p>Setz dich zu den Alten auf die Bank<br />
am Saum des Unversäumten.</p>
<p>Denk dir, du drehtest langsam<br />
die Lotosblüte in der Hand.</p>
<p>Eine Dohlenfeder tät es auch,<br />
ein Zigarrenstummel.</p>
<p>Sieh die Häuserfronten rings<br />
gleich Traumfassaden<br />
oder eines stümperhaften Bühnenmalers<br />
hohles Pappmaschee.</p>
<p>Laß Nebel um dich wallen.</p>
<p>Dunst der Muttersprache<br />
kondensiert gen Abend<br />
zu Tropfen Taus<br />
von rätselhaftem Glanz.</p>
<p>(Doch du erwachst<br />
in einen anderen Traum.<br />
Nachts liegst du auf der Bank,<br />
an Hand und Fuß gefesselt,<br />
verschleiert ist der Blick<br />
von beißenden Partikeln,<br />
Flocken von Asche und Ruß<br />
eines würgenden Idioms,<br />
die langsam auf dich fallen.<br />
Dann hörst du Schritte kommen<br />
und Schnalzen, das schon<br />
ätzend an dir niederrinnt.)</p>
<p>&nbsp;</p>
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