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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Augenblicke III Gedichte über Koblenz und Metternich</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Augenblicke III</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jul 2016 12:19:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte und poetische Texte über Koblenz, Koblenz-Metternich, die Eifel und den Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Augenblicke III Gedichte über Koblenz und Metternich]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Boden war trocken, rissig vor Durst, die Hitze stand, ein Wächter mit qualmendem Helm, zwischen den Johannis- und Stachelbeersträuchern, den Tomatenbeeten und zierlichen Pfirsichbäumen, und gebot Halt jedem, der auf Durchlaß sann. Aus dem nahen Hang kam ein die Kehle würgender Aasgeruch, eines verendeten Rehs oder Hasen oder der räudigen Katze, die der Junge [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/augenblicke-iii/">Augenblicke III</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Boden war trocken, rissig vor Durst,<br />
die Hitze stand, ein Wächter mit qualmendem Helm,<br />
zwischen den Johannis- und Stachelbeersträuchern,<br />
den Tomatenbeeten und zierlichen Pfirsichbäumen,<br />
und gebot Halt jedem, der auf Durchlaß sann.</p>
<p>Aus dem nahen Hang kam ein die Kehle würgender<br />
Aasgeruch, eines verendeten Rehs oder Hasen<br />
oder der räudigen Katze, die der Junge oft hat schreien<br />
hören, wenn sie läufig war und in den Dämmer der Hecken<br />
und die dunkel wuchernden Farne schrie –</p>
<p>Oben auf dem schmalen Dachfirst der Gartenhütte<br />
hing schlaff das mit Wolfstatzen bemalte Fähnchen,<br />
das er vor Zeiten gehißt hatte, zum Zeichen,<br />
daß seine Bilder (Zeitungsauschnitte von der Gorch Fock,<br />
vom Mount Everest, einem Schneeleoparden<br />
auf der Pirsch) und seine Waffen (ein Buschmesser<br />
mit Ledergriff, ein Bogen, der leider immer an Spannung<br />
verlor, eine mit Hartgummi versehene Schleuder,<br />
mit der man gut einen Hasen treffen oder einen Vogel<br />
vom Ast holen konnte), daß Bilder und Waffen hier<br />
unter heiliger Flagge verwahrt waren –</p>
<p>Das Knurren hörte er von weitem, da kommt wieder<br />
der alte bucklige Mann mit dem Königspudel<br />
und schleicht an dem dicht mit Fuchsien und Lobelien<br />
überhängenden Zaun vorbei, er sieht die schnurrige<br />
Schnauze und hört das wütende Wühlen des Tiers<br />
mit den Vorderläufen, dann pfeift das Männlein<br />
und stracks sucht der Köter das Weite –</p>
<p>Etwas braust auf im Tal, es loht wie Schwefel überm Fluß,<br />
Wolkenwülste platzen auf, aus dem grün-blauen Gestrüpp<br />
am schwer hängenden Bauch des Himmels spritzen<br />
wie aus schmerzenden Eutern Blitze, stumm, funkelnde<br />
Kristalle stieben hoch über den alten Kirschbäumen,<br />
die zarten Köpfe der Dahlien, die sich eben noch wiegten,<br />
und die feinen Rüschen der Glyzinen, die eben noch wehten,<br />
sind augenblicks erstarrt, als halte die Welt den Atem an –</p>
<p>Als halte die Welt den Atem an, auf der Stirn fühlt er<br />
kalten Schweiß, es saust in den Ohren, dann sieht er,<br />
wie sich das fette Gras regt und eine schmale Schneise<br />
öffnet, es ist die Blindschleiche, die sich hastig mit einer Raupe<br />
im Maul in ihren Stollen windet, es saust in den Ohren,<br />
er will nach dem Großvater rufen, aber die Zunge klebt<br />
trocken am Gaumen, der Schwefel erbricht sich wie Asche<br />
und Löß über die weißen Kissen der Wolken, dazwischen<br />
sticht die Sonne wie mit scharfen Messern in das dunkler, kälter,<br />
böser wirkende Blau, das alles trägt, durch das alles fällt –</p>
<p>Schnell, er muß die Wanderkarte retten, die er am Teich<br />
ausgebreitet hat, um über die Wege durch das Eifelfeld<br />
zu phantasieren, die Karte, die an Wert Fahrtenmesser<br />
und Kompaß gleichkommt, das Geschenk des Freundes,<br />
der mit der Gitarre und der Mundorgel ihm ein Menschenalter<br />
voraus ist, jetzt war der Bann gebrochen, mit einemal<br />
schütteln die Dahlien heftig die Köpfe, die Glyzinen<br />
werden heiß gehoben wie fliegende Röcke im Tanz,<br />
dann grollt und poltert es, als rollten schwere Bierfässer<br />
über die Tenne des Himmels, doch lange noch lecken<br />
die hellen Zungen der Blitze über die trockenen Borken und<br />
raschelnden Wipfel, bis endlich die weißen, grausam geschüttelten<br />
Lilien des Regens ihre lang zurückgehaltenen Tränen vergießen –</p>
<p>O, hat der Junge seine Karte gerettet? Er stand noch lange,<br />
fröstelnd mit klopfendem Herzen im Schuppen,<br />
während die Tropfen auf die Ziegel klatschten<br />
und das Grollen seinen buschigen Schweif durch die Täler<br />
zog wie ein sich trollender Fuchs, er stand noch lange,<br />
und wieder saugte das All aus dem Abgrund der Angst<br />
die scharfen Atemkristalle zu neuer Schöpfung –</p>
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