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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Brueghel lässt grüßen Sentenzen Aphorismen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Brueghel lässt grüßen</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2015 15:54:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Sentenzen und Aphorismen]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Brueghel lässt grüßen Sentenzen Aphorismen]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<p>Am frühen Morgen lugte die alte Bedienung aus dem Café hervor und wies mit der Nase einen frischen Besucher auf irgendetwas hin, vielleicht auf den Eckplatz dort, wo man ganz passabel sitzen könne. Wie sie mit der Nase den Hinweis gab und ihn mit einer schnippischen, laxen, beiläufigen Bemerkung, einem unwirschen Maulen, unterfütterte – all das schien ihm so klar, so einzigartig, so sprechend, als würde sich das Leben wie ein traulichen Hündchen zu seinen Füßen legen, anschmiegen, offenbaren. Ach, so ist es, das Leben!, dachte er und besann sich noch kurzweilig auf die Genremalerei der Niederländer, wo das Leben ebenfalls seine neugierige Nase hinausstreckt oder hineinsteckt, wo es gern an jeder Ecke neugierig verweilt und Maulaffen feilhält.</p>
<p>Wir sind aufgrund unserer kindlichen Neigung zu übersichtlichen Verhältnissen und persönlichen Konterfeis verleitet, das Leben als Inbegriff aller Kundgaben und Handlungen einer Person mit ihren Zacken und Macken, ihren Vorlieben, Sehnsüchten und Leidenschaften zu nehmen. Wir sagen so leichthin: „Das hat ihm das Leben versagt!“ Oder wenn wir sehen, wie einer unverdientermaßen im Glück schwimmt: „Das Leben meint es wohl gut mit ihm!“ Wir glauben auch zu bemerken, wie einer sich am Leben zu rächen dünkt, indem er seiner Frau den Hals umdreht oder seine Kinder schikaniert. Und der froh gelaunte Liebhaber, der aus dem warmen Bett seiner Geliebten in die Wintersnacht stürmt, und zwischen den Schneeflocken verschwimmt ihm der Schein der Laterne, er glaubt das Leben, das ihm das Schöne gegönnt, zu feiern und hochleben zu lassen. Wem aufgrund einer seelischen Störung das Grauen und die Angst im Nacken sitzt und er muss schauen, wohin er sich im Bus setzt, nur nicht in die Nähe dieses Ungetüms! – ihm scheint das Leben übel mitgespielt zu haben. Indes müssen wir hier dazu aufrufen, ein wenig innezuhalten, und um Bedenkzeit bitten . . . Nein, dem ist nicht so: Das Leben ist nicht die handelnde Person, die mit uns etwas vorhat, uns an der Nase herumführt oder uns zu den Überraschungseiern leitet, auf die wir schon lange erpicht waren. Wir leiden nicht an einer seelischen Krankheit, weil uns das Leben übel mitspielt, sondern – weil wir daran leiden, basta! Wir rufen nicht Holtrio! in die Winternacht, weil uns das Leben reich beschenkt hat, sondern – weil wir Glück hatten, und diese Frau im richtigen Moment uns über den Weg lief. Es ist eher wie in der Genremalerei der Niederländer: In einem ungeheuren Durcheinander der gekreuzten und durchkreuzten, der gebahnten und ausweglosen Begegnungen, der niederen Intrigen und sublimen Spiele sind wir mittendrin: Schicksalsgenossen, Intriganten, Täter und Opfer, geliebt und gehasst, gewünscht und verwünscht, kostbar und überflüssig, alles zugleich und zusammen.</p>
<p>Während im Hinterhof der Welt ein Hammel unter bärtigem Fluchen und herzergreifendem Winseln aufs widerwärtigste und erbärmlichste geschächtet wird, singen in einem weißen Tempel derselben Welt engelreine Stimmen von der wiedererlangten Unschuld des Seins.</p>
<p>Auf dem Friedhof die drei Alten, sie hatten bauchige Taschen unterm Arm baumeln, die spitzigen Nasen ragten aus bunten Kopftüchern. Tuscheln, Beratschlagen oder Beschwören? Du gehst da lang, wir hier, und treffen werden wir uns zu gegebener Stunde wieder an dieser Stelle. Hexen, diesseits oder jenseits des Hexenhammers, warum sollte es sie nicht geben?</p>
<p>Als wären die Angehörigen gewisser Berufsgruppen, Sippen und Gilden dazu berufen, das Leben von Natur aus besser zu verstehen! Und warum ausgerechnet dieses elende, korrupte und degenerierte Pack der schmierigen Schauspieler oder larmoyanten Künstler oder sprachbehinderten Zeitungsschreiber? Jener Großvater, ein Bauer und Sohn eines Bauern, der von Integralrechnung keinen Schimmer hatte, aber den Staub der Gräben vor Verdun geschluckt hatte, verstand mehr davon oder dieser halbe Idiot, der die von ihm auserkorene Nutte erstochen in ihrem Wohnwagen vorfand und daraufhin eine Fahrkarte nach Istanbul löste.</p>
<p>Braucht es ein hermeneutisches Vergrößerungsglas, ein Senkblei intuitiven Verstehens oder die Grubenlampe der Seelenschürfer, um das Leben besser oder recht und schlecht zu verstehen? Ganz und gar nicht. Dein wacher Sinn genügt, dein Hirnschmalz, wenn auch schon leicht ranzig geworden, aber analytisch noch ganz flott, und ein gutes Zubrot geduldiger Einfühlung, mit der du die Zeichen in aller Ruhe in Reih und Glied zusammenstellst, um deine Schlüsse zu ziehen.</p>
<p>Der vertrackte Liebhaber, der sich seiner und seiner Gefühle nicht sicher ist, gibt undeutliche, verwackelte Zeichen. Du bedarfst darum nicht einer besonderen Liebeshermeneutik und Entzifferungskunde: Wer sich unklar und zweideutig ausdrückt und zeigt, führt nur eins im Schilde: dich kirre zu machen, dich zu verwirren und dich am langen Gängelband an kein gutes Ende vom Lied zu führen. Du beherzige den Schluss: Schick ihn zum Teufel!</p>
<p>Alle, die geschwollenen Sinns mit geschwollenen Backen immerfort aufrufen und sich die Medienseele aus dem Theaterleib schreien, all den entrechteten Teufeln und Flüchtlingen, all den Fiesen und Miesen mit offenen Jesus-Armen entgegenzueilen und sie mit dem Fleisch des eigenen Herzens zu speisen, erweisen sich als unfähig, der eigenen Mutter in der Sterbestunde die Hand zu halten.</p>
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