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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Der Giftknilch philosophische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Der Giftknilch</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2016 17:13:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Der Giftknilch philosophische Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wer hat das Gift wohl eingeträufelt? Warʼs schon in der Muttermilch? Oder gießt ein kleiner Dämon nächtens aus einer Muschel es in unser Ohr, dem einen mehr, dem andern weniger? Und wer begnadet ist, ohne Ranküne das Leben hinzunehmen und zu geben hin, hat Glück er, ist der Götter Liebling oder heilig ohne Heiligenschein? Er [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/der-giftknilch/">Der Giftknilch</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wer hat das Gift wohl eingeträufelt?<br />
War</em><em>ʼs schon in der Muttermilch?<br />
Oder gießt ein kleiner Dämon nächtens<br />
aus einer Muschel es in unser Ohr,<br />
dem einen mehr, dem andern weniger?<br />
Und wer begnadet ist, ohne Ranküne<br />
das Leben hinzunehmen und zu geben hin,<br />
hat Glück er, ist der Götter Liebling<br />
oder heilig ohne Heiligenschein?<br />
</em><br />
Er dreht jedes Wort dir um im Munde,<br />
wie einen schweren Stein, und findet immer<br />
im dunklen Ungesagten Würmer wimmeln.</p>
<p>Vor lauter Frühling muß er teuflisch niesen,<br />
vor lauter Sommer schwitzt er saure Tropfen,<br />
vor lauter Herbst verschluckt er Bitterkerne,<br />
vor lauter Winter wirft er Nüsse in den Ofen.</p>
<p>Es rumort sein säuerlicher Geist<br />
beim Anblick schöner Frauen<br />
wie der Magen eines Kranken<br />
vor dem Tauglanz praller Beeren.</p>
<p>O, sein Verstand ist messerscharf,<br />
und er kupiert dir jeden zarten Trieb,<br />
den jungen Sproß der Phantasie,<br />
das Ringelschwänzchen Lebensfreude,<br />
weil auf faulem Humus sie gediehen,<br />
weil es ringelt aus dem Hundeleben,<br />
und heißetʼs dialektische Kritik.</p>
<p>Kritik, das ist die schwarze Tinte,<br />
die er trinkt wie andre Wein,<br />
und wie Trauben süß berauschen,<br />
sind seine Räusche herb und kalt.</p>
<p>Die Landschaft hoher Gipfelzüge<br />
macht ihn schwindeln.<br />
Im weißen Bausch der Wolkenkissen<br />
glaubt er zu ersticken.<br />
Der linde Duft des Sommerabends<br />
macht ihn hüsteln.</p>
<p>Wort und Blick des Nebenmanns<br />
sind Angelruten falscher Köder.<br />
An seinem Hauch welkt augenblicks<br />
des Grußes dargereichte Blume.</p>
<p>Er ist so hellhörig,<br />
daß er im Hymnensang der Engel<br />
den falschen Ton erwischt.</p>
<p>Er ist so hellsichtig,<br />
daß er über der Lippe Mona Lisas<br />
den Schatten eines Haars entdeckt.</p>
<p>Im Garten Eden beschleicht ihn Unbehagen –<br />
ist es nicht schreiend Unrecht,<br />
wenn unter hohen stillen Bäumen<br />
die kleine Schar der Auserwählten<br />
den Schatten Seines Friedens findet,<br />
und wie sanfte Quelle strömt ihr Mund<br />
vom goldnen Lied der Dankbarkeit,<br />
während da draußen all die Verdammten<br />
in der Glut des schattenlosen Tages schreien?<br />
Er will wie eine schön bemalte Vase,<br />
aus der Fäulnisodem ihm entgegenschlägt,<br />
schmettern an die Wand die schlechte Welt<br />
und kocht vor Wut, weil erʼs nicht kann.</p>
<p>Und doch hat diesem Giftzwerg<br />
Gottes unbegreifliche Gnade<br />
den holden Zauber einer Frau gesellt,<br />
aus ihren großen blumenfeuchten Augen<br />
schimmert Sanftheit und Ergebenheit<br />
durch den Nebel seiner Zweifelsucht,<br />
aus der schwarzen Wolke ihres Haars<br />
regnen warme Liebesschauer<br />
auf die dürre Ebne seiner Spöttelei.</p>
<p>So frage nicht, wovon der krumme Teufel<br />
zynischen Nörgelns, blutlosen Faselns<br />
denn leben kann – die schöne Demut istʼs,<br />
die selbst die Spucke seiner Mißempfindung<br />
geduldig aufwischt und ihr Lächeln schenkt.</p>
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