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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Der Tod als Hüter der Subjektivität Philosophie Sentenzen Aphorismen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Der Tod als Hüter der Subjektivität</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2016 19:40:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Sentenzen und Aphorismen]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Der Tod als Hüter der Subjektivität Philosophie Sentenzen Aphorismen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Sentenzen und Aphorismen über den Tod als existentielle Möglichkeit subjektiven Daseins Das Rätsel im Begriff Gottes ist die Vereinbarkeit der ihm notwendig zugesprochenen Attribute ewigen Lebens oder des Daseins in der Dimension der Ewigkeit und des seiner selbst bewußten Lebens, kurz: die Denkmöglichkeit eines ewigen Ich. Denn wir sehen den Zusammenhang des seiner selbst bewußten [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/der-tod-als-hueter-der-subjektivitaet/">Der Tod als Hüter der Subjektivität</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sentenzen und Aphorismen über den Tod als existentielle Möglichkeit subjektiven Daseins<br />
</em><br />
Das Rätsel im Begriff Gottes ist die Vereinbarkeit der ihm notwendig zugesprochenen Attribute ewigen Lebens oder des Daseins in der Dimension der Ewigkeit und des seiner selbst bewußten Lebens, kurz: die Denkmöglichkeit eines ewigen Ich.</p>
<p>Denn wir sehen den Zusammenhang des seiner selbst bewußten Lebens und des sterblichen, todgeweihten Daseins als einen internen, inneren, notwendigen Zusammenhang.</p>
<p>Daß wir vereinzelt, konkret verleibt und subjektiv an das Leben als unser jeweiliges Erleben gebunden sind, gilt uns als gleichsinnig damit, sterblich zu sein.</p>
<p>Es widerstrebt uns, annehmen zu sollen, daß ein Farbeindruck keine zeitliche Begrenzung haben könnte. Es wäre so gut, wie nichts zu sehen.</p>
<p>Ohne die Fragilität, Korruptibilät und Finalität der wesentlichen institutionellen Begriffe unseres sozialen Umgangs wie Liebe oder Freundschaft hätten wir keinen Zugang zu ihrer wahren Bedeutung, bliebe uns die Intensität, mit denen sie unser Leben beleben, verschlossen, ihr Sinn schwände gegen null.</p>
<p>Das befruchtete mütterliche Ei – es bildet ein Modell oder Denkbild für den internen Zusammenhang der biologisch gegebenen Individualität oder Singularität und jener Lebensstufe, die wir verkörpern, wenn wir wachsend, reifend, fruchtend und befruchtend oder leidend unser inne werden. Wir sehen die Natur anders, anders als der Naturalismus, wenn wir das befruchtete, zur Entfaltung durch Selbstteilung ausgerichtete und somit auch auf den Zerfall des Zellorganismus angelegte Ei als Virtualität oder Potenz des subjektiven Lebens betrachten.</p>
<p>Das subjektive Dasein beginnt nicht mit der Ausbildung komplexer Nervensysteme, sondern in nuce mit der Umhüllung des Zellkerns, mit der Haut im weitesten Sinne – vielleicht sogar mit den ersten Hüllen der atomaren Kerne.</p>
<p>Leben heißt gleichsam zehren und sich verzehren, natürlich von und nach all jenen Lebensgütern, die wir in uns aufnehmen, von den Speisen und Getränken bis zu den Gesten, den Worten oder dem Lächeln der Mitmenschen.</p>
<p>Wir begreifen den Sinn des Lebens am Leitfaden der uns als sterblichen Lebewesen mitgegebenen Sinnbezüge wie den Altersstufen oder Zeitstufen unserer subjektiven Existenz. So sind wir als Kind verspielt und neugierig, als Jugendlicher erotisch oder abenteuerlich, im reifen Alter tatkräftig oder vorsorgend, im hohen Alter nachdenklich oder besinnlich. Die Lebens- und Sinnbezüge von Spiel, Erotik, Sorge und Besinnlichkeit eröffnen sich solcherart im Horizont unseres sterblich-subjektiven Daseins.</p>
<p>Wir erkennen den Wert eines materiellen Gutes oder einer menschlichen Beziehung am Grad ihrer Gefährdung und Bedrohung. Wäre das teure Spielzeug unzerstörbar, wozu das Kind ermahnen, es pfleglich zu behandeln, wäre die Freundschaft oder Liebe nicht der Gefahr der emotionalen Ausdünnung und Anämie ausgesetzt, wozu sie pflegen mittels Ritualen der Aufmerksamkeit wie Zuwendungen und Geschenken?</p>
<p>Wir können das Vorhaben, ein Gut oder eine Stellung, eine geistige Vertiefung oder einen Rang zu erlangen, nicht auf die lange Bank schieben, unsere Kräfte und Chancen sind begrenzt; wir müssen sie jetzt, spätestens morgen, aufrufen, befeuern, in Taten und Werke leiten, sonst ist es zu spät.</p>
<p>Wir sagen von dem notorischen Träumer und Hans-guck-in-die-Luft, er habe den Ernst des Lebens nicht begriffen – den Ernst, der uns aus der Facies hippocratica anblickt.</p>
<p>Wir gehen wohl nicht zu weit, wenn wir behaupten, im Raum der schöpferisch-geistigen Produktivität des Menschen von der Ökonomie bis zum Recht, von der Technik bis zur Politik, vor allen aber in den künstlerischen Bereichen eine leise Hintergrundmusik vernehmen zu können: jene orphischen Schicksalsklänge, die aus der Tiefe steigen.</p>
<p>Die intensivsten Erlebnisse des subjektiven Daseins wie Freude und Trauer haben ihren inneren Bezug zur Sterblichkeit und Vergänglichkeit: Wir freuen uns über eine Geburt und die Wiederkehr des verloren geglaubten Freundes, Geliebten, Kindes, wir trauern um ihren Verlust.</p>
<p>Wir trauern nicht nur um den objektiven Verlust, sondern immer auch, weil dieser uns an unseren Tod gemahnt.</p>
<p>Wenn die Gefahr bestünde, daß alle Kirchen zu Moscheen umgewidmet würden, müßten die Christen wieder zur heroischen Haltung der Ritter und Kreuzfahrer zurückfinden, wollten sie nicht wie die schlafenden Jünger auf dem Ölberg Verrat an ihrem Herrn und Meister begehen oder den Verlust ihrer eigentümlichen religiösen Kultur in den Kauf nehmen.</p>
<p>So steht es um die Fragilität der je eigenen Sprache, Sittlichkeit und Kultur: Wer nicht geistig untergehen will, muß die ultima ratio in den Blick nehmen.</p>
<p>Das Wehmütige an der Liebe, das Schmerzliche an der Lust: jenen verhängnisvollen Schatten zu fühlen.</p>
<p>Das nur dem Sterblichen eigene Verlangen nach der Ewigkeit ist das sublimste: sich einzufügen, einzuschwingen in höhere, weiter ausgreifende Gebilde wie die Kunst oder die Kirche, die über das eigene Ende hinausragen, wie der abgründige Wunsch, endlich wie der Strom in das Meer in den Himmel des ewigen Lebens des Ewigen zu münden.</p>
<p>Die unheroische, scheinbar gelassene Haltung des Nihilisten rührt entweder aus geistiger Stumpfheit oder der Entscheidung, keinen überindividuellen Wert und Sinn anzuerkennen – aber vielleicht rührt auch diese aus seelischer und geistiger Abstumpfung.</p>
<p>Der glückliche Augenblick, den am ehesten die Musik eines Bach, Mozart, Beethoven oder Mahler eröffnet, der Kairos der Seele, er ist wie ein Loch im fortlaufenden Zeitband, durch den das Blau eines anderen Himmels scheint, oder wie ein Strudel im Zeitstrom, aus dem eine Insel der Hesperiden emportaucht.</p>
<p>Aber Liebe, die nach dem Immer schreit, kann den Verlust nicht bestehen, ohne um die Möglichkeit der Wiederkehr zu fragen, zu flehen, zu beten.</p>
<p>Es ist ja nichts Höheres oder Ideales, wonach sie verlangt, sondern einmal noch in jene Augen zu schauen, einmal noch jene Hand zu fühlen …</p>
<p>Ist nun unsere mentale und personale Identität an die Leiblichkeit und ihre Vergängnis gebunden, müssen wir in der Heilslehre, wonach die Auferstehung die Wiederkehr der individuellen Seele in einem analogen neuen Leib verlangt, die radikalste und sinnreichste Konsequenz erblicken.</p>
<p>Wir können keine Identität außerhalb der Zeit konstruieren, sondern sie im Begriff Gottes nur voraussetzen.</p>
<p>Das Modell des Überstiegs über die stygische Flut des Vergessens, in der uns Bild um Bild, Name um Name versinkt, ist die Treue, die Treue Gottes im Versprechen an sein Volk, den heiligen Bund gegen die zeitlichen Mächte der Verneinung, des Abfalls und Verrats zu halten, Treue, deren schwacher Abglanz uns in der Tapferkeit begegnet, mit der ein menschliches Treuebündnis erhalten und verteidigt wird.</p>
<p>Der Tod ist der Hüter der Subjektivität: Wir sind, was wir sind, erlebniszentrierte Lebewesen mit unseren Empfindungen, Gefühlen, Gedanken und Entscheidungen, nur als sterbliche Subjekte. So empfinden wir Wärme, wenn wir nicht mehr Wärme oder nicht mehr diesen Grad von Wärme empfinden, so im Tiefsten die Wärme des Lebens, wenn uns jener kalte Odem anweht – wir empfinden, fühlen und denken nur im Kontrastbild und Scheidewasser der vergehenden Zeit. Und wir wissen um uns selbst, wenn wir nach dem zeitweiligen Verblassen oder dem kleinen Tod unserer personalen Identität aus dem Schlaf erwachen.</p>
<p>Im Wissen, daß der kommende Sturm es niederreißen wird, dennoch mutig, tapfer, freudig das Banner hissen.</p>
<p>Der Tod schließt uns in jene existentielle Einsamkeit ein, die keine Lust, kein kollektiver Rausch, kein symbiotischer Wahn auf Dauer aufhebt; und doch ist diese Einsamkeit eine Behausung mit Türen und Fenstern, durch die wir weit in die Ferne blicken, durch die wir den Nachbarn, den Freund, den Geliebten als Gast empfangen können. Und würden wir anders hausen, sähen wir nichts, empfingen wir niemanden.</p>
<p>Ein jedes unserer Worte ist ein Sterbenswort, ein Sterbenswörtchen. Wir wohnen in der Sprache jeder auf seiner Sprachinsel, und nur so können wir sprechen, weil unsere Worte in unseren Ohren, in unseren Herzen, in unserer Erinnerung widerklingen. Und doch teilen wir das Brot der gemeinsamen Bedeutung mit den anderen, die unsere Sprache reden, und so winken wir uns zu von Insel zu Insel.</p>
<p>Wie schnell verweht das Gesagte, wie schnell verlischt der mit noch so weichen Lippen gekoste Buchstabe. Es bleiben die Namen, solange wir als bewußte Subjekte leben: unser Name, die Namen der Freunde und Geliebten, und andere, andere … und jener Name, der unaussprechliche, der über den Gipfeln der Zeit erglänzt wie ewiger Schnee.</p>
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