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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Die Entschwundenen lyrische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Die Entschwundenen</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Apr 2017 22:49:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Entschwundenen lyrische Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Alle sind sie entschwunden, und dir blieb nur der Name oder ein Kosename, ein Spitzname ohne Gesicht, denn wie jener die Lippen aufwarf fragend oder höhnisch, wie jene gegen dich die Augen verdeckte mit der Hand, wie gegen zu grelles Licht, und ihre Stimmen in einer Prozession des Flüstern und Wisperns, des Stammelns und Glucksens, [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/die-entschwundenen/">Die Entschwundenen</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Alle sind sie entschwunden,<br />
und dir blieb nur der Name<br />
oder ein Kosename,<br />
ein Spitzname ohne Gesicht,<br />
denn wie jener die Lippen aufwarf<br />
fragend oder höhnisch,<br />
wie jene gegen dich die Augen<br />
verdeckte mit der Hand,<br />
wie gegen zu grelles Licht,<br />
und ihre Stimmen in einer Prozession<br />
des Flüstern und Wisperns,<br />
des Stammelns und Glucksens,<br />
des Girrens und Gellens<br />
an dir vorüberzogen,<br />
da du müßig an der Wand lehntest,<br />
all das ist überdeckt und vermummt,<br />
eingemacht wie Obst in aseptischen Gläsern,<br />
ein Ölbild, überzogen mit Rissen und Patina,<br />
verschnürt in vergessenen Kisten<br />
eines maroden Lagerhauses der Vorstadt –</p>
<p>ach ja die Fetzen der Erinnerung,<br />
wenn du Jahre noch Mutters Jacke,<br />
abgerieben und fadenscheinig<br />
trugst und nicht mehr zu waschen wagtest,<br />
sie könnte sich in ihre Fäden lösen,<br />
sie ist unansehnlich und zu eng,<br />
keine Mode ist ihr mehr anzumerken,<br />
doch graute dir vor dem letzten Schritt –</p>
<p>die Pfeife des Lehrers, Geschichte?<br />
Latein?, die immer wieder ausging,<br />
aber den Raum mit grauem Rauch<br />
in eine strenge kalte Aura hüllte,<br />
oder mit ihrem koptischen Halsschmuck<br />
die feinsilbige Sibylle der Alten Kirche,<br />
an dem sie lässig nestelte,<br />
während du im Steinbruch deiner Halbbildung<br />
nach dem Schlußstein kramtest<br />
für den typologischen Bogen –</p>
<p>die letzte ungerauchte Zigarette,<br />
die auf den Boden gerollt war,<br />
mit ihr, als sie über den Teppich<br />
zur Wand kroch, um vergebens zu klopfen<br />
mit den gichtigen Fingern,<br />
ob ein Nachbar sie höre,<br />
du fandest sie als einziges Zeichen<br />
des hereinbrechenden Chaos,<br />
sonst war alles reinlich an seinem Platz,<br />
Vasen und Kissen, Schalen und Früchte,<br />
nur der Kühlschrank war leer,<br />
sie aß zum Schluß nur aus kleinen Dosen<br />
und Gläsern Suppen und Beeren,<br />
und der Fernseher mit dem vergilbten Foto<br />
und dem geschnitzten Rehkitz auf der Stickerei<br />
gab nur verschwommene Bilder<br />
und keinen Ton vom Weltenende,<br />
als du die Wohnung aufgelöst hast –</p>
<p>entschwunden, verblaßt, zerronnen,<br />
als könnte man glauben, die Seelen,<br />
eingezwängt in die Voliere der Schatten<br />
und Ängste, könnten, wenn sie hart aufschlägt<br />
auf dem Küchenboden und zerspringt,<br />
denn wo ist der Engel, der sie öffnete,<br />
ins Freie flattern, aber haben sie noch Kraft,<br />
nach diesem Leben, in dem die Flügel verkümmern?</p>
<p>O wenn sie ausgehaucht aufstiegen<br />
und leichte weiße Flocken dem Wind<br />
zum Spiel sich in Wolken ballten,<br />
die über die Stätten und Felder und Kirchen<br />
der Heimat ziehen in eine nie geahnte Ferne –<br />
bis über dem grünen Schaum eines Flusses<br />
die rote Zunge der Sonne sie wie Sahneeis<br />
leckt oder sie feucht und grau von den Tränen<br />
des Monds sich öffnen und herniederregnen.</p>
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