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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Kleine alte Glocke philosophische Gedichte lyrische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Kleine alte Glocke</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2022 22:37:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Die kleine alte Glocke, die im Zwielicht des öden Kirchturmschachtes abseits ins Vergessen dämmert hin, hört die große, die wappenprangende, junge Schwester, fühlt ergriffen schon ihr Schwingen in der verzückten Lüfte Gischt. Es ist die Abendstunde, da frommer Sinn sich niederkniet auf des Geläutes erhabene Schwelle, ergebener Mund gesalbt sich fühlt vom Tau des Hochgebets, [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/kleine-alte-glocke/">Kleine alte Glocke</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die kleine alte Glocke, die im Zwielicht<br />
des öden Kirchturmschachtes<br />
abseits ins Vergessen dämmert hin,<br />
hört die große, die wappenprangende,<br />
junge Schwester, fühlt ergriffen schon<br />
ihr Schwingen in der verzückten Lüfte Gischt.</p>
<p>Es ist die Abendstunde, da frommer Sinn<br />
sich niederkniet auf des Geläutes erhabene Schwelle,<br />
ergebener Mund gesalbt sich fühlt<br />
vom Tau des Hochgebets,<br />
und leise bebt sie mit, die kleine alte Glocke,<br />
taumelt von erinnerungstrunkener Luft gewiegt,<br />
wie einst, da am hohen Feiertage vor den Schwestern<br />
sie den Erstling, den hellen Morgenton gebar.</p>
<p>Nun aber scheut vor dem Zittern sie zurück,<br />
das wie nährender Odem<br />
in Blumenstengeln bis zur Krone<br />
sonnenerregter Knospenspitzen drängt,<br />
glühender Andacht Wehen, dem ein Sirren<br />
Antwort gibt im Gewölke junger Schwalben,<br />
die hier unter Fenstersimsen nisten,<br />
und sie flattern auf, ins Freie hinzugleiten<br />
auf den Wogen bronzenen Klanges.<br />
Sie aber faßt ein Grausen<br />
vor des Klöppels neu erwachter Lust,<br />
daß er ihr den grauen Schoß betöre,<br />
kleine alte Glocke<br />
mit dem unvernarbbaren Riß<br />
in der schmalen Hüfte,<br />
scheppernd, allzu kläglich<br />
wäre ihr müder Nachgesang.</p>
<p>Alter Dichter, lege dich abseits ins Gras,<br />
humple nicht länger durchs wildernde Dickicht<br />
schattendurchgitterter Strophen,<br />
wo dir unverhofft der Lerchen<br />
aufgebrachtes Zwitschern<br />
in einer Ode blauenden<br />
Azur steigt.</p>
<p>Lieg nur starr, schau nur ungerührt<br />
in deinen grauen Abendhimmel,<br />
wo noch eine weiße Wolke steht,<br />
zögernd wie ein Liebeswort,<br />
allzu frühe Flocke,<br />
die auf der warmen Lippe dahinschmilzt.</p>
<p>Wache, Dichter, bis die Wolke<br />
unterm Anhauch<br />
der unausweichlichen,<br />
der hohen Nacht<br />
in rötlichen Schaumes<br />
brokatene Stickereien übergeht,<br />
Blumenkringel, Blütenflaum,<br />
Federn aus Nestern,<br />
die jäh der Ruf des Kranichs,<br />
der herbstliche, verwaiste,<br />
langsam auf den leeren Schrein<br />
deines Traumes niedersinken.</p>
<p>&nbsp;</p>
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