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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Kleine Poetik in Bildern Philosophie Ästhetik Sentenzen Aphorismen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Kleine Poetik in Bildern II</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Jun 2015 10:35:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir können die griechischen Säulenordnungen nicht willkürlich mischen und ionische neben dorische Säulen stellen; das wäre barbarisch. Schon Abweichungen des Säulenabstands oder Säulenumfangs, gar Fehlstellen und Höhlungen in den Kapitellen verletzen unser Auge. – Wir können auch die abendländischen Tonarten nicht willkürlich mischen und neben Akkorden des wohltemperierten Systems unvermittelt Kirchentonarten einschmuggeln. Unser Ohr wäre das Gegenteil von geschmeichelt. – Wir wollen den Gregorianischen Gesang nicht durch Verwendung von weltlichen Musikinstrumenten seiner Würde berauben; er lebt ganz aus seiner reinen, spirituellen Vokalität. – In all diesen ästhetischen Gegebenheiten haben wir räumliche und zeitliche Reihen von kompositorisch wohlbemessenen Phänomenen, die unsere visuelle und akustische Wahrnehmung einladen, anziehen, bezaubern sollen, sich ihren mehr oder weniger verborgenen Ordnungen anzubequemen und unseren Geist über diese wohltätigen Insinuationen der Wahrnehmung in einen Zustand in sich ruhender, sich selbst genießender Freude und Harmonie zu versetzen.</p>
<p>Betrachten wir die peniblen, unseren Alltagsverstand verstörenden Speise- und Ritualvorschriften der Bücher Mose einmal nicht als uns nicht tangierende religiöse Gesetzlichkeiten, sondern als ästhetische Ordnungen des Lebens: So erfahren wir, wie auf der Basis von Differenzordnungen des Reinen und Unreinen, also mittels Zeichen zweiter Stufe, die Gemeinschaft die Bedingungen der Wahrnehmung strukturiert und stilisiert. Milchige Speisen getrennt von blutigen zuzubereiten, die Speisen und Getränke in einer bestimmten Reihenfolge zu sich zu nehmen und den Verzehr mit einer bestimmten Reihe von Erzählungen über das Schicksal der Vorfahren zu verknüpfen, die Erzählungen mit bestimmten Gebeten und Anrufungen zu vervollständigen, all dies befriedigt unseren ästhetischen Sinn für die wohlgeordnete Gestaltung des Lebens.</p>
<p>Mit dem Setzen der ersten Linie auf dem weißen Blatt ist eine Entscheidung gefallen, eine Grenze definiert, ein Diesseits und ein Jenseits, ein Hinüber und ein Herüber ins Spiel gebracht. Das neutrale Blatt ist gleichsam stigmatisiert und strahlt unter einem tiefen Erwartungshorizont unsichtbare Spannungs- und Verbindungslinien aus, denen wir uns vertrauensvoll anheimgeben oder gegen die wir uns widerspenstig stemmen können, um nach entlegeneren, unvorhergesehenen Lösungen zu suchen. – Wenn du „Weiß“ sagst, werde ich nicht wieder „Weiß“ sagen, sondern „Gelb“, wenn du „konkav“ sagst, werde ich „konvex“ sagen oder „gerade“. So könnte uns der schöpferische Prozess in ein Gespräch hineinziehen, das erst endet, wenn das Blatt keine freien Stellen mehr hat. – Wenn ich „gerade“ sage, schließe ich alles, was nicht gerade ist, aus. Das, was ich einschließe, schließt den Rest oder das Negativbild oder den Schatten, aus. – Du bist zugleich die Sonne, die alle Linien und Figuren ins Sichtbare hebt, und der Schatten, den sie werfen und der stetig als Dickicht der unbetretenen und unbetretbaren Räume wächst. Denn jedes Gesicht hat sein Gegen-Gesicht, und der Januskopf blickt in das unsichtbare Reich, das seinem Gegenüber für immer verborgen bleibt. Jede Tür, durch die du gehst und die sich dir zu neuen Horizonten öffnet, verschließt ganze Welten des Ungesagten und des ungelebten Lebens hinter dir. Wie viele Möglichkeiten, die du verwirklichst, so viele Möglichkeiten, die du vertust. Mit jedem Wort, das du sagst, hebt sich hinter dir um ein kleines Stück das Gebirge des Ungesagten. – Durch die in Klang und Echo der Metapher mithörbaren Obertöne oder mittels der um die Figur aufgeladenen und seltsam gemischten Luft gelingt es uns bisweilen, diese weltabgewandte Seite der Dinge wie Schlehmils Schatten zu erhaschen.</p>
<p>Wir könnten das Innere des Körpers durch beständiges Auseinanderfalten in die Fläche aufheben. Wir verlieren so zwar die Höhlung seelischer Resonanzen, gewinnen aber Klarheit unter einem tiefen, grenzenlosen Horizont.</p>
<p>Säule und Plastik sind eine Antwort auf das Problem der Schwerkraft. Ihr Ausdruck des Gedrungenen oder Schwebenden, des Drückenden oder Erhebenden, des Schweren oder Schönen ist eine Ableitung aus der Form dieser Antwort. Die frei stehende Figur löst das Problem der Schwerkraft auf individuelle Wiese. Sie definiert mittels der eigenen Konturen sowohl den Raum, den sie einschließt, als auch den Raum, der sie einschließt. Sie schließt dabei den Raum, der sie einschließt, von sich aus. Es ist diese Spannung des Einschließenden und Ausschließenden, des Umfassenden und des Umfassten, der uns anschaulich erlebbar wird und unseren Sinn für feine Balancen befriedigt.</p>
<p>Das Reich der Kunst ist die Utopie der Wahrnehmung.</p>
<p>Von der monotonen, spannungsfreien Linie sind wir bald gelangweilt; das unentwirrbare Knäuel eines aufgeschlitzten Linienbündels verstört uns und stößt uns ab. Sind wir ästhetisch deshalb in der Mitte zwischen Langeweile und Lärm, Gähnen und Quasseln, Stumpfsinn und Hysterie zu Hause?</p>
<p>Die stumme Kreatur ist in sich vollkommen. Die Schale der Muschel, von mächtiger Formkraft und innigstem Schmelz, schützt und birgt die kostbar-weiche Substanz des Lebens. Die Schale öffnet und schließt sich im Rhythmus des tierischen Daseins, sie gibt den schmalen Horizont der Umgebung frei (der für sie grenzenlos ist) und birgt sich wieder in das Dunkel zwischen dämmerndem Wachsein und wachsamem Schlaf (von dem wir keinen Begriff haben). Aber wir empfinden unwillkürlich den sinnreichen Zusammenhang von Härte und Weichheit, Hülle und Gehalt, Dauer und Augenblick. Dieser Sinnzusammenhang, der dem Leben überhaupt entspringt, beglückt und erleuchtet uns auch in Gebilden und Fiktionen, die ihn sich kunstvoll transponiert und abstrahiert anverwandelt haben.</p>
<p>Kunst, als das Reich der Fiktion, des Unwirklichen, des Imaginären, bevölkert von Farben und Figuren, von Klängen und Harmonien, an denen sich das Bewusstsein selbst genießt, befreit uns ein Weilchen und ein wenig von den Fesseln oder Einflüsterungen der Triebe, die wir überlisten, indem wir ihre Objekte zu Zeichen zweiten Grades transponieren, erhöhen oder sublimieren und ihre kausale Wirksamkeit einklammern.</p>
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		<title>Kleine Poetik in Bildern I</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2015 10:44:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Sentenzen und Aphorismen]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Kleine Poetik in Bildern Philosophie Ästhetik Sentenzen Aphorismen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wir sehen gern, wie sommers hübsche Mädchen in farbenfrohen Kleidern, die der Wind bauscht, über den Boulevard staksen. Wenn eine keck einen Strohhut aufgesetzt, eine andere neckisch Blumen ins Haar geflochten hat, steigert dies unser Entzücken. Doch fassen wir uns unwillkürlich an den Kopf, wenn zwischen den Grazien unvermutet das behende Watscheln eines nackten, widerborstigen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/kleine-poetik-bildern/">Kleine Poetik in Bildern I</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sehen gern, wie sommers hübsche Mädchen in farbenfrohen Kleidern, die der Wind bauscht, über den Boulevard staksen. Wenn eine keck einen Strohhut aufgesetzt, eine andere neckisch Blumen ins Haar geflochten hat, steigert dies unser Entzücken. Doch fassen wir uns unwillkürlich an den Kopf, wenn zwischen den Grazien unvermutet das behende Watscheln eines nackten, widerborstigen Fettwanstes die Idylle zur Farce entstellt. Indes, wenn wir uns von grotesken Einfällen hingerissen fühlen …</p>
<p>Der Duft des Parfums soll zum natürlichen Duft der Haut, zur Farbe des Haars, ja zur Farbe der Augen und zum Temperament des Duftenden passen. Ein aufdringliches Odeur, das den Eigengeruch übertünchen soll oder unselig mit dem abgesonderten Schweiß chemisch reagiert, wirkt degoutant.</p>
<p>Das Bild der Nebellandschaft fasziniert, wenn wir aus dem Ungefähren das gespenstische Dasein der Dinge erraten und das Bild uns auf diese Weise das Rätsel des Daseins oder die Unerreichbarkeit des anderen oder die Abwesenheit des Sinns beschwört. Erfahren wir dann zu unserem höchsten Erstaunen, dass der Maler ausschließlich diesem Sujet huldigt, geht uns mit einem Male auf, wieso sein Unvermögen, die Physiognomie der Dinge zu formen, es ihm geraten scheinen ließ, die Konturen der Dinge zu verwischen.</p>
<p>Die „schwarze Milch“ wollen wir nicht mehr trinken, nicht weil wir an irgendeinem reinen Heilwässerchen gesundet wären, sondern weil die expressionistische Manie, den Farbkreis willkürlich abzuteilen, uns den Geschmack an derlei verhexten Essenzen verdorben hat.</p>
<p>Der Bajazzo der Hinterhöfe, der nur ein sentimentales Liedchen kennt oder sei es auch viele Lieder, allerdings nur Variationen auf das eine sentimentale Liedchen, wird aus den Fenstern bald mit Steinchen statt mit Münzen bombardiert.</p>
<p>Auch geht es mit der Vielfalt der Stimmen nur gut, wenn sie in der Engführung des Chors sich berühren und auch bei weitester Entfernung der Harmonie und des Sinns die Hoffnung auf Wiederkehr als Echo vernehmen.</p>
<p>Nach einem forschen Gang durch die sommerliche Gemarkung munden uns eine derbe Hausmannskost und ein zünftiger Humpen kühlen Biers – die leichte Flocke einer Madeleine und die Schaumperlen des Prosecco werden unsere bäurischen Gelüste nicht befriedigen.</p>
<p>Im schlichten Gebinde heimischer Blüten wirkt der prangende Lotus verloren oder arrogant.</p>
<p>Wir verstehen den Totenschädel unter dem am Haken schwebenden Rebhuhn, der Wachtel und dem Hahn, die alle ihre Zungen und Krallen strecken, wenn auf dem mit Batist erhellten Tisch neben der schlichten Vase mit Kornblumen und Mohn die zierlichen Gläser im Licht der Abendsonne irisieren. – Der rosige Schweinskopf, der aus blauen Kugeln glotzt und dem der Maler ein Petersilienbüschel ins Maul gestopft hat, scheint unserem Sinn für Maß und Harmonie eine fette Allegorie zu viel zu sein.</p>
<p>Im verwucherten Hinterhof genügt die vergessene Hacke oder der am Ast des Birnbaums verfaulte Strohhut für den Begriff der endgültigen Abwesenheit des Menschen. – Noch eine Kanüle ins Beet zu platzieren, um mit dem Motiv der Selbstzerstörung aufdringlich zu werden, zeugt uns vom faden Geschmack eines Oberlehrers.</p>
<p>Ein umgekipptes Glas auf dem Tisch zwischen verlorenen Lachen Weins und herabgefallenen gelben Blättern genügt uns für den Begriff der Tristesse nach dem Ende der Gartenparty. – Wir verzichten gern auf den über sich selber stolpernden Gesang des Fado, der aus der offen stehenden Terrassentür dringt.</p>
<p>Nur wenige, dazu noch angestaubte Mohnköpfe am Rand des Weges, wo unter dürren, schmutzigen Halmen Geröll und Schutt vom toten Winkel der Welt erzählen, befriedigen unseren Sinn für das unverhoffte Schöne mehr als der Purpur von Rosen in einer mit erlesenen Motiven verzierten chinesischen Vase aus Porzellan.</p>
<p>Wenn wir den Geliebten mit Geschenken und Aufmerksamkeiten überschütten, wird er bald abstumpfen oder misstrauisch werden, jedenfalls erlangen wir so meist das Gegenteil des Erhofften. Eine Blüte statt eines üppigen Straußes, ein leises Wörtchen statt des atemlosen Monologs, ein Augenzwinkern statt der grellen Gymnastik aus Kopfstehen und Radschlagen …</p>
<p>Ein grober Bauernstuhl aus dickem Rohr und harten Binsen, der fest auf allen Vieren steht – mehr braucht es nicht, um dir zu sagen: Hier lass dich nieder nach all der Lauferei, hier hat die Seele Ruh! – Legen wir bloß kein üppiges, fein besticktes Kissen darauf – du willst jetzt aufrecht sitzen und dich nicht fläzen!</p>
<p>Wenn du bajuwarisch derbe Kost mit edlen orientalischen Gewürzen zu verfeinern gedenkst, behält dein rebellierender Magen Recht.</p>
<p>Das subtil aus feinsten Linien und Schraffuren des Bleistifts erweckte Konterfei oder die in ihren Dünsten und atmosphärischen Vibrationen pastos gespachtelte Landschaft: wähle – beides zu vermengen ist nicht bekömmlich.</p>
<p>Wenn wir Kindern Schnüre geben und Glasperlen in verschiedenen Farben, die sie darauf aufreihen sollen, wird das Kleinste den einfachen Rhythmus zweier abwechselnder Farben wählen, das mittlere vielleicht Gruppen aus drei Farben bilden und das reifste, so hoffen wir, auf die Idee kommen, jeweils eine Gruppe mittels einer gleichsam neutralen Perle, in den Farben Weiß oder Schwarz, als Grenze, Pausenzeichen oder Zeilensprung abzutrennen und zu markieren: So kann es leicht größere rhythmische Gruppen oder Strophen mit vier oder fünf Perlen verschiedener Farbe bilden. Es hat verstanden, dass der Zwischenraum, die Leere und die Stille ebenso bedeutungsvoll sind wie der Raum, die Fülle und der Klang.</p>
<p>Wenn wir in einer Schwarz-Weiß-Welt lebten, richteten sich unsere Aufmerksamkeit und unser Interesse auf die Zwischenstufen zwischen den Extremen, also die Grautöne und ihre Nuancen. Wir spürten der Spannung nach, wie Grauton VII nach Grauton VIII zieht und Grauton XI sich von Grauton XII abstößt. So mögen wir es dort sehen, und so wirken auch die unscheinbarsten Farbflecken auf uns in inspirierender Weise symbolisch. Denn natürlich kommen wir auch in dieser monochromen Welt nicht umhin, nach der Bedeutung der phänomenalen Werte zu fragen. Sie ersetzen, scheint es, unsere Farbpalette, und von dieser könnte man sagen, sie stehe wiederum für die Totalität unserer Lebensinhalte, ob wir nun Rot sehen, weil Gefahr droht, oder wir rot anlaufen, weil das Begehrte uns in die Augen blickt, oder wir uns vor dem schwarzen Abgrund fürchten und ihn fliehen. Das Bild der Geliebten oder des schwarzen Abgrunds, sind diese realiter fern, macht uns weder schwitzen noch frösteln, denn Bilder sind gleichsam Objekte zweiter Stufe, mit denen wir in Gedanken spielen, statt sie wirklich zu küssen oder zu verfluchen. Wäre unsere Welt nichts als eine phantastische Grisaille, verträten deren Grautöne unmittelbar Objekte zweiter Stufe: Wir lebten in einer Welt des reinen ästhetischen Empfindens. Unsere Existenz und die Existenz aller anderen Wesen wären uns gleichgültig, und es wäre ein müßiges, zu nichts verpflichtendes Spiel, ihnen, wie der Frucht auf dem Stillleben diesen oder jenen Rotton, diese oder jene Nuancen des Gefühls zuzusprechen oder abzusprechen. Unbedrängt von den Nöten des Daseins, plantschten wir im lauen Strom der nichts bedeutenden Zeit.</p>
<p>Die reine Lauterkeit des fein geharkten Sands – und nur ein runder, glatter Monolith, der auf der ebenen Fläche zu schwimmen scheint – so sieht sich deine Seele unbefangen und frei. – Wehe, wir gedenken das Bild mit einer erotisch schwellenden Plastik zu verschönern!</p>
<p>Indes darf in der schwülen Enge des Weinbergs der nackte Pan sein mächtiges Glied emporrecken. – Verhunzen wir den grellen Eindruck nicht mit der Niedlichkeit sich schnäbelnder Täubchen!</p>
<p>Beides in einem Gesicht, Klatschmohn des Schmollmunds und Nachtviolen der Lider, spitzt nicht deine Lippen zum Kuss.</p>
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