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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Meditatio mortis Sentenzen Aphorismen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Meditatio de moriendo</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 20:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Sentenzen und Aphorismen]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Meditatio mortis Sentenzen Aphorismen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>So liegt er nun da und hat nichts mehr zu sagen. Nichts mehr zu vermelden. Es sei denn man betrachte den schmalen Flaum des Bärtchens, das ihm über Nacht auf der Oberlippe sproß, als erste und letzte Kundgabe des geheimen Lebenswunsches, ein Gigolo und sentimentaler Verführer zu sein. Der Tod steht in einem so eklatanten [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/meditatio-mortis/">Meditatio de moriendo</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>So liegt er nun da und hat nichts mehr zu sagen. Nichts mehr zu vermelden. Es sei denn man betrachte den schmalen Flaum des Bärtchens, das ihm über Nacht auf der Oberlippe sproß, als erste und letzte Kundgabe des geheimen Lebenswunsches, ein Gigolo und sentimentaler Verführer zu sein.</p>
<p>Der Tod steht in einem so eklatanten Gegensatz zum Leben, dass sich vor ihm zu fürchten zu viel des Guten oder Argen ist.</p>
<p>Weder wirkt der noch blühende Busen der Schönen anziehend auf ihn noch der häßlich niedergeknitterte Hautsack der Alten abstoßend. Ein Buffo wie er tanzt mit jeder.</p>
<p>An seiner Dickschädeligkeit zerschellen alle Rollen des Lebensspiels.</p>
<p>Angesichts seines komischen Grinsens werden alle Rollen des Lebensspiels komische Rollen, ob Herr oder Knecht, jugendlicher Liebhaber oder alter Griesgram, Mauerblümchen oder feurige Rose.</p>
<p>Die zeitlebens seine Nähe suchen, ob in Abenteuer oder Krieg, vermag er manchmal mit dem bitteren Geschmack heroischer Einsamkeit zu erquicken. Aber ihre Gebeine bleichen neben denen des Feiglings und des auf der Flucht erschossenen Deserteurs.</p>
<p>Den Zerrissenen verleiht er den Ausdruck des Friedens, den Friedfertigen den Ausdruck des Entsetzens.</p>
<p>Den Gierigen predigt er wie Abraham a Sancta Clara den Wurm im Fleische, den Überdrüssigen foltert er auf dem Sterbelager wie Tantalos mit dem Durst nach unausgetrunkener Freuden.</p>
<p>Dem Einsamen gesellt er sich als sprudelnder Causeur, als witziger Mephisto, als spitzfindiger Dialektiker.</p>
<p>Er leugnet den Ruhm und die Dauer der Erinnerung. Den Verständigen segnet er darum mit innerer Ruhe.</p>
<p>Er gibt der Lächerlichkeit diejenigen preis, die sich unter seinem Schatten krampfhaft an den Bettpfosten des Lebens klammern.</p>
<p>Dem Gnom spielt er trauliche Weisen auf dem Leierkasten, dem armen Trinker auf der Geige eine Partita von Bach, das kleine Mädchen lockt er mit der Glasharmonika auf die Blumenwiese jenseitiger Klänge.</p>
<p>Dem Sucher beugt er den Blick auf die Schnecke an seinem Fuß, die mit den Fühlern ins Lebensdunkel tastet.</p>
<p>Er sagt dem Dichter: „All die Ausrufezeichen und Auslassungspunkte, all die verstiegenen Vergleiche und überzüchteten Metaphern, all die ins Wasser springenden und ins Bodenlose stürzenden Anakoluthe und Enjambements, all das war nicht das aus den Poren des leidenschaftlichen Rhythmus schwitzende Leben, das, mein Freund, war ich!“</p>
<p>Der Dichter sagt ihm: „Was sich gefunden in der Umarmung des Reims, was aus dem Schmerz die Rose der Verheißung gebar, was die Ufer der Zeilen, der Strophen, der Namen durchschwamm, was die getrenntesten Gipfel und die entferntesten Inseln der Sehnsucht mit geflügelten Worten verband, das warst nicht du, mein Feind, das war ich und die Stimmen der mir Anvertrauten!“</p>
<p>Er sagt dem Liebenden: „Der unübersteigliche Abgrund zwischen deiner Zunge und ihrer Zunge, die Mücke in deinem Hirn, die vor Angst die Nacht lang schwirrte, der Wind, der durch die Blätter der Erinnerung rauschte, der Sturm, der die Frucht vom Ast riß, noch ehe du sie gepflückt, der prasselnde Regen, der dein Bekenntnis wie ein Blatt in der Gosse forttrieb, all das, mein Freund, war ich!“</p>
<p>Der Liebende sagt ihm: „Was mich aus der Abgeschiedenheit des Leibes ins Unermessliche hob, was die Träne der Liebsten mir kostbarer machte als der kleine Samen des Eigensseins, was ihre Augen mir sprechender machte als den eigenen Namen, das warst nicht du, mein Feind, das war der Anhauch vom Flügelschlag eines Engels!“</p>
<p>Wie seltsam, daß der allmächtige Vernichter und Verneiner vor dem kleinen Ja des Kindes, vor dem großen Ja der Liebe, vor dem Augenblick, der unter dem Glanz einer Träne oder dem weichen Beben einer Liebkosung sich ins Ewige dehnt, nur den vergeblichen Seufzer des geizigen Griesgrams vernehmen läßt: „Am Ende wird abgerechnet!“</p>
<p>Lassen wir ihn Grimassen schneiden und Resignation predigen, sagen das Herz der Jugend und die Vernunft des Alters, was in Treue begonnen und mit Liebe vollendet ward, das Werk des Herzens und der Vernunft, geht nicht zuschanden vor den Zweifeln und Grübeleien, die sich an Verwesungsgerüchen inspirieren.</p>
<p>Stellen wir uns unterdessen in aller Seelenruhe an den Abgrund der Endgültigkeit der Entscheidung, der Hingabe, der Tat.</p>
<p>Nichts tun, was dich reut, und du bist vor dem Tode gefeit.</p>
<p>In der Frohen Botschaft ist das Grauen des Todes verwunden, in der Musik Bachs in den Resonanzkörper und die Muschel der Passion verwandelt, aus der das auferstandene Leben widerklingt.</p>
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