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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; 68 – ein toter Stern lyrische Gedichte Zeitgedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>68 – ein toter Stern</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2018 23:16:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[68 – ein toter Stern lyrische Gedichte Zeitgedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Lümmeln auf dem expropriierten Rasen vor der Alma Mater (an die Mutter durfte man nicht denken, ihre Milch galt für vergiftet), in Jeans, Rollkragenpulli, Mao-Jacke und Turnschuhen, an einem Lederriemen um den Hals ein roter Stern oder ein Totenschädel aus Elfenbein (solch neuen Talismanen, denn magisch umhaucht west der wüsteste Schädel), die Haare zerzaust, als [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/68-ein-toter-stern/">68 – ein toter Stern</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Lümmeln auf dem expropriierten Rasen<br />
vor der Alma Mater (an die Mutter durfte man<br />
nicht denken, ihre Milch galt für vergiftet),<br />
in Jeans, Rollkragenpulli, Mao-Jacke<br />
und Turnschuhen, an einem Lederriemen<br />
um den Hals ein roter Stern oder<br />
ein Totenschädel aus Elfenbein<br />
(solch neuen Talismanen, denn magisch<br />
umhaucht west der wüsteste Schädel),<br />
die Haare zerzaust, als bliesen immer Böen,<br />
oder eine fettige Matte, die man herrisch<br />
oder kokett über die Schulter schlug.</p>
<p>„Genossin“ hießen die bärtigen Marxologen<br />
die Kleine, die ihren Mistgeruch<br />
aus der schwäbischen Provinz,<br />
der noch aus den klobigen Boots stieg,<br />
mit dem Qualm einer Roth-Händle übertäubte,<br />
„Genossin“, als wären sie, die unbeschnittene<br />
Triebstruktur in der Hosentasche,<br />
vorgestern noch mit ihr intim gewesen,<br />
lange her.</p>
<p>Die neue Hörigkeit des Weibes feierten<br />
die freischwingenden Schwänze der Kader<br />
als Emanzipation und quittierten sie<br />
mit dem Totenschein für obskure Föten.</p>
<p>Doch mit dem Hippietum vorm Audimax<br />
hatte es bald ein Ende, wenn ihnen wie somnambulen<br />
Puppen die Schrei-Schlingen der Megaphone<br />
an den Hintern rissen, die das Gras<br />
der Anarchie plattgedrückt, und Mann<br />
und Weib, ein einig Völkchen im messianischen<br />
Sturm des Endsiegs der Weltrevolution<br />
strammstand vor neuen Totschlagwort-<br />
schreiern, die kubanische Zigarre im Mundwinkel<br />
oder im geschmacklosen Streifen-Pullover<br />
die Bartstoppeln der Askese für die Utopie<br />
der klassenlosen Hanswurstiade gewichtig<br />
auf und ab streichend.</p>
<p>Den müden greisen Herren schlug man den Krück-<br />
stock, auf dem sie ihre kleine, von Tapferkeits-<br />
medaillen verunzierte Würde stützten,<br />
wie die Gassenjungens weg, das neue Johannisfeuer<br />
der höheren Moral, um das sie bündisch sich scharten,<br />
die Stirn in einem rituellen Schmierentheater stigmatisiert<br />
mit der Talmi-Asche rhetorisch ausgebuddelter Toter,<br />
es loderte mit geifernder Flamme über den Fetzen<br />
der Talare und Bücher, ach alten Scharteken,<br />
die nach ranziger Frömmelei rochen<br />
und dem Weistum des glorreich dunklen<br />
Lebens, von genieverseuchten Sprach-Friseuren<br />
ins dunkle Vlies rauschender Verse<br />
homerisch onduliert.</p>
<p>Sie aber leisteten den Schwur auf grelle Fahnen,<br />
bestirnten, rot vom Blut, das aus dem Schlachthaus<br />
asiatischer Horden rann, von den Schädelstätten<br />
der Verbrüderung unter Gleichgeschorenen.</p>
<p>Latzhosen-Künstler pappten aus dem Abfall<br />
halluzinogener Träume die Idole für den Pop-<br />
und Vulgo-Konformismus des Abseitigen, Schrillen,<br />
je fremder ätzend, umso kitzliger tauben<br />
Zungen für gestammelte Schein-Verzückung.</p>
<p>Den gemessenen Vers zerstückelten Propheten<br />
hohler Bauchrednerei als würgende Schlinge,<br />
die den Adamsapfel sexuell geschwollenen Lallens<br />
stranguliere, den fliegenden Samen des Reims,<br />
der auf den jungfräulichen Auen heimatlicher<br />
Ströme nicht fruchten solle, entkeimten<br />
apokalyptische Zeugungsdienstverweigerer,<br />
die im Gleichklang ferner Stimmen<br />
das Geheimnis süßen Liebesbundes schmerzte.</p>
<p>Lederne Zungen kündeten hedonisches<br />
Verfließen, die Sprengung des Charakterpanzers<br />
im Korsett der Phrase keuchende Priester<br />
ozeanischen Gefühls, vom Star befallene,<br />
im Dickicht der Angst blutende Gurus<br />
die Erweiterung der Iris in der blauen Nacht<br />
des Surrealen, sich ständig am Hoden<br />
der Selbstsucht kratzende Kommunarden<br />
die freie Liebe.</p>
<p>Friede ihrer Asche jenen, die am Haschischrauch<br />
und den Ausdünstungen des schwelenden<br />
Müllbergs von Mao-Bibeln, MEGAs, Pornoheftchen,<br />
Ho-Chi-Minh-Postern, Vietnam-Fahnen und Karten<br />
nie angetretener Fahrten langsam erstickten!</p>
<p>Krieg den feisten Parvenüs, die ihre Knallfrösche<br />
und Handgranaten in der untersten Schublade<br />
versteckten und mürbe wie runzlige Äpfel<br />
das Arom ihrer Seelenfäule und das stumpfe<br />
Irrlicht ihres toten Sterns in die Windungen<br />
junger Hirne und die Falten zarter Herzen verströmen!</p>
<p>&nbsp;</p>
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