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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; adverbielle Bestimmungen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Philosophieren XXV</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Aug 2013 16:15:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Die grundlegenden Adverbien für die Spezifikation der Ausdrücke, mit denen wir unsere sozialen Beziehungen beschreiben, sind „nah“ und „fern“ beziehungsweise „oben“ und „unten“. Insofern wir mit den Steigerungsformen dieser Adverbien wie „näher“ und „ferner“, „höher“ und „tiefer“ Modulationen und Fluktuationen der sozialen Beziehungen auf der horizontalen Achse der Nähe und Ferne beziehungsweise der vertikalen Achse [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxv/">Philosophieren XXV</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die grundlegenden Adverbien für die Spezifikation der Ausdrücke, mit denen wir unsere sozialen Beziehungen beschreiben, sind „nah“ und „fern“ beziehungsweise „oben“ und „unten“. Insofern wir mit den Steigerungsformen dieser Adverbien wie „näher“ und „ferner“, „höher“ und „tiefer“ Modulationen und Fluktuationen der sozialen Beziehungen auf der horizontalen Achse der Nähe und Ferne beziehungsweise der vertikalen Achse der Über- und Unterordnung markieren, erschließen wir uns die kleinen und großen Dramen des menschlich Lebens – und zwar sowohl von Personen im Intimbereich von Liebe und Freundschaft wie von Quasi-Personen wie Unternehmen und Staaten im wirtschaftlichen und historischen Ereignisfeld.</p>
<p>Alles, was deine Person und dein Leben, deine Lebensumstände und dein Schicksal angeht, liegt mir nahe, interessiert und besorgt mich. Ich habe daran lebendigen Anteil. Die Lebensumstände und Schicksale deiner Kollegin liegen mir fern, sie interessieren mich nur insofern, als sie wiederum dein Leben tangieren. Ich erkundige mich nach deinem Ergehen, nicht nach dem Ergehen deiner Kollegin. Als wir uns noch nicht begegnet waren, waren wir uns so fern, dass ich nicht einmal den Gedanken habe hegen können, mich nach deinem Ergehen zu erkundigen. Was mir jetzt so nahe liegt, war mir ehedem so fern und gleichgültig. Das gereicht mir nicht zum Vorwurf, weil das Unmögliche nicht eingeklagt werden kann.</p>
<p>Den höchsten, stärksten, intensivsten Grad der Anteilnahme nennen wir Liebe und sagen etwa: „Du stehst mir in meinem Leben am nächsten.“ Oder: „Was dich freut, freut auch mich, was dich bekümmert, bereitet mir Sorge.“ Wir können konstatieren, dass Liebe die sozialen Beziehungen sowohl zwischen nahe Verwandten und hier vorzüglich zwischen Eltern und Kindern in beiderlei Richtung als auch zwischen nicht verwandten Liebesleuten umfasst.</p>
<p>Wir wissen ja genau, was Liebe ist, weil wir sehen, wie Eltern ihre Kinder herzen und versorgen, wickeln, ernähren und erziehen, wie Kinder ihre Eltern umarmen, mit Spielen und Geschenken erfreuen, im Haushalt und Garten helfen, im Alter unterstützen und pflegen. Wir wissen genau, was wir mit Liebe meinen, weil wir sehen, dass Liebespaare nicht nur Händchen halten und sich küssen, sondern füreinander einstehen, einander helfen und stützen. Wir begreifen, dass mit Liebe nicht ein bloßes Gefühl oder eine Passion gemeint sein kann, sondern ein soziales Band von Verbindlichkeiten und gegenseitiger Verpflichtung. Die schönen Zeichen der Liebe sind gewiss Blumen und Geschenke, die von Herzen kommen, die besten Zeichen aber sind Taten. Wenn ich dich auf deinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht besuchen komme, obwohl du zu Hause krank im Bett liegst, dir nichts zu essen bereite oder mitbringe und dir zu deiner Unterhaltung nicht aus deinem Lieblingsschriftsteller vorlese, sondern solches Mühewalten für unbequem erachte und ihm einen Besuch im Kino oder ein Spiel mit meinen Schachkumpanen vorziehe, ist sonnenklar erwiesen, dass hier von Liebe nicht die Rede sein kann.</p>
<p>Es kennzeichnet die Verwendung von adverbiellen Bestimmungen für Ausdrücke sozialer Beziehungen, dass sie einer Metrik nicht nur der Richtungskoordinaten Ordinate (der Vertikalen) und Abszisse (der Horizontalen) einbeschrieben sind, sondern auch der Orientierung von Plus und Minus wie im kartesischen Koordinatensystem. Die Negation von Liebe ist Hass, die Negation von Freundschaft ist Feindschaft. Die Negation von Feindschaft ist entweder Freundschaft oder Indifferenz. Die Negation von Hass ist entweder Liebe oder Freundschaft oder Indifferenz.</p>
<p>So wollen und können wir nicht verhehlen: Am Ergehen der Person, die dir einen nicht unbeträchtlichen physischen oder seelischen Schaden zugefügt hat, nimmst du ähnlich intensiven Anteil, wie am Leben der Person, die dir physischen Genuss und seelischen Reichtum beschert hat. Da du kein Heiliger bist, kannst du nicht umhin, dich insgeheim zu ergötzen, wenn dir eine Nachricht über einen jener verhassten Person entstandenen Verlust zu Ohren kommt, wie du dich offenherzig freust, wenn du erfährst, die geliebte Person habe im Lotto gewonnen, einen Preis verliehen bekommen oder bei der Prüfung exzellent abgeschnitten. Interessanterweise ist Hass ein reines Gefühl und ein ziemlich lästiger oder schwer erträglicher affektiver Zustand, nicht aber wie Liebe ein echtes soziales Band von Verbindlichkeiten und gegenseitiger Verpflichtung.</p>
<p>Hier erfassen wir auch, was wir meinen, wenn wir einem Menschen ein krankhaftes und pathologisches Verhalten und Fühlen in seinen sozialen Beziehungen attestieren: Dieser Mensch ist weder in der Lage, die wahre Größenordnung von Nähe und Entfernung auf der horizontalen Achse der sozialen Beziehung noch die wahre Größenordnung der Über- und Unterordnung auf der vertikalen Achse einzuschätzen, zu gewichten und zur Richtschnur seiner Einstellung, seines Gefühls und seines Verhaltens zu nehmen. Vielmehr täuscht der Kranke sich darin, eine scheinbare Nähe wie die bloß zufällige Berührung oder den beiläufigen Blick für Zeichen echter Nähe zu deuten und solcherweise zutraulich oder zudringlich sich aufzuführen, dass ihm Einhalt geboten werden muss. Oder umgekehrt, der Kranke versteht echte Zeichen von Fürsorge und freundlicher, freundschaftlicher oder liebevoller Nähe als Formen verletzender und verwirrender Übergriffe und Einschüchterungen. Das Naheliegende deutet der Kranke als das Fernliegende, das Fernliegende als das Naheliegende, die liebevolle Annäherung als böswilligen Angriff, den böswilligen Angriff als liebevolle Annäherung.</p>
<p>Auch die Begriffe von Oben und Unten haben sich unserem Patienten verwirrt: Dem Lehrer und Arzt, dem Priester und Richter, dem Techniker, Handwerker und Wissenschaftler fühlt er sich, der keine Lehre abgeschlossen, kein Examen bestanden, keine Ausbildung durchgehalten hat, unendlich überlegen und verhält sich ihnen gegenüber auch demgemäß: herablassend, rebellisch, unverschämt. Den in Hinsicht auf Leistung und Ausbildung weit über ihm stehenden Personen gegenüber beansprucht der Kranke eine die Grenzen des Anstands überschreitende Nähe und vulgäre Vertraulichkeit.</p>
<p>Ein anderer fühlt sich trotz seiner erwiesenen hervorragenden Leistungen auf beruflichem, wissenschaftlichem oder sportlichen Feld jedem dahergelaufenen Dreckspatz und Gassenjungen unterlegen, der ordentlich auf die Pauke hauen, sein freches Mundwerk laufen lassen und den schüchternen Menschen mit deftigen Witzen und Obszönitäten unflätig anhauen kann. Der Kranke ist unfähig, den ihm gebührenden Abstand von Zudringlichkeiten der gemeinen Art mittels Entfernung der eigenen und nötigenfalls der anderen Person entschieden und beherzt in die Tat umzusetzen.</p>
<p>Der Kranke sieht sich auch nicht in der Lage, der wahren oder vorgeblichen Größe für die Nähe oder Ferne seiner sozialen Beziehung auf der horizontalen Skala einen eindeutigen Richtungswert zuzuordnen – vielmehr wechselt er beständig von Plus zu Minus und Minus zu Plus oder versteigt sich zur paradoxen Behauptung der gleichzeitigen Existenz beider Werte. So unterliegt er dem krankhaften Zwang, den zu hassen, den er liebt, und den zu lieben, den er hasst. Er ist misstrauisch gegen den, der ihm gut will, und vertraut blindlings dem, der ihn hinters Licht führt und übers Ohr haut.</p>
<p>Wir wollen an dieser Stelle nur andeuten, dass die kleinen und großen Dramen des menschlichen Lebens in der Tat mittels der Steigerungsformen der adverbiellen Bestimmungen der Ausdrücke für soziale Beziehungen wie näher und ferner erfasst werden: Gestern standen wir uns noch fern, dann kamen wir uns unter einer glückbringenden Konstellation immer näher, heute liegen wir uns in den Armen. Wehmütig gedenkst du der verflossenen Tage des Sommers, als du mit deinem Liebsten glücklich Hand in Hand gingst. Dann legte sich oft und öfter ein schmaler Schatten der Entfremdung oder der herannahenden Figur eines Dritten zwischen euch und wurde größer und größer. Heute empfindest du die Entfernung zwischen euch als so trostlos weit wie die Entfernung des Mondes zur Erde. Ihr wart euch sehr zugetan, da spielte euch das Schicksal einen dummen Streich und fast ließet ihr die Hände voneinander abgleiten und sinken. Doch die Wärme und Zuversicht eurer Liebe und die Hochherzigkeit eurer gegenseitigen Zusagen blieben siegreich und vertrieben die Schatten.</p>
<p>Freundschaft ist das Gegenteil von Feindschaft und verbindet die Freunde in einem sympathetischen Umgang gegenseitiger Achtung. Ihr trefft euch regelmäßig zu Konzert- oder Museumsbesuchen, zu Kaffee und Kuchen, ihr tratscht vergnügt über die Malaisen von Nichtanwesenden, nehmt aber gehörigen Anteil am beiderseitigen Schicksal und unterstützt euch in Notlagen nach Billigkeit und Angemessenheit. Freundschaft kann eng sein und dir einen Packen von Verbindlichkeiten aufbürden, von der Intimität und Intensität der Liebe entfernen sie aber die geringere Nähe und Dichte von Emotion und Obligation.</p>
<p>Feindschaft hat denselben Grad der Nähe wie Freundschaft, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Wir unterscheiden Feindschaft von Hass und setzen den Unterschied darin, dass Hass auf die Schädigung oder gar Vernichtung der gehassten Person aktiv oder passiv aus ist, während Feindschaft die Persönlichkeit des Feindes würdigt und nicht in Frage stellt, aber seine Absichten und Zwecke, seine Gesinnungen und Werte ablehnt. Du hütest dich vor dem Feind, weil er Interessen und Absichten verfolgt, die den deinen entgegengesetzt sind und mit ihnen konfligieren. Du gehst ihm aus dem Weg oder ergreifst Abwehrmaßnahmen wider seine unlauteren Absichten. Doch kannst du zwischenzeitlich durchaus Aug in Aug ihm gegenübertreten und mit ihm gleichsam einen Waffenstillstand verabreden: eine Zeit des Interimsfriedens, in der ihr euch gelassen verschmäht, ohne euch zu schmähen.</p>
<p>Wir spezifizieren die Ausdrücke für soziale Beziehungen nicht nur mittels der adverbiellen Bestimmungen nahe und fern beziehungsweise näher und ferner und markieren damit den Grad ihrer Nähe, gleichsam von links nach rechts und von rechts nach links Abstände bildend. Wir spezifizieren unsere Ausdrücke für soziale Beziehungen auch mittels der adverbiellen Bestimmungen oben und unten beziehungsweise höher und tiefer und markieren damit den Grad der Ober- und Unterordnung oder der Dominanz und Unterlegenheit der beteiligten Personen und Partner. Die kontinuierliche langsame oder schnelle Verschiebung oder der abrupte Wechsel der Werte auf der vertikalen Ordnungsskala erschließen uns neue Gründe für die kleineren und größeren Dramen des menschlichen Lebens – und das sowohl im intimen Umfeld von Liebe oder Freundschaft wie im komplexen Rahmen von Unternehmen oder Staaten.</p>
<p>Wir achten auf das Zusammenspiel der Verschiebungen auf der Horizontalen und der Vertikalen: Ich kann mich von dir entfernen, indem ich den Weg nach links einschlage und ebenerdig zwanzig Meter zurücklege. Ich kann mich ebenso weit von dir entfernen, wenn ich die Treppe hier hinaufsteige, während du unten an der Tür stehenbleibst.</p>
<p>Du hast es durch fleißiges Lernen und den Besuch der Abendschule oder von Fortbildungskursen dahin gebracht, schnell die Karriereleiter emporzuklettern. Mit der dünnen Luft der Chefetage hast du neue Lebensformen und das Highlife von Luxus, feinen Anzügen, edlen Schuhen und raffinierten Cocktails in der Bar des Tennisclubs kennengelernt. Deine alten Freunde haben sich einer nach dem anderen leise von dir entfernt, während du auf der Segelyacht des Vorstandsvorsitzenden deiner Firma und in den VIP-Lounges der internationalen Flughäfen Bekanntschaft mit den Happy Few geknüpft hast. Natürlich entspricht das neu erworbene Loft in bester Westendlage und das flotte Sportcoupé nunmehr deinem Style of Life. Während alledem ist deine Frau die alte geblieben, sie räkelt sich gelangweilt auf der teueren Ledercoach und lackiert ihre Fingernägel, um sich für die Party schick zu machen. Doch eigentlich sind ihr die neuen Gesichter dort mit ihrem undurchdringlichen Dauerlächeln und ihrem ewig gleichen Singsang auf die teure Sorglosigkeit eines sinnleeren Luxuslebens zuwider. Sie vermisst die alten Freunde, mit denen man unbefangen scherzen und auch mal Neun gerade sein lassen konnte. Es kommt, wie es kommen muss. Deine Frau hat sich in dem Maße innerlich von dir entfernt, wie du äußerlich aufgestiegen bist. Die einst geteilte intime Nähe von Liebe und Freundschaft hat sich gleichsam in dem kühlen Dunst aufgelöst, der dir aus der Klimaanlage deines Chefzimmers entgegenweht. Mach dich darauf gefasst, dass dich deine Frau bald verlassen wird.</p>
<p>Beschränken wir für unseren Hausgebrauch die Funktion von Unternehmen, Vereinen, Organisationen, Nationen beziehungsweise der sie repräsentierenden Staaten auf eine Rolle als Quasi-Personen, können wir ihnen wie allen Personen Absichten und Zwecksetzungen unterstellen, die ihr Handeln begründen und verständlich erscheinen lassen. Unternehmen zum Beispiel sind Organisationen mit dem Zweck der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen, die am Markt durch Wachstum und mittels ständiger Verbesserung und Innovation ihrer Leistungen expandieren wollen. Ihre Nähe und Ferne zu anderen Unternehmen ist durch den Wettbewerb um Kunden und Absatzmärkte oder durch Filiationen wie Konzernbildung oder Zweckabsprachen wie bei der Preisbildung definiert. Unternehmen, die gestern noch als Konkurrenten auf einem Marktsegment um denselben Kundenstamm gekämpft haben, werden von einem dritten ihnen in Hinsicht auf die schiere Größe, die Produktentwicklung und das Produktdesign, die finanziellen und technischen Ressourcen weit überlegenen Unternehmen übernommen und partizipieren nunmehr dank einer sinnvoll angepassten und komplettierten Kooperation gemeinsam am Verkaufs- und Markterfolg.</p>
<p>Hier beobachten wir, dass bei bestimmten Größenordnungen und Komplexionsgraden der beteiligten Partner die Werte auf der Abszisse der Beziehungsentfernung um die Über- und Unterordnungsstufen der Werte auf der Ordinate zu ergänzen sind: Die beiden gleichermaßen unterlegenen Unternehmen, die früher harter Wettbewerb voneinander entfernte, operieren jetzt auf Augenhöhe in kooperativer Nähe.</p>
<p>Staaten stehen sich auf der horizontalen Koordinaten als durch Bündnisverträge eingeschworene Partner nahe oder als Feinde fern, wenn sie hart um dieselben Energieträger und Absatzmärkte ringen und kämpfen. Die Feindschaft zwischen Staaten kann sich bis zu bewaffneten Konflikten oder Kriegen steigern. Staaten, die aufgrund ihrer schieren Größe oder Überlegenheit an Know-how, Waffentechnik und Ressourcen ihre Anrainer dominieren, betrachten wir als Regional- oder Mittelmächte, während wir Staaten als Großmächte oder Imperien ansehen, die ebenfalls aufgrund ihrer Größe und ihres technologischen Know-hows sowie des Reichtums an Ressourcen ganze Kontinente und deren Staaten und Nationen beherrschen.</p>
<p>Die Konflikte zwischen Staaten und Mächten können aus kulturell-religiösen Quellen genährt werden wie die Konflikte zwischen den sunnitisch und den schiitisch dominierten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Die von Großmächten dominierten Völker können sich erheben und ihre natürlichen Feinde durch Rebellionen und Revolutionen in die Defensive drängen oder durch Zermürbung, hohen Blutzoll von Attentaten und Terrorangriffen sowie Störungen und Zerstörungen in Industrie und Verkehrsanlagen durch Partisanenangriffe oder durch reguläre Kriege zur Aufgabe zwingen wie die Völker des Balkans zuerst das Osmanische Reich und später das Reich der Habsburger.</p>
<p>Nach dem Zerfall des Sowjetischen Imperiums sind die alten Konfliktlinien der einst gemeinsam unter Moskaus Stiefel gedrückten Nationen wie die Konfliktlinien zwischen Balten und Russen, Polen und Russen, Ukrainern und Russen oder Polen und Ungarn wieder aufgerissen, während noch ältere Konfliktlinien wie die zwischen Frankreich und Deutschland nach Jahrzehnten vertraglicher und touristischer Annäherung beinahe in Vergessenheit gerieten. Die Voraussetzung für diese Annäherung auf der horizontalen Linie war freilich die grausame und blutige Verschiebung der Größenordnung auf der vertikalen Linie infolge des Zweiten Weltkriegs, wodurch Deutschland seine hegemoniale Rolle in der Mitte Europas verloren hat.</p>
<p>Zwecks Analyse der Verhältnisse zwischen Staaten und der sozialen Verhältnisse zwischen Personen können wir die gegebenen Größen der Über- und Unterordnung auf der vertikalen Achse wie die gegebenen Größen der Annäherung und Entfernung auf der horizontalen Achse addieren und subtrahieren und gleichsam eine neue Lage und Ordnung der Dinge berechnen.</p>
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		<title>Philosophieren XXIV</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Aug 2013 14:26:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Was wir sind und wer wir sind, wie wir uns hier und heute befinden und wie es hierzulande und hienieden um uns bestellt ist, erkunden wir über die Analyse und Betrachtung der Verwendung der Adverbien und adverbiellen Bestimmungen, mit denen wir die generischen Ausdrücke für unsere sensomotorischen Aktivitäten, also Verben wie sehen und reden, hantieren [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxiv/">Philosophieren XXIV</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was wir sind und wer wir sind, wie wir uns hier und heute befinden und wie es hierzulande und hienieden um uns bestellt ist, erkunden wir über die Analyse und Betrachtung der Verwendung der Adverbien und adverbiellen Bestimmungen, mit denen wir die generischen Ausdrücke für unsere sensomotorischen Aktivitäten, also Verben wie sehen und reden, hantieren und gehen, spezifizieren. Dabei werden wir einer Verknüpfung oder synthetischen Leistung inne, die unser Tun und Lassen, unser Handeln und Wandeln stetig begleitet: Jeder Bewegungsausdruck ist eine Ausdrucksbewegung.</p>
<p>Die Ausdrücke für sensomotorische Bewegungen und Aktivitäten umfassen die Ausdrücke für den Gesichtssinn, den Hörsinn, den Tastsinn, den Geruchssinn, den Geschmackssinn, den Schwere- und Gleichgewichtssinn und die Empfindungen für Wärme und Kälte. Verständigen wir uns darauf, den Redesinn, das Sprech- und Sprachvermögen, in die ehrwürdige Reihe unserer Sinne aufzunehmen – wenn auch als höherstufigen Sinn, da ja zumindest der Hörsinn und der Gesichtssinn ihm in gewisser Weise hierarchisch untergeordnet sind: Du hörst, was der andere sagt, und du hörst, was du selbst sagst. Du siehst, wie der andere auf deine Äußerung mimisch-gestisch reagiert. Diese acht Sinne sind einerseits biologisch geprägt, andererseits dienen sie perfekt unserem gemeinsamen Tun und Handeln im sozialen Raum. Die acht Elementarausdrücke zur Bezeichnung der sieben Elementarsinne heißen: sehen, hören, tasten (fühlen), riechen, schmecken, stehen (gehen), sich warm (gut) fühlen oder überhitzt sein beziehungsweise frieren, reden.</p>
<p>Adverbien und adverbielle Bestimmungen heben hervor, wie du tust, was du tust. Sie sind mehr als verbaler Dekor, den wir um die eigentlich wichtigen Verbalstämme der Ausdrücke für primäre Bewegungen und Aktivitäten winden würden: Es gibt die Verwendung dieser Ausdrücke nicht ohne irgendeinen Bezug auf die Situation, in denen sie verwendet werden. Du siehst nicht einfach in die Welt hinein, sondern erblickst etwas, siehst nach vorn, rückwärts, geradeaus, vor dich hin, du tastest die Fläche mit Blicken ab. Du weichst deinem Nachbarn mit Blicken aus. Deinem wachsamen Auge entgeht der plötzliche Aufflug des Vogels. Der Schüler glotzt gelangweilt oder blöde vor sich hin. Angesichts der indezenten Geste runzelst du die Stirn und rollst unwillig die Augen. Der unter starke Sedativa gesetzte Patient stiert brütend vor sich hin. Bei dem unerwarteten Wiedersehen hast du verdutzt dreingeschaut. Als dich die Erinnerung überkam, hat sich dein Blick verschattet.</p>
<p>Dass elementare Bewegungsarten und -muster wie Suchen, Aufspüren, Verfolgen, Ergreifen und Aufraffen oder Verlieren, Fallen- und Liegenlassen, Verstecken und Tarnen leicht identifizierbar und wiedererkennbar sind, sollte dich nicht wundern, gehören sie doch zur festen Ausstattung des Überlebensrucksacks von sozialen Lebewesen, wie wir es nun einmal sind. Die Elementarsinne werden mittels selbststeuernder sensorisch-nervöser Regelkreise miteinander verknüpft: Du schaust auf deine Hand, während du mit dem Stift die Zeilen schreibend entlangfährst oder mit deinen Fingern auf die Tasten der Tastatur des PCs schlägst, und zugleich betrachtest du abwechselnd das Ergebnis deines Handelns auf den auf dem Blatt oder dem Screen sich darstellenden Schriftzügen. Dadurch registriert dein wachsames Auge die Fehler, die du gemacht hast, und du gehst zu der betreffenden Stelle zurück, um sie auszubügeln und zu korrigieren.</p>
<p>Auch unser Redesinn ist wie alle Sinne in einen komplizierten sensorisch-motorischen und nervösen Regelkreislauf von Input und Output, Aktion und Reaktion, Kontrolle und Fehlerkorrektur eingebaut, der dir erlaubt, absichtsvoll und zweckgerichtet zu reden, sich des Gesagten bewusst zu machen und auf Fehler oder Unklarheiten hin zu kontrollieren und eventuelle Versehen richtigzustellen. Der selbststeuernde Regelkreis bezieht natürlich auch deinen Gesprächspartner mit ein: Du beobachtest an seinem Gesichtsausdruck, wie er deine Äußerung, dir beim Umzug behilflich zu sein, aufgenommen hat. Du entnimmst seiner ausweichenden Antwort, addiert mit der Wahrheit seiner Mimik, dass er eigentlich nicht willens ist, dir zu helfen. Du korrigierst deine Redeabsicht, deinen Bekannten um Hilfe zu bitten, mit der Einsicht in ihre Vergeblichkeit und insistierst nicht weiter. Umgekehrt hat dein Bekannter an deinen dringlich bittenden Blicken, mit denen du dein Hilfeersuchen an ihn komplettiert hast, die Intensität deines Wunsches oder das Gewicht der Bitte an ihn erkannt, aber auch, was mit seinem Entgegenkommen impliziert wäre: eine Annäherung, die aus eurer Bekanntschaft am Ende eine Freundschaft machen könnte. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ihm an einer noch stärkeren Annäherung und Intensivierung der Beziehung mit dir nicht gelegen ist, hat dein Bekannter dich abschlägig beschieden. So hat er dir höflich lächelnd geantwortet, wobei er wie teilnahmslos in die Ferne schaute.</p>
<p>Du hörst nicht einfach, was da an Schallwellen aus dem sinnfreien Kosmos dein Ohr trifft. Du hörst genau hin, was dein Freund dir rät. Die Fragen, die dir der Prüfer in der mündlichen Prüfung stellt, saugst du förmlich in dich ein. Das leise Knabbern in deinem eichenen Schlafzimmerschrank gibt dir zu denken. Du lauschest erwartungsvoll auf die Geräusche des erwachenden Morgens. Du überhörst geflissentlich die unschönen Bemerkungen des Kollegen über einen anderen Kollegen. Du neigst dein Ohr den schmeichelhaften Einflüsterungen des fliegenden Händlers. Du bist ganz Ohr, wenn in den Nachrichten ein großer Anschlag vermeldet wird. Du spitzt die Ohren, wenn du auf das akustische Signal wartest, das dir das Eintreffen einer wichtigen E-Mail ankündigt.</p>
<p>Du bückst dich nach vorn und überblickst aufmerksam den Fußboden in der nächsten Umgebung des Fahrscheinautomaten, der dir soeben eine Euromünze ausgespuckt hat, die dir in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit aus der Hand glitt. Sogleich beginnst du aufgeregt und mit verdoppelter Aufmerksamkeit nach dem Geldstück zu suchen. Nach scharfer Bemusterung des Bodens entdeckst du die silbrig schimmernde Münze und raffst sie hastig auf. Der Bogen der bewussten und zielgerichteten sensomotorischen Aktivität beginnt mit den tastend-wachsamen Suchbewegungen der Augen und schließt sich mit dem Auffinden des gesuchten Objekts und seiner Bergung.</p>
<p>Unser generischer Ausdruck für die sensomotorische Aktivität des Sehens, also „sehen“, wird mittels adverbieller Bestimmungen präzisiert und spezifiziert: Du siehst nicht einfach ins Allgemeine hinein oder auf die Welt, ohne dass dein Sehen in der singulären Situation mit spezifischen Merkmalen verbunden wäre. Andernfalls käme nichts Besseres als ein dummes Gaffen und dämliches Glotzen zustande. Du siehst auch nicht ziellos um dich – als ließest du unmotiviert und müde die Blicke schweifen. Du siehst auch nicht schlicht auf den Boden – als stiertest du vor dich hin. Vielmehr tastest du den Boden gezielt mit Blicken ab. Der Bewegungsausdruck, der beschreibt, wie du tastend und wachsam mit Blicken einen Gegenstand suchst und eine Fläche oder einen Rauminhalt abtastest, wird spontan mit der Ausdrucksbewegung verknüpft und synthetisiert, gemäß welcher du auf mich einen nervös-erregten und unruhig-suchenden Eindruck machst.</p>
<p>Ich bin nicht genötigt zu sagen: „Deine hastigen, nervösen Bewegungen in der Nähe des Fahrkartenautomaten sehe oder interpretiere oder deute ich als dein Suchen nach einem verlorenen Geldstück.“ Ich bin nicht genötigt zu sagen: „Aus deinen hastigen, nervösen Bewegungen in der Nähe des Fahrkartenautomaten schließe ich auf deinen inneren, mir direkt nicht zugänglichen Bewusstseinszustand, den ich als deine Absicht erschließe, ein verlorenes Geldstück zu suchen.“ Weil jeder Bewegungsausdruck eine Ausdrucksbewegung mit sich führt, sehe und verstehe ich sofort und unmittelbar, was du da treibst. Jedenfalls sehe und verstehe ich, dass du aufgeregt bist und etwas suchst. Und weil du um den Fahrkartenautomaten herum suchst, gehe ich natürlich davon aus, dass du ein verlorenes Geldstück suchst. Solltest du indes eine aus dem Auge gefallene Kontaktlinse suchen, läge ich zwar unrecht mit der Annahme, du suchtest nach einer Münze, aber recht in der Annahmen, dass du überhaupt nach etwas suchst.</p>
<p>Wenn du einer älteren Dame vor dem Fahrkartenautomaten ansichtig wirst, die irritiert und verwirrt ob der ihr unverständlichen Bedienungsanweisungen den Kopf schüttelt und hilfesuchend um sich schauend einen freundlichen Menschen, wie du es bist, erblickt, was wirst du wohl tun? Gewiss doch der Dame deine Hilfe anerbieten, wenn sie dich mit bittenden Blicken darum ersucht. Wir versehen zurecht den generischen Ausdruck für das Sehen, hier „blicken“, mittels der adverbiellen Bestimmung „bittend“ mit einer spezifischen Information, die uns die Augen für die nunmehr konstituierte soziale Situation öffnet.</p>
<p>Wir können mittels der adverbiellen Bestimmungen der generischen Ausdrücke für das Sehen und Reden alle bedeutsamen sozialen Situationen erschließen. Aber auch der angeblich dem unmittelbaren Verstehen verschlossenen Erlebnis- und Bewusstseinszustände unserer Gesprächspartner und Lebensgenossen können wir mittels adverbieller Bestimmungen der Ausdrücke für ihr Sehen, Reden oder Fühlen ohne weiteres inne werden. Auch die verborgenen und verhehlten Absichten, die heimlichen Wünsche und verhüllten Scham- und Schuldgefühle zeigen sich und werden uns als modifizierende adverbielle Spezifikationen unserer generischen Ausdrücke greifbar. Denn in demselben Maß, in dem du dich unbefangen, verständig und offen gebärdest, dein Tun und Reden freisinnig und freundlich sind, zeigen sich im umgekehrten Falle dein Tun und Reden hinterhältig und misstrauisch, gebärdest du dich befangen, verlegen und schamhaft. Dies zu sehen und zu verstehen und mittels korrekter Verwendung unserer adverbiellen Bestimmungen für die generischen Ausdrücke des Tuns und Handelns zu spezifizieren, bedürfen wir keiner speziellen sogenannten Hermeneutik oder Interpretations- und Seelenzergliederungskunst. Jeder Gassenjunge versteht es ja.</p>
<p>Du blickst deinem Gegenüber ruhig und entschlossen in die Augen. Du blickst verlegen und beklommen, beschämt oder schuldbewusst weg, in eine andere Richtung oder zu Boden. Du schaust dich bang und ängstlich um, als ob einer dir folge oder dir nachblicke. Sie blickt spöttisch oder höhnisch auf den entlarvten Scharlatan herab. Als unvermutet ihr Name bei Tisch fiel, wurdest du puterrot, verhaspeltest dich und redetest nur dummes Zeug daher. Selbstbewusst, keck oder siegessicher blickt der Prüfling in Richtung Prüfungskommission. Unterwürfig und kriecherisch-schmeichelnd schlägt der ertappte Dieb die Augen nieder. Dreist, hoffärtig und hochmütig blickt der Erpresser, der Heiratsschwindler oder Erbschleicher auf sein Opfer. Verzückt und beseligt schaut der Verliebte seiner Angebeteten nach. Der Dichter geht frei und einsam seines Wegs und hält inne vor einem verlorenen Kinderhandschuh, einem unleserlich gewordenen Papierschnipsel, einer zerknüllten Zigarettenschachtel einer alten Marke – er schaut träumerisch, vielsagend, geheimnisvoll vor sich hin.</p>
<p>Du hast stockend, leiernd oder hastig geredet. Deine Rede ging dir flott und flüssig von den Lippen, du hast dich nicht verhaspelt oder gestottert und gelispelt. Er trug seine Thesen vollmundig, großsprecherisch und triumphierend vor. Sie brachte leise, bedächtig und umständlich künstliche Einwände vor. Als er auf seine Urlaubserlebnisse angesprochen wurde, sprudelte es nur so aus ihm hervor. Er sprach manieriert, ausufernd, ohne Punkt und Komma. Er hat seine Fehler offen und freimütig einbekannt. Bei trivialen Sachen wurde er langatmig, bei hintergründigen lapidar. Auf sein Vergehen angesprochen, wurde er einsilbig und wortkarg. Auf der Karriereleiter frisch aufgestiegen, redet er nunmehr von oben herab mit dir und befleißigt sich eines schneidenden und klirrenden Tones. Weil er etwas zu verbergen hatte, bediente er sich eines gleisnerischen und mysteriösen Tonfalls. Er rutschte verlegen auf seinem Hosenboden hin und her, und was aus seinem Munde kam, war das Gegenteil von zungenfertig: Es war verdruckst und voll rätselhaft-verquälter Anspielungen.</p>
<p>Du erblickst die alte, etwas gebrechlich wirkende Dame, wie sie vor dem Fahrkartenautomaten aufgeregt die Bedienungsanweisung liest, ihre Geldbörse öffnet, kein passendes Münzgeld findet und zu einem 10-Euro-Schein greift, den in den saugenden Schlitz einzuführen ihr auch tatsächlich gelingt. Im Hintergrund ertönt schon die Ansagestimme mit dem Hinweis auf den einfahrenden Zug. Hastig entnimmt die alte Dame die Fahrkarte aus dem Automaten und eilt in Richtung Bahngleis, ohne Gedanken an das jetzt herabklimpernde Wechselgeld. Nun, du bist ein anständiger Mensch und alten, etwas gebrechlichen Damen zugetan. Also schüttest du rasch die herabgekollerten Münzen in die Hand und rennst der Alten hinterher, holst sie ein und überreichst der freudestrahlenden und vor Dankbarkeit dahinschmelzenden das vergessene Geld. Nachdem du die Frau noch höflich bis zur Tür der S-Bahn geleitet hast, schreitest du zufrieden lächelnd und hochgemut blickend von dannen.</p>
<p>Wäre ein anderer weniger netter, ein bösartiger Kerl an deiner Stelle gewesen und hätte die Situation mit der alten Dame aus gebührender Entfernung mit verstohlenen Blicken argwöhnisch beobachtet, hätte er das vergessene Wechselgeld betrügerisch an sich gerissen und damit einen gemeinen Diebstahl begangen. Von der bestohlenen Dame wären ihm keine Dankesworte und kein liebreizendes Lächeln zugeflogen und zuteil geworden. Der gemeine Kerl schliche sich, hinterhältig um sich schauend und feige vor sich hinblickend in die dunklen Winkel seines verkommenen Lebens zurück.</p>
<p>Wir beziehen uns demnach mit den adverbiellen Bestimmungen der generischen Ausdrücke für unser sinnfälliges Tun und Handeln nicht nur auf Erlebnisinhalte des Bewusstseins wie aufgeregt, leidenschaftlich oder fad und lau. Wir erschließen uns mit dieser erprobten sprachlichen Technik auch Merkmale sozialer Eigenschaften wie hochmütig, beschämt und dankbar. Auch die Zuweisung moralischer Eigenschaften wie anständig und moralisch verwerflich können wir mittels der Verwendung der Adverbien und adverbiellen Bestimmungen für moralische Qualitäten wie offenherzig, höflich, hilfreich oder feige, hinterhältig und durchtrieben mit Rücksicht auf die Bedürfnisse unseres Alltagslebens ausgezeichnet regeln und ordnen.</p>
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