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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Epopöe</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Ein Geheimdiplomat auf Abwegen</title>
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		<pubDate>Fri, 24 May 2013 16:39:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Komische und groteske Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Epopöe]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Ein Mäuse-Epopöechen Muselrich, Geheimdiplomat in Hintermusien, Diente dem Kanzler, dem Herrn mit der straffenden Gürtel- Spange und immer nervös zitternden Härchen der Nase Willig ergeben. Der Kanzler vertrat die universalen Mäuserechte, allen voran das freie Wispergetümmel Allgemeinen Maustums. Denn grenzenlos sollten sie mausen. Und der alten Sitte von Herkunft und Eigenwüchsigkeit spotten, All der eigentümlichen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/ein-geheimdiplomat-auf-abwegen/">Ein Geheimdiplomat auf Abwegen</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Mäuse-Epopöechen</em></p>
<p>Muselrich, Geheimdiplomat in Hintermusien,<br />
Diente dem Kanzler, dem Herrn mit der straffenden Gürtel-<br />
Spange und immer nervös zitternden Härchen der Nase<br />
Willig ergeben. Der Kanzler vertrat die universalen<br />
Mäuserechte, allen voran das freie Wispergetümmel<br />
Allgemeinen Maustums. Denn grenzenlos sollten sie mausen.<br />
Und der alten Sitte von Herkunft und Eigenwüchsigkeit spotten,<br />
All der eigentümlichen Zungen der Heimat vergessen.<br />
Mausesperanto erlernen fürs Gerede ohne den Herzton,<br />
Schöne Phrasen, die alle kapieren, doch keiner bestehn mag.</p>
<p>Muselrich, hochdekoriert mit dem Bauchgebinde aus Purpur,<br />
Silberplättchenband um das heikel verschlungene Schwänzchen,<br />
Alles für Mühen, Tränen und perlenden Schweiß in dem Kampfe<br />
Wider den Ungeist der Zeit, die Verfemung, Verspottung<br />
Wüstentümlichen Maustums, das nicht so artig zu fiepen<br />
Wusste wie Mäusel und Mutz, sondern flirrend-girrenden Sound aus<br />
Öden, Eilanden, Mausmetropolen des Südens und Ostens<br />
Hintermusien eingebrockt hat. Muselrich wusste: Die Urmaus<br />
Lebt und webt in uns allen, so hat sie der ewige Schöpfer<br />
Eingeblasen mit mächtigem Fiep auf immer und ewig.<br />
So galt Muselrichs ganze Kraft dem edlen Geschäfte,<br />
Bild und Geist der Urmaus zu wahren, das Zerrbild zu tilgen.</p>
<p>Also geschahʼs, dass die Order erging, es habe im Amte,<br />
Hurtig sich einzufinden im hohen Hause der Mäusel<br />
Muselrich. Der kam im Barett und gescheuerten Stiefeln,<br />
Schritt behend durch den hohen lichtdurchfluteten Saale<br />
Zu dem feinen Herrn mit der Gürtelspange. Der lächelt<br />
Hold ihn an, die Härchen der Nase zitterten mutvoll,<br />
Und er reicht ihm, in duftiges Leder gebunden, versiegelt,<br />
Auf dem Frontispiz prangt der Urmaus schimmerndes Abbild,<br />
Einen Folioband, strotzend von Mäusegesetzen<br />
Und Paränesen, flammend-verdammend, von Kanzlers<br />
Eigener Handschrift. „Den giltʼs, mein Muselrich“, hub er<br />
An mit fiepender Stimme, „unbeschadet über die Grenzen<br />
Nach dem feindlichen Mausetanien zu bringen, zu tragen<br />
Vor den krustierten Federthron der schamlosen Mäusin,<br />
Feindin des freien Mäusetums, Tyrannin und Götzin<br />
Sklavischer Sitten und üppig verschwendeten Reichtums,<br />
Gütern, die schrundige Pfoten und sehnige Glieder der Armen<br />
Für das Kitzelgelüst und den Sinnenrausch der Verderbten<br />
Schmählich geschuftet. Meuchelmuse muss von nun an<br />
Lassen die Höhnung und die Verletzung der universalen<br />
Mäuserechte. Lassen muss die Tyrannin von der Versklavung<br />
Eigenen Volks, Verprassen von Gütern der Mäuseproleten.</p>
<p>Nimmt die Herzlose, gerechten Maustums Entwöhnte, nicht Wille,<br />
Nicht Verstand in die öligen Pfötchen, siegelt mit eigenen Pfoten<br />
Diesen Band mit den heiligen Rechten der Urmaus nicht willig,<br />
Musst, lieber Muselrich, mit harten Sanktionen du drohen:<br />
Wir sind in Waffen, gilt es die Würde und Freiheit des Maustums!“</p>
<p>Muselrich strebte geschwollener Brust zum Ausgang des Saales,<br />
Seiner hohen Mission Würde und kitzlige Botschaft<br />
Mäuselmam und den lieben Kleinen zu Hause zu künden.<br />
Das gab ein Schwänzeln und Tänzeln, ein freudiges Nas-an-Näschen-<br />
Reiben, ein Schulterklopfen und ach ein schmerzliches Scheiden.<br />
Muselrich blickt noch einmal zurück: Betränt sind die Äuglein<br />
Der geliebten Mäusin, die Kleinen verhuscht unter der Schürze<br />
Mamas, und von innen die verlöschenden Kerzen des Abschieds<br />
Leuchten überm bescheidenen Glanze biederen Maustums.</p>
<p>Glühend, wahnsprühend rollt die Sonne über die Wüste<br />
Mausetaniens. Schlangen, gelb-rötlich gestreift, und schuppige<br />
Echsen schlüpfen und huschen im Sand. Gespaltene Zungen<br />
lecken an brandigem Blattwerk, brüchige Hufe, gespreizte<br />
Krallen durchritzen gierig die rissige Kruste nach Wasser.<br />
Lebens wollüstige Bilder halluzinieren an jedem<br />
Horizont, an jeder Grenze und Schwelle die Wesen<br />
Mausetanischen Lands. So lebt das uralte Maustum<br />
Stolz, hoffärtig, berauscht am Ruhme siegreicher Ahnen<br />
Und dem Glanz, dem Purpurdunst des mausischen Hofstaats,<br />
In den dunklen Gängen, erhaben gewölbten Hallen<br />
Unter dem brennenden Sand. Hier siehst du ein Wunder der Künste<br />
Ragend zum künstlich besternten Rund, aus mauszarten Knochen<br />
Zierlich gefügt, von fächelnden Federn umhüllt, den ererbten<br />
Heiligen Thron der hymnisch gerufenen Götzin<br />
Meuchelmuse. Von ihrem Hofstaat geleitet, nimmt sie<br />
Huldvoll Platz, sie reckt das glückliche Pfötchen ins Leuchten<br />
Tausender Fackeln, es leuchtet der Ring mit dem köstlichen Mondstein.</p>
<p>Den zu küssen mit bravem Knicks und spitzigen Lippen<br />
Kommt nun Mäusin und Maus, aufsingen des staatlichen Chores<br />
Weltberühmte Stimmen und vielbeklatscht die Eunuchen,<br />
Mäusekastraten, den Feinden Hintermusiens als Knaben<br />
Meuchlings geraubt und am Hofe geweiht dem höheren Zwecke,<br />
Fein und rein, verwegen schwellend den Ruhm zu singen<br />
Meuchelmuses, der Herrin. Auf Hälmchen, hohlen Vogel-<br />
Knöchelchen, Muschelhörnchen zupfen und geigen und blasen<br />
Mausetaniens musische Mäusesöhne und -töchter.<br />
Nun steigen duftig-zuckrige Töne auf, erglänzen<br />
Perlenbesetzte Schühchen, das Ballett der schimmerndsten Schönen<br />
Wallt über die blütenbesamten Decken des blauenden Saales.<br />
Keck die Hofzwergenmäuse springen jodelnd dazwischen.</p>
<p>Nun wird perlendes Nass aus Bechern grünen Kristalles,<br />
Wird in geschnitzten Schalen der Nuss der Tau von den Blumen,<br />
Violenpollen, der Orchideen Säfte kredenzt. Dazu reicht man<br />
Beeren, Nachtigalleneier, Samenkörner der Hirse und Gerste.<br />
Mehr und mehr steigt der Kastraten Singsang, des Chores Gesummse,<br />
Steigen die Säfte, die lieblichen Mächte zu Herzen, zu Köpfchen<br />
Meuchelmuse und allen festlich Gestimmten. Da zeigt sich die Herrin<br />
Weichen Sinns und benetzter Wange beim Seufzen des Liedes,<br />
Das ihr kniend Rotmaus, der armenische Sänger entbietet.<br />
Wohlig reckt sie die Füßchen, die mit Troddeln lockenden Beinchen,<br />
Reibt das rosige Pöchen auf dem rosenblättrigen Pfühle.<br />
Blitzender Finger schnippt, und leise senkt sich der Vorhang,<br />
Wie die samten enthauchende Nacht, wenn die Irisblume des Himmels<br />
Letzte Strahlen gegönnt und dem Mondlicht ergeben sich hinbeugt.</p>
<p>Hierhinein, in den Abgrund entbundener Sinne und unkeuschen Schnalzens,<br />
Musste Muselrich es verschlagen, den biederen Mäusel.<br />
Doch geröteter Wange waltet er streng seines Amtes,<br />
Lässt den voluminösen Band der gerechten Sprüche<br />
Mäuserechtlicher Wahrheit rollen auf einem Wagen<br />
In den Feenpalast der mausetanischen Herrschaft.<br />
Wie die Feenmäuschen glotzen, es versagen stimmlich<br />
Rotmaus und Kastraten, Chor und Orchester verstummen.<br />
Schrilles Fiepen hinter wollustwogendem Vorhang bricht ab jetzt:<br />
Durch einen Schlitz aufblitzen der stolzen Königin Äuglein,<br />
Und die Herrin zeigt sich gelassen, entbietet gar höflich<br />
Grüße und Küsse der Hand. Das Preisen des weisen Geschenkes,<br />
Sinnreich vorgetragen vom Gast, unterbricht sie ironisch,<br />
Schnippisch das Pfötchen flaggend. Balsam der Stille dem Gast sei,<br />
Ausgedörrt von Wüstenpfaden und diplomatischem Hochsinn,<br />
Angediehen. Geleitet wird zagen Mutes die biedere Graumaus<br />
Zu den hintern Gemächern, verkleidet mit Schuppen der Echse,<br />
Mit den Flammenhäuten der Schlange bedeckt. Dort soll er<br />
Müßig harren der kommenden Dinge und derweil sich gütlich<br />
Tun an den Düften, Salben und Diensten gehobenen Luxus.</p>
<p>Und so kommtʼs, wie es kommen musste: Die rosige Zofe<br />
Muselmohn nimmt seiner sich an, sie knöpft ihm den lästigen<br />
Diplomatenlatz auf und streckt die plustrigen Daunen<br />
Ihm unter dankbaren Rücken. Wie sie sich beugt über die Stirne<br />
Ganz hingekuschelten Mäusrichs und er gewahrt die rosige Ründe<br />
Sich entzünden in tiefem Dekolleté der leise summenden Zofe,<br />
Da beginnen die Mausheitsträume zu blassen, die Sprüche,<br />
All die geharnischten edlen Formeln, sie kringeln sich plötzlich<br />
Anmutvoll wie das ihn umschlängelnde Schwänzchen der schönen<br />
Dienerin. Strenge Weisheit will feiern. Was Sklaven! Was Hofstaat!<br />
Hier doch rauschen die Feste, die Herzen schwimmen in süßen<br />
Illusionen, Musik ist der Tugenden höchste und schönste.</p>
<p>So vergaß unter den duftenden Pfötchen der Liebe, bei sinnen-<br />
Frohen Festen in illuminierter Grotte der Mausrich<br />
Seines Auftrags, des hohen Amtes, der universalen Geltung<br />
Mäuslicher Rechte und Pflichten. Der Heimat vergaß er,<br />
Neuen Sehnens Düfte ließen ihm Gattin und Kinder<br />
Fern entrücken. Als Mundschenk der Königin lebte dahin er,<br />
Hymnen verfasst er der Herrschaft des Schönen, des lieblichen Rausches.</p>
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