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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Gefühle</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Logische Schneisen VI</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jan 2014 10:49:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Farbraum]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Nuancen nennen wir die im logischen Raum möglichen Verbindungen deskriptiver und klassifizierender Begriffe. Solche Verbindungen können zum Beispiel Farbmischungen oder Überkreuzungen und Überschattungen von Empfindungen und Gefühlen darstellen. Wenn jemand sagt „Ich sehe an derselben Stelle in meinem Sehfeld gleichzeitig einen roten und einen grünen Fleck“, kannst du daraus – wie schon erwähnt – schließen, [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-vi/">Logische Schneisen VI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nuancen nennen wir die im logischen Raum möglichen Verbindungen deskriptiver und klassifizierender Begriffe. Solche Verbindungen können zum Beispiel Farbmischungen oder Überkreuzungen und Überschattungen von Empfindungen und Gefühlen darstellen.</p>
<p>Wenn jemand sagt „Ich sehe an derselben Stelle in meinem Sehfeld gleichzeitig einen roten und einen grünen Fleck“, kannst du daraus – wie schon erwähnt – schließen, dass die Person nicht weiß, was sie sagt, das heißt, dass sie sich nicht darauf versteht, unsere Einteilung des logischen Farbraumes anzuwenden. Deshalb kannst du aus dem geäußerten Satz nicht einmal folgern, dass der Sprecher entweder einen roten oder einen grünen Fleck gesehen haben muss.</p>
<p>Wenn du aber jemanden sagen hörst „Ich bevorzuge für meinen Schal statt eines schlichten Graus ein elegantes Graublau“, kannst du daraus schließen, dass es sich um einen Zeitgenossen mit gutem Geschmack und feinem, entwickelten Farbsinn handelt.</p>
<p>Schön nennen viele trivialerweise die Wirkung von Objekten und Ereignissen auf die Wahrnehmung und das Gefühlsleben, die sie als angenehm, lustvoll und entspannend beschreiben. Hierbei handelt es sich augenscheinlich um den Ausdruck einer einfachen Emotion. Währenddessen beschreibt jemand, der von seinem Erlebnis des ungeheuren Sternenhimmels in einer lautlos-einsamen Wüstennacht erzählt, ein komplexes Gefühl, wenn er vom Eindruck des Erhabenen spricht, der sich zumeist aus einer Mischung und Überkreuzung lustvoll-entspannender und beunruhigend-spannender Emotionen ergibt.</p>
<p>Erhaben dünkt uns eine Art lustvoller Überwältigung, eine ekstatische Weise der Selbstauflösung, ein Art Triumphgefühl inmitten vollständiger Niederlage – oder wie immer du diese Komplexion von Gefühlen beschreiben magst. Feststeht, dass Gefühlsregungen solch komplexer Natur von bestimmten Künstlern, Genres und Epochen bevorzugt gesucht und dargestellt worden sind. Denke nur an Caspar David Friedrich, die Grusel- und Horrorgeschichte und den Schauerroman oder den Expressionismus in Dichtung und Malerei.</p>
<p>Du lässt dir die blaugraue Farbnuance deines Schals, des Blütenblattes einer Orchidee oder des Hintergrunds eines niederländischen Landschaftsgemäldes gern gefallen. Ein anderer aber kommt daher und macht viel Aufhebens von einer exquisiten und raffinierten oder subtilen Farbnuance, nämlich einer graublauen Fläche, die vom vagen Blühen eines altrosa Lichtes wattiert und durchtränkt ist.</p>
<p>Natürlich lässt der Farbraum ungeheuer viele Mischungen dieser Art zu – doch würden wir bescheidenen Menschen angesichts einer solchen Neigung zu extravaganten, erlesenen Farbnuancen vielleicht von Manieriertheit oder Snobismus sprechen. Doch wir wissen, dass solche hochkomplexen Farbnuancen und die ihnen korrespondierenden Empfindungen von bestimmten Künstlern in bestimmten Epochen gern gesucht und dargestellt worden sind. Denken wir an Tintoretto, El Greco oder Pontormo, an die Epochen von Barock, Manierismus und Rokoko der europäischen Kunstgeschichte, aber auch an den erlesenen Geschmack der feinen japanischen Hofgesellschaft, wie er sich in der sublimen Farbgebung kostbarer Seidenstoffe in dem sogenannten „Kopfkissenbuch“ der Hofdame Sei Shonagon zur Geltung bringt.</p>
<p>Kannst du zugleich und aus derselben Richtung einen hohen und einen tiefen, einen lauten und einen leisen Ton hören? Kannst du zur gleichen Zeit aus derselben Richtung einen Dur- Akkord und einen Moll-Akkord hören? Gibt es, sollte dies nicht der Fall sein, demgemäß einen dem logischen Farbraum ähnlichen logischen Klangraum oder besser gesagt eine auf das Hören und Bestimmen von Tönen und Klängen bezogene logische Form, gemäß der wir die Hörbarkeit und Bestimmbarkeit von Tönen und Klängen festlegen und gemäß der wir die Begriffe für Töne, Klänge und Akkorde richtig oder unrichtig anwenden? Dass sich an der Komplexität in der Kombinatorik der Klänge das Raffinement des musikalischen Geschmacks erweist, scheint jedenfalls evident zu sein.</p>
<p>Kannst du angesichts eines Andachtsbild, einer segenenden Geste, eines Weiherituals zur gleichen Zeit den Eindruck des Heiligen und des Profanen, des Göttlich-Großen und des Widergöttlich-Niedrigen, des Versöhnten und Erlösten und des Verfluchten und Verdammten haben? Ist aber Aaron nicht der Bruder des Moses, wenden manche ein, und wurde aus Saulus nicht Paulus? Sollte Luzifer der ewige Schatten Christi sein? Sind die sogenannten Urworte und Urszenen, sagen andere, nicht doppelsinnig, zwiespältig, ambivalent? Verlassen uns auf diesem Feld die menschlichen Maße? Können wir hier keine logischen Schneisen mehr schlagen?</p>
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		<title>Philosophieren XIV</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jul 2013 15:54:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Konditionierung]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Sinne]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>All unsere Regungen sind natürliche Vorgänge. All unsere Empfindungen und Gefühle sind natürliche Regungen, sind Leistungen und Funktionen eines natürlichen Organismus. Dein Herz rast, dein Puls flattert, dein Atem ist flach: Du hast Angst. Das Herz geht langsam und gleichmäßig, dein Puls ist ruhig, dein Atem tief: Du fühlst dich sicher und wohl. Die sensorischen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xiv/">Philosophieren XIV</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>All unsere Regungen sind natürliche Vorgänge. All unsere Empfindungen und Gefühle sind natürliche Regungen, sind Leistungen und Funktionen eines natürlichen Organismus. Dein Herz rast, dein Puls flattert, dein Atem ist flach: Du hast Angst. Das Herz geht langsam und gleichmäßig, dein Puls ist ruhig, dein Atem tief: Du fühlst dich sicher und wohl.</p>
<p>Die sensorischen Funktionen des Sehens, Hörens, Tastens und Riechens, die Empfindung für Wärme und Kälte, die Empfindung für Trockenheit und Nässe – sie eröffnen uns die Primärwelt unserer Sinne aus farbigen, leuchtenden, beschatteten Stoffen und Dingen, aus flüsternden, rufenden, leiernden, gellenden Stimmen, aus kratzenden, raschelnden, quietschenden, murmelnden Geräuschen. Wir erfühlen das weiche, kühle, saubere Kissen, das seidig strömende Wasser, schnuppern gerne nach dem Geruch von Kuchen und Schokolade, werden verführt und verlockt vom Duft der Astern, Rosen, Reseden des Gartens, spüren das heiße Züngeln der Flamme, die behaglich knisternden Scheite, das klitschnasse Fell des Hunds, die wohlige Trockenheit aufgewärmter Socken.</p>
<p>Die Gefühle sind den Empfindungen und sinnlichen Wahrnehmungen gleichsam sinnreich aufgepfropft und betten die Wahrnehmung in das Raster bedeutsamer Affekte ein. Die Gefühle wiederum tun ihren Dienst als Angeln an den Pforten der Bewegung: Du zuckst bang zusammen, wenn dich plötzlich eine Hand von hinten packt, ein schriller Ton lässt dich unwillkürlich den Kopf einziehen, das Gurgeln und Quellen von Wasser auf dem Moorweg lässt deine Schritte zagen und verhalten, der blendende Schnee erblühter Apfelbäume berauscht dich und zaubert dir ein Lächeln aufs Gesicht, ein Liebeslied auf die Lippen.</p>
<p>Das Kindergesicht wärmt dein Herz und besonnt dein Gemüt, die grüßend offene Hand, das Lächeln des Freundes beim Wiedersehen erfreuen und ermutigen dich, das finstere Gesicht des Nachbarn, sein böser Blick und sein Schnauben schüren dein Misstrauen, verursachen dir Unwohlsein und schlechte Träume. Gerne bleibst du bei der Frau mit dem Kinderwagen stehen, gerne triffst du dich wieder mit dem Freund, dem Nachbarn aber gehst du aus dem Weg. Sensation, Emotion und Motion, Empfindung, Gefühl und Bewegung bilden geschlossene Schaltkreise und Rückkopplungsschleifen, die unseren Lebensweg offen und licht halten, uns mit guten Orientierungen und angemessenen Handlungsimpulsen auf das hin versehen, was in unserer Umgebung los ist.</p>
<p>Du schrickst vor dem Schatten, dem Abgrund, dem Steinschlag zurück – das natürliche Gefühl des Schreckens und der Angst steht im Dienst der motorischen Reaktionen und Aktionen, die dich der Gefahr entkommen lassen, dich vor Verletzung und Tod schützen und bewahren. Du schüttelst dich vor Ekel und spuckst den Happen der Stulle mit der verdorbenen Fleischwurst aus. Du breitest Arme und Beine auf der Wiese aus, nachdem dich die Wanderung ermüdet hat. Das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit schenkt dir Ruhe und den Raum, deinen stillen Beschäftigungen und Gedanken, deinen Hobbys oder der Pflege deiner Kontakte nachzugehen. Das Gefühl der Frische und des Tatendrangs führt uns an den Schreibtisch, auf das Feld und den Garten, in Wiese und Wald, zu Tanz und Gesang, vom Gefühl der Erschlaffung und Müdigkeit übermannt suchen wir uns den Rastplatz, das heimelige Bett, das sichere Nest.</p>
<p>Gefühle wie Freude, Lust, Frische und Mut beflügeln uns und motivieren oder begleiten Bewegungen nach vorn in Raum und Zeit über die Schwelle der Wohnung und des Hauses, über die Grenze der Stadt und des Landes hinaus. Gefühle wie Angst, Ekel, Trauer und Niedergeschlagenheit lassen unser Aktionsfeld schrumpfen, stoßen uns in die enge, aber sichere Behausung der Wohnung und das wärmende Nest der Nahbeziehungen zu Eltern und Verwandten zurück.</p>
<p>Empfindungen erschließen uns die Umwelt und beleuchten unseren Weg, Gefühle sind die Wegmarken, die uns ins Licht, aber auch ins Dunkle und in die Irre führen können. Angst fühlen, wo keine Gefahr ist, hemmt und lähmt. Tatendrang, Mut und Übermut, wo der Weg scharf am Abgrund entlangführt, ist töricht und gefährlich. Dem Feind, der dunkle Drohungen raunt, aus Menschenliebe Menschenliebe unterstellen ist dumm und gefährlich. Dem Freund, der dir seine Neigung durch Rat und Tat bezeugt hat, zu unterstellen, er verberge wie der Fuchs im Schafspelz hinter seinem freundlichen Gesicht finstere und gehässige Motive, ist nicht nur unangemessen und verfehlt, sondern paranoid und ehrenrührig. Auf diese Weise brechen soziale Beziehungen nach und nach zusammen, Freundschaften gehen auseinander, Ehen scheitern.</p>
<p>Wenn wir bestimmten Wahrnehmungen nicht mehr die angemessenen Gefühlsregungen zuordnen, könnte das auf ein Durcheinander in unserem Gedächtnis deuten. Elementare Reaktionen wie das Zurückschrecken und der plötzliche Ekel laufen instinktiv ab und brauchen nicht durch das primäre Lernen der Konditionierung mit ihren sensorischen Auslösern verknüpft zu werden. Andere Reaktionen sind konditioniert und fußen auf der angemessenen Verknüpfung von sensorischem Auslöser und Handlung. Wenn es blitzt und donnert und du treibst dich auf freiem Felde herum, überkommt dich Furcht und du suchst dir ein bergendes Dach. Wenn früh Dunkelheit einbricht, heißt es für den Wanderer und den Bergsteiger, dem Gefühl der Unsicherheit und Ungeborgenheit mit dem Auffinden eines sicheren Unterschlupfs zu entraten.</p>
<p>Wenn du an paranoidem Misstrauen leidest, lösen die sensorischen Reize des Lächelns, der herzlichen Wärme, der guten Gaben von Kuchen und Plätzchen, die dir dein Freund mitbringt, weder die zugehörigen und angemessenen Gefühle der Freude, der Lust und der Sicherheit noch die entsprechenden Impulse zu Handlungen wie dich zärtlich zu nähern und Zärtlichkeit zu empfangen sowie Haltungen wie Vertrauen, Freundlichkeit und Gelassenheit aus. Andere, antagonistische Gefühle wie Unlust, Angst, Scham und Hass, andere, antagonistische Impulse zu Handlungen wie zu fliehen und dich zu verstecken sowie Haltungen wie argwöhnische Verstelllung, beißende Ironie und zynische Spottlust kommen dir in die Quere oder verwickeln sich mit den normalen Reaktionen zu einem unauflöslichen Knäuel ambivalenter Gefühle. Das mag durchaus daran liegen, dass du als Kind durch peinliche oder traumatisierende Erlebnisse auf eine ungute, schädliche und deinen Lebensweg mit großen Brocken verstellende Verknüpfung konditioniert worden bist. Ein böser Kerl hat dich mit süßem Lächeln und lieblichen Tönen zu sich gelockt, und dann geschah dir Übles.</p>
<p>Wir können falsche, schädliche und pathogene Verknüpfungen von sensorischen Stimuli und Gefühlen und Handlungsimpulsen durch ein geduldiges Verhaltenstraining rekonditionieren und mittels positiver Verstärkungen neue, gute, förderliche Verknüpfungen aufbauen. So lernst du allmählich, mühsam, trotz Rückschlägen, mittels immer neuer Aufbrüche und Annäherungen dem Menschen, der dir wohlwill, die Hand reichen, und dem Menschen, der dir übelwill, den Rücken zeigen.</p>
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