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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Grabgesang zu Lebzeiten lyrische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Grabgesang zu Lebzeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Nov 2017 20:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Grabgesang zu Lebzeiten lyrische Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Du weißt, ein andrer wird da wohnen, wenn du nicht mehr bist, ein Fremder. Was bleibt von dir? Ein dumpfer Wohngeruch, den man mit frischer Farbe leicht übertüncht. Die Kübel, Töpfe mit den Blumen sind dann Urnen abgeblühten Lebens, verdorrter Keime voll, wenn man sie auf den Unrat kippt, zum großen Rest von Müll, geborstnen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/grabesrede-zu-lebzeiten/">Grabgesang zu Lebzeiten</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Du weißt, ein andrer wird da wohnen,<br />
wenn du nicht mehr bist, ein Fremder.<br />
Was bleibt von dir? Ein dumpfer Wohngeruch,<br />
den man mit frischer Farbe leicht übertüncht.<br />
Die Kübel, Töpfe mit den Blumen sind dann Urnen<br />
abgeblühten Lebens, verdorrter Keime voll,<br />
wenn man sie auf den Unrat kippt,<br />
zum großen Rest von Müll, geborstnen Tellern,<br />
Gläsern, Tassen, Vasen, auch die grüne Vase<br />
ist darunter, vor der die Kerze oft gebrannt,<br />
daß an der Wand der Schattenmond der Rosen-<br />
knopse leise bebte. Der Teppich mit den grünen Bahnen,<br />
lila Ranken, in denen bunte Aras hockten,<br />
Echsen aus Lotosbechern Tropfen schlürften,<br />
und Äffchen schaukelten, geringelt um Lianen,<br />
steht zusammengerollt schon tot im Eck –<br />
weht eine ausgerissne Feder aus dem engen Loch,<br />
ründet sich am Boden traumgrüne Lache nicht?</p>
<p>Die Bücher, all die Bücher, die Ahnengruften,<br />
durch die wie eine Fledermaus die Seele schwirrte<br />
oder lange schwankend hing im Dunkel,<br />
an Büscheln ausgerupfter Silben schmatzend.<br />
Die Schneckenspuren deines Schweißes,<br />
die Unterschlängelungen, wo der Schmerz<br />
sich einen süßen Rhythmus fand, wie einer Viper<br />
schöne Daseinswelle im goldnen Sand,<br />
die trocknen Blätter von Ahorn, Buche, Linde,<br />
eingelegt, wo ein weises Wort, die Blume<br />
eines hellen Lieds vom Tau der Küsse glänzte,<br />
sie werden alle mit verbrannt.</p>
<p>Das Blumenkissen, wo ihr liebes Haupt geruht,<br />
der Lampion, den du am Ufer ihres Schlafs<br />
entzündet, die weichen Pantöffelchen,<br />
die sie gewärmt, die holden Püppchen<br />
mit den Kulleraugen, die ihr sanfter Blick<br />
zum Leben hat erweckt und sprachen auch zu dir<br />
und riefen ihren Namen, wenn sie ferne weilte …<br />
auch sie, auch sie …</p>
<p>Die Ringeltaube kommt wohl noch geflogen<br />
und sitzt am Rand des Daches überm Hof,<br />
gurrt ein wenig, bläht den Hals,<br />
schaut in dein Fenster, ob wer ein Krümlein<br />
Kuchen oder alten Brotes ihr entgegenwerfe.</p>
<p>Und in den ersten Nächten zittert noch<br />
über deinem Haus ein fahler Schein,<br />
wie jenes Gespensterlicht, das wir Kinder<br />
nachts auf den Gräbern ahnten, zu trüb<br />
für einen Stern, zu wässrig für den Geistermond<br />
japanischen Gedichts, und senkt sich<br />
bis zum Morgengrauen, zerraufte Blüte<br />
eines weißen Mohns, auf die verlassne Stätte,<br />
von Sonnenvaters erigierten Messern aufgeschlitzt.</p>
<p>Eines Tages, eines Nachts, bald, schon jetzt,<br />
bleibt er für immer aus, nur die Leere gähnt<br />
aus blauem Schlund, aus dem die weißen Wolken<br />
ewig quellen, um hohen Muts zu wandern<br />
unterm Seufzen meerbetörten Winds<br />
und über Städte, Wälder, Gärten, Gräber<br />
Vergessensglück zu regnen namenlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
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