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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Negation</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Logische Schneisen IV</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jan 2014 17:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Negation]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung der Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn]]></category>
		<category><![CDATA[Unsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Verknüpfungs- oder Ausschließungsregeln, gemäß denen du die Begriffe verbindest und trennst, bilden die Ordnung der Vernunft. Solche Regeln ähneln den Regeln der Straßenverkehrsordnung, wonach wir hierzulande gehalten sind, auf der rechten Seite der Straße zu fahren. Diese Vorschrift ist insofern willkürlich und rein konventionell, als wir es ja auch wie die Briten halten könnten. [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iv/">Logische Schneisen IV</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Verknüpfungs- oder Ausschließungsregeln, gemäß denen du die Begriffe verbindest und trennst, bilden die Ordnung der Vernunft.</p>
<p>Solche Regeln ähneln den Regeln der Straßenverkehrsordnung, wonach wir hierzulande gehalten sind, auf der rechten Seite der Straße zu fahren. Diese Vorschrift ist insofern willkürlich und rein konventionell, als wir es ja auch wie die Briten halten könnten. Nicht willkürlich und nicht bloß konventionell ist der Zwang zur Entscheidung für eine der beiden Alternativen oder in anderen Fällen für irgendeine von gegebenenfalls mehreren Alternativen.</p>
<p>Weil das System unserer Erfahrung uns die erfahrbaren Momente, Gegenstände und Ereignisse, als Bündel ein- oder mehrstufiger Relationen von Eigenschaften gleichsam in den logischen Raum hineinstellt, kommen wir nicht umhin, unsere Behauptungssätze aus Ausdrücken für Gegenstände und zu ihnen relative generelle Terme aufzubauen.</p>
<p>Die Ordnung der Vernunft ist mit der Sprache gegeben. Vernunft und Sprache sind gleichsam da oder nicht da – du gelangst nicht von einer Welt ohne Vernunft und Sprache in einer Folge kontinuierlicher Übergänge zu deiner Welt von Vernunft und Sprache. Du musst springen oder du hast schon immer springen müssen, hast den Sprung schon immer hinter dir – denn keine Erinnerung reicht an jene Pseudo-Welt des Unbewussten jenseits der Grenzen des logischen Raums zurück.</p>
<p>Die seltsamen Leute, die Sprache und Offenbarung theologisch pantschten, waren der Wahrheit näher als die heutigen ungemein pfiffigen und zugleich ungemein dummen Evolutionsbiologen und Evolutionspsychologen, die eben jener Kontinuität unmerklicher Übergange von der bewusstlosen und sprachlosen Welt zu unserer Welt des Bewusstseins und der Sprache auf der Spur zu sein wähnen.</p>
<p>Was sollte es zwischen der Welt des Bewusstseins und der Sprache und der unbewussten und sprachlosen Pseudo-Welt geben und ermöglichen, dass diese in jene überginge? Man hat das mythische Bild von Keimen oder Logoi spermatikoi vor Augen. Dies aber trügt. Der Keim zum Bewusstsein und zur Sprache ist schon das ganze Ding.</p>
<p>Sicher, du hast sprechen, lesen, denken gelernt. Aber das erste Wort war schon die ganze Initiation. Mit dem ersten Ein-Wort-Satz warst du schon im Besitz der ganzen Sprache. Mit der primären Initiation in die Welt der Bedeutung war deine Fähigkeit zum Verstehen und Denken geboren.</p>
<p>Du kannst die Zahlenreihe bis zur Erschöpfung immer wieder mechanisch abschreiben und auswendig lernen. Du kannst Additionsmuster auswendig lernen und zur Frage „Was ist 14 X 14?“ das richtige Resultat nennen, ohne dass wir dir zugestehen würden, du wüsstest, was es heißt, zu rechnen. Wenn du verstanden hast, dass du mit der Regel x + 1 und x – 1 die Reihe der natürlichen Zahlen aufbauen kannst, wenn du verstanden hast, dass die Menge dieser Murmeln verteilt auf die Menge dieser Münzen dieselbe Zahl repräsentiert, hast du das Wesen der Zahl und des Zählens und Rechnens verstanden.</p>
<p>Es gibt keinen Anfang des Bewusstseins, der Erfahrung, der Sprache, des Denkens. Bewusstes Erleben, Sätze, Gedanken sind Elemente des logischen Raums, der kein Außen, keinen Anfang, kein Ende hat.</p>
<p>Die Ordnung der Sprache und der Vernunft hängt und schwebt gleichsam in der Luft. Es gibt kein Fundament, weder eine natürliche oder historische Ursache noch einen psychologischen Grund, auf dem sie aufruhte und ihre Rechtfertigung bezöge. Du kannst das Denken nicht durch Angabe von Gründen rechtfertigen, nur den einzelnen Gedanken, den einzelnen Satz. Es gibt keine Antwort auf die Frage: „Warum soll ich vernünftig denken?“ Oder auf die Frage: „Warum soll ich sinnvoll reden?“ Das Spiel der Gründe ist ein Spiel innerhalb der Grenzen des logischen Raums von Sprache und Vernunft.</p>
<p>Sätze über etwas, die nicht verneint werden können, sind sinnlos. Wäre der Satz „Der Mond ist der Erdtrabant“ ein solcher Satz, wäre er keine empirische Aussage, ein Satz über etwas in der Welt, sondern eine Festsetzung wie die, der zufolge 2 x 2 = 4 ist.</p>
<p>Festsetzungen können allerdings nicht verneint, nur angenommen oder verworfen werden. Wenn wir mit ihnen operieren, zum Beispiel addieren und multiplizieren oder Schlüsse ziehen, haben wir sie akzeptiert. Andernfalls rechnen und denken wir nur scheinbar.</p>
<p>Wenn wir sagen: Du kannst nicht gleichzeitig etwas und sein Gegenteil behaupten, reden wir nicht über ein physisches oder psychisches Versagen. Nicht-Können im logischen Raum gleicht mehr einer Tabuisierung oder einem moralischen Verbot als einer physisch-psychischen Blockade.</p>
<p>Natürlich kannst du so tun, als überschrittest du die Grenze des logischen Raums – aber diese Donquichotterie ist vergebliche Liebesmüh, bringt dir nichts, aus diesem Jenseits kommst du mit leeren Händen zurück. Aber du kommst ja nicht zurück – du bist schon immer gleichsam zu Hause.</p>
<p>Die Möglichkeit der Verneinung ist die Möglichkeit, immer etwas Wahres zu sagen oder deine Äußerungen stets mit der Realität in Einklang zu bringen, mit der Realität in Harmonie zu bleiben. Wenn strahlendes Wetter deine Annahme und Behauptung, es regne, augenscheinlich eines Besseren belehrt, so ist es schon gut und alles in Ordnung, wenn du deine ursprüngliche Aussage verneinst.</p>
<p>Du kannst diesen gewaltigen Stein nicht mit der Hand hochheben. Du kannst einen schwarzen und einen weißen Fleck nicht gleichzeitig an demselben Ort im Gesichtsfeld wahrnehmen. – Auf dem Mond könntest du den Stein vielleicht heben. Doch gibt es keine Welt, in der du Schwarz und Weiß zur gleichen Zeit am selben Ort sehen könntest. Dieses Nicht-Können ist kein psychisches Unvermögen, sondern eine Art logischen Zwanges, der aber nichts anderes als unsere Form der Klassifikation der Farben widerspiegelt. Die Aussage über die Farben ist daher keine empirische Aussage, kein Satz über eine Tatsache der Welt, sondern über eine Festsetzung im logischen Raum. Mit dem physisch und psychisch Unmöglichen stoßen wir an die Grenzen unserer Fähigkeiten, mit dem logisch Unmöglichen an die Grenzen des logischen Raums.</p>
<p>„Dies ist kein Satz“ heißt, dies sieht nur so aus wie ein Satz, sieht nur so aus, als hättest du etwas behauptet, in Wahrheit hast du Unsinn geredet, das heißt nichts gesagt.</p>
<p>Verstehen ist autonom und setzt sich gleichsam selbst voraus. „Ich verstehe diesen englischen Ausdruck nicht“ ist gutes Deutsch. „Ich verstehe meine Muttersprache nicht“ scheinbar gutes Deutsch, in Wahrheit aber Unsinn.</p>
<p>Wenn du dein Zimmer aufräumst, kannst du Kraft und Zeit sparen, indem du ökonomisch vorgehst und zum Beispiel erst den Tisch abräumst und dann abwischst. Doch was du in welcher Reihenfolge im Schrank und auf den Regalen stapelst, unterliegt rein praktischen Erwägungen. – Die Ordnung der Sprache und des Denkens lässt allerdings nur gewisse Zusammenstellungen und Kombinationen von Elementen zu. Letztlich kommst du immer wieder auf die Grundform der behauptenden Aussage zurück, nämlich zu sagen, etwas sei so und so.</p>
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		<title>Philosophieren XLI</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Sep 2013 15:30:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Determinismus]]></category>
		<category><![CDATA[mögliche Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Negation]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Vorsehung]]></category>
		<category><![CDATA[Zufall]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Du hast nicht getan, was zu tun du vorhattest, und bist jetzt betrübt. – Kann ich daraus schließen, dass das, was du vorhattest, etwas war, das dich erheitert hätte? Oder kann ich daraus schließen, dass im Falle du deine Absicht verwirklicht hättest, du nicht betrübt, sondern im Gegenteil froh gewesen wärest? – Würden wir mit [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xli/">Philosophieren XLI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Du hast nicht getan, was zu tun du vorhattest, und bist jetzt betrübt. – Kann ich daraus schließen, dass das, was du vorhattest, etwas war, das dich erheitert hätte? Oder kann ich daraus schließen, dass im Falle du deine Absicht verwirklicht hättest, du nicht betrübt, sondern im Gegenteil froh gewesen wärest? – Würden wir mit unseren Gedanken – oder mit den Sätzen, die sie ausdrücken und darstellen – die Wirklichkeit widerspiegeln, was spiegelten unsere Gedanken und Sätze dann wider, wenn wir denken und sagen, dass ein Sachverhalt oder eine Tatsache NICHT bestehe? – Ist die Negation wie ein Schatten, den der Sachverhalt oder die Tatsache in den Raum des Möglichen wirft? – Wir denken und sagen gerade so schnell, bequem und unbefangen „nicht p“ wie „p“.</p>
<p>Auch wenn der Satz „Der Schah von Persien sitzt auf dem Pfauenthron“, jetzt ausgesprochen, nicht wahr ist, weißt du doch, dass er einmal wahr war, und könntest ohne Widerspruch die Annahme wagen, dass er wer weiß? einmal wieder wahr sein könnte. Gilt dies auch für den Satz: „Ich bin zwar als Mann geboren, könnte aber genauso gut eine Frau sein“ oder „Ich bin zwar als Frau geboren, könnte aber genauso gut ein Mann sein“? Oder wäre eine solche Möglichkeit auszusinnen gleichbedeutend damit, sich vorstellen zu wollen, ein euklidisches Quadrat habe eine Winkelsumme von weniger oder mehr als 360 Grad?</p>
<p>Behaupte ich, wenn ich die Möglichkeit einer Tatsache negiere, die Möglichkeit einer Welt, in der es alles Mögliche gibt, nur diese eine Tatsache nicht? Impliziert die Möglichkeit deiner Nicht-Existenz die Möglichkeit einer Welt, in der es alles Mögliche gäbe und auch das, was eben jetzt hienieden geschähe, nicht aber dich? – Deine mögliche Nicht-Existenz setzt neben der Tatsache, dass dich deine Eltern nicht gezeugt hätten, eine Viel- oder Unzahl anderer Tatsachen voraus: In jener Welt ohne dich sind sich deine Eltern vielleicht niemals begegnet. Wenn sich deine Eltern nicht begegnet wären, wären ihre Lebensgeschichten anders verlaufen. Wären die Lebensgeschichten deiner Eltern anders verlaufen, wären auch die Lebensgeschichten ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten anders verlaufen. Wären aber die Lebensgeschichten ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten anders verlaufen, wären auch die Lebensgeschichten wiederum deren Verwandten, Freunde und Bekannten anders verlaufen – also die Lebensgeschichten ALLER Menschen.</p>
<p>Folgt daraus nicht, dass die Welt, in der deine Existenz gleichsam nicht vorgesehen wäre, in vielfacher, umfänglicher oder gar globaler Hinsicht anders aussähe als diese unsere Welt, in der du deinem frohen bis betrübten Dasein frönst? – Du könntest dich auch fragen, wie weit die Voraussetzungen und Bedingungen zurückgehen (kausal, naturgesetzlich, logisch), deren tausendmaschiges Netzwerk die einzigartige lokale Verflechtung hervorgebracht hat, die wir als „Marienbader Elegie“ kennen? Ist die Farbigkeit, die Mehrtönigkeit, die Obertönigkeit des Wortes „Liebe“, wie es Goethe gebraucht, ohne die Voraussetzungen und Bedingungen denkbar, deren tausendmaschiges Netzwerk Judentum, Christentum sowie antike Dichtung und Philosophie – um nur diese zu nennen – geflochten haben? Wie viele Generationen sind es von Moses – so du ihn als historische Figur dem 1300 Jahrhundert v. Chr. unterschiebst – bis zu Goethe? –</p>
<p>Was hieße es aber, sagen zu wollen oder zu können, die Möglichkeit deiner Existenz sei der logischen Valenz nach nicht der Möglichkeit deiner Nicht-Existenz gleichzustellen? Hieße das nicht, annehmen zu müssen, dass deine Existenz in dieser unserer Welt gleichsam vorgesehen war und ist und nicht die Rolle eines kontingenten Etwas spielte, das auch nicht hätte sein können? Dass du nicht zu einer betrachtenden und ästhetischen oder gröber und klarer gesagt: einer Eckensteher-Existenz verurteilt bist, sondern durch tätige Hingabe und mitfühlende Verantwortung gleichermaßen deiner einzigartigen Rolle gerecht zu werden hast? Frage dich, warum alle Welt diese Welt als Tollhaus des Zufalls, als Arena blutig-grotesker Turniere auf Leben und Tod, als Totenspiel somnambuler Narren beschwört, feiert oder verflucht? –</p>
<p>Die Möglichkeit deiner Nicht-Existenz bildet nicht so etwas wie ein kleines Loch, einen winzigen toten Punkt oder einen klitzekleinen schwarzen Fleck auf einem großen Genrebild von Pieter Brueghel d. Ä., in dem ein bösartiger Narr oder ein nihilistischer Mephistopheles eine püppchenzarte Figur im Hintergrund eines grotesken Menschengewimmels mit einer Nadel ausgestochen oder einer Rasierklinge ausradiert hätte – was aus einiger Entfernung nicht einmal auffiele. –</p>
<p>Deine Nicht-Existenz oder vielleicht die Nicht-Existenz der Stubenfliege, die sich gerade jetzt auf deinem Ärmel niederlässt, hätte zur Folge, dass das Bild der Welt, wenn wir es mit dem Genrebild Brueghels vergleichen, anders aussähe, eine andere Farbigkeit, eine veränderte Verteilung von Licht und Schatten, eine andere Anordnung der Sujets, ja andere Sujets aufwiese – am Ende überhaupt kein Genrebild mehr wäre, und sogar so verschiedenartig von dem Genrebild Brueghels ausfiele, dass es ein Maler wie Brueghel hätte überhaupt nicht malen können.</p>
<p>Wenn diese Welt (einschließlich deiner Existenz und der Existenz der Fliege auf deinem Ärmel) so sehr verschieden wäre von jener Welt (ausschließlich deiner Existenz und der Existenz der Fliege auf deinem Ärmel), wären sie dann so verschieden wie zwei Sprachen mit sehr unterschiedlicher Laut- und Wortbildung und anders strukturierter Grammatik wie das Deutsche und das Chinesische oder so verschieden wie ein klassisches Musikstück verglichen mit einem atonalen Musikstück? –</p>
<p>Oder wären diese Welt mit dir und jene Welt ohne dich so verschieden, dass sie überhaupt nicht mehr vergleichbar wären? Wo verläuft aber die Grenze, diesseits derer du sie vergleichen und jenseits derer du sie nicht mehr vergleichen kannst? Wann und wo beginnen alle Vergleiche, Bilder, Metaphern zu versagen? Sind wir hier an einer faktischen Grenze oder an einer begrifflichen Grenze angelangt? Jene nehmen wir mit dem Anlauf des Vergleichs, des Bildes, der Metapher spielend, bei dieser beginnen wir zu stottern. –</p>
<p>Ist es wie mit der Grenze zwischen unserer Welt und jener Welt, in der das Leben nicht auf organischen Kohlenstoffverbindungen, sondern auf Siliziumverbindungen aufgebaut wäre? Oder wäre dies die Grenze zwischen einer Welt wie der unseren und einer Welt, in der die Wesen, die wie Lebewesen aussähen und agierten, in Wahrheit tote Automaten wären? –</p>
<p>Die Modulation erfolgte nach Moll, nicht nach Dur beziehungsweise nach Dur und nicht nach Moll, wie du vielleicht erwartet hast. – Ist es so mit der herausragenden Tat, wenn der eine einem anderen das Leben gerettet oder der andere den anderen ums Leben gebracht hat, als würde vom Licht oder dem Schatten dieser einzigen Tat eine neue, wesentliche oder endgültige Deutung auf die Summe des bisherigen Lebens fallen? – Hätte der Lebensretter der Mörder oder der Mörder der Lebensretter sein können? Oder gehören sie zwei getrennten, weil strukturell verschiedenartigen Welten an? –</p>
<p>Und umgekehrt: Du hast in jungen Jahren ein Gelübde abgelegt und wolltest christlicher, buddhistischer, hinduistischer oder taoistischer Mönch oder christliche, buddhistische, hinduistische oder taoistische Nonne werden oder du fühltest dich zu außerordentlichen Taten der Nächstenliebe berufen und hast dann sinistren Verführungen und sinntötender Zerstreuung nachgegeben oder wurdest einfach müde und matt, und dein Ideal sank dahin – ist es hier wie mit dem Lebensretter und dem Mörder bestellt, nur nicht post festum, sondern ante festum, und das Licht der Tat, das Schuld, Sünde, Müdigkeit oder Langeweile verdunkelten, wirft sich als Schatten auf die vertane Lebensfrist? Wäre dies die Providenz der Hölle, von der Augustinus gemutmaßt hat? –</p>
<p>Oder gibt es hienieden die Möglichkeit der Möglichkeit, die Möglichkeit der Umkehr, des Richtungswechsels, des Neubeginns? Gibt es hienieden die Möglichkeit in potentia, indes nur im Raum der Gnade? Und ist der Raum der Gnade kein abgezirkelter Bereich, sondern ein Licht, in dem du stehst oder nicht stehst?</p>
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