<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Santoka Taneda Haiku Übersetzung deutsch</title>
	<atom:link href="http://www.luxautumnalis.de/tag/santoka-taneda-haiku-uebersetzung-deutsch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.luxautumnalis.de</link>
	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
	<lastBuildDate>Fri, 29 May 2026 22:03:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
		<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
		<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=3.9.40</generator>
	<item>
		<title>Santoka Taneda</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/santoka-taneda/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/santoka-taneda/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Nov 2017 21:20:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzungen und Nachdichtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Santoka Taneda Haiku Übersetzung deutsch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.luxautumnalis.de/?p=15600</guid>
		<description><![CDATA[<p>Gedichte eines wandernden Bettelmönchs – eine Blütenlese Meine drei Grundsätze: Vergeude nichts. Ärgere dich nicht. Beklage dich nicht. Meine drei Vorsätze: Übernimm dich nicht am Unmöglichen. Bedaure nichts von dem, was du erlebt hast. Beschimpfe dich nicht selbst. Meine drei Freuden: Studium. Betrachtung. Haiku. * Kein andrer Weg als dieser – ich geh allein. * [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/santoka-taneda/">Santoka Taneda</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gedichte eines wandernden Bettelmönchs – eine Blütenlese<br />
</em><br />
<em>Meine drei Grundsätze:<br />
</em>Vergeude nichts.<br />
Ärgere dich nicht.<br />
Beklage dich nicht.</p>
<p><em>Meine drei Vorsätze:<br />
</em>Übernimm dich nicht am Unmöglichen.<br />
Bedaure nichts von dem, was du erlebt hast.<br />
Beschimpfe dich nicht selbst.</p>
<p><em>Meine drei Freuden:</em><br />
Studium.<br />
Betrachtung.<br />
Haiku.</p>
<p>*</p>
<p>Kein andrer Weg als dieser –<br />
ich geh allein.</p>
<p>*</p>
<p>Der Wind in den Kiefern,<br />
am Morgen, am Abend<br />
trägt er den Klang der Tempelglocken.</p>
<p>*</p>
<p>Der Bottich ist voll vom Regen:<br />
Für heute istʼs genug.</p>
<p>*</p>
<p>Feucht vom Morgentau,<br />
ich geh, wohin ich will.</p>
<p>*</p>
<p>Dunkelheit,<br />
feucht<br />
vom Rauschen der Wogen.</p>
<p>*</p>
<p>Einsam seh ich den Mond<br />
hinter den Bergen versinken.</p>
<p>*</p>
<p>Schnurgerade der Pfad,<br />
voll von Einsamkeit.</p>
<p>*</p>
<p>Ich strecke meine Füße aus;<br />
ein wenig Licht vom Tag ist übrig.</p>
<p>*</p>
<p>Ohne Ziel<br />
wandere ich durchs verdorrte Gras.</p>
<p>*</p>
<p>Meine Bettlerschale<br />
füllt sich mit fallenden Blättern.</p>
<p>*</p>
<p>Auch Hagelkörner<br />
finden sich in meiner Bettlerschale.</p>
<p>*</p>
<p>Immer tiefer<br />
und tiefer<br />
gehe ich in die grünen Hügel.</p>
<p>*</p>
<p>Beschwipst;<br />
die Blätter fallen<br />
eins ums andere.</p>
<p>*</p>
<p>Kein Wölkchen rings;<br />
ich nehme meinen Strohhut ab.</p>
<p>*</p>
<p>Libellen<br />
sitzen auf meinem Hut,<br />
während ich weiterziehe.</p>
<p>*</p>
<p>Liegt Frieden auf den Bergen,<br />
nehme ich meinen Strohhut ab.</p>
<p>*</p>
<p>O, eine Kamelienblüte<br />
hüpft von meinem Hut.</p>
<p>*</p>
<p>Ist dies Häufchen Asche<br />
alles, was mir blieb<br />
von meinem Tagebuch?</p>
<p>*</p>
<p>Heimatlos;<br />
Herbst, tief und tiefer.</p>
<p>*</p>
<p>Täglich mehr eingerissen,<br />
am Ende nur Flicken:<br />
mein Reisegewand.</p>
<p>*</p>
<p>Mit dem Wasser strömend<br />
ging ich in das Dorf hinab.</p>
<p>*</p>
<p>Mitten im Leben, im Tod,<br />
unaufhörlich fällt Schnee.</p>
<p>*</p>
<p>Ich wandere im Glanz und<br />
der Dunkelheit des Winds.</p>
<p>*</p>
<p>Am Fuß des Berges stehen<br />
einige Grabsteine beieinander<br />
im warmen Sonnenlicht.</p>
<p>*</p>
<p>Die Schwalben ziehen –<br />
von nun an kommen mehr Fahrten;<br />
ich schnüre mir die Sandalen.</p>
<p>*</p>
<p>Ich streckte meinen fiebernden Körper<br />
auf der gefrorenen Erde aus.</p>
<p>*</p>
<p>So mag ich wohl mal sterben:<br />
auf der kalten Erde liegend.</p>
<p>*</p>
<p>Aussaat im Frühjahr:<br />
Bauern und Rinder,<br />
beide schweißgebadet.</p>
<p>*</p>
<p>Scheint die Sonne, blökt sie;<br />
ist der Himmel bedeckt, sie blökt –<br />
die einsame Ziege.</p>
<p>*</p>
<p>Jetzt stehe ich hier,<br />
wo das Blau des Ozeans<br />
keine Grenzen hat.</p>
<p>*</p>
<p>Schöner Pfad,<br />
er führt zu einem schönen Haus.<br />
Es ist ein Krematorium.</p>
<p>*</p>
<p>Nur noch die lange Brücke<br />
und ich bin in meinem Heimatdorf.</p>
<p>*</p>
<p>Nichts blieb von dem Haus<br />
meiner Geburt –<br />
Glühwürmchen.</p>
<p>*</p>
<p>Mein Heimatort – Hundehitze,<br />
nichts blieb, nur Grabsteine.</p>
<p>*</p>
<p>Ich hocke mitten<br />
in meinen Heimatdialekt.</p>
<p>*</p>
<p>Das Rauschen der Wogen hebt an –<br />
mein Heimatdorf<br />
entfernt sich mehr und mehr.</p>
<p>*</p>
<p>Sie blühte ergeben,<br />
weiße Blume steht sie da.</p>
<p>*</p>
<p>O, die Laus,<br />
die ich fing,<br />
wie warm sie ist!</p>
<p>*</p>
<p>Die paar Fliegen, die noch da sind,<br />
scheinen sich an mich zu erinnern.</p>
<p>*</p>
<p>Sonnenuntergang – der Schatten<br />
des Pflügers wächst.</p>
<p>*</p>
<p>Den ganzen Tag im Gebirge,<br />
auch die Ameisen wandern.</p>
<p>*</p>
<p>Gepäck, ich kann es nicht abwerfen,<br />
so schwer vorne und hinten.</p>
<p>*</p>
<p>Die Disteln –<br />
glänzend und frisch<br />
gleich nach dem morgendlichen Regen.</p>
<p>*</p>
<p>Frieden für das Herz:<br />
Leben in den Bergen.</p>
<p>*</p>
<p>Den ganzen Tag über schwieg ich –<br />
das Rauschen der Wellen.</p>
<p>*</p>
<p>Spät in der Nacht:<br />
der rauhe Ton des Kartenspiels.</p>
<p>*</p>
<p>Täglich treffen wir auf beide:<br />
Dämonen und Buddhas.</p>
<p>*</p>
<p>Ich schütte Weihrauch<br />
auf die Gedenktafel der Taneda –<br />
alles was von meiner Familie blieb.</p>
<p>*</p>
<p>Ja, so ist es –<br />
es regnet, ich werde naß und wandere.</p>
<p>*</p>
<p>Kirschblüten, wie sie schimmern,<br />
Kirschblüten, wie sie wehen,<br />
es tanzen die Menschen, tanzen.</p>
<p>*</p>
<p>Ich sitze in der verdorrten Schönheit<br />
des wilden Grases.</p>
<p>*</p>
<p>Im Grunde ist es traurig,<br />
allein zu sein –<br />
die verdorrten Gräser.</p>
<p>*</p>
<p>Im Grunde ist es gut,<br />
allein zu sein –<br />
die wilden Gräser.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn ich gehe, Samen von Kräutern;<br />
wenn ich sitze, Samen von Kräutern.</p>
<p>*</p>
<p>Tau und<br />
welke Blätter,<br />
zusammen aufgekehrt.</p>
<p>*</p>
<p>Warum bläst Wind<br />
mit Klagen?</p>
<p>*</p>
<p>Morgen mache ich mich auf;<br />
Kirschblüten,<br />
sie fallen, fallen.</p>
<p>*</p>
<p>Am Abend Einsamkeit,<br />
wieder pflügt sie das Feld.</p>
<p>*</p>
<p>Im Frühlingsschnee<br />
sind Frauen so schön.</p>
<p>*</p>
<p>Die wandernden Wolken<br />
und der Glanz des Tempels<br />
spiegeln das Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Ich bin weit gekommen;<br />
ich trinke das reine Wasser und gehe.</p>
<p>*</p>
<p>Im dichten Gras<br />
Pfützen rings um<br />
die Ruinen des Tempels.</p>
<p>*</p>
<p>Endlich! Der Mond und ich,<br />
wir sind in Tokio angelangt.</p>
<p>*</p>
<p>Nach langem Fortsein<br />
fege ich den Garten aus;<br />
die Heckenblumen blühen.</p>
<p>*</p>
<p>Während die Schalen meines Hutes bröckeln,<br />
wachsen Reben und Gras.</p>
<p>*</p>
<p>Schwänze und Muschis,<br />
sie kochen dicht an dicht<br />
im überfüllten Bad.</p>
<p>*</p>
<p>In der ewigen Musik<br />
des Wassers,<br />
Buddha ist darin.</p>
<p>*</p>
<p>Ich rutschte aus und fiel –<br />
die Berge bleiben ruhig.</p>
<p>*</p>
<p>Es ist genug;<br />
ich kehre die welken Blätter auf.</p>
<p>*</p>
<p>Einen Stein als Kopfkissen<br />
schwebe ich den Wolken zu.</p>
<p>*</p>
<p>Die Nacht ist frostig –<br />
wo werde ich schlafen?</p>
<p>*</p>
<p>Den steilen Berg herabfließend:<br />
das helle Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Die krächzenden Krähen,<br />
die flatternden Krähen,<br />
sie finden keinen Ort, sich zu sammeln.</p>
<p>*</p>
<p>Ich stürze mich<br />
in die regenfeuchten Berge.</p>
<p>*</p>
<p>Ich bahne mir einen Weg durch das welke Laub<br />
und scheiße gut in den Feldern.</p>
<p>*</p>
<p>Unter der glühenden Sonne:<br />
Eisenbahngleise,<br />
schnurgerade.</p>
<p>*</p>
<p>Keine Herberge für die Nacht –<br />
der Mond weist den Weg.</p>
<p>*</p>
<p>Die trockenen, gerösteten Steine<br />
rollen und rollen.</p>
<p>*</p>
<p>Eine Handvoll Reis,<br />
empfangen und gegessen,<br />
meine Tagesreise.</p>
<p>*</p>
<p>Die Tage sind kurz,<br />
Abend kommt rasch;<br />
mein Rucksack ist so schwer.</p>
<p>*</p>
<p>Es schimmert hell<br />
im Sonnenlicht,<br />
gekochter Reis, mein Essen.</p>
<p>*</p>
<p>Die Tropfen rinnen –<br />
ich kann die Buchstaben<br />
auf dem Wegweiser nicht entziffern.</p>
<p>*</p>
<p>Heute, noch am Leben;<br />
ich strecke meine Füße aus.</p>
<p>*</p>
<p>Von der Stille der Berge<br />
wird der Regen still.</p>
<p>*</p>
<p>Der Himmel im Abendrot –<br />
ein Becher Sake,<br />
das wär jetzt gut!</p>
<p>*</p>
<p>Müde kehre ich zum meiner Hütte,<br />
der Mond füllt den Himmel ganz.</p>
<p>*</p>
<p>Felsen und hohe Klippen,<br />
bedeckt von Purpurblättern.</p>
<p>*</p>
<p>Die Schönheit des Abendrots<br />
trauert ums hohe Alter nicht.</p>
<p>*</p>
<p>Da sitze ich allein,<br />
still, unterm Moskitonetz,<br />
und esse meinen Reis.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn nur einer das Feld pflügt,<br />
hörst du bald ein Lied.</p>
<p>*</p>
<p>Allein am Neujahrstag –<br />
sie haben Reiskuchen und Sake<br />
und …</p>
<p>*</p>
<p>So glücklich, da zu sein,<br />
öffnet das Kleine die Hände<br />
und schließt sie wieder.</p>
<p>*</p>
<p>Der kalte Klang des Groschens,<br />
den man mir zuwarf.</p>
<p>*</p>
<p>Gute Nachrichten,<br />
schlechte Nachrichten;<br />
Frühlingsschnee, er fällt.</p>
<p>*</p>
<p>Nur dieser eine Pfad;<br />
Frühlingsschnee fällt.</p>
<p>*</p>
<p>Unter der Milchstraße tanzt<br />
der Trunkenbold jede Nacht.</p>
<p>*</p>
<p>Der tiefe, kalte Mond<br />
taucht zwischen den Häusern auf.</p>
<p>*</p>
<p>Mond! Berge!<br />
Auf dieser Reise<br />
wurde ich krank.</p>
<p>*</p>
<p>Welkes Laub –<br />
tief im Wald<br />
erblicke ich einen Buddha.</p>
<p>*</p>
<p>Winterhimmel –<br />
ferne Träume,<br />
zerrissen und verweht.</p>
<p>*</p>
<p>Frühling ist da –<br />
sogar meine Küche<br />
wird gut gefüllt sein.</p>
<p>*</p>
<p>Endlich hat es aufgeklart;<br />
heute will auch ich die Wäsche machen.</p>
<p>*</p>
<p>Meine endlose Reise –<br />
Schweißgeruch.</p>
<p>*</p>
<p>Ich eile auf dem Weg,<br />
zurückblicken kann ich nicht.</p>
<p>*</p>
<p>Morgenrot, Abendrot;<br />
nichts zu essen.</p>
<p>*</p>
<p>Im Sprung:<br />
ein roter Frosch.</p>
<p>*</p>
<p>Nach und nach übernehme ich die Laster<br />
meines toten Vaters.</p>
<p>*</p>
<p>Der Berg dunkelt,<br />
ich lausche seiner Stimme.</p>
<p>*</p>
<p>Sommerhitze<br />
durchfeuchtet<br />
jedes Lebewesen.</p>
<p>*</p>
<p>Schweiß sammelt sich<br />
in meinem Bauchnabel.</p>
<p>*</p>
<p>All das namenlose Gras<br />
blüht auf einen Schlag – purpurne Röte.</p>
<p>*</p>
<p>Mittagessen heute:<br />
nur Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Ich kann vom Sake nicht lassen:<br />
die blühenden Bäume,<br />
die blühenden Gräser.</p>
<p>*</p>
<p>Eine Libelle auf dem Fels,<br />
Mittagsträume.</p>
<p>*</p>
<p>Frühling – mit leerem Magen<br />
gehe ich meines Wegs.</p>
<p>*</p>
<p>Mein neues Gewand:<br />
voll von Sonnenlicht und Wärme.</p>
<p>*</p>
<p>Auberginen, Gurken;<br />
Gurken, Auberginen:<br />
das ist alles, was ich esse – die Kühle.</p>
<p>*</p>
<p>Mittagsstunde – im tiefen Gras<br />
der Schrei eines Froschs,<br />
der von einer Schlange verschluckt wird.</p>
<p>*</p>
<p>Ich pflücke die namenlose Blume<br />
und bringe sie Buddha dar.</p>
<p>*</p>
<p>Die Kakerlaken haben<br />
auch nichts zu beißen;<br />
haben sie meine Bücher verspeist?</p>
<p>*</p>
<p>Mein Geist ist klar;<br />
ich pflücke den überfrorenen Rettich.</p>
<p>*</p>
<p>Ich habe gelogen;<br />
ein einsamer Mond taucht auf.</p>
<p>*</p>
<p>Abendrot füllt mein Gesicht;<br />
ich habe mir Geld geliehen<br />
und kehre zum Wind des Flusses zurück.</p>
<p>*</p>
<p>Froh, am Leben zu sein,<br />
schöpfe ich Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Das Leuchten des Schnees<br />
erfüllt das Haus mit Stille.</p>
<p>*</p>
<p>Gibt es etwas, das ich vermisse?<br />
Die Blätter fallen.</p>
<p>*</p>
<p>Das grüne Gras!<br />
Ich gehe barfuß heim.</p>
<p>*</p>
<p>Rauschen, Sinken,<br />
Rauschen, Sinken,<br />
später Herbst.</p>
<p>*</p>
<p>Ich kann gar nichts tun;<br />
lauter Widersprüche,<br />
aufgewirbelt vom Wind.</p>
<p>*</p>
<p>Ein wenig zu essen,<br />
ein wenig für einen Rausch;<br />
Regen auf den Wiesen.</p>
<p>*</p>
<p>Die toten Zweige knickend<br />
an nichts denken.</p>
<p>*</p>
<p>Bettelarm – tauender Schnee<br />
tropft langsam vom Dach.</p>
<p>*</p>
<p>Aus dem Dickicht<br />
gleich in den Topf:<br />
ein einziges Bambusrohr.</p>
<p>*</p>
<p>Aus dem mit Regenwasser gefüllten Eimer<br />
schwappt das herrliche Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Es gibt immer noch etwas zu essen:<br />
das kühle Wasser.</p>
<p>*</p>
<p>Die Blätter fallen;<br />
von nun an<br />
wird selbst das Wasser besser schmecken.</p>
<p>*</p>
<p>Betrunken schlief ich<br />
bei den Grillen.</p>
<p>*</p>
<p>Was für eine herrliche Herberge!<br />
Berge hüben und drüben<br />
und gleich gegenüber ein Sake-Laden.</p>
<p>*</p>
<p>Ich halte eine Tomate hoch als Opfergabe<br />
und lege sie für Buddha hin,<br />
für meine Mutter und meinen Vater.</p>
<p>*</p>
<p>Grabsteine in einer Linie –<br />
durchdringende Stille.</p>
<p>*</p>
<p>Aus der gefüllten Hand des Kindes<br />
empfange ich jedes Reiskorn,<br />
eins nach dem anderen.</p>
<p>*</p>
<p>Oben der Himmel,<br />
der Reiskuchen in meiner Hand,<br />
überall Sonnenlicht,<br />
das helle Leuchten des Reises.</p>
<p>*</p>
<p>Weiter und weiter gehen<br />
unter den grenzenlos<br />
blühenden Amaryllen.</p>
<p>*</p>
<p>Durst nach einem Schluck Wasser –<br />
das Rauschen eines Wasserfalls.</p>
<p>*</p>
<p>Manchmal halte ich inne mit Betteln<br />
und schaue auf zu den Bergen.</p>
<p>*</p>
<p>In weiter, weiter Ferne<br />
fliegt ein Vogel<br />
über die schneebedeckten Berge.</p>
<p>*</p>
<p>Die fernen schneebedeckten Berge –<br />
ganz abgeschnitten von der Welt der Menschen.</p>
<p>*</p>
<p>Menschen versammeln sich um den Toten;<br />
keine Wolken am Himmel.</p>
<p>*</p>
<p>Der Einsiedler ist nicht da;<br />
in seiner Abwesenheit<br />
schlage ich seine Gebetstrommel.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn ich meine Lumpen verkaufe<br />
und dafür Sake kaufe,<br />
wird immer noch Einsamkeit sein?</p>
<p>*</p>
<p>(Die Erkennungsmelodie meines Barts:)<br />
Ein ungleiches Leben,<br />
stehend und fallend.</p>
<p>*</p>
<p>In des Tages Hitze,<br />
weinen oder lachen,<br />
eines nur.</p>
<p>*</p>
<p>Ich habe Reis,<br />
Bücher<br />
und Tabak.</p>
<p>*</p>
<p>Ich will nur wandern,<br />
und wandere mit vollem Rucksack –<br />
Abendmond.</p>
<p>*</p>
<p>Zwielicht – der Klang<br />
des traurigen Briefs,<br />
der in den Kasten fällt.</p>
<p>*</p>
<p>Den ganzen Tag kein Wort geredet;<br />
schlaflos –<br />
mondhelle Nacht.</p>
<p>*</p>
<p>Fisch grillen,<br />
manchmal auch die eigene Hand –<br />
einsames Leben.</p>
<p>*</p>
<p>Im Sonnenlicht auf meinem Pult<br />
schreibe ich einen langen, langen Brief.</p>
<p>*</p>
<p>Ganz ziellos<br />
gehe ich zwischen den Grabsteinen umher.</p>
<p>*</p>
<p>Das tiefe, klare, blaue Waser<br />
glänzt hell –<br />
mein trauriger Schatten.</p>
<p>*</p>
<p>Aus den Bergen:<br />
weiße Wildblumen<br />
auf dem Tisch.</p>
<p>*</p>
<p>In den Lücken zwischen den Häusern –<br />
schau auf das Grün der Berge!</p>
<p>*</p>
<p>Kalte<br />
Wolken<br />
eilen dahin.</p>
<p>*</p>
<p>Die Widerspiegelung im Wasser:<br />
ein Wanderer.</p>
<p>*</p>
<p>Der Frühling brach an,<br />
nahe beim Friedhof.</p>
<p>*</p>
<p>Der kalte, sternklare Himmel –<br />
die nackten Bergasketen schlagen ihre Trommeln.</p>
<p>*</p>
<p>Der Mond geht auf –<br />
ich warte auf nichts.</p>
<p>*</p>
<p>Herbst –<br />
ich sitze im wilden Gras.</p>
<p>*</p>
<p>Pilger,<br />
Pilger<br />
strömen zuhauf, teilen.</p>
<p>*</p>
<p>Den Magen voll Wasser<br />
schlafe ich gut.</p>
<p>*</p>
<p>(Begegnung mit einem alten Freund:)<br />
Zwei alte Gesichter –<br />
Schweigen.</p>
<p>*</p>
<p>Ich säe den Samen aus<br />
im Morgenlicht,<br />
bevor ich meine Reise beginne.</p>
<p>*</p>
<p>Schnee fällt<br />
still<br />
auf den Schnee.</p>
<p>*</p>
<p>Alle erzählen Lügen;<br />
Frühling hat man davongejagt.</p>
<p>*</p>
<p>Nie wieder gehe ich<br />
über diese Brücke;<br />
weit und heftig weht der Wind.</p>
<p>*</p>
<p>Wahrhaftig ein gebirgiges Land!<br />
Berge und noch mehr Berge,<br />
und der helle Mond.</p>
<p>*</p>
<p>(Heimgekehrt:)<br />
In der tiefen Stille –<br />
der Staub auf dem Tisch.</p>
<p>*</p>
<p>Die Wunde heilt nicht,<br />
sie wird kalt und schrundig.<br />
Gefängnis Winter.</p>
<p>*</p>
<p>Die hungrige Katze schreit;<br />
ich habe nichts zu essen für sie.</p>
<p>*</p>
<p>An nichts denkend<br />
gehe ich durch einen Wald<br />
von verdorrten Bäumen.</p>
<p>*</p>
<p>Wonach suchen?<br />
Ich wandere im Wind.</p>
<p>*</p>
<p>Sogar der Klang der Regentropfen<br />
ist älter geworden.</p>
<p>*</p>
<p>Mir ist nicht zu helfen;<br />
mein altes Gewand<br />
vermodert.</p>
<p>*</p>
<p>Verborgen<br />
in einer zusammengestürzten Hütte<br />
mein zusammengestürztes Leben.</p>
<p>*</p>
<p>Die Brise aus den Bergen<br />
in den Windglöckchen<br />
erweckt mir den Wunsch zu leben.</p>
<p>*</p>
<p>Heute gehe ich wieder, pudelnaß,<br />
auf unbekannter Straße.</p>
<p>*</p>
<p>Roter Harn –<br />
wie lange geht die Reise noch?</p>
<p>*</p>
<p>Dauerhusten –<br />
keiner da, der mir auf den Rücken schlüge.</p>
<p>*</p>
<p>Kein Geld, keine Sachen,<br />
keine Zähne –<br />
ganz allein.</p>
<p>*</p>
<p>Mein Herz ist müde –<br />
die Berge, das Meer,<br />
sie sind zu schön.</p>
<p>*</p>
<p>Wann werde ich sterben?<br />
Ich pflanze die Setzlinge ein.</p>
<p>*</p>
<p>Mir bleibt nichts als zu sterben;<br />
die Berge verloren im Dunst.</p>
<p>*</p>
<p>Heimkehren um zu sterben –<br />
dürre Gräser.</p>
<p>*</p>
<p>Heimkehren um zu sterben –<br />
sprießende Gräser.</p>
<p>*</p>
<p>Ich klammere mich an den Tod;<br />
der Pfeffer ist hellrot.</p>
<p>*</p>
<p>Die Ruhe des Todes:<br />
ein klarer Himmel, Bäume ohne Laub.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn ich sterbe:<br />
Kräuter, Regen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>(übersetzt nach der englischen Vorlage von John Stevens, Mountain Tasting, New York, 1980)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/santoka-taneda/">Santoka Taneda</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/santoka-taneda/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
