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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Tier-Mensch-Unterschied</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Kleine philosophische Lektionen V</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Sep 2014 16:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Intentionale Zustände: Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie Unterschied Mensch Tier]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Intentionale Zustände: Glauben (3), Befürchten, Mensch-Tier-Unterschied Wir sagen zurecht „Ich glaube, dass p“, wo wir einfach auch sagen können „Ich meine, dass p“ oder „Ich denke, dass p“. Glauben ist die Grundform unserer intentionalen Zustände, alle anderen bauen darauf auf. „Ich befürchte, dass der Brief vom Finanzamt heute eintrifft“ heißt: „Ich glaube, der Brief vom [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/kleine-philosophische-lektionen-v/">Kleine philosophische Lektionen V</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Intentionale Zustände: Glauben (3), Befürchten, Mensch-Tier-Unterschied<br />
</em><br />
Wir sagen zurecht „Ich glaube, dass p“, wo wir einfach auch sagen können „Ich meine, dass p“ oder „Ich denke, dass p“.</p>
<p>Glauben ist die Grundform unserer intentionalen Zustände, alle anderen bauen darauf auf. „Ich befürchte, dass der Brief vom Finanzamt heute eintrifft“ heißt: „Ich glaube, der Brief vom Finanzamt trifft heute ein, und das ist unerfreulich“. „Ich hoffe, dass du mich bald wieder besuchst“ heißt: „Ich glaube, du besuchst mich bald wieder, und dann werde ich mich freuen.“ „Ich bedauere, dich gestern beleidigt zu haben“ heißt: „Ich glaube, ich habe dich gestern beleidigt, und das ist von Übel.“</p>
<p>Wir können uns intentional auf Ereignisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft beziehen. Wir bereuen, etwas gesagt oder getan zu haben, wir glauben, etwas zu sehen, wir erwarten hoffen, befürchten, dass ein Ereignis eintritt.</p>
<p>Kann ein Hund befürchten, dass du aufgrund deiner fortgesetzten Unpünktlichkeit demnächst wieder eine Abmahnung deines Arbeitgebers erhalten wirst und es damit wahrscheinlicher wird, dass du bald fristlos gekündigt wirst?</p>
<p>Warum kann er das nicht, obwohl er doch ansonsten so ein cleveres Kerlchen ist und immer gleich spitzkriegt, wo du den Socken versteckt hast? Wir sagen: Weil ein der menschlichen Sprache nicht mächtiges Tier nicht in der Lage ist, syntaktisch und semantisch komplexe Glaubensüberzeugungen wie eine solche Befürchtung zu bilden.</p>
<p>Wie könnte die genannte Befürchtung OHNE Zuhilfenahme der menschlichen Sprache ausgedrückt werden? (Wenn unser Hund jene Befürchtung hegen können soll, müsste er ja dazu in der Lage sein.) Antwort: überhaupt nicht.</p>
<p>Kommen wir dem Hund mittels der so beliebten Reduktion der Komplexität doch ein wenig entgegen: Könnte er befürchten, dass du ihm demnächst aufgrund deiner prekär gewordenen finanziellen Verhältnisse NICHT mehr mit den nicht ganz billigen Leckereien aufwarten könntest wie bisher?</p>
<p>Du meinst vielleicht, so ein Tier denkt vorwiegend mit dem Magen – und damit packen wir es! Doch wir sagen: Dies könnte der Hund noch viel weniger glauben und befürchten. Es ist gewiss kein leichtes Unterfangen, eine Überzeugung über ein zukünftiges Ereignis und seine komplexen Bedingungen zu bilden. Aber es ist ein noch weniger leichtes Unterfangen, eine Überzeugung über ein zukünftiges Ereignis zu bilden, das NICHT eintreten wird! Der Hund soll irgendein Bild von seinem leckeren Fressen im Kopfe haben – meinetwegen! Aber wie soll er ein Bild von einem nicht existierenden leckeren Fressen im Kopfe haben – etwa von seinem schmerzlich leer vorgefundenen Fressnapf?</p>
<p>Der Brocken Fleisch, der nicht im Fressnapf liegt, ist dem Hund kein Brocken, der nicht da ist, sondern einfach nicht vorhanden. Der Glaube und die Befürchtung, dass der Napf demnächst mit einem billigen Surrogat gefüllt sein oder leer bleiben wird, ist dem Hund ein nicht denkbarer Gedanke.</p>
<p>Ich kann glauben, dass du davon überzeugt bist, dein Hund werde den nicht vorhandenen „Braten“ riechen. Doch dein Hund kann ganz und gar nicht glauben, dass du ihm so etwas zu glauben unterstellst!</p>
<p>Am Ende läuft es darauf hinaus: Dein Hund trabt herzu und wedelt freudig mit dem Schwanz, schleicht um seinen Napf und findet nicht seine gewohnten Leckereien ­– er wird ein wenig grummeln und sich dann über den billigen Fraß hermachen. Wird er des Nachts aufschrecken und die Befürchtung hegen, am kommenden Tag wieder mit dem schnöden Surrogat abgespeist zu werden? Keineswegs. Am kommenden Tag wird er schon begierig auf den Napf stoßen und beherzt zulangen.</p>
<p>Wir bemerken: Etwas zu glauben und all jene intentionalen Befindlichkeiten, die etwas glauben zu können voraussetzen, wie Bedauern, Hoffen und Befürchten, sind ein humanes Spezifikum, das den Gebrauch der syntaktisch und semantisch komplexen menschlichen Sprache voraussetzt.</p>
<p>Und da die Fähigkeit, zu glauben, dass etwas der Fall ist, die Fähigkeit impliziert, zu glauben, dass etwas nicht der Fall ist, erweist sich auch die Fähigkeit der Negation als ein humanes Spezifikum, das den Gebrauch der syntaktisch und semantisch komplexen menschlichen Sprache voraussetzt.</p>
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		<title>Die Taube des Heraklit</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jun 2014 13:07:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Taube des Heraklit]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Sie ist so schmal, sie schlüpft durch den Spalt zwischen Rose und Wahn, ihr Herz schlägt so vag, ein Kuss – sie entfliegt, ein Flaum weist die Bahn. * Ruhig hockt die Taube auf dem hohen Kamin – seelenruhig könntest du sagen, wärst du nur Dichter und kein Philosoph. Hier unten auf der Straße fällt [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/die-taube-des-heraklit/">Die Taube des Heraklit</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sie ist so schmal,<br />
sie schlüpft durch den Spalt<br />
zwischen Rose und Wahn,<br />
ihr Herz schlägt so vag,<br />
ein Kuss –<br />
sie entfliegt,<br />
ein Flaum weist die Bahn.</p>
<p>*</p>
<p>Ruhig hockt die Taube auf dem hohen Kamin –<br />
seelenruhig könntest du sagen,<br />
wärst du nur Dichter und kein Philosoph.</p>
<p>Hier unten auf der Straße fällt ein Tor<br />
bei der WM in Brasilien,<br />
die FAN-Meute beim Public Viewing schraubt<br />
wie aus einer Kehle die Stimme<br />
in hyperbolischer Kurve hoch und heult auf.</p>
<p>Die Taube da oben auf dem Kaminsims<br />
über dem vierten Stock bleibt ruhig:<br />
Sie hört und sie hört nicht,<br />
sie hört den Lärm der Stimmen,<br />
aber sie hört keine Stimmen,<br />
sie hört den Lärm der Hupen,<br />
aber sie hört keine Hupen,<br />
sie sieht das Wehen von Flaggen,<br />
aber sie sieht keine Flaggen,<br />
sie blickt auf das Wehen von Haaren,<br />
aber sie erblickt keine Menschen.</p>
<p>Sie hört und sie hört nicht.<br />
Der Entsetzensschrei der Meute,<br />
der auf dem Gipfel rückwärts in ein Mauseloch<br />
der Enttäuschung hinabgurgelt,<br />
ist ihr dem monotonen Schaben gleich,<br />
das in ein sprühendes Schrillen umschlägt,<br />
wenn der Schreiner den Balken unter die Kreissäge schiebt,<br />
oder gleich dem Schluchzen ihrer Schwester,<br />
der Nachtigall,<br />
mit dem sie den Mondstrahl erstickt.</p>
<p>Nur wenn das Gurren trostlosen Turtelns sie umfängt,<br />
weiß sie sich am weg- und heimatlosen Ort ihres Daseins.</p>
<p>Die Taube da oben auf dem Kamin<br />
dreht sich und schmiegt ihren Kopf unter den Flügel,<br />
als versänke sie in eine Welt, verborgener, ferner<br />
als was uns den Tag trennt vom Traum.</p>
<p>Sie weiß nicht um die Welt des Fußballs,<br />
die Welt der Spiele unter Menschen kennt sie nicht,<br />
sie weiß nicht, was Siegen heißt und Verlieren,<br />
ohne dass einem ein Nest vom Himmel fiele<br />
oder eines ein Federchen ließe –</p>
<p>sie weiß so wenig vom Spiel mit dem Ball oder dem Würfel,<br />
dass zu sagen, sie wisse nicht, was ein Tor ist oder ein Pasch,<br />
gleichzeitig zu viel und zu wenig gesagt wäre:</p>
<p>Und dies gilt für alles, was wir sehen und benennen,<br />
wir sehen und sagen „Menschen“, „Bierflaschen“, „Rosen“ und „Tauben“,<br />
sie sieht weder Menschen noch Bierflaschen oder Rosen –<br />
geschweige denn Tauben.</p>
<p>Sie schwebt über den Dächern und Häusern<br />
und weiß nichts von Dächern und Häusern<br />
und von denen, die darin wohnen.</p>
<p>Sie fliegt über Dörfer, Gärten, Länder, Kontinente<br />
und weiß nichts von Sprachen, Nationen und Grenzen.</p>
<p>Wäre sie ein Wesen, frei zu benennen, was es sieht,<br />
und frei zu tun, was es will,<br />
wäre sie weggeflogen oder auch nicht,<br />
wenn ein Sturm oder ein Warnschrei sie gehindert hätte.</p>
<p>Diesseits von Absicht, Wille und Freiheit,<br />
flatternd in der Welt schieren Scheins,<br />
wäre es von ihr zu viel oder zu wenig zu sagen,<br />
sie könne nicht einmal daran gehindert werden,<br />
zu tun, was sie will,<br />
oder zu lassen, was sie nicht will.</p>
<p>Ein vollkommenes Tier lebt die Taube<br />
in einer Welt ohne Bedeutung,<br />
ohne Absicht, ohne Glück oder Unglück,<br />
ohne Erwartung oder Reue:<br />
Kommt ihr Täuberich, flattert sie auf,<br />
ohne die Freude der nicht eingetretenen Befürchtung,<br />
ohne die Freude der erfüllten Erwartung,<br />
er ist einfach wieder da, ohne weiteres:<br />
Das bestätigt nichts,<br />
daraus folgt nichts.</p>
<p>Sie kann nichts erwarten, nichts erhoffen,<br />
nichts beneiden, nichts bereuen.<br />
Sie kann nicht erwarten, dass ihr Täuberich<br />
gleich mit einem Zweig im Schnabel zurückkehrt,<br />
das Nest auszubauen.<br />
Sie kann nicht erhoffen, zwei Eier zu legen<br />
oder ihre Brut in zwei Wochen aus dem Kropf zu tränken.<br />
Sie kann nicht die Nachbarin beneiden,<br />
die zwei Eier im Gelege hat, sie aber nur eines.<br />
Sie kann nicht bereuen,<br />
das falsche Männchen ausgesucht zu haben,<br />
eine Taube oder überhaupt ein Tier und kein Mensch zu sein.</p>
<p>Hier unten im Bistro vor dem LED-Schirm ist es ruhig,<br />
es ist eine gebannte Ruhe,<br />
als wäre die Luft schwanger<br />
von gieriger, heißer, feuchter Aufmerksamkeit,<br />
die sich bei jedem Flackern auf dem Screen in ein Zischen,<br />
ein Kreischen, ein Muhen entladen kann –</p>
<p>auch dort oben ist es ruhig,<br />
aber dieser Ruhe fehlen die Ufer der Hybris und der Angst,<br />
zwischen denen sie auf- und niederschwappen könnte –<br />
es ist die Ruhe der verfallenen Gärten entstiegenen Luft,<br />
die manchmal wie ein Seufzer<br />
den weichen Flaum der Vogelseele bauscht.</p>
<p>Jetzt ist sie weggeflogen.<br />
Aber ist sie weggeflogen?</p>
<p>Es ist mit ihr weggeflogen,<br />
könntest du überschwänglich sagen,<br />
wärst du nur Dichter und kein Philosoph.</p>
<p>Vom Teich kennt sie nur die Tiefe des eingetunkten Schnabels,<br />
von der Sonne die trockene Feder,<br />
vom Schnee die Flocken des Schlafs.</p>
<p>Von der Haut und dem Flügel der sichtbaren Dinge<br />
kennt sie nur den flüchtigen Schimmer,<br />
die blendende Helle<br />
und das plötzlich flügelnde Dunkel.</p>
<p>Die Taube flog übers Dach,<br />
sie lebt nicht in unserer Welt,<br />
sie lebt in keiner Welt,<br />
in niemandes Welt lebt sie.</p>
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		<title>Philosophische Fragen und Antworten V</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Mar 2014 17:48:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschied Mensch Tier Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wenn die Entwicklung des Menschen als natürlicher Spezies durch die darwinistischen Erklärungsprinzipien von Mutation und Selektion erklärt werden kann, der Mensch aber das sprachliche Lebewesen par excellence ist, kann dann nicht auch die Entwicklung der Sprache als Produkt der natürlichen Evolution erklärt werden? Nein. Die Sprache kann nicht wie etwa die Entwicklung von Organen und [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophische-fragen-und-antworten-v/">Philosophische Fragen und Antworten V</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Wenn die Entwicklung des Menschen als natürlicher Spezies durch die darwinistischen Erklärungsprinzipien von Mutation und Selektion erklärt werden kann, der Mensch aber das sprachliche Lebewesen par excellence ist, kann dann nicht auch die Entwicklung der Sprache als Produkt der natürlichen Evolution erklärt werden?<br />
</i><br />
Nein. Die Sprache kann nicht wie etwa die Entwicklung von Organen und Organsystemen von Flügeln, Armen, Krallen, Schnäbeln, Augen oder Gehirnen auf der Grundlage der darwinistischen Prinzipien von Mutation und Selektion erklärt werden. Die Selektion greift immer an zufälligen Mutanten an und diese sind zufällige individuelle Vorkommnissen an individuellen Organismen. So mag eine Genmutation das Längenwachstum von rudimentären Flügeln oder Armen oder Beinen oder Hälsen begünstigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass das im Sinne des Überlebensvorteils begünstigte Individuum hinfort seine Gene weitergibt, ist größer als die Wahrscheinlichkeit der Vermehrung der  weniger begünstigten Individuen. Die Sprache ist ein auf konventionellen Regeln beruhendes kollektives System der Kommunikation zwischen Individuen: Sie kann sich demzufolge nicht als Mutation an einem solcherart bevorteilten Individuum durchsetzen.</p>
<p>Die Sprache setzt sich gleichsam wie die Existenz des Lebens selbst voraus: Konventionen bei der Verwendung von Zeichen festzulegen ist ein Vorgang innerhalb der Sprache. Weil Sprache demzufolge nicht nur die syntaktische Reihung von Zeichen, sondern auch die mehr oder weniger vage, provisorische oder exakte Festlegung der Bedeutung von Zeichen voraussetzt, ist sie nicht mit tierischen Signalsystemen vergleichbar, die freilich auf der Basis darwinistischer Evolution erklärbar sind.</p>
<p>Kein Einzelorganismus könnte sich des Privilegs, sprechen zu können, erfreuen: Sprechen setzt eine Gemeinschaft der Sprechenden und also Sprachbegabten voraus. Mehr noch: Sprechen heißt Überzeugungen zu haben und sie mitzuteilen. Überzeugungen aber kannst nicht du als einzelnes Individuum haben und mitteilen. Überzeugungen zu haben ist nicht dasselbe wie natürliche oder künstliche Objekte mit den Sinnesorganen wahrzunehmen. Überzeugungen zu haben ist überhaupt keine Form der Wahrnehmung, sondern der Identifikation und prädikativen Bestimmung intentionaler Objekte. Was für die Sprache im Allgemeinen, gilt für Überzeugungen und intentionale Gegenstände im Besonderen: Sie sind Momente eines logisch-semantischen Raums von gemeinschaftlich aufeinander abgestimmter Meinungen. Falls du der Meinung bist, dass dort ein Einhorn stehe, musst du unterstellen, dass es andere gibt, die deine Meinung teilen – oder auch bestreiten können.</p>
<p>Weil die semantische Einheit der Sprache der Satz ist und Sätze bilden gleichzeitig und gleichsinnig damit ist, eine Überzeugung oder eine Annahme oder eine Meinung zu bilden, bist du mit der Sprache gleichsam auf einen Schlag in das logische Universum des Wahren und Falschen versetzt worden. Das Wahre ist keinesfalls das Wahrgenommene: Dieses gehört allerdings in den Erklärungshorizont, der von den darwinistischen Prinzipien der Erklärung von natürlicher Entwicklung ausgeschöpft wird. Das Wahre ist nicht das Wahrgenommene heißt: Du bist mit der Sprache frei oder die schöpferische Macht der Sprache zeigt sich darin, auch das Nicht-Wahre zum intentionalen Gegenstand deines Meinens machen zu können. So kannst du annehmen, es gebe Einhörner oder der Erdtrabant, den du jetzt siehst, sei nicht der Mond, sondern der andere namens Selene. Auch hier gilt: Falls du der Meinung bist, dass dort ein Einhorn stehe oder dort der Erdtrabant namens Selene aufgegangen sei, musst du unterstellen, dass es andere gibt, die deine Meinung teilen – oder auch bestreiten können.</p>
<p>Das Leben selbst kann nicht durch die darwinistischen Methoden der Erklärung von natürlicher Evolution erklärt werden: Die evolutiven Mechanismen von Mutation und Selektion greifen am existierenden lebenden Organismus an – sie setzen seine Existenz voraus. Diese Logik gilt mutatis mutandis auch für die Existenz der Sprache als syntaktisch-semantischen Systems der Konstruktion von Überzeugungen und der Äußerung von diversen Sprechhandlungen.</p>
<p>Die Sprache ist keine emergente Eigenschaft der Hirnentwicklung zu größerer intellektueller Kapazität. Die Entwicklung intelligenter Wahrnehmungs- und Orientierungssysteme kann nicht, wie allenthalben unterstellt, den Unterschied zwischen Mensch und Tier markieren: Tiere haben Wahrnehmungs- und Orientierungssysteme mit subtileren und feinkörnigeren Rastern als die menschlichen Wahrnehmungs- und Orientierungssysteme entwickelt. Die natürliche Evolution intelligenter Systeme verläuft ganz den darwinistischen Erklärungsprinzipien gemäß in Graden und quantitativen Abstufungen. Die Sprache aber ist keine neue Form der Intelligenz, sondern ein qualitativ neues System des Verstehens von Bedeutungen und des Teilens von Überzeugungen.</p>
<p>Die Wissenschaft und also auch die Evolutionsbiologie ist eine methodisch und erfahrungsmäßig kontrollierte Aktivität des Erwerbs von Wissen, die sich als menschliches Handlungssystem neben vielen anderen Handlungssystemen innerhalb des logisch-semantischen Raums oder Felds von Sprache und Bewusstsein abspielt und das begriffliche Netz von Überzeugungen mit seinen Knotenpunkten elementarer oder primitiver Wesensbegriffe wie Bedeutung, Intentionalität, Person, Identität, logischer Folgerungsbeziehung und von manchen anderen voraussetzt. Die Wissenschaft kann nicht erklären, was sie voraussetzt oder impliziert. Deshalb kann auch die Evolutionsbiologie nicht erklären, was sie voraussetzt und impliziert: zum Beispiel die Sprache.</p>
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		<title>Philosophische Fragen und Antworten III</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/philosophische-fragen-und-antworten-iii/</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 18:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschied Tier Mensch Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wie kann man den Tier-Mensch-Unterschied bestimmen und erklären? Nur Menschen verfügen über die negative Exzellenz, verrückt oder wahnsinnig werden zu können. Tiere dagegen, weil sie nicht den logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein mit uns teilen, können nicht in unserem Sinne verrückt werden. Sie sind weder vernünftig noch vernunftlos. Tiere können nicht glauben, dass sie [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophische-fragen-und-antworten-iii/">Philosophische Fragen und Antworten III</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Wie kann man den Tier-Mensch-Unterschied bestimmen und erklären?<br />
</i><br />
Nur Menschen verfügen über die negative Exzellenz, verrückt oder wahnsinnig werden zu können. Tiere dagegen, weil sie nicht den logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein mit uns teilen, können nicht in unserem Sinne verrückt werden. Sie sind weder vernünftig noch vernunftlos.</p>
<p>Tiere können nicht glauben, dass sie jemand anderes als in Wirklichkeit sind, denn  sie sind in Wirklichkeit niemand, das heißt keine ihrer selbst bewussten Personen.</p>
<p>Du kannst deinen Hund Knuffi nennen, aber dein Hund versteht nicht, was es heißt, dass du einen Namen hast, geschweige denn, dass er einen haben könnte. Leute, die von sich behaupten, ihr Name sei in Wahrheit ein anderer Name als der, der in ihrem Personalausweis steht, zum Beispiel Zarathustra oder Jesus, nennen wir verrückt. Verrücktheit und Wahnsinn in diesem Sinne ist nur im logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein eine Möglichkeit, mental in die Irre zu gehen. Ein Hund hört zwar auf den Laut „Knuffi“, wenn du ihn rufst, weil er darauf konditioniert ist, bei dieser Lautfolge zu dir zu laufen, denn dann gibt es ein Leckerli oder du spielst mit ihm. Aber dein Hund weiß nicht, dass dies sein Name ist. Er kommt nicht nur nicht auf die Idee, er heiße Knuffi, sondern a fortiori nicht auf die noch ausgefallenere Idee, er heiße in Wahrheit nicht so, wie alle ihn nennen, nämlich Knuffi, sondern Pluto, weil er von sich glaubt, er sei eine Inkarnation des mythischen Höllenhundes.</p>
<p>Wenn einer aus Trägheit, Nachlässigkeit oder bösem Willen sein Versprechen nicht einlöst, nennen wir den Menschen rechtens faul, unzuverlässig, treulos. Wenn aber einer scheinbar ein Versprechen mit einem Ja-Wort, einem Handschlag oder einem Kopfnicken gegeben hat und das Versprochene nicht deshalb nicht einlöst, weil er aus Faulheit, Unzuverlässigkeit oder Böswilligkeit sein Versprechen bricht, sondern auf den Vorwurf „Warum hast du dein Versprechen nicht gehalten?“ zurückfragt „Versprechen, was ist das?“, wer also augenscheinlich die Bedeutung des Begriffs Versprechen nicht kennt, den nennen wir unter normalen Umständen bedeutungsblind oder verrückt oder geisteskrank.</p>
<p>Wir definieren diese Form der Geisteskrankheit mittels des Kriteriums der Bedeutungsblindheit. Bedeutungsblindheit ist uns wiederum das wesentliche Kriterium zur Bestimmung und Erklärung des Tier-Mensch-Unterschieds. Denn Tiere sind von Natur aus bedeutungsblind, Menschen nur krankheitsbedingt.</p>
<p>Wenn du der Bedeutung des Konzepts „Versprechen“ gewiss bist, zeigst du im Falle, dass du trotz ausdrücklicher Abmachung bei der wichtigen Besprechung unpünktlich warst oder zum verabredeten Zeitpunkt mir das ausgeliehene Buch nicht ausgehändigt hast, auf peinliches Nachfragen hin unmissverständliche Zeichen der Befangenheit, Verlegenheit oder Scham, kurz die typischen Symptome des schlechten Gewissens.</p>
<p>Wer aber, bedeutungsblind, den Sinn des Sprechaktes „Versprechen“ nicht versteht, wird, wenn er scheinbar ein Versprechen gemacht hat, es auch nur scheinbar, aber nicht wirklich einlösen. Würde er zum Beispiel das ausgeliehene Buch gerade am vereinbarten Tag vor dir auf den Tisch legen, wäre dies nicht die Einlösung des Versprechens, er hätte das Buch nur zufällig mit dabei und gar nicht die Absicht, es dir zurückzugeben. Der Bedeutungsblinde kann ja ein Versprechen nicht einlösen, weil er die Bedeutung der Handlung, jemandem etwas durch Rückgabe einer Sache einzulösen, nicht kennt. Wenn er nicht tut, was er scheinbar versprochen hat, dann deshalb, weil er sich nicht verpflichtet fühlt, das scheinbar Versprochene einzulösen. Er fühlt sich aber nicht deshalb nicht verpflichtet, weil er genau diese dich oder mich betreffende Verpflichtung aus Groll oder Böswilligkeit in den Wind schlüge, sondern weil er sich, bedeutungsblind, in Bezug auf den Begriff der Verpflichtung durchaus für niemanden und in keiner Angelegenheit je in die Pflicht genommen weiß.</p>
<p>Wer sich für niemanden und in keiner Angelegenheit je verpflichtet weiß, dem sind jedwede Anwandlungen von Befangenheit, Verlegenheit oder Scham fremd, die denjenigen heimsuchen, der um die Bedeutung der Begriffe Versprechen, Verpflichtung und Verantwortung weiß.</p>
<p>Man hat einmal dazu tendiert, Personen, die typisch menschliche Handlungs- und Denkmuster wie das Versprechen zu begreifen und mit Leben zu erfüllen unfähig sind, nicht nur den Status der vernünftigen Person zeitweilig oder auf Dauer abzusprechen, sondern sie mit vernunftlosen Tieren zu vergleichen oder gar mit vernunftlosen Tieren auf eine Stufe zu stellen, denen die Evolution die höheren Stufen kultureller Bildung zu betreten gleichsam verweigert habe, auf denen allererst die Bedeutung der genannten Begriffe oder schlicht die Bedeutung von Begriffen oder die Bedeutung von Bedeutung zur Evidenz gelange. Diese klassische Ansicht der Psychiatrie ist falsch.</p>
<p>Tiere sind keine Bewohner des logisch-semantischen Raums von Sprache und Bewusstsein – denn in diesem ist das soziale Leben an die Bedingung des Bedeutungsverstehens geknüpft. Wir verstehen die Konvention, mit dem Auto auf der rechten Seite der Fahrbahn zu fahren. Wir lesen das Schild vor dem Kreisel, das besagt: „Achtung: Rechtsverkehr!“  Zugvögel haben eine komplizierte Sensorik, die sie tausende von Kilometern zu ihren Brutgebieten navigiert. Sie können nicht anders, als ihrem instinktiven Verhaltensprogramm zu gehorchen. Wir können auch die Regelung einführen, mit dem Auto auf der linken Seite der Fahrbahn zu fahren. Wir können kurz und bündig definieren: „Vernunft ist die Tugend der sozialen Konvention“, und diese geht den Tieren ab.</p>
<p>Wir können aus Mutwillen, kriminellen oder anderen irrationalen Antrieben soziale Konventionen und Normen übertreten und das Auto als Aggressionsmittel oder Waffe benutzen. Wenn Zugvögel von ihrem festgelegten Kurs abweichen, dann nicht, weil sie sich eines anderen, Besseren oder Schlechteren, besonnen hätten, sondern weil ein Defekt in ihrem Navigationsorgan aufgetreten ist.</p>
<p>Tiere können sich nicht schämen und etwa, weil sie sich daneben benommen hätten, sich befangen fühlen und verlegen unter sich blicken. Deshalb ist es unsinnig, denjenigen, den wir bedeutungsblind nennen und dem wir gegebenenfalls den Status einer vernünftigen Person zeitweise oder auf Dauer absprechen, auf den Status einer animalischen Existenz gleichsam relegieren zu wollen. Wir verstehen unter der personalen Würde eben die wenn auch vergebliche oder vereitelte Hoffnung, einer Person, deren Leben sich in Bedeutungsblindheit dahinschleppt, einmal mit dem lumen naturale versehen im logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein begrüßen oder wiederbegrüßen zu können.</p>
<p>Es liegt auf dieser Linie, wenn wir feststellen, dass Tiere, weil sie den Begriff der Scham nicht kennen, eo ipso und gerade deswegen nicht schamlos sein oder handeln können.</p>
<p>Es ist von hoher Relevanz, darauf hinzuweisen, dass die Fähigkeit des Bedeutungsverstehens und also die Unfähigkeit des Bedeutungsverstehens oder die Bedeutungsblindheit keine Funktionen der Intelligenz oder von intellektuellen Fähigkeiten darstellen. Der sogenannte Primitive, dessen intellektuelle Kapazität zu zählen die Zahlenmengen 1, 2, 3 und viele umfasst, lebt mit uns im logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein, denn er verfügt über den Begriff der Zahl. In keiner Weise hält seine Dummheit den Dummen davon ab, sein Versprechen einzulösen und bei der selbstverschuldeten Nichteinlösung seines Versprechens die gehörige Portion Verlegenheit und Scham zu empfinden und zum Ausdruck zu bringen.</p>
<p>Wenn wir den Begriff der intellektuellen Fähigkeit auf die Wahrnehmungsfähigkeit ausdehnen, sehen wir Folgendes ein: Genauso wenig, wie wir Personen, die über ein besonders exzellentes Wahrnehmungsvermögen wie beispielsweise das absolute Gehör verfügen, eben dieser ihrer Exzellenz wegen loben, ebenso wenig werden wir Personen, die unter physischen Mängeln des Wahrnehmungsvermögens wie der Farbenblindheit oder unter mentalen Mängeln des Wahrnehmungsvermögens wie akustischen oder visuellen Halluzinationen leiden, eben dieser ihrer Mängel wegen tadeln oder als verrückt klassifizieren.</p>
<p>Nur in den Fällen, in denen beispielsweise Anomalien wie Psychosen zeitweilig oder auf Dauer mit einer das soziale Leben extrem einschränkenden Bedeutungsblindheit im beschriebenen Sinne einhergehen, sind wir berechtigt, die betroffenen Patienten zeitweilig oder auf Dauer als psychisch oder mental krank oder schlicht verrückt anzusehen. Aber auch in solch extremen Fällen halten wir die Tür für eine Rückkehr in den logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein immer einen Spalt offen.</p>
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		<title>Philosophische Fragen und Antworten II</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 12:24:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[logisch-semantischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschied Mensch Tier Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wenn ich zwei Zahlen addiere, muss ich das Verfahren oder die Regel der Addition schon kennen. Ist es mit dem Wissen oder Verstehen und dem Sprechen nicht ebenso? Ja. Wenn du etwas verstehen willst, musst du schon etwas anderes verstanden haben. Wenn du etwas sagen willst, musst du schon etwas anderes gesagt haben. Du erblickst [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophische-fragen-und-antworten-ii/">Philosophische Fragen und Antworten II</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Wenn ich zwei Zahlen addiere, muss ich das Verfahren oder die Regel der Addition schon kennen. Ist es mit dem Wissen oder Verstehen und dem Sprechen nicht ebenso?<br />
</i><br />
Ja. Wenn du etwas verstehen willst, musst du schon etwas anderes verstanden haben. Wenn du etwas sagen willst, musst du schon etwas anderes gesagt haben.</p>
<p>Du erblickst den Mond und weißt, dass es sich bei diesem planetarischen Objekt um den Erdtrabanten handelt. Du weißt dies auf Grund der Tatsache, dass du bereits verstanden hast, dass es nur einen einzigen Erdtrabanten gibt und dass dieser Erdtrabant der Mond ist. Wüsstest du nicht, dass der Mond der einzige Erdtrabant ist, könntest du angesichts des Mondes auch glauben, es sei ein Planet namens Selene II.</p>
<p>Wenn das Kleinkind „Mama“ ruft, wohnt es gleichsam schon im logischen Raum von Sprache und Bewusstsein: „Mama!“ ist eine Satz-Ellipse und kann folgendermaßen umgeformt werden: „Da ist ja Mama!“ oder „Dieses Stück der Raum-Zeit hat all die wesentlichen Eigenschaften, die ich mit Mama verbinde.“ „Von allem, was es gibt, hat nur dieses Stück der Raum-Zeit die wesentlichen Eigenschaften von Mama.“  „Wenn es etwas gibt, das nicht die wesentlichen Eigenschaften von Mama hat, ist dieses Stück der Raum-Zeit nicht Mama.“</p>
<p>Die Satz-Ellipse „Mama!“ setzt demnach die logisch-semantische Struktur der Sprache voraus, wonach ein Ausdruck dann sinnvoll gebraucht wird, wenn er als Argument einer semantischen Funktion wie „… ist Mama“ eingesetzt werden kann. Wir sehen, dass die Sprache gleichsam ab ovo die Strukturelemente der Quantifikation, Identität, Prädikation und Negation enthält. Denn es gibt mindestens ein Stück der Raum-Zeit x, so dass x Mama ist, und wenn es ein y gibt, das Mama ist, dann ist es identisch mit x. Wenn dieses Stück der Raum-Zeit Mama ist, ist jenes Stück der Raum-Zeit nicht Mama.</p>
<p>Wenn wir etwas verstehen und wissen oder aussagen, setzen wir einen wesentlichen Verstehenshorizont und einen Hintergrund sprachlichen und anderen Wissens voraus, nämlich die Strukturen des Verstehens, des Wissens und der Sprache. Wir bewegen uns in diesen Strukturen gleichsam im Kreise. Daher ist der Ausdruck „hermeneutischer Zirkel“, wie ihn Heidegger in „Sein und Zeit“ entwickelt hat, mit gewissen einschränkenden Bedingungen gut geeignet, die eigentümliche Form menschlichen Wissens und Sprechens zu explizieren.</p>
<p><i>Gibt es denn keinen Anfang des Wissens, Verstehens und Sprechens? In den Anfängen der Menschheit war das Wissen doch gering, und jetzt ist es ins Unüberschaubare gewachsen. Irgendwann haben die Menschen doch begonnen zu sprechen.</i></p>
<p>Wir können nur sagen: Die Vermehrung des Wissens und die Differenzierung des Sprechens fanden und finden im logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein statt. Mit dem ersten noch so rudimentären Wissen, zum Beispiel, dass dieser Ort derselbe ist, an dem wir bereits gestern gewesen sind, und mit dem ersten rudimentären Sprechen, wie zum Beispiel der Aufforderung, mit uns zu kommen, sind das Wissen und Verstehen als logisch-epistemische Struktur und das Sprechen und die Sprache als logisch-semantische Struktur gleichsam wie eine Schöpfung aus dem Nichts vorhanden.</p>
<p><i>Können wir Wissen, Verstehen und  Sprechen nicht als Verhalten oder als Dispositionen zu Verhalten betrachten, deren evolutionäre Ursprünge und deren evolutionäre Geschichte wissenschaftlich erfasst werden können?</i></p>
<p>Soweit und insofern wir Bewohner des logisch-semantischen Raums von Sprache und Bewusstsein sind, sind wir keine Mitglieder einer Spezies, sei diese metaphysisch, ontologisch oder biologisch konzipiert. Dies ist zugleich der Grund unserer Freiheit und der Verpflichtung, für unser Handeln, soweit es nicht irrationalen Antrieben entspringt, Verantwortung zu übernehmen.</p>
<p>Wir nehmen heute fälschlicherweise an, die Existenzform des Menschen lasse sich vollständig wissenschaftlich durchdringen und erklären, wenn wir Menschen als Mitglieder der tierischen Spezies Homo Sapiens definieren und die Einzelanalysen den Biologen, Neurowissenschaftlern, Kognitionspsychologen und Soziologen überlassen. Dabei übersehen wir zumindest, dass das Projekt der Wissenschaft eine Form der Weltaneignung innerhalb des logisch-semantischen Raums unserer Sprache und unseres Bewusstseins darstellt. Die Wissenschaft ist ein Teil dieses Raums und dieser logisch-semantischen Dimension, sie kann sie nicht umfassen oder begründen oder erklären.</p>
<p>Wissenschaftlich können in der Tat Verhalten und Verhaltensdispositionen beobachtet und aus allgemeinen Gesetzen abgeleitet werden. Wenn du deine Hand an der Flamme des Feuerzeugs verletzt hast, zurückzuckst und dabei „Aua!“ ausrufst, kann ich diese Verhaltensweise aus dem allgemeinen Gesetz ableiten, dass Organismen mit einem ausgebildeten sensomotorischen System dazu disponiert sind, bei der Überschreitung einer kritischen Empfindungsschwelle Schmerz zu empfinden und mit einer unwillkürlichen Bewegung zu reagieren, mit der sie vom Ort der Gefahrenquelle zurückweichen. Außerdem kann ihre sensomotorische Reaktion von einer verbalen Verlautbarung begleitet werden, deren Bedeutung als Ausdruck von Schmerzen verstanden werden kann.</p>
<p>Welche Bedeutung aber ist dies? Du würdest spontan dazu neigen, den Ausruf „Aua!“ mit dem Satz „Ich habe Schmerzen!“ wiederzugeben. Aber der Gebrauch von Indikatoren wie des Pronomens der ersten Person ist in der objektiven Sprache der Wissenschaft nicht zulässig und muss ausgeschlossen werden. Wir können dem Satz eine objektive und damit verifizierbare Bedeutung verleihen, indem wir ihn in den Satz umformen: „Individuum P hat zum Zeitpunkt t<sub>1</sub> am Ort l<sub>1 </sub>Schmerzen“ oder kurz „Er hat Schmerzen.“</p>
<p>Wir müssen demnach für die Möglichkeit der wissenschaftlichen Analyse voraussetzen, dass wir die Bedeutung des Satzes „Ich habe Schmerzen“ durch sprachliche Umformungsregeln mit der Bedeutung des Satzes „Er hat Schmerzen“ gleichsetzen können. Offensichtlich ist uns diese Möglichkeit aber in diesem und ähnlichen Fällen benommen, in denen sich die sprachliche Bedeutung auf Inhalte des sogenannten phänomenalen Bewusstseins bezieht, denn die beiden Sätze haben verschiedene Bedeutungen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass wir uns fragen oder vermuten oder glauben können, dass jener Schmerzen hat, der in dem Satz gemeint ist „Er hat Schmerzen“. Es ist aber Unsinn, wenn ich mich fragen oder vermuten oder glauben wollte, dass ich Schmerzen habe. Wenn ich mich fragte: „Habe ich Schmerzen?“, bewiese ich damit mein Nichtwissen von der logischen Form des Satzes „Ich habe Schmerzen“, fragte ich mich „Hat er Schmerzen?“, erfüllte sich der Sinn des Satzes mittels der Beobachtung des Verhaltens desjenigen, dem wir Schmerzen zu haben unterstellen.</p>
<p>Das Dasein und die logisch-semantische Funktion der ersten Person oder die Tatsache des Bewusstseins legt die feine, aber unaustilgbare Trennlinie zwischen den Eigenschaften, Mitglied einer tierischen Spezies oder Bewohner des logisch-semantischen Raums von Sprache und Bewusstsein zu sein.</p>
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		<title>Logische Schneisen XVIII</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Feb 2014 15:13:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Tier-Unterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie Unterschied Tier Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Tier-Mensch-Unterschied]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Sätze sind die Ureinwohner des logisch-semantischen Raums. Sie sind jene Zeichenfolgen, die wir in Hinsicht und mit der Absicht zur Erfüllung eines sprachlich-pragmatischen Zweckes bilden. Das, was unverändert bleibt, wenn du einen Aufforderungssatz (Befehl, Bitte, Wunsch) in einen Behauptungssatz umwandelst, ist das, was beide Sätze oder die Struktur oder die Form beider Sätze mit der [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophische-schneisen-xviii/">Logische Schneisen XVIII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sätze sind die Ureinwohner des logisch-semantischen Raums. Sie sind jene Zeichenfolgen, die wir in Hinsicht und mit der Absicht zur Erfüllung eines sprachlich-pragmatischen Zweckes bilden.</p>
<p>Das, was unverändert bleibt, wenn du einen Aufforderungssatz (Befehl, Bitte, Wunsch) in einen Behauptungssatz umwandelst, ist das, was beide Sätze oder die Struktur oder die Form beider Sätze mit der Realität gemein haben – die logische Form der Modellbildung oder Abbildfunktion, die jeweils dieselbe syntaktische und semantische Mannigfaltigkeit aufweisen muss wie das mit dem Satz Gemeinte und Intendierte.</p>
<p>Der Satz „Das Fenster steht offen“ hat die Mannigfaltigkeit, die durch die logische Form a (F), sprich „a ist ein F“ angezeigt wird: Ein Gegenstand wird mit einem Begriff (und wenn nötig einem deiktischen Zusatz wie „dieses dort“ in „dieses Fenster dort“ und der gleichzeitigen Zeigebewegung oder Deixis) aus der Umwelt aussortiert (mittels des sortalen Gegenstandsbegriffs „Fenster“) und in die Klasse der Gegenstände eingeordnet, welche die Eigenschaft F haben.</p>
<p>Die syntaktische und semantische Mannigfaltigkeit des Ausdrucks muss die des gemeinten Sachverhaltes enthalten: Mit dem bloßen Ausruf „Das Fenster dort“, auch wenn er durch die Zeigebewegung verstärkt wird, sagst du zumeist nichts aus, es sei denn, in dem Moment hätte ein Windstoß das Fenster aufgerissen und dein Ausruf könnte von deinem vor dem Fenster sitzenden Kollegen als Aufforderung verstanden werden, das Fenster zu schließen. Dann hast du mit dem unvollständigen Ausdruck „Das Fenster dort!“ implizit gemeint: „Bitte, schließe das Fenster!“ (sogenannte Implikatur).</p>
<p>Der Satz „Das Fenster steht offen“ hat als indikativischer Behauptungssatz die Bedeutung, die Tatsache darzustellen, dass das Fenster offen steht, und realisiert die Intention, auf die Tatsache hinzuweisen, dass das Fenster offen steht.</p>
<p>Der Satz „Das Fenster steht offen!“ hat als Aufforderungssatz die Bedeutung des Wunsches desjenigen, der den Satz zu seinem Kollegen in der Absicht sagt, dieser möge das Fenster schließen, weil es zu frisch im Zimmer wird.</p>
<p>Wenn du den Satz „Das Fenster steht offen!“ im Sinne einer Aufforderung an deinen Kollegen äußerst, dieser möge das Fenster schließen, hegst du die Erwartung, dass er das Fenster schließen werde.</p>
<p>Wenn es zieht und das Fenster offen steht und ich dich auffordere „Bitte, schließe das Fenster“, kannst du aufgrund dieser Äußerung, ohne den Sachverhalt durch Augenschein zu überprüfen, ableiten, dass das Fenster offen steht. Wir finden hier die Tatsache bestätigt, dass unsere Sätze in ein kompliziertes Netz von mehr oder weniger kohärent zusammenhängenden Sätzen verflochten sind. So begegnet es uns bei der logischen Mannigfaltigkeit des Farbraums, die bedingt, dass du aus jemandes Äußerung „Dieser Fleck ist rot“ schließen kannst, dass er weder blau noch grün noch gelb ist.</p>
<p>Das Modell oder die Abbildfunktion, die unsere beiden Ausgangsätze, der Behauptungssatz „Das Fenster ist offen“ und der Aufforderungssatz „Bitte, schließe das Fenster“, gemeinsam haben, kann abgekürzt so dargestellt werden &lt;Fenster&gt; 0 &lt;offen&gt;, wobei die Klammern die Tatsache kennzeichnen, dass die genannten Wörter semantisch nicht vollständig festgelegt oder gebunden sind, während das Null-Zeichen zwischen den Wörtern die Tatsache kennzeichnet, dass ihre Verknüpfung nicht festgelegt ist – die Satzform zeigt allerdings auch, dass der artikulierte und vollständige Satz die Ergänzung und Bindung durch ihre semantische Festlegung und syntaktische Verknüpfung zwingend fordert.</p>
<p>Der Spielraum der semantisch-syntaktischen und logischen Mannigfaltigkeit von Behauptung und Aufforderung kann anhand des einfachen Satzmodells &lt;Fenster&gt; 0 &lt;offen&gt; wie folgt dargestellt werden:</p>
<p>Das Fenster ist offen.<br />
Das Fenster ist nicht offen.  (Das Fenster ist geschlossen.)<br />
Bitte, schließe das Fenster.<br />
Bitte, öffne das Fenster.</p>
<p>Wir sehen: Mittels einfacher sprachlicher Transformationen bilden wir aus dem Satzmodell oder Satz-Nucleus Sätze unterschiedlicher Bedeutung, die wir benutzen, um ebenso unterschiedliche Handlungen mit unterschiedlichen Handlungszwecken und Handlungsabsichten wie Behaupten oder Auffordern zu vollziehen.</p>
<p>Wir können auch sagen: Das Satzmodell wird durch Anwendung der Modi Indikativ, Imperativ, Optativ in Sätze unterschiedlicher Bedeutung modifiziert: Behauptungssatz, Befehlssatz, Wunschsatz (Bitte).</p>
<p>Mit der deskriptiven Leistung des Behauptungssatzes im Indikativ beschreiben wir die Struktur von aktuell bestehenden Sachverhalten (aber auch von Sachverhalten, die unserer Meinung nach in der Vergangenheit bestanden oder in der Zukunft bestehen werden). Mit den Modi Imperativ und Optativ drücken wir unseren Willen und unseren Wunsch aus, der im Satz abgebildete Sachverhalt müsse oder möge Realität werden.</p>
<p>Wir bemerken, dass unsere bewusst erlebten Absichten oder Einstellungen Gedanken mit einem bestimmten propositionalen Gehalt p sind, der in den Sätzen des Behauptens und Aufforderns als derselbe Gehalt wiederauftaucht. Der mittels der Intentionen der Behauptung oder Aufforderung intendierte Gehalt p ist das Bindeglied zwischen dem Satz und dem System unserer Erfahrung oder kurz der Realität, deren Modell er darstellt:</p>
<p>Du behauptest, dass p (dass nicht p).<br />
Du befiehlst, dass p (dass nicht p).<br />
Du bittest, dass p (dass nicht p).<br />
Du wünschst, dass p (dass nicht p).<br />
Du hoffst, dass p (dass nicht p).<br />
Du befürchtest, dass p (dass nicht p).<br />
Du erwartest, dass p (dass nicht p).</p>
<p>Intentionen und mentale Einstellungen wie etwas behaupten, fordern, um etwas bitten, etwas wünschen, hoffen, befürchten und erwarten haben die propositionale Struktur von Gedanken, weil sie sich auf das Bestehen oder Nicht-Bestehen von Sachverhalten beziehen und in den entsprechenden Sprach-Handlungen ausgedrückt werden.</p>
<p>Wenn du erwartest, dass ich wegen deiner Aufforderung, das Fenster zu schließen, das Fenster schließe, erwartest du nicht etwas Unbestimmtes und deine Erwartung wird nicht durch ein Gefühl der Befriedigung erfüllt, das sich aufgrund der Tatsache einstellt, dass deine Erwartung erfüllt worden ist. Du erwartest mit Bestimmtheit, was im Symbol p für den Satzgehalt enthalten ist, und dein Gefühl der Befriedigung ist ein mehr oder weniger zufälliges Beiwerk der Erfüllung deiner Erwartung durch die Tatsache, dass ich das Fenster schließe. Du könntest ja auch enttäuscht ob der Tatsache sein, dass ich das Fenster schließe, weil du es lieber offen und frische Luft haben willst – und dann wäre das Gefühl der Enttäuschung das zufällige Beiwerk der Erfüllung deiner Erwartung, deren notwendiger oder interner Inhalt durch die Beziehung auf den Satzgehalt p gegeben ist.</p>
<p>Wir sehen und halten fest: Emotionale Einstellungen wie Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen und Erwartungen sind keineswegs, wie man leichthin glauben könnte, rein biologisch fundierte mentale Zustände oder Instinkte, sondern als sprachbezogene Bewusstseinszustände Bewohner des logisch-semantischen Raums. Sie alle kennzeichnet eine interne Beziehung zum Gehalt p des Satzes, der den von ihnen intendierten Inhalt darstellt. Der intendierte Sachgehalt p kann aus dem Bewusstseinszustand des Wünschens, Hoffens, Befürchtens und Erwartens nicht getilgt werden, ohne diesen Bewusstseinszustand selbst seines Wesens und seiner Form zu berauben.</p>
<p>Der Hund läuft ungeduldig zur Tür, wedelt heftig mit dem Schwanz und springt erregt die Türe empor. Wir sagen so obenhin, der Hund erwarte die Rückkehr seines Herrn. Der Hund indes erwartet keinesfalls die Rückkehr seines Herrn – Tiere haben keine Bewusstseinszustände des Wünschens, Hoffens, Befürchtens und Erwartens, weil sie über keine der unseren strukturähnliche Sprache verfügen und Zustände der genannten Art eine interne Beziehung zur Sprache aufweisen.</p>
<p>Der Hund erwartet nicht die Rückkehr seines Herrn, auch nicht seine unmittelbare Heimkehr – wäre dem so, könnte er auch die Rückkehr seines Herren von der Geschäftsreise nach Übersee in drei Wochen erwarten. Der Hund wittert seinen Herrn und das versetzt ihn in den bekannten Erregungszustand. Weil das Tier über die sinnliche Wahrnehmung von Geruch und Gehör einen kausalen Stimulus erhält, der die reflexhaften oder konditionierten Verhaltenssequenzen, die in seinem Gehirn gespeichert sind, freisetzt, verhält es sich so, wie es sich nun einmal verhält.</p>
<p>Wenn wir die Rückkehr des Herrchens regelmäßig mit dem Erklingen einer Glocke begleiten, können wir den Hund auf das Erklingen der Glocke konditionieren und so den bedingten Reflex bei ihm hervorrufen, nämlich mit dem bekannten Verhaltensrepertoire des freudigen Schwanzwedelns und erregten Die-Türe-Emporspringens zu reagieren. Aber auch in diesem Falle, wenn der Hundebesitzer nicht einmal in der Nähe ist, können wir keineswegs behaupten, der Hund erwarte die Rückkehr seines Herrn. Der Hund wittert nunmehr seinen Herrn gleichsam in dem akustischen Bild oder akustischen Muster des Glockentons.</p>
<p>Du aber erwartest die Rückkehr deiner Freundin, deines Freundes, deiner Eltern oder deiner Kinder. Deine Erwartung ist intern auf den Inhalt bezogen, der durch den Satz wiedergegeben wird: „Ich erwarte, dass der und der zurückkehrt.“ Die in die Erfüllung der Erwartung durch die tatsächliche Rückkehr des Erwarteten hineingemischten Gefühle sind nicht etwa der die Erwartung motivierende Inhalt der Erwartung – sind diese Gefühle doch nicht spezifisch und können von Freude über Gleichgültigkeit bis zur Enttäuschung reichen.</p>
<p>Wenn du erwartest, dass dich deine Freundin enttäuschen und heute nicht wie gewöhnlich an diesem Wochentage zu dir kommen wird, kann das erwartete Nicht-Eintreten des Sachverhaltes oder die negative Tatsache, dass jemand nicht zu dir kommt, nicht deine sinnlichen Rezeptoren stimulieren und insofern kausal für die Entstehung deiner Erwartung, dass nicht p, verantwortlich sein.  Was nicht existiert, kann schlechterdings nicht auf dich einwirken.</p>
<p>Der Hund allerdings kann nicht hoffen oder befürchten oder erwarten, dass sein Herrchen heute, morgen oder übermorgen NICHT zu ihm zurückkehrt. Denn der Hund lebt wie alle Tiere außerhalb des logisch-semantischen Raums, in dem sprachlich strukturierte Bewusstseinszustände wie Hoffen, Befürchten und Erwarten allererst möglich sind.</p>
<p>Den Tier-Mensch-Unterschied markieren wir also deutlich an der Tatsache, dass wir uns mit Sätzen auf nicht bestehende Sachverhalte beziehen können, Sätze, die wir verwenden, um intentionale Bewusstseinszustände wie Hoffen, Befürchten oder Erwarten zum Ausdruck zu bringen. Natürlich gilt dies  a fortiori für den intentionalen Akt des Behauptens, mit dem wir Negationen und beliebige Iterationen von Negationen zum Ausdruck bringen können.</p>
<p>Tiere haben mangels Sprache gleichsam keinen internen Bezug zur Negation – jedenfalls kann das Nicht-Bestehen der Tatsache, dass sein Herrchen heute zu ihm zurückkehrt, bei dem Hund nicht den mentalen Zustand hervorrufen, der ihn denken ließe: „O weh, ich fürchte, heute kommt Herrchen nicht nach Hause!“</p>
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