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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Wir gehen durch Ruinen philosophische Gedichte lyrische Gedichte</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Wir gehen durch Ruinen</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2022 23:52:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Wir gehen durch Ruinen philosophische Gedichte lyrische Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wir gehen durch Ruinen wie in Träumen, wo immer Flüstern dunkel rinnt und stockt und wieder anhebt, Flüstern oder Weinen. In Pfützen badet seine Stirn Narziss, der Mond, und die einst grünes Licht verströmten aus Gärten in die Abenddämmerung, die Pfade sind von dumpfer Egge Zahn zerwühlt, die Gärten übertüncht von saurem Kalk. Die Brunnen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/wir-gehen-durch-ruinen/">Wir gehen durch Ruinen</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir gehen durch Ruinen wie in Träumen,<br />
wo immer Flüstern dunkel rinnt und stockt<br />
und wieder anhebt, Flüstern oder Weinen.<br />
In Pfützen badet seine Stirn Narziss,<br />
der Mond, und die einst grünes Licht verströmten<br />
aus Gärten in die Abenddämmerung,<br />
die Pfade sind von dumpfer Egge Zahn<br />
zerwühlt, die Gärten übertüncht von saurem Kalk.<br />
Die Brunnen fielen trocken, der den Krug<br />
des Worts in sie gesenkt und schöpfte Rauschen,<br />
tot ist der Dichter, keiner kennt sein Grab.<br />
Wir gehen wie Gespenster durch Gemäuer,<br />
in Zimmer, wo tote Zeit im Uhrwerk tickt<br />
wo Angst und Langeweile sich begatten,<br />
.fruchtlos. Die Vase mit verwelkten Blumen<br />
steht auf dem Tisch, sie lebten, Anemonen<br />
und Veilchen, aber ringsum wippen Puppen,<br />
wie auf Schaukeln von Geisterhand gewiegt,<br />
an Fäden Lichtes zappelnd, die aus kleinen<br />
Apparaten, die wie Talismane<br />
sie bang umklammern, in die Hirne münden.<br />
Und was sie reden, ist wie einer Spieluhr<br />
ewig freudlos abgespultes Lallen,<br />
und was sie sehen, wird im Herzen blind,<br />
ihr Auge sammelt keinen Trost aus Tränen,<br />
den Schorf von Wundenmalen abzuwaschen.<br />
Dort, wo das Bild hing über Jahr und Tag,<br />
das Bild des Mädchens mit der Turteltaube,<br />
gähnt uns ein helles leeres Viereck an.<br />
Die alte Frau, die jene Blumen pflückte,<br />
sie noch voll Anmut angeordnet hat,<br />
liegt in der dunklen Kammer wie gebahrt,<br />
das Kind, das sie gewiegt mit gichtigen Fingern,<br />
hat noch gestreift ein Flügel, es liest ihr vor,<br />
und manchmal singt es Lieder ihrer Jugend,<br />
die es wohl liebt, doch schon nicht mehr versteht,<br />
denn seine Sprache ist der Heimat schon<br />
entwurzelt, selten leuchtet Sinngrün auf<br />
ihr zwischen Ritzen in Asphalt und Teer.<br />
Wir gehen durch Ruinen wie durch Träume,<br />
ein schwarzer Wind fegt tote Blätter auf<br />
und strotzt von toter Blumen Fäulnisdüften.<br />
Wir wenden uns und steigen auf den Hang,<br />
wo an den alten Reben letzte Trauben<br />
runzeln, und keiner keltert sie zu Wein,<br />
auf weißem Tuch bei schlichtem Brot zu funkeln,<br />
zum Mahl, das Tag und Nacht und Seligkeit<br />
und Qual im hohen Strahl verschmelzen hieß.<br />
Wir finden sie, die kleine Waldkapelle,<br />
die Purpurmuschel aus des Gnadenflut,<br />
die Angel schrillt, und die sie segnend hielt,<br />
die weiße Lilie, ist hinabgestürzt,<br />
die Himmlische, und die der Hymnen Odem<br />
einst gebauscht, die graziöse blaue Faltung,<br />
unwiederbringlich zersplittert liegt das Bild,<br />
vor dessen Majestät die Knie der Ehrfurcht<br />
sich gebeugt, auf daß entzündet ward<br />
der Docht der Herzen, aus den Katakomben<br />
in chorisch leisen Schritten am Gängelband<br />
des Lichtgesangs zum göttlichen zu steigen,<br />
dem Antlitz, dessen Leuchten schön belebt.<br />
Hier wölkt erloschener Kerzen Rauch zur Apsis,<br />
die leere Höhlung, die kein Klang mehr füllt<br />
Wir wenden uns, die Eichenbank zu finden,<br />
wo Tropfen milden Lichts die Schläfen kühlen.<br />
Wir tasten nach der Seele uns wie Schatten,<br />
die eins ins andre gleiten, stumm. Wir hören,<br />
wie fern ein Flüstern dunkel rinnt und stockt<br />
und wieder anhebt, Flüstern oder Weinen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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