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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Radiofeature und TV-Dokumentation</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Zugeflüstert und angeschrien</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2017 15:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature und TV-Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Zugeflüstert und angeschrien Radiofeature WDR 2017 Anja Krug-Metzinger]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Gedichte für das Radiofeature „Zugeflüstert und angeschrien: Vom Leben mit fremden Stimmen“ von Anja Krug-Metzinger, WDR 5, 2017, Redaktion: Thomas Nachtigall Links zur Sendung: http://www.krug-metzinger.de/site/radiofeature-stimmen-im-kopf.html http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/dok5/fremde-stimmen-100.html &#160; Die Gedichte sind zum polyphonen Vortrag für bis zu vier Sprecher angelegt; wo möglich können und sollen mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen – entweder synchron oder übereinanderlegt. &#160; Die [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/zugefluestert-und-angeschrien/">Zugeflüstert und angeschrien</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gedichte für das Radiofeature „Zugeflüstert und angeschrien: Vom Leben mit fremden Stimmen“ von Anja Krug-Metzinger</em><em>, WDR 5, 2017, Redaktion: Thomas Nachtigall<br />
</em><br />
<em>Links zur Sendung:<br />
<em><a href="http://www.krug-metzinger.de/site/radiofeature-stimmen-im-kopf.html">http://www.krug-metzinger.de/site/radiofeature-stimmen-im-kopf.html</a><br />
</em></em><a href="http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/dok5/fremde-stimmen-100.html">http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/dok5/fremde-stimmen-100.html</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Die Gedichte sind zum polyphonen Vortrag für bis zu vier Sprecher angelegt; wo möglich können und sollen mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen – entweder synchron oder übereinanderlegt.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Hydra der Flammen</strong></p>
<p>Wir sind die Schlangen,<br />
die aus dem Nest der Urzeit zischen,<br />
aus dem Loch im Meerschlamm,<br />
wo die Urmuschel tönt.</p>
<p>Du kannst uns nicht fassen,<br />
du kannst uns nicht lassen.</p>
<p>Schreist du uns entgegen,<br />
werden wir zu Flammen,<br />
dein Schrei erstickt im Rauch.</p>
<p>Magst uns auch verdammen,<br />
wir züngeln nur zusammen.</p>
<p>Schlägst du dir an den Kopf,<br />
zischen wir aus dem Magen.<br />
Kochst du uns im Topf,<br />
unsre Kinder werden dich jagen.</p>
<p>Du kannst uns nicht fassen,<br />
du kannst uns nicht lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gebrabbel I<br />
</strong><br />
Blase Wahn aus der Asche.<br />
Ritze mit ratlosem Messer.</p>
<p>Reiße Blumenmuster.</p>
<p>Wasche Blut aus dem Traum.<br />
Ritsche, ratsche, scheuer mit Asche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Intermezzo</strong></p>
<p>Regentropfen, Regentropfen,<br />
Knöchlein an mein Fenster klopfen.</p>
<p>Brause-Wind, Sause-Wind,<br />
weint da nicht ein Kind?</p>
<p>Regenwasser hat geschäumt,<br />
Stille, Stille, hab geträumt.</p>
<p>Nur die Geistermücke summt,<br />
und mein Kindlein ist verstummt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gebrabbel II<br />
</strong><br />
Augen weißer Leere.<br />
Blindgeweinte Chimäre.</p>
<p>Wirre, schwirre, schwarze Krähe,<br />
wirble Haß um alle Nähe,<br />
schwirre, wirre, schwarze Mücke,<br />
sauge Gift aus jedem Glücke.</p>
<p>Schäume weißer Leere.<br />
Schorf auf totem Meere.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Drachengeist</strong></p>
<p>Ich hab kein Drachengesicht.<br />
Ich bin nur Schnauben.<br />
Meine Höcker brennen.<br />
Menschheit acht ich nicht.</p>
<p>Ich bin das Glucksen aus Mooren,<br />
ich bin das Flüstern der Asche.<br />
Meine Zunge ist Flamme.<br />
Menschheit gilt mir verloren.</p>
<p>Wirren ist meine Pflicht,<br />
schnauben aus Tröten und Hörnern,<br />
aus Muscheln und hohlem Gebein.<br />
Menschheit bring ich Gericht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Holde Blumengeister</strong></p>
<p>Hör, was Veilchen wissen:</p>
<p>„Bebe mit den Lüften,<br />
sauge mit den Düften<br />
Traum und Sehnsucht ein.“</p>
<p>Hör, wie Astern küssen:</p>
<p>„Regentropfen fallet,<br />
Blumenlippen lallet,<br />
weich wird jeder Stein!“</p>
<p>Hör, wie Rosen grüßen:</p>
<p>„Sanfter Augen Leuchten<br />
wollen wir befeuchten,<br />
Träne löst die Pein!“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Nachtigall<br />
</strong><br />
Es schläft wie unter Linnen<br />
des warmen Schnees tief innen<br />
eine Nachtigall.</p>
<p>Wer hat sie dort begraben,<br />
verschmähte Honigwaben,<br />
trunken-süßen Schall?</p>
<p>Der Liebe sanftes Leben<br />
ließ ihre Flügel beben<br />
steil ins Morgenrot.</p>
<p>Und wirst du sie entdecken,<br />
versinkst du in Erschrecken,<br />
stumm ist sie, ist tot.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Panische Stimmen<br />
</strong><br />
Durch das Loch in der Mauer,<br />
durch den Spalt im Schrank …</p>
<p>Durch den Riß im Dach,<br />
durch das Ofenrohr …</p>
<p>Durch die Lücke des Zahns,<br />
durch die nässende Narbe …</p>
<p>Sputet und flutet!<br />
Blast und rast!<br />
Schreit und entweiht!<br />
Keucht und verseucht!</p>
<p>Ich will die Haare versengen.</p>
<p>Ich will die Ohrmuschel sprengen.</p>
<p>Ich will die Augen blenden.</p>
<p>Rennt und flennt,<br />
schwirrt und wirrt,<br />
zuckt und spuckt.</p>
<p>Ich will die Seele schänden.</p>
<p>Ich will die Seele schwärzen.</p>
<p>Ich will die Seele ausmerzen.</p>
<p>Sputet und flutet!<br />
Blast und rast!<br />
Schreit und entweiht!<br />
Keucht und verseucht!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Muse singt</strong></p>
<p>Plötzlich sinkt der Fuß<br />
eines verirrten Wunsches<br />
in die moosige Mulde.</p>
<p>Die Erde gibt nach,<br />
Bienen schwirren empor.<br />
Ihr goldener Schleier zerreißt.</p>
<p>Glucksen steigt aus dem Dunkel,<br />
Seufzer tropfen ans Licht.</p>
<p>Es singt die einsame Quelle<br />
mit hellen Kristallen,<br />
es leuchtet in Tränen<br />
das innerste Leid.</p>
<p>„Neige das Ohr, das Herz,<br />
an meinen warmen Mund,<br />
schöpfe aus meiner Quelle<br />
mit dem Becher der Hände,<br />
was die Seele stillt, das Lied.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Chor der Ahnengeister</strong></p>
<p>Blut trägt das Feuer.</p>
<p>Feuer leckt das Herz.</p>
<p>Herz springt in die Wolke.</p>
<p>Wolke regnet herab.</p>
<p>Regen löscht das Feuer.<br />
Wolke verdunkelt das Herz.<br />
Erde trinkt das Blut.</p>
<p>*</p>
<p>Du geh nach Norden,<br />
leg dich unter den Schnee.</p>
<p>Du geh nach Süden,<br />
leg dich unter den Stern.</p>
<p>Du geh nach Westen,<br />
leg dich zu den Toten.</p>
<p>Du geh nach Osten,<br />
steh mit ihnen auf.</p>
<p>Nimm den glimmenden Stein,<br />
trag ihn zur Quelle der Ahnen,<br />
grabe ein Loch in das Gras,<br />
leg ihn hinein, und dann trinke.</p>
<p>*</p>
<p>Das Gesicht der Mutter erlischt.</p>
<p>Das Gesicht des Vaters erlischt.</p>
<p>Das Gesicht der Götter erlischt.</p>
<p>Das Gesicht der Erde erlischt.</p>
<p>Bring aus dem Norden den Schnee.<br />
Bring aus dem Süden den Stern.<br />
Bring aus dem Westen die Toten.<br />
Bring aus dem Osten das Licht.</p>
<p>*</p>
<p>Das Gesicht der Erde erblüht.</p>
<p>Das Gesicht der Götter erglüht.</p>
<p>Das Gesicht des Vaters leuchtet.</p>
<p>Das Gesicht der Mutter lächelt.</p>
<p>Innen ist außen.<br />
Außen ist innen.<br />
Jeder Herzschlag<br />
birgt neues Beginnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>D<strong>as Lamento der Toten<br />
</strong><br />
Wir haben den Regen geschlürft<br />
und sind immer noch durstig.</p>
<p>Wir haben die Särge zernagt<br />
und sind immer noch hungrig.</p>
<p>Wir haben die Erde geschmeckt<br />
und wurden nicht satt.</p>
<p>Gib uns dein Fleisch,<br />
wir wollen essen.<br />
Gib uns dein Blut,<br />
wir wollen trinken.<br />
Gib uns deinen Atem,<br />
wir wollen schweben.</p>
<p>*</p>
<p>Wir können in der Erde nicht ruhen,<br />
während du auf ihr tanzt.</p>
<p>Wir finden das Dunkel nicht für den Schlaf,<br />
währen du die Lampe anhast.</p>
<p>Wir finden das taube Ei der Stille nicht,<br />
während du den Dotter schlürfst.</p>
<p>Hilf uns zu schweigen,<br />
hilf uns zu schlafen,<br />
hilf uns tot zu sein.</p>
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		<title>Der Traumlotse</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/gedichte-fur-andrzey-wajda/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/gedichte-fur-andrzey-wajda/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 03 Nov 2012 15:40:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature und TV-Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Der Traumlotse Gedichtzyklus für Andrzej Wajda Das Kino des Andrzej Wajda Radiofeature WDR3 Kulturdokumentation ARTE von Anja Krug-Metzinger]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturdokumentation ARTE (2013) und Radiofeature WDR3 (2012): „Der Traumlotse. Das Kino des Andrzej Wajda“]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Gedichte für Andrzej Wajda Der Traumlotse Gedichte für Andrzej Wajda † 9. Oktober 2016 &#160; I Wehmut, eines Waldhorns Echo im Traum, überwölkt mein Land. O gib mir den Schatten, der spricht! So nimm, was mir blieb: vom Abend die Trauer, vom Haar die Asche. So nimm, was mir lieb: der Nächte Geduld, den Hauch [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/gedichte-fur-andrzey-wajda/">Der Traumlotse</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gedichte für Andrzej Wajda</em></p>
<p><strong>Der Traumlotse</strong><em><br />
<em>Gedichte für Andrzej Wajda</em> † 9. Oktober 2016</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>I</p>
<p>Wehmut,<br />
eines Waldhorns Echo im Traum,<br />
überwölkt mein Land.</p>
<p>O gib mir den Schatten,<br />
der spricht!</p>
<p>So nimm, was mir blieb:<br />
vom Abend die Trauer,<br />
vom Haar die Asche.</p>
<p>So nimm, was mir lieb:<br />
der Nächte Geduld,<br />
den Hauch pflück vom Mund.</p>
<p>O gib mir den Schatten,<br />
der spricht!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>II</p>
<p>„Durch das Schneelicht der Birken,<br />
die sogen Honig und Traum,<br />
ruf ich nach dir.</p>
<p>Weiße Asche liegt ausgestreut.</p>
<p>Aus dem Gewieher der Pferde,<br />
die Hufe blitzten ins Herz,<br />
ruf ich nach dir.</p>
<p>Schwarzer Schädel liegt augenlos.</p>
<p>Aus dem grünen Seufzen des Teichs,<br />
da Sehnsucht dem Gärtchen entquoll,<br />
ruf ich nach dir.“</p>
<p><em>„Hier, mein Kind, ich bin hier.“</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>III</p>
<p>Zigan, du spiele voran.<br />
Jude, schmück deine Bude.<br />
Pope, küsse das Buch.</p>
<p>Maria ist die Rose.<br />
Maria ist die Lilie.</p>
<p>Fremde Macht<br />
hat mich behaust.<br />
Heimat schöpft mir<br />
Mund und Faust.</p>
<p>Ich lade euch zu glänzendem Tisch.<br />
Ich blühe rot und weiß,<br />
ich blühe in Rosen und Eis.</p>
<p>Fremde Macht<br />
hat mich entfärbt.<br />
Flamme und Schnee<br />
hat mich beerbt.</p>
<p>Ich leuchte im Birkenbaum.<br />
Dem Leben die Bleibe.<br />
Den Toten der Traum.</p>
<p>Maria ist die Rose.<br />
Maria ist die Lilie.</p>
<p>Zigan, du spiele voran.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>IV</p>
<p>Was tagt mir in der Trauernacht?<br />
Wer hebt die Hingesunkene auf<br />
am Grabmal des Sohnes<br />
und sieht durch den Schleier?</p>
<p>Das Licht im Lächeln des Enkels,<br />
die Hand, die treu blieb, die Hand.</p>
<p>Die Lilien Hymnen.<br />
Die Rosen Grüße.<br />
Gebete geläuteter Glocken.</p>
<p>Oben das Licht der Wolke.</p>
<p>Unten, durchzuckt<br />
von grünen Blitzen,<br />
der Fluß.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>V</p>
<p>Eine Stimme für die Toten!<br />
Meine Stimme für die Toten.</p>
<p>Die entschwebten wie Atem im Frost.<br />
Die im Morast erstickten.<br />
Die unter der Peitsche schwiegen.<br />
Die an durchlöcherten Mauern seufzten.</p>
<p>Eine Stimme für die Toten!<br />
Meine Stimme für die Toten.</p>
<p>Die warteten bis in das Grab<br />
auf den Vater, den Sohn, den Bruder.</p>
<p>Die sich vor dem Gitter küßten,<br />
das den Pfad ans Ufer versperrte.</p>
<p>Die in den Abwasserkanälen blind wurden<br />
an der Gärung des Bösen.</p>
<p>Denen der Wald sein grünes Geheimnis<br />
in einem trockenen Knall für immer verschloß,<br />
als stumm sie niederknieten.</p>
<p>Eine Stimme für die Toten!<br />
Meine Stimme für die Toten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>VI</p>
<p>Schnee unterm Schlitten knirscht:<br />
Tau wird kommen, wird frommen!</p>
<p>Ihr kaut schläfrig am Herd<br />
ledernen Reim.</p>
<p>Glut unter der Asche sprüht:<br />
Wahnhunde hecheln über das Land!</p>
<p>Euch biegt Abendwind<br />
wie dürres Gras im Ried.</p>
<p>Keim unterm Steine seufzt:<br />
Blitz wird ritzen, wird retten!</p>
<p>Ihr schwitzt unter Masken<br />
alten Mummenschanz.</p>
<p>Mein Adler schreit im Zenit:<br />
Träume bleichen, Wolken weichen!</p>
<p>Ihr webt der Wehmut<br />
fahles Gespinst.</p>
<p>Schnee unterm Schlitten knirscht:<br />
Tau wird kommen, wird frommen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>VII</p>
<p>Als Messias habt ihr<br />
flimmern sehn<br />
den Helden aus Gips.</p>
<p>Beim ersten Regen<br />
zieht er Schlieren,<br />
erblüht sein Aussatz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>VIII</p>
<p>Wozu lieh ich dir<br />
die edlen Gaben?</p>
<p>Die Hand – sie zu reichen.<br />
Die Zunge – wahr zu sprechen.<br />
Das Auge – den Horizont zu trinken.<br />
Das Ohr – den Anruf zu hören.<br />
Den Mund – die Stirn zu küssen.<br />
Das Herz – tapfer zu sein.</p>
<p>Wozu, sag mir, wozu?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>IX</p>
<p>Das gemeinsame Leben spielt hell<br />
um die hellste Abwesenheit,<br />
das Gedenken der Toten.</p>
<p>Die Liebe pflückt ihren Sinn<br />
mit den ärmlichsten Blumen<br />
vor dem beschrifteten Stein.</p>
<p>Die Kunst beugt sich<br />
ins Schlichte zurück,<br />
ein kniender Engel.</p>
<p>Was ist mir das Leben,<br />
wo irrt meine Liebe,<br />
wozu mir die Kunst?</p>
<p>Wo – wo sind meine Toten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>X</p>
<p>Die dunkle Süße blieb<br />
verborgen in der Frucht.<br />
Sie riss ein Sturm herab.</p>
<p>Die Seele, die im Händedruck<br />
geschieht, blieb unsichtbar<br />
im grobgekörnten Film.</p>
<p>Das Nachbild schattenleisen Glücks<br />
überblenden<br />
scharfe Wahnkristalle.</p>
<p>Der ernste Denkstein<br />
schmilzt dahin<br />
im blinden Mond.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>XI</p>
<p>Meine schlanken Birken schweben.<br />
Meine hellen Lieder heben<br />
dein Herz aus dem Schlaf.</p>
<p>Masken schimmern auf den Wegen.<br />
Meine schönen Töchter legen<br />
sich warm an dein Herz.</p>
<p>Flocken flüstern, Blüten schwingen.<br />
Meine dunklen Lieder singen<br />
dein Herz in den Schlaf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>XII</p>
<p>Das Schilf erschauert weich –<br />
das Wasser wiegt dich leicht,<br />
die Liebe macht mich schwer –<br />
wir sinken gleich bei gleich.</p>
<p>Wir halten uns mit Blicken –<br />
der Abschied macht mich schwer,<br />
die Liebe macht dich leicht –<br />
Mund will an Mund ersticken.</p>
<p>Wir sinken gleich bei gleich –<br />
ich kaure in den Klüften,<br />
du löst dich in den Lüften –<br />
das Schilf erschauert weich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>XIII</p>
<p>Vorübergehend an den Sehnsuchtsblicken,<br />
beim stummen Winken aus erloschnem Fenster,<br />
seid ihr geschwisterlich einander näher,<br />
als Wand an Wand behauste Nachbarn sind.</p>
<p>Der viel geküsste Brief mit den umrankten Silben,<br />
den treue Herzen durch verwaiste Zonen trugen,<br />
bringt aus der Ferne euch die Seele näher<br />
als flüsternd Mund an Mund getautes Liebeswort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>XIV</p>
<p>Dahingemäht<br />
die Blüte der Jugend –<br />
die Helden ohne Grab.</p>
<p>Knirscht nicht der Kies auf dem Wege<br />
von unverhofften Schritten?</p>
<p>Glimmt zwischen den Ähren der Mohn nicht<br />
wie Kosen von ehedem?</p>
<p>Die Trauer beschmutzte die Schmach,<br />
Bruder den Mörder zu nennen.</p>
<p>Ruft aus dem Geläute des Abends nicht<br />
der Geliebte mit Namen dich an?</p>
<p>Funkelt nicht über dir, gebahrt unter Linnen,<br />
dem du entgegengeweint, der Stern?</p>
<p>Dahingemäht<br />
die Blüte der Jugend –<br />
die Helden ohne Grab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>XV</p>
<p>Der Schleier verhüllt meinen Gram<br />
um all die vergessenen Namen.<br />
Am Ginster rupf ich Blüte um Blüte<br />
für all die vergessenen Namen.</p>
<p>Liebe ruft mich in die alte Nacht.<br />
Liebe ruft euch in den jungen Tag.</p>
<p>Ich hock, das Mütterchen mit dem Korb<br />
voll Veilchen, an der Kirchenpforte.<br />
Die Kinder trippeln herbei, sie<br />
zu flechten in das Haar der Braut.</p>
<p>Liebe ruft mich in die alte Nacht.<br />
Liebe ruft euch in den jungen Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>__________________________</p>
<p>Diese Gedichte entstanden im Auftrag der Anja Krug-Metzinger Filmproduktion im Rahmen der Produktion eines Radiofeatures für den WDR3 (Redaktion: Gisela Corves) mit dem Titel „Der Traumlotse. Das Kino des Andrzej Wajda“ und eines Dokumentarfilms für ARTE (Redaktion: Mechtild Lehning) mit dem Titel „Der Traumlotse. Das Kino des Andrzej Wajda/L’aiguilleur des rêves. Le cinéma d’Andrzej Wajda“ über den Regisseur Andrzej Wajda. Eine Auswahl der Gedichte findet Eingang jeweils in das Hörstück und den Film.</p>
<p>Das Radiofeature wurde am 8. Dezember 2012 um 12.05 Uhr und am 9. Dezember 2012 um 15.05 Uhr auf WDR3 ausgestrahlt. Der Dokumentarfilm wurde von ARTE in der Reihe Kulturdokumentation am 6. Februar 2013 um 22.30 Uhr ausgestrahlt. Eine Wiederholung läuft auf ARTE am 26. Februar um 3.30 Uhr.</p>
<p>Nähere Informationen unter:<br />
<em><a href="http://www1.wdr.de/mediathek/audio/feature-depot/index.html">http://www1.wdr.de/mediathek/audio/feature-depot/index.html</a></em><br />
<em><a class="moz-txt-link-freetext" href="http://www.krug-metzinger.de/site/index.html">http://www.krug-metzinger.de/site/index.html</a></em></p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/gedichte-fur-andrzey-wajda/">Der Traumlotse</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sprich, Schwesterseele, sprich – Zwischen Haff und Kap Hoorn</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/17/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/17/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 18:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature und TV-Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Sprich Schwesterseele sprich – Zwischen Haff und Kap Hoorn Radiofeature BR2 Ostpreußen Anja Krug-Metzinger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://luxautumnalis.wordpress.com/2011/10/12/17/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Gewidmet dem Nemec Dietmar Grassmuck I Da war die Muschel, mein süßes Sausen, und der nackte braune Fuß sank ein: Die sandige Kühle sprach bis zum herbeigeweinten Schlaf, sprach mir von einst – von einst. Mit Binsen fest umschnürt fiel hoch ich in den blauen Brunnen. II Erst war es der Blitz, der die Eiche [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/17/">Sprich, Schwesterseele, sprich – Zwischen Haff und Kap Hoorn</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><big><big><span style="font-family: Times New Roman;"><em>Gewidmet dem Nemec Dietmar Grassmuck</em></span></big></big></p>
<p>I</p>
<p>Da war die Muschel,<br />
mein süßes Sausen,<br />
und der nackte braune Fuß<br />
sank ein:</p>
<p>Die sandige Kühle sprach<br />
bis zum herbeigeweinten Schlaf,<br />
sprach mir von einst –<br />
von einst.</p>
<p>Mit Binsen fest umschnürt<br />
fiel hoch ich in den blauen Brunnen.</p>
<p>II</p>
<p>Erst war es der Blitz,<br />
der die Eiche spaltet,<br />
und die Eiche stürzt nicht.</p>
<p>Es blieb der Abdruck<br />
eines Hufs im Heidesand.</p>
<p>Oder das Flammenmuster der Fliesen,<br />
auf das du starrst<br />
im Scheine lang gebrochner Rosen.</p>
<p>So ging das Weh,<br />
Bruder, das Weh.</p>
<p>III</p>
<p>Die Wellen trugen mich von dir, die Wellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>Mein Wehstern wollt ins Südland mich bestellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>Der Algen Haar mocht meinen Leib umschwellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>Mein Herzgelall Delphine übergellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>Der schwarze Schaum tät meinen Schoß entstellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>Die Wellen trugen mich von dir, die Wellen.<br />
Im Schrei des Kranichs kehr ich zu dir wieder.</p>
<p>IV</p>
<p>Die blassen Lilien leg ich dir,<br />
des Sehnens zarte Hände,<br />
auf den schwarzen Samt des Haffs.</p>
<p>Die hellen Lieder heb ich dir,<br />
der Liebe zarte Bojen,<br />
auf den schwarzen Samt des Haffs.</p>
<p>V</p>
<p>Bernstein, deine Lampe<br />
in den Geheimdienstkatakomben.<br />
Dein Astrolabium der Seelenumseglung.</p>
<p>Der Stein tönt hier im prussischen Sand.</p>
<p>Schädel des Pferds,<br />
ausgebalgt im Hungerwahnwinter.<br />
Mit Bitterkraut gestopft an vierzehn Stationen.</p>
<p>Der Schädel tönt hier im prussischen Schnee.</p>
<p>VI</p>
<p>Ich kann nicht sterben,<br />
wenn du lebst<br />
und dein Lebenswehgespinst<br />
aus meinen Sommerfäden webst.</p>
<p>Ich kann nicht sterben.</p>
<p>Du kannst nicht lieben,<br />
wenn du schwebst<br />
und den libellentrunknen Brief<br />
mit meiner Birke Harz verklebst.</p>
<p>Du kannst nicht lieben.</p>
<p>VII</p>
<p>Hörst du mich, erkennst, Bruder, du<br />
meine Stimme?</p>
<p>Auch wenn zwischen uns<br />
die graue Zeit aufgeschichtet hat<br />
Stein und Stein,<br />
Bein und Bein:</p>
<p>Einen Stein überschauerte Moos.<br />
Ein Knöchlein entschloss sich zu tönen.</p>
<p>Wenn der rote Nachtwind überm Haff<br />
den Strandhafer peitscht –<br />
hörst, Bruder, du meine Stimme?</p>
<p>VIII</p>
<p>Bruder, hier bin ich, aus der grünen Nacht<br />
ans Ufer geschwemmt<br />
mit dem Honiglicht des Bernsteins.</p>
<p>Hier der helle Schatten der Möwe,<br />
wenn ihr Schrei auf die Nehrung stürzt.</p>
<p>Hier der Schrei nach dem wirklichen Mund.<br />
Nach dem Blut eines menschlichen Worts.</p>
<p>Dort aber nährt das Geschwisterliche mich,</p>
<p>das dir, Bruder, im Traum geschieht:<br />
die salzige Träne.</p>
<p>IX</p>
<p>Meerbruder, im Schaum glänzten Augen,<br />
als dein Kiel ins Element schrieb:</p>
<p>„Ich liebe, ich siege, ich fliege<br />
euch zu bis nach Kap Hoorn!“</p>
<p>Ja, das sah ich, das las ich<br />
mit jenen Augen.</p>
<p>X</p>
<p>Du klammerst dich um den warmdunklen Leib.<br />
Dein Ohr kreist um das Schnauben.<br />
Dein Herz prasselt in das schwarze Wiehern hinab.</p>
<p>Die Büsche fallen, schon hebt es dich<br />
hoch über die alten Alleen.</p>
<p>Schon zuckt von fern die Wimper der See.</p>
<p>Denk nicht, du müsstest ins Leere erwachen.</p>
<p>Noch umfiedert dein Engel den Traum.</p>
<p>XI</p>
<p>Möwe: für immer<br />
erstarrt sie im Sturz.</p>
<p>So viele Kiesel – so viele Schreie.</p>
<p>Gräser: für immer<br />
ins Licht geritzte Behauptung.</p>
<p>So viele Kiesel – so viele Schreie.</p>
<p>Segel: für immer<br />
schwebt es auf Schaum.</p>
<p>So viele Kiesel &#8230;</p>
<p>Nehrung: für immer<br />
ins Schweigen geschaufelter Schnee.</p>
<p>So viele &#8230;</p>
<p>Bruder: einmal netzt uns,<br />
Dorn an Dorn,<br />
Erinnerung …</p>
<p>Schmelzwasser,<br />
wie es heimwegs verrauscht.</p>
<p>So, Bruder, so &#8230;</p>
<p>XII</p>
<p>Musst männlich du ins tief Verborgne tauchen?<br />
In Fluten, Träumen wähnen letzten Fund?<br />
Was glänzt im Netz – kannst du es noch gebrauchen?</p>
<p>Was du mit heißen Blicken saugst, ist Schwund.<br />
Und tiefer als dein edles Harz gesunken<br />
bin ich in dich, des Blutes edler Bund.</p>
<p>XIII</p>
<p>Nie wieder tropft mit dem Gurren des Morgens<br />
Veilchenlicht, wo glückhaft wogte das Schilf.</p>
<p>Nie wieder hält in den Zwillingshänden<br />
die Schwester das Haupt dir.</p>
<p>Und all die Küsse, wohin, die Küsse,<br />
womit sie den Mund dir verschloss,<br />
den im Halbschlaf plappernden Mund,<br />
wie mit süßen Beeren, hastig gepflückt.</p>
<p>Nie wieder tropft mit dem Gurren des Morgens<br />
Veilchenlicht &#8230;</p>
<p>XIV</p>
<p>Das Ruder leg beiseit: Gib dich<br />
dem Wind, dem Dämmerlicht.<br />
Erlausche, was geschwisterlich<br />
die alte Wunde spricht:</p>
<p>Vergeh, mein Weh, verweh, du Traum,<br />
die Nehrung deckt dich zu.<br />
Die Abendglocke hörst du kaum,<br />
dir weiß ich, Bruder, Ruh.</p>
<p>_______________________________________</p>
<p>Diese Gedichte entstanden im Zusammenhang der Produktion einer Sendung des Bayerischen Rundfunks über das Schicksal eines ostpreußischen Knaben, den die Stürme der Zeit an Ufer trieben, an die er nie gedacht hätte.</p>
<p>Die Gedichte verleihen der toten Schwester Dietmar Grassmucks eine Stimme. Sie wurde als Kind zusammen mit den Eltern bei der Besatzung ihres Heimatorts, des wegen seines alten Gestüts berühmten Trakehnen, von der Roten Armee getötet.</p>
<p>Das Radiofeature wurde von Anja Krug-Metzinger und Detlev Wilhelm Klee für den BR2 erstellt und am 20. Januar 2011 unter dem Titel „Zwischen Haff und Kap Horn – die große Odyssee eines kleinen Jungen aus Ostpreußen“ ausgestrahlt.<br />
Für nähere Auskünfte siehe folgende Internetseiten:<br />
<a href="http://www.krug-metzinger.de/site/Zwischen-Haff.html">http://www.krug-metzinger.de/site/Zwischen-Haff.html</a><br />
<a href="http://www.br-online.de/bayern2/radiofeature/radiofeature-feature-archiv-ID120170441099.xml">http://www.br-online.de/bayern2/radiofeature/radiofeature-feature-archiv-ID120170441099.xml</a><br />
<a href="http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/feature/grassmuck101.html">http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/feature/grassmuck101.html</a></p>
<p>Die auf diesen Seiten wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Verwendung, Vervielfältigung und Verbreitung steht unter dem Vorbehalt einer beim Autor einzuholenden Genehmigung.</p>
<p>Autor: Detlev Wilhelm Klee, Frankfurt am Main<br />
E-Mail-Adresse: detlev.klee (at) t-online.de</p>
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		<item>
		<title>„Liebes Schwesterherz“</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/liebes-schwesterherz/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/liebes-schwesterherz/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 17:03:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature und TV-Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature WDR3 "Verlaufsprotokoll einer Katastrophe - Aus dem Tagebuch eines Lagerkommandanten" (2009)]]></category>
		<category><![CDATA[„Liebes Schwesterherz“ poetische Prosa Radiofeature WDR3 Lagerkommandant Johannes Gutschmidt Anja Krug-Metzinger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://luxautumnalis.wordpress.com/?p=59</guid>
		<description><![CDATA[<p>Aus den Briefen von Victor, des ukrainischen Burschen des Lagerkommandanten Johannes Gutschmidt Liebste Schwester, wenn ich abends den Major gebadet habe, sitze ich oft in meinem Versteck. Das ist ein verfallener Pferdestall. Die Pferde haben sie schon alle geschlachtet. Er liegt neben dem Lagerschuppen. Von dort höre ich immer wieder ein schreckliches Winseln, gar nicht [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/liebes-schwesterherz/">„Liebes Schwesterherz“</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Aus den Briefen von Victor, des ukrainischen Burschen des Lagerkommandanten Johannes Gutschmidt</em></p>
<p>Liebste Schwester, wenn ich abends den Major gebadet habe, sitze ich oft in meinem Versteck. Das ist ein verfallener Pferdestall. Die Pferde haben sie schon alle geschlachtet. Er liegt neben dem Lagerschuppen. Von dort höre ich immer wieder ein schreckliches Winseln, gar nicht menschlich, wie von einem Tier, einer Katze oder einem Wolf, das man quält oder langsam erstickt. Manchmal ist es wie Röcheln, als ob aus der schwarzen Erde Blut quillt. Dagegen singe ich dann an mit unseren alten Liedern. Erinnerst du dich, Schwesterherz, wie du damals mit dem Blütenkranz im Haar getanzt hast, und ich habe gesungen, und Mama hat vor Freude in die Hände geklatscht? So singe ich, aber in mich hinein, und halte mir die Ohren zu, aus Angst vor dem Winseln und dem Röcheln da draußen.</p>
<p>Es ist doch derselbe Mond, der jetzt mich wie ein Flüchtling mit großen brennenden Augen besucht, ein Flüchtling, und ich habe keine Herberge. Derselbe Mond, den jetzt deine Augen schauen, und der von ihm beglänzte Schnee bedeckt hier die russische und dort unsere gequälte ukrainische Erde. Bette, Liebe, sanft deine sanften Blicke auf dieses Leuchten und denke nicht, was darunter liegt.</p>
<p>Gestern gab es Schüsse. Ich bin beim Kommandanten, und er schickt mich in die Küche, zu sehen, was da los ist.Wachsoldaten mit Gewehren standen da, viele, sehr viele Gefangene in ihren zerrissenen Mänteln, mit Lumpen die Füße umwickelt, drängten und stießen und schrieen. Alles gierte nach den großen Kesseln, wo sie das Essen mit Kellen verteilen. Stell dir vor, jetzt haben sie nicht einmal Schüsseln für die armen Kerle – die müssen ihre Mützen hinhalten, und wenn der Brei in der Hast danebenfällt, werden sie weggestoßen. Ja, da sind welche mit Peitschen, die knallen sie auf die Hände und ins Gesicht, wenn der Andrang wie von vor Hunger wahnsinnigen Tieren wieder losbricht. Die Schüsse sind gefallen. Ich weiß nicht, ob sie getötet haben. – Das Elend ist so groß, kein menschliches Herz ist so groß, es ganz zu empfinden. Kann Gott, unser Herr Jesus, der so viel gelitten hat, es empfinden?</p>
<p>Wenn das Winseln aufhört, krame ich oft in meinem Versteck die lieben alten Fotos hervor: Da stehst du wieder mit dem bunten Kopftuch vor unserer strohbedeckten Kate, und es ist Frühling und deine Augen reden mir von Liebe. Oder Vater, wie er in seinem bunten Kittel den Panjekarren zieht –  wie ein Ochs. Was haben die Russen uns angetan, als sie Vater abholten! Erst die Russen und jetzt die Deutschen! Und wie hatten wir gehofft, sie würden uns nach dem Schrecken und dem großen</p>
<p>Hunger bessere Tage bringen! Ach, wir sind doch bloß ein schwaches kleines Bauernvolk, für die Großen nur ein Stiefelknecht, eine Schmeißfliege, die man verscheucht!</p>
<p>Mein liebes Schwesterherz, es gibt in der Wildnis auch ein Gärtchen: Heute habe ich einen Freund gefunden. Ein russischer Künstler. Er macht so schöne Zeichnungen, von Bauern aus dem Dorf, von dem neuen Küchenmeister hier in Kritschew, dem Konrad, hat er eine gemacht – und schau mal, auch von mir. Ja, staune, meine Gute, so sehe ich jetzt aus. Erkennst du noch dein Brüderchen? Bin wohl etwas mager geworden, und in den Rock gehe ich zweimal rein. Und siehst du auch, was ich um den Hals trage? Ja, es ist der Rosenkranz, den du mir beim Abschied in die Hand gedrückt hast.</p>
<p>Liebste Schwesterseele, ich liege im Stall und schaue durch eine Luke in das Glitzern der Nacht. So fern über uns ist ein geheimnisvolles Licht ausgestreut. Sind es gefrorene Tränen oder die leuchtenden Blüten einer anderen Welt, die rein ist, nicht besudelt von Schuld? Bin ich denn ein Sünder, der die Schönheit des höheren Lebens mit den Augen der Seele gar nicht betasten darf? Ich habe zu essen, Schwesterherz, sei ohne Sorge. Mir gibt der Major immer gute Bissen ab. Ich ja, aber die vielen, die so vielen, die allzu vielen, die Gefangenen, sie hungern, und weil sie hungern, fluchen sie, verfluchen die Schönheit, das Leben, Gott den Herrn.</p>
<p>Heute kamen Polizisten in langen schwarzen Ledermänteln ins Lager. Sie haben scharfe Augen. Sie sehen, wer du bist, keiner kann sich verstecken. Und wen sie erkennen, der zittert. Wen sie erkennen, den stoßen sie mit den Gewehrkolben aus der Reihe und führen ihn ab. Ich habe gesehen, wie sie draußen vor dem Lager auf der Wiese die Leute zwangen, sich nackt auszuziehen. Wie haben sie sich geschämt, wie haben sie gebibbert in der schneidenden Kälte. Der Kommandant sagte: Er kann nichts machen. Das sind Juden. Und wie schlägt mein Herz, wie vor einem schwarzen Abgrund: Mein Freund, der Künstler, den haben sie auch geholt. Gott sei ihren armen Seelen gnädig!</p>
<p>Liebes Schwesterherz, unser Herr sagt, leben werden, die schon gestorben sind. Aber hier sind, die leben, als wären sie schon gestorben. Und die Sonne, die liebe Sonne, ist jetzt eine Todesfackel. Und brennt auch weiter in der tiefsten Nacht. Der Tod frisst wie das böse Tier der Apokalypse an den Gliedmaßen der Lebenden. Der Tod frisst sich mit dem scharfen Frost durch die Hände und Füße der Gefangenen, und die Gliedmaßen faulen. Die Gefangenen liegen auf nacktem Boden, sie sind in ihren Erdlöchern vergraben. Da sind sie aufgebahrt und tun bloß so, als würden sie atmen. Erinnerst du dich an die Erdhöhle, die wir gruben, damals in der Sommernacht, neben dem Kirschbaum im Garten, und die Kirschen leuchteten im Sternlicht wie kostbare Tropfen Bluts? Da haben wir unser Heiligstes vergraben, unsere Ikone, unseren Glauben. Den Glauben an die Auferstehung. –  Heute hat man Leichen ausgegraben: denen waren die Weichteile herausgesägt. Jetzt suchen sie nach den Kannibalen. Der Kommandant sagt, die werden erschossen. –  Ich weiß gar nicht mehr, wer nährt sich von was? Das Leben vom Tod, der Tod vom Leben?</p>
<p>Schwesterherz, es wird ja Sommer und im Lager wird der Geruch von Krankheit und Verwesung süßlich mit den hereingeschneiten Blüten. Geh doch jetzt abends für mich in unseren Garten zu den Fliederbüschen und atme den wunderbaren Duft ein – und dann denke in die Ferne, ins Ungewisse, denke an mich.</p>
<p>Heute Nacht rief der Kommandant nach mir. Er konnte wieder mal nicht schlafen. Wälzt sich wohl immerfort zwischen den Wogen, die das Gewissen aufpeitscht. Er hat ja am Tag gesehen, wie sie das schöne Minsk in Schutt und Asche gelegt haben. Da musste ich ihm ukrainische Lieder singen. Und ich habe gesungen, alles was wir Kinder gesungen haben, auch die Osterlieder. Ich habe lange gesungen, für dich, für Mama, für Vater. – Und schließlich ist er eingenickt.</p>
<p>Heute ist Sonntag und ich konnte mich wegschleichen zu unserem Dnjepr. Da bin ich hinausgeschwommen und hörte im Rauschen und Glucksen des Wassers deine liebe Stimme, wie du nach mir riefst, Schwesterherz. Dann bin ich getaucht und es war so still, wie damals in unserer Stube, wenn wir abends das Licht vor der Ikone angezündet haben. –  Da stieß ich plötzlich an etwas Weiches und erschrak, tauchte auf und sah wie ein Gespenst die Leiche eines jungen Mädchens auf dem Wasser treiben. Sie war ganz aufgedunsen, die Augen waren aufgerissen und der Mund so schief. Wie hatte ich Angst, das könntest du sein, Schwester! Da bin ich schnell ans Ufer, lief durch das Schilf, dass es meine Beine blutig riss. Du, zünde doch eine Kerze an vor dem heiligen Bild, Liebe, und bete für uns, dass wir uns wiedersehen.</p>
<p>Heute habe ich den feisten Major gebadet und seinen Schädel glattrasiert. Sein Leib glänzt und bläht sich wie eine Made, die im Speck versinkt. Was habe ich nicht alles schon für ihn gekocht. Braten und Fisch, Palatschinken und Spargel, Wildbret und Bratkartoffeln und die vielen Torten und Kuchen – alles schlingt er in sich hinein. Gestern fuhr er nach Charkow und nahm für unterwegs eine Riesenkeule Schinken mit.</p>
<p>Schwesterherz, hast du es schon bemerkt: Jedes Schicksal hat sein Tier. Die Gefangenen haben ihre Läuse &#8211; giftige Läuse, viele, sehr viele bekommen Flecken und Ausschlag von dem Gift, im Fieberwahn irren sie durchs Lager und halbtot schon schreien sie noch letzte Flüche den Lebenden nach. - Der Major hat seine Mäuse, oft höre ich es nachts rumpeln auf seiner Stube. Es ist kein Gespenst, nein, der hohe Herr geht seiner Jagdleidenschaft nach. Am Morgen erzählt er mir stolz, wie viele seiner Erzfeinde er wieder erlegt hat.</p>
<p>Der Kommandant isst nicht, weil er Hunger hat, Hunger haben andere. Schwitzend und bis ihm Tränen kommen schlingt er. Der Major isst für Großdeutschland, als würde es nur groß bleiben, wenn er mehr und mehr Fett ansetzt. – Oder muss er doppelt schaufeln, für sich und den Gewissenswurm in ihm, der unerlösbar ist wie die Schlange des Paradieses? Die kann ja nur ein göttlicher Fuß zertreten.</p>
<p>Es kam die Nachricht, dass Konrad an Typhus verstarb. Eine gute Seele. Vielleicht bekomme ich seine Bibel. – Jetzt verstehe ich, dass die Läuse kein Vaterland achten und der Tod die wahre Internationale ist, die die Völker eint.</p>
<p>Gestern fand ich beim Aufräumen eine dicke Wanze im Bett des Majors. – Wenn alles zerfällt, mitten im Rasen der letzten Schlachten, haben es sich die wahren Sieger schon gemütlich gemacht.</p>
<p>Liebste Schwester, alles ging sehr schnell. Das Lager wird aufgelöst. Tag und Nacht hörte ich das Grollen der näher rückenden Front und wusste nicht, soll ich mich freuen oder fürchten. &#8211; Gestern habe ich Abschied genommen vom Kommandanten, er stand schon vor dem Flugzeug, mit dem sie ihn rausholten. Eigentlich wollte ich ihm zum Andenken den Biberpelz schenken, damit er den Frost dieser Zeit nicht vergisst. Es waren doch schwere Schicksalsjahre, die uns festhielten, er auf dem einen, ich auf dem anderen Ufer. Habe es aber doch nicht getan. Er schaute schon wie abwesend, aber seine Händedruck war fest und warm. – Werde ich dich bald umarmen? Gehen wir dann ein Stück Wegs zusammen? Aber wohin?</p>
<p>__________________________________________</p>
<p>Diese poetischen Texte in der Form von Fragmenten fiktiver Briefe entstanden im Zusammenhang mit der Produktion des Radiofeatures „Verlaufsprotokoll einer Katastrophe – Aus dem Tagebuch eines Lagerkommandanten“ für den WDR 3 im Jahre 2009, hergestellt von Anja Krug-Metzinger. Das Feature fußt auf den minutiösen Aufzeichnungen des Tagebuchs von Johannes Gutschmidt, eines einzigartigen historischen Dokuments über das Kriegsgeschehen vor Ort. Der Historiker Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte in München hat sich dieses Dokumentes angenommen und es gedeutet. Christian Hartmann stand der Produktion des Features beratend zur Seite.</p>
<p>Major Gutschmidt, kein Nazi, sondern ein alter kaisertreuer Offizier, organisierte während des Ostkriegs in Polen, Weißrussland und der Ukraine für die deutsche Armee sogenannte Durchgangslager, in denen die Heerscharen der sowjetischen Kriegsgefangenen gesammelt, registriert und versorgt wurden. Von hier aus wurden sie zu anderen Lagern oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland weiterverbracht. Hunger, Durst, Erfrierungen, epidemische Krankheiten, Entwürdigungen: Das waren die alltäglichen Schrecken. Obwohl Johannes Gutschmidt alles Denkbare unternahm, seine Gefangenen zu versorgen und medizinisch zu betreuen und bei guter Versorgungslage sogar viel an die Bevölkerung der umliegenden russischen und ukrainischen Dörfer, vor allem an die Kinder, abgab, blieb sein guter Wille gegen die Macht des Schicksals letztlich ohnmächtig und sein ganzes Wirken als Offizier verstrickt in die Herrschaft des verbrecherischen Regimes.</p>
<p>Victor ist der Bursche des Majors, der für sein leibliches Wohl sorgt, ihn bekocht und badet, rasiert und wenn es sein muss sogar in den Schlaf singt. Die Figur ist historisch belegt: Er stammte aus der Ukraine, der Vater wurde unter Stalin in den Gulag verschleppt. Die Briefe an die Schwester sind fiktiv.</p>
<p>Der erwähnte Konrad ist Konrad Jarausch. Er war ein feinsinniger Humanist und evangelischer Religionslehrer, der während seines Kriegseinsatzes in ein Durchgangslager (Dulag 203) versetzt wurde, das von Major Gutschmidt verwaltet wurde. Hier erlag er 1942 dem Fleckfieber, das schon zahllose Mitgefangene dahingerafft hatte. Jarauschs Sohn gab im Jahre 2008 zusammen mit Klaus Jochen Arnold im Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, die Feldpostkarten seines Vaters unter dem Titel „Das stille Sterben“ Feldpostbriefe von Konrad Jarausch aus Polen und Russland 1939– 1942 heraus.</p>
<p>Anja Krug-Metzinger hat im Jahre 2010 für ARTE eine Filmversion des Stoffes unter dem Titel „Tagebuch eines Lagerkommandanten“ produziert.</p>
<p>Zum Radiofeature siehe: <a title="http://www.krug-metzinger.de/site/Tagebuch.html" href="http://www.krug-metzinger.de/site/Tagebuch.html">http://www.krug-metzinger.de/site/Tagebuch.html</a></p>
<p>Zu Konrad Jarausch siehe: <a href="http://www.sehepunkte.de/2010/09/15225.html">http://www.sehepunkte.de/2010/09/15225.html</a></p>
<p>Konrad H. Jarausch, Klaus Jochen Arnold (Herausgeber): „Das stille Sterben“. Feldpostbriefe von Konrad Jarausch aus Polen und Russland 1939– 1942. Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2008</p>
<p>Zu Christian Hartmann siehe: <a href="http://www.ifz-muenchen.de/christian_hartmann.html">http://www.ifz-muenchen.de/christian_hartmann.html</a></p>
<p>Zur Filmversion siehe: <a title="http://www.krug-metzinger.de/site/Verlaufsprotokoll-einer-Katastrophe.html" href="http://www.krug-metzinger.de/site/Verlaufsprotokoll-einer-Katastrophe.html">http://www.krug-metzinger.de/site/Verlaufsprotokoll-einer-Katastrophe.html</a></p>
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		<item>
		<title>Brennende Feder &#8212; sehendes Herz</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/die-gefiederte-schlange/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/die-gefiederte-schlange/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 14:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Radiofeature und TV-Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Brennende Feder - sehendes Herz Gedichtzyklus für Nan Cuz eine deutsch-indianische Malerin Radiofeature WDR3 Anja Krug-Metzinger]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die gefiederte Schlange Nan Cuz gewidmet, der Heimgekehrten Schrecklich springt mein Herz, immer muss ich starren auf das grüne Feuer, immer muss ich lauschen auf das singende Feuer. Ich sehe und meine Augen sind zu, ich fühle und meine Hand ist leer, ich höre und mein Ohr ist ein Nest für tausend krabbelnde Tiere. Mein [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/die-gefiederte-schlange/">Brennende Feder &#8212; sehendes Herz</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die gefiederte Schlange</strong></p>
<p><em>Nan Cuz gewidmet, der Heimgekehrten</em></p>
<p>Schrecklich springt mein Herz,<br />
immer muss ich starren<br />
auf das grüne Feuer,<br />
immer muss ich lauschen<br />
auf das singende Feuer.</p>
<p>Ich sehe und meine Augen sind zu,<br />
ich fühle und meine Hand ist leer,<br />
ich höre und mein Ohr ist ein Nest<br />
für tausend krabbelnde Tiere.</p>
<p>Mein Dorf ist unter grünem Glas erstickt.<br />
Die Stimmen der Lieben sind Geisterstimmen.<br />
Ein Schleier verhüllt die Wege,<br />
das Gesicht der Mutter verblasst.</p>
<p>Der große Schamane hat mich geweckt,<br />
barfuß, wie ich bin, mit losem Haar,<br />
hier mich auf das Moos der Urwelt gestellt.<br />
Betet für mich, Götter!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die gefiederte Schlange</strong></p>
<p>Als ich den grünen Tempel sah,<br />
sprang mir ein Federbällchen aus dem Mund.<br />
Bin ich schon in der anderen Welt,<br />
wo Gedanken wie Tropfen glänzen?</p>
<p>Was würgt ein fremder Gott in mir?<br />
Federn brennen, ritzen meinen Mund.<br />
Federn brennen, kitzeln meine Kehle.<br />
Schlangenzunge ist nun meine Zunge.</p>
<p>Sie leckt nach Licht, ich presse, beiße<br />
den Schlangenkopf mit meinen Lippen.<br />
Ich habe Angst und muss das Fremde küssen.<br />
Es stürzt aus mir hinaus ins Freie.</p>
<p>Da thront die Schlange mit dem Federbusch<br />
und plustert sich hinauf ins Himmelslicht.<br />
„Wo bin ich, Vater?“ – „Im Reiche des Mescal.“ –<br />
„Dann gibt`s für mich kein Gestern und kein Morgen? –</p>
<p>Du schweigst? – Ich soll dich nichts mehr fragen?“ –<br />
„Kein Fragen hilft, kein Weinen nach der Mutter.<br />
Die Tränen sind schon Heimat, neues Leben,<br />
so wie der Glanz des Taus es ist für Blumen.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Insel der Dichter</strong></p>
<p>Dort seh ich eine runde Insel.<br />
Sie liegt in einem Wasser,<br />
das man nicht trinken kann,<br />
das keine Wolken spiegelt.</p>
<p>Die Insel schwebt und dreht sich<br />
leise wie ein großes Blatt.<br />
Die Bäume dort, wie sie sich im Winde<br />
wiegen und winken mit den Ästen!</p>
<p>Winken mir zu: „Komm zu uns,<br />
hier kannst du unter warmem Laub<br />
dich in die Stille knien!“<br />
Ist dort mein Schicksalsort?</p>
<p>Ach nein, es sind ja wirklich Hände,<br />
die da winken, sind echte Menschen,<br />
wie schlafend lehnen Wange sie an Wang,<br />
und wie ertrinkend winken sie.</p>
<p>Doch gar nicht mir – es ist das Singen<br />
eines großen Schwans, der schwebt herab<br />
vom Mond und biegt wie Gräser<br />
die Menschen in ein wehes Sehnen.</p>
<p>Die Menschen auf dem Inselreich,<br />
das sie Dichtung nennen oder Seelentrost,<br />
sie träumen sich und mich wie den Gesang<br />
des Schwans und seinen sanften Tod.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Sorgenkaiser</strong></p>
<p>Er torkelt auf tausend Wünschelruten,<br />
Weltbeherrscher, Sorgenkaiser.<br />
Wasserköpfig quillt und schwillt er<br />
von Wissen, von herzlosem Wissen.</p>
<p>Wie alt ich sei, wie groß?<br />
Ob schön, ob Mauerblümchen?<br />
Wann käm zu mir die Natter Tod?<br />
Und ob ich schlürfen könnt das Morgenrot?</p>
<p>Der Kaiser schwingt die Peitsche<br />
um den Hals der Menschenkinder –<br />
ihre Seelen tun wie Kreisel,<br />
die ihr dunkles Weh austönen.</p>
<p>Mein Herz liegt wohl geborgen<br />
unterm Moos des Weltenbaums –<br />
im Wipfel singt Quetzal, mein Vogel,<br />
selbstvergessen singt es mit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mit Geistern</strong></p>
<p>Mit den Geistern sprach ich –<br />
und schweigen durft ich unter Blüten.<br />
In den Gräsern las ich:<br />
Lieben ist die Liebe hüten.</p>
<p>Unterm Mondmal schlief ich,<br />
und mit Tränen kam das Träumen.<br />
Meine Toten standen um mich,<br />
keines Wort durft ich versäumen.</p>
<p>Lichtgezwitscher weckte mich –<br />
Nacht und Nachtgespinst verglühten.<br />
Unter goldnen Wolken sang ich:<br />
Lieben ist die Liebe hüten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Letzte Verwandlung</strong></p>
<p>Wann die Zeit reif ist –<br />
reif wie die Früchte, die platzen –<br />
weiß allein die gefiederte Schlange,<br />
weiß allein Quetzalkoatl.</p>
<p>Alles, was ich bis dahin gesammelt<br />
an lieben Bildern, an Opfergaben,<br />
schwebt im Goldnest der Seele<br />
hoch überm Atitlansee.</p>
<p>Quetzal, der Göttervogel, kommt,<br />
sein Gefieder höre ich rauschen.<br />
Ich bin nur noch Zittern nach Ferne,<br />
als würden die Träume jetzt flügge.</p>
<p>Mit heißem Schnabel zerpflückt er<br />
das Nest, die Bilder zerstieben.<br />
Die Rätsel des Lebens verlöschen<br />
im Schwarzblau des Sees.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Rückkehr</strong></p>
<p>Ich war im Tempel des Mescal,<br />
wo tausend lichte Korridore<br />
in tausend neue Tempel münden.<br />
Die Säulen stimmen sich zum Chore<br />
im Sonnentempel des Mescal.</p>
<p>In abertausend Tempel münden<br />
die krummen und die graden Pfade,<br />
wo Zeit verweht in Ewigkeit.<br />
Was in Herzen brennt um Gnade,<br />
will in diesen Tempel münden.</p>
<p>Die Zeit verweht in Ewigkeit,<br />
wenn tote Seelen auferstehen,<br />
Hände sehen, Augen fühlen,<br />
Kinder mit den Engeln gehen<br />
auf dem Teppich Ewigkeit.</p>
<p>Hände sehen, Augen fühlen,<br />
und ich kehre heim ins Schweigen.<br />
Ich war im Tempel des Mescal.<br />
Den Betrübten kann ich zeigen<br />
Sterne, die die Wunden kühlen.</p>
<p>Ich war im Tempel des Mescal,<br />
Frucht aus lauter Liebesdingen,<br />
keimst du auf aus Mütterblicken,<br />
blühst, wenn Blick in Blicke dringen,<br />
reifst an Blitzen des Mescal.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>________________________________</p>
<p>Diese Gedichte entstanden im Zusammenhang der Produktion eines Radiofeatures mit dem Titel „Brennende Feder. Sehendes Herz – Nan Cuz, eine deutsch-indianische Malerin“ für den WDR 3 im Jahre 2007 über das Leben der Malerin Nan Cuz, deren Vater als Hamburger Kaufmann in Guatemala tätig war, und sie später, als seine Ehe mit einer Deutschen kinderlos blieb, in seine Heimat bringen ließ. Die kleine Nan muss zum ersten Mal in ihrem Leben Schuhe tragen und wird Irmgard gerufen. Das Mischlingskind verbringt seine Kindheit und Jugend in einer gutsituierten hanseatischen Familie. Dann verliebt sie sich in den eigenwilligen Maler und Schriftsteller Georg Schäfer, mit dem sie im Jahre 1968 das legendäre Buch „Im Reiche des Mescal“ veröffentlicht, ein modernes Märchen, fußend auf den Mythen der Maya und dem Tibetanischen Totenbuch, mit Texten von Georg Schäfer und Illustrationen von Nan Cuz. Es wird ein Kultbuch der Hippiebewegung. Das Bild „Die Madonna von Guatemala“ macht Nan Cuz in den 50er Jahren berühmt, es folgen Ausstellungen in ganz Europa. 1971 kehrt Nan Cuz nach Guatemala und ihren indianischen Wurzeln zurück.<br />
Anja Krug-Metzinger hat unter dem Titel „Brennende Feder. Sehendes Herz – Nan Cuz, eine deutsch-indianische Malerin“ im Jahre 2008 für Radio Bremen und ARTE 2008 einen Dokumentarfilm über das Leben der Malerin gedreht.</p>
<p>Zum Radiofeature siehe: <a href="http://www.krug-metzinger.de/site/Nan-Cuz.html">http://www.krug-metzinger.de/site/Nan-Cuz.html</a><br />
Zum Film über Nan Cuz siehe: <a href="http://www.krug-metzinger.de/site/Brennende-Feder.html">http://www.krug-metzinger.de/site/Brennende-Feder.html</a><br />
Zu Georg Schäfer siehe: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schaefer">http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schaefer</a></p>
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