<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Bedeutung</title>
	<atom:link href="http://www.luxautumnalis.de/tag/bedeutung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.luxautumnalis.de</link>
	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
	<lastBuildDate>Sat, 25 Apr 2026 11:21:47 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
		<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
		<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=3.9.40</generator>
	<item>
		<title>Logische Schneisen V</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-v/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-v/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2014 17:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Hermeneutik]]></category>
		<category><![CDATA[Kriterium]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.luxautumnalis.de/?p=3174</guid>
		<description><![CDATA[<p>Sprache und Bewusstsein verbinden sich im Ausdruck des Gedankens. Wenn du an etwas denkst, musst du in der Lage sein, auf die Frage „Woran denkst du gerade?“ mit einem Satz deinen Gedanken auszudrücken. Gedanken sind nicht irisierende Reflexe auf dem sogenannten Strom des Bewusstseins – ein Bild, das in die Irre führt. Gedanken sind mögliche [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-v/">Logische Schneisen V</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sprache und Bewusstsein verbinden sich im Ausdruck des Gedankens. Wenn du an etwas denkst, musst du in der Lage sein, auf die Frage „Woran denkst du gerade?“ mit einem Satz deinen Gedanken auszudrücken.</p>
<p>Gedanken sind nicht irisierende Reflexe auf dem sogenannten Strom des Bewusstseins – ein Bild, das in die Irre führt. Gedanken sind mögliche Sätze, die du mir und jedem beliebigen anderen aus deiner Sprachgemeinschaft mitteilen kannst. Sätze aber sind öffentlich zugängliche Tatsachen, nicht im Innern des Bewusstseins eingeschlossene und verborgene seelische Vorkommnisse.</p>
<p>Wenn du mir sagst, deine gestrige Äußerung sei dir im Affekt herausgerutscht und sie tue dir leid, verstehe ich vollkommen, was du meinst und bin nicht genötigt, Psychoanalyse zu treiben. Insbesondere wäre es verfehlt, mein promptes und geradliniges Verstehen deiner Äußerung in ein hermeneutisches Abenteuer ohne Garantie der Wiederkehr umzumünzen. Ich fühle mich gar nicht versucht, an deine Äußerung wie der Arzt das Hörgerät an die Brust des Kranken anzulegen, um die versteckte, eigentliche Bedeutung deiner simplen Mitteilung zu auskultieren. Verstehen ist kein Entziffern oder eine Art mystischen Gedankenlesens. Verstehen ist kein Deuten von Symptomen, als wären deine Äußerungen den Flecken des Fieberkranken vergleichbar und der Befall mit Viren als wahre Ursache vergleichbar mit der methodisch eruierten eigentlichen Bedeutung eines Satzes.</p>
<p>Bedeutungen, der sprachliche Inhalt von Sätzen, sind keine Symptome einer verborgenen Wahrheit. Symptome haben Ursachen, Bedeutungen haben keine Ursachen. Körperliche Symptome wie die verdächtigen rötlichen Flecken auf der Haut haben gewiss körperliche Ursachen, zum Beispiel in einer Viruserkrankung. Den Symptomen kann man nicht unmittelbar ansehen, auf welche Ursache sie schließen lassen. Der Arzt bildet intuitiv eine Hypothese, er muss sie aber durch Hinzuziehen objektiver Untersuchungsmethoden wie der Analyse des Blutserums verifizieren.</p>
<p>Den Sinn des von mir geäußerten Satzes „Vergiss nicht, beim Bäcker vorbeizugehen und uns Kuchen mitzubringen!“ versteht du keineswegs, wenn du seine Bedeutung mittels Heranziehen von Hypothesen verifizierst. Es ist ja eine Aufforderung, das und das zu tun, und der Inhalt von Aufforderungen liegt in der immer ungewissen Zukunft, während Hypothesen nur durch in der Vergangenheit (und sei es auch die gerade abgeschlossene) liegende Ereignisse verifiziert werden können. Bedeutungen sind demnach keine Objekte, für deren Kenntnis wissenschaftliche Methoden der Hypothesenbildung und der Verifikation und Falsifikation von Hypothesen hinreichend wären.</p>
<p>Weder kann ein einzelner Mensch sich und der Welt bewusst sein noch ein einzelner Mensch die Sprache verwenden. Denn wenn sich Sprache und Bewusstsein im Ausdruck des Gedankens verbinden und Gedanken nicht Symptome eines verborgenen seelischen Zustandes, sondern öffentlich zugängliche Tatsachen darstellen, ist die Welt, in der wir leben, eine Welt der möglichen Mitteilung.</p>
<p>Du könntest als einsamer Robinson auf der Insel Nirgendwo die Schwelle zum Reich der Sprache und der Gedanken nicht überschreiten. Gedanken sind mögliche Satzäußerungen, Sätze behauptenden Charakters sind nur sinnvoll, wenn sie richtig oder unrichtig, wahr oder falsch sein können. Wie aber willst du als einsamer Robinson überprüfen, ob der Gedanke, dass es gestern auf der Insel geregnet hat, richtig oder falsch ist? Du meinst, es reiche aus, wenn du dich an dieses Wetterereignis deutlich erinnerst. Wenn du das Nachschlagen im Buch deiner Erinnerung, in den Annalen deiner subjektiven Erlebnisse, für das einzige Kriterium der Korrektheit deiner Erinnerungen ansiehst, gehst du arg in die Irre, wird dein Denken, dein Fassen von Gedanken, sinnlos. Denn du könntest auf die Frage, was dich sicher sein lässt, dass deine Erinnerung korrekt sei, nur antworten, dass du dich daran eben deutlich erinnerst. Erinnerungen sind eben auch Gedanken, und wie willst du entscheiden, ob sie richtig sind oder trügen, wenn du die Erinnerung als einziges Kriterium der Wahrheit zuließest?</p>
<p>Wenn Robinson an dem bewussten Regentag in sein Tagebuch schriebe „Heute, am 16. Mai 1664 hat es hier von drei bis vier Uhr nachmittags auf der Insel heftig geregnet“, hätte er seinem Gedanken die Form einer öffentlich zugänglichen Mitteilung gegeben. Würde ein gelehrter Freytag, ohne seine Bekanntschaft und ohne sein Wissen, also ohne Einfluss von Robinson Crusoe, seinerseits in sein Tagebuch dieselbe Eintragung machen, wären die beiden, begegneten sie sich endlich und plauderten gemütlich über ihre vergangenen Erlebnisse, um ein Kriterium der Wahrheit jener Äußerung nicht verlegen.</p>
<p>Gedanken sind virtuelle Miteilungen und als solche Teil des logischen Raumes der Bedeutung, der immer von mehr als einem Teilnehmer bewohnt wird. Woher weißt du aber, ob dein Bekannter deinen Gedanken, den du im Satz, dass es regne, äußerst, versteht? Du erkennst dies leicht daran, dass er, sobald ihr auf der Straße in hellem Sonnenschein angelangt seid, den schon aus der Tasche gekramten Regenschirm wieder einpackt und die ursprünglich von dir gemachte Äußerung, es regne, verneint.</p>
<p>Wenn das Bewusstsein der logische Raum ist, wo du Gedanken bildest, verbindest und durch Verneinungen trennst, kannst du daraus schließen, das Bewusstsein nicht der Name für eine geheimnisvoll im Verborgenen des Inneren hausende individuelle Seele ist.</p>
<p>Wenn du dich unbehaglich und verängstigt fühlst, kannst du auf die Frage deines mitfühlenden Freunds, ob es dir nicht gut gehe, wahrheitsgemäß antworten „Mir gehst es nicht besonders, ich fühle mich ängstlich.“ Dein Freund versteht die mitgeteilten sprachlichen Lautzeichen keineswegs als Symptome einer verborgenen Wahrheit, die er mittels einer speziellen hermeneutischen Methode umständlich zutage fördern müsste. Er versteht dich direkt und unmittelbar. Gedanken sind sprachlich oder gestisch objektivierbare Gebilde oder Strukturen im logischen Raum des Bewusstseins, das gleichsam über die Medien der leiblichen Gesten und Gebärden und der sprachlichen Verlautbarungen offen zutage tritt.</p>
<p>Auch komplexe Miteilungen müssen die Grenzen des Verstehens ja keineswegs überschreiten. So wenn du sagst: „Ich fühle mich seltsam, gleichzeitig ängstlich und doch zuversichtlich.“ Denn wir kennen und dulden Gefühlsmischungen von solcher und noch extravaganterer Art. Wenn du indes sagtest: „Ich fühle mich seltsam, ängstlich und gleichzeitig freudig erregt“, würde dein Freund nicht mitfühlend, sondern um deinen Geisteszustand besorgt schauen. Ähnlich wie der logische Raum oder die logischen Koordinaten unserer Farbbezeichnungen die gleichzeitige Anwendung der Farbbegriffe rot und grün zur Bezeichnung derselben Ortsstelle im Sehfeld nicht zulassen, limitieren die Klassifikationen unserer Gefühlsbegriffe wie Freude, Erstaunen, Angst, Ekel und Hass den Zeitraum ihrer Anwendung mittels eingeschränkter Möglichkeiten von Überschneidungen und klarer Vorschriften von Exklusionen. So lassen wir die Überschneidung von Erstaunen und Freude oder Erstaunen und Angst zu, schließen aber die von Freude und Angst oder Freude und Ekel aus.</p>
<p>„Dies ist kein Satz.“ Hier geraten nur Leute ins Stolpern oder in ein verfehltes metaphysisches Staunen oder Gruseln, die sich von der verzerrten und absurden logischen Struktur dieses Schein-Satzes blenden lassen. Mit dem Ausdruck „Dies ist &#8230;“ beginnen wir gewöhnlich eine hinweisende Definition wie „Dies ist eine rote Blume“ oder „Dies ist ein Kreis“. Wir können das Wort „Satz“ nur sinnvoll an die Stelle des generellen Terms einer Satzform rücken, wenn wir an die Subjektstelle nicht einen hinweisenden oder einen singulären Ausdruck, sondern einen ganzen Satz beziehungsweise ein Zeichen für einen Satz wie das Zeichen p setzen. Dann hieße die korrekte Aussage: „Rom ist die Hauptstadt Italiens“ ist ein Satz oder „p“ ist ein Satz.</p>
<p>Setze nun für p den scheinbaren Satz ein: „Die Wurzel aus 7 ist hungrig.“ Aufgrund des Wissens oder der logischen Einschränkung oder der axiomatischen Festsetzung, dass wir als gute und wohlgebildete Behauptungssätze nur sprachliche Gebilde akzeptieren, die sinnvoll sind und damit wahr oder falsch sein und die bejaht und verneint werden können, schließen wir rechtens, dass jener merkwürdig anmutende Satz „Die Wurzel aus 7 ist hungrig“ nur scheinbar ein Satz oder ein Schein-Satz, in Wahrheit gar kein echter oder sinnvoller Satz ist. Ein seiner logischen Form nach sinnloser Satz ist in Wahrheit kein wirklicher Satz oder kurz kein Satz.</p>
<p>Du kannst demgemäß sagen: Der sogenannte Satz „Die Wurzel aus 7 ist hungrig“ ist kein Satz. Setze nun für diesen Schein-Satz den ebenfalls nur scheinbaren Satz oder Schein-Satz „Dies ist kein Satz“ ein und du erhältst den vollkommen korrekten und überaus wahren Satz:</p>
<p>„Die ist kein Satz“ ist kein Satz.</p>
<p>Damit wäre alles gesagt und jede Verwirrung ausgeräumt.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-v/">Logische Schneisen V</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-v/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Logische Schneisen III</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iii/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iii/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 18 Jan 2014 13:13:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Evidenz]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[logische Grundbegriffe]]></category>
		<category><![CDATA[logische Grundsätze]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn]]></category>
		<category><![CDATA[System der Erfahrung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.luxautumnalis.de/?p=3154</guid>
		<description><![CDATA[<p>Aussagen, die du über deine augenblicklichen Empfindungen und Sinneswahrnehmungen machst, zum Beispiel: „Ich sehe in dieser Ecke einen roten Fleck“, sind evident – auch wenn du einer Täuschung unterlegen sein solltest und im physikalischen Sinne in jener Ecke kein roter Fleck ist, also von dort keine Lichtfrequenzen ausgestrahlt werden, die du als roten Fleck wahrnimmst. [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iii/">Logische Schneisen III</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aussagen, die du über deine augenblicklichen Empfindungen und Sinneswahrnehmungen machst, zum Beispiel: „Ich sehe in dieser Ecke einen roten Fleck“, sind evident – auch wenn du einer Täuschung unterlegen sein solltest und im physikalischen Sinne in jener Ecke kein roter Fleck ist, also von dort keine Lichtfrequenzen ausgestrahlt werden, die du als roten Fleck wahrnimmst. Die Evidenz wird klar, wenn du Sätze über deine Empfindungen und Wahrnehmungen mit „Mir scheint, dass p“ formulierst. Sätze dieser Art sind stets wahre Aussagen, und wenn du sie mit Datum und Ortsangabe versiehst, dann sind es wahre Sätze mit zeitlich und räumlich uneingeschränkter Geltung.</p>
<p>Der Satz „Ich glaube, dass der Mond aus Käse besteht“ ist ein wahrer Satz über deinen Bewusstseinszustand des Glaubens, während der Satz „Der Mond besteht aus Käse“ ein zwar sinnvoller, aber falscher Satz über die Beschaffenheit unseres Erdtrabanten darstellt.</p>
<p>Die Konjunktion „Der Mond besteht aus Käse und ich glaube nicht, dass der Mond aus Käse besteht“ ist nicht falsch, aber unsinnig – denn du kannst nicht sinnvoll den Inhalt deines Für-wahr-Haltens negieren, also nicht für wahr halten.</p>
<p>Sonnvolle Sätze mit Behauptungscharakter sind entweder wahr oder falsch; sinnlose Sätze sind nicht einmal falsch.</p>
<p>Der eine findet den vergrabenen Schatz auf der Insel anhand eines typographisch genauen Lageplans; der andere anhand einer minutiösen sprachlichen Beschreibung – man kann sagen, dass die Bedeutung dieser beiden Darstellungen identisch ist. Daraus folgt, dass ein und dieselbe Bedeutung in unterschiedliche Darstellungsmedien transformiert oder in unterschiedlichen Darstellungsmedien modelliert werden kann, ohne dass die Bedeutung, der Inhalt der Mitteilung und Darstellung, modifiziert würde.</p>
<p>Die Bedeutung von Wörtern ist die Permutation aller sinnvollen Sätze, in denen sie vorkommen können.</p>
<p>Weil die Permutation der Wörter in all den sinnvollen Sätzen, in denen sie vorkommen können, unendlich ist, ist die Identität der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke nicht vollständig definiert und abgegrenzt. Das ist nichts als der Reflex der trivialen Wahrheit, dass Sprache im Dienst des Lebens steht. Ein Rest von Vagheit bleibt. Aber damit können wir leben – sc. sprechen.</p>
<p>Das Bewusstsein ist eine Funktion, in der beliebige Erlebnisinhalte als Werte der Variable eingesetzt werden können – und immer resultiert ein wahrer Satz.</p>
<p>Wir können uns zwar eine Welt und also eine Welt des Bewusstseins denken, in der es keine Farben hat, aber keine Welt, in der ein Rotton als grünlich spezifiziert würde. Die Klassifikation der Farben liegt gleichsam im logischen Raum.</p>
<p>Aufgrund verfehlter Analogien gerätst du in die Fallstricke falscher oder unsinniger Fragestellungen. Du hältst einen des Bewusstseins gänzlich ermangelnden physischen Gegenstand wie einen Stein neben die psychische Tatsache, dass sich all deine Erlebnisse wie konzentrische Kreise um den Mittelpunkt deines Ego ordnen – und stolperst prompt in die Frage, wie denn die eine Tatsache mit der anderen zusammenstimmen könne, wie ein Kontinuum die Welt des Toten und die Welt des Lebendig-Bewussten verknüpfend durchziehen könne. Du bist vollends verstrickt mit der Frage, wie sich aus der Welt bewusstloser physischer Objekte die Welt erlebniszentrierter Egos zu entwickeln vermöchte. Und weiter ins Gestrüpp: Mittels welcher evolutionärer Mechanismen könne dies wohl geschehen sein, oder handele es sich um unüberbrückbare Seinsweisen, und das Bewusstsein wäre am Ende ein unerhörtes, mein  und dein Bewusstsein quälendes Rätsel im Reich des Unbewussten?</p>
<p>Wir unterscheiden: Erstens triviale, unproblematische Begriffe oder Alltagsbegriffe, die wir fraglos und problemlos verwenden: „Bring uns doch zwei Stück Kuchen vom Bäcker mit“ oder „Übermorgen nehmen wir den Zug nach Wien“ – unser Alltagsverstand und unser Schulwissen reichen aus, um Begriffe wie „zwei Stück“ oder „Wien“ zu definieren oder zu beschreiben.</p>
<p>Zweites gibt es extrem viele nichttriviale, unproblematische Begriffe, die wir nur so obenhin und so lala gebrauchen wie Quarks, Quantenrechner, Photonenstrahl, Ionisation, aber auch Molekül, Boson, Kristall, DNA, Quasar oder Perm und Karbon oder auch Zahl, Reihe und Menge, deren exakte Definition und Beschreibung ein hohes Maß an Expertenwissen erfordern. Wir gebrauchen sie aber meist ohne Not und Gewissensbisse, weil wir, in Bedrängnis geraten durch unleidliche oder neugierige Zeitgenossen mit ihren zudringlichen Fragen, immer irgendwo einen Experten auftreiben können, der uns aus der Klemme hilft.</p>
<p>Drittes haben wir uns an den unbefragten Gebrauch nichttrivialer, aber sinnloser Begriffe gewöhnt, Rudimente und Sedimente untergegangener und verschütteter Mythologien wie Urstoff, Materie, Lebenskraft, Äther, Gleichzeitigkeit oder Reflexe epidemisch virulenter zeitgenössischer Ideologien wie Phallozentrismus, Alterität, Dekonstruktion, die wir bloß ironisch oder gelegentlich poetisch verwenden oder aus unserem Wörterbuch streichen sollten.</p>
<p>Viertens verwenden oder stoßen wir auf wenige triviale, aber problematische Begriffe, die wir Grundbegriffe, Basisbegriffe oder apriorische und axiomatische Begriffe nennen wie Ich, Selbst, etwas, Gegenstand, Körper, Raum-Zeit, Bewusstsein, Sprache, Bedeutung, Sinn, Wahrheit und Falschheit. Sie sind trivial, weil wir sie umstandslos verwenden, problematisch aber, insofern wir ihre Definition und Erklärung nicht auf Anhieb angeben können, auch wenn wir zurecht das vage Gefühl haben, dass ohne sie das System unserer Erfahrung augenblicks zusammenbrechen würde. Sie fungieren nämlich gleichsam als Gelenke des gesamten Systems der Erfahrung, durch welche der Gebrauch aller anderen Begriffe mit Sinn, Gehalt und Struktur begabt und versehen wird.</p>
<p>Vernunft ist die Harmonie, die konsistente und kohärente Anwendung, der logischen Grundbegriffe und logischen Grundsätze wie des Satzes der Identität oder des Satzes vom Widerspruch auf das gesamte System unserer Erfahrung. Die Vernunft ist die Ordnung unserer Erfahrung gemäß den logischen Grundbegriffen und Grundsätzen.</p>
<p>Die Vernunft kann sich und ihr Gegenteil, den Wahnsinn, umfassen und erklären, nicht aber umgekehrt – der Wahnsinn steht fassungslos vor der Vernunft.</p>
<p>Logische Grundbegriffe und Grundsätze begrenzen den logischen Raum von innen – sie bilden eine Art Muster, das in den nach ihm gemodelten und gefertigten Einzelstücken, den einzelnen Sätzen, exemplifiziert wird.</p>
<p>Die basale Exemplifikation des Begriffs etwas oder Gegenstand ist der Körper.</p>
<p>Wir reden gewöhnlich nicht von Gegenständen als von Körpern, sondern sagen etwas über diesen Tisch, deinen Fuß, mein Fahrrad oder die Tatsache, dass es regnet. Aber in all solchen Sätzen haben wir die Regeln über die korrekte Verwendung der Grundbegriffe und Grundsätze in unserem System der Erfahrung mit Körpern vorausgesetzt und exemplifiziert. Wir wissen, dass Körper im trivialen Sinne mit gewissen phänomenalen Eigenschaften wie Festigkeit, Plastizität, Starre oder Dehnbarkeit, mehr oder weniger genauen Grenzen, Größe, Gewicht, Farben usw. in unserem Wahrnehmungsraum auftauchen, verharren, sich bewegen, verschwinden.</p>
<p>Wir wissen aber auch, dass Körper physikalische Eigenschaften haben, die in unseren Wahrnehmungsraum sich nicht vollständig einfügen und darin nicht vollständig erfassen lassen, wie die relative Konstanz ihrer Dingform. Wir erwarten zurecht, dass der Hund, der jetzt hinter dem Gebüsch aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, gleich wieder aufkreuzen wird, und gehen nicht davon aus, dass er in der Zwischenzeit seiner Unsichtbarkeit für uns sich in Luft aufgelöst und in unser Gesichtsfeld eintretend sich wieder materialisiert hat. Wir stopfen die Lücke in unserem Wahrnehmungsfeld mit der einfacheren Hypothese über die relative Konstanz des Körpers bei seinen Bewegungen durch die Raum-Zeit.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iii/">Logische Schneisen III</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-iii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Philosophieren XLIII</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xliii/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xliii/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 14:58:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[denken]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Unsinn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://luxautumnalis.wordpress.com/?p=2128</guid>
		<description><![CDATA[<p>Wenn du mir etwas mitteilst, will ich dir gerne unterstellen, es sei etwas Sinnhaftes und Bedeutungsvolles, was du mir sagen und bedeuten willst – schließlich bist du keiner aus jener Gilde der Philosophen, bei denen man mit allem rechnen muss. Du sagst zu mir zum Beispiel: „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xliii/">Philosophieren XLIII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn du mir etwas mitteilst, will ich dir gerne unterstellen, es sei etwas Sinnhaftes und Bedeutungsvolles, was du mir sagen und bedeuten willst – schließlich bist du keiner aus jener Gilde der Philosophen, bei denen man mit allem rechnen muss. Du sagst zu mir zum Beispiel: „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist blau.“</p>
<p>Gewiss wirst du den Satz unter den geeigneten und passenden Umständen äußern und nicht, wenn wir in einem Weinkeller unter geschlossen-düsterem Gewölbe hocken oder wenn der Himmel schwarz von Gewitterwolken ist. Ich unterstelle dir also auch, dass deine Wahrnehmungen gut funktionieren, wenn ich dir unterstelle, mir eine sinnvolle Mitteilung dieser Art gemacht oder ein richtiges Wahrnehmungsurteil gefällt zu haben.</p>
<p>Betrachten wir den Satz genauer und nehmen zunächst den Teil nach dem Komma unter die Lupe. Du siehst gleich, dass es sich eigentlich um zwei mittels der Konjunktion „und“ verbundene Einzelsätze handelt. Wir kürzen sie mit den Buchstaben p und q ab. Mit jedem Satz p und q hast du mir eine Tatsache mitgeteilt, einmal die Tatsache, dass sich das Gewitter verzogen hat, sodann die Tatsache, dass der Himmel blau ist. Wir nennen den Sprechakt, mit dem wir Tatsachen mitteilen, beurteilen oder kurz urteilen und das Ergebnis solcher Sprechakte schlicht und ergreifend ein Urteil. Urteile haben die interessante Eigenschaft, richtig oder unrichtig, wahr oder falsch sein zu können.</p>
<p>Wenn wir zwei Sätze mit den möglichen Wahrheitswerten wahr und falsch durch eine Kopula verbinden, kann der Fall eintreten, dass ein Satz wahr, ein anderer falsch, beide wahr oder beide falsch sind. Wenn es jetzt der Fall ist, dass der Himmel zwar blau ist, aber auch zuvor blau war und also sich kein Gewitter verzogen hat, ist der erste Satz falsch und der zweite wahr. Wenn es weder ein Gewitter gegeben hat und der Himmel durch die Abendröte rot erscheint, sind beide Sätze falsch. Es ist klar, dass die Summe beider Sätze in der Verknüpfung durch die Kopula nur wahr sein kann, wenn beide Teilsätze es sind, in allen anderen Fällen ist der Gesamtsatz falsch.</p>
<p>Nunmehr entdecken wir eine weitere Unterstellung, die wir vornehmen, wenn wir annehmen, du habest uns etwas Sinnvolles mitgeteilt: Wir unterstellen dir, dass du weißt oder zu wissen glaubst, kurz: davon überzeugt bist, dass deine Mitteilung richtig oder der von dir mitgeteilte Inhalt des Satzes wahr ist. Würden wir dir nämlich unterstellen, dass du davon überzeugt wärest, dass der Inhalt deiner Mitteilung, also einer der durch die Kopula verknüpften Teilsätze oder beide Teilsätze unwahr wären, müssten wir dir unterstellen, dass du uns nicht die Wahrheit sagen, sondern uns belügen wolltest. Auch wenn diese unschöne Unterstellung zuträfe, wäre der von dir geäußerte Satz sinn- und bedeutungsvoll, denn es wäre derselbe Satz wie der ursprüngliche Satz, den du geäußert hast, um uns eine Wahrheit mitzuteilen – und dieser galt uns ja als sinn- und bedeutungsvoller Satz.</p>
<p>Wolltest du den Satz „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist blau“ äußeren, um uns an der Nase herumzuführen und uns zu belügen, wäre vorausgesetzt, dass das Gegenteil oder die Negation der von dir mitgeteilten Sachverhalte in Wahrheit zuträfen, als Werteverteilung für die Teilsätze also „nicht p und q“ oder „p und nicht q“ oder „nicht p und nicht q“ beziehungsweise „nicht (p und q)“ in Frage käme. Das aber hieße, im Moment, da du den unwahren Satz äußertest, hätte es gar kein Gewitter gegeben und der Himmel wäre blau oder das Gewitter hätte sich verzogen und der Himmel wäre nicht blau oder weder hätte es ein Gewitter gegeben noch wäre der Himmel blau. Wir haben allerdings selbst Augen im Kopf und haben gesehen, dass es kein Gewitter gegeben hat und der Himmel blau strahlt, oder wir sehen, dass sich das Gewitter verzogen hat, aber der Himmel immer noch grau ist, oder wir sehen, dass es weder ein Gewitter gegeben hat und der Himmel sich in der Abenddämmerung rötet. Wir sehen also, dass was du behauptest nicht der Fall ist, und wissen augenblicks, dass du uns hast verballhornen wollen. Das Beispiel erweist en passant, dass Lügen allzu kurze Beine haben, wenn sie sich nicht unter gleichsam undurchsichtigen Umständen und Bedingungen verstecken können – jedenfalls schlecht funktionieren, wenn der Lügner und sein Gegenüber die gleichen Wahrnehmungs- und Urteilsbedingungen teilen.</p>
<p>Bleiben wir bei dem Normalfall einer trivialen Mitteilung von wahren Sätzen der genannten Art. Die Sätze „Das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist blau“ können wir grammatisch in ein temporales oder ein kausales Gefüge transformieren, indem wir sagen: „Nachdem sich das Gewitter verzogen hat, ist der Himmel blau“ und „Weil sich das Gewitter verzogen hat, ist der Himmel blau“. Der Haupt- und Elementarsatz „Der Himmel ist blau“ spricht einem Gegenstand eine Farbe zu. Wir können diese Grundform des Urteils abkürzen mit der Formel Fx, womit wir dem Gegenstand x die Eigenschaft F zusprechen.</p>
<p>Die Fähigkeit oder das Vermögen, das du dadurch unter Beweis gestellt hast, dass du dem Gegenstand die richtige Eigenschaft zugeordnet hast, nennen wir Urteilsvermögen und Denkfähigkeit, denn natürlich ist urteilen zu können gleichwertig damit, denken zu können.</p>
<p>Wir nennen die Begriffe „blau, rot und schwarz“ Farbbegriffe und sagen, du habest dem Gegenstand den richtigen Farbbegriff zugewiesen. Somit gelangen wir auf die bündige Definition für die Tätigkeit des Urteilens oder Denkens: Urteilen oder denken heißt, einem Gegenstand einen Begriff zuordnen. Und richtig urteilen oder klar denken heißt, einem Gegenstand den richtigen Begriff zusprechen.</p>
<p>Wenn mir einer sagte: „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist eine Primzahl“, wäre ich ob dieses unerbetenen Hinweises mehr als konsterniert und würde meinem Gegenüber nicht unterstellen, er habe mit der Zuweisung dieser Eigenschaft von Zahlen knapp danebengelegen oder sich um ein Haar bei der Auswahl der Eigenschaft vergriffen. Ich müsste vielmehr annehmen, die Person wisse nicht, um was für eine Art von Begriffen oder um welche Kategorie es sich bei Begriffen wie den Primzahlen handelt. Ich würde nicht sagen, jener habe ein unrichtiges oder falsches Urteil gefällt, sondern würde sagen, er habe einen unsinnigen Satz geäußert und somit überhaupt kein Urteil getätigt.</p>
<p>Wir sagen: Weder kann der Himmel eine Primzahl noch eine Primzahl blau sein. Welche Eigenschaft unserer begrifflichen Struktur verbirgt sich hinter der Bestimmung „kann nicht“? Nun, es handelt sich hier nicht um eine empirische Grenze und Schwierigkeit, die durch den Einsatz kluger und gewitzter Mittel behoben werden könnte. Es handelt sich vielmehr um die gleichsam überempirische, apriorische Grenze unserer Sprache. So und nicht anders reden wir nun einmal, anders lassen sich die Dinge von uns und bei uns hierzulande und hienieden nicht sagen.</p>
<p>Wir sind demnach aufgefordert jenen, der den absurden Satz geäußert hat, zu korrigieren und auf seinen Kategorienfehler aufmerksam zu machen. Wenn er sich philosophisch versteift und darauf beharrt, für ihn selbst ergebe der uns unsinnig erscheinende Satz durchaus Sinn, weil er für sich die Sprachregel eingeführt habe, dass metereologische Gegenstände die Eigenschaft, Primzahlen zu sein, haben können, müssen wir ihn rügen und mit der Tatsache konfrontieren, dass wir zwar reden dürfen, wie uns der Schnabel gewachsen ist, nicht aber so, dass kein anderer Schnabel darauf kommen könnte, so etwas zu sagen. Die Grenze des Sagbaren ist eine soziale Grenze: Der Verkehr, in dem wir uns sprechend verständigen, wird durch Verkehrszeichen geregelt und verläuft auf Bahnen und Wegen, die vor dir schon Abertausende abgeschritten haben. Jedenfalls sind die sprachlichen Regeln, nach denen der Verkehr hierzulande und hienieden abläuft, nicht der privaten Willkür eines solipsistischen Sprachheimwerkers anheimgestellt.</p>
<p>Wir können also nur sagen, was andere auch sagen könnten. Um sprechen und denken zu können, muss ich voraussetzen, dass mindestens ein anderer schon gesprochen und gedacht hat. Ich wäre nicht in der Lage, als einsamer Robinson einen Gedanken zu fassen: Einen Gedanken zu haben setzt voraus, ihn in einem Satz äußern zu können und die Äußerung des Satzes der realen oder virtuellen Beurteilung mindestens eines anderen anheimzustellen.</p>
<p>Soll das heißen, unser Reden und das, was wir mit Wörtern tun, würden gleichsam von einer unsichtbaren grammatisch-logischen Kontrollinstanz reglementiert und unsere sprachliche und gedankliche Freiheit und schöpferische Ausdrucksmacht würden für immer in eine apriorische Zange genommen? Ganz und gar nicht: Die Grenzen der Sprache fließen, wenn auch gewöhnlich sehr langsam und unmerklich. Denn sie werden nicht willkürlich von Dudenredakteuren und logisch-propädeutischen Oberlehrern mit dem Lineal gezogen, sondern haben überhaupt keine zentrale Steuerungseinheit. Die Grenzen fließen mit den unsichtbaren und unserer Aufmerksamkeit entgleitenden leisen Verschiebungen oder lauten Erschütterungen der kollektiven Praxis unseres durch Regeln geleiteten Sprechens.</p>
<p>Wir wissen allerdings nicht und können nicht wissen, welcher Erschütterungen es bedürfte, die unser sprachliches Regelwerk dermaßen durchschütteln und -rütteln würden, sodass dermaleinst der uns heute unsinnig erscheinende Satz „Der Himmel ist eine Primzahl“ als sinnvoll akzeptiert werden würde.</p>
<p>Im Übrigen könnte unser Satz „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist blau“, unter geeigneten Umständen geäußert, auch etwas anderes bedeuten als eine Mitteilung über das Wetter und die Farbe des Himmels. Schreiben wir ihn mit Ausrufezeichen: „Schau mal, das Gewitter hat sich verzogen und der Himmel ist blau!“ Dann willst du mich mit dieser Äußerung vielleicht auffordern, mit dir die stickigen Seminar- oder Büroräume endlich zu verlassen und das Freie zu suchen.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xliii/">Philosophieren XLIII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xliii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Philosophieren XLII</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xlii/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xlii/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Sep 2013 14:55:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Determinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Hirnzustand]]></category>
		<category><![CDATA[neuronales Muster]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://luxautumnalis.wordpress.com/?p=2092</guid>
		<description><![CDATA[<p>Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke ist nicht identisch mit den Hirnzuständen, die auftreten, wenn wir sie bilden und verwenden. Du sagst mir: „Ich habe Schmerzen im rechten Knie“, weil und während du in diesem Moment, da du den Satz aussprichst, Schmerzen im rechten Knie hast. Wäre die Bedeutung des sprachlichen Ausdrucks identisch mit dem neuronalen Muster, [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xlii/">Philosophieren XLII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke ist nicht identisch mit den Hirnzuständen, die auftreten, wenn wir sie bilden und verwenden.</p>
<p>Du sagst mir: „Ich habe Schmerzen im rechten Knie“, weil und während du in diesem Moment, da du den Satz aussprichst, Schmerzen im rechten Knie hast. Wäre die Bedeutung des sprachlichen Ausdrucks identisch mit dem neuronalen Muster, das auftritt, wenn und weil du Schmerzen hast, hätte der von dir zwei Tage später geäußerte Satz: „Ich erinnere mich, vorgestern Schmerzen im rechten Knie gehabt zu haben“ nicht die von dir intendierte Bedeutung, weil die Erinnerung an die Schmerzen, die nicht schmerzhaft ist, nicht mit demselben neuronalen Muster in deinem Gehirn hinterlegt ist wie die aktuellen Schmerzen. Was aber, wenn die Bedeutung des Satzes „Ich habe Schmerzen im rechten Knie“ durch den Hirnzustand realer Schmerzen determiniert wäre, du aber den Satz äußerst, ohne überhaupt Schmerzen zu empfinden, also lügst oder die Unwahrheit sagst? Wie erklären wir die Bedeutung der Negation, im Falle du sagst „Ich habe keine Schmerzen (mehr) im rechten Knie“? Du kannst ja nicht das neuronale Schmerzmuster haben, und gleichzeitig tut es nicht weh!</p>
<p>Wenn du im Fremdsprachenunterricht den Satz zu bilden gelernt hast: „Jʼai des douleurs dans mon genou droit“, müsstest du dann diesen französischen Satz mit demselben neuronalen Muster in deinem Gehirn repräsentieren wie den deutschen Satz „Ich habe Schmerzen in meinem rechten Knie“? Wenn die Bedeutung identisch wäre mit dem Hirnzustand, der auftritt, wenn du den Satz verwendest, könnte der französische Satz keine Übersetzung des deutschen Satzes sein, weil die Lautbildung im einen und anderen Falle durchaus unterschiedlich ausfällt, gewiss aber auch diese mittels neuronaler Muster im Gehirn repräsentiert wird. Und wollen wir die Bedeutungen unserer Sätze jenseits aller Lautbildung als abstrakte Entitäten in einen platonischen Himmel verweisen? Wäre dem so, könnte die Bedeutung der sprachlichen Ausdrücke erst recht nicht mit unseren Hirnzuständen identisch sein!</p>
<p>Wären die Bedeutungen sprachlicher Ausdrücke identisch mit den neuronalen Mustern, die auftreten, weil und wenn wir sie verwenden, wie könnte wohl die Bedeutung des sprachlichen Ausdrucks, die dein Hirnzustand repräsentiert, identisch sein mit der Bedeutung des sprachlichen Ausdrucks, den mein Hirnzustand oder der Hirnzustand deines Gesprächspartners repräsentiert?</p>
<p>Weil nämlich Gehirnzustände verschiedener Individuen, die dieselben Sätze bilden und verwenden, immer nur mehr oder weniger ähnlich, nicht aber ganz und gar identisch zu sein pflegen, könnten die Bedeutungen der von ihnen geäußerten Sätze nicht übereinstimmen, wenn diese denn mit den Hirnzuständen identisch wären. Folglich wäre eine sprachliche Verständigung nicht möglich. Da wir uns aber spielend über das wirkliche oder vorgetäuschte Vorhandensein von Schmerzen im rechten Knie verständigen können, folgt daraus, dass aufgrund der Differenz der aktuellen Hirnzustände der Unterredner die Bedeutungen der von ihnen verwendeten sprachlichen Ausdrücke nicht mit den neuronalen Mustern identisch sind, die bei eben dieser Verwendung der Sätze auftreten.</p>
<p>Wären die Bedeutungen der sprachlichen Ausdrücke identisch mit den Hirnzuständen, die auftreten, wenn wir sie verwenden, wäre mein aktueller Hirnzustand, stimuliert durch das Sehbild einer in einem dunklen Zimmer brennenden realen Kerze, identisch mit meinem Hirnzustand, stimuliert durch das Sehbild derselben Kerze – nur dieses Mal zweifach reflektiert mittels zweier so gegeneinander gedrehter Spiegel, dass ich das Spiegelbild der Kerze nicht seitenverkehrt, sondern in der originalen Ausrichtung wahrnehmen kann. Indes wäre die jeweilige Bedeutung des von mir angesichts des jeweiligen Sehbildes geäußerten Satzes „Dort brennt eine Kerze“, den ich sowohl verwende, um den Seheindruck der realen Kerze wiederzugeben, wie auch verwende, um den Seheindruck der Schein-Kerze wiederzugeben, das eine Mal ein wahrer Satz und das andere Mal ein falscher Satz – die jeweilige Bedeutung der beiden sprachlichen Ausdrücke bei gleichzeitiger Identität der neuronalen Muster oder Hirnzustände, die ihn repräsentieren, also denkbar verschieden, ja die eine Bedeutung das Gegenteil und die Negation der anderen, denn die Tatsache des Brennens der realen Kerze ist das Gegenteil oder die Negation der Tatsache des scheinbaren Brennens der imaginären Kerze, die in Wahrheit dort nicht brennt.</p>
<p>Folglich ist die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks nicht identisch mit dem neuronalen Muster, das auftritt, wenn wir ihn bilden und verwenden.</p>
<p>Wo steckt denn, wirst du fragen, die vermaledeite Bedeutung des von dir geäußerten Satzes, wenn wir sie auch mit den modernsten bildgebenden Verfahren nicht in deinem Gehirn als neuronales Muster identifizieren und scannen können?</p>
<p>Bedeutungen werden erzeugt von den Formen oder Strukturen der sozialen Praxis unserer Sprache, mit der wir hierzulande und hienieden uns verständigen. Sie sind nicht in unseren Köpfen oder Gehirnen verborgen, sondern liegen wie die Gegenstände und Ereignisse, die sie bezeichnen, gleichsam offen zutage. Ich sehe, wie du mit verzerrtem Gesicht dein Knie umfasst und dabei stöhnst. Ich frage dich: „Hast du Schmerzen in deinem Knie?“ Du bejahst meine Frage – oder gibst die verblüffende Antwort: „Ich übe die Rolle eines Hypochonders und Simulanten für ein Theaterstück. Ich habe also weder jetzt Schmerzen noch werde ich Schmerz empfinden, wenn ich meine Rolle im Stück zum Besten geben werden!“ Ich verstehe beides, dass du Schmerz empfindest wie dass du Schmerzempfindungen simulierst – ein Rekurs auf deinen jeweiligen Hirnzustand erübrigt sich.</p>
<p>Du sagst: „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich vorgestern diese argen Schmerzen im rechten Knie hatte.“ Ist die Tatsache, dass du dich nicht erinnerst, etwa mittels des Umkehr- oder Negativmusters jenes Musters repräsentiert, welches deine Hirnaktivität bildet, wenn du aktuelle Schmerzen im rechten Knie hast?</p>
<p>Du sagst: „Wenn ich vorgestern nicht so hastig von meinem Schreibtisch aufgestanden wäre, hätte ich mir nicht das Knie an der Stuhllehne gestoßen und mir nicht diese bösen Schmerzen eingehandelt.“ Sollen wir dem irrealen Bedingungsgefüge als probatem Mittel der Konstruktion kontrafaktischer Welten Bedeutung nur zusprechen, wenn es auf ein neuronales Muster abgebildet werden kann, das aufträte, wenn wir diesen Satz äußern? Um was für ein Muster könnte es sich dabei handeln? Wie könnten Neuronen Muster mittels aktueller und realer chemisch-elektrischer Aktivitäten formen, die virtuelle und irreale Zustände abbilden sollen?</p>
<p>Wären die Bedeutungen der sprachlichen Ausdrücke identisch mit den sie repräsentierenden Hirnzuständen, hätten sie Teil an den grundlegenden Eigenschaften physikalischer Systeme, wie der Eigenschaft, systemisch oder kausal determiniert zu sein. Wenn du aber deiner Freundin reumütig bekennst, sie damals belogen zu haben, wie könnte sie dich dann tadeln oder dir verzeihen, wenn die Bedeutung des Satzes, mit dem du ihr die Lüge mitgeteilt hast, identisch mit deinem damaligen Hirnzustand gewesen wäre? Wärest du denn überhaupt in der Lage gewesen, den fatalen Satz nicht zu sagen oder einen anderen Satz oder schlicht die Wahrheit zu sagen, wenn die Bedeutung deiner Äußerung die systemischen oder kausalen Eigenschaften von physikalischen Gegenständen aufwiese?</p>
<p>Wäre die Bedeutung unserer sprachlichen Ausdrücke identisch mit den neuronalen Mustern, die auftreten, wenn wir sie verwenden, könnten wir im eigentlichen Sinne nicht willentlich die Unwahrheit sagen oder lügen oder Sätze äußern, für die wir ernsthaft zu tadeln sind.</p>
<p>Wie könnten wir die Sprache lernen oder andere in der Sprache unterrichten, wie könnten wir korrigiert werden oder andere korrigieren, wenn wir und sie bei der Verwendung der Wörter oder der syntaktischen Konstruktion der Sätze Fehler begehen, da physikalisch determinierte Zustände schlechterdings keine Fehler begehen und nicht getadelt werden, sondern schlimmstenfalls ausfallen und eine Panne haben können?</p>
<p>Ich werde dich ja auch beileibe nicht korrigieren oder tadeln, wenn du zu stottern beginnst oder deinen Satz plötzlich abbrichst oder wie in Trance sinnlose Sätze bildest – aufgrund der fatalen Tatsache, dass deine aktuellen Hirnzustände aufgrund pathogener Ereignisse wie der Wirkung von Drogen oder eines Hirnschlags durcheinandergeraten sind?</p>
<p>Weil wir mit einem Gutteil unserer Äußerungen auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Tatsachen Bezug nehmen, ist unser Sprachgebrauch gleichsam verwoben mit den Konzepten des Wahren und des Falschen. Wahrheit und Falschheit sind logische Eigenschaften und keine physikalischen Eigenschaften. Hirnzustände aber sind gewiss physikalische Eigenschaften. Folglich kann die Bedeutung der von uns verwendeten sprachlichen Ausdrücke nicht mit unseren Hirnzuständen identisch sein.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xlii/">Philosophieren XLII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xlii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Philosophieren I</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren/</link>
		<comments>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Jul 2013 16:22:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Absicht]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Handlung]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachphilosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://luxautumnalis.wordpress.com/?p=1678</guid>
		<description><![CDATA[<p>Aufgrund zweier Dinge ist dir der andere gegeben (Luft, die den Schleier bewegt und lüpft): des Körpers, in dem er leibt und lebt, mit dem er durch Handlungen (absichtsvolle Muskelbewegungen), Gesten und Mimik zeigt, was er meint, wer er ist – und der Sprache, in der er redet und schreibt: Sie ist wie die Falten, [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren/">Philosophieren I</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund zweier Dinge ist dir der andere gegeben (Luft, die den Schleier bewegt und lüpft): des Körpers, in dem er leibt und lebt, mit dem er durch Handlungen (absichtsvolle Muskelbewegungen), Gesten und Mimik zeigt, was er meint, wer er ist – und der Sprache, in der er redet und schreibt: Sie ist wie die Falten, die beim Lächeln unwillkürlich entstehen, oder die Tränen beim Weinen (ziehe die Falten ab vom Lächeln, die Tränen vom Weinen – was bleibt?).</p>
<p>Die Gedanken, Absichten, Gefühle des anderen sind nicht hinter der Stirn des Geheimnisses und in einer unzugänglichen Kammer der Seele verborgen oder nur mühsam mittels Analogie zu den dir vertrauten eigenen Bewusstseinszuständen aus seinen Äußerungen zu erschließen – und dies dann bei hohem Unsicherheitsrisiko. Wenn du wissen willst, was er denkt, welche Absichten er hegt, wie er fühlt und empfindet – nun, so frage ihn, betrachte ihn, handle mit ihm, lebe mit ihm!</p>
<p>Oder achte auf die Umgebung und das Spielfeld des Handelns! Siehst du ihn einen Regenschirm ergreifen und das Haus verlassen, musst du nicht fragen, um seine Absicht zu erkunden: Du weißt, er erfüllt sich den Wunsch nach einem Spaziergang, befürchtet aber, vom Regen überrascht zu werden. Eine Absicht, einen Wunsch, eine Befürchtung – all das, einen komplexen mentalen Zustand, hast du in einem Nu geistesgegenwärtig erfasst.</p>
<p>Es könnte sich natürlich auch um einen Kauz handeln, der auch beim schönsten Allwetterhoch nie ohne sein Accessoire unterwegs ist. Wenn du diesen Menschen über längere Zeit beobachtest, wirst du ihn schon als kauzig wahrzunehmen und einzuschätzen lernen.</p>
<p>Zum Spielfeld des Handelns zählt manches und vieles, so auch die jeweilige Semantik der Anredeformen, die dir deine Sprache bereitstellt. Diese Semantiken sind ausgespannt zwischen dem Pol maximaler Verfeinerung der Anredeskala – das sind die chinesischen, japanischen und altindischen Aristokraten unter den Semantiken – und dem Pol maximaler Reduktion und Vereinfachung – das sind die amerikanischen Demokraten. Du kannst immerhin zwischen der Du-Anrede im Nahbereich von Verwandtschaft, Freundschaft und Liebe und der höflichen, respektvollen Sie-Anrede im Distanzbereich von Institutionen der Unterordnung und Hierarchien wie Schule, Armee und Kirche wählen, auch wenn dir die alte vornehme Geste der Ihr-Anrede für die Distanzierung im Nahbereich mittlerweile versagt ist.</p>
<p>Mittels der Anredeform wird die Situation mitdefiniert, in der dir der andere sein Gesicht zeigt. Der Unteroffizier wird den General, der Untergebene seinen Vorgesetzten und der Pfarrer seinen Bischof nicht ungebührlich duzen, er riskiere denn Ruf und Stellung. Umgekehrt kann der Ältere, der im Handlungsfeld Führende durch das Angebot des vertraulichen Du die Situation neu definieren und den Weg zu vertraulicherem Umgang und intimeren Mitteilungen bahnen.</p>
<p>Natürlich kann der andere lügen und sich verstellen – doch nur bis zu einem gewissen Grad. Es bleibt deinem Feingefühl überlassen, ihn zu entlarven, ihm auf die Schliche zu kommen. Ist er im Grunde unglücklich, möchte aber durch Preisgabe seiner traurigen Lage dir nicht unterlegen oder gar ausgeliefert scheinen, kann er sich zu einem künstlichen Lächeln und einem scherzhaften Plauderton zwingen. Das Gekünstelte, Geheuchelte und Erzwungene in diesem Lächeln, in diesen Worten kannst du zu sehen und zu hören lernen.</p>
<p>Weil anders als der sprachliche der gestische und mimische Ausdruck in vielen Stücken – bei weitem nicht in allen – unter allen Völkern etwa gleich ist, könnt ihr euch mit Händen und Füßen verständigen – zu einem freilich geringen Grad. Beherrschtest du alle Sprachen der Welt und wärest ein perfekter Gebärdeninterpret und dir begegnete ein Wesen, und du verstündest keine seiner Äußerungen – so wäre dieses Wesen eo ipso nicht als menschliches Wesen, als Wesen unserer Art, zu betrachten.</p>
<p>Immer wiederholst du gleichsam den von dem anderen geäußerten Gedanken, im Augenblick, da du den Satz hörst, mit dem er ihn ausdrückt. Sein Gedanke verwandelt sich – bei günstigen Bedingungen – unmittelbar in deinen Gedanken. So kannst du verstehend hören und hörend verstehen. Doch versteht du, was der andere meint, wenn er etwas sagt, erst recht, wenn das euch beiden gegebene Umfeld der Wahrnehmung, des Erlebens und Handels offen und transparent da- und vor Augen liegt. Denn zumeist beziehen sich die Äußerung und der mit der Äußerung gemeinte Gedanke auf das nähere Umfeld des Sprechenden, das wie für ihn auch für sein Gegenüber mittels sinnlicher Wahrnehmung zugänglich ist.</p>
<p>Du kommst der Bedeutung des Gesagten, dem Gedanken, einfach auf die Schliche, wenn du fragst: Was wollte er mir bedeuten? Wollte er mir etwas zeigen, mich auf etwas hinweisen? Hat er mich etwas gefragt? Wollte er etwas von mir wissen? Hat er mich zu etwas aufgefordert? Wollte er, dass ich den von ihm ausgeschrittenen Handlungskreis vollende und schließe? Hat er mich vor etwas gewarnt? Mich um etwas gebeten? Wollte er mir seine Überzeugung über etwas kundtun? In diesen sprachlichen Figuren des Fragens, Aufforderns, Bittens, Warnens enthüllt sich dir der intentionale Grund, der mentale Zustand, der den Sprecher zu sagen bewog, was er sagte. In dem „etwas“, auf das sich das Gesagte und der im Gesagten gemeinte Gedanke beziehen, enthüllt sich dir der objektive Grund, auf den sich das Gesagte und der im Gesagten gemeinte Gedanke beziehen. Meist ist dies, handelt es sich nicht um die dünne Luft wissenschaftlicher Fachgespräche, um Gegenstände, Personen oder Ereignisse im Umfeld der sinnlichen Wahrnehmung.</p>
<p>Oft bezieht sich aber die Äußerung nicht auf einen Gegenstand der sinnlichen Wahrnehmung, sondern auf einen bestimmten Punkt einer unabgeschlossenen Handlungskette: „Kannst du das mal halten!“ „Bitte steck den Brief ein und händige ihn dem Vater aus!“ „Komm mal näher, ich kann so nicht sehen, was du im Auge hast!“ „Daran arbeiten wir beim nächsten Mal weiter!“</p>
<p>Äußerungen, deren Gegenstand im Umfeld der Wahrnehmung liegt, werden oft eingeleitet oder begleitet von Formulierungen wie: „Schau mal! Sieh mal! Vorsicht! Achtung! Da drüben! Hierher! Sofort! Später. Nachher. Morgen. Rechts davon, links davon. Auf dem Tisch. Im Wohnzimmer. Im Garten. Das blaue, nicht das grüne Kleid.“ Diese Formulierungen spezifizieren die Raum-Zeit-Koordinaten und die sinnlichen Wahrnehmungen, die wir als biologisch-soziale Wesen zur Bestimmung der Gegenstände und ihrer Eigenschaften heranziehen müssen, damit wir sie uns zeigen, unsere Aufmerksamkeit auf sie richten und Handlungen mit und an ihnen ausführen können.</p>
<p>Im Übrigen sorgen die Dichte und Prägnanz der Situation – ähnlich der Fähigkeit des Menschen, Lücken der gesehenen Gestalt augenblicks auszufüllen – dafür, dass ihr euch gut versteht. Seid ihr verliebt, ist ein Kuss eine Antwort oder eine Aufforderung. Seid ihr verfeindet, ist eine Schmeichelei ein ironischer Stich oder eine versteckte Beleidigung. Seid ihr in einer geschäftlichen Unterhandlung, ist die Frage nach der Zeit eine Aufforderung, nicht länger nach Kompromissen zu suchen und zum Abschluss zu kommen.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren/">Philosophieren I</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
