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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Zeit</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Philosophieren XII</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jul 2013 10:12:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Es ist doch klar, dass du hier nicht hineinpasst. Es scheint mir offenkundig, dass du annimmst, es werde bald regnen, weil du einen Regenschirm mitnimmst. Du glaubst, Wasser habe immer und überall dieselbe chemische Zusammensetzung. Ich glaube, ein gewisses Nass wäre kein Wasser, wenn es nicht aus Wasserstoff und Sauerstoff bestünde. Auf der Grundlage einer [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xii/">Philosophieren XII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist doch klar, dass du hier nicht hineinpasst.<br />
Es scheint mir offenkundig, dass du annimmst, es werde bald regnen, weil du einen Regenschirm mitnimmst.<br />
Du glaubst, Wasser habe immer und überall dieselbe chemische Zusammensetzung.<br />
Ich glaube, ein gewisses Nass wäre kein Wasser, wenn es nicht aus Wasserstoff und Sauerstoff bestünde.<br />
Auf der Grundlage einer DNS-Analyse wurde der Nachweis erbracht, dass er der Mörder war.<br />
Auf der Grundlage einer DNS-Analyse konnte die Annahme bekräftigt werden, dass er mit einiger, hoher, sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Mörder war.</p>
<p>Es ist doch klar, dass du hier nicht hineinpasst. – Dass gewisse Gegebenheiten und Begebenheiten auf der Hand liegen, sonnenklar, offensichtlich, augenscheinlich und evident sind, drücken wir dadurch aus, dass wir den Sachverhalt in einen schlichten Satz packen und mit Zusätzen garnieren wie „Das ist doch sonnenklar, offensichtlich, augenscheinlich, evident!“</p>
<p>Wir können uns leicht eine Situation des Alltags denken, in die der genannte Satz gut hineinpasst, so wenn du im Kaufhaus eine neue Hose anprobieren willst, die dir augenscheinlich zu eng ist und deine Begleitung dich darauf aufmerksam macht. Sollen wir hier noch weiter fragen und grübeln?</p>
<p>Überlassen wir das dem Philosophen, der gerne auf den harten Fels letzter Wahrheiten stößt. Die letzte Wahrheit ist hier, dass du als eine körperbehaftete Entität Eigenschaften aufweist, die nun einmal Körper an sich haben: eine gewisse Größe zu haben zum Beispiel, die einem Körper in eine Öffnung zu passen erlaubt oder nicht, ein bestimmtes Gewicht, eine bestimmte Dauer in der Zeit, in der derselbe Körper wieder auftaucht, auch wenn er dir aus deinem Gesichtsfeld hinter einer Wand oder vielen Wänden und Gebäuden und Gegenden entschwunden ist, als derselbe Körper, auch wenn er durch natürliche Verwitterungs- und Alterungsprozesse dir bis zur Unkenntlichkeit verändert erscheint. Auch du bist solch ein Körper mit der interessanten Eigenschaft, nur in Aspekten sichtbar, wahrnehmbar und erschließbar zu sein: Ein Körper ist ein kompaktes Ding in unserem Wahrnehmungsfeld, das sich bewegt oder stillsteht, gemessen an deinen Bewegungen, ein Ding, das du von vorn, von hinten und von den Seiten betrachten kannst, aber nur nacheinander, nicht gleichzeitig von allen Seiten. Der Körper ist ein Komplex von Teilen, Atomen, Molekülen, Quarks – hineinschauen können wir schlecht und gründlich nur mit komplizierten Apparaten, und Atome und Moleküle sind für das bloße Auge unsichtbar, Quarks als theoretische Entitäten ebenso. Hinten hast du keine Augen, und was du vor dir von deinem Körper sehen kannst, ist ein seltsames Zerrbild des Körpers, den du aus dem Spiegel kennst.</p>
<p>Wir können sodann an diesen wie an alle anderen Körpern die wissenschaftlichen Verfahren der Vermessung anlegen und damit eine metrische Objektivierung unserer Aussagen über Zeit und Ort seines Aufenthalts vornehmen und seine verschlungenen Bewegungen durch Straßen und Gassen, Viertel und Städte und Länder auf Land-, Wasser- und Luftwegen von der Entstehung, Herstellung oder Erzeugung bis zu seiner Auflösung oder seinem Tod ziemlich genau nachzeichnen. Der Messtechniker hat seine Freude an den mit modernster GPS-Technik gewonnen Daten.</p>
<p>Der Philosoph lernt einsehen und hinnehmen, dass seine letzten Wahrheiten ein trockenes Bündel trivialer Aussagen sind, die sich gegen unsere weiterbohrenden Fragen gleichsam spröde und abweisend verhalten: Warum haben wir einen Körper? Ja, weil es zu unserem Begriff der Person gehört, verkörpert zu sein, denn Personen sind wie alle Gegenstände Bestandteile des Raum-Zeit-Systems. Unkörperlichen Seelen und Gespenstern können wir zur Begrüßung nicht die Hand schütteln, nicht ermutigend auf die Schulter klopfen oder zum Abschied auf die Wange küssen. Ein Schatten zeugt mit einem Schatten keinen Schatten. Warum haben Körper Größe und Gewicht, warum sind Körper nur in Aspekten zugänglich? Ja, weil es zu unserem Begriff des Körpers gehört, Größe und Gewicht zu haben, und aus Teilen zu bestehen, die nicht zur Gänze und auf einen Schlag in unser Gesichts-, Merk- und Forschungsfeld treten.</p>
<p>Es scheint mir offenkundig, dass du annimmst, es werde bald regnen, weil du einen Regenschirm mitnimmst. – Aufgrund der Beobachtung deines Verhaltens kann ich dem auf die Spur kommen, was du denkst und glaubst, was du beabsichtigst und vorhast. Ich schließe aus deinen Bewegungen und Verrichtungen auf das, was du willst, auf das, was du denkst. Ein sicheres Wissen kann ich mit einer solchen Methode nicht erlangen – ich könnte einem Fehlschluss aufsitzen, wenn es sich herausstellt, dass du bei jedem Wetter die Marotte pflegst, deinen Regenschirm mitzunehmen: Dann liege ich zwar richtig mit der Annahmen, dass du spazieren zu gehen beabsichtigst, nicht aber mit der Annahme, dass du glaubst, es werde bald regnen. Auch wenn es tatsächlich zu regnen begänne, kaum dass du deinen Fuß ins Freie gesetzt hättest, rechtfertigte diese Tatsache nicht meine Annahme, dass du vermutest hast, es werde bald regnen. Hier komme ich nur weiter, wenn ich dich frage.</p>
<p>Du glaubst, Wasser habe immer und überall dieselbe chemische Zusammensetzung. Ich glaube, ein gewisses Nass wäre kein Wasser, wenn es nicht aus Wasserstoff und Sauerstoff bestünde. – Um eigene oder Überzeugungen und Annahmen anderer zu benennen, stellen wir einem dass-Satz (einem indirekten Aussagesatz) beziehungsweise dem entsprechenden erweiterten Infinitiv einen Ausdruck des Meinens voran.</p>
<p>Du hast den Inhalt deiner Überzeugung, nämlich die chemische Zusammensetzung von Wasser, einem Lehrbuch der Chemie entnommen oder bei eurem Experiment im Chemieunterricht, bei dem ihr Wasser je in ein Teil Wasserstoff und zwei Teile Sauerstoff aufgelöst habt, ad oculos vorgeführt bekommen. Es handelt sich bei diesem Inhalt also um eine durch wissenschaftliche Verfahren der Analyse und Synthese erhärtete, nachgewiesene Annahme. Dennoch kannst du deine mit der Annahme aller Wissenschaftler harmonierende Überzeugung nicht als Weisheit letzten Schluss ausgeben und ihre letztgültige Gewissheit bekräftigen – es könnte sich ja einmal erweisen, auch wenn es äußerst unwahrscheinlich ist, dass ein neues Experiment durch den Nachweis einer winzigen Spur eines dritten Elements die Hypothese umstürzt.</p>
<p>Hartnäckig fest- und hochgehaltene Annahmen wie die Bewegung der Sonne um die Erde oder der Antrieb der Organismen zu Vermehrung, Wachstum und Entwicklung durch einen élan vital haben sich als unhaltbar erwiesen, und zwar aufgrund genauerer Beobachtungen mittels genauerer Instrumente und aufgrund der Einbettung der neu ermittelten Beobachtungsdaten in ein neues theoretisches Rahmenwerk, mit dem die Fehlannahmen der alten Theorie erklärt und bessere und weitreichendere Annahmen abgeleitet werden können.</p>
<p>Wir können mit der konditionalen Satzfügung unter Verwendung des irrealen Konjunktivs Weltentwürfe skizzieren, die sich zu den hierzulande vorfindlichen und üblichen Bedingungen konträr oder kontradiktorisch verhalten. „Wenn auf einem fernen Planeten ein gewisses Nass nicht aus den chemischen Elementen bestünde, aus denen bei uns Wasser besteht, das aber ansonsten nach Aussehen, Geruch, Geschmack und den landläufigen Aggregatzuständen ganz unserem Wasser gleicht, wären wir berechtigt, es dennoch Wasser zu nennen oder nicht?“</p>
<p>Diese bekannte Frage läuft darauf hinaus, die Genauigkeit und Widerstandsfähigkeit unserer Verwendung von Begriffen auszuloten. Wir müssen davon ausgehen, dass wir auf Gegenstände wie Dinge und Personen einigermaßen genau Bezug nehmen können, weil sie raum-zeitlich ein festes Kontinuum der Vergegenwärtigung ausfüllen, das wir mit unseren Instrumenten wie Augen, Ohren und GPS-Sonden gut abmessen können. Anders steht es um in der Raum-Zeit zerstreute und vagabundierende Stoffe wie Wasser, Sand oder Müsli: Hier können wir den genauen Bezug nur rechtfertigen, wenn wir eine Etage tiefer gehen und uns ihrer chemischen, organischen und anderweitigen Zusammensetzung als Mittel der Identifizierung annehmen – wobei wir uns die Sache durch Querulanten-Fragen wie „Sind 5 Körner schon ein Häuflein Sand?“ oder „Ab wie vielen Flocken sprichst du denn von Müsli?&#8221; nicht madig machen lassen. Also, schließen wir hier: Wäre jenes ominöse Nass anders als Wasser zusammengesetzt, wären wir schlecht beraten und nicht gerechtfertigt, es Wasser zu nennen.</p>
<p>Auf der Grundlage einer DNS-Analyse wurde der Nachweis erbracht, dass er der Mörder war. – Auf der Grundlage einer DNS-Analyse konnte die Annahme bekräftigt werden, dass er mit einiger, hoher, sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Mörder war. – In beiden Aussagen wird behauptet, eine Tatsache bestehe aufgrund des Bestehens einer anderen Tatsache – die gewöhnlichste Form der Begründung. Eine DNS-Analyse kann die Identität eines Menschen erweisen und damit die Identität dessen, der an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit gehandelt hat, zum Beispiel einen anderen Menschen ermordet hat. Sie kann aber nicht zum Nachweis verwendet werden, dass sich ein bestimmter Mensch zu einer bestimmten Zeit genau an diesem Ort aufgehalten hat, an dem der Mord stattfand. Folglich ist die erste Aussage ohne zusätzliche Angaben und Nachweise nicht zu rechtfertigen, während man an der zweiten solange festhalten kann, bis das Gegenteil bewiesen wird.</p>
<p>„War es denn so? Hat es sich so und nicht anders abgespielt? Könnte es nicht sein, dass der Verdächtige nicht der Täter ist, weil er zwar am Tatort gewesen ist, aber zu einer anderen Zeit als der Tatzeit?“ Mittels der Anwendung des konditionalen Satzgefüges erschließt du dir ein alternatives Modell für den Tathergang, das die Bedingungen des Geschehens um den entscheidenden Faktor Zeit erweitert.</p>
<p>„War es denn so? Hat es sich so und nicht anders abgespielt? Könnte es nicht sein, dass der Verdächtige, dessen DNS-Spuren zwar am Tatort gesichert worden sind, der aber zur Tatzeit an einem anderen Ort von mehreren Zeugen gesichtet worden ist, dennoch hinter der Tat steckt, weil er den Mörder gedungen hat?“</p>
<p>„Er ging zum Kühlschrank, weil er durstig war.“ „Er ging zum Kühlschrank, weil er etwas trinken wollte.“ Wir erklären Ereignisse und Handlungen, indem wir unsere Aussagen mit Hinweisen auf sach- und ereignisbezogene Ursachen oder intentionale Handlungsgründe versehen. „So und so viele Photonen schossen in seine Iris und verursachten über die Weiterleitung der neuronalen Stimuli über den Sehnerv in das Sehzentrum ein visuelles Bild.“ „Er blickte sie fragend an.“</p>
<p>Wissenschaft entsteht aus dem Nachdenken über die Verwendung des kausalen „weil“. Unser Alltagsverständnis, die Fähigkeit, uns selbst und die anderen zu verstehen, erwächst aus der Verwendung und dem Nachdenken über die Verwendung des intentionalen „weil“. Weil uns das Deutsche hier mit einer einzigen Konjunktion knapp hält, solltest du, um den intentionalen Grund klar von der sach- und ereignisbezogenen Ursache unterscheiden zu können und diesen Unterschied anzuzeigen, statt der Konjunktion „weil“ die Konjunktion „damit“ oder „auf dass“ oder den finalen Infinitiv „um zu“ verwenden. Forme also den Satz „Er ging zum Kühlschrank, weil er etwas trinken wollte“ um in die Sätze: „Er ging zum Kühlschrank, damit (auf dass) er etwas trinke“ oder „Er ging zum Kühlschrank, um etwas zu trinken“.</p>
<p>Wissenschaftliche und alltägliche Erklärungen widersprechen sich nicht, sondern verhalten sich komplementär zueinander. Die wissenschaftliche Psychologie sucht unser Verhalten durch Antriebe, Motive und Konditionierungen zu erklären, die sie aus natürlichen Quellen und sozialen Umwelten ableitet. Wir kennen das Durstgefühl gut, und es anzuführen genügt uns, eine Handlung zu verstehen. Die Neurobiologie untersucht die sensorischen Stimuli und ihre Verarbeitung in den neuronalen Netzwerken. Wir wissen, was es heißt dumm aus der Wäsche zu schauen oder neugierig, lüstern oder enttäuscht, wissend oder fragend zu blicken.</p>
<p>Unsere Erklärungen sind auch dann nicht schlecht oder sogar zufriedenstellend, wenn es uns gelingt, das zu erklärende Phänomen mittels begrifflicher oder technischer Hilfsmittel wie Bleistift und Papier, eines Fotoapparats, der Videofunktion des Smartphones oder einer Software zur 3-D-Darstellung von eingegebenen Daten zu imitieren, zu modellieren und zu simulieren. Du machst gleich ein Foto von der Unfallstelle, um einen Nachweis zu erhalten, wie sich der Unfall zugetragen hat, dass nämlich der Unfallverursacher von links einbiegend die Vorfahrt missachtet hat. Die Wissenschaftler der NASA untersuchen das Mars- oder Mondgestein, um ein Modell der Entwicklung des Planeten zu entwickeln oder das in der wissenschaftlichen Community anerkannte Modell zu untermauern oder in Zweifel zu ziehen. Evolutionsbiologen simulieren am PC mittels 3-D-Techniken anhand weniger paläontologischer Spuren von Knochen und Gebiss Organismen ausgestorbener Arten und von Vorläufern heute lebender Arten, um etliche Aufschlüsse über ihre Bewegungs-, Ernährungs- und Lebensweise zu erhalten.</p>
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		<title>Philosophieren IX</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jul 2013 16:17:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[konditionales Satzgefüge]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Was tat (hat) wer wem (mit wem, für wen, gegen wen) wie wann und wo (getan)? Was tut wer jetzt (heute)? Was wird wer morgen (in der Zukunft) tun? Den Orts- und Raumbezug, den wir zur Orientierung in der Welt, das heißt auf der Straße, unterwegs, in fremden Gebäuden, Städten und Landschaften, benötigen, stellen wir [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-ix/">Philosophieren IX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was tat (hat) wer wem (mit wem, für wen, gegen wen) wie wann und wo (getan)? Was tut wer jetzt (heute)? Was wird wer morgen (in der Zukunft) tun?</p>
<p>Den Orts- und Raumbezug, den wir zur Orientierung in der Welt, das heißt auf der Straße, unterwegs, in fremden Gebäuden, Städten und Landschaften, benötigen, stellen wir dadurch her, dass wir die räumlichen Entfernungen auf die Nullkoordinate der Position beziehen, die wir mit unserem Körper einnehmen. „Komm her zu mir!“ heißt: „Komm näher an den Ort, den ich mit meinem Körper einnehme!“</p>
<p>Du schaust von der Höhe des Bergs auf den tief im Tal fließenden Strom und rufst aus: „Wie klein die Schiffe und die Menschen sind!“ Freilich sind sie nicht wirklich klein, jedenfalls nicht kleiner als gewöhnlich – du nimmst sie allerdings aufgrund der Struktur deines Sehorgans in dieser Entfernung so und nicht anders wahr. Soll man also sagen: „Du täuschst dich, in Wahrheit sind die Dinge viel größer?“ Aber auch ganz in der Nähe betrachtet, sehen die Dinge und Menschen so groß oder klein aus, wie du sie aufgrund der Struktur deines Sehorgans nun einmal wahrnimmst.</p>
<p>Allerdings machen wir uns einen festen Maßstab wie das Metermaß, messen das Ding und den Menschen daran ab, und sagen: „Diese Frau misst genau 164 cm, egal aus welcher Entfernung du sie betrachtest.“ So fangen wir mit unseren Messkünsten und Messverfahren an und schreiten dann voran auf den Gebieten der Topographie, Geographie, Geodäsie und hören nicht auf, bis wir die Ausdehnung des Universums bestimmt haben.</p>
<p>Den Zeitbezug, den wir zur Orientierung in der Welt, das heißt zur Übersicht über die Einteilungen und die Dauer des Tags, der Woche, des Monats, des Jahrs, deiner und meiner Lebenszeit, der Lebensdauer unserer Wir-Gruppe in Gestalt der Familie, der Sippe, der Nation benötigen, stellen wir dadurch her, dass wir die zeitlichen Abstände mittels der kulturell erworbenen und erlernten Kalender- und Epochengliederungen auf die Nullposition unseres Gegenwartsbewusstseins beziehen, das heißt auf die Gegenwart deines Erlebens, in der du augenblicks handelst und sprichst und die du so durchgehend Augenblick für Augenblick als „jetzt“ ansprichst.</p>
<p>Einige haben angenommen, analog zum Sehorgan für die räumliche Orientierung von einem Zeitorgan für die zeitliche Orientierung sprechen zu können. Indes scheint der wache Sinn für den schmalen Horizont der Gegenwart und all das, was in ihm abläuft, vom Kurzzeitgedächtnis kontrolliert und abgebildet zu werden. Diese aktuelle Erlebniszeit begleitet die lange Zeit unseres Lebens und Erlebens, die vom Langzeitgedächtnis kontrolliert und abgebildet wird wie der Schatten den Körper oder wie der aktuell sich schreibende Algorithmus den Prozessor.</p>
<p>Dieses an das Kurzeitgedächtnis geknüpfte bewusste Zeiterleben ist der letzte Horizont unserer persönlichen Zeiterfahrungen und Zeitabschätzungen. Von diesem Nullpunkt des Zeitbezugs aus reden wir von gestern, heute und morgen, von unserer Kindheit oder der Zeit, die wir in dieser Stadt oder in jenem Land verlebten, von der vergehenden und der kommenden Zeit. Es ist dieses Gegenwartserleben, das sich mit den bekannten merkwürdigen oder außerordentlichen psychologischen Zuständen mischen und aufladen kann: die ewig sich in Erlebnisfülle und -dichte dahinziehenden Sommertage der Kindheit oder das Erlebnis des alternden Menschen, die Zeit verlaufe schneller und schneller, die Langeweile des allen sozialen Erwartungen und Beanspruchungen entlaufenen Bohemiens und Verbrechers, das Erlebnis des Kairos durch den historischen Menschen, der eine Zeitenschwelle überschreitet.</p>
<p>Als natürliche Wesen mit sich nur in Grenzen regenerierenden Organismen, anfällig für Krankheiten, Verletzungen und Unfällen ausgesetzt, gelangen wir unversehens vom Kindsein zum Jugendalter und blicken ungläubig von der hohen Warte des reifen Erwachsenen auf die ferne Ebene des Alters: Schicksalhaft dem Prozess des Alterns preisgegeben, sehen wir unserem endgültigen Verfall und Untergang entgegen. Das Wissen um dieses tödliche Faktum führt zwar bei schweren pathologischen Fällen zu Lähmungen der Antriebskraft und des Lebenselans – im Normalfall bleiben uns ein tragisches Lebensgefühl oder ein schwermütiges Starren aufs Grab (das berüchtigte Sein zum Tode) erfreulicherweise erspart. Jedenfalls hindert uns die Gewissheit unseres dermaleinstigen Hinschieds nicht daran, weiterhin unsere Absichten für die nähere oder fernere Zukunft zu hegen und mit den Menschen und Mitteln zu verfolgen, die wir dafür als geeignet ansehen.</p>
<p>Wir synchronisieren mein und dein Gegenwartserleben im Wir-Erleben kollektiver Gegenwart des Festes, des Wettkampfes, des Spiels, des Rituals, des Krieges. Löst sich die kollektive Umklammerung der einzelnen Erlebniszentren, fallen ich und du wieder in die Einzelrhythmen und Einzelzyklen unseres kleinen Dahinlebens zurück.</p>
<p>Auf dem historischen Hintergrund der großen Gründungen und Stiftungen unseres Kulturkreises säkularer und religiöser Art waren und sind unsere Erlebniszeiten eingebettet und synchronisiert in epochal ausstrahlende Epochen-, Monats- und Jahresregister, wie bei der Jahreszählung nach der Gründung Roms (ab urbe condita) und der Annuität der Senatorenfolge oder den Regierungszeiten der Kaiser sowie nach der jüdischen Offenbarung datierend von der Erschaffung der Welt oder nach der christlichen Offenbarung datierend von der Geburt Christi.</p>
<p>Erzählungen über Personen, die uns interessieren, knüpfen wir an Erzählungen über Ereignisse, in denen sie verstrickt waren, in denen sie sich zum Beispiel tapfer behaupteten und das Ihre verteidigten oder feige davonliefen und alles preisgaben. In solchen Geschichten treten ihre besonderen Begabungen, Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften zutage: Mut und Feigheit, Besonnenheit und Leichtsinn, Ausdauer und Schwäche, Klugheit und Torheit. Wir erzählen solche Anekdoten, Histörchen und Geschichten im narrativen Erzähltempus des Präteritums (Imperfekts). „Es war ein schöner Sommertag, er ging in der Lindenallee spazieren.“ Das Erzähltempus erlaubt uns, ohne genaue Angabe des Zeitpunkts auf Ereignisse und Zustände der Vergangenheit Bezug zu nehmen, die eine gewisse Dauer für sich beanspruchen.</p>
<p>„Nachdem er seinen Bruder Remus ermordet hatte, hat Romulus die Stadt Rom gegründet.“ Mit der Verwendung der vollendeten Gegenwart (Perfekt) nehmen wir auf ein reales oder fiktives Geschehen der Vergangenheit Bezug, dessen Auswirkungen und Konsequenzen für unsere Gegenwart beziehungsweise die Gegenwart des Sprechers Relevanz und Bedeutung haben oder zu haben beanspruchen.</p>
<p>„Ich werde dich morgen früh in der Lindenallee abholen.“ Wir sind handelnde Wesen, auf der hügeligen Vulkanlandschaft unserer gleichsam erloschenen, vergangenen Handlungen sind wir guter Dinge, weiterhin Absichten zur Ausführung zukünftiger Handlungen hegen zu dürfen. Um die zukünftige Aktion glücklich in den Hafen zu fahren, betasten wir fragend den Zukunftshorizont: „Wirst du morgen auch Zeit haben und rechtzeitig zur Stelle sein&#8221;? „Passt dir die Lindenallee oder sollen wir einen Treffpunkt wählen, der dir lieber ist?“ Wir klopfen mit Fragen und Wenn-dann-Behauptungen im futurischen Tempus die Vektoren und Faktoren, die als Bedingungen des Eintretens des gewünschten oder als Bedingungen der Vermeidung des unerwünschten und gefürchteten Ereignisses vorliegen, auf die Wahrscheinlichkeit eben dieses Eintretens ab. „Wenn du den Frühzug nimmst, kann du noch rechtzeitig zum Beginn der Veranstaltung da sein.“</p>
<p>&#8220;Wenn du das und das tätest, würdest du dadurch das und das erreichen.“ „Wenn du das und das getan hättest, hättest du das und das erreicht.“ Die konditionale Fügung im Möglichkeits- und Unmöglichkeitsmodus des Coniunctivus irrealis stellt uns Gedankenmodelle zur Verfügung, mit denen wir unseren Möglichkeitssinn auf die Probe stellen und mögliche Handlungen und Ereignisse auf die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens oder Nichteintretens abtasten können: „Wenn du den Frühzug verpassen würdest, könntest du nicht rechtzeitig zum Beginn der Veranstaltung da sein.“ „Wenn du mehr Engagement zeigen würdest, könntest du bald beruflich aufsteigen.“</p>
<p>Der offene Horizont der Zukunft ist unser eigentlicher Lebensbezug – solange wir leben. Die Ereignisse der Vergangenheit, die wir mit anderen und andere neben und vor uns erlebt und in Gang gesetzt haben, beziehen wir über die Mündungsspitze unserer aktuellen Erlebnisgegenwart auf das mehr oder weniger offene Delta der Zukunft. Um die vergangenen Handlungen in das konditionale Satzgefüge einzupassen, das uns erlaubt, sie in Hinsicht auf zukünftige Möglichkeiten zu bewerten, bilden wir Wenn-dann-Sätze im Möglichkeits- und Unmöglichkeitsmodus des Coniunctivus irrealis: „Hättest du damals mehr Engagement gezeigt, wärest du bald beruflich aufgestiegen.“ Daraus leiten wir hoffnungsfroh und motivierend den Satz im realen Futur ab: „Wenn du mehr Engagement zeigen wirst, wirst du bald beruflich aufsteigen.“</p>
<p>Die Zukunft ist der mehr oder weniger weite Horizont all der Ereignisse, die wir erhoffen, die wir befürchten oder die uns gleichgültig sind. Was uns angeht und interessiert, unsere ureigenen Lebensinteressen berührt, sind nützliche, förderliche, segensreiche oder schädliche, hemmende, feindselige Dinge, Ereignisse und Personen. Was uns angeht, sind gute Erwartungen oder schlimme Drohungen, gute Ernten oder Parasitenbefall, Kindersegen oder Kindstod, glückliche Tage oder verweinte Nächte.</p>
<p>Das konditionale Satzgefüge bietet uns die sprachlichen Mittel und Techniken, Nutzen und Schaden, die Taxierung der Wahrscheinlichkeit des Eintritts von nützlichen oder verderblichen Ereignissen und die Taxierung der Wahrscheinlichkeit der Vergrößerung oder Minimierung von Risiken darzustellen: „Wenn wir die Filiale unseres Unternehmens in Flussnähe am Ober- oder Mittelrhein gründen würden, wären wir einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt. Betriebsausfälle aufgrund von eingetretenen Hochwasserschäden könnten unseren Absatz vermindern und dem Ruf unseres Unternehmen schaden.“ „Wenn wir die riskanten und umstrittenen Zusatzstoffe dem neuentwickelten Medikament entzögen, könnten wir das Produkt besser vermarkten und unser Unternehmensimage aufpolieren.“</p>
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