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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Konsistenz</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Logische Schneisen XV</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Feb 2014 19:22:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Konvention]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Dein Wort hat heute dieselbe Bedeutung wie gestern und hoffentlich auch morgen. Was heißt das? Du sagst dasselbe in derselben Situation mittels derselben sprachlichen Ausdrücke. Du wirst nicht anfangen, „Guten Abend“ zu sagen, wenn du morgens in die Schule, in die Universität oder ins Büro kommst, um deine Mitschüler, Kommilitonen und Kollegen zu begrüßen – [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-xv/">Logische Schneisen XV</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Dein Wort hat heute dieselbe Bedeutung wie gestern und hoffentlich auch morgen. Was heißt das? Du sagst dasselbe in derselben Situation mittels derselben sprachlichen Ausdrücke. Du wirst nicht anfangen, „Guten Abend“ zu sagen, wenn du morgens in die Schule, in die Universität oder ins Büro kommst, um deine Mitschüler, Kommilitonen und Kollegen zu begrüßen – es sei denn vielleicht einmal, weil du mutwillig aufgelegt bist, zum Scherz. Wenn du es dir allerdings zur Regel machtest, die gewohnten Begrüßungsformeln falsch zu verwenden, hielte man dich bald für einen ausgemachten Narren.</p>
<p>Wir sagen: Die Erde steht fest – in gewissen Grenzen, hier enger, dort weiter, auch wenn sich der gewaltige physische Körper mit rasender Geschwindigkeit durch die Weiten der Galaxis, sich um die eigene Achse drehend, auf seiner elliptoiden Umlaufbahn um das Zentralgestirn bewegt: gleichsam zu unser aller Nutz und Frommen, würden wir ansonsten doch trist und dumm aus der Wäsche schauen, entbehrend des Wechsels von Tag und Nacht und der gloriosen Rhythmen der Jahreszeiten. Wenn wir sagen, die Erde stehe in gewissen Grenzen fest, meinen wir damit: Die Welt bindet unsere Erfahrung in ein Kontinuum, dessen Ränder wohl ins Unbestimmte und Vage zerfließen, dessen Kernschicht indes gleichsam aus gehärtetem Material besteht: der Identität der Erfahrungsgegenstände und Tatsachen, die wir in der Anwendung aller Arten des Zählens und Schlussfolgerns, bei allen Formen des Arrangierens, Sortierens, Gruppierens und Neugruppierens von Gegenständen voraussetzen.</p>
<p>In unserer Welt natürlicher Systeme von Symmetrien und konstant wiederkehrender oder systematisch variierender Regularitäten kommen wir dahinter, dass der Gegenstand der Wahrnehmung des hellsten Sterns am Abendhimmel derselbe Gegenstand der Wahrnehmung des ersten Sterns des Morgenhimmels ist. In unserer Welt kontinuierlicher und nicht völlig diskontinuierlicher Erfahrung kommen wir dahinter, dass der Abendstern dieselbe Umlaufbahn zieht wie der Morgenstern und deshalb derselbe Stern ist, nämlich der Planet Venus.</p>
<p>Lebten wir in einer seltsamen Welt, in der der Abendstern nicht derselbe Gegenstand wie der Morgenstern wäre, könnten wir uns nicht über die Anwesenheit oder Abwesenheit derselben Gegenstände verständigen und unterhalten – das System unserer Erfahrung, das auf der Anwendung des Begriff der Identität beruht, bräche in sich zusammen: Könnten wir nicht über denselben Gegenstand sprechen, hätten wir unser einigermaßen solides und verlässliches System der Erfahrung nicht gegen ein fluides, buntes und anarchisches System der Erfahrung ausgetauscht: Wir könnten schlicht überhaupt keine Erfahrungen mehr machen. Wir wären außerstande, etwas zu sagen, einen Gedanken zu fassen, eine Handlung zu vollziehen.</p>
<p>Behauptungen und Handlungen setzen die Anwendbarkeit der Kriterien von richtig und falsch voraus, sonst könntest du nicht etwas behaupten, dem ich beistimmen oder widersprechen, nicht eine Handlung vollbringen, die ich uneingeschränkt gutheißen oder als tadelnswert zurückweisen kann. In einer Welt oder einem System der Erfahrung, in dem nichts richtig und nichts falsch ist, träumen wir mit offenen Augen.</p>
<p>Ihr erwartet viele Gäste. Du hast bereist 8 Suppenteller auf dem Tisch in 2 Gruppen von je 4 Tellern arrangiert. Wenn du mich aufforderst, noch einen letzten Teller dazuzustellen, wie soll ich mich verhalten? Wenn ich den Teller zu einer der beiden von dir symmetrisch arrangierten Gruppen stelle, zerstöre ich die Symmetrie. Doch wenn die Gleichung 9 = 3 x 3 stimmt, werde ich einfach das Arrangement der Teller in 3 Gruppen zu je 3 Tellern neugruppieren.</p>
<p>Lebten wir in einer Welt, in der das Prinzip „Aus den Augen aus dem Sinn“ in einer radikalen Bedeutung gälte und die Dinge ihr Gesicht wechselten wie Don Juan die Frauen, könnte es geschehen, dass sich mein neues Arrangement wie von Zauberhand im Nu in eine neue Gruppe mit der Aufteilung 1 Teller, 3 Teller, 4 Teller verwandelte, weil in dieser schönen neuen Welt Symmetrien nicht vorkämen oder verboten wären.</p>
<p>Du hast deine 8 Suppenteller für die erwarteten Gäste schön symmetrisch in 2 Gruppen arrangiert und greifst aus der Schublade eine gute Handvoll Löffel, um sie ordentlich Stück für Stück den Tellern zuzuweisen. Du musstest die Löffel nicht eigens auf 8 Stück abzählen – wenn du allen Tellern je 1 Löffel zugeordnet hast, weißt du, dass es 8 Löffel sind, die jetzt auf dem Tisch liegen. Mehr ist nicht vonnöten, solange wir in unserer Welt leben, in der je ein Mensch genau mit 1 Löffel auskommt, um seine Suppe auszulöffeln. Auch wenn du nicht wüsstest, wie viele Suppenteller auf dem Tisch stehen, wüsstest du doch, dass nach der korrekten Zuordnung der Löffel auf je einen Teller die Anzahl der Löffel und die Anzahl der Teller identisch sind. Wir sagen etwas umständlich auch, die Menge der Elemente der Teller ist gleichzahlig mit der Menge der Elemente der Löffel.</p>
<p>Wenn du alle Löffel korrekt neben die 8 Teller gelegt hast, überblickst du nochmals die Situation – und stellst zu deinem Erstaunen, ja Entsetzen oder Grauen, fest, dass jetzt nur noch 2 Löffel neben 2 Tellern liegen, neben den anderen Tellern liegen einmal 3 Messer und einmal 3 Gabeln.</p>
<p>Was ist hier passiert? Du bist in eine verzauberte und verrückte Welt geraten, in der die Dinge dir ständig ein Schnippchen schlagen, dich narren und an der Nase herumführen – eine Welt, in der die Gegenstände ihre Identität wie Narrenkappen reihum wechseln, eine Welt, in der nichts feststeht, sondern die Kernschicht unserer Erfahrung sich verflüssigt hat und die Anwendung der Schicksalsvokabel „derselbe“ nicht mehr möglich ist. In dieser Welt der Unruhe, des Chaos und der traumartigen Metamorphosen gibt es weder Tag noch Nacht, weder Mondjahr noch Sonnenjahr, weder Zahl noch Maß, kein Ich und kein Du. Die Flüsse strömen aufwärts, die Bäume wurzeln in der Luft, dein Gegenüber ist ein negativer mentaler Zwilling und verneint ohne Unterlass jeden Gedanken, den du gerade denkst. Die Menschen verschwinden unter den Augen der anderen, die Grenzen zwischen Wahrnehmung, Erinnerung und Traum verschwimmen. In einer solchen auf dem Kopf stehenden Welt ist ein Leben nicht mehr möglich – unser Leben, das eine gewisse Ruhe, Beständigkeit, Gelassenheit – wenn auch vorläufig, wenn auch in fließenden Grenzen – in seinen mentalen Fundamenten zu genießen gleichsam begnadet ist.</p>
<p>In einer solchen Welt des Phantastisch-Unbestimmten und Unerwarteten ohne Symmetrien und Regularitäten könntest du keine Behauptung wagen ­und kein Versprechen abgeben oder ernst nehmen. Behauptest du etwa, ich habe wohl arge Schmerzen, weil ich stöhne und mich krümme, halte ich mit der Behauptung dagegen, dass ich mich pudelwohl fühle, und dies die Art sei, wie man hierzulande Freude bekunde, nämlich stöhnen und sich krümmen. Verspreche ich dir in einer solchen Pseudo-Welt, dich morgen zu besuchen, weist du mein Ansinnen mit der Begründung zurück, dass es ungewiss sei, ob ich morgen die Person antreffen werde, mit der ich jetzt gerade spreche, oder einen Zwilling von dir vor mir habe, der dir in allem gleicht, ohne du zu sein und sich an dich erinnern zu können.</p>
<p>Wir bemerken en passant, dass es in einer Pseudo-Welt, in der es nicht möglich wäre, konsistente Behauptungen aufzustellen oder glaubwürdige Versprechen abzugeben, weder Logik noch Mathematik geben könnte.</p>
<p>Denjenigen, der in einer solchen Welt des Chaos – aus Langeweile oder Überdruss vor unserer Welt relativer Ordnung – zu leben wünscht, heißen wir rechtens einen unverantwortlichen Clowns-Philosophen. Denjenigen, der in einer solchen Welt lebt, nennen wir zurecht einen aller Verantwortlichkeiten entbundenen Narren.</p>
<p>Aufgrund der Existenz von zählbaren Gegenständen in unserer Welt können wir zählen – wir müssen es nicht. Wenn es auch keine metaphysische Notwendigkeit des Zählens und der Existenz der Zahlen gibt, so doch die logische Notwendigkeit des Weiterzählens, nämlich auf die Weise weiterzuzählen, wie wir begonnen haben. Wenn wir mit der Reihe 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 begonnen haben, haben wir mit der Formel x +1 die logische Notwendigkeit fixiert, wie es weiterzugehen hat. Wenn wir mit der Reihe 2, 6, 8, 10, 12 beginnen, wissen wir, wie es anhand der Formel 2x weitergeht, ebenso bei der Reihe 2, 4, 8, 16, 32 anhand der Formel x<sup>2</sup> .<sup><br />
</sup><br />
Wenn wir mit den elementaren Rechenoperationen begonnen und die ersten einfachen Gleichungen aufgeschrieben haben, können wir nicht anders, als weiterzurechnen. Wir sind mit der Gleichung 2 + 2 = 4 gleichsam gebunden und in die Pflicht genommen, weitere Gleichungen zu bilden, die als Funktionen mit äquivalenten Werten dasselbe Argument bilden, wie etwa die Gleichungen 8–4 = 4, 2x (4–2) = 4, √16 = 4 oder 3 Komma Periode 9 = 4.</p>
<p>Der Spielraum unserer Freiheit ist eingeschränkt, wenn wir einmal zu zählen und zu rechnen begonnen haben. Wir können zum Leidwesen manch geplagten Schülers nicht darauf hoffen, dass übermorgen ein internationaler Kongress aller Mathematiker der Welt stattfindet, auf dem diese beschließen, die einfachen Rechenoperationen und also die Grundformen logischen Schließens so abzuändern, dass die Gleichung 2 + 2 = 4 nicht mehr gilt. Die korrekte Anwendung des Zahlbegriffs und des logischen Einmaleins beruht nicht auf willkürlichen Vereinbarungen, wie die Spielregeln bei Mühle oder Schach auf Vereinbarungen oder Konventionen beruhen.</p>
<p>Der merkwürdige Zwang, der uns beim Rechnen und logischen Schließen auffordert, so und nicht anders vorzugehen, ist weder ein physischer noch ein metaphysischer Zwang. Er ist sinnvoll mit der Bindung durch Kodifizierung einer Regel verglichen worden, die festlegt, dass die Regel willkürlichen Veränderungen entzogen bleibt. Wir hätten vielleicht diese oder jene Regel anders formulieren können – aber diese Modifikationen laufen letztlich auf eine Wahl derart hinaus, ob wir als Maßeinheit die Elle oder das Meter zugrundelegen – nur, mit dem Meter kommen wir weiter und tiefer in die Welt des Messbaren hinein.</p>
<p>Wir können auch sagen: Die kodifizierten und normierten Regeln des Zählens, Rechnens und Schlussfolgerns sind die effektivsten, mächtigsten und elegantesten Verfahren, die wir zu unseren Zwecken zu benutzen gelernt haben. Wir wollen diese Errungenschaften einmal kühn mit dem Verfahren der Wegbahnung vergleichen, das Ameisen mittels der Hinterlegung chemischer Spuren von einem begehrten Objekt wie nahrhaftem Blattwerk oder kultivierbaren Pilzen zum heimischen Nest anwenden: Die Spur des kürzesten Wegs wird sich exponentiell schnell verstärken – und dies zurecht, gibt sie doch die beste Orientierung, ohne Umwege und Abwege.</p>
<p>Der wahre Spielraum unserer Freiheit beruht in der Anwendung der Begriffe richtig und falsch. Die Sonderstellung des Menschen als vernunftbegabten Wesens – wenn wir uns die Lizenz gönnen, uns einmal auf solch seltsame oder pathetische Weise auszudrücken – zeigt sich in seiner Fähigkeit, Fehler zu machen. Eine Maschine wie ein elektronischer Taschenrechner oder ein Computer macht keine Fehler, sondern läuft leer oder fällt aus, sie begeht keinen Irrtum, denn sie kennt die logischen Regeln nicht oder sie hat vom Sinn der Anwendung der Regeln kein Bewusstsein, gemäß denen und auf deren Grundlage sie gebaut wurde und funktioniert.</p>
<p>Nur der naive Schüler, nicht die Maschine, ist irrtumsanfällig und begeht sicher einmal den vermaledeiten Fehler, in der Anwendung der binomischen Formel (a + b)<sup>2 </sup>= a<sup>2 </sup>+ 2ab + b<sup>2</sup> die Verdopplung des Produkts der Ausgangswerte zu vergessen, weil ihm dies logisch nicht sinnfällig zu sein scheint und ihm als Evidenz nicht auf der Hand liegt.</p>
<p>Zu verneinen, dass Menschen mit einer Freiheit begabt sind, die in der Fähigkeit, Fehler zu begehen, zum Ausdruck kommt, heißt verzweifelt, närrisch oder mephistophelisch ein Schicksal bejahen, das unsere Welt gleichsam in einen Albtraum eines ohnmächtigen Gottes verwandelt.</p>
<p>Zu verneinen, dass Menschen mit einer Freiheit begabt sind, die in der Fähigkeit zum Ausdruck kommt, Fehler und Irrtümer zu begehen, einen notwendigen logischen Schritt zu übersehen und zu überspringen, aber auch den Irrtum zu erkennen und zu korrigieren, heißt, den Selbstwiderspruch bejahen, dass wir nicht in der Lage wären, richtig von falsch zu unterscheiden und also irgendeine sinnvolle Behauptung aufzustellen (denn Behauptungen sind notwendigerweise richtig oder falsch) – heißt leugnen, dass wir in der Lage sind, überhaupt etwas Sinnvolles zu äußeren.</p>
<p>Die Behauptung, dass wir in keiner Hinsicht frei seien und also nicht frei, richtige von falschen Behauptungen zu unterscheiden, ist evidenterweise inkonsistent und demnach FALSCH.</p>
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		<title>Logische Schneisen XI</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 17:02:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Inkonsistenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kohärenz]]></category>
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		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Sebstwiderspruch]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Dimensionen des logischen Raums, Sprache, Intentionalität, Bewusstsein und Rationalität, sind systematisch verknüpft, das heißt sie implizieren sich wechselseitig. Auf diese Weise bilden sie einen begrifflichen und axiomatischen Zirkel, der die Grenze zwischen den Gegensätzen absichtsvoll/unwillkürlich, intentional/kausal, sinnvoll/sinnlos sowie rational/irrational definiert. Wenn du die Behauptung äußerst „Ich glaube, dass der Mond der Erdtrabant ist“, äußerst [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-xi/">Logische Schneisen XI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Dimensionen des logischen Raums, Sprache, Intentionalität, Bewusstsein und Rationalität, sind systematisch verknüpft, das heißt sie implizieren sich wechselseitig. Auf diese Weise bilden sie einen begrifflichen und axiomatischen Zirkel, der die Grenze zwischen den Gegensätzen absichtsvoll/unwillkürlich, intentional/kausal, sinnvoll/sinnlos sowie rational/irrational definiert.</p>
<p>Wenn du die Behauptung äußerst „Ich glaube, dass der Mond der Erdtrabant ist“, äußerst du einen Satz über deinen intentionalen Zustand des Glaubens, der nicht eintreten kann, ohne dass du dir seiner bewusst bist; und weil du nicht nur glaubst, dass der Mond der Erdtrabant ist, sondern auch, dass ein Erdtrabant ein Planet ist, der die Erde umkreist, gibst du anhand der Kohärenz dieser Überzeugungen eine wenn auch geringfügige Probe deiner Fähigkeit zu rationalem Denken.</p>
<p>Dein behauptendes Sprechen impliziert das Bewusstsein des intentionalen Zustands des Glaubens oder Meinens oder Überzeugtseins sowie die Vereinbarkeit der geäußerten Überzeugung mit möglichst vielen und bestenfalls all deinen restlichen Überzeugungen. Wir halten fest: Behauptungen setzen die Kohärenz der in der Behauptung geäußerten Überzeugung mit möglichst vielen (bestenfalls allen) empirischen und logischen Annahmen des Sprechers voraus, die sich in einem Netz von Überzeugungen und Annahmen wechselseitig implizieren oder auseinander ableitbar sind oder wechselseitig ausgrenzen und negieren.</p>
<p>Sollte sich bereits an der logischen Form des geäußerten Satzes zeigen, dass er nicht sinnvoll ist, wie bei dem Satz „Ich glaube, der Mond ist der Erdtrabant, und ich glaube nicht, dass ein Planet die Erde umkreist“, können wir aus der sinnwidrigen Behauptung auf eine Inkonsistenz im Netzwerk der Überzeugungen des Sprechers schließen. Ob das Gewebe des Netzwerks nur an dieser Stelle gleichsam einen Riss hat oder ob sich der Riss über die gesamte Fläche des Netzes ausbreitet, können wir erst mittels weiterer Stichproben anhand weiterer Behauptungen der Person ausfindig machen. Sollte sich bei genügend Proben erweisen, dass die Person nicht willens und in der Lage ist, aktiv und umfassend Inkonsistenzen aus dem rationalen Gewebe ihrer Überzeugungen auszuschließen, beginnen wir leise Zweifel am rationalen Status der Person zu hegen.</p>
<p>Wir bemerken, dass wir gleichsam anhand des Schattens des Logischen die Schatten werfenden logischen Strukturen erfassen und aufbauen können. So wie wir anhand der fatalen Nah- und Fernwirkungen von Inkonsistenz im Glaubensnetz einer Person die Forderung nach Konsistenz als erste Forderung der Vernunft und des logischen Raums erfassen können.</p>
<p>Dabei unterscheiden wir streng Inkonsistenz als sinnwidrige Behauptung von Irrtum als Behauptung eines falschen Satzes. Wir können von sehr vielen Dingen das Falsche und Unwahre annahmen, ohne im Geringsten Gefahr zu laufen, Zweifel an der Berechtigung unseres Status einer rationalen Person zu erregen. Wenn ich glaubte, die Erde sei eine Scheibe, die Sterne würden von Engeln bewegt und hinter den Sieben Bergen hausten Pegasus und Einhorn, wäre ich nicht unvernünftig, sondern nur ein bisschen hinterm Mond.</p>
<p>Irrtümer und verkehrte Überzeugungen dieser Art hindern mich nicht daran, beim Bäcker und im Supermarkt einzukaufen, mit dir nett zu plaudern (außer über Einhörner und Verwandte) und meinen Alltag zu organisieren, kurz mittels der mehr oder weniger korrekten Verwendung spezifischer Sprechakte des Behauptens, Aufforderns und Versprechens und den sie begleitenden intentionalen Zuständen im Leben klar zu kommen.</p>
<p>Wer aber den Widerspruch in sein Glaubenssystem gastlich aufnimmt und dort sein Zerstörungswerk ungehindert durchführen lässt, überschreitet früher oder später die Grenzen des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein. Er scheint noch zu sprechen, aber da er zugleich das Gegenteil dessen, was er sagt, annimmt, teilt er uns nichts mehr mit, oder er teilt uns mit, dass er die Fähigkeit zur Übermittlung von Informationen eingebüßt hat. Er gibt uns zu verstehen und zu bedeuten, dass er die Fähigkeit des Bedeutungsverstehens verloren hat – er ist bedeutungsblind geworden.</p>
<p>Der Bedeutungsblinde versteht die Funktion der Zeichen nicht, nämlich einen Gegenstand zu bezeichnen und damit zugleich all das, was dieser Gegenstand nicht ist, auszuschließen oder abzugrenzen. Das Prädikat „rot“ versieht den Gegenstand mit einem Farbbegriff und schließt ihn zugleich von der Anwendung aller anderen Farbbegriffen aus. Hier bemerken wir, dass Bedeutungsverstehen auf der formalen Fähigkeit der Zuschreibung von Prädikaten derselben Kategorie und der Negation aller anderen Prädikate derselben Kategorie beruht.</p>
<p>Wenn wir sehen, wie jemand auf die Tafel schreibt „Ich bin über 30 Jahre alt, ich bin unter 30 Jahre alt, mein Vater lebt in Frankfurt, mein Vater liegt schon fünf Jahre auf dem Waldfriedhof“, könnte er sich als rationale Person ohne jeden Anflug inkonsistenten Denkens erweisen, wenn er auf unsere Nachfrage, was er denn da treibe, erklärt, er bereite grammatische Übungssätze für den Deutschunterricht vor.</p>
<p>Von dem Bedeutungsblinden aber können wir vergleichsweise sagen: Er öffnet das Fenster und schließt es gleich wieder. Er ruft jemanden an und legt sofort auf, wenn der Angerufene den Hörer abhebt. Er befeuchtet das Handtuch, mit dem er sich abtrocknen will. Er schreibt einen Satz nieder und streicht ihn wieder durch. Er multipliziert jede Zahl mit null. Er tritt gleichzeitig auf die Bremse und gibt Gas.</p>
<p>Der Bedeutungsblinde ist unfähig, in der pragmatischen Kommunikation des Alltags seine intentionalen Zustände und Absichten deutlich und verständlich kundzutun. Er verspricht etwas, ohne den festen Willen und die Absicht haben zu können, das Versprochene laut Verabredung einzuhalten und zu verwirklichen – er zeigt damit nicht seine Untreue und seine notorische Unzuverlässigkeit oder Vergesslichkeit, sondern sein Unverständnis dafür, um welchen Sprechakt es sich beim Versprechen eigentlich handelt. Jemanden, der seine Versprechen und Zusagen hartnäckig bricht, zeihen wir rechtens der charakterlichen Unzuverlässigkeit und tadeln ihn in der wenn auch wenig aussichtsreichen Hoffnung auf Besserung – den Bedeutungsblinden aber können wir nicht einmal tadeln, da es ihm nicht möglich ist, für die moralischen Folgen des Sprechakts des Versprechens geradezustehen und Verantwortung zu übernehmen. Wir reden hier nicht von Charakterschwäche, sondern von Geisteskrankheit.</p>
<p>Sprechen heißt, Grenzen ziehen, die Grenze der Anwendbarkeit von Prädikaten bestätigen oder zu verschieben suchen. In der Schwarz-Weiß-Welt impliziert die Behauptung „Dieser Fleck ist nicht schwarz“ die Behauptung „Dieser Fleck ist weiß“. In der Drei-Farben-Welt impliziert die Behauptung „Dieser Fleck ist rot“ die Behauptung „Dieser Fleck ist grün oder blau.“ Wir sagen etwas umständlich zur Verdeutlichung: Dieser Gegenstand gehört zur Menge aller Gegenstände, die in der Drei-Farben-Welt die Eigenschaft haben, rot zu sein, und er gehört nicht zur Menge aller Gegenstände, die die Eigenschaften haben, grün oder blau zu sein. Wenn ich die Zugehörigkeit eines Gegenstands zu einer Menge M<sub>1</sub> festgelegt habe, habe ich gleichzeitig die Nicht-Zugehörigkeit des Gegenstands zu jenen Mengen M<sub>2</sub>, M<sub>3</sub> … M<sub>n</sub> festgelegt, die mit M<sub>1</sub> denselben logischen Raum – hier den Farbraum – teilen.</p>
<p>Die Äußerung eines Sprechers in der Schwarz-Weiß-Welt „Dieser Gegenstand ist weder schwarz noch weiß“ manifestiert keine Sehschwäche, sondern Bedeutungsblindheit bei der sinnvollen Verwendung der Farbausdrücke. Der Satz „pi ist rot“ ist nicht falsch, sondern unsinnig, weil der Sprecher den kategorialen Unterschied von Zahlbegriffen und Begriffen von Gegenständen in der Raum-Zeit verkennt, dem gemäß Zahlen aus dem Farbraum gleichsam ausgesperrt sind. Über pi kann man nur sagen, was zu sagen im logischen Zahlenraum sinnvoll zu sagen ist, zum Beispiel dass es eine transzendente Zahl ist, dass es nicht die Lösung einer Gleichung darstellt und dergleichen mehr.</p>
<p>Wenn wir in der Schwarz-Weiß-Welt Schattierungen und Nuancen zulassen und jemand äußert: „Dieser Gegenstand ist weder schwarz noch weiß“, schließen wir daraus nicht auf Bedeutungsblindheit bei der sinnvollen Anwendung von Farbausdrücken. In diesem Fall ist die Konjunktion der Sätze „Dieser Gegenstand ist nicht schwarz“ und „Dieser Gegenstand ist nicht weiß“ kein Widerspruch, und der Sprecher ist nicht in die Falle des Selbstwiderspruchs und der Inkonsistenz getappt, wenn der Gegenstand grau ist.</p>
<p>Der formale Ausdruck der Inkonsistenz ist die Behauptung von p und nicht-p in einer relevanten Situation, die demselben Sprecher Behauptungen über denselben Gegenstand zuordnet. Wir stellen fest: Inkonsistenz ist gleichsam der Schatten von Behauptungen, nicht von Sätzen. Sätze wie „Der Kanzler von Deutschland ist ein Mann“ und „Der Kanzler von Deutschland ist eine Frau“ sind geäußert zur Zeit der Kanzlerschaft von Frau Merkel und Herrn Schröder falsch, geäußert zur Zeit der Kanzlerschaft von Herrn Schröder und Frau Merkel richtig. Die beiden Sätze werden inkonsistent, wenn sie als Konjunktion von derselben Person zur Zeit der Kanzlerschaft Schröders oder Merkels geäußert werden.</p>
<p>Dagegen bilden die beiden Sätze „Der Mond ist der Erdtrabant“ und „Der Mond ist aus grünem Käse“ keine Inkonsistenz, auch wenn der zweite Satz falsch ist und auch wenn sie von derselben Person angesichts des gerade prachtvoll aufgehenden Vollmonds geäußert werden.</p>
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		<title>Logische Schneisen IX</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jan 2014 18:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Absicht]]></category>
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		<category><![CDATA[Konsistenz]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-ix/">Logische Schneisen IX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als intentionale Zustände von Wünschen und Absichten gegenwärtig werden und zugänglich sind, nämlich als Wünsche und Absichten, dasjenige, was wir für erstrebenswert halten, zu erlangen, und dasjenige, was wir für gefahrbringend halten, zu vermeiden.</p>
<p>Die biologische Tatsache, die dem Aussagetypus der Behauptung  zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als rezeptive Sinnenwesen Eindrücke von ihrer Umwelt erfahren. In der Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein übersetzen wir diese sensorischen Reize in die generellen Terme unserer empirischen Aussagen über Gegenstände, die wir mithilfe von Existenzquantoren binden, wie in den Aussagen (x) Fx oder Fa. Solcherart pflegen wir unsere Überzeugungen und Annahmen über mögliche und tatsächliche Ereignisse und Sachverhalte in der Welt auszudrücken.</p>
<p>Wenn du Durst verspürst, befindest du dich in dem intentionalen Zustand des Wunsches, etwas zu trinken. Du hast durch hinreichende Proben der Vergangenheit, bei denen du deinen Durst mit Wasser hast stillen können, die feste Überzeugung gewonnen, dass Wasser genau der Stoff ist, dessen du bedarfst, um deinen Durst zu löschen. Um den Wunsch zu erfüllen, ist es vernünftig oder rational, mich in der gegebenen Situation darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen.</p>
<p>Wir bemerken hier, wie du von einem intentionalen Zustand in den nächsten intentionalen Zustand gleichsam gleitest oder wechselst: Dein Wunsch, etwas zu trinken, führt dich zur Intention, mich darum zu bitten, dir das Wasser zu reichen. Wir können diesen Wechsel als vernünftigen Schluss aus zwei Prämissen darstellen: (1) „Ich habe den Wunsch, etwas zu trinken.“ (2) „Ich weiß, dass Wasser meinen Durst stillt.“ (3) „Also bitte ich die Person X, mir das Wasser zu reichen.“</p>
<p>Rationale Schlüsse und Relationen von intentionalen Zuständen sind keine kausalen Zusammenhänge und keine Abfolge von kausalen Wirkungen. Der obige Schluss ist rational und zwingend, das heißt aber nicht, dass du, wenn du zu dem Ergebnis kommst, es sei rational und vernünftig, mich darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen, diesen Sprechakt einer Aufforderung auch tatsächlich ausführst oder in irgendeinem kausalen Sinne auszuführen genötigt wärest: Du könntest mir gerade an diesem Tag meine dumme und herabsetzende Äußerung von gestern über dein Vorhaben, philosophische Essays auf deiner Webseite zu veröffentlichen, übel nehmen. Deshalb vermeidest du es, mich jetzt anzusprechen und mir Gelegenheit zu geben, dir bei einer freundlichen Geste zuzulächeln, und verzichtest lieber jetzt beziehungsweise vorläufig auf den erlösenden Schluck Wasser. Du hast dem sozial fundierten Wunsch, deinen Stolz zu wahren, in diesem Falle über den biologisch fundierten Wunsch, etwas zu trinken, den Vorrang oder die Präferenz gewährt.</p>
<p>Wir sprechen von Wünschen ersten und zweiten Grades und bemerken, dass diese Unterscheidung nicht mit der Unterscheidung von biologisch und sozial oder kulturell bedingten Wünschen äquivalent ist: Bei der Vorlesung, während der Unterredung mit deinem Vorgesetzten, während des Rendezvous mit deiner neuen Freundin kämpfst du gegen deine Müdigkeit an und unterdrückst alle körperlichen Anzeichen, die auf ein starkes Verlangen nach Schlaf hindeuten.</p>
<p>Wir haben gesehen, dass der logische Raum der Aussagen von zwei grundlegenden Aussagetypen erfüllt wird:</p>
<p>(1) die Behauptungen mittels empirischer Aussagen mit der logischen Form „Ich meine, dass p“, wobei p für einen beliebigen Satz mit einer empirischen Aussage über eine mögliche Tatsache der Welt steht wie „Der Mond ist der Erdtrabant“, sodass der Satz p wahr oder falsch sein kann, während der zusammengesetzte Satz als Aussage über den momentanen Bewusstseinszustand des Glaubens des Sprechenden immer wahr ist;</p>
<p>(2) die Aufforderungen oder Versprechen, deren pragmatische Grundform die Veranlassung darstellt: Ich veranlasse dich mittels einer sprachförmigen Geste der Aufforderung oder mittels eines Aufforderungssatzes, die Absicht zu hegen, das und das zu tun (wobei tun auch reden heißen kann); du veranlasst mich umgekehrt mit denselben Mitteln, eine Absicht zu hegen, dies und jenes zu tun. Du kannst deine Absicht, das von mir Geforderte auch wirklich und wahrhaftig in die Tat umzusetzen, bekräftigen, indem du sagst: „Es ist meine feste Absicht, dir diesen Gefallen zu tun!“ oder: „Ich verspreche dir, dir diesen Gefallen zu tun!“ Oder kurz, um mittels futurischer Verbform den Zukunftssinn der Absicht zu unterstreichen: „Ich werde dir diesen Gefallen tun!“</p>
<p>Das Netz der intentionalen Zustände überspannt beide Aussagetypen, Behauptungen und Aufforderungen, mittels der Grundformen rationalen Schließens: Wenn du die Absicht hegst, ein Haus zu bauen, folgt daraus eine Kette weiterer Absichten wie eine Bank mit der Finanzierung, einen Architekten mit der Planung und einen Bauingenieur mit der Ausführung zu beauftragen. Und diese Kette zerfällt wieder systematisch in eine lange Serie oder eine Kaskade von intentionalen Einzelschritten, die logisch aufeinander aufbauen und auseinander folgen: die Absicht, einen Bankberater anzurufen und mit ihm einen Termin zu vereinbaren, die Absicht, einen Finanzplan auf der Grundlage bestehender Einkommen und Vermögen zu ermitteln, die Absicht, einen Kredit in berechnetem Umfang zu beantragen, die Absicht, Zusatzversicherungen zur Absicherung des Kredits abzuschließen usw.</p>
<p>Wir sprechen hier von den systematischen Bedingungen der Kohärenz und der Konsistenz, das heißt der logischen Vereinbarkeit und der logischen Ableitbarkeit von Aussagen, die Begründungszusammenhänge und motivationale Kontexte, kurz Kontexte von Gründen und Intentionen, aufweisen müssen, damit es uns auf Dauer gelingt, unsere Ziele zu erreichen und unsere Zwecke zu verwirklichen.</p>
<p>Wenn du wirklich ein Haus bauen willst, du dich aber trotz der Tatsache, dass dein Vermögen bei weitem nicht ausreicht, ein solch teures Unternehmen zu finanzieren, weigerst, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen, sprechen wir von einem inkohärenten motivationalen oder intentionalen Kontext oder einer Inkohärenz der Absichten. Wenn du der Überzeugung bist, dass zur Planung eines Hausbaues die fachliche Arbeit eines Architekten erforderlich ist, du aber dennoch nicht die geringste Absicht hegst und nicht die geringsten Anstalten unternimmst, einen Architekten zu beauftragen, sprechen wir von einem inkonsistenten Kontext der Gründe und Absichten. Denn es ist ein logischer Widerspruch zu wissen, dass die Erfüllung von A die Voraussetzung der Erfüllung von B ist, und gleichzeitig die Erfüllung von A zu negieren.</p>
<p>Wir unterscheiden Bedürfnisse, Antriebe und Triebe auf der einen Seite und Wünsche und Absichten auf der anderen Seite, also kausale Mechanismen und intentionale Zustände. Bedürfnisse, Antriebe und Triebe fallen außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung, außerhalb des Reiches der Vernunft – sie sind aber deshalb nicht irrational (dann gehörten sie ja als Negationen aller Sätze über rationale Wünsche und Absichten in den logischen Raum der Vernunft), sondern der Rationalität und Vernunft gegenüber neutral und indifferent. Das heißt, wir können nicht von reinen Antrieben oder Trieben wie Hunger und Durst oder sexuellen Trieben unmittelbar auf die Präferenz der Absicht oder den praktischen Schluss schließen, der sich aus dem rationalen Syllogismus mit den Prämissen eines Wunsches und der Wahl eines Mittels zur Wunscherfüllung ergibt – wie oben am Beispiel des Wunsches zu trinken gezeigt.</p>
<p>Antriebe können kausal mit visuellen oder anderen sensorischen Reizen verknüpft sein – so der visuelle Reiz einer Flasche Wasser mit dem Bedürfnis, zu trinken. Sensorische Reize befinden sich außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein – sie sind neutral gegenüber den Begriffen von Wahrheit und Falschheit. Erst die Transformation des sensorischen Reizes in eine Wahrnehmung macht den Reiz gleichsam intelligibel, nämlich wahrheits- und falschheitsfähig. Man könnte auch sagen, Aussagen über sensorische Reize sind immer wahr, aber das heißt nur, dass sie tautologisch und empirisch nichtssagend sind. Ihr Indikator ist ja bekanntermaßen die Formel: „Mir scheint …“ Und damit kannst du nicht irren, weil eine Aussage über den mentalen Zustand deiner Gestalt-, Form-, Farb- oder Geruchswahrnehmung irrtumsresistent ist. Das ist der Unterschied der Aussagen: „Mir scheint, dort befindet sich eine Flasche Wasser“ und der Aussage: „Dort befindet sich eine Flasche Wasser“, die entweder wahr oder falsch ist.</p>
<p>Doch der sensorische Reiz muss erst in eine Wahrnehmung transformiert werden, wenn wir rational von unserer Wirklichkeit sprechen wollen. Dann gelangen wir zu der Überzeugung, dass wir unseren Wunsch stillen können, wenn wir aus der wahrgenommenen Flasche trinken. Wir befinden uns allererst im logischen Raum von Sprache und Bewusstsein, wenn sich herausstellen kann, dass diese unsere Überzeugung falsch war, weil sich in der Flasche kein echtes Wasser, sondern eine ungenießbare Flüssigkeit befand.</p>
<p>Wir ersehen aus dem Wechselspiel von intentionalen Zuständen und Syllogismen beziehungsweise praktischen Schlüssen, dass der logische Raum von Sprache und Bewusstsein zumindest über die beiden Dimensionen der Intentionalität und der Rationalität aufgebaut wird – die beiden Dimensionen umgreifen und implizieren einander. Sollte die Existenz von intentionalen Zuständen, wie manche behaupten, eine Illusion oder bloße Fiktion sein, und sollten alle intentionalen Zustände sich vollständig auf physische Zustände reduzieren lassen, müsste man folglich auch die Implikation der Existenz von Rationalität oder der menschlichen Fähigkeit, Aussagen in logische Verknüpfungen zu bringen, in Zweifel ziehen. Doch kann man überhaupt etwas in Zweifel ziehen, wenn man DIES in Zweifel zieht?</p>
<p>Wir nennen Wesen, die nicht nur Bedürfnisse, Antriebe und Triebe, sondern Wünsche und Absichten haben, Wesen, die nicht nur von sensorischen Reizen affiziert werden, sondern Wahrnehmungen und Überzeugungen über das Wahrgenommene haben, nämlich dass es entweder wahr oder falsch ist und das heißt, sich nicht nur auf einen je meinigen mentalen Zustand, sondern auf eine objektive Tatsache der Welt bezieht, sowie Wesen, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, rationale Wesen oder Personen.</p>
<p>Wenn wir uns in einem skeptischen Überschwang  so weit aus dem Fenster lehnen oder so weit übernehmen, dass wir bezweifeln, dass Personen solche rationalen Wesen sind, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente  und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, dann zweifeln wir an unserer eigenen Existenz, unterminieren die Grundlage all unseres Wissens und stürzen in einen bodenlosen Traum.</p>
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