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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; logischer Raum</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Logische Schneisen XI</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 17:02:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Inkonsistenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kohärenz]]></category>
		<category><![CDATA[Konsistenz]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Sebstwiderspruch]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Dimensionen des logischen Raums, Sprache, Intentionalität, Bewusstsein und Rationalität, sind systematisch verknüpft, das heißt sie implizieren sich wechselseitig. Auf diese Weise bilden sie einen begrifflichen und axiomatischen Zirkel, der die Grenze zwischen den Gegensätzen absichtsvoll/unwillkürlich, intentional/kausal, sinnvoll/sinnlos sowie rational/irrational definiert. Wenn du die Behauptung äußerst „Ich glaube, dass der Mond der Erdtrabant ist“, äußerst [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-xi/">Logische Schneisen XI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Dimensionen des logischen Raums, Sprache, Intentionalität, Bewusstsein und Rationalität, sind systematisch verknüpft, das heißt sie implizieren sich wechselseitig. Auf diese Weise bilden sie einen begrifflichen und axiomatischen Zirkel, der die Grenze zwischen den Gegensätzen absichtsvoll/unwillkürlich, intentional/kausal, sinnvoll/sinnlos sowie rational/irrational definiert.</p>
<p>Wenn du die Behauptung äußerst „Ich glaube, dass der Mond der Erdtrabant ist“, äußerst du einen Satz über deinen intentionalen Zustand des Glaubens, der nicht eintreten kann, ohne dass du dir seiner bewusst bist; und weil du nicht nur glaubst, dass der Mond der Erdtrabant ist, sondern auch, dass ein Erdtrabant ein Planet ist, der die Erde umkreist, gibst du anhand der Kohärenz dieser Überzeugungen eine wenn auch geringfügige Probe deiner Fähigkeit zu rationalem Denken.</p>
<p>Dein behauptendes Sprechen impliziert das Bewusstsein des intentionalen Zustands des Glaubens oder Meinens oder Überzeugtseins sowie die Vereinbarkeit der geäußerten Überzeugung mit möglichst vielen und bestenfalls all deinen restlichen Überzeugungen. Wir halten fest: Behauptungen setzen die Kohärenz der in der Behauptung geäußerten Überzeugung mit möglichst vielen (bestenfalls allen) empirischen und logischen Annahmen des Sprechers voraus, die sich in einem Netz von Überzeugungen und Annahmen wechselseitig implizieren oder auseinander ableitbar sind oder wechselseitig ausgrenzen und negieren.</p>
<p>Sollte sich bereits an der logischen Form des geäußerten Satzes zeigen, dass er nicht sinnvoll ist, wie bei dem Satz „Ich glaube, der Mond ist der Erdtrabant, und ich glaube nicht, dass ein Planet die Erde umkreist“, können wir aus der sinnwidrigen Behauptung auf eine Inkonsistenz im Netzwerk der Überzeugungen des Sprechers schließen. Ob das Gewebe des Netzwerks nur an dieser Stelle gleichsam einen Riss hat oder ob sich der Riss über die gesamte Fläche des Netzes ausbreitet, können wir erst mittels weiterer Stichproben anhand weiterer Behauptungen der Person ausfindig machen. Sollte sich bei genügend Proben erweisen, dass die Person nicht willens und in der Lage ist, aktiv und umfassend Inkonsistenzen aus dem rationalen Gewebe ihrer Überzeugungen auszuschließen, beginnen wir leise Zweifel am rationalen Status der Person zu hegen.</p>
<p>Wir bemerken, dass wir gleichsam anhand des Schattens des Logischen die Schatten werfenden logischen Strukturen erfassen und aufbauen können. So wie wir anhand der fatalen Nah- und Fernwirkungen von Inkonsistenz im Glaubensnetz einer Person die Forderung nach Konsistenz als erste Forderung der Vernunft und des logischen Raums erfassen können.</p>
<p>Dabei unterscheiden wir streng Inkonsistenz als sinnwidrige Behauptung von Irrtum als Behauptung eines falschen Satzes. Wir können von sehr vielen Dingen das Falsche und Unwahre annahmen, ohne im Geringsten Gefahr zu laufen, Zweifel an der Berechtigung unseres Status einer rationalen Person zu erregen. Wenn ich glaubte, die Erde sei eine Scheibe, die Sterne würden von Engeln bewegt und hinter den Sieben Bergen hausten Pegasus und Einhorn, wäre ich nicht unvernünftig, sondern nur ein bisschen hinterm Mond.</p>
<p>Irrtümer und verkehrte Überzeugungen dieser Art hindern mich nicht daran, beim Bäcker und im Supermarkt einzukaufen, mit dir nett zu plaudern (außer über Einhörner und Verwandte) und meinen Alltag zu organisieren, kurz mittels der mehr oder weniger korrekten Verwendung spezifischer Sprechakte des Behauptens, Aufforderns und Versprechens und den sie begleitenden intentionalen Zuständen im Leben klar zu kommen.</p>
<p>Wer aber den Widerspruch in sein Glaubenssystem gastlich aufnimmt und dort sein Zerstörungswerk ungehindert durchführen lässt, überschreitet früher oder später die Grenzen des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein. Er scheint noch zu sprechen, aber da er zugleich das Gegenteil dessen, was er sagt, annimmt, teilt er uns nichts mehr mit, oder er teilt uns mit, dass er die Fähigkeit zur Übermittlung von Informationen eingebüßt hat. Er gibt uns zu verstehen und zu bedeuten, dass er die Fähigkeit des Bedeutungsverstehens verloren hat – er ist bedeutungsblind geworden.</p>
<p>Der Bedeutungsblinde versteht die Funktion der Zeichen nicht, nämlich einen Gegenstand zu bezeichnen und damit zugleich all das, was dieser Gegenstand nicht ist, auszuschließen oder abzugrenzen. Das Prädikat „rot“ versieht den Gegenstand mit einem Farbbegriff und schließt ihn zugleich von der Anwendung aller anderen Farbbegriffen aus. Hier bemerken wir, dass Bedeutungsverstehen auf der formalen Fähigkeit der Zuschreibung von Prädikaten derselben Kategorie und der Negation aller anderen Prädikate derselben Kategorie beruht.</p>
<p>Wenn wir sehen, wie jemand auf die Tafel schreibt „Ich bin über 30 Jahre alt, ich bin unter 30 Jahre alt, mein Vater lebt in Frankfurt, mein Vater liegt schon fünf Jahre auf dem Waldfriedhof“, könnte er sich als rationale Person ohne jeden Anflug inkonsistenten Denkens erweisen, wenn er auf unsere Nachfrage, was er denn da treibe, erklärt, er bereite grammatische Übungssätze für den Deutschunterricht vor.</p>
<p>Von dem Bedeutungsblinden aber können wir vergleichsweise sagen: Er öffnet das Fenster und schließt es gleich wieder. Er ruft jemanden an und legt sofort auf, wenn der Angerufene den Hörer abhebt. Er befeuchtet das Handtuch, mit dem er sich abtrocknen will. Er schreibt einen Satz nieder und streicht ihn wieder durch. Er multipliziert jede Zahl mit null. Er tritt gleichzeitig auf die Bremse und gibt Gas.</p>
<p>Der Bedeutungsblinde ist unfähig, in der pragmatischen Kommunikation des Alltags seine intentionalen Zustände und Absichten deutlich und verständlich kundzutun. Er verspricht etwas, ohne den festen Willen und die Absicht haben zu können, das Versprochene laut Verabredung einzuhalten und zu verwirklichen – er zeigt damit nicht seine Untreue und seine notorische Unzuverlässigkeit oder Vergesslichkeit, sondern sein Unverständnis dafür, um welchen Sprechakt es sich beim Versprechen eigentlich handelt. Jemanden, der seine Versprechen und Zusagen hartnäckig bricht, zeihen wir rechtens der charakterlichen Unzuverlässigkeit und tadeln ihn in der wenn auch wenig aussichtsreichen Hoffnung auf Besserung – den Bedeutungsblinden aber können wir nicht einmal tadeln, da es ihm nicht möglich ist, für die moralischen Folgen des Sprechakts des Versprechens geradezustehen und Verantwortung zu übernehmen. Wir reden hier nicht von Charakterschwäche, sondern von Geisteskrankheit.</p>
<p>Sprechen heißt, Grenzen ziehen, die Grenze der Anwendbarkeit von Prädikaten bestätigen oder zu verschieben suchen. In der Schwarz-Weiß-Welt impliziert die Behauptung „Dieser Fleck ist nicht schwarz“ die Behauptung „Dieser Fleck ist weiß“. In der Drei-Farben-Welt impliziert die Behauptung „Dieser Fleck ist rot“ die Behauptung „Dieser Fleck ist grün oder blau.“ Wir sagen etwas umständlich zur Verdeutlichung: Dieser Gegenstand gehört zur Menge aller Gegenstände, die in der Drei-Farben-Welt die Eigenschaft haben, rot zu sein, und er gehört nicht zur Menge aller Gegenstände, die die Eigenschaften haben, grün oder blau zu sein. Wenn ich die Zugehörigkeit eines Gegenstands zu einer Menge M<sub>1</sub> festgelegt habe, habe ich gleichzeitig die Nicht-Zugehörigkeit des Gegenstands zu jenen Mengen M<sub>2</sub>, M<sub>3</sub> … M<sub>n</sub> festgelegt, die mit M<sub>1</sub> denselben logischen Raum – hier den Farbraum – teilen.</p>
<p>Die Äußerung eines Sprechers in der Schwarz-Weiß-Welt „Dieser Gegenstand ist weder schwarz noch weiß“ manifestiert keine Sehschwäche, sondern Bedeutungsblindheit bei der sinnvollen Verwendung der Farbausdrücke. Der Satz „pi ist rot“ ist nicht falsch, sondern unsinnig, weil der Sprecher den kategorialen Unterschied von Zahlbegriffen und Begriffen von Gegenständen in der Raum-Zeit verkennt, dem gemäß Zahlen aus dem Farbraum gleichsam ausgesperrt sind. Über pi kann man nur sagen, was zu sagen im logischen Zahlenraum sinnvoll zu sagen ist, zum Beispiel dass es eine transzendente Zahl ist, dass es nicht die Lösung einer Gleichung darstellt und dergleichen mehr.</p>
<p>Wenn wir in der Schwarz-Weiß-Welt Schattierungen und Nuancen zulassen und jemand äußert: „Dieser Gegenstand ist weder schwarz noch weiß“, schließen wir daraus nicht auf Bedeutungsblindheit bei der sinnvollen Anwendung von Farbausdrücken. In diesem Fall ist die Konjunktion der Sätze „Dieser Gegenstand ist nicht schwarz“ und „Dieser Gegenstand ist nicht weiß“ kein Widerspruch, und der Sprecher ist nicht in die Falle des Selbstwiderspruchs und der Inkonsistenz getappt, wenn der Gegenstand grau ist.</p>
<p>Der formale Ausdruck der Inkonsistenz ist die Behauptung von p und nicht-p in einer relevanten Situation, die demselben Sprecher Behauptungen über denselben Gegenstand zuordnet. Wir stellen fest: Inkonsistenz ist gleichsam der Schatten von Behauptungen, nicht von Sätzen. Sätze wie „Der Kanzler von Deutschland ist ein Mann“ und „Der Kanzler von Deutschland ist eine Frau“ sind geäußert zur Zeit der Kanzlerschaft von Frau Merkel und Herrn Schröder falsch, geäußert zur Zeit der Kanzlerschaft von Herrn Schröder und Frau Merkel richtig. Die beiden Sätze werden inkonsistent, wenn sie als Konjunktion von derselben Person zur Zeit der Kanzlerschaft Schröders oder Merkels geäußert werden.</p>
<p>Dagegen bilden die beiden Sätze „Der Mond ist der Erdtrabant“ und „Der Mond ist aus grünem Käse“ keine Inkonsistenz, auch wenn der zweite Satz falsch ist und auch wenn sie von derselben Person angesichts des gerade prachtvoll aufgehenden Vollmonds geäußert werden.</p>
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		<title>Logische Schneisen X</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jan 2014 17:28:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentation]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Gehirne haben kein Bewusstsein. Nur Personen haben Bewusstsein oder sind sich ihrer Erlebnisse mehr oder weniger bewusst. Das Gehirn ist ein Teil der Person, mit dessen Hilfe sie denkt, aber nicht umgekehrt ist die Person Teil des Gehirns, zum Beispiel als Illusion oder Fiktion seiner Illusionen oder Fiktionen projizierenden Tätigkeit. Fiktionen sind im Übrigen nur [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-x/">Logische Schneisen X</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Gehirne haben kein Bewusstsein. Nur Personen haben Bewusstsein oder sind sich ihrer Erlebnisse mehr oder weniger bewusst. Das Gehirn ist ein Teil der Person, mit dessen Hilfe sie denkt, aber nicht umgekehrt ist die Person Teil des Gehirns, zum Beispiel als Illusion oder Fiktion seiner Illusionen oder Fiktionen projizierenden Tätigkeit.</p>
<p>Fiktionen sind im Übrigen nur als Gegensatz von Tatsachen verständlich, und Tatsachen werden von deskriptiven Sätzen über mögliche Umstände und Ereignisse der Welt von Personen konstituiert. Also werden auch Fiktionen als deskriptive Aussagen über nichtbestehende Umstände und Ereignisse der Welt von Personen konstituiert.</p>
<p>Wir nennen Personen solche Wesen wie wir, denen während sie was immer auch erleben in mehr oder weniger starkem Maße bewusst ist, was sie erleben, und denen im gleichem schwachen oder starken Maße bewusst ist, dass sie erleben, was sie erleben. Bewusstsein impliziert Selbstbewusstsein, wenn auch in nuce, wie umgekehrt Selbstbewusstsein natürlich Bewusstsein impliziert. Ich sehe, dass und wie es abends dunkel wird: Dass es kein anderer ist, dem genau dies Erleben, dieser intentionale Zustand, zugeschrieben werden kann außer mir, ist evident. Dieses Nicht-Können ist ein Zug im logischen Raum, kein empirisches Datum. Nur ich kann dies singuläre Erlebnis haben, weil alle Erlebnisse, die ich habe, eben dadurch zu meinen singulären Erlebnissen werden, dass ich sie habe.</p>
<p>Eine Welt der Tatsachen, die wir in Behauptungssätzen der Form „Ich glaube, dass p“ erfassen, ist der Tatsache des Bewusstseins äquivalent, die wir in Sätzen der Form artikulieren „Ich bin mir bewusst, dass ich glaube, dass p“. Wir bemerken hier, dass der Satz „Ich bin mir bewusst, dass ich glaube, dass p“ eine Implikation des Satzes „Ich glaube, dass p“ darstellt. Wir bemerken außerdem, dass der Begriff der Welt, in der wir leben, kurz Lebenswelt, ein Teil des logischen Raums und nicht ein Gegenstand oder die Summe von Gegenständen ist, die unabhängig oder jenseits des logischen Raums vorgefunden werden könnten – wie es theoretische Entitäten wie der physikalische Begriff des Kosmos unterstellen. (Indes steht auch der Begriff des Kosmos in einer internen Beziehung zum Begriff der Welt als der Welt des Bewusstseins – was an dieser Stelle nicht ausgeführt werden soll.)</p>
<p>Es scheint nicht adäquat zu sagen, dir deines intentionalen Zustands bewusst zu sein, sei eine Form des Wissens. Was du weißt, könntest du genauso gut nicht wissen. Jedes Wissen aber kannst du in die Satzform, „Ich weiß, dass p“ gießen und diesen wie jeden anderen Behauptungssatz kannst du verneinen, indem du sagst „Ich weiß nicht, dass p“. Aber deines intentionalen Zustands, zum Beispiel, dass du jetzt gerade diese Zeilen liest, nicht bewusst zu sein, ist nicht möglich, ist ein Nicht-Können, das eine Grenze des logischen Raums bezeichnet. Zu sagen „Ich habe den intentionalen Zustand i, bin mir dessen aber nicht bewusst, dass i“ ist nicht falsch, sondern unsinnig.</p>
<p>Die Tatsache des Bewusstseins (nicht die Organismen, die Bewusstsein haben) hat keine Geschichte. Sie ist eine unmittelbare Tatsache. Wäre sie das nicht, könnte es einen Zwischenzustand zwischen einem nichtbewussten Zustand i<sub>0</sub> und einem bewussten Zustand i<sub>1 </sub>geben, sodass der Wechsel von i<sub>0 </sub>zu i<sub>1</sub> zum Zeitpunkt t<sub>1</sub> die Entstehung des Bewusstseins markierte. Indes liegen bekanntlich auf der Punktgeraden zwischen der Nullkoordinate und dem Punkt 1 für die erste natürliche Zahl beliebig viele Zwischenpunkte, je nachdem, ob wir den rationalen oder reellen Zahlenstrahl zugrungelegen. Unter diesem Aspekt würde sich die Entstehung des Bewusstseins gleichsam unendlich aufschieben lassen.</p>
<p>„Wie lange bist du deiner bewusst?“ ist im Gegensatz zu den Fragen „Seit wann wohnst du in dieser Stadt?“ oder „Bist du eben erst aus der Ohnmacht erwacht?“ eine unsinnige Frage. Der Tod als die empirische Unmöglichkeit, dir weiterhin bewusst zu sein, ist die faktische, keine innere, logische Grenze des Bewusstseins.</p>
<p>Du gelangst nicht peu à peu von einem gleichsam vorbewussten, dunklen, vorreflexiven Zustand allmählich in die Helle des Bewusstseins. Du kannst die Tatsache des Bewusstsein eher mit einem Wunder vergleichen als mit der biologischen Entstehung eines Individuums aus dem Keim oder des komplexen Körpers durch die Synthese von Atomen und Molekülen – diese Analogien sind unzureichend.</p>
<p>Ähnlich wie der Satz vom Widerspruch keinen Anfang in der Zeit hat, ist das Bewusstsein gleichsam zeitlos, ewig, losgelöst oder absolut.</p>
<p>Das Bewusstsein ist nicht eine irgendwie subtile, raffinierte oder höherstufige Vorstellung oder Repräsentation – der Begriff der Vorstellung oder Repräsentation setzt die Tatsache des Bewusstseins immer schon voraus. Du hast beliebige Vorstellungen, aber du bist keine davon. Wir können dies auch so ausdrücken: Das Bewusstsein ist kein bewusster Inhalt seiner selbst – alle bewussten Inhalte sind intentionale Korrelate des Bewusstseins und setzen seine Existenz voraus.</p>
<p>Kurz: Das Bewusstsein ist keine Vorstellung einer Vorstellung, kein Resultat einer Reflexion. Wäre es Resultat einer Reflexion, könnte es dieses Resultat zum Objekt erneuter Reflexion machen und so weiter ad infinitum.</p>
<p>Bewegung und Wechsel sind akzidentelle Eigenschaften intentionaler Zustände, die behauptenden Aussagen korrelieren, keine wesentliche Eigenschaft des Bewusstseins und der Dimensionen des logischen Raums. Du bist dir zum Zeitpunkt t<sub>1</sub> bewusst, dass p<sub>1</sub>, zum Zeitpunkt t<sub>2</sub>, dass p<sub>2</sub> usw. Die Aussage, dass p<sub>1</sub> „Es regnet“ hat keine wesentliche, interne Beziehung zu der Aussage p<sub>2</sub> „Die Sonne scheint“ – im Gegensatz zu der Aussage –p<sub>1</sub> „Es regnet nicht“ oder –p<sub>2</sub> „Die Sonne scheint nicht“. Es ist für den Inhalt und die logische Form der behauptenden Aussagen gleichgültig, ob p<sub>1 </sub>oder p<sub>2</sub> zum Zeitpunkt t<sub>1</sub> oder t<sub>2</sub> oder einem beliebigen anderen Zeitpunkt geäußert werden. Daraus folgt, dass die zeitliche Zuordnung bewusster intentionaler Zustände, die in behauptenden Aussagen ihr intentionales Korrelat haben, für deren interne Struktur und logische Form keine Relevanz hat.</p>
<p>Dies gilt nicht für den zweiten wesentlichen Typ von Aussagen, den Aufforderungen und Versprechen, die eine interne Relation zu den Zeitpunkten ihrer Äußerung aufweisen: Ich kann dich nicht dafür tadeln, mir anders als verabredet, zugesagt oder versprochen das ausgeliehene Buch nicht zum ausbedungenen Zeitpunkt zurückgegeben zu haben, wenn ich dir zuvor zu dem Zeitpunkt, als du es von mir ausgeliehen hattest, nicht die Zusage und das Versprechen abgenommen hatte, es mir zum ausbedungenen Zeitpunkt wieder zurückzugeben – sondern es dir auf beliebige Zeit ausgeliehen hätte. Anders gesagt: Du kannst mich nur dann tadeln, etwas getan zu haben, also auffordern oder zu der Absicht veranlassen, es nicht wieder zu tun, wenn du mich zuvor aufgefordert oder zu der Absicht veranlasst hast, das Gegenteil davon zu tun. Hier spielt die zeitliche Reihenfolge der Äußerungen und ihrer korrespondierenden intentionalen Zustände des Bewusstseins demnach eine wesentliche Rolle.</p>
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		<title>Logische Schneisen IX</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jan 2014 18:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Absicht]]></category>
		<category><![CDATA[Kohärenz]]></category>
		<category><![CDATA[Konsistenz]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Person]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-ix/">Logische Schneisen IX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als intentionale Zustände von Wünschen und Absichten gegenwärtig werden und zugänglich sind, nämlich als Wünsche und Absichten, dasjenige, was wir für erstrebenswert halten, zu erlangen, und dasjenige, was wir für gefahrbringend halten, zu vermeiden.</p>
<p>Die biologische Tatsache, die dem Aussagetypus der Behauptung  zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als rezeptive Sinnenwesen Eindrücke von ihrer Umwelt erfahren. In der Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein übersetzen wir diese sensorischen Reize in die generellen Terme unserer empirischen Aussagen über Gegenstände, die wir mithilfe von Existenzquantoren binden, wie in den Aussagen (x) Fx oder Fa. Solcherart pflegen wir unsere Überzeugungen und Annahmen über mögliche und tatsächliche Ereignisse und Sachverhalte in der Welt auszudrücken.</p>
<p>Wenn du Durst verspürst, befindest du dich in dem intentionalen Zustand des Wunsches, etwas zu trinken. Du hast durch hinreichende Proben der Vergangenheit, bei denen du deinen Durst mit Wasser hast stillen können, die feste Überzeugung gewonnen, dass Wasser genau der Stoff ist, dessen du bedarfst, um deinen Durst zu löschen. Um den Wunsch zu erfüllen, ist es vernünftig oder rational, mich in der gegebenen Situation darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen.</p>
<p>Wir bemerken hier, wie du von einem intentionalen Zustand in den nächsten intentionalen Zustand gleichsam gleitest oder wechselst: Dein Wunsch, etwas zu trinken, führt dich zur Intention, mich darum zu bitten, dir das Wasser zu reichen. Wir können diesen Wechsel als vernünftigen Schluss aus zwei Prämissen darstellen: (1) „Ich habe den Wunsch, etwas zu trinken.“ (2) „Ich weiß, dass Wasser meinen Durst stillt.“ (3) „Also bitte ich die Person X, mir das Wasser zu reichen.“</p>
<p>Rationale Schlüsse und Relationen von intentionalen Zuständen sind keine kausalen Zusammenhänge und keine Abfolge von kausalen Wirkungen. Der obige Schluss ist rational und zwingend, das heißt aber nicht, dass du, wenn du zu dem Ergebnis kommst, es sei rational und vernünftig, mich darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen, diesen Sprechakt einer Aufforderung auch tatsächlich ausführst oder in irgendeinem kausalen Sinne auszuführen genötigt wärest: Du könntest mir gerade an diesem Tag meine dumme und herabsetzende Äußerung von gestern über dein Vorhaben, philosophische Essays auf deiner Webseite zu veröffentlichen, übel nehmen. Deshalb vermeidest du es, mich jetzt anzusprechen und mir Gelegenheit zu geben, dir bei einer freundlichen Geste zuzulächeln, und verzichtest lieber jetzt beziehungsweise vorläufig auf den erlösenden Schluck Wasser. Du hast dem sozial fundierten Wunsch, deinen Stolz zu wahren, in diesem Falle über den biologisch fundierten Wunsch, etwas zu trinken, den Vorrang oder die Präferenz gewährt.</p>
<p>Wir sprechen von Wünschen ersten und zweiten Grades und bemerken, dass diese Unterscheidung nicht mit der Unterscheidung von biologisch und sozial oder kulturell bedingten Wünschen äquivalent ist: Bei der Vorlesung, während der Unterredung mit deinem Vorgesetzten, während des Rendezvous mit deiner neuen Freundin kämpfst du gegen deine Müdigkeit an und unterdrückst alle körperlichen Anzeichen, die auf ein starkes Verlangen nach Schlaf hindeuten.</p>
<p>Wir haben gesehen, dass der logische Raum der Aussagen von zwei grundlegenden Aussagetypen erfüllt wird:</p>
<p>(1) die Behauptungen mittels empirischer Aussagen mit der logischen Form „Ich meine, dass p“, wobei p für einen beliebigen Satz mit einer empirischen Aussage über eine mögliche Tatsache der Welt steht wie „Der Mond ist der Erdtrabant“, sodass der Satz p wahr oder falsch sein kann, während der zusammengesetzte Satz als Aussage über den momentanen Bewusstseinszustand des Glaubens des Sprechenden immer wahr ist;</p>
<p>(2) die Aufforderungen oder Versprechen, deren pragmatische Grundform die Veranlassung darstellt: Ich veranlasse dich mittels einer sprachförmigen Geste der Aufforderung oder mittels eines Aufforderungssatzes, die Absicht zu hegen, das und das zu tun (wobei tun auch reden heißen kann); du veranlasst mich umgekehrt mit denselben Mitteln, eine Absicht zu hegen, dies und jenes zu tun. Du kannst deine Absicht, das von mir Geforderte auch wirklich und wahrhaftig in die Tat umzusetzen, bekräftigen, indem du sagst: „Es ist meine feste Absicht, dir diesen Gefallen zu tun!“ oder: „Ich verspreche dir, dir diesen Gefallen zu tun!“ Oder kurz, um mittels futurischer Verbform den Zukunftssinn der Absicht zu unterstreichen: „Ich werde dir diesen Gefallen tun!“</p>
<p>Das Netz der intentionalen Zustände überspannt beide Aussagetypen, Behauptungen und Aufforderungen, mittels der Grundformen rationalen Schließens: Wenn du die Absicht hegst, ein Haus zu bauen, folgt daraus eine Kette weiterer Absichten wie eine Bank mit der Finanzierung, einen Architekten mit der Planung und einen Bauingenieur mit der Ausführung zu beauftragen. Und diese Kette zerfällt wieder systematisch in eine lange Serie oder eine Kaskade von intentionalen Einzelschritten, die logisch aufeinander aufbauen und auseinander folgen: die Absicht, einen Bankberater anzurufen und mit ihm einen Termin zu vereinbaren, die Absicht, einen Finanzplan auf der Grundlage bestehender Einkommen und Vermögen zu ermitteln, die Absicht, einen Kredit in berechnetem Umfang zu beantragen, die Absicht, Zusatzversicherungen zur Absicherung des Kredits abzuschließen usw.</p>
<p>Wir sprechen hier von den systematischen Bedingungen der Kohärenz und der Konsistenz, das heißt der logischen Vereinbarkeit und der logischen Ableitbarkeit von Aussagen, die Begründungszusammenhänge und motivationale Kontexte, kurz Kontexte von Gründen und Intentionen, aufweisen müssen, damit es uns auf Dauer gelingt, unsere Ziele zu erreichen und unsere Zwecke zu verwirklichen.</p>
<p>Wenn du wirklich ein Haus bauen willst, du dich aber trotz der Tatsache, dass dein Vermögen bei weitem nicht ausreicht, ein solch teures Unternehmen zu finanzieren, weigerst, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen, sprechen wir von einem inkohärenten motivationalen oder intentionalen Kontext oder einer Inkohärenz der Absichten. Wenn du der Überzeugung bist, dass zur Planung eines Hausbaues die fachliche Arbeit eines Architekten erforderlich ist, du aber dennoch nicht die geringste Absicht hegst und nicht die geringsten Anstalten unternimmst, einen Architekten zu beauftragen, sprechen wir von einem inkonsistenten Kontext der Gründe und Absichten. Denn es ist ein logischer Widerspruch zu wissen, dass die Erfüllung von A die Voraussetzung der Erfüllung von B ist, und gleichzeitig die Erfüllung von A zu negieren.</p>
<p>Wir unterscheiden Bedürfnisse, Antriebe und Triebe auf der einen Seite und Wünsche und Absichten auf der anderen Seite, also kausale Mechanismen und intentionale Zustände. Bedürfnisse, Antriebe und Triebe fallen außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung, außerhalb des Reiches der Vernunft – sie sind aber deshalb nicht irrational (dann gehörten sie ja als Negationen aller Sätze über rationale Wünsche und Absichten in den logischen Raum der Vernunft), sondern der Rationalität und Vernunft gegenüber neutral und indifferent. Das heißt, wir können nicht von reinen Antrieben oder Trieben wie Hunger und Durst oder sexuellen Trieben unmittelbar auf die Präferenz der Absicht oder den praktischen Schluss schließen, der sich aus dem rationalen Syllogismus mit den Prämissen eines Wunsches und der Wahl eines Mittels zur Wunscherfüllung ergibt – wie oben am Beispiel des Wunsches zu trinken gezeigt.</p>
<p>Antriebe können kausal mit visuellen oder anderen sensorischen Reizen verknüpft sein – so der visuelle Reiz einer Flasche Wasser mit dem Bedürfnis, zu trinken. Sensorische Reize befinden sich außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein – sie sind neutral gegenüber den Begriffen von Wahrheit und Falschheit. Erst die Transformation des sensorischen Reizes in eine Wahrnehmung macht den Reiz gleichsam intelligibel, nämlich wahrheits- und falschheitsfähig. Man könnte auch sagen, Aussagen über sensorische Reize sind immer wahr, aber das heißt nur, dass sie tautologisch und empirisch nichtssagend sind. Ihr Indikator ist ja bekanntermaßen die Formel: „Mir scheint …“ Und damit kannst du nicht irren, weil eine Aussage über den mentalen Zustand deiner Gestalt-, Form-, Farb- oder Geruchswahrnehmung irrtumsresistent ist. Das ist der Unterschied der Aussagen: „Mir scheint, dort befindet sich eine Flasche Wasser“ und der Aussage: „Dort befindet sich eine Flasche Wasser“, die entweder wahr oder falsch ist.</p>
<p>Doch der sensorische Reiz muss erst in eine Wahrnehmung transformiert werden, wenn wir rational von unserer Wirklichkeit sprechen wollen. Dann gelangen wir zu der Überzeugung, dass wir unseren Wunsch stillen können, wenn wir aus der wahrgenommenen Flasche trinken. Wir befinden uns allererst im logischen Raum von Sprache und Bewusstsein, wenn sich herausstellen kann, dass diese unsere Überzeugung falsch war, weil sich in der Flasche kein echtes Wasser, sondern eine ungenießbare Flüssigkeit befand.</p>
<p>Wir ersehen aus dem Wechselspiel von intentionalen Zuständen und Syllogismen beziehungsweise praktischen Schlüssen, dass der logische Raum von Sprache und Bewusstsein zumindest über die beiden Dimensionen der Intentionalität und der Rationalität aufgebaut wird – die beiden Dimensionen umgreifen und implizieren einander. Sollte die Existenz von intentionalen Zuständen, wie manche behaupten, eine Illusion oder bloße Fiktion sein, und sollten alle intentionalen Zustände sich vollständig auf physische Zustände reduzieren lassen, müsste man folglich auch die Implikation der Existenz von Rationalität oder der menschlichen Fähigkeit, Aussagen in logische Verknüpfungen zu bringen, in Zweifel ziehen. Doch kann man überhaupt etwas in Zweifel ziehen, wenn man DIES in Zweifel zieht?</p>
<p>Wir nennen Wesen, die nicht nur Bedürfnisse, Antriebe und Triebe, sondern Wünsche und Absichten haben, Wesen, die nicht nur von sensorischen Reizen affiziert werden, sondern Wahrnehmungen und Überzeugungen über das Wahrgenommene haben, nämlich dass es entweder wahr oder falsch ist und das heißt, sich nicht nur auf einen je meinigen mentalen Zustand, sondern auf eine objektive Tatsache der Welt bezieht, sowie Wesen, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, rationale Wesen oder Personen.</p>
<p>Wenn wir uns in einem skeptischen Überschwang  so weit aus dem Fenster lehnen oder so weit übernehmen, dass wir bezweifeln, dass Personen solche rationalen Wesen sind, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente  und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, dann zweifeln wir an unserer eigenen Existenz, unterminieren die Grundlage all unseres Wissens und stürzen in einen bodenlosen Traum.</p>
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		<title>Logische Schneisen VII</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-vii/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Jan 2014 16:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Absicht]]></category>
		<category><![CDATA[Aussagetypen]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[sprachliche Grundformen]]></category>
		<category><![CDATA[Verstehen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wenn du unwillkürlich einen Schrei ausstößt, weil du dich erschrocken hast, ist der geäußerte Laut keine Mitteilung, keine Sprache. Der unwillkürlich verlautbarte Schrei liegt außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung. Wenn dich dein Freund durch einen Schrei auf eine unmittelbar drohende Gefahr aufmerksam macht – du warst ganz in Gedanken und hättest beinahe [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-vii/">Logische Schneisen VII</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn du unwillkürlich einen Schrei ausstößt, weil du dich erschrocken hast, ist der geäußerte Laut keine Mitteilung, keine Sprache. Der unwillkürlich verlautbarte Schrei liegt außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung.</p>
<p>Wenn dich dein Freund durch einen Schrei auf eine unmittelbar drohende Gefahr aufmerksam macht – du warst ganz in Gedanken und hättest beinahe die Straße betreten, obwohl ein Auto heranraste –, und aufgrund dieser willkürlich hervorgebrachten Verlautbarung siehst du dich plötzlich gewarnt und vermeidest den Schritt auf die Straße – in diesem Falle würden wir sagen, es handle sich um eine sprachliche Mitteilung, um Sprache. Der willkürlich und absichtsvoll verlautbarte Schrei liegt innerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung.</p>
<p>Hier ist bemerkenswert, dass Sprache nicht notwendig artikulierter Laut sein muss, um als Sprache zu funktionieren: Dein Freund hätte dich auch fest in den Arm kneifen können und du hättest dies als absichtsvolle Kundgabe der Warnung verstanden, nicht weiterzugehen – in einem solchen Fall wäre die Handlung oder die Geste ein sprachliches Zeichen und Teil des logischen Raums von Sprache und Bedeutung.</p>
<p>Du hast den Schrei als Ausdruck der Warnung vor einer unmittelbar drohenden Gefahr verstanden. Du hast die Bedeutung des Warnhinweises begriffen. Dein Verstehen und Begreifen manifestierte sich in deinem Handeln: Du hast den Fuß zurückgezogen und bist stehen geblieben. Dein Verstehen des Zeichens erfasste ebenfalls die Absicht deines Freundes, dich mit diesem Zeichen zu warnen, und umfasste auch die Tatsache, dass er diese Absicht durch das Hervorstoßen des Schreis verwirklicht hat.</p>
<p>Wie aber, wenn dein Freund gar nicht die Absicht hegen konnte, dich durch einen Schrei zu warnen, weil sich die Ereignisse überstürzten, er allerdings sah, wie du im Begriff warst, den Fuß auf die Straße zu setzen, und wie gleichzeitig das Auto herbeiraste – und hat dann vor Schreck einen Schrei ausgestoßen? Dann hast du allerdings diesen unwillkürlich hervorgestoßenen Schrei nicht bloß als mimetischen Ausdruck des Erschreckens, sondern als intentionalen Ausdruck der Warnung vor einer unmittelbar drohenden Gefahr verstanden.</p>
<p>Hier ist bemerkenswert, dass die in den meisten sprachlichen Kundgaben unabdingbare Intention der sprachlichen Handlung gelegentlich durch eine fallible Hypothese oder eine blinde Voraussetzung ersetzt werden kann. Indes musst du eine solche Absicht so oder so unterstellen, wenn nicht der Akt des Verstehens sprachlicher Zeichen unvollständig bleiben und deshalb misslingen soll.</p>
<p>Mimetische Verlautbarungen oder unwillkürliche lautliche oder gestisch-mimische Gefühlsgebärden können in rein sprachliche Verlautbarungen transformiert werden. Wenn du vor Schreck einen Schrei ausstößt, könntest du genauso gut ausrufen: „Ach, du Schreck!“ oder „Schreck, lass nach!“</p>
<p>Willkürlich oder absichtsvoll geäußerte, aber unartikulierte Ausrufe können in rein sprachliche Verlautbarungen transformiert werden. Wer einen Warnschrei ausstößt, könnte auch ausrufen: „Vorsicht, ein Auto!“ oder einfach: „Achtung!“</p>
<p>Wenn du im Begriff bist, die Straße zu betreten, und hörst, wie dein Freund an deiner Seite „Achtung!“ ausruft, bist du nicht genötigt, diesen Ausruf zu interpretieren, zu decodieren oder zu deuten, du bedarfst nicht einer speziellen hermeneutischen Kunst oder eines Deutungsverfahrens, das du als Maßstab an die Verlautbarung anlegst:  Du verstehst sie unmittelbar als Warnhinweis, du verstehst ohne Zögern und Zweifeln. Du fragst dich nicht: „Das klingt ja wie ein Warnschrei – aber könnte es auch etwas anderes bedeuten?“ Nein, du weißt, dieser Schrei bedeutet in dieser Situation von dieser Person verlautbart: „Achtung, Gefahr!“ Du vernimmst nicht ein akustisches Signal, das du als sprachliches Symbol interpretierst. Du hörst den Schrei als Warnhinweis.</p>
<p>Eine Sprache verstehen heißt nicht, eine Sprache interpretieren. Sprachliche Zeichen sind keine Symptome, die für etwas dem Wesen nach ihnen Fremdes stehen, die für etwas stehen, was sie nicht unmittelbar bedeuten, und deshalb als Signale, Hinweise und Zeichen für ihnen zugrunde liegende kausale Vorgänge gedeutet, interpretiert, decodiert werden müssten – wie Rauch als Zeichen für Feuer oder Flecken auf der Haut als Zeichen für eine Viruserkrankung.</p>
<p>Du könntest einwenden, dass wir auf Schritt und Tritt sprachlichen Ausdrücken und Wendungen begegnen, die nicht eindeutig sind und deshalb der Interpretation bedürfen. Ob ich mit „Bank“ die Sitzgelegenheit oder das Geldinstitut meine, bedarf doch wohl der Interpretation!</p>
<p>Aber, würden wiederum wir einwenden, so funktioniert Sprache nicht. Wenn du zu mir sagst, du müsstest, bevor wir uns treffen, noch rasch Geld bei der Bank ziehen, weiß ich unmittelbar, dass du nicht die Sitzgelegenheit auf dem Merianplatz meinst.</p>
<p>Wir schließen daraus, dass die für unsere Sprachhandlungen relevante Umgebung oder die relevante Situation ein Teil der Bedeutung jener Sätze und Wendungen ausmacht, die wir in  dieser Umgebung oder dieser Situation verwenden.</p>
<p>Aber, könntest du nochmals einwenden, wie steht es denn mit der gleichsam systematischen Zweideutigkeit, wie sie beispielsweise bei der Verwendung des Ausdrucks „ist“ auftaucht – müssen wir hier nicht zur Interpretation schreiten, um die Zweideutigkeit in eine Eindeutigkeit zu verwandeln?</p>
<p>Hier sagen wir: Die Eindeutigkeit der Bedeutung von „ist“ ermitteln wir nicht durch hermeneutische Deutekunst und Interpretation, sondern mittels Anwendung einer analytischen Mechanik. Mit diesem mechanisch anzuwendenden Analyse-Tool gelingt uns Folgendes:</p>
<p>(1) Wir analysieren die Bedeutung von „ist“ in Sätzen wie „Eva ist schüchtern“ anhand der Satzform „x (ist F)“ als einen Teil der Kopula des Satzes.</p>
<p>(2) Wir analysieren die Bedeutung von „ist“ in einer Gleichung wie „7 + 5 = 12“ oder einer Identitätsaussage wie „Der Morgenstern ist der Abendstern“ als Zeichen der Identität der beiden vor und nach dem Gleichheitszeichen genannten Gegenstände.</p>
<p>(3) Wir analysieren die Bedeutung von „ist“ beziehungsweise von „es gibt“ in der Aussage: „Es gibt den Pegasus“ anhand des Existenzquantors und der Satzform „Es gibt ein und nur ein x, und dieses x ist F, und alle y, die F sind, sind identisch mit x“ als Existenzaussage.</p>
<p>Die Schrift, die sich wie von Geisterhand auf der Mauer schreibt, oder das seltsame Muster, das wir im vom Wind aufgeworfenen Blättern zu unseren Füßen zu entziffern wähnen, die monströsen Physiognomien, die uns bisweilen aus Wolkenballungen entgegenzustarren scheinen, oder das wirre Gekritzel eines Dementen – so etwas und alles dergleichen gilt uns nicht als Sprache oder als bedeutsame Zeichen.</p>
<p>Unsere Grundannahme besteht darin: Wir befinden uns innerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung, sobald wir davon ausgehen, dass uns etwas mittels irgendwelcher geeigneter Zeichen von Personen absichtsvoll bedeutet oder mitgeteilt wird.</p>
<p>Dabei macht die relevante Umgebung oder die relevante Situation der Zeichenkundgabe und der Zeichenannahme einen Teil der Bedeutung dieser Zeichen aus – diese Umgebung kann eine Alltagssituation wie eine Unterhaltung, ein Prüfungs- oder Vorstellungsgespräch, eine Gerichtsverhandlung usw. sein oder selbst ein sprachlicher Zusammenhang wie eine Erzählung, ein Dokument, eine wissenschaftliche Abhandlung usw. In einer lockeren Unterhaltung hingestreute Bemerkungen und Anekdoten haben nicht das Gewicht von zu Protokoll gegebenen Aussagen vor Gericht. Die in einer fiktiven Erzählung geäußerten Aufforderungen der Protagonisten haben für das Leben des Lesers keine Relevanz, im Gegensatz zu den Bestimmungen eines beglaubigten Miet- oder Pachtvertrages.</p>
<p>Wenn wir uns dargebotene Zeichen als sprachliche Zeichen oder als Sprache verstehen wollen, müssen wir die Absicht der Person, die sie uns mitteilt oder mitteilen lässt, anhand der Bedeutung der Zeichen und der Mitteilungssituation herausfinden und in Rechnung stellen. Wenn dein Freund neben dir „Vorsicht!“ ruft, sobald du die Straße betreten willst, weißt du anhand der Bedeutung des Ausdrucks „Vorsicht“ und der erlebten Straßensituation, welche Absicht seine Mitteilung hat.</p>
<p>Die Sprecherintention, die für das Verstehen der Bedeutung sprachlicher Kundgaben so wesentlich ist, können wir sichtbar markieren, indem wir den Aussagemodus der jeweiligen Aussage dieser voranstellen: die Behauptung, die Aufforderung (Warnung, Empfehlung, Bitte, Frage) und das Versprechen, die mimetische Äußerung (Interjektion, Gefühlsausdruck) sowie die Festsetzung (Erwähnung und axiomatische Definition):</p>
<p>(1)<br />
„Ich behaupte, dass der Mond der Erdtrabant ist.“<br />
„Der Mond ist der Erdtrabant.“<br />
(2) (1)<br />
„Ich warne dich davor, den Fuß auf die Straße zu setzen.“<br />
„Betritt nicht die Straße!“<br />
(2) (2)<br />
„Ich empfehle dir, den Fuß nicht auf die Straße zu setzen.“<br />
„Betritt nicht die Straße!“<br />
(2) (3)<br />
„Ich bitte dich, nicht die Straße zu betreten.“<br />
„(Bitte) Betritt nicht die Straße!“<br />
(2) (4)<br />
„Ich frage dich: Bist du gewillt, dich weiterhin mit mir zu treffen?“<br />
„Willst du dich weiterhin mit mir treffen?“<br />
„Ich bitte dich, die Frage zu beantworten, ob du dich weiterhin mit mir treffen willst.“<br />
(3)<br />
„Ich verspreche dir, mich weiterhin mit dir zu treffen.“<br />
„Ich will mich weiterhin mit dir treffen.“<br />
(4)<br />
&lt;„Aua!“&gt;<br />
„Ich habe Schmerzen.“<br />
(5) (1)<br />
„Mond“ ist das Wort mit der Bedeutung Mond.<br />
„Mond“ hat vier Buchstaben.<br />
„Der Pegasus fliegt über den Parnass“ ist ein Satz.<br />
„Der Buchstabe p steht für einen beliebigen Satz.“<br />
(5) (2)<br />
„Die kürzeste Linie zwischen 2 Punkten ist eine Gerade.“<br />
„Die kürzeste Linie zwischen 2 Punkten ist eine Kurve.“</p>
<p>Wir berühren hier die logischen Grundformen der Sprache oder die wesentlichen Aussagetypen im logischen Raum: die Behauptung als Mitteilung von Information, die Veranlassung des Angesprochenen, etwas zu tun, beziehungsweise die Erklärung der Bereitschaft des Sprechenden, etwas zu tun, die Verlautbarung des eigenen Befindens sowie die Erwähnung und die axiomatische Festsetzung.</p>
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		<title>Logische Schneisen II</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jan 2014 13:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Apriori]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Begriff Bewusstsein eröffnet eine logische Dimension, einen logischen Raum. Er ist kein empirischer Begriff wie Baum, Pferd, Mensch oder Gehirn  – sondern der Grund und die Voraussetzung dafür, dass wir über empirische Begriffe dieser Art verfügen. Das Gehirn weist empirische Messwerte auf, es ist so und so groß, so und so schwer, hat so [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-ii/">Logische Schneisen II</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff Bewusstsein eröffnet eine logische Dimension, einen logischen Raum. Er ist kein empirischer Begriff wie Baum, Pferd, Mensch oder Gehirn  – sondern der Grund und die Voraussetzung dafür, dass wir über empirische Begriffe dieser Art verfügen.</p>
<p>Das Gehirn weist empirische Messwerte auf, es ist so und so groß, so und so schwer, hat so und so viele Neuronen etc. Das Bewusstsein ist weder groß noch klein, weder leicht noch schwer, es besteht auch nicht aus Teilen. Das Bewusstsein ist die logische Dimension, innerhalb deren es möglich ist, von Gegenständen und Sachverhalten in der räumlich und zeitlich geordneten Welt zu sprechen.</p>
<p>Es ist also Unsinn zu fragen, wie eine Welt ohne Bewusstsein aussähe, eine Welt ohne das Vorkommen von menschenähnlichen Wesen, die sich ihrer und der Tatsachen der Welt bewusst sind, oder eine Welt mit menschenähnlichen Zombies, die sich ihrer und der Tatsachen der Welt nicht bewusst sind.</p>
<p>Der Begriff Bewusstsein eröffnet einen logischen Raum – aber dieser hat nicht wie ein Zimmer ein Außen und Innen, in ihm befinden sich nicht wie in einem Zimmer diese und jene Gegenstände. Das Gehirn freilich kannst du von außen betrachten, und es befindet sich im Raum des Schädels.</p>
<p>Es ist wie mit der Sprache: Willst du etwas über die Sprache herausfinden, musst du dich ihrer bedienen, musst du sprechen. Also sind Untersuchungen und Betrachtungen über das Bewusstsein und die Sprache – nennen wir sie halt Philosophie – keine empirischen Untersuchungen und Betrachtungen – wie die chemische Untersuchung des Wassers, die in seiner chemischen Analyse resultiert. – Hier gerätst du notwendigerweise ins Stocken und Stottern oder bist genötigt, zu sprachlichen Verrenkungen und Zwitterbildungen zu greifen, wie wenn du sagst, das Bewusstsein sei autonom, sorge für sich selbst oder setze sich selbst voraus oder die Sprache sei autonom, sorge für sich selbst und setze sich selbst voraus.</p>
<p>Du weißt wohl oder in etwa, wie es sein mag, wenn du aufgrund der Einnahme einer sogenannten bewusstseinsverändernden Droge oder einer unzureichenden Ausschüttung von Transmittern und anderen Botenstoffen im Gehirn von normalen Bewusstseinszuständen mehr oder weniger gravierend abweichende Bewusstseinszustände erlebtest – du hörst Stimmen, aber da sind keine Leute, die sprechen, du siehst Gesichter, aber das sind keine Tiere oder Menschen, die sie zeigen. Auch ein unter Drogeneinwirkung delirierendes Bewusstsein, auch ein unter einem akuten psychotischen Anfall leidendes Bewusstsein erfüllt die Bedingungen, die die Anwendung des Begriffs Bewusstsein sinnvoll machen: Du hörst etwas, du siehst etwas. Du sagst: Ich höre etwas, ich sehe etwas. Du würdest – auch nicht im Drogenrauch oder während eines psychotischen Anfalles – sagen: Ich höre etwas, aber es ist nicht wahr, dass ich ein Geräusch, einen Klang, eine Stimme wahrnehme (auch wenn da nichts ist, das die physikalisch korrespondierenden Luftschwingungen verursacht). Du würdest unter den gleichen Bedingungen auch nicht sagen: Ich sehe etwas, aber es ist nicht wahr, dass ich eine Fratze, ein tierisches Gesicht, ein menschliches Gesicht wahrnehme (auch wenn da nichts ist, das die physiklisch korrespondierenden Lichtfrequenzen aussendet).</p>
<p>Die Aussage: „Ich sehe etwas“, „Ich höre etwas“, kurz: „Ich nehme etwas wahr“ bildet die logische Struktur der Welt ab, in der wir leben. Sie enthüllt die Autonomie und Unableitbarkeit der Begriffe Ich (Selbst, Bewusstsein), etwas (Gegenstand, Sachverhalt) und Welt (logischer Raum aller möglichen Gegenstände und Sachverhalte). Sie enthüllt die interne notwendige Relation oder die interne notwendige Polarität der Begriffe Bewusstsein und Welt (als logischer Raum aller möglichen Gegenstände und Sachverhallte).</p>
<p>Der Begriff Bewusstsein ist keine Tatsache der Art, wie wenn du sagst: „Er hat das Bewusstsein verloren.“ Der Begriff Bewusstsein ist die logische Voraussetzung dafür, dass wir von Tatsachen überhaupt reden können – auch der in jenem Satz ausgedrückten Tatsache.</p>
<p>Das Bewusstsein ist kein Name eines Objekts, sc. des Gehirns. Wie das Verstreichen des Zeigers über dem Zifferblatt einer Uhr den Begriff der Zeit exemplifiziert, aber nicht erklärt, so exemplifiziert dein Erlebnis eines Einkaufs, eines Spaziergangs, eines Rendezvous den Begriff des Bewusstseins, erklärt ihn aber nicht.</p>
<p>Wissenschaftler, die sich anmaßen, das Bewusstsein als logische Dimension „naturalisieren“ zu wollen, ähneln Philosophen, die sich damit brüsten, den alten Hut der Vernunft an der Garderobe der Psychiatrie oder des Variété déconstruktiviste in Paris abgegeben zu haben. Wie erst die Philosophen, die sich jene Wissenschaftler zum Vorbild nehmen!</p>
<p>Das Wissen, dass du einer Tatsache der Welt und deiner selbst bewusst bist, hat nicht die propositionale Struktur des Wissens, das in der Gleichung 2 x 2 = 4 oder in dem Satz „Der Mond ist der Erdtrabant“ ausgedrückt ist.</p>
<p>Umgekehrt: Dass du die Ereignisse der Welt als Sachverhalte und Tatsachen auffasst, die sich in der propositionalen Satzform „Ich meine, dass p“ abbilden, ist eine Funktion oder Ableitung des Bewusstseins.</p>
<p>Ähnlich wie der Vorgang des Lesens nicht als Wirkung der von den gedruckten oder geschriebenen Buchstaben ausstrahlenden Lichtfrequenzen auf das Auge, den Sehnerv und das Sehzentrum des Gehirns (neben anderen Hirnarealen) aufgefasst werden kann (Wie könntest du dich denn verlesen oder wie könntest du dann das Gelesene verstehen?) – ebenso wenig kann das Bewusstsein als phänomenale oder epiphänomenale Wirkung der kausalen Vorgänge im Gehirn aufgefasst werden.</p>
<p>Ein Meer, das nirgendwo Grenzen hat und nirgendwo an ein Ufer stößt, ist eigentlich kein Meer. Aber das Bewusstsein und die Sprache haben keine Grenzen – wir können aus der durch das Bewusstsein ursprünglich mitgegebenen Welt nicht fliehen. Auch sterbend verlassen wir nicht die Welt, sondern sie verlässt uns. Wir können nicht aufhören zu reden: Schweigen heißt ja nicht reden, aber wieder reden können. Wir können nur weitersprechen – oder verstummen. Doch wer wirklich verstummt, hat sich nicht der Sprache versagt, sondern die Sprache hat sich ihm versagt.</p>
<p>Das Bewusstsein ist ein logischer Raum, der eine ununterbrochene Skala, ein Kontinuum, unaufhörlich ineinander übergehender Bewusstseinszustände vom Moment größter Zerstreuung und Bewusstseinstrübung bis zum Moment höchster Aufmerksamkeit und Klarheit umfasst. In jedem Moment, dem dunkelsten wie dem hellsten, sind gleichsam alle Momente enthalten. In jedem Moment deines wachen Lebens weißt du mehr oder weniger deutlich um diesen Moment und dass du es bist, der ihn erlebt. Weltbewusstsein und Selbstbewusstsein sind notwendig aufeinander bezogen und ineinander verschachtelt – aber nicht so wie Erlebnisinhalt und Reflexion des Erlebnisinhalts, die wiederum als Erlebnis zweiter Stufe aufgefasst werden kann usw. ad infinitum. Solch ein unendlicher Regress findet hier nicht statt.</p>
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