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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; Person</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Logische Schneisen XX</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Feb 2014 17:21:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
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		<category><![CDATA[verlorener Sohn]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wenn Gott die Person ist, die zu uns spricht, sind seine Mitteilungen Befehle oder Gebote mit dem Anspruch der Unbedingtheit, sind sie Anrufungen und Aufforderungen, gleichsam den Kopf aus dem Sand der Traurigkeit und Angst und der Verzagtheit und der Verzweiflung emporzuheben und in seine Richtung zu blicken, oder in die Richtung des Lichts der [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-xx/">Logische Schneisen XX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Gott die Person ist, die zu uns spricht, sind seine Mitteilungen Befehle oder Gebote mit dem Anspruch der Unbedingtheit, sind sie Anrufungen und Aufforderungen, gleichsam den Kopf aus dem Sand der Traurigkeit und Angst und der Verzagtheit und der Verzweiflung emporzuheben und in seine Richtung zu blicken, oder in die Richtung des Lichts der Auferstehung oder sind sie Verheißungen einer intensiveren, heiligenden, beseligenden Kommunikation?</p>
<p>Wenn Gott die Person ist, die zu uns spricht und uns ansprechend in ein liebendes Streit-Gespräch oder streitendes Liebes-Gespräch aufnimmt oder hineinbirgt, wäre dies der Grund, weshalb wir als sprechend-sterbliche Wesen den logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein bewohnen. Auf diesen Grund können wir setzen und hoffen, soweit uns die Propheten nicht bloße Narren dünken oder soweit uns die frohe Botschaft mehr als ein tröstliches, aber ansonsten unverbindliches Symbol darstellt.</p>
<p>Gottes Anspruch an uns ist die Abbildung seines schöpferischen Spruchs, mit dem er uns als sprachliche Wesen aus der Nacht des Ungesagten hervorgezogen und gleichsam in den heller werdenden logischen Raum hineingestellt hat: besser zu sprechen, uns klarer auszudrücken, wahrhaftig und genau zu denken und zu reden.</p>
<p>Wenn Gott die Person ist, die zu uns aus der Stille und Fülle des vollkommenen, guten und schönen Daseins spricht, erwacht in uns die Sehnsucht, die Hoffnung, die Gewissheit, in die Stille und Fülle des vollkommenen, guten und schönen Daseins einzugehen.</p>
<p>Wir können und sollen Gott als die Person, die zu uns spricht und unter deren Zuruf wir gleichsam erwachen, nur im Bild des Menschen darstellen: in jenem Bild, das uns die edelsten Kräfte der patriarchalischen Kultur des Judentums und des antiken Christentums geschenkt haben – im Bild des Vaters.</p>
<p>Der Vater sorgt sich um seinen Sohn und seine Tochter, er will, dass sie nicht den Weg des Unheils und des Bösen wandeln, sondern unterwegs in den Lichtungen rasten, die seinen Frieden atmen. Der Vater nämlich hat mit gleichsam weiblicher Güte das Licht in die Welt menschlicher Irrwege ausgesandt.</p>
<p>Der Vater sorgt sich gerade um den begabten Sohn und die begabte Tochter, denn ihrer Begabung wegen sind sie den Versuchungen des Bösen besonders ausgesetzt: Das Gute zu tun, so du es denn tun willst, ist leicht wie das Atmen des Säuglings – das Böse bedarf der Finten und Listen, des Lugs und Trugs, der Raffinesse und des Scharfsinns, ja, die im Rachen des Leviathan stecken und toben und schreien, hält man vielleicht nicht zu Unrecht für Genies der bösen Lust und der bösen Tat. Es schmeichelt der Eitelkeit und kitzelt den Dünkel des hohlen Menschen, sich mit dem giftigen und sterilen und unfruchtbar machenden Dunst des Bösen aufzublähen.</p>
<p>Der Vater schickt dem verlorenen, weit in die Irre gegangenen Kind Boten, die ihm von den lauen Friedenslüften gleichsam erinnerungsgesättigten Aroms, der sanften Landschaft des edlen und gerechten Glücks und dem lauteren und ernsten Trost ärmlicher Blumen der Heimat und von dem Brechen ungesäuerten Brotes und dem Trinken gewöhnlichen Landweines in bescheidener Behausung berichten: Das Kind aber empören die schlichten, reinen, beinahe glanzlosen Worte des heiligen Geistes, es nimmt Anstoß an einem harmonischen Sinn, der seinem Dünkel und Größenwahn allzu niedrig, bieder und beschränkt zu sein scheint. In Trotz und Jähzorn schreit das Kind gegen die Boten des Vaters, Güte sei Dummheit in einer Welt scharfsinniger Überrumpelung und Liebe Impotenz zu eigener Machtvollkommenheit.</p>
<p>Das verlorene Kind haust in der Wüste der Sprache, in der die befruchtenden Wasser des frohen und hohen Geistes nicht fallen mögen und nicht einmal der Morgentau an den Lippen des Dürstenden schwebt – es wähnt sich aber üppig und strotzend und überaus fruchtbar in der Fata Morgana gedankenloser und überschwänglicher Phrasen.</p>
<p>Gewiss fühlt das kranke, verlorene Kind tief in sich den milden Vorwurf des gleichsam gekränkten und verzagten Vaters, der wie aus dem Grab des Herzens nur noch leise, gebrochen, leise und leiser werdend zu ihm spricht – und noch die letzten Seufzer des Vaters überschreit es mit seinem immer unartikulierter werdenden Geschrei.</p>
<p>Hat nicht der Vater aus dem unendlichen Willen zur Rettung des Kindes zuletzt sich in der heimlichen Gestalt eines Menschen selbst auf den Weg gemacht, das verlorene Kind heimzuholen? Und hat nicht die aus sich sprechende und aus sich strahlende Schönheit und die sich fraglos dahingebende Geduld und Liebe jenes Einzigen die ringsum verdunkelnde Hässlichkeit und sich selber aufzehrende und zerfressende Bosheit des undankbaren Kindes empört und zu Todeshass aufgepeitscht? So hat das Kind den Vater im letzten Boten zu töten gesucht.</p>
<p>Wenn Gott wie der Vater ist, der das Kind durch sprachliche und moralische Unterweisung gleichsam zur Höhe und Weisheit, Schlichtheit und Einfalt und Besonnenheit seiner Kultur zu erziehen und emporzuziehen trachtet, sind wir zur demütigen Freude ermutigt: Unser armes, dürftiges und allseits angefochtenes Leben hienieden ist im logisch-semantischen Raum von Sprache und Bewusstsein zu Wahrnehmungen und Erfüllungen eines Sinnes erwacht, den wir getrost voraussetzen dürfen und den nicht selbst erfunden oder erschaffen zu haben uns nicht erniedrigt, sondern befreit.</p>
<p>Der Geist des Vaters oder der heilige Geist scheint von erlesener und geradezu humoriger Heiterkeit (immerhin ist er angesichts all der Torheiten, Albernheiten und grausamen Spiele seiner Kinder nicht versauert und verbittert): So verlangt er dir nichts Geringeres ab, als dich selbst zu lieben und einigermaßen glücklich oder zufrieden, indes nicht selbstzufrieden zu sein (wie schwer dies auch sein mag), als Voraussetzung dafür, Verantwortung tragen und diejenigen glücklich oder glücklicher oder etwas weniger unglücklich machen zu können, die dir lieb sind (denn die Unglücklichen und mehr noch die Unzufriedenen machen zu guter Letzt alle anderen ringsum unglücklich und unzufrieden und scheuen, allzu sehr in sich selbst verkrampft oder wollüstig oder wahnhaft ihrem Elend hingegeben, davor zurück, sich den kleinen und großen Verantwortungen und Verpflichtungen oder den noch so geringen, aber dich oder mich rettenden freundlichen Gesten zu öffnen).</p>
<p>Wenn Gott zu uns spricht, verstehen wir seinen Anspruch und Zuspruch wie den Anspruch und Zuspruch des Vaters an seine mit ihm streitenden und hadernden Kinder: den väterlichen Anspruch auf die Verzinsung des mitgegebenen, geliehenen Kapitals an Intelligenz, Empfindsamkeit und Mut in guten Taten – den väterlichen Zuspruch aber finden und geben wir wieder in den Zeichen der Zuwendung, die wie die ausgestreckte Hand, die empfindsame Träne, das spiegelnde Auge dich und mich erheben, nähren, versöhnen.</p>
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		<title>Logische Schneisen IX</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jan 2014 18:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Absicht]]></category>
		<category><![CDATA[Kohärenz]]></category>
		<category><![CDATA[Konsistenz]]></category>
		<category><![CDATA[logischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Person]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/logische-schneisen-ix/">Logische Schneisen IX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die biologische Tatsache, die den Aussagetypen des Aufforderns und des Versprechens und der sprachlichen Pragmatik wechselseitiger, symmetrischer und reziproker Veranlassung zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als bedürftige Kreaturen Bedürfnisse und Antriebe verspüren. Wir leben allerdings in der singulären Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein, in der unsere Bedürfnisse und Antriebe uns als intentionale Zustände von Wünschen und Absichten gegenwärtig werden und zugänglich sind, nämlich als Wünsche und Absichten, dasjenige, was wir für erstrebenswert halten, zu erlangen, und dasjenige, was wir für gefahrbringend halten, zu vermeiden.</p>
<p>Die biologische Tatsache, die dem Aussagetypus der Behauptung  zugrundeliegt, ist die Tatsache, dass Menschen als rezeptive Sinnenwesen Eindrücke von ihrer Umwelt erfahren. In der Welt des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein übersetzen wir diese sensorischen Reize in die generellen Terme unserer empirischen Aussagen über Gegenstände, die wir mithilfe von Existenzquantoren binden, wie in den Aussagen (x) Fx oder Fa. Solcherart pflegen wir unsere Überzeugungen und Annahmen über mögliche und tatsächliche Ereignisse und Sachverhalte in der Welt auszudrücken.</p>
<p>Wenn du Durst verspürst, befindest du dich in dem intentionalen Zustand des Wunsches, etwas zu trinken. Du hast durch hinreichende Proben der Vergangenheit, bei denen du deinen Durst mit Wasser hast stillen können, die feste Überzeugung gewonnen, dass Wasser genau der Stoff ist, dessen du bedarfst, um deinen Durst zu löschen. Um den Wunsch zu erfüllen, ist es vernünftig oder rational, mich in der gegebenen Situation darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen.</p>
<p>Wir bemerken hier, wie du von einem intentionalen Zustand in den nächsten intentionalen Zustand gleichsam gleitest oder wechselst: Dein Wunsch, etwas zu trinken, führt dich zur Intention, mich darum zu bitten, dir das Wasser zu reichen. Wir können diesen Wechsel als vernünftigen Schluss aus zwei Prämissen darstellen: (1) „Ich habe den Wunsch, etwas zu trinken.“ (2) „Ich weiß, dass Wasser meinen Durst stillt.“ (3) „Also bitte ich die Person X, mir das Wasser zu reichen.“</p>
<p>Rationale Schlüsse und Relationen von intentionalen Zuständen sind keine kausalen Zusammenhänge und keine Abfolge von kausalen Wirkungen. Der obige Schluss ist rational und zwingend, das heißt aber nicht, dass du, wenn du zu dem Ergebnis kommst, es sei rational und vernünftig, mich darum zu bitten, dir die Flasche Wasser zu reichen, diesen Sprechakt einer Aufforderung auch tatsächlich ausführst oder in irgendeinem kausalen Sinne auszuführen genötigt wärest: Du könntest mir gerade an diesem Tag meine dumme und herabsetzende Äußerung von gestern über dein Vorhaben, philosophische Essays auf deiner Webseite zu veröffentlichen, übel nehmen. Deshalb vermeidest du es, mich jetzt anzusprechen und mir Gelegenheit zu geben, dir bei einer freundlichen Geste zuzulächeln, und verzichtest lieber jetzt beziehungsweise vorläufig auf den erlösenden Schluck Wasser. Du hast dem sozial fundierten Wunsch, deinen Stolz zu wahren, in diesem Falle über den biologisch fundierten Wunsch, etwas zu trinken, den Vorrang oder die Präferenz gewährt.</p>
<p>Wir sprechen von Wünschen ersten und zweiten Grades und bemerken, dass diese Unterscheidung nicht mit der Unterscheidung von biologisch und sozial oder kulturell bedingten Wünschen äquivalent ist: Bei der Vorlesung, während der Unterredung mit deinem Vorgesetzten, während des Rendezvous mit deiner neuen Freundin kämpfst du gegen deine Müdigkeit an und unterdrückst alle körperlichen Anzeichen, die auf ein starkes Verlangen nach Schlaf hindeuten.</p>
<p>Wir haben gesehen, dass der logische Raum der Aussagen von zwei grundlegenden Aussagetypen erfüllt wird:</p>
<p>(1) die Behauptungen mittels empirischer Aussagen mit der logischen Form „Ich meine, dass p“, wobei p für einen beliebigen Satz mit einer empirischen Aussage über eine mögliche Tatsache der Welt steht wie „Der Mond ist der Erdtrabant“, sodass der Satz p wahr oder falsch sein kann, während der zusammengesetzte Satz als Aussage über den momentanen Bewusstseinszustand des Glaubens des Sprechenden immer wahr ist;</p>
<p>(2) die Aufforderungen oder Versprechen, deren pragmatische Grundform die Veranlassung darstellt: Ich veranlasse dich mittels einer sprachförmigen Geste der Aufforderung oder mittels eines Aufforderungssatzes, die Absicht zu hegen, das und das zu tun (wobei tun auch reden heißen kann); du veranlasst mich umgekehrt mit denselben Mitteln, eine Absicht zu hegen, dies und jenes zu tun. Du kannst deine Absicht, das von mir Geforderte auch wirklich und wahrhaftig in die Tat umzusetzen, bekräftigen, indem du sagst: „Es ist meine feste Absicht, dir diesen Gefallen zu tun!“ oder: „Ich verspreche dir, dir diesen Gefallen zu tun!“ Oder kurz, um mittels futurischer Verbform den Zukunftssinn der Absicht zu unterstreichen: „Ich werde dir diesen Gefallen tun!“</p>
<p>Das Netz der intentionalen Zustände überspannt beide Aussagetypen, Behauptungen und Aufforderungen, mittels der Grundformen rationalen Schließens: Wenn du die Absicht hegst, ein Haus zu bauen, folgt daraus eine Kette weiterer Absichten wie eine Bank mit der Finanzierung, einen Architekten mit der Planung und einen Bauingenieur mit der Ausführung zu beauftragen. Und diese Kette zerfällt wieder systematisch in eine lange Serie oder eine Kaskade von intentionalen Einzelschritten, die logisch aufeinander aufbauen und auseinander folgen: die Absicht, einen Bankberater anzurufen und mit ihm einen Termin zu vereinbaren, die Absicht, einen Finanzplan auf der Grundlage bestehender Einkommen und Vermögen zu ermitteln, die Absicht, einen Kredit in berechnetem Umfang zu beantragen, die Absicht, Zusatzversicherungen zur Absicherung des Kredits abzuschließen usw.</p>
<p>Wir sprechen hier von den systematischen Bedingungen der Kohärenz und der Konsistenz, das heißt der logischen Vereinbarkeit und der logischen Ableitbarkeit von Aussagen, die Begründungszusammenhänge und motivationale Kontexte, kurz Kontexte von Gründen und Intentionen, aufweisen müssen, damit es uns auf Dauer gelingt, unsere Ziele zu erreichen und unsere Zwecke zu verwirklichen.</p>
<p>Wenn du wirklich ein Haus bauen willst, du dich aber trotz der Tatsache, dass dein Vermögen bei weitem nicht ausreicht, ein solch teures Unternehmen zu finanzieren, weigerst, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen, sprechen wir von einem inkohärenten motivationalen oder intentionalen Kontext oder einer Inkohärenz der Absichten. Wenn du der Überzeugung bist, dass zur Planung eines Hausbaues die fachliche Arbeit eines Architekten erforderlich ist, du aber dennoch nicht die geringste Absicht hegst und nicht die geringsten Anstalten unternimmst, einen Architekten zu beauftragen, sprechen wir von einem inkonsistenten Kontext der Gründe und Absichten. Denn es ist ein logischer Widerspruch zu wissen, dass die Erfüllung von A die Voraussetzung der Erfüllung von B ist, und gleichzeitig die Erfüllung von A zu negieren.</p>
<p>Wir unterscheiden Bedürfnisse, Antriebe und Triebe auf der einen Seite und Wünsche und Absichten auf der anderen Seite, also kausale Mechanismen und intentionale Zustände. Bedürfnisse, Antriebe und Triebe fallen außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bedeutung, außerhalb des Reiches der Vernunft – sie sind aber deshalb nicht irrational (dann gehörten sie ja als Negationen aller Sätze über rationale Wünsche und Absichten in den logischen Raum der Vernunft), sondern der Rationalität und Vernunft gegenüber neutral und indifferent. Das heißt, wir können nicht von reinen Antrieben oder Trieben wie Hunger und Durst oder sexuellen Trieben unmittelbar auf die Präferenz der Absicht oder den praktischen Schluss schließen, der sich aus dem rationalen Syllogismus mit den Prämissen eines Wunsches und der Wahl eines Mittels zur Wunscherfüllung ergibt – wie oben am Beispiel des Wunsches zu trinken gezeigt.</p>
<p>Antriebe können kausal mit visuellen oder anderen sensorischen Reizen verknüpft sein – so der visuelle Reiz einer Flasche Wasser mit dem Bedürfnis, zu trinken. Sensorische Reize befinden sich außerhalb des logischen Raums von Sprache und Bewusstsein – sie sind neutral gegenüber den Begriffen von Wahrheit und Falschheit. Erst die Transformation des sensorischen Reizes in eine Wahrnehmung macht den Reiz gleichsam intelligibel, nämlich wahrheits- und falschheitsfähig. Man könnte auch sagen, Aussagen über sensorische Reize sind immer wahr, aber das heißt nur, dass sie tautologisch und empirisch nichtssagend sind. Ihr Indikator ist ja bekanntermaßen die Formel: „Mir scheint …“ Und damit kannst du nicht irren, weil eine Aussage über den mentalen Zustand deiner Gestalt-, Form-, Farb- oder Geruchswahrnehmung irrtumsresistent ist. Das ist der Unterschied der Aussagen: „Mir scheint, dort befindet sich eine Flasche Wasser“ und der Aussage: „Dort befindet sich eine Flasche Wasser“, die entweder wahr oder falsch ist.</p>
<p>Doch der sensorische Reiz muss erst in eine Wahrnehmung transformiert werden, wenn wir rational von unserer Wirklichkeit sprechen wollen. Dann gelangen wir zu der Überzeugung, dass wir unseren Wunsch stillen können, wenn wir aus der wahrgenommenen Flasche trinken. Wir befinden uns allererst im logischen Raum von Sprache und Bewusstsein, wenn sich herausstellen kann, dass diese unsere Überzeugung falsch war, weil sich in der Flasche kein echtes Wasser, sondern eine ungenießbare Flüssigkeit befand.</p>
<p>Wir ersehen aus dem Wechselspiel von intentionalen Zuständen und Syllogismen beziehungsweise praktischen Schlüssen, dass der logische Raum von Sprache und Bewusstsein zumindest über die beiden Dimensionen der Intentionalität und der Rationalität aufgebaut wird – die beiden Dimensionen umgreifen und implizieren einander. Sollte die Existenz von intentionalen Zuständen, wie manche behaupten, eine Illusion oder bloße Fiktion sein, und sollten alle intentionalen Zustände sich vollständig auf physische Zustände reduzieren lassen, müsste man folglich auch die Implikation der Existenz von Rationalität oder der menschlichen Fähigkeit, Aussagen in logische Verknüpfungen zu bringen, in Zweifel ziehen. Doch kann man überhaupt etwas in Zweifel ziehen, wenn man DIES in Zweifel zieht?</p>
<p>Wir nennen Wesen, die nicht nur Bedürfnisse, Antriebe und Triebe, sondern Wünsche und Absichten haben, Wesen, die nicht nur von sensorischen Reizen affiziert werden, sondern Wahrnehmungen und Überzeugungen über das Wahrgenommene haben, nämlich dass es entweder wahr oder falsch ist und das heißt, sich nicht nur auf einen je meinigen mentalen Zustand, sondern auf eine objektive Tatsache der Welt bezieht, sowie Wesen, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, rationale Wesen oder Personen.</p>
<p>Wenn wir uns in einem skeptischen Überschwang  so weit aus dem Fenster lehnen oder so weit übernehmen, dass wir bezweifeln, dass Personen solche rationalen Wesen sind, die ihre Überzeugungen und Absichten auf kohärente  und konsistente Weise des Verknüpfens und Schlussfolgerns verbinden, dann zweifeln wir an unserer eigenen Existenz, unterminieren die Grundlage all unseres Wissens und stürzen in einen bodenlosen Traum.</p>
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		<title>Philosophieren XL</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Sep 2013 10:20:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Du siehst auf deine Armbanduhr, vergleichst ihren Zeigerstand mit dem Zeigerstand der digitalen Uhr neben dem Eingang der Apotheke und stellst fest, deine Uhr geht falsch. – Immer wenn du morgens aus dem Haus gehst, kommt dir pünktlich wie nach der Uhr dein Nachbar entgegen. – Du stellst fest, dass dein Taschenrechner bei jeder Eingabe [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xl/">Philosophieren XL</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Du siehst auf deine Armbanduhr, vergleichst ihren Zeigerstand mit dem Zeigerstand der digitalen Uhr neben dem Eingang der Apotheke und stellst fest, deine Uhr geht falsch. – Immer wenn du morgens aus dem Haus gehst, kommt dir pünktlich wie nach der Uhr dein Nachbar entgegen. – Du stellst fest, dass dein Taschenrechner bei jeder Eingabe von Zahlen und Funktionen denselben Wert anzeigt, und schließt daraus, dass die elektronische Mechanik des Rechners kaputt und unbrauchbar geworden sei. – Du bist als Tourist in der fremden Stadt unterwegs und fragst einen Einheimischen nach dem Weg zu der berühmten Kathedrale, er weist ihn dir mit der Hand, doch du gelangst bald in ein ödes Brachland.</p>
<p>Du bindest mit den Händen die Schlaufe am Schuh. Du rechnest die Multiplikation ohne Zuhilfenahme von Papier und Bleistift im Kopf aus. Warum ist es merkwürdig und befremdlich zu sagen: „Ich rechne die Rechenaufgabe nicht nur im Kopf, sondern mit dem Kopf aus“ oder „Ich rechne die Rechenaufgabe mit meinem Gehirn aus“? Was macht hier den Unterschied zwischen Hand und Gehirn?</p>
<p>Wenn deine Armbanduhr Bewusstsein hätte und du bemerkst mittels des Vergleichs mit der öffentlichen Uhr, dass sie falsch geht – könntest du ihr dann nicht die Absicht unterstellen, nicht die richtige Zeit anzeigen und dich hinters Licht führen zu wollen? Wenn du aber davon ausgehen könntest, dass deine Armbanduhr dir in Treue und unbedingt ergeben sei, wäre die Tatsache, dass sie die falsche Zeit anzeigt, nicht die Folge dessen, dass sie absichtsvoll einen Fehler begangen hätte, sondern wahrscheinlich die Folge der Tatsache, dass beispielsweise die Batterie ihren Geist aufgegeben und sie das Bewegen der Zeiger hätte aufgeben müssen.</p>
<p>Die Absicht hegen zu können, zu täuschen und sich zu verstellen, sowie die Disposition, Fehler zu begehen, gehörten demnach zu untrüglichen Zeichen dessen, was wir bewusstes und seiner selbst bewusstes Leben nennen, so wie wir es führen und sind.</p>
<p>Dein Nachbar kommt stets pünktlich zur selben Minute und Stunde dir entgegen – als wolle er dir mit diesem Verhalten sagen: „Siehst du, du kannst dich auf mich verlassen, ich bin immer pünktlich zur Stelle!“ – Warum kannst du nicht zu dir selbst des Morgens, wenn du wieder wie stets zur selben Zeit erwachst und gleichsam zu dir findest, sagen: „Siehst du, du kannst dich auf mich verlassen, ich bin immer pünktlich zur Stelle!“?</p>
<p>Dein Taschenrechner funktioniert nicht mehr, er spuckt bei jeder Eingabe denselben Wert aus. – Ist es dasselbe mit deinem Mund, wenn er plötzlich, gleichgültig was immer du eigentlich äußern möchtest und dir zu sagen vorgenommen hättest, denselben Satz oder dasselbe Wort artikulierte? – Ist es dasselbe mit deinem Kopf, wenn du mit einem Mal unter den Bann einer Zwangsidee gerietest und gezwungen wärst, denselben Gedanken immerfort zu wiederholen?</p>
<p>Der Einheimische hat dich düpierten Touristen in die falsche Richtung geschickt. Woher weißt du aber, dass er dich mit Absicht in die Irre geführt hat? Könnte er nicht der falschen Überzeugung sein, dass die Richtung, in die er dich wies, die richtige sei? Wie kannst du das herausfinden? Nun, wenn du beobachten könntest, dass derselbe Mann einen anderen Touristen, mit dem er sich augenscheinlich angefreundet hat, bei Nachfrage in dieselbe falsche Richtung weist.</p>
<p>Wir wissen nunmehr: Nur ein Lebewesen wie wir, dem wir unterstellen, wahre und falsche Überzeugungen zu haben sowie Absichten zu hegen, mittels der Äußerung von Sätzen und der Durchführung von Handlungen Ziele zu erlangen, gilt uns als seiner selbst bewusstes Lebewesen. Das Gehirn, mittels dessen wir wahre oder falsche Überzeugungen bilden, oder der Mund und die Sprechwerkzeuge, mittels derer wir Sätze artikulieren, und die Hand, mittels deren wir Handlungen ausführen, gelten uns für Teile oder Momente der Person oder personalen Ganzheit, die Überzeugungen hat, Sätze äußert und Handlungen vollführt, nicht aber für die Ganzheit selbst, so dass es falsch wäre zu sagen: „Dein Hirn glaubt, die Erde sei eine Scheibe“ und „Dein Mund hat mich nach der Uhrzeit gefragt“ oder „Deine Hand hat die Schlaufe zu fest gezurrt“.</p>
<p>Die Uhr zeigt den falschen Zeigerstand an. Es ist sinnlos zu fragen, ob sie nicht auch den richtigen Zeigerstand hätte anzeigen können. Wenn du dagegen dich bei der Multiplikation vertust und ein falsches Ergebnis an die Tafel schreibst oder in die Rechnung einträgst, kann ich dich getrost fragen, ob du nicht das richtige Ergebnis hättest errechnen und aufschreiben können. Denn wenn du in der Lage bist, Fehler zu begehen und dich zu verrechnen, kann ich dir auch die Fähigkeit unterstellen, keinen Fehler zu machen und auf das richtige Ergebnis zu kommen.</p>
<p>Wenn du die Rechnung ausführst und es unterläuft dir ein Fehler, passieren doch in deinem Hirn zigtausend Dinge – wir sehen es ja auf dem Bildern der bildgebenden Hirn-Scan-Verfahren, wo Hirnaktivität stattfindet und wo nicht, wir haben gute Annahmen über die neuronale Repräsentanz der mentalen Aktivitäten, die wir mehr oder weniger bewusst ausführen, und sprechen vom Input und Output und der Informationsverarbeitung durch die neuronalen Netze und Schaltkreise unseres Gehirns. Warum sollten wir denn nicht annehmen, dass in einem solch komplexen Netzwerk wie dem des Gehirns ein Fehler auftreten könne?</p>
<p>Du kannst mit Kaffee und Tee, von anderen Stimulantien zu schweigen, deine Hirnaktivität auf Trab bringen, schneller rechnen und deine Aufmerksamkeit so weit steigern, dass du Fehler vermeidest, die dir im ermüdeten Zustand unterlaufen wären. Aber die Fehler, die du vermeidest, und die Fehler, die du begehst, sowie die richtigen Rechenergebnisse, auf die du Schritt für Schritt kommst, entstehen nicht aufgrund von Pannen und Systemausfällen beziehungsweise dank reibungsloser Funktionsabläufe der großen Maschine namens Hirn, sondern aufgrund eines Versehens wie einer falschen Annahme und irrtümlichen Anwendung von Formeln und Kalkülen beziehungsweise der richtigen Annahme und korrekten Anwendung von Formeln und Kalkülen – im ersten Falle hast du zum Beispiel einfach addiert, wo du hättest subtrahieren sollen, oder du hast die binomische Formel falsch angewandt.</p>
<p>Wenn dein Rechenapparat unterhalb der Kalotte eine Panne hat, verrechnest du dich natürlich genauso wie im Falle des Fehlers, den du begangen hast. Doch über die Panne bist du verdutzt, erschrocken oder verzweifelt und weißt dir keinen Rat – zur Not musst du als Schlaganfallpatient schnellstmöglich in die Notaufnahme der nächsten Klinik. Über den Fehler, den du nicht das erste Mal bei der Rechnung hingelegt hast, ärgerst du dich – doch kannst du dir mit einiger Mühe klarmachen und erklären, wie er zustande kam. Alsdann gibst du dir einen Stoß und beginnst die Rechnung erneut, mit heikler Aufmerksamkeit an der Stelle, wo es wieder einreißen könnte.</p>
<p>Außerdem pflegen wir dir keinen Vorwurf daraus zu machen und dich deswegen zu tadeln, weil du die Rechnung fatalerweise aufgrund eines plötzlichen Hirnschlags hast nicht korrekt ausführen können, sondern fehlerhaft stehen lassen musstest. Im Gegenteil, wir werden, solltest du uns nahestehen, Anteil an deinem Schicksal nehmen und dich bemitleiden. Dagegen pflegen wir zumindest den Schüler, der sich nicht ausreichend auf den Hosenboden gesetzt und die Aufgaben wiederholt hat, zu tadeln, weil er uns wieder mit demselben Fehler kommt. Dieses Mal gedenken wir ihn dafür zu strafen und ihn mit einer zusätzlichen Übungsaufgabe vom Spiel im sonnigen Nachmittag fernzuhalten. Pannen und Störungen kausaler Natur werden nicht zugerechnet, bedürfen keiner Rechtfertigung oder erklärenden Begründung. Fehler werden zugerechnet und können getadelt, ihr Vermeiden kann belobigt werden.</p>
<p>Wir sagen, der Schüler könne die Rechenaufgabe durchaus lösen, er sei zwar dazu in der Lage, aber nicht willens, es zu tun, es fehlten ihm der gute Wille und Antrieb. Auch dieses Verhalten pflegen wir zu tadeln, doch handelt es sich dabei nicht um einen zurechenbaren Fehler aufgrund mangelnder Übung oder mangelnden Fleißes, sondern um ein moralisches Versagen aufgrund einer Charakterschwäche, die ungenügende oder verfehlte Erziehung auf dem Gewissen haben mag.</p>
<p>Mentale Pannen haben Ursachen organisch-neurologischer Natur, die wir uns nicht recht erklären können und für die wir uns nicht zu verantworten oder zu rechtfertigen haben. Fehler gehen auf unser Konto, wir können ihre Entstehung meist gut nachvollziehen und rekonstruieren, vor allem aber müssen wir für sie geradestehen – seien es Rechenfehler oder moralische Vergehen. Unseren Fehlern sei Dank – sie zeigen uns: Wir sind nicht die Sklaven unserer Hirnaktivitäten, sondern unter den gemischten Bedingungen dieses sublunaren Daseins bewusste und unserer selbst bewusste Lebewesen, die Wahres von Falschem, Richtiges von Unrichtigem und Sinnvolles von Unsinnigem unterscheiden und mit Absicht tun oder lassen können, was immer wir tun oder lassen wollen.</p>
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		<title>Philosophieren XXXIX</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Sep 2013 13:49:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn und Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Person]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Deine Freundin führt deine Hand, mit der du sie innig gestreichelt hast, an ihren Mund und schaut dir zärtlich in die Augen. – Das Kind wirft wütend den Stuhl um, an dem es sich gestoßen hat. – Sein Leichnam wurde in der Leichenhalle aufgebahrt. – Wir haben ihn gestern beerdigt. – Der Arzt diagnostiziert in [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxxix/">Philosophieren XXXIX</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Deine Freundin führt deine Hand, mit der du sie innig gestreichelt hast, an ihren Mund und schaut dir zärtlich in die Augen. – Das Kind wirft wütend den Stuhl um, an dem es sich gestoßen hat. – Sein Leichnam wurde in der Leichenhalle aufgebahrt. – Wir haben ihn gestern beerdigt. – Der Arzt diagnostiziert in deinem Knie einen Bänderriss. – Der Demente erkannte sich im Spiegel nicht wieder.</p>
<p>Deine Freundin küsst wohl deine Hand, aber sie schaut nicht deine Hand dankbar an, sondern dir zärtlich in die Augen. – Das Kind handelt so, als sei der Stuhl ein lebendiges Wesen, dem man Absichten und gerade auch böse Absichten zu unterstellen pflegt – es handelt im Prinzip richtig, nur en detail falsch. – Wir zögern beim pietätvollen Umgang mit den Toten, an welcher Stelle wir sie gleichsam im Persönlichen festhalten oder ins Unpersönliche abgleiten lassen wollen. – Der Arzt weist uns auf das Verständnis unseres verkörperten Seins hin, indem er nicht sagt: „Ihr Knie ist krank“, sondern etwa: „Sie sind am Knie erkrankt“ oder schlicht „Sie leiden an einem Bänderriss am Knie.“ Der Arzt sagt nicht: „Ich werde ihren Magen operieren“, sondern „Ich werde Sie am Magen operieren.“ – Der Demente erkennt seinen Körper im Spiegel nicht mehr als seinen Körper, weil er seinen Körper nicht mehr als den seinen wahrnimmt.</p>
<p>Dein Bekannter hält dich am Ärmel fest, zeigt mit der Hand auf die andere Straßenseite und sagt: „Schau mal, ist dies nicht Frau P.?“ Zeigt er dabei auf die Stelle, die mit der Verwendung des Demonstrativums „dies“ bedeutet und gemeint ist? Welche Stelle könnte das sein? Ist es die Raumstelle, die von dem Körper der Frau P. vollständig ausgefüllt wird? Aber dann könnte man die Ausdrücke „dies“ und „dieser Körper“ schlicht gegeneinander austauschen und dein Bekannter könnte genauso gut sagen: „Schau mal, ist dies nicht der Körper der Frau P.?“</p>
<p>Warum klingt diese Frage so merkwürdig, bizarr und ungelenk in unseren Ohren? Warum finden wir auf Anhieb keine rechte Normalverwendung für einen solchen Satz? Oder würden wir etwa mit dem Wissen, da drüben wandle Frau P. am hellichten Tage wieder einmal im Schlaf, etwa sagen „Schau mal, ist dies nicht der Körper der Frau P.?“ Nicht einmal in einem solchen Ausnahmefall würden wir dies wohl über die Lippen bringen.</p>
<p>Warum lassen sich die Personalpronomina ich und du und er und sie nicht einfach ersetzen durch die Ausdrücke „mein Körper“, „dein Körper“, „sein Körper“ oder „ihr Körper“? Etwa weil das mit den Personalpronomina Gemeinte, also die jeweilige Identität der angesprochenen Personen, ein unkörperliches Etwas, ein im Körper verborgenes rätselhaftes Wesen genannt Seele oder Geist wäre, das sich von außen und von den anderen nicht erfassen lässt, sondern auf intime und unmittelbare Weise nur dem „Inhaber“ zugänglich und verständlich wäre?</p>
<p>Wir fragen uns weiter in die Irre: Ist dieses ominöse Etwas nicht das, was in uns denkt – sind doch auch die Gedanken körperlos, ortlos, zeitlos? Wie ist dieses Ego Cogito bloß mit dem singulären Körper verbunden, wenn es unräumlich ist, also eigentlich keinen Raum einnehmen und keinem Körper einwohnen kann? Steht es dennoch einem bestimmten Organ besonders nahe, etwa der Milz, der Leber, dem Herzen oder dem Gehirn?</p>
<p>Oder sollen wir, abgestoßen von all dem metaphysischen Gespensterdasein und verführt durch die knallharten Fakten der Neurowissenschaften, in die entgegengesetzte Irre gehen und den vom Ego Cogito heimgesuchten Körper zum alten Eisen werfen und die Identität der Frau P. zum Produkt der neuronalen Leistungen ihres Gehirns erklären? Würde dein Bekannter denn nunmehr auf die andere Seite der Straße zeigen und ausrufen: „Schau mal, ist dies nicht das Gehirn der Frau P., das mit ihrem Körper spazieren geht?“</p>
<p>Worauf dein Bekannter zeigt, wenn er mit dem Finger auf Frau P. weist, ist weder ein Körper, dem wir eine zentral steuernde, denkende Instanz namens Seele oder Geist andichten und verpassen müssten, noch ein von der steuernden Instanz des Gehirns die Straße entlang geführter Körper (Woher wüssten wir denn in diesem Falle, dass es eben der Körper der Frau P. ist?), sondern die Person Frau P., die als vollständig verkörpertes Lebewesen von ihrem lebendigen, empfindenden, fühlenden, denkenden Organismus unabtrennbar ist – und diese Weise, vom Körper nicht abtrennbar zu sein, hat nicht den Rang einer Tatsache, sondern stellt eine begriffliche Grenze dar. Wir sagen etwas unbeholfen: Der Begriff der Person kann nicht ohne den Körper gedacht werden, den wir mit dieser Person allenthalben verbinden. Verkörpert zu sein ist so etwas wie die notwendige Eigenschaft von Personen.</p>
<p>Und wenn du gar nichts mehr fühlst und denkst, ohne tot zu sein, sondern dich im Tiefschlaf befindest oder ohnmächtig bist, bist du dann nicht bloß ein Körper und nichts ist auffindbar, was du da wohl verkörperst? Ich würde immer noch sagen: „Mein Freund ist in Tiefschlaf versunken“ oder „Mein Freund ist ohnmächtig geworden“ und nicht „Der Körper meines Freundes schläft oder ist ohnmächtig“. Denn die Möglichkeit, dass du aus dem Tiefschlaf oder der Ohnmacht erwachst, gehört zu dem Repertoire an Möglichkeiten, die dein selbstbewusstes Leben als Person ausmachen, auch wenn du in solchen virtuellen Schrumpfstufen des Daseins deiner selbst gerade nicht bewusst bist. Dies gilt auch für die Fälle psychiatrisch klassifizierbarer Abweichungen vom normalen Verhalten und Bewusstsein. Der Faden kann gleichsam abbrechen und seine Enden eine Weile in der Luft baumeln – solange die Möglichkeit besteht, dass eine gute Fee oder eher wohl die Verabreichung antipsychotischer Medikamente die losen Enden wieder verbindet, geben wir die Zuschreibung des Personseins an den Betroffenen nicht auf.</p>
<p>Das bewusste Leben der Person ist ein Kontinuum mehr oder weniger intensiver oder schwacher Empfindungen, mehr oder weniger deutlicher oder verschwommener Gefühle und mehr oder weniger präziser oder diffuser Gedanken, das sich von der Geburt bis in den Sterbeprozess hinzieht. Ich spreche dir nicht bloß in den Fällen ein leib-beseeltes Dasein zu, in denen es mir leichtfällt, deine Empfindungen, Gefühle und Einstellungen aus deinem Benehmen und Gebaren zu ersehen, wie dass du glücklich bist aus deiner entspannten Haltung und deinem sanften Lächeln oder dass du unglücklich bist aus deiner verkrampften Haltung und deinem stieren Blicken. Auch wenn du in eine katatonische Starre fielest und ich nicht einmal zu ahnen vermöchte, was in dir vorgeht, bleibst du die Person von vorhin, wie sich nach Beendigung des Anfalles herausstellen wird.</p>
<p>Dein Bekannter hat dich auf Frau P. hingewiesen, und da ihr euch kennt, gehst du gerne auf sie zu und befragst sie nach ihrem Befinden und momentanen Vorhaben. Sie wird vielleicht antworten, sie müsse eine Besorgung machen, zum Beispiel sich in der Apotheke durch Vorlage eines Rezepts ein ihr verordnetes Medikament besorgen. Frau P. hat dir damit ihre Absicht mitgeteilt, die dir zur Erklärung ihres Verhaltens, nämlich über die Straße gegangen zu sein, vollkommen hinreicht. Natürlich wirst du Frau P. für die richtige und erfolgreiche Ausführung ihrer Absicht mittels des beobachteten Verhaltens die wahre Überzeugung unterstellen dürfen, dass es notwendig sei, mit dem Rezept bewaffnet die Wohnung zu verlassen und da sie keine Flügel hat sich ihrer Beine zu bedienen und sich auf der Straße in Richtung Apotheke zu begeben. Die Wahrheit dieser Überzeugungen ist wiederum verknüpft mit der Wahrheit der Überzeugungen, dass Frau P. die Öffnungszeiten der Apotheke zu beachten hat, dass sie das Rezept vor Ort aus der Tasche ziehen und dem Apotheker überreichen muss. Und die Wahrheit all dieser Überzeugungen ist gleichsam unterirdisch oder auf der Rückseite des Teppichs mit basalen Wahrheiten der Art verknüpft, dass Frau P. getrost den Fuß auf den Bordstein setzen kann ohne dank des Wirkens der Gravitationskraft Gefahr zu laufen, in die Lüfte zu entschweben.</p>
<p>Der semantisch geknüpfte Teppich aus Überzeugungen und Absichten ist das, was Lebewesen als Personen beseelt. Das fortgesetzte Knüpfen, aber auch das stellenweise Wiederauflösen und Neuknüpfen des semantischen Teppichs geschieht ein Leben lang und umfasst das, was wir das intentional-bewusste Leben der Person nennen. Die Ausführung deiner Absicht kann scheitern, vielleicht aus dem einfachen Grund, weil dich eine falsche Überzeugung in die Irre geführt hat, und du wähntest, das Medikament in der Apotheke ohne Rezept erhalten zu können.</p>
<p>Und wenn du nicht nur mit einer Überzeugung falsch lägest, sondern mit vielen oder gar mit allen? Und wenn du, wieso dann nicht auch ich, und wenn du und ich, wieso dann nicht alle? Lebten wir dann nicht in einer Scheinwelt oder Traumwelt, in der alles wie in einem Film sich abspielte, für den es kein Skript und keinen Plot gäbe, den nicht einmal ein verantwortlicher Regisseur gedreht hätte? Wäre dies aber so, und alle deine Überzeugungen wären falsch, wähntest du beispielweise, über die Brüstung des Balkons deiner Wohnung im 5. Stock gelehnt, du könntest fliegen – und lebtest also nicht mehr.</p>
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		<title>Philosophieren XXXI</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxxi/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Aug 2013 16:06:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophische Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Analogie]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Person]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Raum-Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Du glaubst, den Schlägersänger heute Mittag wiedererkannt zu haben, den du vor drei Wochen in der Fernsehshow hast auftreten sehen. Du bist dir sicher, jener Typ, den du heute auf der Straße gesehen hast, muss derselbe sein, an den du dich gut erinnern kannst. Hast du etwa, um diese Behauptung aufstellen zu können, das aktuelle [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxxi/">Philosophieren XXXI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Du glaubst, den Schlägersänger heute Mittag wiedererkannt zu haben, den du vor drei Wochen in der Fernsehshow hast auftreten sehen. Du bist dir sicher, jener Typ, den du heute auf der Straße gesehen hast, muss derselbe sein, an den du dich gut erinnern kannst. Hast du etwa, um diese Behauptung aufstellen zu können, das aktuelle Bild, das du auf der Straße von dem Mann aufgeschnappt hast, mit dem älteren Bild, das in deinem Gedächtnis gespeichert ist, verglichen und Punkt für Punkt abgeglichen oder wie eine Skizze auf Transparentpapier das aktuelle Bild über das bestehende Bild gelegt, um dich der Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung beider versichern zu können?</p>
<p>Du kannst den wiedergesehenen Schlagersänger im strengen Sinne nur dann als denselben wie den Mann auf deinem Erinnerungsbild ansprechen, wenn die Identität der beiden Bilder vollständig wäre und Detail mit Detail von der Anzahl und Lage der Kopfhaare bis zur Feinstruktur der Augenfältchen kongruierte. Du wirst demgemäß immer wieder ein Fehlersignal von deiner Gedächtnisfunktion erhalten, wenn du gleichgültig welches aktuelle Sehbild mit einem älteren im Gedächtnis abgespeicherten desselben Gegenstandes vergleichst, um die Identität der abgebildeten Bildinformationen zu ermitteln. Körperliche Entitäten bewegen sich durch die Raum-Zeit und sind vielen Faktoren der Beeinflussung und Veränderung interner Natur wie dem Altern oder Krankheitsprozessen und externer Natur wie den Folgen von Haarfärbeaktionen und anderen kosmetischen Eingriffen oder Unfällen ausgesetzt.</p>
<p>Wir müssen also bei der Anwendung des Adjektivs für die Identität auf einen Gegenstand der Raum-Zeit etwas anderes im Sinne haben als bei der Anwendung des Identitätsbegriffs auf abstrakte Entitäten wie Zahlen, Buchstaben oder artikulierte Sprachlaute. Egal welche Sauklaue dem geplagten Deutschlehrer bei der Lektüre der Hausaufgaben vor Augen flirrt, ihm wird auch bei schlechter Lesbarkeit der Unterschied der Buchstaben m und l nicht entgehen. Ebenso wenig, dass Schüler Klaus den Buchstaben g nur so hingeschmiert hat, während Schülerin Claudia denselben Buchstaben in Schönschrift hingemalt hat. Wir sagen, der Lehrer erkennt und identifiziert den Typus (Type) des Buchstabens g am Token seiner konkreten Realisierung.</p>
<p>Der Japaner gibt sich viel Mühe, seinen Vortrag über japanisches Recht auf Deutsch vom Blatt abzulesen. Auch wenn du dich zunächst daran gewöhnen musst, dass in seinem Artikulationsspektrum uns unentbehrlich dünkende Laute wie r nicht vorkommen, kannst du den Mangel bald kompensieren und dem Geäußerten einen gewissen Sinn abgewinnen. Dasselbe gilt im Falle des neuen Nachbarn, dem du nicht unhöflich kommen solltest, nur weil er erheblich nuschelt: Gib dir Mühe und du verstehst ihn. Auch in diesen Fällen bist du in der Lage, den gemeinten Lauttypus gleichsam hinter seiner aktuellen Realisierung durch den Sprecher, das heißt dem Token der aktuellen Lautbildung, einigermaßen zu identifizieren, obwohl diese ihn mit einer Menge Geräusch oder akustischer Fehlinformation verschmutzt.</p>
<p>Klein Hänschen krakelt sein 1 mal 1 mit Buntstift aufs Blatt, der Mathematikstudent bedient sich des neuesten digitalen Taschenrechners mit leichter Hand, während er gleichzeitig der Vorlesung lauscht. Trotz der ziemlich unterschiedlichen Form und Art der Realisierung, handelt es sich im Prinzip in beiden Fällen um das Vorkommen derselben natürlichen Zahlen: Einige Typen der natürlichen Zahlen werden hier so und dort anders realisiert. Heißt dass, die Zahlen an sich schauen als erdentrückte Wesen aus einem reinen Himmel geistiger Wesenheiten auf uns herab, während wir uns bemühen, ihrer abstrakten Natur durch immer präzisere Verfahren der Abbildung gerecht zu werden? Keineswegs. Denn es gibt kein abstraktes Wesen der Zahl, genauso wenig wie abstrakte oder ideale Sprachlaute, die zu realisieren wir als hehres Ideal eigentlich anstreben müssten, um uns endlich ohne sinnbedrohenden Geräuschanteil ausdrücken zu können. Versuche einmal, einen deutschen Satz mittels Verlautbarung reiner Lauttypen zu bilden! Da versagt dir die Stimme.</p>
<p>Es genügt für unseren Hausgebrauch anzunehmen, dass wir das abstrakte Wesen oder den Typus der Zahl auch mit mehr Bodenhaftung erreichen, wenn wir sagen: Wir nehmen immer wieder dieselben Verfahren des Zählens und Rechnens mit Entitäten vor, die wir Zahlen nennen. Dabei ist es gleichgültig, wie wir uns Zahlen vorstellen oder realisieren, ob mit römischen oder arabischen Ziffern, mit den digitalen Elementen 1 und 0 oder mit grafischen Formen wie einem Punkt und einer Klammer. Du sagst „1“ und meinst damit: „Ich habe jetzt 1 gezählt“ oder „Ich habe jetzt die Grundeinheit unseres Zählens und Rechnens einmal genannt, präsentiert, gezählt“. Wenn ich aufzähle „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9“, könntest du sagen, ich habe die Reihe der natürlichen Zahlen in aufsteigender Größenordnung hergezählt, die ich durch folgendes Verfahren konstruiere: Ich nehme die Grundeinheit und füge ihr eine weitere Einheit hinzu, mit der so gebildeten Zahl 2 mache ich DASSELBE usw.</p>
<p>Was für Zahlen, Buchstaben und Sprachlaute gilt, dass wir ihren Typus jeweils mehr oder weniger gut mittels eines Token verwirklichen, gilt nicht bei den Gegenständen der Raum-Zeit oder den Körpern. Über dir schwebt kein Idealbild deiner Person in einem Himmel idealer Gegenstände wie Bäume, Enten oder Kaffeetassen, an denen wir die realen Gegenstände des Alltags in ihrem Sosein allererst bestimmen und identifizieren könnten. Wir sind uns neulich begegnet und du hast mich gleich wiedererkannt, obwohl doch einige Jahre seit unserem letzten Treffen vergangen sind. Du hast nicht etwa verdutzt dreingeschaut und zu dir gesagt: „Also mit diesen grauen Haaren und den Falten um die Augen entspricht er zwar nicht dem Idealbild, das ich von ihm hatte, als wir damals so lebhafte Diskussionen geführt hatten, und dennoch ist er derselbe Kerl.“ Das wäre seltsam und lächerlich!</p>
<p>Wir können die Identität von materiellen Körpern, die sich vom Zeitpunkt ihrer natürlichen Entstehung und ihrer Herstellung oder ihrer Erzeugung und Geburt bis zum Zeitpunkt ihrer Vernichtung, ihrer Zerstörung oder ihres Todes in der Raum-Zeit von A nach B fortbewegen, und damit die Semantik des Gebrauchs von „derselbe“ empirisch festlegen. Und weil alle Personen wie du und ich verkörpert sind, damit auch die Bedeutung des Ausdrucks festlegen „dieselbe Person hier und jetzt, die ich vor ein paar Wochen an jenem Ort gesehen habe“. Damit kommen wir Sinn und Zweck dessen auf die Spur, was wir tun, wenn wir das Adjektiv „derselbe“ auf diesen hier befindlichen augenblicklich wahrgenommenen Gegenstand anwenden, den wir dort zu jenem Zeitpunkt wahrgenommen hatten.</p>
<p>Um die Identitätsvoraussetzungen von Körpern und Personen bei ihrem Weg durch die Raum-Zeit zu klären und festzulegen, verwenden wir das kartesische Koordinatensystem mit den drei Raumachsen x, y, z und ergänzen es um die zusätzliche Dimension t, die wir mittels eines jeweiligen Vektors an dem Punkt darstellen, der unseren Gegenstand in der Raum-Zeit repräsentiert: Wir verfolgen so, wie der Gegenstand von den Koordinaten 2-4-4 zu den Koordinaten 4-8-8 seines neuen Standortes wechselt. Wir setzen dabei voraus, dass der Positionswechsel durch Anlegen des determinierenden Vektors zustande kam. Dabei sollte uns der Gegenstand nicht entwischen, auch wenn wir in diesem Falle mittels diskreter Einzelschritte und Schrittfolgen gleichsam kleine Zeitsprünge machen müssen. Mit der Anwendung von Integral- und Differentialfunktionen, die uns die kontinuierliche Abfolge in der Zeit darstellbar machen, können wir das Manko ausbügeln.</p>
<p>Eine technische Methode oder vielmehr ein technisches Modell, das uns die Möglichkeit der empirischen Festlegung der Bedeutung von „derselbe“ bei der Anwendung auf Körper und Personen vor Augen rückt, bestünde in ihrer jeweiligen Ausstattung mit einem kleinen Sender, der uns zu jedem Zeitpunkt und für jeden Aufenthaltsort die GPS-Daten und damit das vollständige Kontinuum seiner Bewegungen von seinem ersten erfreulichen Weltauftritt bis zu seiner mehr oder weniger starren Endstation beziehungsweise seinem letzten Seufzer und seiner eher unerfreulichen Endstation übermittelt.</p>
<p>Unsere Überlegungen kommen zu dem Ergebnis, dass und weshalb die Veränderungen der materiellen Beschaffenheit des Körpers und der Person aufgrund interner oder externer Einflüsse und Ursachen wie Altern und Krankheitsprozessen oder kosmetischer Eingriffe und Unfällen für die korrekte Anwendung des Begriffs „derselbe“ keinerlei Relevanz haben: Auch der zerbrochene Teller ist derselbe wie der gerade noch ganze Teller und der tote Hund ist derselbe, der dich vielleicht eben noch umschwänzelt hat.</p>
<p>Du kannst dir also auf der Grundlage alltags- und tagestauglicher Methoden niemals vollständig sicher sein, dass jener Typ, den du vor drei Wochen in der Fernsehshow als Schlagersänger hast auftreten sehen, derselbe ist wie der, den du heute Mittag auf der Straße gesehen zu haben glaubst. Sicherheit und Gewissheit erlangtest du nur, wenn du die eben besprochenen Bedingungen zur empirischen Festlegung und Bestimmung der Identität von Körpern und Personen auf diesen Fall hättest anwenden und auf diese Weise das Kontinuum der Bewegungen des Schlagersängers durch Raum und Zeit hättest abbilden können, angefangen von seinem Verlassen der Bühne des Fernsehsenders vor drei Wochen bis zum Augenblick heute Mittag, als du ihn wiederzuerkennen glaubtest. Aber das ist im normalen Falle nicht möglich! So sind wir also darauf abgestellt und darauf verwiesen, unserem anfälligen Gedächtnis, unseren verwackelten Wahrnehmungen und schlichten Intuitionen zu vertrauen – und meisten ist es ja noch mal gut gegangen!</p>
<p>Den strengen und harten Sinn von Identität in den weichen Übergängen unseres alltäglichen Sehens und Handelns zu befolgen, übersteigt unsere normalsterblichen Fähigkeiten. Begnügen wir uns mit dem unsicheren Begriff der Analogie und lassen wir uns durch die Tatsache nicht ins Bockshorn jagen und beunruhigen, dass wir immer wieder liebend gerne ähnliche Körper und Personen sehen und vergleichen, ja so verflixt ähnliche, dass wir sie gerne als dieselben behandeln und begrüßen.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/philosophieren-xxxi/">Philosophieren XXXI</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
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