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	<title>Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung &#187; deutsche Stilübungen</title>
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	<description>Gedichte, philosophische Essays, philosophische Sentenzen und Aphorismen, Übersetzungen antiker und moderner lyrischer Dichtung</description>
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		<title>Pseudopodien der Liebesangst</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Apr 2014 19:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen IX „Wie könnten wir, in siamesischer Liebe vereint, uns trennen – flüsterst du mir nicht, was ich kaum gefühlt, ins Ohr, sprichst du nicht, was ich kaum gedacht, klar und deutlich aus – fühle ich nicht, was du schüchtern oder schützend ins Schweigen hüllst, was du vor dir selbst verbirgst, beseligt oder [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/pseudopodien-der-liebesangst/">Pseudopodien der Liebesangst</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen IX<br />
</i></p>
<p>„Wie könnten wir, in siamesischer Liebe vereint, uns trennen – flüsterst du mir nicht, was ich kaum gefühlt, ins Ohr, sprichst du nicht, was ich kaum gedacht, klar und deutlich aus – fühle ich nicht, was du schüchtern oder schützend ins Schweigen hüllst, was du vor dir selbst verbirgst, beseligt oder peinigend genau?“</p>
<p>„Bleib ganz nah, geh nicht weg – sonst kann ich mich in deiner Pupille nicht mehr sehen und stürze ins Leere.“</p>
<p>„Bleib ganz nah, geh nicht weg – sonst zieht mir in die Nase statt deines lieben Dufts der fade Dunst der Wirklichkeit.“</p>
<p>„Bleib bei mir, geh nicht weg – sonst verbleicht dein mich bergender Schatten und das grelle Licht des Lebens blendet mich!“</p>
<p>„Bleib ganz nah, geh nicht weg – wenn du entfliehst, stranguliert mich der Strick um den Hals, der mich mit dir verbindet.“</p>
<p>„Du kannst mich nicht verlassen – ich habe keine Wurzeln in der Erde getrieben, sondern in deiner Luft wurzelnd und dich umschlingend bin ich an dir emporgewachsen.“</p>
<p>„Dreh mir nicht den Rücken zu – sonst verzehre ich mich, nähren mich doch einzig deine Blicke.“</p>
<p>„Verlass mich nicht – ich verstumme ja, rührt deine sanfte, starke Hand nicht mehr die wohlgestimmten Saiten meiner Seele.“</p>
<p>„Verlass mich nicht – sonst würgen meine eignen Worte mich, die doch nur Geltung finden, die wahr nur werden in der Muschel deines Ohrs.“</p>
<p>„Bleib ganz nah – nur Gebüsch und Bausch deines Haares gönnt mir das Dunkel, die Bergung vor feindlichem Strahl.“</p>
<p>„Verlass mich nicht – zerschneidest du das Band, flieg ich ins leere All, ein schwereloser Luftballon.“</p>
<p>„Wende dich nicht ab – ohne den reinen, lauteren Spiegel deiner Seele werde ich mir hässlich und verhasst.“</p>
<p>„Schüttelst du mich ab – ich fall zu Boden vor der Zeit, eine unreife Frucht.“</p>
<p>„Verlass mich nicht – einzig du vermagst die scheu flackernde Flamme meines Lebens mit gütigen Händen zu behüten, da draußen geht ein schwarzer Wind.“</p>
<p>„Du, geh nicht fort – einzig du kannst, meinen Namen rufend, mich in des Daseins Unschuld wecken.“</p>
<p>„Verlass mich nicht – ohne den süßen Rhythmus deines Lieds vertanz ich mich, erlahme ich, muss mich an toten Krücken hangeln.“</p>
<p>„Du, geh nicht fort – ohne den Schlüssel deiner Küsse bleibt mir der Mund verriegelt alle Zeit.“</p>
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		<title>Verlorener Knabe oder Pubertätsgejammer</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2014 19:36:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen VIII &#8230; windschief stehend, vor dem Grab der Großmutter, bei den Eltern, die nicht wissen, was anfangen mit dem Kerl – ihn so lange ohrfeigen, bis er gerade steht, ihn windelweich schlagen, auf dass er nicht mehr gerade stehen kann? – verlegen vor dem Kameraauge – wo die affenlangen, klammen Hände verstecken? [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/verlorener-knabe-oder-pubertaetsgejammer/">Verlorener Knabe oder Pubertätsgejammer</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen VIII<br />
</i></p>
<p>&#8230; windschief stehend, vor dem Grab der Großmutter, bei den Eltern, die nicht wissen, was anfangen mit dem Kerl – ihn so lange ohrfeigen, bis er gerade steht, ihn windelweich schlagen, auf dass er nicht mehr gerade stehen kann? – verlegen vor dem Kameraauge – wo die affenlangen, klammen Hände verstecken? – verstörten Blickes, ratlos, ob er nun beschämt vor sich hinstarren, ob scheinbar ungerührt schräg in die Ferne stieren solle – eingekleidet noch von der Mutter in Senioren-Strickjacken und viel zu engen Hosen, der Mutter, die in ihren großgepunkteten Kleidern und Bausche-Hüten ihm einen Jahrmarktsbudenspiegel verzerrter Selbstverliebtheit vorhielt – den Tränen nah, unglücklich-glücklich, wenn die knospenharten, aufgequollenen  Brüste der Nachbarstochter ihn im Gewühl der gestopfte vollen Straßenbahn bedrängten – aufgeklärt durch die gewalttätig-obszönen Witze seiner Ko-Ministranten, unter ihrer gottesdienstlichen Weibsgewandung fummelnd, und dem Schock bebrillter Lektüre im zerfledderten Lexikon des elterlichen Lesezirkels, wonach Virilität sich in der Dichte des Blutandranges in mystischen Schwellkörpern bemesse – angeekelt von der Wahrheit des Todes, die ihm im vollen Blecheimer mit den Blutkloaken der im Sterben liegenden, röchelnden Großmutter entgegenstank – heimgesucht von der Gabe eines durchdringenden, nadelspitzen Verstands, der ihm den Vater alsbald entfremdete, als dieser ihn im Schach nicht mehr besiegen konnte, der ihm die Schmach der Überlegenheit über seine Mitschüler einhandelte, die sich mit zotigen Kritzeleien in seinem Schulheft rächten – mitleidig belächelt von der schönen Nachbarstochter, die auf fragilen Stelzen zur Tanzschule balancierte, nachdem er ihr im Diskant des Stimmbruchs Nachhilfe in Latein erteilt hatte – warʼs nicht die ars amatoria, die sie tückisch aufgetischt hatte, so dass am Ende nicht er sie, sondern sie ihn mit spitzem Munde korrigierte? – verkrampft im Hirnzwang, alle und noch die unscheinbarsten, verborgensten Herzensregungen unausgesetzt, unmittelbar in den Kokon einer verflixt exquisiten Wendung zu spinnen, jeden noch so laschen Impuls in der Falle gesuchter Vergleiche zappeln zu lassen, bis er, ein toter, stinkender Fisch, sich nicht mehr rührte – bemüht in hilfloser Arroganz, die nackten Tatsachen des Lebens in angelesenen Begriffsfetzen ängstlich, doch vergebens zu hüllen, Tatsachen, die ihn im Schrei des pavor nocturnus einzuholen pflegten – nur manchmal einen Augenblick, einen Atemzug, vergessenstief, geblendet von Glühwürmchen eines freien dichterischen Worts, die im windigen Garten der Schlaflosigkeit unter Zweigen dunklen Webens auf- und niederschwirrten, als wären tausend Augen zu erschauen, zu küssen ihn geneigt &#8230;</p>
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		<title>Skiagraphie oder Schattenkunde aus Schattenmunde</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/skiographie-oder-schattenkunde-aus-schattenmunde/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Apr 2014 20:16:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen VII Die Größe des Schattens ist eine Projektion der Summe der Größe des Schatten werfenden Gegenstands und des Einfallswinkels der Lichtquelle. Die wahre Größe des Gegenstands lässt sich daher nicht unmittelbar aus seinem Schatten bemessen. Morgens und abends, bevor noch eine Hand zu Werke ging und nachdem eine jede erschöpft von ihm [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/skiographie-oder-schattenkunde-aus-schattenmunde/">Skiagraphie oder Schattenkunde aus Schattenmunde</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen VII<br />
</i><br />
Die Größe des Schattens ist eine Projektion der Summe der Größe des Schatten werfenden Gegenstands und des Einfallswinkels der Lichtquelle. Die wahre Größe des Gegenstands lässt sich daher nicht unmittelbar aus seinem Schatten bemessen.</p>
<p>Morgens und abends, bevor noch eine Hand zu Werke ging und nachdem eine jede erschöpft von ihm abfiel, sind die Schatten am längsten.</p>
<p>Die seltsame Stille des Mittags, von der die Alten wähnten sie sei des Pans, dann, wenn die Sonne im Zenit steht, ist schattenlos.</p>
<p>Sollten wir uns als Schatten, körperlos, sprachlos, wesenlos, im Hades wiederbegegnen, vermöchte ich dich wohl an deiner Haltung, deiner Art, zu gehen und zu stehen, dich vornüberzubeugen und aufzurichten, deiner Art, leicht überstürzt über Pfützen und niederes Buschwerk hinwegzutändeln, wiederzuerkennen.</p>
<p>Wir können einander uns die Schatten nicht abnehmen.</p>
<p>Ein Schattenmund vermag erst wieder zu reden, wenn er ein paar Tropfen warmen Bluts gekostet hat.</p>
<p>Werfen nicht auch Worte Schatten?</p>
<p>Wenn wir uns ganz und unerbittlich ausleuchten, bis jeder Schatten unter dem kalten Licht der Analyse dahingeschmolzen ist, entschwinden wir im Konturlosen, werden wir unsichtbar.</p>
<p>Seine letzten Sätze, der hohle Ton seiner letzten Sätze, warfen einen Schatten auf alles, was er zuvor gesagt hatte.</p>
<p>Erst als sie aus seinem Schatten trat, gewahrte sie die starre Maske seiner Züge.</p>
<p>Während sie das Schweigen in fremde Kontinente verschlug, die unentwegt voneinander wegdrifteten, während sie das Schweigen auf ferne Inseln verbannte, auf denen der Zuruf des anderen nicht mehr zu hören war, vermählten sich ihre Schatten unter dem sinkenden Licht.</p>
<p>Bilden nicht in großer Musik manche Phrasen der Klavierbegleitung den Schatten zur wandernden Sonne des Gesangs?</p>
<p>Wie andere kostbare Vasen oder Faksimiles sammelte er Schatten.</p>
<p>Nachdem er erfahren hatte, dass er das Leben eines anderen geführt hatte, schien er nur noch der Schatten seiner selbst zu sein.</p>
<p>„Geh mir aus dem Schatten!“, rief jener, der wusste, dass das Licht seines Werks ewig leuchten wird.</p>
<p>In großer Dichtung flüstern, wandern, schweben schwerelose Schatten zwischen den Versen – Seelen, unfassbar, Nuancen, unwägbar.</p>
<p>Manche reden ein Leben lang einzig mit ihrem Schatten.</p>
<p>Satan ist der ewige Schatten Gottes.</p>
<p>Im Schatten Gottes sprießen die Blumen des Bösen, deren betörende Düfte wie Opium zunächst Gaukelbilder eines dämonischen Eros, sodann Albträume des ausgemergelten Willens und zuletzt die einfältigen Schattenspiele eines kindisch gewordenen Geistes hervorrufen.</p>
<p>Alles, was uns heilig, gut, lebenswert erscheint, gedeiht unter der wärmenden Sonne der schöpferischen Liebe, wird von lichtvollen Gedanken befruchtet, von den funkelnden Tränen stiller Ergebenheit genährt – doch am Ende wollen wir, erschöpft, gedankenleer und einsam, unter dem Schattenlaub eines alten Gartens wandeln, in dem die Zweige ahnungsvoll säuseln und seufzen, um dort zu sinnen über was auch immer, um dort zu schlafen, von kühlem Schattenmund geküsst zu sterben.</p>
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		<title>Kitsch und Wahrheit</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/kitsch-und-wahrheit/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Apr 2014 16:23:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kitsch und Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor W. Adorno Es gibt kein richtiges Leben im falschen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen VI 1 Obwohl seine Hinterhauswohnung von postmoderner Leere starrte, obwohl er seinen mageren Körper nur mit dürftig geflickten Second-Hand-Fetzen verhüllte, ging ein Raunen durch die Reihen, wenn er mit seinem imposanten Kopf aus der Menge herausragte. Er war arm, doch unbescheiden. 2 Er galt als unterhaltsamer Plauderer, wenn er auf Leute seines [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/kitsch-und-wahrheit/">Kitsch und Wahrheit</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen VI<br />
</i><br />
1</p>
<p>Obwohl seine Hinterhauswohnung von postmoderner Leere starrte, obwohl er seinen mageren Körper nur mit dürftig geflickten Second-Hand-Fetzen verhüllte, ging ein Raunen durch die Reihen, wenn er mit seinem imposanten Kopf aus der Menge herausragte.</p>
<p>Er war arm, doch unbescheiden.</p>
<p>2</p>
<p>Er galt als unterhaltsamer Plauderer, wenn er auf Leute seines seltenen Schlages traf, doch im gemeinen Stimmengewirr barbarischer Zungen klappte der Hochbetagte den Kragen einer vornehmen Verschwiegenheit hoch.</p>
<p>Er war ein geschwätziger, misstrauischer, hochfahrender Greis.</p>
<p>3</p>
<p>Gelehrte Gespreiztheit ohne die Würze weltläufiger Ironie begegnete er mit höflicher Aufmerksamkeit, dann und wann durch ein süffisantes Lächeln gelockert, zum Zeichen, als könne er sich selbst am besten verstehen und sich selbst am ehesten verzeihen.</p>
<p>Obwohl ihn langwierige gelehrte Ausführungen bald ermüdeten – er war damals den Weibern nachgestiegen, als die anderen unter dem Nachtlicht der Bibliotheken brüteten –, gab er sich den Anschein faszinierten Interesses.</p>
<p>4</p>
<p>Schwer traumatisiert durch die unvorbereitet auf ihn einstürzende Entdeckung, dass sein von ihm einstmals so hoch verehrter Vater als Mitarbeiter der Führungsebene in den Ostkrieg und die Vernichtungspolitik der Nazis verstrickt war … schwer traumatisiert durch die mittels psychotherapeutischer Tiefenschürfung mühsam ausgegrabene Erinnerung an den Missbrauch durch seinen Lehrer, seinen Pfarrer, seinen Fußballtrainer … musste er, ohne je in einer bürgerlich saturierten Existenz innere und äußere Ruhe finden zu können, fortan zeit seines Lebens nicht nur mit pathologischen Antriebs- und soziopathischen Kommunikationsstörungen kämpfen, sondern sich auch einer feindseligen Umwelt erwehren, die sein beständiges Bohren und quälendes Fragen nach den Ursachen als Ruhestörung und Belästigung auslegte und mit Abwehr und Verständnislosigkeit quittierte.</p>
<p>Der verwöhnte Spross betuchter Akademiker war ein Artist, wenn es galt, dem alten Vater und den Geschwistern auf der Nase herumzutanzen, sie für dies und jenes, vor allem für die Vermeidung lästiger Hürden bei Schulen und Ämtern einzuspannen oder um Geld anzugehen. Denn er war von Natur wohl empfindsam, hellhörig und gedächtnisstark, doch faul, wehleidig und ein wenig beschränkt. So vermochte er die nötige Disziplin und Willenskraft nicht aufzubringen und musste das begonnene Studium, die eingeschlagene Fachausbildung abbrechen. Es war ihm fast wie eine Erleichterung, als er seine düsteren Ahnungen bestätigt fand und auf die Entdeckung stieß, dass der Vater in einer preußischen Verwaltung während der Nazizeit als untergebener Beamter beschäftigt war. Ein Mitläufer wohl, aber immerhin! Von Stund an behelligte er Tag und Nacht die ganze Familie und alle Welt mit seiner traumatisierenden Entdeckung, und keinen nahm es wunder, dass die Geschwister am Ende diese immer brummende und stechende Fliege aus der guten Stube verscheuchten. So konnte er fortan als der große Missverstandene und Märtyrer der Wahrheit ein ungezügeltes, ungeordnetes und aufregendes Leben auf Kosten der anderen führen, ganz so, wie es ihm im Sinne lag.</p>
<p>5</p>
<p>Er wagte sie nur von ferne anzuhimmeln und wie ein Falter im Dunkeln leise, leise die Lampe umschwirrt, irrte er spät abends in den Gärten umher, von denen aus er in angstvoller Nähe die erleuchteten Fenster ihrer Wohnung beäugte – wie zuckte er zusammen, und sein Herz wollte schier zerspringen, wenn unversehens ein schmaler Schatten über die Gardine huschte.</p>
<p>Er wusste, hässlich wie er war, konnte er vor ihren wählerischen Augen nicht bestehen. So verlegte er sich, gequält von Begehren und panischer Eifersucht, darauf, im Dunkeln zu lauern und nach ihr zu spähen.</p>
<p>6</p>
<p>Wie hatte er sich redlich bemüht, sich in dem Irrgarten dieser fremden Lebensweise zurechtzufinden! Doch tat er nicht recht daran, die von ihm eingeforderten schulischen Leistungen angesichts all der obszönen Witze und fremdenfeindlichen Anspielungen seiner Mitschüler als unerträgliche Zumutungen zurückzuweisen? War es weiterhin angesichts der einzigartigen xenophoben Exzesse, durch die dieses Land unabgeltbare Schuld auf sich geladen hatte, nicht ein allzu geringfügiger Ausgleich, wenn er und seine Familie die ihnen rechtens zufließenden staatlichen Fördermittel und Gelder für ihre bescheidenen Lebensbedürfnisse verbrauchten, ja sogar einen schönen Anteil einer religiösen Stiftung spendeten, die das Kulturgut der Heimat in der Fremde lebendig zu erhalten bemüht war?</p>
<p style="text-align: left;">Mathematik: mangelhaft<br />
Physik: mangelhaft<br />
Deutsch: ungenügend<br />
Sport: gut<br />
Islamische Religionskunde: sehr gut</p>
<p>7</p>
<p>Der alte Rebell und sensitive Freigeist rechnete es sich als großes Verdienst an, das in den Annalen der Befreiung der Menschheit von lebensengenden Zwängen und lebensvergiftenden Repressionen nicht unerwähnt bleiben sollte, die hohen moralischen Ansprüche des revolutionären Programms, nach dem er und seine Genossen angetreten, auch in der von Grund auf erneuerten Pädagogik und im praktischen spielerisch-fördernden, liebevollen Umgang mit den Kleinen und Kleinsten in die Tat umgesetzt zu haben.</p>
<p>Unangefochten von einer durch schöne Phrasen geblendeten Öffentlichkeit und unter dem Deckmäntelchen eines lasziven Zeitgeistes konnte er ungestört und ungestraft seinen pädophilen Neigungen frönen.</p>
<p>8</p>
<p>Sie gehören zu der Avantgarde der Menschheit, die der Menge durch tiefere Einsicht, feineres Empfinden, edlere Ansprüche in die Zukunft vorauseilt. Ihr kreatürliches Mitgefühl lässt sie tierische Nahrung verabscheuen, ihre weltoffene Gesinnung lädt zu Gast ein, wer immer an die Türe ihres Landes, ihrer Nation, ihrer Kultur klopfen mag. Menschen ihres Schlages sind es, die uns vorausgehen, die Welt umzugestalten zu einem besseren Ort.</p>
<p>Sie haben nichts, sie sind seelisch nackt, sie haben sich aller Traditionen beraubt, die Kerzen auf den alten Altären, die einst Orientierung wiesen, haben sie ausgeblasen. Um ein Superioritätsgefühl über die dumpfe Masse, die verachteten Väter und den stupiden Rest der Welt, zu erschwindeln, verweigern sie, die neuen After-Juden eines heillosen Zion, das gemeinsame Mahl und öffnen Krethi und Plethi die Türen, bis die verhasste Herkunft zur Unkenntlichkeit entstellt ist.</p>
<p>9</p>
<p>Das Leben lebt nicht. – Es gibt kein richtiges Leben im falschen.</p>
<p>Er genoss es, eine üppige Blondine, gegen sein beredtes Embonpoint gepresst, auf seinem Schoß zu schaukeln, eine aus der lustigen Schar gläubiger Mädchen, vor deren Existenz seine Gattin schicksalsergeben die Augen zu verschließen hatte. – Oft rangen der Genuss eines Sahnetörtchens und der Kitzel einer dialektischen Pointe um den Vorrang auf seiner Zunge. – Wohlig ausgestreckt in dem mit Samt ausgeschlagenen Futteral einer unbeschwerten, materiell gesicherten Existenz, für die er keinen Finger krümmen musste, verdankte er doch das meiste dem kapitalistischen Erbe des Vaters und der Großzügigkeit der Unternehmer-Freunde, konnte keine Scham ihn davon zurückhalten, die größte von allen Intellektuellen heruntergebetete antisemitische Gossen-Dummheit, alles Übel komme vom Geld und denen, die zu viel davon haben, als tiefe Weisheit eines dem Martyrium gerade noch entronnenen jüdischen Migranten zu vermarkten. – Nur ausgesucht hübsche Studentinnen hatten die Ehre, nach seinem Diktat zu tippen, nur sie vermochten ihn mit ihrem erotisierenden Schreibmaschinengeklapper über den Suizid seiner Sätze, die sich in negativistischer Zuspitzung selbst erdrosselten, hinwegzutrösten.</p>
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		<title>Handreichungen und Handzeichen</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Apr 2014 12:12:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen V Alles Menschliche, Lieben und Hassen, Schöpfen und Schröpfen, Walten und Dulden, liegt in der Hand, liegt auf der Hand. Manchmal genügt es, die Faust nur zu zeigen. Manchen genügt es, die Faust nur zu zeigen. Das Kind erschrak, als der Vater seine Hand losließ. Er fühlte sich bereits verlassen, wenn sie [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/handreichungen-und-handzeichen/">Handreichungen und Handzeichen</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen V<br />
</i><br />
Alles Menschliche, Lieben und Hassen, Schöpfen und Schröpfen, Walten und Dulden, liegt in der Hand, liegt auf der Hand.</p>
<p>Manchmal genügt es, die Faust nur zu zeigen.</p>
<p>Manchen genügt es, die Faust nur zu zeigen.</p>
<p>Das Kind erschrak, als der Vater seine Hand losließ.</p>
<p>Er fühlte sich bereits verlassen, wenn sie seine Hand fahren ließ.</p>
<p>Was ihm unter die Hände kam, schrumpfte auf die Größe der vertrockneten Frucht seiner Kleingläubigkeit.</p>
<p>Sie handhabte alles geräuschlos, behend, wirkungsvoll, den Dingen lauschend, angeschmiegt.</p>
<p>Wenn der Schamane den Segen spendet, scheinen seine Hände gleichsam die über ihm in der Luft schwebenden Gnaden-Blüten einzufangen und den Gläubigen über die Köpfe zu streuen.</p>
<p>Das Wirken seiner Hände war gesegnet.</p>
<p>Alles, was er anrührte, zerfiel zu Staub.</p>
<p>Welchen Dialog führt die rechte mit der linken Hand?</p>
<p>Wann kommen die rechte und die linke Hand zu inniger Verbindung, zu versöhnlicher Ruhe zusammen? Wenn sie sich zum Gebet falten, wenn sie dem Toten über der Brust zusammengelegt werden.</p>
<p>Nach der letzten Aussprache kargte er mit Gunstbezeigungen, nicht einmal ihr die Hand zu reichen ließ er sich herab.</p>
<p>Als würden die Taten noch einige Zeit als Spuren an der Hand kleben. Erde, Nahrung, Speichel, Samen, Blut.</p>
<p>Beim rhythmischen Klatschen bewegt der ganze Körper – schon tanzend – die Hände.</p>
<p>Seine Hand ruhte schwer auf ihrer Schulter wie auf einem Opfertier, das sich klaglos seinem Schicksal ergeben hat.</p>
<p>Die Ohrfeige, die sie ihm aus dem Hinterhalt versetzt hatte, brannte auf seiner Wange wie ein unwiderleglicher Liebesbeweis.</p>
<p>Du reckst dich empor, um nach dem Apfel zu langen. Du greifst nach dem Apfel und pflückst ihn vom Zweig. Behutsam legst du ihn in den Korb zu den anderen.</p>
<p>Wer nicht einmal im Leben die Hände in die schwarze Erde gegraben und sich beim Jäten des Unkrauts oder beim Ausbuddeln der Kartoffeln grindig und schrundig geschuftet hat, wer nie mit bloßen Händen Steine aus der Erde gewühlt, nie die Hände sich an den scharfen Nadeln der Tanne oder Fichte blutig gerieben hat – der weiß nicht um die herbe Schönheit des Lebens.</p>
<p>Der Priester fasst die große, gelbe, runde Hostie mit Daumen und Zeigefinger beider Hände und während sich sein hochgereckter Kopf fast ganz unter den Enden der umgeschlagenen, golddurchwirkten Stola verbirgt, führt er sie wie die aufgehende Sonne des Heils über die andächtig gesenkten Köpfe der Gläubigen langsam in die Höhe.</p>
<p>Der Junge hatte geschickte Hände, man konnte ihm schon die eine oder andere leichte Arbeit anvertrauen.</p>
<p>Manche werden berühmt, weil sie zwei linke Hände haben.</p>
<p>Der Schuljunge, der die Antwort auf den Lippen springen fühlt, schnippt aufgeregt mit den Fingern der rechten Hand, die er mit der linken Hand steil emporhält.</p>
<p>Die runzligen Hände der Alten ruhten in ihrem Schoß, zwei weiße Tiere, die dann und wann im Schlafe zuckten.</p>
<p>Der Kerl begutachtete im Schuppen die ausgebreitete Hehlerware, ein Handschlag und man war handelseinig.</p>
<p>Hand aufs Herz, das war doch gelogen!</p>
<p>Wenn die Hände die Herkunft nicht mehr verraten, den Bauer, den Maurer, den Proleten, den Chirurgen oder Pianisten, erstirbt alles vor Langeweile im Surren der Automaten.</p>
<p>Aufgrund der Tatsache, dass man den Ballen der hohlen Hand auch die Maus nennt, ist manch einer zum Dichter geworden.</p>
<p>Dass wir den Staat auch öffentliche Hand nennen, deutet auf den versteckten Wunsch, sie möge uns stetig das Lebensnotwendige reichen und uns mit Brot und Spielen beglücken.</p>
<p>Ob Willkommen oder Abschied, ob von Kuss und Umarmung begleitet, wir Freunde reichen uns die Hand.</p>
<p>Die aufgeklatschten Hände auf den Wänden der Steinzeithöhlen – erste Paraphen der Autorschaft.</p>
<p>Wenn alle nur noch Tasten drücken und mit den Fingerspitzen Zeichen eingeben, verschwindet allmählich nicht nur die graphologische und seelische Tatsache der individuellen Handschrift, sondern mit dieser auch der Individualstil der ausdrucksfreudigen, eigensinnigen Persönlichkeit.</p>
<p>Blicke können freilich strafen und möchten manchmal töten können, doch im Gegensatz zu den Augen wird man nur mit Händen handgemein.</p>
<p>Die Hände unten halten, die Hände streng bei sich halten, wenn es um exquisite Gegenstände wie den Kelch, das Bild, das Buch geht – der Ursprung des Tabus, der Ursprung der Religion.</p>
<p>Man schätzt Auskünfte und Wertgegenstände aus erster, nicht aus zweiter Hand – als würden sie von den allzu vielen Händen beschmutzt, getrübt, verdorben.</p>
<p>Der stumme Dolmetscher, die Hand, die mit ihren feinen, leichten, wogenden Figuren dem großen Bruder Mund assistiert.</p>
<p>Wer sich auf Händen tragen lässt, riskiert ein böses Erwachen und den einen oder anderen Bruch, wenn er unversehens fallengelassen wird.</p>
<p>Am Handgemachten, Handgeschriebenen, Handverlesenen schätzen wir den herben Geruch des Ursprungs und die Subtilität des Fingerspitzengefühls.</p>
<p>Wir wissen gut aufgehoben, was wir persönlich aushändigen, was wir zu treuen Händen übergeben.</p>
<p>Wenn alles vernutzt und verbraucht scheint, so dass die Arbeit und das Spiel der Hände keinen Raum mehr haben, pflegen die auch sich selbst vernutzt und verbraucht Dünkenden Hand an sich zu legen.</p>
<p>Wir sagen richtig über ein Machwerk, ein Flickwerk aus zusammengelesenen Fetzen, das uns misslungen scheint, es habe weder Hand noch Fuß.</p>
<p>Altern, schwach oder ohnmächtig werden: Er gibt die Sache aus der Hand, sie legt die Hände in den Schoß.</p>
<p>Freie oder gebundene Hände – Zeichen für Wert und Würde des Menschenlebens.</p>
<p>In die Hand nehmen oder von der Hand weisen – Zeichen für den souveränen Willen des Menschen.</p>
<p>In der Hand liegen oder dem Schicksal überlassen – Zeichen der menschlichen Freiheit.</p>
<p>Sehen, was auf der Hand liegt – Zeichen für den gesunden Menschenverstand.</p>
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		<title>„Warum gabst du uns die tiefen Blicke?“</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2014 16:16:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen IV Als sie ihm das erste Mal vor Augen trat, wurden seine Blicke beredt. Sie fühlte sich von seinen Blicken peinlich berührt und gemustert. Als er Hammer und Meißel zur Seite gelegt hatte, maß der Bildhauer abschließend die Plastik noch einmal mit strengen, doch wohlwollenden Blicken. Es schien ihr, als wolle er [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/warum-gabst-du-uns-die-tiefen-blicke/">„Warum gabst du uns die tiefen Blicke?“</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen IV<br />
</i><br />
Als sie ihm das erste Mal vor Augen trat, wurden seine Blicke beredt.</p>
<p>Sie fühlte sich von seinen Blicken peinlich berührt und gemustert.</p>
<p>Als er Hammer und Meißel zur Seite gelegt hatte, maß der Bildhauer abschließend die Plastik noch einmal mit strengen, doch wohlwollenden Blicken.</p>
<p>Es schien ihr, als wolle er sie mit zarten Blicken betasten.</p>
<p>Es schien ihr, als wolle er mit spitzen Blicken nach dem Geheimnis ihres Herzens greifen.</p>
<p>Auch wenn dich seine Worte mit freundlichen Tönen anzulocken schienen, hielten dich seine stets wachen, prüfenden Blicke auf Abstand.</p>
<p>Von ihren kalten Blicken vom Scheitel bis zur Sohle gnadenlos gemustert, fühlte er sich beschämt und wandte sich verlegen ab.</p>
<p>Ihre Blicke berührten sich und konnten nicht mehr voneinander lassen, ihre Blicke verfingen sich und konnten sich nicht mehr voneinander lösen.</p>
<p>Je weiter sie in dem Brief las, desto tiefer verdunkelten sich ihre Blicke.</p>
<p>Inmitten des lärmenden und gegeneinander wogenden Gemenges standen sich die Anführer gegenüber, kreuzten ihre Blicke, maßen einander in raschen Blickwechseln.</p>
<p>Der strafende Blick der Mutter genügte, das Kind davon abzuhalten, sich dem verdächtigen Nachbarn zuzuwenden.</p>
<p>Ihre Blicke kreuzten sich und blieben aneinander hängen: Keiner wollte vor dem anderen die Demütigung erleiden, seinen Blick zuerst zu senken, keiner wollte dem anderen den Triumph gönnen, seinen Blick zum Niedersinken gebracht zu haben.</p>
<p>Die Blicke des Propheten gehen in die Ferne: Er sieht das Kommende.</p>
<p>Die Blicke des Verliebten bleiben dem dichten Umfeld verhaftet: Sie tasten in den Spuren der Geliebten.</p>
<p>Die Blicke der Mutter umfangen, halten, nähren das Kind.</p>
<p>Die Blicke des Vaters lenken, geleiten, stützen das Kind.</p>
<p>Die Blicke des Sterbenden suchen rastlos nach einem Halt, einem Hort des Verweilens, sie stürzen von Schemen zu Schemen und brechen.</p>
<p>Die Blicke des Maurers stehen im Dienste der Schwerkraft und schreiben in den Raum das Fallen des Senkbleis ein.</p>
<p>Die Blicke des Arztes sichten die Reste gesunder Substanz, schätzen die Nähe des Todes ab.</p>
<p>Die Blicke des Dichters prüfen die Dinge auf die Echtheit, die Deutungskraft, den Wahrheitsgehalt der Bilder, die er sich von ihnen macht.</p>
<p>Die Blicke des Priesters sehen hinter der zerknitterten Maske des Sterbenden das erlöste Lächeln des Hirten, der über sich den Engel gewahrte.</p>
<p>Sie pflegte, wenn die Schatten wuchsen, im Sinnieren über irgendein ihr angetanes Unrecht, über irgendein ihr vorenthaltenes Glück die Blicke überkreuz ins Nirgendwo zu lenken.</p>
<p>Er hatte die Welt umsegelt, Menschen und Länder kennengelernt, sich in etlichen Sprachen getummelt. Der junge Freund wich ihm nicht von der Seite, er blickte ergeben zu ihm empor, nur er konnte ihm die letzten Geheimnisse lüften.</p>
<p>In seinen Armen verschleierten sich ihre Blicke, und als reinigte ein Regen die Luft von Staub und Rauch, wurden ihre Augen feucht, und alles Ungemach fiel von ihr ab.</p>
<p>Jener, den Neid und Eifersucht anhielten, dich scheel von unten, von der Seite anzublicken, kann dir gewiss nicht gerade in die Augen schauen.</p>
<p>Sein dämonisches Betragen, sein diabolischer Blick erwiesen sich bei Tage besehen als billiger Theatereffekt.</p>
<p>Der früher mit lüsternen Blicken Weiberröcke lüpfte, schleicht heute gesenkten Blicks an den alten Zechkumpanen vorbei.</p>
<p>Seine Blicke sprühten vor Witz.</p>
<p>In starrer Haltung, das Haupt leicht zurückgebogen, saß er stumm auf dem Sessel, und seine Blicke schienen undurchdringlich, als gälten sie einem fernen, unbekannten Gotte, der nur ihm sich offenbarte, einzig seiner ebenbürtig.</p>
<p>Als Rebell der Jugendzeit flatterten seine Blicke hurtig auf wie Vögel, von jedem Hauch, von jedem Beben der Luft aufgescheucht – heute siehst du ihn, ärmlich und verwahrlost, auf abgelegenen Bänken des Parks sitzen, seine Augen sind erloschen, seine Blicke stumpf und leer.</p>
<p>Wie die großen Tier-Töter ihre Opfer mit starren Blicken bannen, zerfiel unter seinen bannenden Blicken ihm alles, alles Gebaute, alles Gewachsene, zu Staub.</p>
<p>Als würden seine Blicke lallen &#8230;</p>
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		<title>Augenmaß und Augenweide</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Apr 2014 09:15:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen III Kaum war sie auf der Bildfläche erschienen, hatte er ein Auge auf sie geworfen. Noch zu später Stunde, als die Wirkung des Alkohols unverkennbar war, verfolgte er sie unablässig in all dem Gewühl des turbulenten Festes mit den Augen. Für die anderen war sie unscheinbar, er hatte sie im Auge. Als [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/augenmass-und-augenweide/">Augenmaß und Augenweide</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen III<br />
</i><br />
Kaum war sie auf der Bildfläche erschienen, hatte er ein Auge auf sie geworfen.</p>
<p>Noch zu später Stunde, als die Wirkung des Alkohols unverkennbar war, verfolgte er sie unablässig in all dem Gewühl des turbulenten Festes mit den Augen.</p>
<p>Für die anderen war sie unscheinbar, er hatte sie im Auge.</p>
<p>Als sie ihn, hohlwangig und abgezehrt von der Kellerlochexistenz seiner zu nichts führenden Studien, bei der Hand nahm und in den blühenden, glühenden Garten des Lebens führte, gingen ihm angesichts all der Wunder die Augen über.</p>
<p>Er mochte ja zuvorkommend, bescheiden, gelehrig sein, indes für die entscheidenden Dinge des Lebens, das, was unter Menschen zwischen Erwartung und Erfüllung schwebt wie die Kugel auf der Fontäne, fehlte ihm das Augenmaß.</p>
<p>Ihr Verweis, ihr vorerst nicht mehr unter die Augen zu treten, traf ihn wie ein vergifteter Pfeil.</p>
<p>Er war so verstört, verblendet, in sich verbissen, dass er keine Augen hatte für die Schönheiten des Parks, in die sich harmonisch Kunstwerke hohen Ranges fügten.</p>
<p>Seine Augen blickten wie aus menschlich kaum mehr einholbaren unendlichen Fernen.</p>
<p>Dass er in ihrer Anwesenheit neuerdings leicht errötete, versetzte sie in Staunen, bis sie sich eingestehen musste, dass sie, ohne dessen noch recht innezuwerden, begonnen hatte, ihm schöne Augen zu machen.</p>
<p>Ein wildes Gewirre von Linien belästigt das Auge, bis es darin, erleichtert und entzückt, die versteckte Figur entdeckt.</p>
<p>Gern ließ er seine Augen auf den üppigen Hügeln ihrer Brüste weiden.</p>
<p>Damals hockten sie dicht bei dicht, da rauchten die Köpfe, da wurde zäh debattiert und wie geschmiert diskurriert – gleichviel, wie zwei Bälle, die, heftig aneinandergeprallt, in verschiedene Richtungen wegspringen, verloren sie sich, ohne Wehmut, ohne Bedauern, endlich aus den Augen.</p>
<p>Wie lässt sich der Mund mit leckeren Häppchen, mit etwas Süßem leicht zufriedenstellen, wie gern verweilt das Ohr beim Geplätscher des Brunnens, des Geschwätzes oder den schlichten Akkorden eines Lieds – wie schwer ist es, dem Auge einen Anblick, eine Gestalt, ein Bild zu entdecken, an dem es sich gehörig satt zu sehen vermöchte.</p>
<p>Das Auge ist unruhig von Natur, immer scheint es zu flackern wie ein unaufhörlichen Winden ausgesetztes Licht.</p>
<p>Woran nimmt das Auge Maß? Du musst dich bewegen, um jene Statue herumgehen, um die ganze Kraft und Macht ihres gedrungenen Ausdrucks zu verinnerlichen.</p>
<p>Um deine Augen auf Reisen zu schicken, musst du keine Fahrkarte lösen.</p>
<p>All das Gerede, all das Theoretisieren und Bramarbasieren, war mit einem Schlag verflogen – als wärest du aus einem stickigen, verräucherten Lokal voller lärmender Gäste ins Freie unter den offenen Himmel getreten – dorthin, wo der Stein ein Stein und der Mond der Mond ist – so konntest du deinen Augen wieder trauen.</p>
<p>Was trieb sie, vor der herannahenden Gefahr das Auge zu verschließen?</p>
<p>Trotz seiner scharfen Augen, seines analytischen Scharfblicks, war er blind für die zunehmenden Verwerfungen des Geländes, auf dem sie sich scheinbar ungehindert bewegten.</p>
<p>Manche schließen träumerisch oder genussvoll die Augen, um auf den Wogen der Melodie zu gleiten. – Dass sich einer die Ohren zugehalten hätte, um den Tintoretto in den Uffizien besser betrachten zu können, scheint noch nicht aktenkundig.</p>
<p>Wie findet das Auge sein Maß? Es ist beständig darauf bedacht, den Ausgleich zu finden zwischen oben und unten, links und rechts, zwischen Himmel und Erde, der Vertikalen und der Horizontalen, aber auch von vorn und hinten, Vordergrund und Hintergrund. Wie bei den Zeigern der Uhr ist die hohe Zeit des Ausgleichs nur zu erwarten, wenn sie einträchtig sich überlappen oder sich ergänzend eine gerade Linie bilden. Der Rest ist Rechnen mit dem Schrägen, Fälligen, Unerfüllten.</p>
<p>Wir sind hier auf dem Sonnenplaneten und nähren unsere Augen mit den Strahlen des Zentralgestirns. Mit dem Wachsen und Abnehmen der Schatten lernt das Auge die Zeit zu messen, die Zeit zu zählen. Im Wechsel von Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Arbeiten und Träumen findet das Auge ein Maß für Übersicht und Chaos, Sicherheit und Gefahr, Vertrautheit und Fremdheit, Liebe und Vernichtung.</p>
<p>Wer Sorgfalt walten lässt, der kluge Mensch, hat ein Auge auf den Dingen, den Tieren, den Menschen, die ihm anvertraut sind – selbst im Schlaf. Hat er nicht seine Wächter, seine Hunde, seine Überwachungssensoren?</p>
<p>Du kannst sehen, wie dich fremde Augen wahrnehmen, mustern, streifen – deine eigenen Augen und ihren Ausdruck siehst du gewöhnlich nicht. Und wenn du in den Spiegel blickst, kannst du deine Augen nicht sehen, wie andere sie sehen – und den Ausdruck deiner Augen bemerkst du nicht. Können den Ausdruck deiner Augen, das Sprachspiel deiner Augen, nicht auch nur wieder die anderen verstehen?</p>
<p>Weil uns Augenfälliges und Augenscheinliches mehr überzeugen als Ohrenfälliges und Ohrentönliches, trauen wir dem Augenzeugen mehr als dem Ohrenzeugen.</p>
<p>Obwohl sie ihm nicht einmal an die Schulter reichte, blieb sie während der ganzen Zeit ihres Zusammenlebens auf Augenhöhe mit ihm.</p>
<p>Misstrauisch und ängstlich von Natur, konnte er sich bei ihrer telefonischen Zusage, mit Gewissheit das Gartenhäuschen abgeschlossen und verriegelt zu haben, nicht beruhigen, sondern ging den beschwerlichen Weg in die Gartenanlage, um sich mit eigenen Augen vom Augenschein zu überzeugen.</p>
<p>Allein kann dich dein Auge immer aufs Neue betrügen – deshalb erfolgt eine sichere Überprüfung der Korrektheit von Akten und wichtigen Papieren nach dem Vier-Augen-Prinzip.</p>
<p>Unter vier Augen – das heißt: Es kann peinlich werden, du kannst dich blamieren, in Verlegenheit geraten, dein Gesicht verlieren.</p>
<p>Unter aller Augen – das heißt: Du kannst dich spreizen und brüsten, mit deinen speziellen akrobatischen und artistischen Nummern glänzen, spielend leicht die Masken wechseln. Den Schlussapplaus nimmst du in deine Einsamkeit mit.</p>
<p>Wenn du sie nur mit dem Mund, nicht auch mit dem Herzen geküsst hast, springt sie dir bald wie ein Gespenst am hellichten Tag ins Auge.</p>
<p>Wenn er ihr unversehens auf der Straße begegnete, schlug er verlegen die Augen nieder.</p>
<p>Nach ihrem Treubruch konnte sie ihm nicht mehr gerade in die Augen schauen.</p>
<p>Sie hatte ihn solchermaßen behext, dass er offenen Auges in sein Unglück rannte.</p>
<p>Mit dem Auge vermagst du zu sprechen. Freude und Verlegenheit, Unbefangenheit und Scham, Entzücken und Trauer, Übermut und Scheu und manches andere legst du in den Ausdruck der Augen, gibst du mit den Augen zu verstehen. – Mit den Ohren kannst du höchstens wackeln, wenn du es kannst – und das bedeutet gar nichts. Da können dein Mund und deine Lippen schon mehr: schmollen, sich kess und satirisch spitzen, sich hochmütig schürzen, einen verbissenen Eindruck machen, indigniert herabhängen – indes, mit dem Ausdruckstanz der Augen können sie nicht mithalten.</p>
<p>Nach der Unterredung mit dem Freund schien es ihm zunächst, als habe er ihm die Augen über ihr wahres Wesen geöffnet – oder waren es üble Insinuationen, von Eigennutz, Neid und Eifersucht angefacht?</p>
<p>Das Auge verrichtet seinen höchsten Dienst am Leben als Polizist, Detektiv und Spion der Aufmerksamkeit – deshalb behalten wir die Sache im Auge, deshalb fassen wir die Tatsachen ins Auge und deshalb haben wir ein Auge auf all das, dem unser Lebensinteresse gilt, alles, was uns am ehesten förderlich, am meisten gefährlich zu sein scheint.</p>
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		<title>Lippenbekenntnisse</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Apr 2014 04:12:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen II Obwohl sie ihn beschwor und behutsam in ihn drang, endlich mit der Wahrheit herauszurücken, kam ihm kein Wort über die Lippen. Lieber biss sie sich auf die Lippen, als dass sie ihm das Lob gezollt hätte, das ihm auch in ihren Augen gebührte. Lieber biss er sich auf die Lippen, statt [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/lippenbekenntnisse/">Lippenbekenntnisse</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen II<br />
</i><br />
Obwohl sie ihn beschwor und behutsam in ihn drang, endlich mit der Wahrheit herauszurücken, kam ihm kein Wort über die Lippen.</p>
<p>Lieber biss sie sich auf die Lippen, als dass sie ihm das Lob gezollt hätte, das ihm auch in ihren Augen gebührte.</p>
<p>Lieber biss er sich auf die Lippen, statt sie in ihrer misslichen Lage noch mit Vorwürfen zu behelligen, die sie in seinen Augen durchaus verdient hatte.</p>
<p>Er hatte nicht den Schneid, zu seinen Taten zu stehen – all seine Treueschwüre befand sie für nichts als Lippenbekenntnisse.</p>
<p>Als es ans Eingemachte ging, riskierte er eine dicke Lippe.</p>
<p>Nachdem sie seine Falschheit durchschaut hatte, kräuselten sich ihre Lippen vor Widerwillen, dann verstummte sie ganz.</p>
<p>Er beschwor, er flehte sie an, ihm die Wahrheit nicht länger vorzuenthalten – sie aber zuckte bloß mit den Lippen.</p>
<p>Ihre Stirn legte sich in Falten, ihre Augenbrauen hoben sich, ihr Blick erstarrte – nur ihre weichen Lippen kündeten noch von der einstigen Ergebenheit ihrer Liebe.</p>
<p>Sie fühlte am jagenden Puls an seiner Hand, wie es um ihn stand – ein Schatten legte sich um ihre Augen, ihre Lippen erblassten.</p>
<p>Seine Zuneigung hatte ihn hellsichtig gemacht – er las ihr jeden Wunsch von den Lippen ab.</p>
<p>Weil er einmal im entscheidenden Augenblick zu seinem Wort nicht gestanden hatte, tat man hinfort all seine beflissenen Zusagen, all seine hochgemuten Versicherungen als schieren Lippendienst ab.</p>
<p>Sie blieb ruhig vor ihm stehen und umfasste seine ganze Gestalt mit gütigen Blicken, ihr Mund war leicht geöffnet – das ersehnte Wort indes brachte er nicht über die Lippen.</p>
<p>Als sie ihn sachte bei der Hand nahm, stutzte er und wurde verlegen – alles, was ihm noch über die Lippen kam, war kaltschnäuzig oder gestelzt, ohne allen Anhauch des heißen Herzens jener frühen Tage.</p>
<p>Seine Lippen, einst von Küssen genährt, von Zärtlichkeiten triefend, glichen, schrundig und runzlig, einer angebissenen und weggeworfenen, vertrockneten Frucht.</p>
<p>Kaum lag sie in seinen Armen, schienen ihre Lippen sich mit Blut zu füllen, im Dämmerschein des Zimmers nahmen sie verschwenderisch vom Leuchten der Augen und wölbten sich sanft über einen Sturzbach herzigen Geplappers.</p>
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		<title>Mundgerecht</title>
		<link>http://www.luxautumnalis.de/mundgerecht/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Apr 2014 19:23:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hortirhenani]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kleine deutsche Stilübungen I Gestern bin ich dir über den Mund gefahren. Heute verbietest du mir den Mund. Gestern warst du auf den Mund gefallen. Als ich dir zu nahe trat, hast du einen Schmollmund gemacht. Um mir die Hintergründe des Geschehens darzulegen, hast du dir den Mund fusselig geredet. Sie hat ihm mit seinen [&#8230;]</p><p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/mundgerecht/">Mundgerecht</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Kleine deutsche Stilübungen I<br />
</i><br />
Gestern bin ich dir über den Mund gefahren.</p>
<p>Heute verbietest du mir den Mund.</p>
<p>Gestern warst du auf den Mund gefallen.</p>
<p>Als ich dir zu nahe trat, hast du einen Schmollmund gemacht.</p>
<p>Um mir die Hintergründe des Geschehens darzulegen, hast du dir den Mund fusselig geredet.</p>
<p>Sie hat ihm mit seinen eigenen Phrasen und dummen Redensarten den Mund gestopft.</p>
<p>Weil sie indezent auf ihn einredete, hat er den Mund verzogen.</p>
<p>Man musste ihm den Sachverhalt scheibchenweise mundgerecht servieren.</p>
<p>Zum Abschied streckte sie ihm, halb verlegen, halb kokett, einen Kussmund entgegen.</p>
<p>Als es um seine Ambitionen ging, hat er den Mund mal wieder recht voll genommen.</p>
<p>Obwohl er die passende Retourkutsche auf der Zunge hatte, verkniff er den Mund und biss sich auf die Lippen.</p>
<p>Obwohl er längst die Volljährigkeit erlangt hatte, schien er mir bei weitem noch nicht mündig.</p>
<p>Als er sie zu umgarnen suchte, erwies er sich ausnahmsweise einmal nicht als mundfaul.</p>
<p>Er hing ihr sklavisch an den Lippen, als wäre er ihr Mündel.</p>
<p>Die geldwerten Papiere, die ich dir aushändigte, sind mündelsicher.</p>
<p>Er lauschte ganz verblüfft und spitzte den Mund.</p>
<p>Seine Augen schienen wie erloschen, nur sein Mund blühte von morbider Sinnlichkeit.</p>
<p>Weil er den Mund nicht halten und die Zunge nicht im Zaum halten konnte, hat er das Rendezvous vermasselt.</p>
<p>Das Gerücht über sein Fehlbetragen ging alsbald von Mund zu Mund.</p>
<p>Ihre Vorhaltungen mundeten ihm nicht.</p>
<p>Seine Gier war größer als sein Mund.</p>
<p>Sein Mundwinkel zuckte, als sie ihm unversehens über den Weg lief.</p>
<p>Mit verkniffenem Mund schritt er unverrichteter Dinge von dannen.</p>
<p>Ohne noch ein Wort zu sagen, gab das leichte Beben ihres Mundes ihr Geheimnis preis.</p>
<p>Ohne noch ein Wort zu sagen, war das Zucken ihres Mundes beredt genug.</p>
<p>In einem Anflug von Scham hielt er sich die Hand vor den Mund.</p>
<p>Als sei ihm ein ungehöriges Wort entschlüpft, hielt er sich die Hand vor den Mund.</p>
<p>Wie von einem quälenden Rätsel heimgesucht, griff er sich tastend an den Mund.</p>
<p>Um sie zur Verschwiegenheit zu verpflichten, legte er den Zeigefinger vor den Mund.</p>
<p>Verdrossen zog er eine Schnute.</p>
<p>Der Unteroffizier herrschte die Truppe an: „Schnauze!“</p>
<p>Um den Untergebenen zu bestialisieren, schrie der Aufseher: „Schnauze!“, „Fresse“ oder „Gosche halten!“</p>
<p>Als er penetrant auf ihren Schwächen und Animositäten herumritt, hat er sich gehörig den Mund verbrannt.</p>
<p>Vergeblich hat er ihr, um sie für sich einzunehmen, Honig um den Mund geschmiert.</p>
<p>Mit all ihrem zweideutigen und süffisanten Gerede hat sie ihn mundtot gemacht.</p>
<p>The post <a href="http://www.luxautumnalis.de/mundgerecht/">Mundgerecht</a> appeared first on <a href="http://www.luxautumnalis.de">Lux autumnalis – Philosophie und Dichtung</a>.</p>]]></content:encoded>
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