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Das glückliche Osterhäschen

20.04.2021

Ostersonntag in der Frühe,
Rauhreif funkelt auf dem Grase,
nach dem Melker muhen Kühe,
spricht zum Jüngsten Mutter Hase:

„Häschen, gutes Häschen mein,
trag den Korb mit bunten Eiern
zu den lieben Kinderlein,
denn sie wollen Ostern feiern.
Bist du auch noch zart und klein,
deine Löffel wedeln lang,
laß von keinem Schrat dich schrecken,
mache dich kein Unhold bang.
Magst die Eier listig stecken
zwischen Halme, Osterglocken,
Kinder sollen sie entdecken,
werden lachen und frohlocken,
weil mein bester Hasenmatz
brachte diesen bunten Schatz.“

Häschen hoppelt, Häschen eilt,
mit dem Korb auf seinem Rücken,
trägt ihn treulich unverweilt,
doch die Schulterriemen drücken.
Siehtʼs von Moosen sanft umfaßt
eine Mulde voller Veilchen,
wirft es ab die schwere Last,
hier zu dösen – nur ein Weilchen.

Doch kaum ist es eingenickt,
kommt ein Zwitschern aus den Blättern,
und das Häselchen erschrickt,
denn die Lerche hört es schmettern:

„Häschen, gutes Häschen mein,
trag den Korb mit bunten Eiern
zu den lieben Kinderlein.
denn sie wollen Ostern feiern!“

Häschen hoppelt, Häschen düst,
ist von frischem Mut beseelet,
doch im Wald, o weh, begrüßt
es ein Schrat, sein Auge schwelet.
Bis zum Knie wallt seine Mähne,
einen Pflock umkrallt die Faust,
spricht der Unhold, fletscht die Zähne,
daß es unserm Häschen graust:

„Hier verlischt das Licht der Freude,
meiner Seele rauhe Haut
kennt nur Stacheln, kennt nur Räude,
hast die Eier wohl geklaut,
gib sie mir, will sie zerschlagen,
pfeife meine Füchse her,
sollen dich zum Teufel jagen.“

Mut hat da kein Häschen mehr,
doch sie kommt gar wundersam,
Rettung kommt aus grünem Laube,
wird sogar der Wilde zahm,
spricht herab die Turteltaube:

„Meinem Hasen sollst du lassen
Liebes- und nicht Diebesgut,
sonst wird alle Welt dich hassen,
selbst des Unholds wilde Brut.“

Läßt der Schrat den Stecken fallen,
seht, wie unser Häschen springt,
Häschen, glücklichstes von allen,
das den Kindern Freude bringt.

Kommt es heim, sinkt müd ins Bettchen,
froh getaner Hasenpflicht,
reicht die Mutter Kräuterblättchen.
Die Geschwister lauschen fein,
Ohr an Ohr geneigt im Kreise,
was erzählt das Brüderlein
von der ersten Osterreise.
Nein, vom Unhold spricht es nicht,
nur von einer Lerche Singen,
nur von einer Turteltaube,
Taube mit den holden Schwingen,
die gegurrt aus grünem Laube.

 

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