Skip to content

Das scheue Täubchen

22.05.2021

Wie es sacht sich niederduckt
unter Blätter, auf dem Zweige,
geht der Sommertag zur Neige.
Wieʼs im Traum noch gluckt.

Und es träumet ihm vom Gold,
das die Wolken abends tragen,
Flammenfracht von Sonnentagen,
die ins dunkle Wasser rollt.

Kleines Herz, es ist betäubt,
wenn der Zweig im Dunkel schaukelt,
Kobold Mond im Zwielicht gaukelt,
wie sich das Gefieder sträubt.

Hoher Strahl verscheucht die Nacht,
hört es gurren seine Schwestern,
die sich necken, die sich lästern,
banges Herz, es lacht.

Und es flattert ungescheut
auf die Mauer, äugt nach Kernen,
schwarzen Sonnenblumensternen,
die ein Freund ihm hingestreut.

Taubenfüße trippeln lind,
Schnabel pickt, was rasch gefunden,
Sonnenfrüchte wollen munden,
leichtes Herz, gib dich dem Wind.

 

Comments are closed.

Top