Erweckungen
Was schürt im aschengrauen Herzen Glut?
Bewunderung des Hohen, Großen, Edlen,
Aufblick in Laubes grün leuchtende Ranken,
zum schimmernden Wuchs aus dunkler Erde,
die keines Maulwurfs Schaufel noch durchwühlte,
schöner Wuchs der Bäume, Akanthus schlanker Säulen, Chöre frommer Mädchen,
anmutige Gestalt des hochgestimmten Sagens,
die uns wohl überragt, doch lächelnd zu sich winkt.
Was rührt uns auf, hinabgedrückt vom Joch der Rätsel?
Heller, sanfter Wunder Ahnungen,
die lieblich deutbar wie Wolken unterm Monde wandeln,
Seufzen, wenn morsche Balken Atem holen,
der Flammen Rede, die klarer spricht als unser Schmerz,
zuckt sie auch gespenstisch über einsamen Zimmers Wände,
zu fühlen, lauschend in die Nacht gelehnt, wie ferner Gärten
Hauch von Vogelrufen durchwimmelt, feucht von Wohlgeruch,
uns wahrer zu empfinden heißt.
Was gibt uns Halt, auf blauem Eis der Zweifel schlitternd?
Die kleine, sanfte Hand, die uns die Knospe reicht,
Flora mit dem Veilchenkranz und ihre Schwester
Sappho, die Schnee in einer Silberschale sammelt,
Kirschblüten, Schaumkraut, Hirtentäschel, Mädesüß,
und rutschen wir in Traumes Gletscherspalte,
das dumpfe Flattern, Taubenflügel,
wie fromme Herzen höherschlagend, Glocken,
die uns aus uns selber rufen in den Tag,
und wären wir im Firne eingeschlummert,
was uns weckt, im Frühlicht niederweinend Tau.
Was aber richtet auf, die welk sich neigt, die Blume Wort?
Die altem Volk die Wurzeln hegt, mütterliche Erde,
sie saugen, ins Ahnendunkel sich verzweigend, Lebenswasser,
der es mit Blitzen angeglüht, heimatlicher Himmel,
sanfter Liebeslüfte blaues Wiegen, schwesterlicher Wind,
und will verzagend es ins Blütenlose blättern,
träufelt ihm, am Abgrund kühn, der Dichter,
der lang in seinem Schmerzensdufte Schatten träumte,
aus dem Wunderhorn den Glanz der Tränen hin.
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