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Gaius Valerius Catullus, Carmen 101

21.10.2026

Multās per gēntēs et multa per aequora vectus
adveniō hās miserās, frāter, ad īnferiās,
ut tē postrēmō dōnārem mūnere mortis
et mūtam nēquīquam alloquerer cinerem,
quandoquidem fortūna mihī tētē abstulit ipsum,
heu miser indigne frater adempte mihi.
Nunc tamen interea haec, prisco quae more parentum
tradita sunt tristi munere ad inferias,
accipe fraterno multum manantia fletu
atque in perpetuum, frater, ave atque vale.

 

Viele Völker sah ich, kreuzte über die Meere,
nun steh, Bruder, ich hier, habe die Gaben zur Hand,
daß ich dir am Grabe die letzte Ehre bekunde
und die stumm bleibt umsonst rede die Asche noch an.
Hat ja das Schicksal dich selbst mir grausam entrissen,
elender Bruder, ach, würdelos dich mir entrafft.
Jetzt aber nimm entgegen, wie’s alte Sitte der Väter
vorschreibt als traurige Pflicht, Spende zur Weihe des Tods,
diese von vielen brüderlichen Tränen benetzte.
Für immer, Bruder, tönt in deine Nacht mein Adieu.

 

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