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Rettungen des Reims

27.05.2021

Ich seh auf meinem Teppich Rauhreif schimmern.
Durchs offene Fenster strahlt der kalte Mond.

*

„Für dich!“ stand auf dem Titelblatt.
Doch waren alle Seiten unbeschrieben.

*

Verhangen war dein Blick. Ein Sklave,
gefesselt an ein fernes Bild.

*

Ich rief die hohen Namen in die Nacht.
Gezwitscher schüttelt aus dem Laub der Mond.

*

Mit Blütenblättern treibst du auf dem Wasser,
die Tiefe denke nicht, die tausend Faden.

*

Dreh nicht den Stein des Wortes um,
ihm wuchs im Erdreich keine Patina.

*

Wir kehren, schichten sie, die dürren Blätter,
all ihre trüben Zeichen, Flamme singt sie rein.

*
Der Schatten weicht nur einen Augenblick,
wenn du im Mittag deiner Liebe stehst.

*

Ich ließ das Senkblei in die Tiefe gleiten,
doch war kein Grund, auf den es traf.
Du wolltest dich mit Wolken weiten,
und ihre Schatten rankten Schlaf.

*

Der Himmel sagte „Blau!“, die Erde „Dunkel!“
Der Stern sprach „Seufze!“, das Wasser „Funkel!“

*

Wolke singt: „O fließe!“, Wasser klagt: „Ach bleibe!“
Blume sagt „Ach trage!“, Wasser ruft „O treibe!“

*

Ein Vier-Blatt an dem zarten Stengel
der Reim grünt in die Morgenhelle,
die Düfte rufen einen Engel,
schon sitzt er singend auf der Schwelle.

*

Im Reime fließen sie in eins,
der Ströme grün und goldne Töne.
Es gibt die Zauberglut des Weins,
daß Liebesgeist den Schmerz versöhne.

*

Silberdistel und Vergißmeinnicht
stehen nah bei stillen Pfaden,
unsre Worte haben kaum Gewicht,
Pfauenaugen, die im Lichte baden.

 

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