Rettungen des Reims
Ich seh auf meinem Teppich Rauhreif schimmern.
Durchs offene Fenster strahlt der kalte Mond.
*
„Für dich!“ stand auf dem Titelblatt.
Doch waren alle Seiten unbeschrieben.
*
Verhangen war dein Blick. Ein Sklave,
gefesselt an ein fernes Bild.
*
Ich rief die hohen Namen in die Nacht.
Gezwitscher schüttelt aus dem Laub der Mond.
*
Mit Blütenblättern treibst du auf dem Wasser,
die Tiefe denke nicht, die tausend Faden.
*
Dreh nicht den Stein des Wortes um,
ihm wuchs im Erdreich keine Patina.
*
Wir kehren, schichten sie, die dürren Blätter,
all ihre trüben Zeichen, Flamme singt sie rein.
*
Der Schatten weicht nur einen Augenblick,
wenn du im Mittag deiner Liebe stehst.
*
Ich ließ das Senkblei in die Tiefe gleiten,
doch war kein Grund, auf den es traf.
Du wolltest dich mit Wolken weiten,
und ihre Schatten rankten Schlaf.
*
Der Himmel sagte „Blau!“, die Erde „Dunkel!“
Der Stern sprach „Seufze!“, das Wasser „Funkel!“
*
Wolke singt: „O fließe!“, Wasser klagt: „Ach bleibe!“
Blume sagt „Ach trage!“, Wasser ruft „O treibe!“
*
Ein Vier-Blatt an dem zarten Stengel
der Reim grünt in die Morgenhelle,
die Düfte rufen einen Engel,
schon sitzt er singend auf der Schwelle.
*
Im Reime fließen sie in eins,
der Ströme grün und goldne Töne.
Es gibt die Zauberglut des Weins,
daß Liebesgeist den Schmerz versöhne.
*
Silberdistel und Vergißmeinnicht
stehen nah bei stillen Pfaden,
unsre Worte haben kaum Gewicht,
Pfauenaugen, die im Lichte baden.
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