Phantasma toxischer Männlichkeit
„Ist kein Hüter, mit dem Stabe sie zu lenken?
Sie streunen wild umher, und unerträglich
schwillt Tag und Nacht das törichte Geschnatter.“
„Der Herr ist tot, die Gatter stehen offen,
die Gänse watscheln unterm milden Schutz nun
einer dekadenten Gutsverwaltung,
die nichts von rechter Zucht mehr wissen will.“
„Wie denn, dem Ganter hat man umgedreht
sogleich den Hals, und unbefruchtet liegt
das Ei im Gras, und keine Glucke brütet?“
„Sie wollen sich nicht mehr vermehren, nicht
mehr Nester bauen, Küken nicht geleiten
in eine Zukunft, die nicht gansgerecht.
Der Sinn der Mutterschaft ward zum Tabu.
Unfruchtbarkeit sei auch gerechte Sühne,
weil hingeschlachtet ward das Hühnervieh,
auf daß die Ahnen seinen Stall beerbten.“
„Es hab die Eule ihnen prophezeit,
die Teiche trocknen, Kräuter würden giftig,
so schwadronierte jüngst, den man geschaßt,
der Hütejunge, war wohl voll des Weins.“
„Drum toben sie hysterisch durch die Gegend.“
„Uns aber ist vergällt der Abendfrieden.
Sie recken ja den Schnabel schon zum Mond,
ihr Zischen malträtiert das weiche Ohr
des Dichters und des Denkers stillen Geist.“
„Den Unsinn eines Daseins, das entwurzelt,
betäuben sie im Lärm wie von Bacchanten,
wenn auch kein Bacchus naht mit süßen Beeren.“
„Dem schlichten Leben sind sie schon verloren,
zerstochen längst von Stacheln eitlen Wahns,
in Promenaden die gefärbten Federn
aufzuspreizen vor kristallnen Spiegeln.“
„Du kennst vom Berg den Ausblick? Nun, erwäge,
wie dort im öden Bruch die Füchse schleichen.“
„Ich seh, was Böses du im Herzen sinnst.
Die Roten sind nicht zähmbar, bleiben feind,
zum Asyl willst du sie gleichwohl locken.“
„Der Häscher soll die Gans das Fürchten lehren,
daß sie in ihr Gehäus mag wieder flüchten.“
„Die dumme Unschuld, holden Willkomm flatternd
um ihren Würger, wird wohl Federn lassen.“
„So wollen wir noch diese Nacht die Fährte
aus Blut und Fett auf dunkle Moose streichen,
vom offnen Tor bis hin zu ihrem Bau.“
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