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Der Aussätzige

18.08.2015

Zeigt dein Gesicht schon die Lepra,
die wie rosige Qualle dir
über die Wange kriecht?

Zerfällt dein Mund schon,
zerfressen vom schwarzen Aussatz
des Schweigens?

Brennt dir in der Stirn der Nagel
aus dem Traum des Ritters
von der Verwünschung Mariens?

Sind deine Augen verquollen
vom Schwefel der Quelle,
aus der die Unreinheit trank?

Oder machte Trübsal sie blind,
das von Wanzen und Läusen
verdunkelte Bild?

Sind deine Haare schon Schlangen,
die aus dem Wahnsinn
Medeas zappeln?

Du kamst aus den Hainen,
wo Blüten leuchtender Lieder
aus den Zweigen fallen.

Du kamst aus dem Weinberg,
wo die Echse am sonnigen Stein
die Liebe der Mutter erfühlt.

Du gingst durch das Zirpen
und Funkeln der Sommernacht
auf seufzendem Gras.

Du kamst aus dem Garten
der moosfrommen Wünsche
mit der Frucht eines Grußes.

Jetzt bist du gestellt von Hunden,
die anschlagen bei der Witterung
deiner faulenden Seele.

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