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Übergänge XXII

06.08.2017

Terzinen vom dichterischen Wort

Wie Maler, die voll Grimm und Weh-Lust klatschen
mit breitem Pinsel Meeresgrün und Mohn
und geben krummen Weiden Purpurwatschen,

schwarz ritzen Schnäbel, Federn trudeln schon,
das Abendrot ist Jesu offne Seite,
und grau wischt Nereiden aus Triton –

so rollen wir das Wort in vage Weite,
wie Kinder einen Reif mit heißer Hand.
Es seufzt das Herz wie warm gestrichne Saite,

wenn es sich schlingt in weißer Winden Band.
Des trocknen Sinnes braune Farne knistern,
des Liedes Küsse haben sie verbrannt.

Das Wort will sich mit Rosenlicht verschwistern,
das überm Grab der frühen Verse quillt,
will reden nicht, nur rauschen oder flüstern.

O wilder Efeu um ein altes Bild!

 

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