Wenn die grünen Verse gilben
Des Wassers Schwall
kam wie Gesang
Peter Huchel
Als wär das Goldene Vlies,
im dunklen Bauch der Argo
bald verblaßt, ergraut,
ans Uferlicht gebracht
nur mehr ein Trauerflor.
*
Mit dem Wanderstab des Ödipus
an verwaiste Pforten schlagend.
*
Ward einmal das Wort
ans Kreuz genagelt,
was fruchten Flammenzungen?
*
Dir blieb das Wasser nur,
Gesang, der nächtens rauscht
am schroffen Felsen
der Erinnerung.
Wenn seufzend seine Gischt
im Ufergrase stäubt,
fühlt wie entrücktes Leben
die von Schründen taube
Haut sie kaum.
*
Erstickten Mücken gleich
in einem Spinnenweb,
vom Sturm zerrissen,
was du empfunden einst
mit knabenheißem Blut.
*
Ins kalte dunkle All gesprüht
die frühen Liebesfunken.
O wär, was allzu rot geglüht,
nur bald im Wolkenguß ertrunken.
*
Silbergraue Fäden sind, die wehen
im Novemberwind.
Was ist deinem goldnen Haar geschehen,
frühlingsfrohes Kind?
*
Geh an Gräbern still entlang,
hier seufzt Gras, hier wissen Flammen,
Tod und Leben rankt zusammen
in des Orpheus Zaubersang.
*
Lichter sind noch im dämmernden Laub,
Stimmen wiegt noch das Blattwerk der Nacht.
Was Schwermut unterm Monde gedacht,
schreibt in die Bläue flimmernder Staub.
*
Nur eines tu, den Schritt verhalte,
hat er geknirscht auf Muschelton.
Nur tiefer atme roten Mohn,
daß sich geheime Schrift entfalte.
*
Blick offnen Auges und bleib still,
auch wenn die grünen Verse gilben.
Wie Mücken scheuch gereimte Silben,
daß einsam nur die Träne quill.
*
Gotische Madonna
Gotisch fein, mit rankenzarten Händen,
die nur kleine Sonnensamen halten
oder Beeren, die sie heimlich weiterschenken,
um die Lippen weicher Wehmut Falten.
Doch ins Ferne flehen ihre Blicke,
daß des Herren Ruf sie bald entrücke.
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