Skip to content

Begriffliche Klärungen I

09.01.2023

Philosophische Sentenzen und Aphorismen

Zuerst kommt die Beobachtung der Tag- und Nachtfolge, der Bestimmung des Monats anhand der Mondphasen, des Jahres anhand der Jahreszeiten und des Wechsels in den Tagesdauern; der reinen Beobachtung folgt die immer verfeinerte Zeitmessung anhand von technischen Erfindungen und Meßgeräten von der Sonnenuhr und Sanduhr über die feinmechanische Uhr bis zur Atomuhr.

Vom Begriffsfeld der Chronometrie unterscheiden wir dasjenige, in dem sich unser Umgang mit Zeit niederschlägt: Zeit und keine Zeit haben, sich sputen, die Zeit vertrödeln, die Zeit einteilen, Zeit schinden, Tagebuch führen, Jahresberichte und Annalen anlegen, nach dem Terminkalender leben, von Termin zu Termin hetzen, der Muße pflegen, sich langweilen.

Vom Chronos und Kairos der Griechen bis zur Subjektivierung der Zeit als inneres Erlebnis beu Augustinus, als reine Form der Anschauung, der Zeit als innerer Sinn bei Kant, des Zeitbewußtseins bei Husserl und gleichsam wieder zurück zum Chronos und Kairos im Seinsereignis bei Heidegger.

Die Subjektivierung der Zeit als Ablesung gleichsam einer inneren Uhr folgt der trügerischen Fährte der Modellierung des menschlichen Geistes anhand epochaler Techniken: vom Modell des Uhrwerks über das Modell der telefonischen Schaltzentrale bis zum Computermodell.

Das Begriffsfeld, in das wir die historische Zeit einteilen, beruht auf den Begriffen, die uns die Arten der Zeiterfassung und die Chronologie bereitstellen, aber seine Bedeutung ist davon unabhängig.

Die Vereinheitlichung der Weltzeit ist ein Niederschlag des Siegs der europäischen Kultur und der westlichen Technik über den Rest der Welt. – Sie könnte mit dem Zerfall der westlichen Zivilisation selbst zerfallen, und die lokalen und regionalen Chronologien, wie wir sie bei Juden und Arabern finden, könnten wieder zur Geltung kommen.

Uns betört der schluchzende Gesang der Nachtigall, und seine süßen Töne hallen wider in der Dichtung des Abendlands. – Der Evolutionsbiologe erklärt uns, daß ästhetische Qualitäten oder das, was wir schön nennen, der Steigerung von männlicher Attraktivität bei der sexuellen Selektion und Partnerwahl durch die Weibchen dienen, also der Optimierung der genetischen Fitness. – Gut und schön. Aber Keats schrieb sein Gedicht an die Nachtigall nicht, um welche Frau auch immer von seiner genetischen Fitness zu überzeugen.

Den Dichter fasziniert der Gesang der Vögel gerade deshalb, weil er in ihm eine Form der absichtslosen Mitteilung und des rational nicht gebundenen Ausdrucks findet.

Die Funktion erklärt nicht die Bedeutung.

Die Funktion der Verehrung von Gottheiten und des Charismas des Heiligen, erklären uns die Aufklärer von Epikur und Lukrez bis zu Feuerbach und Freud, ist psychologisch die Bannung der Todesangst und soziologisch die Stabilisierung der Gruppenidentität. – Aber Johannes vom Kreuz reißt den Frommen in die Nacht der Seele und der heilige Franz führt seine Schar aus den schützenden Mauern der Civitas unter den freien Himmel barfüßiger Pilgerschaft.

Philosophieren besteht nicht in der Ausbildung von Theorien.

Theorien sind Hypothesen über das Zustandekommen und Funktionieren eines bestehenden Sachverhalts und die Suche nach empirischen Belegen für ihre prognostische Aussagekraft. – Die physikalische Theorie erklärt die bekannten Eigenschaften von Wasser mit der Annahme, daß es aus Molekülen mit zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom besteht. Die Theorie erklärt die Tatsache, daß Wasser unter 0 Grad Celsius gefriert, mit der Annahme, daß sich unter diesen Bedingungen die Atome des Wassers kristallförmig anordnen.

Der Ökonom erklärt die Veränderungen des Preises einer Ware auf dem freien Markt der Konsumgüter im Lichte der Annahme, daß Marktteilnehmer Konsumenten und damit bedarfsorientierte Wesen sind, die beispielsweise im Winter einen höheren Bedarf an Mänteln, Schals und Handschuhen oder Heizmitteln haben als im Sommer; bei gleichbleibendem Angebot steigen aufgrund gestiegener Nachfrage die Preise. Der Preisanstieg veranlaßt wiederum die Produzenten und Lieferanten von Mänteln, Schals und Handschuhen oder Heizmitteln, mehr Güter dieser Art auf den Markt zu werfen; aufgrund des gestiegenen Angebots aber fallen die Preise und stabilisieren sich auf einem mittleren Niveau.

Der Philosoph hat dem Physiker oder dem Ökonomen und anderen Vertretern wissenschaftlicher Theorien nicht dreinzureden und ins Handwerk zu pfuschen.

Wenn ihm allerdings der Evolutionspsychologe mit der Theorie kommt, das Schönheitsempfinden sei eine evolutionäre Zutat bei der sexuellen Selektion oder die Monogamie sei eine evolutionäre Strategie, die Menschen einem polygamen Verhalten deshalb vorziehen, weil sie bessere Aufzuchtbedingungen für den Nachwuchs bietet, weist er ihn rechtens in die Schranken, indem er auf begriffliche Konfusionen in seiner Theoriebildung hinweist: Denn die Bedeutung der Dinge, die wir als schön oder ästhetisch wertvoll erachten, läßt sich nicht auf ihre sexuelle Funktion reduzieren, und Monogamie ist kein Begriff einer natürlichen Tatsache, sondern einer sittlichen und rechtlichen Norm.

Der Philosoph bedarf zu seinem Geschäft der begrifflichen Klärung keiner empirisch-wissenschaftlichen Theorie, er vertraut auf die genaue Beobachtung und kritische Beleuchtung des Sprachgebrauchs und der Analyse begrifflicher Felder, ihrer Kongruenzen und Differenzen..

„Philosophische Theorie“ – schon steigt der rhetorische Nebel aus den Sümpfen in Fäulnis übergegangener Begriffe.

„Philosophen“ erklären uns, was wir Ich, Selbst, Bewußtsein und Selbstbewußtsein nennen, sei eine von neuronalen Prozessen verursachte Illusion und hausgemachte Selbsttäuschung. Aber wenn wir sagen „Ich verspreche dir, das geliehene Geld am Ende des Monats wieder auszuhändigen“, unterliegen wir keiner Illusion und Selbsttäuschung; es sei denn, wir täuschen uns über die Aufrichtigkeit unserer Intention oder wir täuschen den anderen, wenn wir von Anfang an die unlautere Absicht hegen, unsere Zusage zu brechen.

Von Täuschung und Illusion können wir nur im Rahmen eines Begriffsfeldes sprechen, in dem auch die korrespondierenden Begriffe wahrer Einsicht und korrekter Darstellung ihren konzeptuellen Ort und ihre systematische Stelle haben.

Wir sehen, der visuelle Cortex sieht nichts; seine neuronale Aktivität ist die conditio sine qua non, daß wir etwas sehen.

Der Philosoph, der eine Theorie über das Bewußtsein oder den menschlichen Geist entwirft und den Geist als Bewohner des Körpers (oder Kopfes) oder als Epiphänomen der Hirnaktivität beschreibt, verkennt die wesentlichen begrifflichen Unterschiede: Ich sage „Ich habe Kopfweh“ oder „Mein Kopf tut weh“, nicht aber: „Hier ist ein Kopf, der Schmerzen hat.“

Bios und Ethos, biologische und moralische Begriffe bilden Begriffskreise, die sich schneiden, aber nicht deckungsgleich sind.

Wäre die vaterrechtlich verfaßte Monogamie eine uns eingepflanzte natürliche Neigung, warum fühlte sich Augustus berufen, der Zersetzung der Ehe in den besseren Kreisen seiner Zeit mittels verschärfter Ehegesetze Einhalt zu gebieten, warum finden wir Völker, die ihre Verwandtschaftslinien nicht patrilinear ausrichten?

Wenn uns natürliche Scheu vor der Blutschande abhält, ist die Theorie über den Ödipuskomplex inkonsistent.

Das Gebot „Wachset und mehret euch!“ ist kein biologischer, sondern ein messianischer Auftrag an Abrahams kleine Schar, es galt dem Wachstum des einen Stammes, auf daß er das edle Reis, die einzigartige Blüte hervorbringe.

„Philosophen“ wie Habermas vermischen auf unzulässige, aber seriös anmutende Weise pseudowissenschaftlichen Jargon mit politisch-moralisch korrekten Bekenntnissen. Daher das trügerisch Schillernde ihrer Diktion, die sich von wissenschaftlichen Theorien wie denen der Soziologie unverdiente Lorbeeren abgreift und sie mit dem Weihrauch pseudoreligiöser Verkündigungen und Prophetien auf eine von den Lastern des Kapitalismus und den zweckrationalen Diskursen des Bourgeois zur Endlos-Talk-Show befreite Menschheit umwölkt. Daher auch ihr ungeheurer Erfolg bei der leichtgläubigen Menge.

Schon immer haben Philosophen, den Theologen darin nicht unähnlich, dem Alltagsleben, den Technikern, den Naturkundlern oder Historikern auf unlautere Weise Methoden und Konzepte entwendet und sie begriffsblind auf Felder übertragen, wo sie nicht anwendbar sind und versagen müssen; man denke nur an den Seelenwagen Platons, die Atomtheorie mentaler Vorgänge wie des Sehens bei Epikur und Lukrez, die zwischen Geist und Körper korrespondierende Drüse des Descartes, das monadologische Uhrwerk bei Leibniz, den sich in historischen Persönlichkeiten wie Cäsar oder Napoleon verkörpernden und sich in übergesetzlichen und übermoralischen Staatsaktionen austobenden Weltgeist eines Hegel, den Élan vital eines Bergson, die Kausaltheorie der Wahrnehmung bei Russell, die pseudowissenschaftliche Metaphysik eines Whitehead, die Computertheorie des Geistes der Funktionalisten, das egoistische Gen, die Biomaschine und die Meme eines Dawkins oder die Identität von Geist und Gehirn der Neurophilosophen.

Ich schreibe meinem Freund eine Mail in der Absicht, ihn zu einem Treffen einzuladen; die Aktivitäten der Neuronen in meinem Gehirn, die diesen Vorgang als eine conditio sine qua non begleiten, sind nicht die Ursache meiner Absicht; sie wäre sonst keine Absicht, sondern eine kausale Folge dieser Aktivitäten.

Absichten sind keine mehr oder weniger wahrscheinlichen Voraussagen über zukünftiges Handeln.

Wäre mein Geist mein Gehirn, müßte ich, nachdem ich die Mail geschrieben habe, mir die offenkundig absurde Frage stellen können, ob ich mit ihrer Abfassung die Absicht verfolgt habe, meinen Freund einzuladen.

Begriffe wie Absicht, Wunsch, Erwartung, Erinnerung, Hoffnung oder Enttäuschung sind keine wissenschaftlichen Begriffe, keine theoretischen Terme.

Wäre mein Geist mein Gehirn, hätten alle Worte, die ich äußere, die Bedeutung der Laute, die ein Papagei nachplappert, nämlich keine.

Die Behauptung, Kunstwerke seien zumindest all jene Werke, die einer Ausstellung in einer Galerie oder einem Museum für wert befunden worden sind, ist ebenso töricht wie jene, zur geistigen Elite zählten zumindest all jene Personen, die eines akademischen Titels für würdig befunden worden sind; doch daß viele von diesen bei ihrer Examensarbeit oder ihrer Dissertation bloß zeitgeistigen Jargon abgesondert, gepfuscht oder abgeschrieben haben, ist längst kein Geheimnis mehr.

Das Gedächtnis ist keine mentale Galerie von Erinnerungsbildern und kein Archiv von Dokumenten über vergangene Ereignisse; es ist die Fähigkeit, einmal Erfahrenes, Gelerntes, Gewußtes zu vergegenwärtigen.

Erinnerung ist nicht die kausale, neuronal markierte Folge vergangener Ereignisse, sonst wäre der Schmerz in meinem Fuß, den ich mir vor Tagen bei einem Unfall gebrochen habe, eine Erinnerung an den Unfall.

Fake-Philosophen fragen, um zu erklären, was wir mit „Erinnerung“ meinen, nach dem Ort des Gedächtnisses im Gehirn. Aber Fähigkeiten und Dispositionen haben keinen Ort; Hirnregionen wie das Kleinhirn und die frontalen und temporalen Lappen sind die conditio sine qua non für unsere Fähigkeit, uns zu erinnern, wie der motorische Kortex und die Beine für unsere Fähigkeit, zu gehen und zu rennen.

Nicht: „Mein visueller Cortex sah“, nicht: „Meine Augen sahen“, sondern: „Ich sah.“

Die Zutaten der Suppe, die wir ein Leben lang auszulöffeln haben, entstammen der Hexenküche der Biologie, wie die Tatsache, daß wir Männer oder Frauen, intelligent oder begriffsstutzig, feinfühlig oder stumpfsinnig, draufgängerisch oder ängstlich, introvertiert oder extrovertiert sind. Ist auch der Grad der Fähigkeit, moralisch zu handeln, uns in die Wiege gelegt?

Wir können nur sagen, daß Normen, die sich in Gesetzen, Vorschriften, Regeln oder Direktiven manifestieren, nicht zum Begriffsfeld erklärender Hypothesen und statistischer Wahrscheinlichkeiten gehören. Die Hypothese über mangelnde oder ausreichende Begabung erklärt das Versagen des einen und den Erfolg des anderen Schülers. Der begriffsstutzige Schüler vermag die Gleichung nicht zu lösen, Tadel ist in seinem Falle nicht nur zwecklos, sondern unangebracht; der intelligente, der es könnte, ist zu faul oder renitent und kann aus diesem Grund getadelt werden.

In der Welt der Maschinen, ob zweckdienlicher Roboter oder administrativer Staatsmaschinen, gibt es keine Moral.

Die Fähigkeit, eine moralisch angemessene oder unangemessene Entscheidung zu treffen, sprechen wir der einzelnen Person, keinem Kollektiv und keinem Apparat zu.

Moralisch wertvolle Taten können durchaus spontan sein; der aufmerksame Passant, der das Kind, kurz bevor es in das heranrasende Auto gerannt wäre, auf den Bürgersteig zurückriß, ließ seiner Tat keine zeitraubenden moralphilosophischen Überlegungen vorangehen, er hat nicht aufgrund wohlweislicher Erwägung eine Entscheidung getroffen, er hat gar keine Entscheidung getroffen und spontan oder instinktiv gehandelt. Auch was wir spontan oder instinktiv tun, kann sich a posteriori als moralisch richtig erweisen. Wir können nicht jede moralische Tat zuvor auf ihre Konsistenz mit dem moralischen Imperativ eines Immanuel Kant prüfen.

Wäre der aufmerksame Passant ein Mafioso und erkennte in dem gefährdeten Kind den Sprößling des Chefs der mit der seinen auf Leben und Tod verfeindeten Bande, des Anführers, der kürzlich seinen jüngeren Bruder auf heimtückische und bestialische Weise ermordet hat – wir scheuen uns, das Entsetzliche zu notieren. – Daraus aber folgt, daß selbst der Anteil unseres moralischen Empfindens, der sich in spontanen Handlungen kundtut, nicht tief im menschlichen Geist oder ungleich tief in verschiedenen Individuen verwurzelt ist.

Dem vom grauen Star Heimgesuchten legt sich ein Schleier über die Farben des Lebens. Der vom trüben Geist des baudelaireschen Ennui Heimgesuchte hat den lebendigen Bezug zu ihnen verloren, und habe er auch auf die Inseln der Seligen und in das üppige Prangen der tropischen Paradiese gefunden.

Wir können uns im Farbwert des Gesehenen täuschen, aber nicht darin, daß wir etwas sehen.

Zu sagen, alles, was wir sehen, ist eine Illusion, denn die wahre Realität, die aus Atomen und Quanten besteht, sehen wir nicht, ist in etwa so töricht, wie zu sagen, wir könnten nie wissen, was ein anderer mit dem meint, was er sagt, weil die Bedeutung, die er den Worten gibt, von derjenigen, die wir ihnen geben in einem Maße abweichen kann, das uns für immer verschlossen bleibt.

Wir töricht, der Paradoxie in der Behauptung nicht inne zu werden, unser mentales Leben sei das notwendige Produkt einer unhintergehbaren Selbsttäuschung.

Ich habe keinen Grund für die Äußerung zu vermelden, daß ich Schmerz empfinde; dagegen kann ich den einen oder anderen Grund nennen, warum ich von einem anderen sage, offensichtlich habe er Schmerzen oder er simuliere nur Schmerzgebaren.

Ich vermag echte von Krokodilstränen zu unterscheiden; aber nicht, weil die ersten unmittelbar aus der Innenwelt des anderen rinnen, während die zweiten sie verbergen. – Die falschen Tränen sind nicht weniger aussagekräftig als die echten.

Wir wissen nicht oder verkennen, was andere im Schilde führen, die ihre Absichten und Regungen geschickt vor uns verheimlichen. – Aber ein falsches Lächeln, ein Versprecher, eine schiefe Geste können ihre geheimen Absichten schlagartig zutage fördern.

Der Heiratsschwindler bedient das gleiche Repertoire an Gesten der Zuwendung in erniedrigender Absicht, das den Liebhaber in den Augen der Angebeteten zu erhöhen vermag.

Der Physiker kann voraussagen, wie sich die Eigenschaften und Aggregatzustände von Wasser unter modifizierten Bedingungen verändern; doch die statistischen Annahmen des Ökonomen lassen keine Voraussage über das Verhalten der einzelnen Marktteilnehmer zu; der eine kauft bei einbrechender Winterkälte Handschuhe, Schal und Mantel, der andere verkriecht sich hinter den Ofen.

Die Äußerungen und das Gebaren anderer sind uns oft unzugänglich und rätselhaft, doch nicht, weil die mentalen Zustände ihres Geistes im Gegensatz zu unseren eigenen uns nie zu unmittelbarer Kenntnis gelangen, sondern weil sie etwa selbst nicht wissen, was sie meinen und was sie wollen, weil sie sich über ihre Absichten im unklaren sind oder sich über ihre Gefühle und Antriebe täuschen.

Der Unsichere vollführt schlackernde, fahrige, zweideutige Bewegungen.

Wäre der Hund in der Lage, eine Autobiographie zu schreiben, sein Herrchen würde sich darin nicht wiedererkennen.

Tiere leben nicht in der Zeit des Menschen; der Hund könnte sich nicht sagen: „Hoffentlich kommt Herrchen morgen nicht wieder so spät nach Hause!“

Den Toten ein Zeichen zu setzen, ein Mal zu errichten, markiert den Anfang der menschlichen Kultur.

Das Mißtrauen sieht die klaren Farben des Lebens durch einen dunstigen Schleier.

Der Empfindliche hört noch einen verächtlichen Ton im leicht hingeworfenen „Lebe wohl!“.

Der Paranoide schmeckt im Kuß das Gift.

Der Wirrwarr und die Unaufgeräumtheit der menschlichen Seele, von denen die alten Theologen meinten, sie entstammten der Ursünde, geben uns den Stoff und die Motive sowohl der Komödien als auch der Tragödien, die in unseren Wohn- und Schlafzimmern stattfinden.

 

Comments are closed.

Top