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Charles Baudelaire, La solitude

29.11.2018

Aus: Le Spleen de Paris (Petits Poèmes en Prose)

Un gazetier philanthrope me dit que la solitude est mauvaise pour l’homme ; et à l’appui de sa thèse, il cite, comme tous les incrédules, des paroles des Pères de l’Église.

Je sais que le Démon fréquente volontiers les lieux arides, et que l’Esprit de meurtre et de lubricité s’enflamme merveilleusement dans les solitudes. Mais il serait possible que cette solitude ne fût dangereuse que pour l’âme oisive et divagante qui la peuple de ses passions et de ses chimères.

Il est certain qu’un bavard, dont le suprême plaisir consiste à parler du haut d’une chaire ou d’une tribune, risquerait fort de devenir fou furieux dans l’île de Robinson. Je n’exige pas de mon gazetier les courageuses vertus de Crusoé, mais je demande qu’il ne décrète pas d’accusation les amoureux de la solitude et du mystère.

Il y a dans nos races jacassières des individus qui accepteraient avec moins de répugnance le supplice suprême, s’il leur était permis de faire du haut de l’échafaud une copieuse harangue, sans craindre que les tambours de Santerre ne leur coupassent intempestivement la parole.

Je ne les plains pas, parce que je devine que leurs effusions oratoires leur procurent des voluptés égales à celles que d’autres tirent du silence et du recueillement ; mais je les méprise.

Je désire surtout que mon maudit gazetier me laisse m’amuser à ma guise. « Vous n’éprouvez donc jamais, — me dit-il, avec un ton de nez très-apostolique, — le besoin de partager vos jouissances ? » Voyez-vous le subtil envieux ! Il sait que je dédaigne les siennes, et il vient s’insinuer dans les miennes, le hideux trouble-fête !

« Ce grand malheur de ne pouvoir être seul !….. » dit quelque part La Bruyère, comme pour faire honte à tous ceux qui courent s’oublier dans la foule, craignant sans doute de ne pouvoir se supporter eux-mêmes.

« Presque tous nos malheurs nous viennent de n’avoir pas su rester dans notre chambre, » dit un autre sage, Pascal, je crois, rappelant ainsi dans la cellule du recueillement tous ces affolés qui cherchent le bonheur dans le mouvement et dans une prostitution que je pourrais appeler fraternitaire, si je voulais parler la belle langue de mon siècle.

 

Die Einsamkeit

Ein philanthropischer Zeitungsmensch sagte mir, die Einsamkeit sei dem Menschen verderblich; und er untermauerte seine Aussage, indem er, wie alle Ungläubigen, Worte der Kirchenväter zitierte.

Mir ist durchaus bewußt, daß der Teufel bevorzugt Wüsteneien heimsucht und der Geist der Mordlust und Lüsternheit sich in menschenleerer Ödnis wie durch ein Wunder von selbst entflammt. Doch stellt Einsamkeit wahrscheinlich nur für jene Seele eine Gefahr dar, die sie, dem Nichtstun und Umherirren frönend, mit ihren Leidenschaften und Wahngespinsten bevölkert.

Sicherlich liefe ein Schwätzer, der kein größeres Vergnügen kennt, als von einem Katheder oder einer Tribüne zu reden, Gefahr, auf der Insel des Robinson als tobsüchtiger Irrer zu enden. Ich fordere von meinem Journalisten nicht die mutige Haltung eines Crusoe ein, doch verlange ich, gegen die Liebhaber der Einsamkeit und des Mysteriums keine öffentliche Anklage zu erheben.

So mancher Sproß an unserem geschwätzigen Stamm bestiege mit weniger Widerwillen die Bretter des Schafotts, stünden sie ihm als Bühne für eine letzte feierliche Ansprache zur Verfügung, ohne fürchten zu müssen, daß die Trommeln unter dem Kommando von Santerre ihm vor der Zeit das Wort abschnitten.

Ich bedauere solche Leute nicht, denn ich ahne wohl, daß ihre oratorischen Ergüsse ihnen einen Genuß bereiten, der jenem in nichts nachsteht, den andere aus dem Schweigen und der inneren Einkehr gewinnen; aber ich verachte sie.

Ich wünsche vor allem, daß mein vermaledeiter Zeitungsschreiber es mir vergönnt, mich nach meiner Fasson zu amüsieren. „Sie verspüren demnach nie“, fragte er mich mit einem weihevollen Unterton, „das Verlangen, andere an ihren Genüssen teilhaben zu lassen?“ Hören Sie den verkappten Neid heraus? Er weiß, daß ich seine Brut verabscheue, und will sich in meinen Kreis einschmeicheln, der widerwärtige Störenfried!

„Dies große Unglück, nicht allein sein zu können ….“, sagt irgendwo La Bruyère, um damit seine Verachtung für jene zu bekunden, die sich sputen, um sich in der Menge zu vergessen, gewiß in der Furcht, sich selbst nicht ertragen zu können.

„Fast unser ganzes Unglück rührt daher, nicht in unserem Zimmer bleiben zu können“, sagt ein anderer weiser Mann, Pascal, glaube ich, um auf solche Weise all jene panisch Umherirrenden in die Zelle der inneren Einkehr zurückzurufen, die das Glück im Aufruhr und einer Prostitution suchen, die ich Verbrüderung nennen könnte, wollte ich mich der vornehmen Ausdrucksweise meines Zeitalters bedienen.

 

Anmerkung zum Verständnis:
Der Bierbrauer Antoine Joseph Santerre leitete das Kommando bei der Hinrichtung des letzten französischen Königs Ludwig XVI. am 21. Januar 1793.

 

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