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Die Stunde des Schmocks

13.03.2014

„Schwarze Hefte“ von Martin Heidegger, Buchvorstellung in der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main, 12. März 2014

Ist Schreibwut unter Philosophen eine deutsche Krankheit?
Von Heraklit gibt es ein paar Dutzend enigmatische Hinweise.
Euklids Abhandlung ist kompakt.
Bei Platon und Aristoteles häuft es sich zwar schon.
Aber bei den deutschen Idealisten wird es Obsession.
Heidegger steckt alle in die Tasche.

Der Schmock mit dem Seidentüchlein und dem grauen Schopf ist ein Philosoph à Femmes.
Er dachte sich, wie stell ichʼs an, dass ich dem deutschen Michel ein Schnippchen schlage
und mich ins Rampenlicht vor all die Frauen bringe.

Wer selber nichts draufhat, wird hierzulande auf den Schild gehoben, wenn er andere, am besten Hochstehende, Berühmte, Weltberühmte, des Antisemitismus überführt. Von solchem schmuddeligen Sekundärruhm lässt sich hierzulande trefflich leben, dank solch schäbiger Denunziationen beziehen sie hierzulande fette Renten.

Also wühlte die sabbernde Wühlmaus im Erdreich und Morast der „Schwarzen Hefte“.
Und fuhr die ungeheure Ernte ein: so runde anderthalb von abertausend Seiten, mit Wahrheitsverdünnern wie Unterstellung, Argwohn, böser Wille stark gestreckt.

Da las manʼs in der Art weltgeschichtlich hochfliegender und manichäisch-zwielichtiger Ambitionen von gnomhaften Weltenrichtern mit Ärmelschonern im Lehnstuhl in verschwurbelt-hochtönendem Hölderlinisch: Rechnen sei der Fluch, das zerstreute Volk sei davon heimgesucht und suche damit andre heim, Martin aber fahre aufs grausamste bedachtsam das Seyn in einen neuen Anfang deutschester Genesung.

Da hat der Schmock sich diebisch dran gefreut und sich vor großem Publikum und erstlich vor den Damen theatralisch ausgeheult: ein großer Denker und dann so was, und er musste die deutsche Scham sich aufbürden, so was zu entlarven, so was auszuplaudern.

Ganz Frankfurt hat applaudiert, insbesondere die Damen. Nur ein alter Adornit warf verzweifelt mit Brocken des Jargons der Eigentlichkeit um sich: Heidegger durch die Zerrbrille des Anti-Eurozentrismus, Anti-Kolonialismus, des Anti-Antifeminismus als wütendes Rumpelstilzchen erblickt.

Der Enkel des Großpapas, dessen infames Konterfei mit Hitlerbärtchen und in die Lichtung des Seins ekstatisch verdrehten Augen coram publico prangte, entblödete sich nicht, darauf hinzuweisen, dass die Hefte der Sibylle von Meßkirch nicht deshalb schwarz heißen, weil sie etwa obszöne Altherrenwitze enthalten, sondern in schwarzes Tuch eingefasste Tagebücher sind.

Warum das Intelligenzblatt vor Ort einen dicklichen guten Onkel zur intellektuellen Paarung mit dem Schnüffel-Schnösel ausgeschickt hatte, blieb bei all seiner hüpfenden Komik unerfindlich. Allerdings schwammen alle wie Sahnewölkchen auf der deutschen Abendlichtversonnenheit, als er auf die Infektionsgefahr durch den völkischen Bazillus hinwies, dem auch der Buhle des Seins anheimgefallen sei, und dabei die infolge der moralischen Ausmerzung dieses Bazillus hierzulande kompensatorisch hochgezüchtete Volksverdummung anhand seiner vollkommenen Unkenntnis des Buches Levitikus, welches das heilige Volk mittels Abstammungs- und Geburtenregelung zu Volkszucht und xenohyponoetisch-kathartischer Ordnung anweist, unter Beweis stellte.

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