Sie streute Blüten
Sie streute, wem zum Zeichen,
weiß keiner, wer will’s auch wissen,
zu bestimmten Tageszeiten,
ob nach dem Sonnenstand
oder auch dem Lauf des Monds,
weiß keiner, wer kann’s auch wissen,
Orchideenblüten aus dem Fenster,
die sie wie eine Schlafwandlerin
langsam von den Knospen pflückte.
Und dabei sprach sie vor sich,
in einer fremden Sprache, in welcher,
weiß keiner, wer will’s auch wissen.
Erst schaute die Nachbarin
auf dem Flur, wenn sie kam, unter sich,
ob aus Ärger, vor Verlegenheit,
weiß keiner, wer kann’s auch wissen.
Doch als sie begann, abends
mit aufgelöstem Haar
am offenen Fenster zu singen,
in einer fremden Sprache, in welcher,
weiß keiner, wer will’s auch wissen,
erhielt sie nach zwei Wochen
ein Einschreiben mit der Drohung
sofortiger Kündigung bei Zuwiderhandeln.
Eine Kerze brannte noch des Nachts
am Fenster, sie war schon fort. Wohin,
weiß keiner, wer will’s auch wissen.
Kürzlich sah ich eine schöne Frau
aus einem Blumenladen treten,
eine weiße Orchidee in der Hand.
Ach, wie habe ich sie angelächelt,
sie pflückte ein paar Blüten ab,
um sie vor mir auf den Weg zu streuen.
Und schon war sie entschwunden.
War sie’s, war’s ein Phantom,
ich weiß es nicht, werde es nie wissen.
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