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Die Knospe auf der Schwelle

02.12.2021

Dein Haar floß nächtlich wie die Meereswogen,
vom bittern Schaum der Tiefe überglänzt,
und deine Brauen waren kühne Bogen
um blaue Quellen, schattenhalmumgrenzt.

Um deine Lenden schwamm die weiße Molke,
in der mein Herz der Mücke gleich ertrank.
Und was du sprachst, war Tau aus einer Wolke,
ein süßes Gift, das in die Wunde sank.

Dein Schlaf war eine Blume, weichem Hauche
wie Mondes fahlem Lächeln hingeneigt,
im Traum sich öffnend, daß ein Falter tauche,
der fühlerzart nach Lichtes Pollen äugt.

Ich sah auf deiner Stirn noch Blütenhelle,
als Finsternis die Träne heimgebracht.
Du legtest mir zum Abschied auf die Schwelle
die weiße Knospe und das grüne Blatt.

 

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