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Die wiedergefundene Stimme

19.05.2024

Ward eine Stimme erstickt, wie ist voller Grauen die Stille.
Hat sie gerufen nach dir, scheinst du dir selber wie tot.
Stimme, die einst die Blüten, des Gartens Früchte besungen,
Lied von betörendem Duft, Duft einer südlichen Frucht.
Aber wenn sie im Rauschen des Wassers, im Rauschen der Zweige
unversehens erwacht, wird alle Nähe dir fern,
gehst Nachtwandlern gleich du im Zwielicht dämmernder Blätter
auf dem schwindelnden Grat Abgrund gewordener Welt.
Willst du ihr schimmerndes Fließen im schmalen Versbette bannen,
sieh, wie es blaßt und jäh sickert ins Dunkel hinab.
Willst du ihr Bild mit den Maschen zierlicher Zeichen umfassen,
Farbe des Flügels zerstäubt, geht dir der Falter ins Netz.
Selbst den du meißeln ließest in Stein, den Namen der Liebe,
schon hat verwischt ihn die Zeit, Witterung tilgt ihn und Moos.
Nein, du taste in wandernden Schatten ihr nach, wenn sie blauen
unter der Knospe des Monds, tuet sie auf sich dir ganz.
Lehne am offenen Fenster der Sommernacht, lausche den Tropfen,
fern in verwunschenem Hort quillt es noch silbern und hell.

 

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