Skip to content

Glossen an der Grenze des Sinns

24.01.2016

Liebe wird nicht greifbar
als Schatten auf dem Spiegel,
Liebe wird nicht erkennbar
im Schatten auf dem Spiegel.

Liebe spiegelt ihr Bild nicht wider.

Das Unterpfand der Liebe ist der Name,
den der Liebende nicht vergißt.

Liebe ist die Treue zum Namen.

Der Name ist das Unterpfand
der Identität der Person
jenseits der Zeit.

Der Name erlischt nicht
mit seinem Träger.

Wenn die Erinnerungen verblassen,
bleibt das Licht des Namens.

Frömmigkeit ist die Treue
zum Gottesnamen.

Bevor Gott sprach, existierten die Dinge nicht –
auch nicht als Schatten im Spiegel seines Geistes.

Wenn Gott alles in allem ist,
ist außer Gott nichts,
kein Ding und kein Schatten des Dings.

Wenn Gott alles in allem ist,
sind wir in Gott,
sofern er uns denkt,
sofern er uns spricht.

Weil Gott es besagt und befiehlt,
ist das Heilige heilig
und das Gute gut.

Nicht weil etwas heilig wäre,
nicht weil etwas gut wäre,
sagt Gott es zu und befiehlt es.

Der Liebende liebt nicht die Schönheit der Geliebten
oder die Geliebte, weil sie schön ist.
Schön ist die Geliebte,
weil sie der Liebende liebt.

Der Sinn des Begehrens
ist nicht das Fleisch,
das es genießt.

Der Sinn des Wunsches
ist nicht das Ding,
das er verzehrt.

Die Bedeutung des Worts
gleicht nicht den Wellen,
die sich um den Stein bilden,
den du ins Wasser geworfen.

Die Ordnung des Wunsches,
die Ordnung des Worts
ist nicht ein Feld von Kräften.

Die Ordnung des Wunsches,
die Ordnung des Worts
ist die Logik des Sinns.

Der Sinn des Worts
ist Antwort,
das Gegenwort.

Der Sinn der Schöpfung
ist das gezeitigte Wort,
der Leib des Worts.

Wort, das leidet und stirbt,
Wort, das aufersteht.

Comments are closed.

Top