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Stilleben

10.01.2019

Tischtuch in weißem Krampf,
verschmutzter Schnee
in wirren Schlafes Schneisen,
kleine Lache Blut,
ein Blatt erloschenen Mohns,
umgestürztes Glas,
hastig ausgeleert,
das abgetane Raunen
aufgesprühter Perlen.

Als wäre Zeit erstickt
in Fliederduftes Schwüle,
saugt einer Fliege
somnambuler Mund
am Fäulnisschweiß
der angebissenen Birne,
betrunken krabbelt sie
durch Stundenbuches Sand
aufs Ornament der Initiale
O, die Seufzer-Laube
der BEATA MORS,
und sie erstarrt.

In der Dämmerung,
die im Gelbstich
aus den Blumenranken
der Tapete dunstet,
entfacht im Glas der alten
Uhr auf der Vitrine,
große weiße Oblate
in einem Tabernakel,
das blinde Seherauge
ihres Ziffernblatts
sein Jenseits-Licht.

 

Anmerkung zum Verständnis:
O beata mors ist ein Gebet aus dem Stundenbuch aus Paris (15. Jhdt.).

Siehe:
http://www.luxautumnalis.de/o-beata-mors/

 

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