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Verlorener Bote

03.04.2024

Gedenk der Heimaterde,
die dich ausgesandt.

Wenn sich der Morgendunst allmählich klärt,
von Tropfen glitzernd, bitter-süßen,
wie dort das Kreuz, gehauen aus Basalt,
das Unding, aller Dinge schmerzlich-wahre Mitte,
und fast von Moosen übergrünt, vergessen,
in einen schiefermatten Himmel ragt.
Dort, wo der Ginster schäumt und Summen webt,
wo Erde gärt und Asche blüht, im Wasser Geysir spukt,
in heißen Mittags schlafenstrunkner Stunde,
bist, scheuer Mensch, du einst entlanggegangen.

War noch ein Echo wach in dir von Glocken,
Geläut, das früh die Nebelschleier aufgetrennt,
als du am runden Maar in schilfgewiegter Dunkelheit gelegen,
erwacht vom dämmergrünen Kuckucksruf,
der dir von einer Schöpfung ungeheurer Weite
der Fülle Widerhall, der Klage Unmaß gab?

Nein, dein Kopf war jetzt ein Bienenkorb erhitzten Schwirrens,
und brachten Nektar die Gedanken, so von Blüten
ferner Auen, unbekannter, südlich sonnenheitrer Triften,
du weißt nicht, Orchideen, Chrysanthemen, Oleander,
ach, schlichten Veilchen auch, dem einen gleich, das sie dir einst,
das sie dir einst gepflückt, dir in das Buch gepreßt.
Und plötzlich bist du wildnisüberschattet
von schwarzer Locken Wogenfall,
und nur ein Glanz ist nah, der Glanz von Augen,
da wachst du, hingestreckt im Stoppelfelde, wachst du auf.

Jetzt spute dich, die Sonne sinkt, jetzt eile,
du bist ein Bote ja, mit einer Botschaft, froh und ernst.
Was Leides dir geschieht und schmerzt und niederdrückt,
es sollte wie die Wunde sein des Läufers,
des Herolds, der vom Wunder der Errettung Kunde bringt,
denn seiner harren, die schon nachtlang zweifelnd bangen,
und fällt er hin, mag auch das Knie noch bluten,
er rafft sich auf, holt Atem und läuft zu.

Der Mond, ein Mahnmal überm Grab des Tages, schwebt herauf,
erloschen ist der Lerchen Sonnensang,
dort schauert Laub, tautriefendes, von Reben,
du siehst aus Höhen in der Tiefe freudig ihn
im späten Strahl vom Schaum des Abgrunds glimmen,
den heimatlichen Strom.

Dir aber girrt der Abendwind im Haar,
und an die Schläfen schmiegen seufzend sich die Blätter,
schwellend-goldener Trauben Hüterinnen.
Dir ist, als ob der warme Schiefer unterm Mondlicht ächzt,
im Tale aber schluchzen müde Wellen.
Und über dir erstarrt zu Gletschern Dunst und Wolke,
du zitterst vor dem Hauch, dem eisigen, der Ewigkeit.

Ach, sink nur nieder auf die harte Stufe, wo ein schwaches Flackern
von Kerzen vor dem Andachtsbild dir spricht
und spricht von unerlöster Einsamkeit der Kreatur,
Verlorenheit, wenn alle Pfade dunkeln,
kein Stern ist, der noch in die Heimat führt.

Ein Bote warst du,
dem Erinnerung, die zarte Schale,
worin die Blume süßen Duftes schwamm,
am Schmerz zerbrach,
verlorener Bote,
dem die Botschaft hingewelkt.

 

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