Der Abgrund Schweigen
Im Gedenken an E. M. Cioran
Du sagst dein Ja, grummelst nein in deinen Bart.
Ob sie milde lächeln,
hinter deinem Rücken hecheln,
Einsamkeit, sie bleibt dir aufgespart.
Da sitzt sie wieder auf dem Dach, die Taube.
Daß an dir sie sich gefreut,
weil Körner du ihr hingestreut,
o töricht liebenswerter Glaube.
Die Kerze flackert, bist mit dir allein.
Mag sie aus nur gehen,
es gibt nichts mehr zu sehen.
Und was du sahst, war eitel Schein.
Alles wie von Asche grau beschichtet,
jeder Mund, der sich zum Kuß geründet,
was du lasest, was dir ward verkündet,
keiner Mythe fühlst du dich verpflichtet.
Tönt es wie Schluchzen noch von fernen Quellen,
du wühlst den Kopf ins dumpfe Kissen,
als würdest nichts du, keiner dich vermissen.
O trunknes Boot, wenn Traumes Segel schwellen.
Und will sich lockend dir ein Ufer zeigen,
wo Ariel und lüstern Elfen winken,
stürz dich hinab, im Abgrund zu versinken,
wo alles Sagen, alles endet – Schweigen.
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