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Der neue Weg

23.12.2015

Wer stapft den alten Pfad entlang,
wer hat die Büsche beschnitten,
den Kies geharkt,
die Wegweiser gerichtet
und hier die Bank aufgepflanzt,
damit wer, ins Schwitzen geraten,
sich hier niederlassend
die Aussicht genießen kann?

Wer wird erzählen, was er sieht,
nachdem er sich den Schweiß
von der Stirn gewischt hat,
dort in der nahen Ferne
vom matt beglänzten Rhein?

Es ist der alte Adam,
sage du und ich,
dem schon die Sätze überwuchern,
die Bilder schon verbuschen,
den die Zeichen im Kreis geführt,
der müde auf der Ruhebank
trocknen Sinnes
dämmert.

Doch wir verwehrenʾs ihm:
Wir saßen manches Mal schon dort,
von kalten Träumen,
dunklen Sprüchen starr.

Uns reizt zu sehen,
was noch keine Aussicht hat,
zu hören,
was zwischen dir und mir
Ungesagtes frisch geblieben,
reizt zu gehen,
nicht mit fühllosem Schuh
den alten Pfad,
und schwitzend Rast zu finden nicht
bei der schönen Aussicht.

Du rate nun,
wie gehen wir,
barfuß,
ohne Weiser einer Richtung,
ohne Aussicht einer Aussicht,
wie gehen wir
den neuen Weg,
der sich bahnt,
indem wir ihn beschreiten.

Du rate nun,
wie wollen wir uns sagen,
was über uns
von dem stillen Blatt
unbeschnittnen Sinnes
tropft.

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