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Modicum lumen

29.10.2020

Die Einsamkeit der Agrippina,
des Monstrums, das ein Monstrum
der ewigen Roma einst gebar,
sie deutet Tacitus,
der vielsagende Verschwiegene,
mit den Worten modicum lumen,
schwaches Licht oder Funzel, an,
die Einsamkeit, Verlorenheit,
niedergebrannte Lebensgier,
Dämmerlicht im Villenzimmer,
dem Todeskabinett, in das die Häscher
im Auftrag ihres Sohnes Nero
dringen, sie wie ein Tier zu schlachten,
und sie reckt den Leib,
dem Sohn verfallene Mutter,
dem finalen Schwerthieb
theatralisch hin.

Wer hat dies Dämmerlicht,
das um verglühte Herrschaft schwebt,
ungeheuren Lebens
verdüsterte Aura,
je gemalt?

Spukt es nicht wie Herbstgespenst
aus faulem Laubwerk eines Gartens,
der zwischen morschen Pfählen,
der Sonne überdrüssig,
die Totengöttin Mond erwartet,
die ungepflückte Niemands-Frucht,
runzlig und verblaßt,
ihr darzureichen?

 

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