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Österliche Vierzeiler

05.04.2026

Als wolltest schlürfen du den Tau, den bittern,
aus fahlen Kelchen, die im Nachtwind zittern.
Doch glänzt ein Kelch, gefüllt mit süßem Lichte,
ein Wort, das uns entreißt dem Weltgerichte.

Als möchtest du im dunklen Winkel schmollen,
ein Kind, dem man verwehrt, herumzutollen.
Doch angenagelt hängt an Fuß und Händen,
der dir das Herz der Unruh könnte wenden.

Als wärest du vom Druck des Dämons trunken,
der wie ein Stein dir auf die Brust gesunken.
Doch auf dem Felsen vor dem Grabe lohte,
der ihn gewälzt, des Himmels Flammenbote.

Als wolltest du, verfolgt von wüsten Stimmen,
aufs steile Ufer, wo sie branden, klimmen.
Doch Patmos ist das Eiland, das dich rettet,
wo Kranke man aufs Moos der Stille bettet.

 

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