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Rauschen, versickern

11.11.2019

Wie könnt es ein Lächeln geben ohne Augen
und Mund, Gesichtes Wahrheit am menschlichen Körper,
doch lächelt kein Körper, sondern ein menschliches Wesen.

Ist Lächeln wie Weinen Ausdruck seelischen Lebens
und kann verleibt nur lächeln der Mensch, so wissen
wir, Plato lag falsch, unkörperlich ist keine Seele.

Wie könnt es Gedanken geben ohne die Zeichen
für richtig und falsch, den falschen Satz verneinen,
den wahren bejahen wir sprachbegabten Tiere.

Ist Reden wie Denken Ausdruck gemeinsamen Lebens
und werden in Zeichen Gedanken sichtbar, so wissen
wir, fehl ging Descartes, rein innerlich ist kein Gedanke.

*

Wir leben die Jahreszeiten der Seele, wurzelnd
im Mutterboden der Sprache, fruchtend, verdorrend.
Gefrorene Quellen unterm Bogen wechselnder Monde

sind ausgesetzt wir auf verschneiten Gipfeln des Schweigens.
Kommt gütig der Strahl und taut uns, rinnen wir rauschend
einander entgegen, doch müssen wir wieder versickern.

 

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