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Schattenrisse, Puppen, Avatare

28.06.2021

Schattenrisse, Puppen, Avatare, die Auto fahren,
essen, schlafen, träumen, sich umarmen.
Statt Mark und Nerven Blindgestrüpp
von Phrasen, durch nummerierte Kapillare
sickert zerstampfter Blüten fade Lymphe.
Was sie einander sind: milchige Flecken
auf der Haut, die mondne Blässe eines Händedrucks,
die, erschlafft der Griff, gespensterhaft erlischt.

Daß ein ernüchterter van Gogh sie malen könnte,
die Leere, wie sie gnadenlose Augen sehen,
das Vakuum, die Transparenz des Nichts,
die um ihr schreiendes Gewese schweigt,
die Leere, die in ihnen schwülstig schwadroniert,
vom Fleischermarkt des knurrenden Tags
bis in den schluchzenden Schlachthof des Traums,
von Allverbrüderung im Schlamm,
von Fäulnissümpfen molchiger Umklammerung.
Und küssen sie, und stechen sie,
mit Wahn-Wulst-Lippen, mit psychotischen Messern,
gluckst, mühsam aufgewallt, das Blut so hohl,
wie klaglos es aus namenlosen Wunden rinnt.

Nicht daß sie einsam wären,
verwehte Blätter auf brackigen Untot-Wassern,
die im bleichen Strahl des Mondes schwappen,
die Möglichkeit zur Einsamkeit ging ihnen aus,
Gespenstern, die an Windes Leine kläffen,
verdunstete zu einem Grinsen, feig von gleich zu gleich.
Der Laich des Glücks ist fahl, ein stummes Einvernehmen,
wenn sie in Schuppen lüsternen, letalen Funkelns
in- und auf- und miteinanderschwärmen,
Geisterfische unterm scheelen Blick der Sonne,
die ihre Reuse jäh ans dämmernde Ufer zieht.

 

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